Quelle: Blätter 1958 Heft 10 (Oktober)


       zurück

       
       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       WORTLAUT DES APPELLS DES VERBANDES PHYSIKALISCHER GESELLSCHAFTEN
       ================================================================
       
       Die Gefahren  der weiterschreitenden,  allseitigen Aufrüstung mit
       Kernwaffen erfüllen  die deutschen Physiker mit tiefer Besorgnis.
       Der Verband  Deutscher Physikalischer  Gesellschaften wendet sich
       deshalb erneut  an die  Öffentlichkeit mit  der Feststellung, daß
       der kriegerische  Einsatz dieser  Waffen das  Ende von  Millionen
       Menschen und  mörderische Verheerungen  durch radioaktive Verseu-
       chung unausweichlich nach sich ziehen wird.
       Die Physiker,  welche ihre  Arbeit zum  Wohl der Menschheit ange-
       wandt sehen  wollen, wiederholen frühere Warnungen vor den Folgen
       des frevelhaften  Mißbrauchs ihrer Forschungsergebnisse. Sie wei-
       sen mit  allem Nachdruck  darauf hin,  daß nukleare Waffen Mittel
       allgemeiner, völkervernichtender  Zerstörung sind, deren Gebrauch
       auch nicht  beteiligte Völker  den Schrecken  des Strahlungstodes
       aussetzt.
       Namens der  3000 von ihm vertretenen Physiker richtet deshalb der
       Verband Deutscher  Physikalischer Gesellschaften  nochmals an die
       Öffentlichkeit, insbesondere an die politisch Verantwortlichen in
       allen Regierungen  und allen  Parlamenten den  dringenden Appell,
       die Bemühungen  um friedliche  Verständigung zwischen den Völkern
       mit allen  Kräften und  unablässig zu  verstärken und das atomare
       Wettrüsten einschließlich  der Kernwaffenversuche  endlich einzu-
       stellen.
       Essen, 4. Oktober 1958
       
       IM DEUTSCHEN SENEFELDER-BUND ERKLÄRTEN SICH 77,8 PROZENT
       ========================================================
       DER MITGLIEDER NOTFALLS AUCH ZUM GENERALSTREIK BEREIT
       =====================================================
       
       Die erste  Gewerkschaftsorganisation, die  eine ordentliche  Mit-
       gliederbefragung über  die atomare  Aufrüstung und die Ausrüstung
       der Bundeswehr  mit Atomwaffen  durchführte,  ist  der  "Deutsche
       Senefelder-Bund". Auf dem 3. ordentlichen Verbandstag dieser Son-
       dergewerkschaft, die ihre Bedeutung durch ihr Fachgebiet erhält -
       (Gewerkschaft  Flachdruck,  Chemiegraphie,  Tiefdruckbildherstel-
       lung) -  wurden die Stimmzettel dieser Umfrage durch einen eigens
       gebildeten "Kontrollrat"  ausgezählt. Die  Meinungsbefragung  er-
       folgte durch  Stimmzettel, die  von den Vertrauensmännern der Ge-
       werkschaft an  die Mitglieder  verteilt und dann in geschlossenem
       Umschlag über die Ortsvorstände an den Hauptvorstand weitergelei-
       tet wurden.  Die Auszählung  auf dem  diesjährigen Verbandstag in
       Bielefeld ergab folgendes Ergebnis: Auf die Frage: "Bist Du, Kol-
       lege, bereit,  einen Generalstreik  aller Schaffenden  gegen  die
       atomare Aufrüstung  der Bundesrepublik  aktiv  zu  unterstützen?"
       stimmten 77,8 Prozent dafür, 16,5 Prozent dagegen und 5,7 Prozent
       enthielten sich der Stimme. Die Frage, ob der DGB sich den Aktio-
       nen  des   Arbeitsausschusses  "Kampf   dem  Atomtod"   und   der
       "Aktionsgemeinschaft gegen  die atomare  Aufrüstung"  anschließen
       soll, beantworteten 75,4 Prozent mit Ja.
       
