Quelle: Blätter 1958 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       WORTLAUT DER ENTSCHLIESSUNGEN UND EMPFEHLUNGEN
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       DER ASIATISCH-AFRIKANISCHEN KONFERENZ IN KAIRO
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       Die Völker  Afrikas und Asiens kämpfen gegen ihre schlechte Lage,
       und obgleich  einige von ihnen ihre Unabhängigkeit erlangt haben,
       untersteht ihre Wirtschaft immer noch den tyrannischen Imperiali-
       sten. Sie sind immer noch der Brennpunkt der Bestrebungen des Im-
       perialismus. 150  Millionen Einwohner  Afrikas und  Asiens leiden
       immer noch  unter dem  Imperialismus und  seiner Ausbeutung ihrer
       Naturschätze. Die  Völker Asiens  und Afrikas  sind entschlossen,
       alle Hindernisse auf ihrem Wege zu überwinden. Sie erkennen deut-
       lich, daß  die Wirtschaft  in vielen asiatisch-afrikanischen Län-
       dern unausgewogen  ist, daß  die Arbeitslosigkeit  grassiert, daß
       die Preise  steigen und daß die Arbeiter im allgemeinen keine ge-
       werkschaftlichen Rechte  genießen. Die  Völker Asiens und Afrikas
       sind sich  dessen bewußt, daß ein größeres Augenmerk auf die Pro-
       duktion gerichtet  werden muß,  damit angemessene  Ergebnisse er-
       zielt werden.
       In ihrer  derzeitigen Befreiungsbewegung  befinden es  die Völker
       Asiens und Afrikas für notwendig, nicht nur auf politischem, son-
       dern auch auf wirtschaftlichem Gebiet eng zusammenzuarbeiten. Sie
       erkennen, daß  ihre Unabhängigkeit  und ihr soziales, materielles
       und kulturelles  Niveau nicht  ohne ihre wirtschaftliche Entwick-
       lung beibehalten werden kann. Sie halten es in unserer Gegenwart,
       da die  imperialistischen Mächte  ihre Kräfte  zusammenschließen,
       für notwendig,  daß ihre  Solidarität die  Oberhand  behält.  Die
       asiatisch-afrikanischen Völker  sind der Ansicht, daß sie gemein-
       sam für  ihre wirtschaftliche  Entwicklung und für die Koordinie-
       rung ihrer  Pläne auf  gemeinsamer und  gegenseitiger Interessen-
       grundlage arbeiten müssen.
       Die Vertreter  der asiatisch-afrikanischen  Länder sind auf ihrer
       Solidaritätskonferenz hier  in Kairo  nach eingehender Erörterung
       der Bedingungen  zu verschiedenen  Schlußfolgerungen in  Form von
       allgemeinen und besonderen Empfehlungen gelangt. Diese Empfehlun-
       gen werden  als Losungen  über ihrer gesamten Arbeit stehen, ein-
       schließlich der  Angelegenheiten, die mit Handelsaustausch, wirt-
       schaftlicher Entwicklung, Arbeit und Genossenschaften und der Be-
       freiung der  abhängigen Länder  vom Imperialismus im Zusammenhang
       stehen.
       Diese Zusammenarbeit  und  Solidarität  auf  verschiedenen  Wirt-
       schaftsgebieten wird  ihre nationale  Unabhängigkeit festigen und
       den Weltfrieden fördern.
       
       1. Allgemeine Empfehlungen
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       Die Völker Asiens und Afrikas, die ihre politische Unabhängigkeit
       erlangt haben,  sind entschlossen,  ihren Kampf gegen alle Formen
       des Kolonialismus und Imperialismus fortzusetzen und insbesondere
       ihren Ländern  die völlige  wirtschaftliche Unabhängigkeit zu si-
       chern.
       Geleitet von den obengenannten Zielen ruft die Konferenz alle Re-
       gierungen Asiens  und Afrikas auf, enger an der Aufgabe zusammen-
       zuarbeiten, ihre Wirtschaften durch Industrialisierung vielfälti-
       ger zu  gestalten, um  den Lebensstandard  ihrer Völker zu heben.
       Insbesondere fordert die Konferenz:
       a) Abschaffung der bestehenden Ungleichheit im Austausch zwischen
       entwickelten und unentwickelten Ländern.
       b) Festsetzung günstiger  Preise für Rohmaterialien auf dem Welt-
       markt.
       c) Schaffung von  Devisenbeziehungen, die die Entwicklung der na-
       tionalen Wirtschaften der unterentwickelten Länder fördern.
       d) Entwicklung des  Handels zwischen den Nationen, ungeachtet ih-
       rer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systeme.
       e) Nutzbarmachung der  natürlichen Reichtümer  eines jeden Landes
       zum Nutzen seines Volkes.
       f) Die Entwicklung  von Wirtschaftsbeziehungen  zwischen  Ländern
       auf eine  Weise, die ihrer nationalen Unabhängigkeit und Souverä-
       nität keinen Abbruch tut.
       Die Konferenz  erklärt die Nationalisierung zu einem gesetzlichen
       Mittel und  einem Recht,  das nach  den Prinzipien der nationalen
       Souveränität jeder Nation zusteht.
       Die Konferenz  empfiehlt die  Bildung eines ständigen Ausschusses
       mit dem  Ziel, Unterlagen  und Informationen  über die asiatisch-
       afrikanischen Länder zu sammeln und diese Unterlagen und Informa-
       tionen mit  allen möglichen  Mitteln zu  verbreiten, um die wirt-
       schaftlichen Beziehungen unter ihnen zu erleichtern.
       Die Konferenz  ruft die  Regierungen der  asiatisch-afrikanischen
       Länder auf,  die wirtschaftliche  Entwicklung im Lichte der herr-
       schenden sozialen  und wirtschaftlichen  Bedingungen und der der-
       zeitigen internationalen  Beziehungen zu  prüfen. Solche  Studien
       sollten nach  umfassenden Plänen auf einer Sonderkonferenz durch-
       geführt werden,  die zu  einem  späteren  Zeitpunkt  einzuberufen
       wäre, um die soziale und wirtschaftliche Entwicklung zu beschleu-
       nigen, damit  der Lebensstandard  ihrer Völker  gehoben und damit
       die Kluft  zwischen den  einzelnen Nationen  verkleinert und  der
       Weltfrieden gesichert wird sowie die UN-Charta und die Prinzipien
       von Bandung eingehalten werden.
       
