Quelle: Blätter 1957 Heft 10 (Oktober)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Peter Nellen, MdB
       
       POLITIK VOR ATOMAREM HORIZONT
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       ...
       "Ein neuer Weltkrieg unter Einsatz der größten Waffen scheint auf
       kurze Sicht  unwahrscheinlich, auf  die Dauer  sehr wohl möglich.
       Ein neuer totaler Weltkrieg würde vermutlich heute die Menschheit
       nicht ausrotten,  wohl aber  würde er ungeheuerliche Schädigungen
       verursachen. Man kann schon heute nicht im Ernst vorhaben, ihn zu
       führen, selbst  wenn man die Drohung mit ihm als politisches Mit-
       tel benützt, ja, wenn man sich vorstellt, es sei theoretisch mög-
       lich, ihn zu gewinnen und danach ein Friedensreich zu errichten.
       Das entscheidende  Dilemma der an bisheriges vorwiegend militäri-
       sches Machtdenken  gewohnten Politiker  ist, daß  sie das wissen,
       aber es  nicht zugeben können. Wir dürfen diese Gefahr nicht ins-
       geheim doch  nähren, indem  wir mit  dem Gedanken  eines  solchen
       Krieges spielen.  Mit diesem Denken spielt aber schon der, der in
       sein politisches  Verhalten, in  das  politische  Kalkül,  diesen
       Krieg als  eine Möglichkeit  einbaut. Verhalten sich viele maßge-
       bende Leute  so, als  käme ein  solcher Krieg, so wird es leicht,
       daß er  kommt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß wir in der vor-
       hersehbaren Zukunft lokalisierte Kämpfe mit begrenztem Waffenein-
       satz erleben  werden. Aber  die Hoffnung, daß durch diese Kanali-
       sierung der  große, tödliche  Konflikt  sicher  vermieden  werden
       könne, scheint eine Illusion.
       Die Meinung  des rationalen  (ideologischen) Pazifismus: die Men-
       schen müßten  die Schrecken  des Krieges nur vernünftig einsehen,
       dann würden  sie mit  Krieg und  Kriegsrüstung aufhören,  scheint
       fast sicher unrecht zu haben. Es liegt nicht nur an 'verblendeten
       Politikern'; in  den irrationalen  Tiefen des menschlichen Wesens
       schwelen Konfliktstoffe,  deren Verdichtungen  die  Kriege  sind.
       Kriege brechen aus, weil die Menschen sie in tieferem Grunde wol-
       len, auch  wenn sie  sich einbilden,  sie wollten sie nicht. Doch
       ist der  Mensch ein  Wesen, das sich entscheiden kann. Man muß es
       für möglich  halten, daß die Menschheit lernen wird, den Krieg zu
       vermeiden. Nur  werden die Friedenswilligen dazu wohl Anstrengun-
       gen machen und Opfer bringen müssen, die nicht geringer sein wer-
       den als  die, die man früher für den Krieg gebracht hat. Man darf
       wohl sagen:  der Frieden  ist nicht  billiger als  der Krieg.  Es
       scheint wertvoll,  wenn ein Verbot der Atomwaffen beschlossen und
       diese Waffen vernichtet werden könnten."
       ...
       

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