       IG METALL SUCHT ERFOLGREICHEN WEG IM ATOMKAMPF
       ==============================================
       
       Otto Brenner,  der wiedergewählte  und nunmehr  alleinige Vorsit-
       zende der IG Metall, sagte auf dem Kongreß seiner Organisation in
       Nürnberg Ende September:
       "...Die IG  Metall hat  noch nie  zu den Leisetretern gehört! Wir
       sind bereit,  jedes erfolgversprechende  demokratische Mittel zur
       Verhinderung der  atomaren Aufrüstung anzuwenden. Aber wir dürfen
       die Menschen, die an unseren festen Willen glauben, nicht enttäu-
       schen. Wir  müssen uns hüten, unsere Glaubwürdigkeit leichtfertig
       aufs Spiel  zu setzen.  Darum müssen  wir Klarheit  schaffen über
       das, was  wir wollen und tun können und uns die Konsequenzen vor-
       her überlegen.  - Man  kann den zweiten Schritt nicht vor dem er-
       sten tun.  Das ist  die Erkenntnis  aus vielen Erfahrungen. - Die
       Frage, die  wir alle  uns heute  stellen müssen,  ist: Haben  wir
       wirklich alles,  aber auch  alles getan, um aus der Aktion 'Kampf
       dem Atomtod'  die Volksbewegung  zu machen, die Voraussetzung für
       den eventuellen  Einsatz gewerkschaftlicher  Kampfmittel ist? Und
       werden wir  die Kraft  haben, die  bestehenden politischen, wirt-
       schaftlichen und  gesellschaftlichen  Kräfteverhältnisse  in  der
       Bundesrepublik durch  einen solchen Kampf zu verändern? - Mit an-
       deren Worten:  Ist die Situation für Aktionen reif? - Wenn sie es
       noch nicht  ist, so  müssen wir die Bedingungen dafür schaffen. -
       Wir sollten  uns aber  hüten, die  Gewerkschaften als die einzige
       gesellschaftspolitische Kraft  in unserer  Bundesrepublik  hinzu-
       stellen. Kraft  und Einfluß  der politischen Parteien sind gerade
       in dieser  Frage von entscheidender Bedeutung für die Möglichkeit
       einer gemeinsamen,  erfolgreichen Aktion. Sie dürfen uns nicht im
       Stich lassen! Folgen aber die Menschen, die Wähler, nicht den po-
       litischen Parteien, dann können das die Gewerkschaften nicht ohne
       weiteres ausgleichen.  Denn wir  sind, wie  ich schon sagte, kein
       Partei-Ersatz...
       
       DIE FORMEL VON SCARBOROUGH:
       ===========================
       "ERST ENTSPANNUNG, DANN WIEDERVEREINIGUNG"
       ==========================================
       
       Auf dem  diesjährigen Parteikongreß  in Scarborough  entwickelten
       die Führer  der englischen Labour-Party einen Plan für ihre künf-
       tige Europa-  und Deutschland-Politik, Fritz von Globig berichtet
       darüber in der "Welt" 1958 Nr. 232 folgendermaßen:
       Außenminister Bevan  würde bei seinen ersten Besuchen in Washing-
       ton und  Paris erklären,  daß (nach den Worten der in Scarborough
       verabschiedeten Resolution)  "die Möglichkeit  eines Konflikts in
       Zentral- und  Osteuropa verringert werden muß, ohne das Gleichge-
       wicht der  militärischen Sicherheit zum Nachteil einer der beiden
       Seiten zu  verändern." Der  Nato-Rat würde  eingeschaltet werden,
       und Ministerpräsident  Gaitskell und  Außenminister Bevan  würden
       versuchen, die  Zustimmung der übrigen verbündeten Regierungen zu
       folgender westlicher  Verhandlungsposition für  eine Gipfelkonfe-
       renz mit der Sowjetunion zu erhalten:
       1. Allmählicher Abzug  unter wirksamer  internationaler Kontrolle
       von allen  ausländischen Streitkräften  aus Ost- und Westdeutsch-
       land, Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn.
       2. Einrichtung einer  wirksamen internationalen Kontrolle für die
       Stärke und  den Typ  der für diese Länder vereinbarten nationalen
       Rüstung und bewaffneten Streitkräfte.
       3. Deutsche Wiedervereinigung  in einem  Rahmen, der zwischen den
       vier Mächten  (Großbritannien, Frankreich, USA, UdSSR) vereinbart
       und von ihnen garantiert werden müßte, einschließlich freier Wah-
       len, wobei  die Wege und Mittel von den Deutschen selbst geregelt
       werden müßten.
       4. Aushandlung eines  von den vier Mächten unterstützten europäi-
       schen Sicherheitsvertrages, um die territoriale Unverletzlichkeit
       der Länder dieses Gebietes zu garantieren.
       5. Austritt der  Länder dieses Gebietes aus der Nato und dem War-
       schau-Pakt."
       
       Ein amerikanischer Milliardär über Chruschtschows Friedenswillen
       ----------------------------------------------------------------
       