       2. Empfehlungen für den Handelsaustausch
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       Die Solidaritätskonferenz der asiatisch-afrikanischen Völker bil-
       ligt die folgenden Empfehlungen:
       a) Sie legt  besonderen Nachdruck  auf die Notwendigkeit der Ent-
       wicklung des  Handels zwischen allen Nationen ohne alle Diskrimi-
       nierungen und  Einschränkungen und  erklärt, daß solche Diskrimi-
       nierungen und Einschränkungen, wie sie gewissen asiatisch-afrika-
       nischen Ländern auf Grund ihrer sozialen und wirtschaftlichen Sy-
       steme auferlegt  wurden, ungerecht  sind und  abgeschafft  werden
       sollten; sie erklärt die Sperrung von Guthaben oder die Verhinde-
       rung ihrer  vollen und freien Verwendung als ungesetzlich und un-
       gerechtfertigt; man sollte ihr entschiedenen Widerstand entgegen-
       setzen.
       b) Sie nimmt  mit Genugtuung die konkrete Entwicklung des in Ban-
       dung verkündeten  Geistes der  engen wirtschaftlichen Zusammenar-
       beit zur Kenntnis; sie kommt im Abschluß zahlreicher Handels- und
       Beistandsabkommen zwischen  vielen asiatischen  und afrikanischen
       Ländern seit  der Bandung-Konferenz  zum Ausdruck; erfreulich ist
       auch die große Zunahme des Handels zwischen den asiatisch-afrika-
       nischen Ländern, die sich daraus ergab.
       c) Sie begrüßt  die großen  Bemühungen der  arabischen Länder  um
       eine engere  wirtschaftliche Zusammenarbeit.  Eine  solche  wahre
       freundschaftliche Zusammenarbeit  auf der Grundlage der Gleichbe-
       rechtigung und der gegenseitigen Unterstützung wird sich fördernd
       auf die  stärkere Entwicklung  der Wirtschafts- und Handelsbezie-
       hungen zwischen  den Ländern  des asiatisch-afrikanischen  Raumes
       auswirken.
       d) Sie fordert  die asiatisch-afrikanischen Länder auf, alle Wege
       zu untersuchen  und zu erforschen, die zur Erleichterung der Han-
       delsbeziehungen und  der Zahlungsmethoden  führen, damit die wei-
       tere Entwicklung  des Handels  und die engere wirtschaftliche Zu-
       sammenarbeit zwischen den asiatisch-afrikanischen Ländern auf der
       Grundlage der  Gleichberechtigung und  des gegenseitigen  Nutzens
       erleichtert wird.
       e) Sie empfiehlt,  die Verbände  der Handelskammern  und die Han-
       delskammern der asiatisch-afrikanischen Länder aufzufordern, Ende
       1958 eine  Konferenz in Kairo zu veranstalten, um Mittel und Wege
       zur Erweiterung  des Handelsaustausches  und  zur  Förderung  der
       wirtschaftlichen Zusammenarbeit  zwischen den  Ländern der  asia-
       tisch-afrikanischen Gruppe zu suchen.
       f) Sie ruft  die asiatisch-afrikanischen  Regierungen auf, unter-
       einander Abkommen über den asiatisch-afrikanischen Güter- und Ma-
       terialaustausch auf  beiderseitig günstiger  Grundlage zu schlie-
       ßen, und verlangt, daß den Handelsvertretern dieser Länder ähnli-
       che Vorrechte eingeräumt werden.
       g) Sie ruft die asiatisch-afrikanischen Länder auf, bessere Fern-
       melde- und  Transportmittel einzuführen,  um die  wirtschaftliche
       Entwicklung zu beschleunigen, sie fordert die asiatisch-afrikani-
       schen Regierungen,  die Eisenbahnen,  die  Schiffahrtsunternehmen
       und Fluggesellschaften  auf, Ermäßigungen  für den  Transport von
       Bürgern und Erzeugnissen der asiatisch-afrikanischen Länder fest-
       zusetzen.
       
       3. Empfehlungen für landwirtschaftliche
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       und industrielle Entwicklung
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       Der Wirtschaftsauschuß ist der Ansicht, daß die unterentwickelten
       Wirtschaften und  der niedrige Lebensstandard der asiatisch-afri-
       kanischen Länder  Ergebnis einer Vielfalt von Ursachen sind: Man-
       gel an  Kapital, Mangel  an technischen Fachkräften, Fehlen indu-
       strieller Entwicklung,  Verbreitung von  Pflanzenkrankheiten  und
       Tierseuchen und  Fehlen einer  vollen Ausnutzung  der vorhandenen
       Hilfsmittel durch eine geeignete Produktionsplanung. Die Mehrheit
       dieser Ursachen  ist auf  die Unterjochung  der nationalen  Wirt-
       schaft in  den asiatisch-afrikanischen Ländern durch die imperia-
       listische Herrschaft  zurückzuführen. Der  Ausschuß hat daher be-
       schlossen:
       a) Die Konferenz hat keine Bedenken gegen die Investition auslän-
       dischen Kapitals, noch wendet sie sich gegen die Aufnahme auslän-
       discher Anleihen,  vorausgesetzt, daß mit den ausländischen Kapi-
       talinvestitionen und  Anleihen keine  politischen oder andere Be-
       dingungen verbunden  sind, die  dazu angetan sind, die Wirtschaft
       des Empfängerlandes  einzuengen oder  zu leiten, noch daß irgend-
       welche Sondervorrechte gegenüber dem nationalen Kapital zugestan-
       den werden.
       b) Die Konferenz  ruft die  asiatisch-afrikanischen  Regierungen,
       Gesellschaften und  anderen  Körperschaften  auf,  den  Austausch
       wirtschaftlicher und technischer Unterlagen und Informationen und
       den Austausch von Fachleuten auf allen Gebieten der Produktion zu
       organisieren.
       c) In Anbetracht  dessen, daß in den asiatisch-afrikanischen Län-
       dern noch  keine schnelle  wirtschaftliche  Entwicklung  erreicht
       wird, fordert  die Konferenz die betreffenden Regierungen zum un-
       verzüglichen Handeln  hinsichtlich der Planung, der Organisierung
       und Koordinierung  der Produktion, der Entwicklungsmittel und der
       Handelseinrichtungen auf, damit ihre Naturschätze voll ausgenutzt
       werden.
       d) Die Konferenz ersucht die asiatisch-afrikanischen Regierungen,
       der Industrialisierung  als Mittel zur Hebung des Lebensstandards
       der Völker dieser Länder die gebührende Bedeutung beizumessen und
       die Landwirtschaft  mit modernen Maschinen auszurüsten, damit die
       Produktion gesteigert  wird und  die Fischerei und das Forstwesen
       industrialisiert und modernisiert werden.
       e) Die Konferenz  empfiehlt den asiatisch-afrikanischen Regierun-
       gen, ein  Abkommen untereinander  abzuschließen, Kampagnen  gegen
       Pflanzen- und Tierkrankheiten durchzuführen und regionale Zentra-
       len für die Förderung dieser Arbeit einzurichten.
       f) Die Konferenz  ist der  Auffassung, daß Bodenreformen, die die
       Entwicklung der  Volkswirtschaft der  Länder anregen würden, eine
       dringende Notwendigkeit geworden sind.
       
