Quelle: Blätter 1957 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF DEUTSCHER HOCHSCHUL- UND AKADEMIEPROFESSOREN
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       Die Welt  von heute ist gespalten, aber durch die Wirkung der mo-
       dernen Technik  trotzdem eine Einheit. Daher steht die Menschheit
       vor der  Notwendigkeit, entweder  zusammen zu leben oder zusammen
       unterzugehen.
       Der Ernst unserer Lage wurde ausgesprochen,
       als die  18 westdeutschen  Atomphysiker, ihrem  Gewissen folgend,
       ihre Erklärung gegen atomares Rüsten veröffentlichten,
       als Albert  Schweitzer im gleichen Sinn seine Mahnung an die Welt
       richtete,
       als 2000  amerikanische Wissenschaftler  unter Führung des Nobel-
       preisträgers Dr. Pauling ein internationales Abkommen zur Beendi-
       gung der  Kernbombenversuche forderten,  wobei sie erklärten, daß
       sie als Wissenschaftler die tatsächlichen Gefahren kennen und die
       Pflicht haben, sie bekannt zu machen,
       als Papst  Pius VII.  dafür sprach,  daß die  wissenschaftlichen,
       wirtschaftlichen, industriellen und politischen Vereinigungen da-
       nach streben  sollten, die  Energien der Natur im Dienst des Men-
       schen zu beherrschen, anstatt Wissenschaft, Arbeit und materielle
       Mittel zur Vorbereitung einer Katastrophe zu verschwenden.
       Aber heute  scheint es, als wollten die Politiker über diese Auf-
       rufe, die  die Existenz aller Menschen betreffen, einfach hinweg-
       gehen. Dagegen protestieren wir mit aller Entschiedenheit.
       Der Krieg  ist durch  die totalvernichtende moderne Kriegstechnik
       als "Mittel zur Fortsetzung der Politik" völlig sinnlos geworden.
       Diese Tatsache ist entscheidend und stellt uns wesentliche Aufga-
       ben. Ohne eine Abkehr von der Politik der atomaren und konventio-
       nellen Rüstung  und ohne  sofortigen Stop der Atomwaffenversuche,
       ohne Verbot  dieser Waffen und ohne aufrichtige Abrüstung in Ver-
       bindung mit  einer Neuordnung  des Zusammenlebens  der Völker ist
       eine friedliche Zukunft nicht möglich.
       Wer Wissenschaft  treibt, dient  dem Geist: er darf seine Wissen-
       schaft nicht  an die  Machtpolitik verraten. Deshalb erklären wir
       Hochschul- und  Akademielehrer verschiedener Disziplinen, daß das
       Beispiel hervorragender Persönlichkeiten für uns vorbildlich ist,
       und daß jeder von uns auf seinem Gebiet bereit ist, seine wissen-
       schaftliche Arbeit  nicht für  Kriegsvorbereitung und Krieg, son-
       dern im  Geist des  Friedens für  friedliche Aufgaben zu leisten.
       Wir fordern alle unsere Kollegen zu gleichem Handeln auf.
       Wir appellieren  auch an  die Staatsmänner der UNO und an die Re-
       gierungen und  Völker aller  Staaten, für  einen Frieden, wie die
       Menschen ihn ersehnen, nach Kräften zu wirken.
       Die großen Aufgaben für die Wohlfahrt der Menschheit können nicht
       in der  traditionellen Gesinnung  der politischen Furcht, sondern
       nur aus  Verantwortungsfreudigkeit und  echter  Friedensgesinnung
       geleistet werden.
       August/September 1957
       
       Nachfolgende 100  Professoren und  Dozenten  unterzeichneten  den
       Aufruf:
       Prof. Dr. G. Aufhammer, Freising - Prof. Dr. W. Beinhauer, Köln -
       Prof. Dr.  K. Bonda,  München -  Prof. Dr.  G. Brauer, Freiburg -
       Prof. Dr.  H. Braun, Bonn - Prof. Dr. W. Brenner, Gelsenkirchen -
       Prof. Dr.  H. Bronner, München - Prof. Dr. W. Bulst, Heidelberg -
       Doz. Dr. W. Christiansen, Kiel - Prof. Dr. A. Th. Czaja, Aachen -
       Prof. Dr.  D. von  Deuffer, Gießen - Prof. Dr. R. Düll, München -
       Oberstudiendirektor i.R. Dr. C. Durand, Heidelberg - Prof. Dr. E.
       Engelking, Heidelberg  - Prof.  Dr. K.  Gauckler, Nürnberg  - Dr.
       Elisabeth Gerdts-Rupp, Tübingen - Prof. Dr. F. Gessner, München -
       Prof. Dr. G. Giersberg, Frankfurt - Prof. Dr. H. Glockner, Braun-
       schweig -  Prof. Dr. F. Groebbels, Hamburg - Dr. E. Große-Brauck-
       mann, Göttingen  - Prof. Dr. S. Haddenbrock, Schussenried - Prof.