       "Ich bin  überzeugt davon,  daß dieser Mann den Frieden wünscht."
       Diese Erklärung  gab der amerikanische Milliardär Cyrus Eaton ab,
       der bei  seinem kürzlichen Besuch in Moskau eine längere Unterre-
       dung  mit   dem  sowjetischen  Ministerpräsidenten  Chruschtschow
       hatte. Eaton  berichtet, Chruschtschow  habe ihm erklärt, die So-
       wjets hätten so viel Zukunft, daß sie gar kein Interesse an einer
       kriegerischen Auseinandersetzung  mit dem  Westen haben  könnten.
       Der sowjetische Parteichef und Ministerpräsident hatte in dem Ge-
       spräch mit Eaton u.a. gesagt:
       "Wir können  doch vor  der Welt nur bestehen, wenn wir den Sozia-
       lismus zuerst  und vor  allem in unserem eigenen Lande verwirkli-
       chen. Bisher  haben wir alle Anstrengungen darauf verwendet, eine
       Industrie aufzubauen, die es uns ermöglicht, von der übrigen Welt
       unabhängig zu sein und unser eigenes Wirtschaftssystem zu entwic-
       keln, das  der Bevölkerung  Sicherheit und  eine bessere  Zukunft
       bringen wird.  Nun fangen  wir an,  den Lebensstandard in der So-
       wjetunion, der  bisher noch  nicht auf  die Höhe  des Westens ge-
       bracht werden  konnte (eben  wegen unserer  Aufbauarbeit  in  der
       Schwerindustrie), kräftig  zu fördern.  Das ist  ein großes  Pro-
       gramm, und  es erfordert  alle unsere Kräfte. Weshalb sollten wir
       unter diesen  Umständen weiterhin  so viel  Geld für  die Rüstung
       ausgeben? Wir  sind dazu  allerdings gezwungen,  solange wir noch
       kein zuverlässiges  Abrüstungssystem gefunden haben. Aber uns tut
       jeder Rubel weh, den wir für militärische Zwecke opfern müssen."
       Chruschtschow sprach  dann weiter  von den  Aufbauplänen der  So-
       wjetunion; dabei  verwies er u.a. auf ein "gigantisches Wohnungs-
       bauprogramm", sprach von Verbesserungen in der Landwirtschaft und
       allgemein von  den Problemen  der Steigerung des Lebensstandards.
       Er sagte  zu Eaton ungefähr noch folgendes: "Außerdem möchten wir
       für unsere  Leute viele  von den Dingen erreichen, die Ihre Leute
       in den  USA schon  haben: Automobile, Radios, Eisschränke usw. Es
       gibt soviel zu tun, daß wir weder Zeit noch Geld für militärische
       Operationen übrig haben."
       
       "AGENTEN DES TODES" NENNT PRÄSIDENT SUKARNO DIE
       ===============================================
       WIRTSCHAFTSMANAGER DER FREIEN WELT IN ASIEN
       ===========================================
       
       In einem  Brief an die sozialistische Londoner Wochenzeitung "New
       Statesman and  Nation" schrieb  der indonesische  Staatspräsident
       Achmed Sukarno  Mitte September  1958: "Glauben  Sie mir, daß wir
       die Manager  der freien  Wirtschaft in Asien nicht als Retter der
       Zivilisation oder als Männer der Zukunft betrachten. Wir betrach-
       ten sie  als Agenten des Todes - unseres Todes... Zweifellos gibt
       der Westen  nunmehr die  moralische Führung  an Asien  ab.  Diese
       seine moralische  Führung bedeutete  für uns bislang den Kolonia-
       lismus. Das  heutige nukleare  Wettrüsten kommt  dem  philosophi-
       schen, moralischen,  politischen und  sozialen Bankrott gleich...
       Sie im  Westen tragen  viel zur  Verunreinigung der Menschen bei.
       Sie sind  im Begriff,  den Kampf  um die  Herzen  und  Hirne  der
       Menschheit zu verlieren."
       
       BISHER ERNSTESTE AMERIKANISCHE KRITIK AN DULLES
       ===============================================
       
       Am 11. und 12. Oktober d.J. beschäftigte sich der Politische Bei-
       rat der Demokratischen Partei mit der Außenpolitik von Eisenhower
       und Dulles. Der Beirat, dem u.a. der ehemalige amerikanische Prä-
       sident Truman,  der zweimalige Präsidentschaftskandidat Stevenson
       und der Gouverneur von New York, Harriman, angehören, formulierte
       eine Erklärung,  in der  es heißt:  "Dulles'  Außenpolitik  waren
       sechs Jahre führungsloses Hin und Her. Die Republikanische Regie-
       rung hat  die Vereinigten  Staaten an den Rand der Isolierung von
       ihren Alliierten  und an  den Rand eines Atomkrieges gebracht. An
       die Stelle  der von  Tag zu Tag wechselnden Launen von Außenmini-
       ster Dulles  werden endlich wieder geordnete und von der Bevölke-
       rung unterstützte Regierungsmaßnahmen treten müssen."
       
       BOTSCHAFTER A.D. PROF. ERNST MEYER: DIE LEEREN STÜHLE IM OSTEN
       ==============================================================
       