       4. Empfehlungen für die Arbeiterorganisationen
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       und Genossenschaften
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       Um breite  Schichten der Völker der asiatischen und der afrikani-
       schen Länder zu mobilisieren, den Imperialismus zu bekämpfen, den
       Weltfrieden zu  fördern, die nationale Unabhängigkeit zu erlangen
       und zu  erhalten, die  nationale Wirtschaft zu entwickeln und die
       Lebensbedingungen der  Menschen zu  verbessern, erachtet  es  die
       Konferenz für  notwendig, unablässig  die Solidarität  und Zusam-
       menarbeit der Gewerkschaftsbewegungen und Genossenschaftsbewegun-
       gen in  den asiatischen  und afrikanischen  Ländern im Geiste der
       Bandung-Konferenz zu pflegen.
       Unter Berücksichtigung der Wünsche und Bestrebungen der Werktäti-
       gen und  vieler Gewerkschaften  und Genossenschaftsbewegungen  in
       Asien und  Afrika nach Solidarität und Zusammenarbeit unterstützt
       die Konferenz,  wenn die  Zeit herangereift  ist, die Einberufung
       von Gewerkschafts-  und  Genossenschaftskonferenzen  mit  breiter
       Vertretung der  asiatisch-afrikanischen Länder zur Erörterung ih-
       rer wirtschaftlichen Probleme.
       a) Die Konferenz vertritt die Auffassung, daß die wirtschaftliche
       Entwicklung in  verschiedenen Ländern  Asiens und Afrikas auf die
       restlose Nutzung  brachliegender Quellen  des Reichtums,  auf die
       Beendigung der  Arbeitslosigkeit und  die Hebung  des Lebensstan-
       dards der  Arbeiterklasse abzielt. Sie fordert weiter die asiati-
       schen und afrikanischen Regierungen auf, die ständigen Preisstei-
       gerungen für  wichtige Bedarfsartikel  zu unterbinden, so daß der
       Lebensstandard der Völker verbessert werden kann.
       b) Die Konferenz ruft die Regierungen Asiens und Afrikas auf, den
       Werktätigen das Recht zur Bildung ihrer eigenen Gewerkschaften zu
       garantieren und  zu versuchen, alle Arbeitsprobleme in ihren Län-
       dern zu lösen.
       c) Die Konferenz  weist nachdrücklich  darauf hin, daß die Anwen-
       dung der Grundsätze der Gerechtigkeit, der Gleichberechtigung und
       der Solidarität  erforderlich macht,  daß gleicher  Lohn für  die
       gleiche Arbeit  gezahlt wird, und daß jegliche Diskriminierung in
       den Löhnen  aus rassischen oder religiösen Gründen weder vernünf-
       tig noch  gerecht ist  und der Solidarität unserer Nationen scha-
       det. Die  Konferenz empfiehlt  den asiatisch-afrikanischen Regie-
       rungen, Mindestlöhne  für verschiedene  Arbeiten festzusetzen und
       den Werktätigen die notwendigen sozialen Garantien zu geben.
       d) Die Konferenz  empfiehlt allen  asiatisch-afrikanischen Regie-
       rungen, Mindestgehälter  für Werktätige festzulegen und ihnen so-
       ziale Garantien zu geben.
       e) Die Konferenz  befürwortet die Bildung von Genossenschaftsver-
       bänden für  die Produktion und die Schaffung von Genossenschafts-
       bewegungen in Übereinstimmung mit den besonderen Umständen in je-
       dem Lande.  Sie fordert die Stärkung der genossenschaftlichen Be-
       ziehungen zwischen den asiatisch-afrikanischen Ländern.
       f) Die Konferenz  empfiehlt den  gegenseitigen Austausch  techni-
       scher Fachleute  und von  Informationen unter  den Gewerkschaften
       und den  Genossenschaftsbewegungen. Sie empfiehlt ferner den Aus-
       tausch von Erziehungsmissionen und Seminaren.
       g) Die Konferenz  ersucht ihr  ständiges Kairoer  Büro, möglichst
       weitreichende Kontakte  mit Gewerkschaften und Genossenschaftsor-
       ganisationen in Asien und Afrika herzustellen, um die Zusammenar-
       beit zur Erreichung der oben erwähnten Ziele zu pflegen.
       
       5. Empfehlungen für die abhängigen Länder
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       Der Wirtschaftsausschuß hat die wirtschaftliche Lage der abhängi-
       gen Länder untersucht und ist zu folgenden Ergebnissen gekommen:
       a) Die Beibehaltung einer rückständigen Wirtschaft und das Fehlen
       einer vernünftigen  Planung erzeugen  eine unausweichliche  wirt-
       schaftliche Stagnation  mit allen ihren Rückwirkungen auf den Le-
       bensstandard.
       b) Seit dem Zusammenschrumpfen der Weltmärkte wegen der Befreiung
       vieler Völker verwenden die Kolonialländer all ihre Anstrengungen
       darauf, die  Naturschätze der  abhängigen Länder noch mehr auszu-
       beuten.
       c) Die Investition  in Form von Subventionen, Anleihen oder Hilfe
       sind in  den Charakter  der Ausbeutung  gekleidet, sofern sie die
       Interessen der Völker nicht berücksichtigen.
       d) Anstatt die Entwicklung der Verbrauchererzeugnisse zu fördern,
       konzentriert die  koloniale Landwirtschaft  ihre Bemühungen  aus-
       schließlich auf  die Erzeugung  von Exportprodukten  entgegen den
       Interessen der Bevölkerung.
       e) Die als  Pläne für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung
       der abhängigen  Länder (f.i.d.e.s.  colonial development and wel-
       fare) bekannten  Pläne begünstigen ein Mißverhältnis zwischen dem
       Grundbesitz einer  Handvoll ausländischer Firmen und der Entwick-
       lung des nationalen Kapitals zu dessen Schaden.
       f) Der europäische  gemeinsame Markt  hat sich  das Ziel gesetzt,
       das wirtschaftliche  Feld der abhängigen Länder zu begrenzen, in-
       dem er  sie zum Eigentum von sechs europäischen Ländern macht; er
       hat ferner das Ziel, die Bestrebungen der Völker nach Unabhängig-
       keit von der Kolonialherrschaft durch Massenkonzentration auslän-
       dischen  Kapitals   auf  ihren  Gebieten  abzuwürgen,  und  führt
       schließlich dazu,  sie von  den unabhängigen  asiatisch-afrikani-
       schen Ländern zu lösen.
       Unter Berücksichtigung dieser Erwägungen empfiehlt der Ausschuß:
       a) Den abhängigen Völkern in ihrem Kampf um Befreiung von koloni-
       aler Unterdrückung wirksame Hilfe zu leisten.
       b) Einen dringenden  Appell an die Regierungen Asiens und Afrikas
       zu richten  und sie  aufzufordern, die gewerkschaftliche Freiheit
       auf ihren Gebieten zu achten.
       c) Den europäischen  gemeinsamen Markt  und die gewaltsame Einbe-
       ziehung der abhängigen Länder in diesen Markt zu brandmarken.
       d) Ein Komitee  im Rahmen  des ständigen  Büros einzurichten, das
       die Wirtschaftsprobleme der Völker der abhängigen Länder studiert
       und den Studenten der abhängigen Länder Stipendien und Unterstüt-
       zungen gibt,  damit sie  ihre technischen Studien fortsetzen kön-
       nen.
       e) Von den Regierungen der asiatisch-afrikanischen Länder zu ver-
       langen, daß  sie auf  das Ziel  hinarbeiten, daß  die  arabischen
       Flüchtlinge aus Palästina ihre frühere Heimat wiedergewinnen, ihr
       beschlagnahmtes Eigentum wieder in Besitz nehmen und die Rückgabe
       ihrer verlorenen Vermögen erwirken können.
       
       6. Katastrophe in Ceylon
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       Mit tiefem Bedauern hat die Konferenz die Nachricht von der Über-
       schwemmungskatastrophe aufgenommen,  die das Volk Ceylons betrof-
       fen hat.  Die Konferenz drückt dem Volk Ceylons ihr tiefes Mitge-
       fühl und  ihre Anteilnahme  aus und  appelliert dringend  an alle
       asiatisch-afrikanischen Regierungen und Völker, den Opfern dieser
       Überschwemmung zu helfen.
       
