Quelle: Blätter 1958 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DIE RESONANZ AUF DEN APPELL DER VIERUNDVIERZIG
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       Der Appell  der 44 deutschen Universitäts- und Hochschulprofesso-
       ren hat  innerhalb der  Gewerkschaften und  in der Öffentlichkeit
       ein lebhaftes  Echo ausgelöst.  In Telegrammen,  Briefen und Ent-
       schließungen begrüßen  Orts- und Kreisverbände des DGB, Betriebs-
       belegschaften, Konferenzen  und Delegiertenversammlungen  den Ap-
       pell der Wissenschaftler.
       Bis heute  erklärten sich  über 1,1  Millionen Arbeiter und Ange-
       stellte durch  ihre Delegierten und Organisationen mit den Forde-
       rungen der  Wissenschaftler solidarisch. Weitere Zustimmungen ge-
       hen täglich ein.
       Durch hektografierte Schreiben und Versammlungen machen die unte-
       ren Gewerkschaftsorganisationen  ihre Mitglieder mit dem Wortlaut
       des Appells  bekannt. In zunehmendem Maße berichten auch die ört-
       lichen Pressen  über stattgefundene  Mitgliederversammlungen, auf
       denen Entschließungen  im Sinne des Appells angenommen werden. In
       den Entschließungen  erklären sich die Gewerkschaften bereit, den
       Kampf gegen  die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen und für
       eine atomwaffenfreie  Zone im  Sinne des  Rapacki-Planes  nunmehr
       durch  Unterschriftensammlungen,  Protestveranstaltungen,  Demon-
       strationen und  Warnstreiks aktiv  zu führen.  So verlangten  die
       hessischen Delegierten  der Gewerkschaft  ÖTV auf  ihrer  Jahres-
       hauptversammlung vom  Bundesvorstand des  DGB einen Zehn-Minuten-
       Warnstreik aller  Arbeitnehmer gegen eine Atomausrüstung der Bun-
       deswehr. Die 160 Delegierten der Bundeskonferenz der Hauptfachab-
       teilung II K  der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und
       Verkehr in  Essen forderten  als Vertreter der 220 000 Mitglieder
       den Bundesvorstand  des DGB  auf, "den 44 Universitätsprofessoren
       jede gewerkschaftlich  mögliche Form  der Hilfe  zuteil werden zu
       lassen".
       Vielfach haben die Gewerkschaften die Unterzeichner aufgefordert,
       in Versammlungen vor Arbeitern zu sprechen. Wie aus den Schreiben
       hervorgeht, besteht  der Wunsch,  den 1.  Mai zu einer eindrucks-
       vollen Kundgebung gegen den Atomtod zu machen.
       Aus allen Teilen der Bundesrepublik habe ich Zustimmungserklärun-
       gen erhalten,  so vom Hauptvorstand der Industriegewerkschaft Bau
       - Steine - Erden in Frankfurt, der mitteilt, daß bei ihm in letz-
       ter Zeit  ständig Entschließungen aus Mitgliederkreisen eingehen.
       Der Vorsitzende  der Gewerkschaft  Nahrung -  Genuß - Gaststätten
       für das  Bundesgebiet, Hans Nätscher, hat den Aufruf begrüßt. Zu-
       stimmend äußerten sich der DGB-Ortsausschuß Hamm i.W., zahlreiche
       Betriebsratsvorsitzende und  Betriebsräte aus dem Ruhrgebiet, der
       Hauptvorstand der  Deutschen Angestellten-Gewerkschaft,  der DGB-
       Kreisausschuß Villingen/Schwarzwald,  die IG  Metall in Augsburg,
       die IG  Papier und Keramik in Hamburg, der DGB-Kreisausschuß Lau-
       ingen, die  DGB-Kreisausschüsse Konstanz und Hanau, die IG Metall
       in Ulm,  die Gewerkschaft  der Eisenbahner Deutschlands, Ortsver-
       waltung Frankfurt,  die DGB-Kreisausschüsse  Rhein-Wupper und Le-
       verkusen, der Ortsausschuß des DGB in Elmshorn, der DGB-Kreisaus-
       schuß Gummersbach,  der Betriebsrat  der Tabakfirma  Vogelsang in
       Bremen, die  Gewerkschafter der  Klöckner-Draht-Industrie in Düs-
       seldorf, der  DGB-Ortsausschuß Gelsenkirchen,  die IG Bau-Steine-
       Erden, Mainz,  die Bezirksleitung Niedersachsen der IG Chemie-Pa-
       pier-Keramik, u.a.m.
       
       Wuppertal-Elberfeld, den 15.3.1958            Renate Riemeck
       

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