       Es ist zu vermeiden, daß eine Aufnahme diplomatischer Beziehungen
       zu den  Staaten zwischen Deutschland und der Sowjetunion als eine
       antikommunistische Maßnahme  mißdeutet werden  kann. Leider  wird
       solcher Mißdeutung  von uns  aus oft  Vorschub geleistet. Es darf
       jedoch für  uns nicht  entscheidend sein,  ob die Regierung eines
       Landes kommunistisch  ist. Dies  ist in  erster und letzter Reihe
       eine Angelegenheit des betreffenden Landes... Wir verurteilen, um
       das schlechte  Wort zu  gebrauchen, jede  "indirekte Aggression",
       die gegen  uns oder  andere erfolgt. Wir müssen uns daher doppelt
       vor eigenen  Handlungen hüten,  die anderswo - wenn wir bei einem
       alten Wort  bleiben wollen - als "Einmischung" in die inneren An-
       gelegenheiten anderer  Staaten charakterisiert  werden könnten...
       Es wird  nicht angezeigt sein, Beziehungen zu anderen Oststaaten,
       aber nicht gleichzeitig auch zu Polen aufzunehmen. Dies wäre eine
       Brüskierung unseres  wesentlichsten östlichen Nachbarn und in ge-
       wissem Sinne  auch eine  Brüskierung Moskaus. Es ist hierbei auch
       nicht zu  vergessen, daß  der polnische  Staat an der Austreibung
       von neun Millionen Deutschen aus Ostdeutschland im Ursprung weni-
       ger schuldig  ist als  einige Großmächte ... Es handelt sich, wie
       bereits angedeutet  wurde, um eine außenpolitische, nicht um eine
       innenpolitische Sache.  Danach sind  Mitglieder  des  Bundeskabi-
       netts, die  nicht in erster Linie für Außenpolitik verantwortlich
       sind, nicht  befugt, unverantwortliche  Äußerungen zu machen. Au-
       ßenpolitische Erklärungen  abzugeben,  mögen  Außenminister  oder
       Bundeskanzler berufen  sein.  Auch  jeder  einzelne  Bürger  wäre
       hierzu berufen.  Äußerungen eines Regierungsmitglieds über außen-
       politische Fragen  sind nicht  statthaft ohne  vorherige Sanktion
       der zuständigen Kabinettsmitglieder. Sonst leidet unsere Außenpo-
       litik. In  keiner Regierung  der Welt  gibt es mehrere Außenmini-
       ster... Das deutsche Problem, das Wiedervereinigungsproblem, auch
       das Oder-Neiße-Problem verlangen schon heute, auch wegen der pol-
       nischen Stimme im Rate der Völker, Beziehungen, außer von Volk zu
       Volk auch  zu der polnischen Regierung. Und das eminent politisch
       veranlagte polnische  Volk wird  dies voll und ganz verstehen ...
       Es gibt  in der  Tat keine  Fabel in unserem Vaterland, die nicht
       Gläubige zu  finden vermöchte.  So heißt  es auch,  daß vor einer
       Aufnahme diplomatischer  Beziehungen erst alle ernsten diplomati-
       schen Konflikte  bereinigt sein müßten ... Wir sollten auch nicht
       vergessen, daß seit Jahrhunderten alle diese Länder dem Deutschen
       Reich nahegestanden  haben. Nicht  immer zu  dessen  Schaden  und
       nicht immer  zu ihrem  Schaden. Es  läßt sich  kaum leugnen,  daß
       einst Deutschland,  gewiß auch  aus geographischen  Gründen, eine
       Brücke jener Länder zum Norden, Süden und Westen war. Dies bedeu-
       tet nicht, daß wir etwa eine deutsche Politik, wie sie war wieder
       aufnehmen wollten.  Es bedeutet,  daß wir die Aufgabe, Bindeglied
       zu sein,  nicht vernachlässigen  dürfen, sofern  jene Völker  und
       Staaten sie  wünschen... Lediglich  Wirtschaftsbeziehungen aufzu-
       nehmen, erscheint auch aus praktischen Gründen abwegig. Nur wirt-
       schaftliche Missionen  verfehlen unter anderem auch deshalb ihren
       Zweck, weil ihre Leiter lediglich Zutritt zu den Wirtschaftsmini-
       sterien, aber nicht zu den Auswärtigen Ämtern oder zum diplomati-
       schen Korps  besäßen... Das  völlige diplomatische  Vakuum  deut-
       scherseits in  jenen Räumen  unmittelbar an deutschen Grenzen auf
       ungezählte Jahre  hin -  denn wer wollte sagen, wann sich die Zu-
       stände ändern  werden - trägt etwas ungeheuer Gefährliches, etwas
       fast Unheimliches an sich. Das Vakuum fortbestehen zu lassen, be-
       deutet nicht mehr Außenpolitik. Es bedeutet Ersatz von Außenpoli-
       tik durch  pseudopolitische Spekulation.  (Die Welt  -  Nr.  225,
       9/1958.)
       
       PROFESSOR HAHN: "DER APPELL DER GÖTTINGER ACHTZEHN BLEIBT GÜLTIG"
       =================================================================
       