       Entschließung der Konferenz über soziale Entwicklungen
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       Kolonialismus und  Imperialismus in  ihren  verschiedenen  Formen
       rauben der  Einzelpersönlichkeit ihre  Würde  als  schöpferisches
       Mitglied der  Gesellschaft, unterhöhlen  die Energien  der Völker
       zugunsten ihrer imperialistischen Ziele und beuten die Arbeit der
       werktätigen Männer und Frauen für ihren eigenen Vorteil aus.
       Unterdrückung, Massenmord,  Rassendiskriminierung und Aberkennung
       der sozialen  Rechte sind  die Stempel  der Kolonialpolitik,  die
       letztlich dazu  geführt hat, die Grundlagen der sozialen Struktur
       und der nationalen Souveränität zu zerstören.
       Ernsthafte Bemühungen um den sozialen Fortschritt sind niemals zu
       trennen von  dem anhaltenden und beharrlichen Kampf für die poli-
       tische Unabhängigkeit  und Selbstbestimmung.  Es ist  daher unum-
       gänglich, daß alle Programme für die soziale Wohlfahrt untrennbar
       mit der  völligen Befreiung von imperialistischem Druck aller Ar-
       ten verbunden  sind. Neuerliche Befreiungsbewegungen haben bewie-
       sen, daß  schöpferische und  konstruktive Kräfte einer Nation nur
       freigelegt werden  können, wenn  das Volk voll erkennt, daß seine
       Anstrengungen ihm  selbst und nicht einer Unterdrückungsmacht von
       außerhalb oder  einer Ausbeuteragentur  im Innern  zugute  kommen
       werden.
       Es ist  ein wichtiger Grundsatz, daß jede wirtschaftliche und so-
       ziale Entwicklung letzten Endes die Wohlfahrt und das Wohlergehen
       des Volkes  zum Ziele  hat. Sie sollte es darauf anlegen, die Fä-
       higkeit des einzelnen Menschen zu entwickeln, seine eigenen mate-
       riellen und  moralischen Energien  voll zu  entfalten und die Ge-
       sellschaft zu  einer dauernden  und vollständigen  Entwicklung zu
       führen.
       Im Lichte  der vorgenannten Prinzipien empfiehlt die Konferenz im
       Hinblick auf die
       1. Frauen- und Kinderfürsorge,
       2. Jugendfürsorge,
       3. ärztliche und Sozialbetreuung
       folgendes:
       
       1. Frauen- und Kinderfürsorge
       
       Diese Konferenz ist der Auffassung,
       daß der  Imperialismus das Wohlergehen der Familie als der Haupt-
       stütze der  Gesellschaft und  als einer  entscheidenden  sozialen
       Einrichtung behindert  hat und  auch weiter  behindert und  damit
       diese Einrichtung schwächt und häufig sogar auflöst;
       daß Frauen  und Kinder  in Ländern  unter Kolonialherrschaft, die
       einem kolonialen  Erbe unterliegen, in unterschiedlichem Maße ih-
       rer sozialen Rechte beraubt und verschiedenen Ausbeutungsmethoden
       ausgesetzt sind;
       daß die  Förderung des Wohlergehens der Frauen und Kinder und der
       Familie als  ganzes eine der wichtigsten Verantwortlichkeiten des
       Staates ist.
       Die Konferenz empfiehlt, daß
       1. der Staat  eine Gesetzgebung  verkünden und  in  Kraft  setzen
       sollte, wie sie notwendig ist, um die angemessene gesellschaftli-
       che Organisation  der Familie  zu garantieren, die Würde der Mut-
       terschaft zu  achten und das Wohl der Kinder zu sichern, und zwar
       auf folgende Weise:
       a) Das Heiratsalter  für Mädchen  sollte auf  wenigstens 18 Jahre
       festgesetzt werden.
       b) Die Ehe sollte auf dem Grundsatz der persönlichen Freiheit der
       Gattenwahl beruhen.
       c) Einrichtungen für  die Eheberatung und Geburtenplanung sollten
       geschaffen werden,  damit die  Gesundheit überwacht  wird und die
       jungen Männer und Frauen über Eheprobleme beraten werden.
       d) Scheidungen sollten unter Berücksichtigung dessen, daß die Fa-
       milie eine  gesellschaftliche Institution  ist,  vorgenommen  und
       überwacht werden.
       e) Es sollten  drastische Maßnahmen zur Abschaffung der Polygamie
       ergriffen werden.
       f) Im Scheidungsfall  sollte die  Mutter das  Sorgerecht für  die
       Kinder bis zu einem bestimmten Alter erhalten.
       2. Der Staat sollte beiden Geschlechtern gleiche Rechte gewähren:
       a) gleiche  Bürgerrechte, b) juristische Rechte, c) das Recht auf
       Arbeit, d) das Recht auf Ausübung öffentlicher Ämter, e) gleicher
       Lohn für gleiche Arbeit, f) Eigentumsrecht, g) Recht auf Bildung.
       3. Arbeitende Frauen  sollten während der Schwangerschaft und der
       Geburt das  Recht auf  kostenfreie ärztliche  Betreuung und einen
       angemessenen Schwangerschaftsurlaub bei voller Bezahlung haben.
       4. Das Recht  der verheirateten Frau auf Arbeit muß anerkannt und
       garantiert werden.
       5. Internationale Arbeitsabkommen und Vorschriften müssen im Hin-
       blick auf  die Beschäftigungsbedingungen  für  Frauen  angenommen
       werden, beispielsweise Festlegung der Arbeitsstunden, Entlohnung,
       Nacht- und Untertagearbeit.
       6. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Einrichtung von Kindergär-
       ten zur Unterstützung arbeitender Frauen gewidmet werden.
       7. Zentren für Geburten- und Kinderfürsorge und Erholungsmöglich-
       keiten müssen  geschaffen und  auf alle  Teile des Landes als we-
       sentliche Wirkstätten  für die Verbesserung der Gesundheitsbedin-
       gungen ausgedehnt werden.
       8. Schutz der  Kinder vor  Verhältnissen, die  dazu angetan sind,
       sie zur  Kriminalität zu bringen, ist ein Hauptanliegen des Staa-
       tes.  Waisenhäuser,  Erholungsstätten  und  andere  Einrichtungen
       sollten geschaffen werden, um behinderten Kindern das Rüstzeug zu
       geben, daß sie produktive Mitglieder der Gesellschaft werden.
       9. Jugendgerichte mit  weiblichen Richtern  sind für die Umerzie-
       hung und die Behandlung jugendlicher Krimineller von entscheiden-
       der Notwendigkeit.
       10. Es sollten  Schritte unternommen  werden, um die Prostitution
       auszumerzen, indem man allen Mitgliedern der Gesellschaft ausrei-
       chende Mittel zum Leben zur Verfügung stellt.
       Die Konferenz  weist das Sekretariat an, die notwendigen Schritte
       zu prüfen  und einzuleiten,  um gegebenenfalls  einen  asiatisch-
       afrikanischen Frauenbund zur Förderung der sozialen und kulturel-
       len Bande  zwischen den  asiatisch-afrikanischen Völkern  und für
       eine bessere Verständigung über die Frauen- und Kinderprobleme in
       diesen Ländern  durch Publikationen,  Konferenzen, Austausch  von
       Besuchen und durch jedes andere geeignete Mittel zu gründen.
       
