Quelle: Blätter 1957 Sonderheft 1


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       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Sonderheft 1 1957
       
       DIE STIMME DES PAPSTES
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       Gedanken zur christlichen Gewissenserforschung anläßlich der
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       päpstlichen Weihnachtsbotschaft vom 23. Dezember 1956
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       von Prof. Dr. Leo Weismantel
       ...
       I. Von der Wirkung der Botschaft unter den Deutschen
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       II. Von der gestörten Einheit der Schöpfung
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       "Es gibt  Fälle und  Augenblicke im  Leben der Nationen, in denen
       nur die  Besinnung auf höhere Grundsätze klar die Grenzen bestim-
       men kann zwischen Recht und Unrecht, zwischen erlaubten und uner-
       laubten Schritten  und wo sie  n u r  d a s  G e w i s s e n  an-
       gesichts schwerwiegender  Entschlüsse zu  beruhigen vermag  - das
       soziale Leben  bewahrt sich  insofern vor  dem Chaos, als es sich
       von absoluten  Richtlinien und  von einem  absoluten Ziel  leiten
       läßt. Damit  verurteilen sie  mittelbar jene,  die  glauben,  sie
       könnten die Fragen des menschlichen Zusammenlebens auf der Grund-
       lage guter  äußerer Formen lösen und mit einem praktischen Blick,
       der zu  handeln sucht,  je nachdem es in den einzelnen Fällen In-
       teresse und  Macht nahelegen.  - Die Verbesserung der Institution
       ist nicht so dringend wie die der Sitten. - Man hat in der moder-
       nen Zeit die inneren Grundlagen dieser Werte von der Gesellschaft
       a u c h   i m   W e s t e n  (!) im Namen eingebildeter Genügsam-
       keit des Menschen zerbrechen lassen."
       ...
       III. Von der Stimme des Papstes *)
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       ...
       "Der Staat  und sein Aufbau hängen ab von der sittlichen Beschaf-
       fenheit seiner  Bürger, besonders  heute, da der moderne Staat im
       Hochgefühl seiner technischen und organisatorischen Möglichkeiten
       leider sehr dazu neigt, dem Einzelnen die Sorge und Verantwortung
       für sein  Leben durch  öffentliche Einrichtungen abzunehmen. Eine
       so angelegte  moderne Demokratie wird darum überall fehlschlagen,
       wo sie  sich nicht mehr an die sittliche Verantwortung der Bürger
       wendet und wenden kann."
       ...
       ...
       In seiner  Botschaft an  den 77.  Deutschen Katholikentag ergänzt
       der Papst deutlich seine früheren Ausführungen:
       "Es gibt  eine Koexistenz in der Wahrheit: die katholische Kirche
       nötigt niemand, ihr anzugehören. Sie verlangt jedoch für sich die
       Freiheit, nach  ihrer Verfassung und ihrem Gesetz im Lande zu le-
       ben, ihre  Gläubigen zu  betreuen und  die Botschaft Jesu Christi
       verkünden zu können."
       ...
       ...
       "Zur Zeit  herrscht in manchen Ländern eine zügellose Propaganda,
       die nicht  vor offenkundigen  Entstellungen der  Wahrheit zurück-
       schrickt und der öffentlichen Meinung Tag für Tag und fast Stunde
       für Stunde  die gegnerischen  Nationen in  einem verfälschten und
       beleidigenden Lichte zeigt. Wer wirklich das Wohlergehen des Vol-
       kes wünscht,  wer sich  danach sehnt,  dazu beizutragen,  daß die
       geistigen und  sittlichen Grundlagen für die künftige Zusammenar-
       beit der Völker vor unberechenbarem Schaden bewahrt bleiben, wird
       es als  heilige Pflicht und hohe Aufgabe betrachten, die natürli-
       chen Ideale  der Wahrhaftigkeit,  der Gerechtigkeit,  der Ritter-
       lichkeit, der  Zusammenarbeit im Guten und vor allem das erhabene
       übernatürliche Ideal  der brüderlichen Liebe, das Christus in die
       Welt gebracht  hat, im  Verständnis und  im Gefühl  der  Menschen
       nicht verloren gehen zu lassen."
       ...
       ...
       "Die Stunde  des Sieges  ist eine Stunde des äußeren Triumphs für
       den, der ihn erringt. Aber sie ist zugleich die Stunde der Versu-
       chung, in  der der  Engel der Gerechtigkeit mit dem Dämon der Ge-
       walt kämpft.  Die Aufwallung  der  Volksleidenschaften,  geschürt
       durch die  Opfer und  ertragenen Leiden,  trübt oft den Blick der
       Verantwortlichen und  läßt die  Stimme der Menschlichkeit und der
       Billigkeit mißachten.  Die Gefahr  ist groß,  daß Beschlüsse  und
       Entscheidungen, die unter solchen Umständen gefaßt werden, nichts
       weiter als Ungerechtigkeit unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit
       sind."
       ...