       Auf der 100. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher
       und Ärzte  in Wiesbaden,  auf der  fünf Nobelpreisträger über die
       Ergebnisse ihrer  Forschungen berichteten,  erneuerte Prof.  Hahn
       den Appell der Göttinger Achtzehn. Er sprach über "Die Geschichte
       der Uranspaltung  und die  aus dieser  Entwicklung entspringenden
       Konsequenzen". Er sagte u.a.:
       Immer wieder  hören wir von Versuchen zur Einstellung der Bomben-
       tests, von  geplanten Konferenzen über eine Rüstungsverminderung.
       Vielleicht führen sie auch einmal zu einem Ergebnis. Aber auf der
       anderen Seite lesen wir von den Plänen so mancher Länder, die nun
       auch ihre  eigenen Atombomben  herstellen wollen.  Hätte es nicht
       genügt, wenn  die USA  und Rußland, vielleicht auch noch England,
       sich als gleichgefährliche und gleichgefährdete Gegner gegenüber-
       ständen und  aus diesem Grunde einen Krieg verhindern könnten? Wo
       soll es hinführen, wenn in einer Reihe von Jahren alle möglichen,
       größeren und  kleineren, verantwortungsvolle  und verantwortungs-
       lose Machthaber  auf den  Knopf drücken  können, was  ihnen heute
       noch verwehrt  ist? Ich  kann nicht glauben, daß es bei dem loka-
       len, mit  Atomwaffen geführten  Kriege bei  der neuerdings disku-
       tierten "gestuften Abschreckung" bleibt. Ich fürchte, aus der ge-
       stuften Abschreckung wird eine allgemeine, wenn der Gegner sieht,
       daß er  sonst nicht weiterkommt. Die achtzehn Atomphysiker beste-
       hen auch  heute noch auf ihrem Manifest vom Frühjahr vorigen Jah-
       res, auf der Ablehnung einer Mitarbeit an Atomwaffenversuchen.
       Die Wissenschaftler  können nicht  verhindern, was mit den Ergeb-
       nissen ihrer  Forschung geschieht Aber sie können doch immer wie-
       der versuchen, friedliche Gespräche vor kriegerische Maßnahmen zu
       stellen. Heute  haben wir  die Wasserstoffbombe  als das drohende
       Gespenst der  explosiven Vereinigung  von Wasserstoff  in Helium.
       Aber unsere  Sonne zeigt  uns ja  etwas ganz  anderes. Daß unsere
       Erde noch  bewohnbar ist,  daß sie  nicht längst  zu einem  toten
       Steinhaufen erkaltet ist, verdanken wir der in der Sonne seit ei-
       nigen Millionen Jahren vor sich gehenden geregelten Verschmelzung
       des Wasserstoffs  in Helium, also dem Vorgang, um den sich unsere
       Wissenschaftler jetzt bemühen. Und unsere Kinder und Enkel - oder
       ihre Kinder und Enkel - werden den Prozeß gemeistert haben.
       Dann bringen  sie das,  was die  Sonne uns seit Milliarden Jahren
       geliefert hat, dann bringen sie die Sonne auf die Erde - wenn man
       ihnen ein Weiterleben auf der Erde gestattet...
       
       BERTRAND RUSSELL: ATOMKRIEG IST TOD DER MENSCHHEIT
       ==================================================
       
       Im Deutschen  Fernsehen gab  der britische  Nobelpreisträger Lord
       Russell ein  Interview, aus  dem ein  Ausschnitt festgehalten  zu
       werden verdient.
       Frage: Es  ist in  der Öffentlichkeit  so definiert  worden,  als
       seien Sie  der Ansicht, "besser rot als tot". Trifft das zu? Lord
       Russell: Ja,  das ist wahr, das ist meine Meinung. Wenn es jemals
       zu dieser  Alternative käme,  dann  wäre  das  besser.  Aber  ich
       glaube, daß diese Alternative sich mit ein wenig Weisheit vermei-
       den läßt.  Auf jeden Fall würde ich eine Welt unter dem Kommunis-
       mus einer  Welt vorziehen,  in der  gar keine  menschlichen Wesen
       mehr leben.  Schließlich wäre  es ja möglich, daß sich der Kommu-
       nismus bessert.  Ich nenne  das Beispiel  der Mongolen,  die ganz
       entsetzliche Leute  waren. Dschinghis-Khan  war  furchtbar,  doch
       sein Enkel Kublai-Khan war ein großartiger Kerl.
       Frage: Lord  Russell, Sie  haben schon 1920, glaube ich, über den
       Bolschewismus ein  Buch geschrieben  und darin  Ihre Ansicht sehr
       deutlich gesagt.  Wie stehen Sie heute zum Kommunismus? Lord Rus-
       sell: Meine Meinung ist heute die gleiche wie damals. Ich glaube,
       daß der  Kommunismus tödlich  für den menschlichen Geist ist, daß
       er viele  Grausamkeiten mit  sich bringt.  Alles in allem ist der
       Kommunismus etwas,  das ich überhaupt nicht mag. Aber ich bin der
       Meinung, daß  eine kommunistische Welt mit der Zeit besser werden
       könnte, eine  Welt, in  der es kein menschliches Wesen mehr gibt,
       jedoch nicht.
       Frage: Lord  Russell, waren  Sie nicht vor etwa 10 Jahren anderer
       Meinung, sagten  Sie nicht, daß man eine Diktatur dieser Art, wie
       Sie sie  eben auch  wieder charakterisieren, die sowjetische eben
       nur in  Schach halten  könne auch  durch Macht?  Wer  hat  recht,
       Bertrand Russell  1948 oder  Bertrand Russell  1958?  Oder  haben
       beide zu ihrer Zeit recht? Lord Russell: Beide hatten wohl zu ih-
       rer Zeit  recht. Denken Sie daran: Rußland hatte noch keine Atom-
       bombe, als ich meine frühere Meinung äußerte. Damals, als Amerika
       noch allein  nukleare Waffen  hatte, machten  die Amerikaner  ein
       sehr großzügiges  Angebot, den  Baruch-Vorschlag: alle Atomwaffen
       sollten internationalisiert werden. Ich war der Meinung, daß Ruß-
       land den Vorschlag der Internationalisierung annehmen sollte. Da-
       mals war  ich sogar bereit, Rußland einen Krieg anzudrohen, falls
       es diesen Vorschlag nicht annähme. Aber das war wie gesagt zu ei-
       ner Zeit,  als wir allein die Waffen hatten - eine Situation, die
       weit entfernt ist von der heutigen.
       Frage: Glauben  Sie, daß  die einseitige  Aufgabe der  Atomwaffen
       wirklich verhindern  würde, daß  kleinere Nationen zu Atommächten
       werden? Aus  rein moralischen Gründen zum Beispiel? Lord Russell:
       Nicht aus moralischen Gründen, nein. Aber was ich gern sähe, wäre
       ein Abkommen zwischen Amerika und Rußland, in dem beide sich ver-
       pflichten würden,  keine andere Macht in den Besitz der Atombombe
       gelangen zu  lassen. Sie  könnten die  anderen Länder  auch  ohne
       Kriegsdrohung, schon  allein durch  die Kontrolle des notwendigen
       Rohmaterials, ganz leicht daran hindern.
       