       2. Jugendfürsorge
       
       Diese Konferenz ist der Ansicht,
       daß die  heutige Jugend  die Erwachsenen von morgen sind, auf die
       die Nation zählen muß;
       daß es sich auf die Gegenwart und auf die Zukunft des Landes aus-
       wirken wird,  wenn die Jugend schwach oder korrupt ist und daß es
       zu einem  eventuellen Niedergang  führen kann,  und daß die Kraft
       und Solidarität  der Nation  gesichert sein wird, wenn die Jugend
       dagegen körperlich, geistig, sozial und moralisch stark ist;
       daß es  eines der Hauptziele der Jugendfürsorge ist, die staatli-
       che Verantwortung  zu pflegen und zu kultivieren, umfassende Pro-
       gramme zum  Nutzen des einzelnen und der Nation als Ganzes aufzu-
       stellen;
       daß die  staatsbürgerliche Erziehung die Grundlage der Gesamtent-
       wicklung eines rechten Bürgers ist;
       daß den  Mitteln und Wegen der Planung und der Erfüllung der not-
       wendigen Programme  der staatsbürgerlichen  Erziehung die  gebüh-
       rende Sorgfalt zuteil werden sollte;
       daß geeignete  Mittel zur Stärkung der Solidarität und der gegen-
       seitigen Verständigung  unter der  asiatisch-afrikanischen Jugend
       entwickelt werden sollten.
       Die Konferenz empfiehlt daher:
       1. Die Jugend sollte im Geiste der Solidarität, der Freundschaft,
       des Patriotismus,  des Friedens und der Achtung vor den Menschen-
       rechten erzogen werden.
       2. Die verschiedenen Bedürfnisse der Jugend sollten studiert wer-
       den, damit  ihre Freizeit  besser gestaltet  werden kann  und die
       notwendigen gesetzlichen Maßnahmen zum Schutz und zum Wohlergehen
       der Jugend erlassen werden können.
       3. Eine umfangreiche  Politik der Jugendfürsorge auf den Gebieten
       des Sports  und der  gesellschaftlichen Erziehung sollte ausgear-
       beitet werden,  die den  verschiedenen  Bedürfnissen  der  Jugend
       Rechnung trägt.
       4. Programme und Pläne für die Verwirklichung einer solchen Poli-
       tik sollten sorgfältig erfüllt werden.
       5. Es sollten  Führungskräfte herangebildet  werden,  die  solche
       Programme durchführen,  und  die  erforderlichen  Ausbildungspro-
       gramme für solche Fachkräfte sollten vorbereitet werden.
       6. Ferienlager, Ausflüge usw. sollten für das soziale Wohlergehen
       der Jugend veranstaltet werden.
       7. Sport- und Erholungszentren und andere Einrichtungen zum Wohle
       und zur Anleitung der Jugend sollten errichtet werden.
       8. Für die  Verwirklichung der  obigen Ziele,  die als wesentlich
       für die Heranbildung eines guten Staatsbürgers betrachtet werden,
       sollten ausreichende Haushaltsmittel bereitgestellt werden.
       9. Es sollten  die notwendigen gesetzlichen Maßnahmen zum Schutze
       der Jugend  vor unmoralischen Publikationen oder Filmen getroffen
       werden.
       10. Anschauungsmaterial, wie  Filme, Lichtbilder  und Publikatio-
       nen, sollte  zur Förderung  der Jugend in den asiatisch-afrikani-
       schen Ländern hergestellt werden.
       11. Im Jahre 1958 sollte eine asiatisch-afrikanische Jugendkonfe-
       renz veranstaltet werden, um die gemeinsamen Bedürfnisse und Mit-
       tel zur  Schaffung von  Einrichtungen für die Jugend in den asia-
       tisch-afrikanischen Ländern  zu untersuchen.  Es wird vorgeschla-
       gen, daß  die Konferenz in Ägypten, Indien oder Indonesien statt-
       findet.
       12. Ein interimistisches Büro für die Jugendfürsorge, das dem Se-
       kretariat  der  asiatisch-afrikanischen  Konferenz  angeschlossen
       ist, sollte eingerichtet werden, um
       a) die kulturellen  Beziehungen unter der astatisch-afrikanischen
       Jugend zu pflegen
       b) Sportbewegungen und  den Austausch von Sportlergruppen zu för-
       dern und zu unterstützen;
       c) die asiatisch-afrikanische Jugendkonferenz zu veranstalten;
       d) der Jugend  der asiatisch-afrikanischen  Länder während  ihres
       Aufenthaltes in  jedem dieser  Länder jede mögliche Unterstützung
       zu gewähren;
       e) die Gründung einer Jugendorganisation in allen asiatisch-afri-
       kanischen Ländern zu fördern;
       f) den Gedanken  der Veranstaltung  regelmäßiger Jugendfestspiele
       für die  asiatisch-afrikanischen Länder  zu unterstützen  und  zu
       fördern;
       g) die  Gründung eines allasiatisch-afrikanischen Jugendbundes zu
       fördern.
       
       3. Ärztliche und Sozialbetreuung
       
       Die Konferenz ist der Auffassung,
       daß die  Erreichung eines  angemessenen Lebensstandards  für alle
       Bürger die wichtigste Aufgabe des Staates ist;
       daß dieses  Ziel durch  ein System  der totalen  Planung erreicht
       werden sollte,  welches die  wirtschaftlichen Programme  für  die
       Produktion mit  Programmen der  sozialen  Wohlfahrtseinrichtungen
       verbindet;
       daß ein  Gleichgewicht zwischen  den beiden  Aspekten  der  Wirt-
       schaftsproduktion und  der sozialen Einrichtungen im Lichte einer
       sorgfältigen  wissenschaftlichen  Analyse  der  Bedürfnisse,  der
       Hilfsquellen und  der Möglichkeiten des Landes herbeigeführt wer-
       den muß;
       daß jedes umfassende Programm der nationalen Entwicklung in allen
       Fällen Bestimmungen  über soziale, Bildungs-, Gesundheitseinrich-
       tungen und Wohnungsbeschaffung als integralen Teil des Gesamtpla-
       nes enthalten muß.
       Die Konferenz empfiehlt daher:
       1. Der Zugang  zu sozialen,  Bildungs-,  Gesundheitseinrichtungen
       und Unterbringungsmöglichkeiten  ist eines  der  unveräußerlichen
       Rechte des einzelnen. Diese Dienste müssen qualitativ und quanti-
       tativ ausreichend  vorhanden sein, damit ihre gerechte Verteilung
       und technische Leistungsfähigkeit gesichert ist.
       2. Die Staaten  sollten alle  notwendigen Schritte  einleiten, um
       die Sicherheit  eines Staatsbürgers  und seiner Familie jetzt und
       in Zukunft  zu fördern.  Das kann durch gesetzliche Maßnahmen für
       die soziale  Sicherheit und die soziale Unterstützung für die Al-
       ten, die  Arbeitsunfähigen, die  Kranken und alle anderen Katego-
       rien bedürftiger Bürger erreicht werden.
       3. Da die  Erziehung einer  der wichtigsten Faktoren des sozialen
       und wirtschaftlichen Fortschritts ist, soll das Recht des einzel-
       nen auf Bildungseinrichtungen anerkannt werden. Der Staat muß die
       notwendigen Gesetze zur (Grund-) Schulpflicht für alle Kinder mit
       allen Bestimmungen  erlassen, die zur Erfüllung seiner Verpflich-
       tungen geeignet  sind. Der Grundsatz der Gleichheit der Bildungs-
       möglichkeiten für  alle, ungeachtet  der Rasse, der Religion, der
       Zahlungsfähigkeit, muß  umfassend angewandt werden. Es müssen or-
       ganisierte Kampagnen  zur Bekämpfung des Analphabetentums der Er-
       wachsenen geführt werden.
       4. Die Schaffung von sanitären Einrichtungen ist eines der Rechte
       des einzelnen.  Dieses kann  in einem umfassenden Gesundheitsplan
       erreicht werden, der zwei Hauptaspekte umfaßt:
       a) Öffentliche Gesundheit,  darunter  fallen  Bereitstellung  von
       keimfreiem Wasser,  gesunden Wohnungen,  Beseitigung der  Abfälle
       usw., vorbeugende  Maßnahmen zum  Schutze vor ansteckenden Krank-
       heiten, Weckung  des Empfindens für Hygiene und Gesundheitserzie-
       hung, insbesondere in den ländlichen Gebieten.
       b) Heilverfahren  und Behandlung,  Krankenhäuser und Kliniken und
       Ausbildung von  Personal auf  allen technischen  Ebenen. Der Plan
       zur Heilbehandlung  könnte durch  einen Gesundheitsversicherungs-
       plan oder die Nationalisierung der Medizin erreicht werden.
       5. In Anbetracht  der beklagenswerten Bedingungen unter den Palä-
       stinaflüchtlingen, die  aus ihrer  Heimat vertrieben worden sind,
       ruft die Konferenz die asiatisch-afrikanischen Länder auf, diesen
       Menschen in  voller Anerkennung der Solidarität dieser Länder bis
       zur endgültigen  Lösung der Palästinafrage materielle und Sozial-
       hilfe zu leisten.
       6. Materielle und soziale Hilfe sollten auch alle asiatisch-afri-
       kanischen Länder  erweisen, um  die Leiden  der Algerier in ihrem
       heldenmütigen Kampf gegen den französischen Imperialismus zu mil-
       dern.
       7. Da Hunderte  von Menschen auf Zypern ihrer Grundrechte in Kon-
       zentrationslagern und  Gefängnissen beraubt  sind, verurteilt die
       Konferenz diese  Ausschreitungen des britischen Imperialismus und
       ruft alle  asiatisch-afrikanischen Völker  auf, auf jede mögliche
       Weise ihre moralische und materielle Unterstützung zu zeigen.
       Die Konferenz weist das Sekretariat an, im geeignet erscheinenden
       Augenblick die  notwendigen Schritte  zur Bildung einer ständigen
       Körperschaft für  medizinische, pharmazeutische  und soziale Ein-
       richtungen der  asiatisch-afrikanischen Länder einzuleiten und zu
       prüfen, die  die dauernde  Zusammenarbeit zwischen diesen Ländern
       auf dem  Gebiet der  Medizin, der  wissenschaftlichen und techni-
       schen Erkenntnisse und der sozialen Dienste fördern würden. Diese
       Körperschaft wird  auch für die Veranstaltung von Konferenzen und
       Seminaren zum  Erfahrungsaustausch und  zur Koordinierung der An-
       strengungen auf  dem Gebiet  der medizinischen  und sozialen Ein-
       richtungen in Krisen- und Notzeiten verantwortlich sein.
       Diese Körperschaft  könnte sich  in  Zusammenarbeit  mit  anderen
       asiatisch-afrikanischen Organisationen  auch um die Koordinierung
       der medizinischen  Industrien kümmern.  Eine solche Koordinierung
       wird diesen  Ländern helfen,  in naher Zukunft einen Stand zu er-
       reichen, der es ihnen ermöglicht, auf eigenen Füßen zu stehen und
       den Handelsaustausch medizinischer Artikel zu erleichtern.
       
