Quelle: Blätter 1958 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF DES DEUTSCHEN GEWERKSCHAFTSBUNDES ZUM 1. MAI 1958
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       Erfüllt von einer großen Sorge begehen wir den 1. Mai dieses Jah-
       res. Wir  stellen die Frage nach dem Sinn des Lebens, da die all-
       gemeine Rüstung  und die Gefahr der Aufrüstung mit Atomwaffen und
       Atombomben immer größer wird. Frieden und Existenz der Menschheit
       sind bedroht,  wenn dem  Wettrüsten, der Herstellung und Lagerung
       von Atomwaffen und Versuchen damit kein Ende gemacht wird.
       Wir wissen  uns einig  mit unseren  über sechs  Millionen Gewerk-
       schaftsmitgliedern und  weiten Kreisen  unseres Volkes,  wenn wir
       von Bundestag  und Bundesregierung verlangen, sich dem Wettrüsten
       in der ganzen Welt entgegenzustellen.
       Frieden, Freiheit  und Fortschritt  sind große  Ziele, für die es
       sich lohnt einzutreten. Darum haben die Besten aus unseren Reihen
       gekämpft, viele haben dafür ihr Leben gegeben.
       Frieden, Freiheit und Fortschritt sind der Lohn und der Preis für
       das Bekenntnis,  die Mitarbeit und die Hingabe an unsere gute Sa-
       che.
       Frieden, Freiheit  und Fortschritt,  nicht nur  für uns,  sondern
       auch für  unsere Brüder und Schwestern in Mittel- und Ostdeutsch-
       land und ihre alsbaldige Wiedervereinigung mit uns.
       Frieden, Freiheit  und Fortschritt für alle Menschen auf dem wei-
       ten Erdenrund  durch solidarische Zusammenarbeit mit allen im In-
       ternationalen Bund  Freier  Gewerkschaften  zusammengeschlossenen
       Gewerkschaftsbünden.
       Für unsere  Tagesarbeit hat  unser Aktionsprogramm  seinen vollen
       Sinn behalten.  Wir sind stolz darauf, daß es unseren gemeinsamen
       Anstrengungen gelungen ist, die Arbeitszeit für Millionen Arbeit-
       nehmer weiter  zu verkürzen, den Lebensstandard weiter anzuheben,
       die Sorgen  der Rentner  zu mindern  und den Arbeitsschutz auszu-
       bauen.
       Vor 25  Jahren wurden die Gewerkschaften von den Nationalsoziali-
       sten zerstört.  Die Freiheit  ging damit  verloren, der Krieg kam
       über uns, und Deutschland wurde geteilt.
       Baut Eure  Gewerkschaften aus.  Solange sie  bestehen und Einfluß
       besitzen, könnt  Ihr hoffen, daß der Friede gewahrt, die Freiheit
       gesichert und der Fortschritt möglich ist. Ihr, die Arbeiter, An-
       gestellten und  Beamten, müßt  es wollen  und gemeinsam mit Euren
       Gewerkschaften dafür kämpfen!
       

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