Quelle: Blätter 1958 Heft 03 (März)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Erich Rüttel
       
       GEWERKSCHAFTEN VOR DER ENTSCHEIDUNG
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       ...
       Im Nachfolgenden  nimmt der Erste Vorsitzende der Kreisverwaltung
       Dortmund der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Ver-
       kehr, in der 19 500 Arbeitnehmer organisiert sind, zum Appell der
       44 Professoren  Stellung. Diese  Gewerkschaftseinheit  veröffent-
       lichte im  vergangenen Jahr nach einem Vortrag von Prof. Dr. Karl
       Bechert eine Broschüre gegen die Atombedrohung. D. Red.
       ...
       ...
       Anfang der  dreißiger Jahre  bemerkte Albert  Einstein: "Wenn die
       Mitglieder pazifistischer Organisationen (Einstein verstand Pazi-
       fismus im weitesten Sinne des Wortes. D.V.) sich scheuen, die Be-
       hörden anzugreifen, schon im Frieden, auf die Gefahr hin, Gefäng-
       nis oder  Schlimmeres zu  erdulden, dann  wird es  eines Tages zu
       spät sein.  Bricht die  Kriegspsychose aus,  dann hält  die Masse
       nicht stand. Nur ganz besonders gefestigte Charaktere werden auch
       im Falle des Kriegsausbruches Widerstand leisten." Ein paar Jahre
       später schrieb Russell mit dem ihm eigenen Sarkasmus: "Jedes Volk
       versichert: Wir  haben unsere  Wehrmacht, um  Angriffe zu verhin-
       dern. Aber  die anderen  Völker haben  eine Wehrmacht (wenigstens
       denken viele  so), um  Angriffe zu  verüben. Wer  etwas gegen die
       Wehrmacht des  eigenen Staates  sagt, ist  ein Verräter, der sein
       Vaterland unter  der Faust  eines fremden Eroberers sehen möchte.
       Nimmt man  andererseits einen  möglichen Feindstaat in Schutz und
       gesteht ihm  zu, daß  er zur  eigenen Sicherheit  eine  Wehrmacht
       braucht, dann  beleidigt man sein eigenes Land; denn nur perverse
       Bosheit ist  imstande, dessen  unveränderliche  Friedensliebe  in
       Zweifel zu ziehen."
       ...
       ...
       Die Entschließung wurde wie folgt begründet: "Die immer wieder in
       letzter Zeit erhobenen leidenschaftlichen Proteste vieler Wissen-
       schaftler aus  aller Welt  gegen Atombombenversuche  und  atomare
       Aufrüstung der  Streitkräfte haben in der Bevölkerung ein lebhaf-
       tes Echo  gefunden. Gerade die Gewerkschaften als berufene Inter-
       essenvertretung der schaffenden Menschen haben die Verpflichtung,
       sich für das Wohl und die Existenzsicherung der Menschheit einzu-
       setzen. Es kann und darf nicht nur bei Resolutionen und Protesten
       gegen derartige beabsichtigte militärische Abenteuer bleiben. Wer
       anders als  die Massenorganisationen  der Gewerkschaften  sind in
       der Lage,  dieser Entwicklung  mit aller  Kraft entgegenzutreten?
       Wir haben,  wenn wir die Stimme gegen die Atombewaffnung erheben,
       das moralische  Recht auf  unserer Seite. Wenn moralische Maximen
       überhaupt noch  Wert behalten  sollen, dann  sind wir  gefordert,
       alle Mittel-auch  das des Streiks-einzusetzen, um dieser verhäng-
       nisvollen Entwicklung endlich Einhalt zu gebieten."
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