       Botschaft der Konferenz an die Menschen der Welt
       ------------------------------------------------
       
       Wir Vertreter  der asiatisch-afrikanischen  Völker waren  vom 26.
       Dezember 1957  bis zum 1. Januar 1958 in Kairo versammelt, um in-
       ternationale Probleme  zu erörtern  die im  besonderen die  asia-
       tisch-afrikanischen Völker betreffen.
       Wir behandelten  politische, wirtschaftliche,  soziale  und  kul-
       turelle Probleme, vor denen unsere Völker stehen.
       Wir waren nur von einem Gefühl beseelt, von dem Gefühl der Zusam-
       menarbeit und  Einheit zwischen unseren Völkern und der umfassen-
       den Freundschaft mit allen Völkern der Welt.
       Nach siebentägigen harmonischen Diskussionen hat unsere Konferenz
       Vereinbarungen über  Vorschläge zur Lösung verschiedener Probleme
       erzielt. Das  beweist, daß die asiatisch-afrikanischen Völker bei
       der Aufgabe  der Erhaltung  des Friedens  die Einheit und ein ge-
       meinsames Aktionsprogramm erreicht haben. Die Konferenz faßte den
       einmütigen Beschluß,  eine  ständige  Organisation  in  Kairo  zu
       schaffen, die sich für die Verwirklichung der gefußten Entschlie-
       ßungen einsetzt.
       Wir erklären,  daß die  Prinzipien, die auf der Bandung-Konferenz
       vom April  1955 angenommen wurden, die Grundlage für die interna-
       tionalen Beziehungen bleiben sollen. Wir bekräftigen unsere abso-
       lute Unterstützung  für die folgenden zehn Prinzipien, die in den
       vergangenen Jahren die Unterstützung unserer Völker hatten:
       1. Achtung der  grundlegenden Menschenrechte  und der  Prinzipien
       und Ziele der Charta der Vereinten Nationen.
       2. Achtung der Souveränität aller Völker und der Integrität ihrer
       Territorien.
       3. Anerkennung der Gleichheit aller Rassen und aller Nationen, ob
       groß oder klein.
       4. Verzicht auf jegliche Einmischung in die Angelegenheiten ande-
       rer Länder.
       5. Achtung des  Rechts jeder  Nation, sich in Übereinstimmung mit
       der UN-Charta allein oder kollektiv zu verteidigen.
       6. a) Verzicht auf  die Ausnutzung kollektiver Verteidigungsorga-
       nisationen für  private Ziele  irgendeiner Großmacht. b) Verzicht
       jeder Macht, auf andere Länder Druck auszuüben.
       7. Vermeidung von  aggressiven Aktionen  und Drohungen  sowie von
       Gewaltanwendung gegen  die regionale  Sicherheit oder  politische
       Unabhängigkeit irgendeines Landes.
       8. Regelung aller  internationalen Streitfragen  durch friedliche
       Methoden, wie  zum Beispiel  Verhandlungen, Versöhnung,  Schlich-
       tung, gerichtliche Maßnahmen oder andere friedliche Methoden, die
       von  den   betreffenden  Parteien   in  Übereinstimmung  mit  der
       UN-Charta bestimmt werden.
       9. Entwicklung unserer  gemeinsamen Interessen  und gegenseitigen
       Zusammenarbeit.
       10. Achtung vor  dem Recht  und den internationalen Verpflichtun-
       gen. Die gegenwärtige Weltspannung würde endgültig gemindert wer-
       den, und  die tödliche  Angst vor  der Vernichtung, von der jetzt
       Millionen Menschen befallen sind, könnte beseitigt werden.
       Wir erklären,  daß die  Fundamente des  Friedens nicht  errichtet
       werden können,  bevor diese  Spannung beseitigt ist. Wir begrüßen
       jeden Schritt  in dieser  Richtung. Wir rufen die Völker der Welt
       auf, ihre  wissenschaftlichen Anstrengungen  und die  Atomenergie
       für friedliche  Zwecke, im  Dienste der Menschheit, für Wohlstand
       und umfassende Zusammenarbeit zwischen den Völkern auf der Grund-
       lage der Gleichheit und in Übereinstimmung mit der UN-Charta ein-
       zusetzen.
       Die asiatisch-afrikanischen Völker glauben an die UN-Charta.
       Die asiatisch-afrikanischen Völker glauben, daß die imperialisti-
       sche Herrschaft,  die ausländische  Ausbeutung  und  andere  Miß-
       stände, die  das Ergebnis  der Unterjochung der Völker sind, eine
       Verletzung der  grundlegenden Menschenrechte  und  der  UN-Charta
       darstellen, abgesehen  von anderen  schädlichen Auswirkungen  auf
       die Regierungen  und die Regierten, die die Entwicklung des Frie-
       dens und  der internationalen Zusammenarbeit behindern. Das Fort-
       bestehen des Imperialismus ist nicht zu vereinbaren mit der neuen
       Aera, in  der die  Welt jetzt  lebt. Die  asiatisch-afrikanischen
       Völker glauben  fest an  das Recht  jedes Volkes auf Freiheit und
       Unabhängigkeit.
       Die asiatisch-afrikanischen Völker wünschen die Einheit, sie wol-
       len zusammenarbeiten  und einander  helfen, um  für das  Wohl der
       asiatisch-afrikanischen Völker  sowie der  ganzen  Menschheit  zu
       kämpfen. Wir  werden uns  unermüdlich für die Herbeiführung eines
       dauerhaften Weltfriedens einsetzen.
       Der Friede wird siegen.
       Die Menschheit kann der Zukunft mit Hoffnung und Vertrauen entge-
       gensehen. Das ist die Neujahrsbotschaft der Solidaritätskonferenz
       der asiatisch-afrikanischen Völker in Kairo an die ganze Welt.
       
