Quelle: Blätter 1958 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DER APPELL DER NEUNTAUSEND
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       Der am  13. Januar 1958 dem UN-Generalsekretär, Dag Hammarskjöld,
       durch den amerikanischen Nobelpreisträger Dr. Linus Pauling über-
       reichte eindringliche Appell zur Einstellung der Kernwaffenversu-
       che -  der die  Unterschriften von  9235 Wissenschaftlern  aus 44
       Ländern trägt, darunter 2705 aus den USA, 216 aus der Sowjetunion
       und aus  der Bundesrepublik  unter anderen  die  Nobelpreisträger
       Otto Hahn, Max Born, Werner Heisenberg, Adolf Butenandt und Adolf
       Windaus-Göttingen - hat folgenden Wortlaut:
       "Wir, die  unterzeichneten Wissenschaftler,  fordern, daß ein in-
       ternationales Abkommen  über die  Einstellung  der  Versuche  mit
       Kernbomben jetzt  geschlossen wird.  Jeder Kernbombenversuch ver-
       breitet eine  zusätzliche Last  von radioaktiven  Elementen  über
       alle Teile  der Welt.  Jede Steigerung der Strahlungsmenge verur-
       sacht Schäden  an der Gesundheit menschlicher Wesen in der ganzen
       Welt und  verursacht Schäden  an der  Gesamtheit des menschlichen
       Keimplasmas, die  zu einer  Steigerung der  Zahl der Geburten von
       ernstlich geschädigten  Kindern in kommenden Generationen führen.
       Solange diese  Waffen nur  in der Hand von drei Mächten sind, ist
       ein Abkommen über ihre Kontrolle möglich.
       Ein internationales  Abkommen über  die Einstellung  der Versuche
       mit Atombomben könnte jetzt als erster Schritt zu einer allgemei-
       neren Abrüstung  dienen und  schließlich zu der völligen Abschaf-
       fung der Kernwaffen führen, womit die Möglichkeit eines nuklearen
       Krieges vermieden  wäre, der  für die ganze Menschheit eine Kata-
       strophe wäre.  Wir haben  mit unseren Mitmenschen die tiefe Sorge
       um das Wohlergehen aller menschlichen Wesen gemeinsam.
       Als Wissenschaftler  haben wir Kenntnis von den innewohnenden Ge-
       fahren und  deshalb die  besondere Verantwortung,  diese Gefahren
       bekannt zu  machen. Wir  erachten es als gebieterisch, daß sofort
       etwas unternommen  wird, um ein internationales Abkommen zur Ein-
       stellung aller Versuche mit Kernwaffen herbeizuführen."
       

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