       BEVAN ERKLÄRT: "ATOMRÜSTUNG IST UNMORALISCH"
       ============================================
       
       Anläßlich der  außenpolitischen Debatte  des Jahreskongresses der
       Labour-Party bekannte  sich Aneurin  Bevan, der  Außenminister im
       Schattenkabinett seiner  Partei, zur  unbedingten Beendigung  der
       Atomwaffenversuche: "Ich, Aneurin Bevan, gelobe, daß eine Labour-
       Regierung sofort  am Tage  nach ihrem  Antritt und ohne Rücksicht
       auf die  Haltung anderer Staaten alle Atomwaffenversuche einstel-
       len wird.  Denn es ist unmoralisch, die eigene Rüstung dadurch zu
       verstärken, daß  man unschuldige Menschen vergiftet." Während der
       Rede Bevans senkte sich plötzlich von den Tribünen ein Banner auf
       die Versammlung  herab mit  der Aufschrift:  "Wenn das Wettrüsten
       mit H-Bomben andauert, wird die Menschheit untergehen." Auf einer
       öffentlichen Versammlung  während des Parteikongresses in Scarbo-
       rough erklärte  Bevan. "Jedesmal  wenn Herr Dulles spricht, läuft
       mir eine  Gänsehaut über den Rücken. Dieser Mann besitzt eine ge-
       fährlich apokalyptische  Schau der  Weltlage und  eine Einteilung
       der Welt  in Gottesvölker  auf der einen und Nationen des Teufels
       auf der andern Seite - im Munde eines Menschen ein sträflich hof-
       färtiges Urteil."
       
       "STERBEN FÜR QUEMOY?" - EIN NACH WIE VOR AKTUELLES BRIEFDUELL
       =============================================================
       ZWISCHEN GAITSKELL UND MACMILLAN
       ================================
       
       Gaitskell schrieb:  "Die englische  Regierung muß  der amerikani-
       schen klarmachen,  daß wenn  die amerikanischen  Staaten in einem
       Krieg zur  Verteidigung Quemoys verwickelt werden, Großbritannien
       sich nicht  beteiligen werde. Besonders beunruhigt sind wir durch
       Berichte, daß die Vereinigten Staaten ernsthaft die Anwendung nu-
       klearer Waffen  gegen das  chinesische Festland  zur Verteidigung
       Quemoys erwägen...  Während wir verstehen, daß normalerweise Mei-
       nungsverschiedenheiten zwischen  uns und unseren Alliierten nicht
       an die  große Glocke  gehängt werden sollten, halten wir doch die
       Lage für viel zu ernst, als daß diese Rücksicht entscheidend sein
       könnte. Es ist Tatsache, daß die öffentliche Meinung nicht nur in
       Großbritannien, sondern,  wie wir  glauben,  in  ganz  Westeuropa
       einen Krieg wegen Quemoy völlig ablehnt."
       Macmillan antwortete gewunden, "daß Washington weder um britische
       Unterstützung ersucht,  noch ein  britisches Versprechen erhalten
       habe..." Er fuhr fort: "Während es privat selbstverständlich zwi-
       schen Partnern ungehinderte Beratungen und aufrichtige Ratschläge
       geben muß, über die beste Art, eine besondere Frage zu behandeln,
       würden wir den Kommunisten in die Hände spielen, wenn wir uns ge-
       statten, Schwierigkeiten, die wir gemeinsam zu überwinden hoffen,
       publik zu machen."
       
       DER POLNISCHE AUSSENMINISTER RAPACKI WARNT DIE WELT
       ===================================================
       VOR EINER ATOMAREN BEWAFFNUNG DER BUNDESREPUBLIK
       ================================================
       
       In der  allgemeinen Debatte der UNO-Vollversammlung am 1. Oktober
       d.J. rief  der polnische Außenminister Rapacki aus: "Die Ausstat-
       tung der  deutschen Bundeswehr mit Atomwaffen stärkt in gefährli-
       cher Weise  die Kräfte des Revisionismus und Militarismus. Es ist
       gefährlich, Atomwaffen dem einzigen Lande Europas zu liefern, das
       territoriale Ansprüche gegen andere Staaten besitzt. Meine Regie-
       rung gibt  darum den Vorschlag einer kernwaffenfreien Zone in Eu-
       ropa nicht auf."
       