       Entschließung der Konferenz über kulturelle Fragen
       --------------------------------------------------
       
       Im Hinblick  darauf, daß  die Kultur  das grundlegende Prinzip im
       Leben der  Völker ist  das Prinzip, das das Gewissen des Menschen
       erweckt, seinen Geist stärkt, sein moralisches Niveau hebt, seine
       Seele läutert  und breite Aussichten auf den Gebieten der materi-
       ellen intellektuellen und geistigen Produktion erschließt;
       daß keine  Zivilisation, die dieses Namens würdig ist, existieren
       kann, wenn  sie nicht  auf einer  Kultur basiert,  die sie nährt,
       entwickelt, ihren Fortschritt ermöglicht und die
       Völker in die Lage versetzt, die Ideale des Friedens, der Brüder-
       lichkeit, der  Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit in vollstem
       Maße zu erreichen und die Notwendigkeit
       gegenseitiger Verständigung  und Zusammenarbeit für die Propagie-
       rung und Erfüllung dieser Ideale zu erkennen;
       daß wir  unter Kultur ihre umfassendste Definition verstehen, die
       Literatur, Kunst  und Wissenschaft und alle anderen Wissenszweige
       einschließt, deren  Funktion darin  besteht, die geistige Verfas-
       sung des  Menschen zu erhöhen, seinen Geschmack zu verbessern und
       seine Seele von Übel und Ungerechtigkeit zu befreien;
       daß die  Zivilisation das  gemeinsame Erbe  ist, das keine Nation
       monopolisieren kann und auf das alle Menschen ein Anrecht haben;
       daß alle  Völker von  ganzem Herzen  zusammenarbeiten sollten, um
       sie in  größtmöglichem Maße  zu entwickeln,  zu bereichern und zu
       propagieren, so  daß alle  Menschen ungeachtet ihrer Rasse, Farbe
       oder Religion daraus Nutzen ziehen können;
       und daß  die Kultur eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der
       politischen, wirtschaftlichen und sozialen Solidarität spielt,
       1. erneuert die Solidaritätskonferenz der asiatisch-afrikanischen
       Völker die  Entschließungen, die auf der Bandung-Konferenz bezüg-
       lich der  kulturellen Zusammenarbeit  angenommen wurden, und zwar
       in der Hinsicht, daß die Konferenz:
       a) engere kulturelle  Zusammenarbeit und  eine  Erneuerung  alter
       kultureller Kontakte  in Übereinstimmung  mit der modernen Kultur
       fordert;
       b) behauptet, daß die Existenz des Kolonialismus in vielen Teilen
       Asiens und  Afrikas die  kulturelle Zusammenarbeit  behindert und
       die nationale  Kultur unterdrückt;  und daß sie die Rassenpolitik
       als Mittel der kulturellen Unterdrückung verurteilt;
       c) versichert, daß  die asiatisch-afrikanische  kulturelle Zusam-
       menarbeit im  größeren Zusammenhang der Zusammenarbeit der ganzen
       Welt entwickelt werden sollte;
       d) die asiatisch-afrikanischen Länder, die auf dem Gebiet der er-
       zieherischen, technischen  und  wissenschaftlichen  Institutionen
       weiter entwickelt  sind, auffordert,  Möglichkeiten für  die Auf-
       nahme von  Studenten aus  den Ländern zu schaffen, die noch nicht
       in der Lage waren, solche Institutionen zu entwickeln.
       2. empfiehlt die  Konferenz,  daß  kulturelle  Zusammenarbeit  in
       größtmöglichem Maße folgendermaßen herbeigeführt werden sollte:
       a) durch Informationsaustausch, vor allem durch den Austausch von
       Filmen, Rundfunksendungen,  Presseerzeugnissen, Publikationen und
       Ausstellungen, wobei  für alle  Artikel, die  etwas mit  dem kul-
       turellen Leben und dem Unterrichtswesen zu tun haben, die Fracht-
       kosten gesenkt  und die  Zölle abgeschafft  werden, um ihren Aus-
       tausch zu erleichtern;
       b) durch den  Austausch  von  Wissenschaftlern,  Schriftstellern,
       Künstlern, Studenten  und Vertretern  kultureller und  erzieheri-
       scher Organisationen  unter den  Mitgliedsstaaten sowie durch die
       Abhaltung periodischer und ad-hoc-Kulturkonferenzen;
       c) durch die  Förderung des  Touristenverkehrs zwischen  den Mit-
       gliedsstaaten
       d) durch die Förderung der Übersetzungsmöglichkeit aus den und in
       die Sprachen  der Mitgliedsländer  und die Einrichtung einer Pla-
       nungsbehörde für  die Koordinierung  der Übersetzungsbewegung  in
       jedem Mitgliedsland;
       e) durch den  Austausch von  Kulturzentren und  die Abhaltung von
       Kulturfestivals, bei denen alle Künste vertreten sind.
       3. empfiehlt die Konferenz, daß ein Buch in der Form einer histo-
       rischen und  geographischen Enzyklopädie  über die Geschichte der
       asiatischen und  afrikanischen Länder und Völker geschrieben wer-
       den sollte,  das ihr  Leben wiedergibt, einen Überblick über ihre
       Naturschätze, nach  denen der Kolonialismus trachtet, bietet, und
       den Beitrag  jedes Volkes  zu seiner  nationalen Kultur sowie die
       Rolle erläutert,  die es  in Verfolgung seines nationalen Kampfes
       spielt, wobei  besondere Betonung auf die unheilvollen Ergebnisse
       der Kolonialherrschaft  und auf den Kampf für die Freiheit in der
       heutigen Zeit  gelegt wird.  Die Konferenz  legt fest, daß dieses
       Buch in  Übereinstimmung mit den von der Unesco verkündeten Prin-
       zipien für die Geschichtsschreibung verfaßt werden sollte, um die
       Freundschaft unter  der Menschheit  zu stärken.  Zu diesem  Zweck
       schlägt sie  vor, daß  ein Ausschuß  asiatisch-afrikanischer  Ge-
       schichtswissenschaftler gegründet werden sollte, der damit beauf-
       tragt wird, einen Plan für dieses Buch zu entwerfen und an seiner
       Durchführung zu arbeiten.
       4. fordert sie  die asiatischen und afrikanischen Völker auf, ihr
       kulturelles Erbe zu erhalten.
       5. fordert sie  die  Regierungen  der  Mitgliedsländer  auf,  die
       Presse, den  Rundfunk und die anderen Informationsmittel anzuwei-
       sen, die  Solidarität der  asiatisch-afrikanischen Völker  soweit
       wie möglich zu erhalten.
       6. empfiehlt sie,  daß die  asiatisch-afrikanischen Verbände  der
       Wissenschaftler, Schriftsteller, Künstler und Erziehungsschaffen-
       den darauf  ausgerichtet werden,  daß sie  die kulturelle  Zusam-
       menarbeit unter  den asiatischen  und afrikanischen Ländern stär-
       ken.
       7. fordert sie die Mitgliedsstaaten und ihre Regierungen auf, der
       Forderung der  wissenschaftlichen Forschung als einem bedeutenden
       Faktor in  der wirtschaftlichen Entwicklung in jedem Produktions-
       zweig besondere Aufmerksamkeit zu widmen, um ihre wissenschaftli-