       ...
       "Nichts ist  mit dem  Frieden verloren - alles kann verloren sein
       mit dem  Kriege! Durch  die Macht  der Vernunft,  nicht durch die
       Waffen bahnt sich die Gerechtigkeit ihren Weg.
       Wir flehen die Mächtigen an. Wir flehen sie an um des Blutes Jesu
       Christi willen, dessen siegreiche Kraft die Sanftmut im Leben und
       im Tode war.
       Wir haben  für uns  alle, die rechtschaffenen Herzens sind, alle,
       die nach  Gerechtigkeit hungern  und dürsten, alle, die schon in-
       folge der Übel des Lebens jeglichen Schmerz erleiden.
       Wir haben  für uns  die Herzen  der Mütter,  die mit  dem unseren
       schlagen.
       Wir haben für uns die Väter, die ihre Familien verlassen mußten.
       Wir haben für uns die Unschuldigen, auf denen die furchtbare Dro-
       hung lastet.
       Wir haben  für uns  die Jugendlichen, die großherzigen Ritter der
       reinsten und edelsten Ideale.
       Mit uns  ist die  ganze Menschheit,  die Gerechtigkeit,  Brot und
       Freiheit erwartet,  nicht aber das Eisen, das tötet und zerstört.
       Mit uns  ist jener  Christus, der die brüderliche Liebe zu seinem
       höchsten, grundlegenden  Gebot gemacht  hat: die  Substanz seiner
       Religion, das Versprechen des Heils für die Einzelnen und die Na-
       tionen zu sein!"
       ...
       ...
       "Die Kriegführenden  flehen wir an, sich des Gebrauchs immer mör-
       derischer Waffen zu enthalten!" (Rundfunkansprache vom 13.4.1941)
       ...
       ...
       "Wenn je  eine Generation  aus Gewissensgrund  den Ruf gehört hat
       "Krieg dem  Kriege!", so  ist es gewiß die gegenwärtige. Denn sie
       ist durch  einen Ozean von Blut und Tränen gegangen, wie ihn frü-
       here Zeiten  vielleicht nie  gekannt haben.  Ohne Zweifel ist der
       Fortschritt der  menschlichen Erfindungen, der die Verwirklichung
       eines größeren  Wohlstandes für  die gesamte Menschheit hätte be-
       zeichnen sollen,  statt dessen  zur Zerstörung dessen ausgeschla-
       gen, was die Jahrhunderte erbaut haben. Aber dadurch hat sich im-
       mer deutlicher  die Unsittlichkeit des Angriffskrieges erwiesen."
       (Aus der Weihnachtsbotschaft vom 24. Dezember 1943)
       ...
       ...
       "Bei dieser Sachlage können wir uns nicht enthalten, einen Gedan-
       ken auszusprechen,  der beständig  auf unserem  Geiste lastet wie
       auf dem  Geiste aller,  die den  wahren Sinn der Humanität haben,
       und dazu  erinnern wir uns der Worte des hl. Augustinus in seinem
       Werke 'De  civitate Dei', wo er von den Greueln des Krieges, auch
       des gerechten Krieges, spricht.
       'Wollte ich'  - so schreibt er - 'von diesen Übeln berichten, wie
       es sich gehört, von den vielen und vielfältigen Verwüstungen, den
       grausamen Ängsten,  wann würde ich wohl mit der langen Aufzählung
       zu Ende kommen?'
       Wer immer  diese grausigen,  unheilvollen Dinge  mit Schmerz  be-
       trachtet, muß  das Elend  des Krieges  bekennen. Wer sie aber er-
       trägt und an sie ohne Beängstigung des Gemütes denkt, glaubt sich
       auf eine  noch viel  elendere Weise  glücklich, weil  er auch das
       menschliche Gefühl  verloren hat!"  (1948 in  einer Botschaft zur
       Eröffnung des 12. Jahres des Pontifikats an die Akademie der Wis-
       senschaften, unter dem 8. Februar)
       ...
       ...
       "Es genügt  nicht, daß  man sich gegen irgendeine Ungerechtigkeit
       verteidigen will,  wenn man  zu den Waffen greift. Wenn die Schä-
       den, die  der Krieg  mit sich bringt, in keinem Verhältnis zu der
       ertragenen Ungerechtigkeit  stehen, kann es Pflicht sein, das Un-
       recht hinzunehmen.  Das gilt  vor allem für den ABC-Krieg. Es ge-
       nügt für den Augenblick, sich die Frage zu stellen, ob es notwen-
       dig werden kann, sich gegen einen ABC-Krieg zu verteidigen.
       Nach den  Greueln zweier  Weltkriege haben wir nur daran zu erin-
       nern, daß  jede Verherrlichung des Krieges als Verirrung des Gei-
       stes und des Herzens verurteilt werden muß. Den Krieg heraufzube-
       schwören, weil  er eine  Schule großer Tugenden und eine Gelegen-
       heit, sie  zu verwirklichen, sei, muß als Verbrechen und Wahnsinn
       bezeichnet werden.
