Quelle: Blätter 1957 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ENTSCHLIESSUNG DER KIRCHLICHEN BRUDERSCHAFT IN WÜRTTEMBERG
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       Die CDU  nimmt als  einzige Partei in der Bundesrepublik das Wort
       "christlich" für  sich in  Anspruch Am  2. Juni 1957 hat nach dem
       Bericht  des  "Fränkischen  Tag"  der  Parteichef  der  CDU,  Dr.
       Adenauer, in  seiner Rede  auf dem Bamberger Domplatz erklärt, es
       gehe bei  der Wahl  (zum Bundestag) darum, ob Deutschland und Eu-
       ropa christlich  bleiben oder  beide kommunistisch werden. Dieses
       Wort ist  mit großer  Zustimmung von  der CDU aufgenommen worden.
       Hinter diesem Wort und dieser Haltung wird die Anmaßung offenbar,
       als ob  der christliche  Glaube allein  unter einer CDU-Regierung
       frei gelebt  werden könne  und als  ob jeder,  der der Opposition
       seine Stimme gebe, dem Kommunismus den Weg bereite.
       Wir protestieren  gegen diese mißbräuchliche Benutzung des Namens
       "christlich", die  nur den  Zweck haben kann, die Oppositionspar-
       teien zu diffamieren und Stimmen zu fangen. Der fortgesetzte Miß-
       brauch des Namens Christi zu Parteizwecken hat der Kirche bereits
       größten Schaden  zugefügt und  seinen rechten  Gebrauch in  ihrer
       Verkündigung unglaubwürdig  gemacht. Er  ist  dazu  angetan,  daß
       viele Menschen der Kirche den Rücken kehren.
       Damit allen  Menschen klar  werde, daß  die Kirche  mit der  miß-
       bräuchlichen Verwendung  des Namens  ihres Herrn  zu Partei-  und
       Wahlzwecken nichts  zu tun  habe, sind wir als Glieder der Kirche
       entschlossen, der  CDU bei  der  nächsten  Bundestagswahl  unsere
       Stimme zu  versagen und  diese Partei  abzulehnen, so  lange  sie
       nicht gewillt ist, das Wort "christlich" aus ihrem Parteinamen zu
       streichen.
       1. Juli 1957. Im Auftrag der kirchlichen Bruderschaft in Württem-
       berg
       Pfarrer Dr. Herbert Werner und weitere Unterschriften
       

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