       Dr. G.F. Hartlaub, Heidelberg - Prof. Dr. W. Hasenack Göttingen -
       Prof. K.  Heim, Tübingen  - Prof.  D. Dr. J. Hessen, Köln - Prof.
       Dr. H.  Heumann, München  - Prof.  Dr. H. Hoff, Bad Mergentheim -
       Prof. Dr. I. Hösl, München - Prof. Dr. E. Hückel, Marburg - Prof.
       Dr. W.  Jesse, Braunschweig  - Prof.  Dr. H.  Kaiser, Stuttgart -
       Prof. Dr.  Kammüller, Karlsruhe  - Prof. Dr. E. Kamke, Tübingen -
       Prof. Dr.  H. Kauderer,  Stuttgart -  Dr. Marie-Hed.  Kaulhausen,
       Göttingen -  Prof. Dr.  J. Klein Marburg-Prof. J. Körting, Karls-
       ruhe -  Prof. Dr.  P. Kramp,  Frankfurt  -  Prof.  Dr.  R.  Kriß,
       Berchtesgaden -  Prof. Dr.  A. Kutscher,  München -  Prof. Dr. F.
       Lenz, Göttingen  - Prof. Dr. R. Löhlein, München - Dr. Mina Lohre
       - Barrelet,  Hamburg -  Prof. Dr. H. Lossnitzer, Freiburg - Prof.
       Dr. F.W.  Maier, München  - Prof.  Dr. R.  Mannkopff, Göttingen -
       Prof. Dr.  R. Meyer,  Göttingen -  Dr. Anneliese Müller-Provence,
       Freiburg - Prof. Dr. A.F. Napp-Zinn, Mainz - Prof. Dr. W. Nestle,
       Stuttgart -  Prof. Dr. W. Noack, Freiburg - Prof. Dr. Nonne, Ham-
       burg -  Prof. Nussbaum, Bonn - Prof. C. Oehme, Heidelberg - Prof.
       Dr. W.F.  Otto, Tübingen  - Prof. Dr. W. Petersen, Aachen - Prof.
       Dr. F.  Pfister, Würzburg - Dr. J. Pflanz, Bamberg - Prof. Dr. O.
       Pflugfelder, Stuttgart  - Prof.  D.G. von Rad, Heidelberg - Prof.
       Dr. C.  Rathjens, Hamburg - Prof. Dr. F. Rauhut, Würzburg - Prof.
       Dr. H.  Reisner, Aachen  - Dr. Siegfried Rentrop, Bad Godesberg -
       Prof. Dr.  H. Rheinfelder,  München - Prof. Dr. L. Riedel, Karls-
       ruhe -  Prof. Dr.  G. Roeder, Hildesheim - Prof. Dr. E. Rohmeder,
       München -  Prof. Dr.  M. Seidlmayer, Würzburg - Prof. Dr. F. Sei-
       fert, München  - Dr. E.  Serelman-Kuchler, Benediktbeuren  -Prof.
       Dr. R.  Sonntag, Karlsruhe  - Prof. Dr. H. Schaefer, Heidelberg -
       Prof. Dr. G. Schaltenbrand, Würzburg - Prof. Dr. F. Scheidweiler,
       Köln -  Prof. Dr. A. Schleicher, Aachen - Prof. Dr. C. Schmieden,
       Darmstadt -  Prof. Dr.  H. Schmidt,  Freiburg  -  Prof.  D.  H.H.
       Schrey, Berlin  - Prof.  Dr. H. Schüler, Hechingen - Prof. Dr. H.
       Steinmetz, München - Dr. F. Stier, Tübingen - Prof. Dr. E. Stutz,
       Freiburg -  Prof. Dr.  H. Tiemann,  Hamburg - Prof. Dr. K. Traut-
       wein, München  - Prof. Dr. H. Uhde - Bernays, München - Prof. Dr.
       B.H. Unruh,  Karlsruhe - Prof. Dr. H.A. Wagner, Aschau/Chiemgau -
       Dr. W. Walther, Freiburg - Prof. Dr. A. Weber, Heidelberg - Prof.
       D. Dr.  G. Wehrung, Tübingen - Prof. Dr. R. Wentzel, Heidenheim -
       Ing. E.  Wetzel, Karlsruhe  - Prof.  Dr. M.  Weyland, Wuppertal -
       Prof. Dr.  J. Wilhelm, Tübingen - Prof. Dr. K. Ziegler, Göttingen
       - Prof.  Dr. E.  Fraenkel, Frankfurt  - Prof. D. H. Iwand, Bonn -
       Prof. Dr. Renate Riemeck, Wuppertal.
       

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