       che und  wirtschaftliche Unabhängigkeit  zu erreichen und mit der
       übrigen Welt  für die  Förderung von  Frieden und Wohlstand durch
       wissenschaftlichen Fortschritt zusammenzuarbeiten.
       8. empfiehlt sie, daß die Regierungen der asiatisch-afrikanischen
       Länder besondere Aufmerksamkeit darauf verwenden sollten, daß die
       hauptsächlichen Sprachen  Asiens und  Afrikas gelehrt  werden, um
       sie zum  künftigen Verständigungsmittel  zwischen den  asiatisch-
       afrikanischen Ländern zu machen.
       9. appelliert sie  an die Regierungen der asiatisch-afrikanischen
       Staaten, den  Algeriern, die  in ihren Ländern studieren, Stipen-
       dien zu gewähren.
       10. empfiehlt sie die Stiftung eines jährlich auszugebenden asia-
       tisch-afrikanischen Preises  für kulturelle Leistungen zur Förde-
       rung der  Ideale der  Freiheit, Unabhängigkeit,  der Freundschaft
       und des Friedens.
       11. empfiehlt sie, daß die Regierungen der Mitgliedsstaaten keine
       Mühe zur Beseitigung des Analphabetentums scheuen.
       12. würdigt sie  alle Anstrengungen, die in allen Ländern für die
       Ausnutzung der Literatur, Kunst und Wissenschaft im Interesse des
       Friedens und  des Wohlstandes  gemacht werden, und appelliert sie
       an die  kulturellen Organisationen  und die  führenden  geistigen
       Köpfe auf  der ganzen Welt, die öffentliche Meinung in ihren Län-
       dern dahingehend  zu formen,  daß sie  sich für die Förderung der
       Anwendung von  Literatur, Kunst  und Wissenschaft  ausschließlich
       für die  Sache des  Friedens und des Wohlstandes einsetzt und auf
       ihre Regierungen moralischen Druck in dieser Hinsicht ausübt, und
       verurteilt sie  die Anwendung  der Wissenschaft für Vernichtungs-
       zwecke.
       13. erklärt sie,  daß die politische und kulturelle Freiheit, die
       das Denken,  die Meinungsäußerung,  den kulturellen Austausch und
       die wissenschaftliche  Forschung ermöglicht,  für den Fortschritt
       des menschlichen  Geistes wesentlich ist, und verurteilt sie jede
       Verletzung dieser Freiheit in irgendeinem Teil der Welt.
       14. fordert sie  die Schriftsteller  der Mitgliedsländer  auf, an
       der zweiten Konferenz der asiatisch-afrikanischen Schriftsteller,
       die im  Herbst 1958  in Taschkent stattfinden wird, aktiv teilzu-
       nehmen.
       15. empfiehlt sie, daß größere Möglichkeiten für die Aufnahme von
       Studenten aus  Algerien und  Palästina und aus allen anderen Län-
       dern, die  für ihre Unabhängigkeit und Freiheit kämpfen, an Schu-
       len, Universitäten und höheren Instituten in Asien und Afrika ge-
       schaffen werden sollten.
       16. verurteilt sie  die Schließung  von Schulen,  die Deportation
       von Lehrern  und die  Verhaftung von  Studenten in allen Ländern,
       die für ihre Unabhängigkeit und Freiheit kämpfen, als Willkürmaß-
       nahmen, die  den normalen  Unterrichtsverlauf behindern  und  ge-
       eignet sind,  den Gang des Lebens in diesen Ländern zu verändern,
       und verurteilt  sie besonders  die bedauerliche  Lage in Algerien
       und Zypern.  Sie übermittelt  den Völkern  jener Länder,  die für
       ihre Unabhängigkeit und Freiheit kämpfen, ihre herzlichen Grüße.
       17. empfiehlt die  Konferenz die  Revision der Lehrbücher, die an
       den Schulen in den asiatisch-afrikanischen Ländern verwendet wer-
       den, um  falsche Informationen  auf Grund  imperialistischer Ein-
       flüsse zu beseitigen.
       18. empfiehlt sie,  daß  alle  Anstrengungen  unternommen  werden
       sollten, um:
       a) die  Schulsysteme in allen Erziehungsetappen in den asiatisch-
       afrikanischen Ländern zu koordinieren;
       b) die asiatisch-afrikanischen  Studien in die Schullehrpläne der
       Mitgliedsstaaten unter  besonderer Berücksichtigung der gemeinsa-
       men Probleme aufzunehmen;
       c) die Urkunden und akademischen Grade, die von den Universitäten
       der asiatisch-afrikanischen  Länder verliehen werden, gegenseitig
       anzuerkennen und
       d) Kulturabkommen zwischen den asiatisch-afrikanischen Ländern im
       Interesse der  Förderung der  kulturellen Zusammenarbeit zwischen
       den Mitgliedsstaaten abzuschließen.
       19. empfiehlt die  Konferenz, daß  die Regierungen der asiatisch-
       afrikanischen Länder  Maßnahmen für  die Schaffung einer interna-
       tionalen Universität  für asiatisch-afrikanische Studien treffen,
       deren Sitz durch ein gegenseitiges Übereinkommen zwischen den Re-
       gierungen der  Mitgliedsstaaten festgelegt  werden soll und deren
       Grade von  allen Mitgliedsländern  anerkannt würden. Bis zur Ver-
       wirklichung dieser  Idee empfiehlt  sie, daß  die Mitgliedsländer
       innerhalb der  bestehenden  Universitäten  höhere  Institute  für
       diese Studien  einrichten oder  zumindest Lehrstühle dafür schaf-
       fen.
       20. empfiehlt sie,  daß der visuellen und akustischen Erziehung -
       zum Beispiel  durch Filme,  Bilder, Rundfunksendungen usw. - grö-
       ßere Aufmerksamkeit  geschenkt werde,  um das  Analphabetentum in
       Asien und Afrika zu beseitigen.
       21. empfiehlt sie,  daß an Gemeinschaftsfilmen zusammengearbeitet
       werden sollte,  die den  Aufstieg Asiens  und Afrikas in den ver-
       schiedenen Aspekten zeigen sollen und zum Beispiel die Mütter und
       Kinder in den asiatisch-afrikanischen Ländern zum Thema haben.
       22. empfiehlt sie,  daß Regierungsmuseen  und Bibliotheken einge-
       richtet und  mit Filmen,  Lichtbildern, Fotos  und  Schallplatten
       ausgestattet werden. Ferner empfiehlt sie den Austausch verschie-
       dener Materialien, um diese Bibliotheken zu erweitern.
       23. empfiehlt sie  die Förderung  der gemeinsamen  Forschung  auf
       verschiedenen Gebieten, wie z.B. auf den Gebieten des Familiensy-
       stems, der Geschichte des parlamentarischen Systems usw.
       24. empfiehlt sie  den Austausch der Namen von Personen und Orga-
       nisationen, die  auf kulturellen  Gebieten arbeiten,  um die Kon-
       takte zwischen den asiatisch-afrikanischen Ländern zu fördern.
       25. empfiehlt sie, daß in jedem Mitgliedsland eine ständige nicht
       der Regierung unterstehende Organisation gegründet werden sollte,
       die als  Instrument der  kulturellen Zusammenarbeit wirkt und die
       Vollmacht hat,  die Empfehlungen dieser Konferenz sowohl unabhän-
       gig als auch in Verbindung mit diesem Land zu erfüllen.
       
       (26.12.1957 bis 1.1.1958)
       

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