Quelle: Blätter 1957 Heft 06 (Juni)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       PIUS XII. WARNT VOR ATOMRÜSTUNG
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       Der "Osservatore Romano" veröffentlichte die Note, die Papst Pius
       XII. dem  japanischen Sonderbeauftragten  Prof. Masatoshi Matsus-
       hita überreichte. Die Note hat folgenden Wortlaut:
       "Die wachsende  Beherrschung der gewaltigen Naturkräfte durch den
       Menschen läßt  neue und inständige Motive der Sorge entstehen. In
       der Tat, die zerstörende Gewalt der Atomwaffen ist unbegrenzt ge-
       worden, nicht  mehr gebremst durch die 'kritische Masse', die der
       schon schrecklichen Gewalt der ursprünglichen Atomwaffen eine na-
       türliche Grenze  setzte. Jetzt  wird diese  unbegrenzte Macht als
       Drohung gebraucht,  die, von einem Feld auf das andere geschoben,
       immer katastrophaler  wird; denn jeder sucht den anderen zu über-
       treffen durch  die wachsenden und leider tatsächlichen Schrecken,
       die einem  dadurch eingejagt  werden. Wenn  es sich um Naturkata-
       strophen handelt,  muß man vor dem, was durch den Willen des All-
       mächtigen geschieht, sein Haupt neigen. Aber wenn sich eine Kata-
       strophe durch den perversen Herrscherwillen eines Menschen ereig-
       nen sollte,  dann muß  ein solcher  Akt von  jedem rechtdenkenden
       Menschen getadelt  und verurteilt  werden. Anstelle  der unnützen
       Verschwendung wissenschaftlicher Tätigkeit und Arbeit und materi-
       eller Mittel  zur Vorbereitung  einer solchen  Katastrophe, deren
       unmittelbare ungeheure  Schäden und  letzte biologische Wirkungen
       auf lebende  Wesen  niemand  voraussagen  kann;  anstelle  dieses
       schrecklichen und  kostenreichen Laufs  zum Tode  hin müssen  die
       Verantwortungsbewußten aller  Nationen  und  jeden  Glaubens  die
       schwere moralische  Verpflichtung verspüren,  weiterhin das  edle
       Ziel zu  verfolgen, diese Energien im Dienste des Menschen zu be-
       herrschen. Die  wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, industriel-
       len und  auch politischen  Vereinigungen müßten  mit ihrer ganzen
       Macht alle Anstrengungen unterstützen, die auf die Nutzung dieser
       Energien zu Gunsten der moralischen Bedürfnisse hinzielen."
       

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