Quelle: Blätter 1957 Heft 06 (Juni)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Rudolf Pikola
       
       JESUS UND DER MILITÄRBISCHOF
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       ...
       "Ich habe gehört", sagte Jesus, der gleich auf die Sache zu spre-
       chen kommen wollte, die ihm am Herzen lag, "daß du zum Militärbi-
       schof des neuen Heeres ernannt worden bist."
       "Ja, ich wurde dieser hohen Ehre..."
       "Von der  Ehre rede  ich jetzt nicht", unterbrach ihn Jesus, "ich
       habe sie  noch nie für so wichtig gehalten, wie man das gerade in
       diesem Lande tut. Aber ich habe mich trotzdem sehr über deine Be-
       rufung gefreut,  weil ich  darin eine  Möglichkeit sehe, den Men-
       schen, die der Staat zwingen will, andere zu töten..."
       "Es handelt  sich zum  Teil noch  um Freiwillige, Herr", erlaubte
       sich der  Kardinal einzuwenden. "Außerdem gestattet es ein Gesetz
       - das wir allerdings nicht unbedingt begrüßen können, weil es die
       Staatsautorität zu  unterhöhlen imstande sein könnte, wenn es von
       allen..."
       "All diese Dinge wollen wir hier unbesprochen lassen", fuhr Jesus
       lächelnd fort. "Du weißt, daß ich Auslegungen und Spitzfindigkei-
       ten nie  die Bedeutung  beimaß, wie  ihr euch das angewöhnt habt.
       Ich meine, daß ihr von der Möglichkeit Gebrauch machen müßt - ihr
       müßt es, hörst du? -, allen, die töten wollen oder glauben, töten
       zu müssen,  zu sagen,  daß sie  das nicht  dürfen und daß sie das
       fünfte Gebot  des Vaters  und mein  Gebot von  der Nächsten-  und
       Feindesliebe höher  achten müssen  als die Erlaubnis oder den Be-
       fehl des  Staates, dessen Angehörige seltsamerweise in meinem Na-
       men zu handeln und zu leben vorgeben."
       ...
       ...
       "Diese Einschränkung",  fuhr der  Kardinal fort, "ist der Kriegs-
       fall und  alles, was  zur Bereitschaft  für ihn  nötig ist. Deine
       Kirche hat,  dank der  Weisheit des Vaters, die du ihr vermittelt
       hast, schon  immer diesen  Tatbestand anerkannt und noch nie eine
       andere Haltung eingenommen. Es wäre völlig unverständlich und so-
       gar gefährlich,  wenn sie  es jetzt täte. Du wirst mir, Herr, als
       deinem getreuen Diener, dabei recht geben müssen."
       ...
       ...
       "Ich weiß  das alles", sagte Jesus leise, "und ich bin 2000 Jahre
       lang von  all den Gebeten um Sieg, von all den Schlachtenrufen in
       meinem Namen,  von geweihten  Waffen und Dankchorälen, von Kreuz-
       zugsliedern und  Feldmessen grausamer und bitterer gemartert wor-
       den als  von meinem  Kreuzestod. Nun  aber habe ich geglaubt, daß
       dieses Volk,  das so viel fremdes Blut vergossen und so viel Leid
       erduldet hat,  zur Einsicht  gekommen wäre und daß es endlich den
       Mut zu  einem ganz  neuen Anfang gefunden hätte. Die Staatsmänner
       scheinen es  nicht fertigzubringen. Da sie aber euch, meinen Die-
       nern, die  Tore zu  den Schulen  des Mordes  öffnen, habe ich ge-
       hofft, ihr  würdet mein  Wort verkünden und die Menschen, die man
       euch anvertraut, aufrufen, nicht das Töten zu lernen, sondern das
       Lieben."
       ...
       

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