       Darf der  Arzt seine  Wissenschaft und  sein Wirken in den Dienst
       des ABC-Krieges stellen?
       Die Ungerechtigkeit  kann er  niemals unterstützen, wäre es auch,
       um seinem  eigenen Lande  zu dienen.  Wenn ein solcher Krieg eine
       Ungerechtigkeit darstellt,  kann der Arzt an ihm  n i c h t  mit-
       wirken!" (Ansprache an die Militärärzte vom 19. Oktober 1953)
       ...
       ...
       "Washington, 22.  Februar 1957  (dpa). Der  Leiter der amerikani-
       schen Behörde  für Zivilverteidigung, Val Petersen, hat vor einem
       Kongreßausschuß erklärt,  ein Überraschungsangriff mit Atomwaffen
       auf die Vereinigten Staaten könnte die Hälfte der Bevölkerung das
       Leben kosten. Dabei sei es gleichgültig, ob Luftschutzbunker vor-
       handen seien  oder nicht.  Die Pläne  zur Evakuierung der Städte,
       die sein Amt empfohlen hat, könnten in dem Augenblick zum Fenster
       hinausgeworfen werden, in dem interkontinentale Ferngeschosse zur
       Verfügung stehen.  In letzter Konsequenz könne es überhaupt keine
       auf Wasserstoffbomben vorbereitete Nation geben."
       ...
       IV. Von der Aufspaltung des Menschen
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       ...
       "Und es  ward mir  (Johannes) ein  Rohr  gegeben,  einem  Stecken
       gleich, und ER (= der "Starke Engel" = Christus) sprach: Steh auf
       und miß den Tempel Gottes und die darinnen beten.
       Aber den  Vorhof außerhalb  des Tempels  wirf hinaus  und miß ihn
       nicht, denn er ist den Heiden gegeben; und die heilige Stadt wer-
       den sie zertreten - - -."
       ...
       V. Vom Bild des westdeutschen Menschen
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       VI. Von der Politik in Westdeutschland
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       und von der päpstlichen Botschaft
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       ...
       Zu ihnen  gehört das vom westdeutschen Bundeskanzler Adenauer mit
       den Westmächten am 22. November 1949 geschlossene "Petersberg-Ab-
       kommen" mit seinem gewichtigen
       "Punkt III:
       Die Bundesrepublik  erklärt ihre feste Entschlossenheit, die Ent-
       militarisierung aufrecht zu erhalten und mit allen ihr zur Verfü-
       gung stehenden  Mitteln die Neubildung irgendwelcher Streitkräfte
       zu verhindern"
       und dem bedeutungsvollen Kommentar des Kanzlers:
       "Ich glaube,  daß die Mehrheit des deutschen Volkes damit einver-
       standen sein würde, wenn wir wie die Schweiz völkerrechtlich neu-
       tralisiert würden",
       ...
       ...
       "Die Wehrpflicht  ist ein  Attentat auf  die Selbstbestimmung der
       sittlichen Persönlichkeit" (Papst Leo XIII.)
       ...
       ...
       "Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ist nach meiner Über-
       zeugung die  Hauptursache für  den moralischen Zerfall der weißen
       Rasse und stellt den Fortbestand unserer Kultur, ja, unserer Exi-
       stenz ernstlich in Frage!" (Albert Einstem),
       ...
       ...
       "Der jetzige  Plan der  NATO ist, durch die Kombination von Luft-
       und Landstreitkräften den Gegner zur Konzentration zu zwingen und
       ihn dann mit atomaren Waffen zu bekämpfen",
       um am 9. Mai v. Js. noch deutlicher zu werden:
       "Wenn im  letzten Kriege Feldzüge so geplant worden sind, daß man
       die Landstreitkräfte  sorgfältig einsetzte  und  sie  dann  durch
       Luft- und  Bodenwaffen unterstützte, dreht sich heute die strate-
       gische Konzeption  um die  maximale (!!) Ausnutzung neuer Waffen,
       besonders der  Atomwaffen. Man  kann fast  sagen, daß  die  Land-
       streitkräfte diese Waffen unterstützen"
       und die Rolle der wiederbewaffneten deutschen Jugend festzulegen:
       "Der deutsche  Beitrag ist  nötig, um  in einem Ernstfall den ge-
       samten (!!) Vorteil der Atombomben ausnutzen zu können!"
       ...
       ...
       Nicht anders General Norstad:
       "Falls unsere  Streitkräfte in  den Krieg  beordert werden, sehen
       unsere Pläne, die vom Rat der NATO gebilligt worden sind, die An-
       wendung der  Atomwaffen vor.  Nach meiner  Überzeugung sollen und
       werden Atomwaffen  angewandt werden,  falls es nötig sein sollte,
       Westeuropa zu verteidigen, und zwar in einem solchen Maße, wie es
       diesem lebenswichtigen Zweck entspricht."
       ...
       

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