       EINLADUNG DER NORWEGISCHEN REGIERUNG AN RAPACKI. FINN MOE, DER
       ==============================================================
       VORSITZENDE DES AUSSENPOLITISCHEN AUSSCHUSSES DES NORWEGISCHEN
       ==============================================================
       PARLAMENTS SAGT: "RAPACKI GEBÜHRT DER NOBELPREIS"
       =================================================
       
       Die norwegische  Regierung Gerhardsen lud Ende September d.J. den
       polnischen Außenminister  Rapacki für  Anfang November oder einen
       anderen möglichst  nahen Zeitpunkt nach Oslo ein. Sie brachte da-
       bei zum Ausdruck, daß auch sie den Wunsch habe, den Entspannungs-
       plan Rapackis  für Europa  erneut zu  prüfen und nach Möglichkeit
       ihrer eigenen Friedensinitiative zugrunde zu legen. Ein wesentli-
       cher Verfechter des Rapacki-Planes ist der Vorsitzende des Außen-
       politischen Ausschusses  des norwegischen Storting, Finn Moe. Auf
       einer  internationalen   Tagung  der   Unabhängigen  Norwegischen
       Gruppe, die  sich zu  den Friedensidealen  Albert Schweitzers be-
       kennt, sagte Finn Moe am 19, September:
       "Ich bin  nach wie  vor der festen Ansicht, daß der Plan des pol-
       nischen Außenministers  Rapacki einem  eigenen  echten  Friedens-
       wunsch der  polnischen Regierung  entsprungen ist. Keineswegs ist
       es so, wie man im Westen allzugern aus Bequemlichkeitsgründen an-
       zunehmen bereit  ist, daß mit dem Rapackiplan ein ferngesteuerter
       Versuch Moskaus  vorliegt. Der  Fehler des Westens ist es vor al-
       lem. diesen  Plan zu einseitig von strategischen und rein militä-
       rischen Gesichtspunkten  zu sehen.  Ich halte dies persönlich für
       einen großen  Fehler; zumindest  sollte man im Westen den Mut ha-
       ben, die  Möglichkeiten und  Chancen des Planes einer militärisch
       verdünnten Zone in Mitteleuropa zu diskutieren, um darüber hinaus
       mit dem Osten überhaupt im Gespräch zu bleiben."
       Zugleich schrieb  Finn Moe  in den  "Oslo Tidningen" vom 30.9.58,
       "dem polnischen  Sozialisten Rapacki  gebührt der  nächste Nobel-
       preis, weil  er den  Kampf für  die Verständigung  und gegen  den
       Krieg nicht aufgegeben hat".
       
       DAS UNO-GUTACHTEN ÜBER DIE ATOMAREN STRAHLUNGSSCHÄDEN LÄSST
       ===========================================================
       NUR EINEN SCHLUSS ZU, DASS EINE WEITERE FORTSETZUNG DER
       =======================================================
       ATOMWAFFENVERSUCHE SCHWERE SCHÄDIGUNGEN DER MENSCHHEIT MIT
       ==========================================================
       SICH BRINGEN MUSS
       =================
       
       Der "Bericht des Wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten Na-
       tionen über die Wirkung atomarer Strahlung", der der UNO-General-
       versammlung im  Herbst  d.J.  vorliegt,  (unter  der  Bezeichnung
       "Offizielle Berichte,  13. Sitzung, Fortsetzung Nr. 17 - A/3838")
       breitet umfassendes  Material über die biologischen und insbeson-
       dere auch die genetischen Auswirkungen von Strahlungsschäden aus.
       In  Kapitel   VII,  Absatz  III,  Abschnitt  54  heißt  es  unter
       "Allgemeine Schlußfolgerungen":  "Der Ausschuß  zieht den Schluß,
       daß alle  Schritte, die  dazu bestimmt  sind, die Bestrahlung der
       menschlichen Bevölkerung  zu verringern, der menschlichen Gesund-
       heit zugute  kommen werden. Hierzu gehört es einerseits, eine un-
       nötige Strahlenbelastung  bei  medizinischen,  industriellen  und
       sonstigen Maßnahmen  zur friedlichen Nutzung zu vermeiden und an-
       dererseits die  Kontamination der  Umwelt durch  Explosionen  von
       Kernwaffen zu beenden."
       
       SCHON DIE KLEINEN ATOMBOMBEN VON HIROSHIMA UND NAGASAKI
       =======================================================
       VERURSACHTEN ERBSCHÄDEN ÜBER GENERATIONEN HIN
       =============================================
       
