Quelle: Blätter 2000 Heft 05 (Mai)


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       In eigener Sache
       
       DEMOKRATIEPREIS 2000
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       Der Demokratiepreis der "Blätter" und ihres Fördervereins geht im
       Jahr 2000 an den
       
       Bundesverband Information und Beratung
       für NS-Verfolgte e.V.
       und seinen Sprecher Lothar Evers.
       
       Das Trauerspiel  um die  Zwangsarbeiterentschädigung nähert  sich
       offenbar seinem  Ende. 55  Jahre nach  dem Krieg  ein Happy  End?
       Kaum. Die  Überlebenden - etwa jede/r achte Betroffene - erhalten
       wenigstens im hohen Alter noch eine gewisse Kompensation. Darüber
       freuen wir  uns. Keine Freude hingegen bereitet uns der Geist, in
       dem die  Auseinandersetzung um  die Entschädigung  geführt wurde.
       Immer wieder schienen Selbstgerechtigkeit und Herablassung gegen-
       über den Opfern durch, zeigte sich, daß man auf Ablaß und Schluß-
       strich (zumindest in "materieller Hinsicht") erpicht war. Das hat
       Spuren hinterlassen.
       Die Fortsetzung ist absehbar. Die Verabschiedung des Stiftungsge-
       setzes, die  Unterzeichnung eines deutsche Unternehmen, Versiche-
       rungsgesellschaften und  Banken vor  rechtlichen Schritten in den
       USA schützenden Regierungsabkommens, schließlich die Gründung der
       Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" werden zum
       Anlaß neuerlicher Selbstbeweihräucherung.
       Die "Blätter"  wollen mit dem Demokratiepreis 2000 andere Akzente
       setzen.
       Der "Bundesverband  Information und  Beratung  für  NS-Verfolgte"
       führt einen  prosaischeren Namen  als die entstehende Bundesstif-
       tung. Das  mit bescheidensten  Mitteln arbeitende kleine Team mit
       seinem Sprecher  Lothar Evers gehört zu jenen, die hartnäckig im-
       mer wieder  das Schicksal der Überlebenden und deren Recht in Er-
       innerung rufen, wenigstens den Lebensabend in Würde verbringen zu
       können. Der  Kölner Bundesverband  hat sich zugleich die Freiheit
       bewahrt, die Dinge beim Namen zu nennen.
       Wie viele  Zumutungen in  Stiftungsvorlagen der  deutschen  Wirt-
       schaft, den diversen Gesetzesentwürfen und Begründungsmustern der
       Bundesregierung wären  unbemerkt  "durchgegangen",  hätten  nicht
       Leute wie  Lothar Evers und seine Kollegen (neben engagierten Au-
       toren) immer wieder Korrekturbedarf angemeldet. Prinzipielle Kri-
       tik an  Geschichtsklitterei und Konstruktionsfehlern der Stiftung
       wurde mit präzisen Verbesserungsvorschlägen verknüpft.
       Solches Engagement  wird auch in Zukunft dringend gebraucht, wenn
       es darum  geht, die  Stiftungsgelder angemessen  zu verteilen und
       zügig auszuzahlen.  Und es  gilt, der Deutung des "abschließenden
       Zeichens" der Bundesstiftung als Selbstentpflichtung und Freikauf
       von der Vergangenheit entgegenzutreten.
       Der Demokratiepreis 2000 der "Blätter soll Mut dazu machen.
       Bonn, 17. April 2000
       
       Lothar Evers  nimmt den  Demokratiepreis  in  einer  öffentlichen
       Abendveranstaltung entgegen:
       Berlin, 7.  Juni 2000,  20 Uhr,  Humboldt-Universität, Unter  den
       Linden 6.
       Es sprechen  Hildegard Hamm-Brücher,  Micha  Brumlik  und  Lothar
       Evers.
       Die Historikerin  Gabriele Lotfi  wird in  das Thema  Zwangs- und
       Sklavenarbeit einführen.  (Soeben erschien ihre Studie KZ der Ge-
       stapo. Arbeitserziehungslager im Dritten Reich. Mit einem Vorwort
       von Hans  Mommsen, 452  S., Stuttgart/München 2000, Deutsche Ver-
       lags-Anstalt.)
       
       Karten können  ab sofort bei der Blätter Verlagsgesellschaft vor-
       bestellt werden.  Telefon 0228/65  01 33,  Fax 65  02 51,  e-mail
       blaetter@t-online.de
       

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