       Der Bericht  der Japan-Delegation der Städte Frankfurt/M., Offen-
       bach/M. und Gießen wird in Kürze veröffentlicht werden. Unter Fe-
       derführung von  Professor Dr.  Kaplan, Ordinarius  der Genetik an
       der Universität Frankfurt/M., sind die Ergebnisse der Japan-Dele-
       gation der  Städte Frankfurt/M., Offenbach/M. und Gießen beim Be-
       such insbesondere  von Hiroshima und Nagasaki inzwischen bearbei-
       tet und  zur Publikation  vorbereitet worden.  Dabei wirkten auch
       mit: Prof.  Dr. med. S chubring, Dekan der Medizinischen Fakultät
       Gießen, der  Röntgenologe Dr. P. Zacharias, Frankfurt/M., und Me-
       dizinalrat Dr.  H. Schmidt,  Sprendlingen b.  Frankfurt/M., sowie
       Pfarrer Dr.  Berger, Frankfurt/M.,  Stadtrat Dr. P. Gläss, Frank-
       furt/M., Professor  Dr. Eugen  Kogon, Technische Hochschule Darm-
       stadt, und  Pfarrer  Kratz,  Offenbach/M.  Professor  Dr.  Kaplan
       schließt das  Gutachten mit  einer "Zahlenbilanz  der Atombomben-
       schäden in  Hiroshima und Nagasaki" ab. Am Ende eingehender exakt
       wissenschaftlicher Untersuchungen  heißt es u.a.: "Wahrscheinlich
       haben die Überlebenden sogar erhebliche Erbschäden in ihren Keim-
       zellen davongetragen.  Die bisherigen Berechnungen haben ergeben,
       daß aller  Voraussicht nach bei jeder zweiten Keimzelle eine kri-
       tische Mutation  eingetreten ist.  Bei einem nicht unwesentlichen
       Teil der  Geburten muß  das zu  Erbkrankheiten verschiedener  Art
       führen, die  allerdings erst  in späteren  Generationen erkennbar
       werden können...  Die Bombardierung der beiden japanischen Städte
       wird voraussichtlich  noch bis  in ferne Generationen für das zu-
       sätzliche Auftreten vieler Erbkrankheiten verantwortlich sein."
       
       DREI SCHRECKLICHE NACHRICHTEN: TAKTISCHE ATOMWAFFEN PERFEKT -
       =============================================================
       ATOMBOMBENANGRIFF AUF RUSSLAND SCHON BEI DER LIBANON-LANDUNG
       ============================================================
       EINKALKULIERT - WARN-ATOMBOMBE VOR HIROSHIMA UND NAGASAKI
       =========================================================
       ABSICHTLICH UNTERLASSEN
       =======================
       
       Anfang Oktober  wurde die Weltöffentlichkeit durch drei "amtliche
       Informationen" erschreckt.  Teller, der Chef der Atomwaffenversu-
       che des  USA-Verteidigungsministertums, erklärte,  daß die takti-
       schen Atomwaffen  nunmehr durchkonstruiert  und so perfekt seien,
       daß sie bis in die untersten Einheiten der amerikanischen Streit-
       kräfte eingesetzt  werden könnten.  - Kingsbury Smith, Vizepräsi-
       dent der UPI, erklärte auf Grund von zuverlässigen Informationen,
       "daß bereits  bei der Libanon-Landung alle Vorbereitungen getrof-
       fen gewesen  wären, 20 sowjetrussische Städte durch einen nuklea-
       ren Angriff auszulöschen, falls die Sowjetunion damals Abwehrmaß-
       nahmen zugunsten  der libanesischen  Aufstandsbewegung  getroffen
       hätten." -  In der  Oktober-Ausgabe des Magazins "Look" berichtet
       der ehemalige  Außenminister Byrnes, "der Abwurf einer Warn-Atom-
       bombe auf einer abgelegenen Insel im Beisein von internationalen,
       auch japanischen Beobachtern, die eigentlich den Atombombenabwür-
       fen auf  Hiroshima und  Nagasaki vorausgehen  sollte, ist  damals
       durch Präsident  Truman ausdrücklich  abgelehnt worden.  Einziger
       Grund für diese Haltung ist gewesen, daß man auf Grund eines Gut-
       achtens von  Sachverständigen befürchtet  hat, die Warn-Atombombe
       könne sich  möglicherweise nicht  entladen und der gewünschte Ef-
       fekt auf Japan würde infolgedessen nicht eintreten."
       
       "WIR WIDERSTEHEN JEDER VERHARMLOSUNG DES ATOMWAFFENPROBLEMS!"
       =============================================================
       
       Dr. Elisabet  Heimpel, die  Frau des Direktors des Max-Planck-In-
       stituts für  Geschichte in Göttingen, hat am 26. September im Na-
       men von  18 463 Frauen  in der Bundesrepublik dem Generalsekretär
       der Vereinten  Nationen, Hammarskjöld,  eine Erklärung  gegen die
       atomare Ausrüstung  der Bundeswehr  übermittelt. In dieser Erklä-
       rung heißt es: "Wir erklären unsere Zustimmung zu der Rede Albert
       Schweitzers und  zu der  Göttinger  Erklärung  der  westdeutschen
       Atomphysiker, in  Deutschland keine  atomare Waffen,  welcher Art
       auch immer, zu haben, und wir erklären uns bereit, für diesen Ge-
       wissensentscheid überall und jederzeit einzutreten und jeder Ver-
       harmlosung des Atomwaffenproblemes zu widerstehen."
       Zu den  Unterzeichnerinnen dieser  Petition gehören unter anderen
       Gertrud von le Fort, Luise Orff-Rinser und Ina Seidel.
       

       zurück