Quelle: Blätter 1958 Heft 10 (Oktober)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUS DEM BERICHT DER SACHVERSTÄNDIGEN-KONFERENZ IN GENF
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       VOM 1. JULI BIS ZUM 21. AUGUST 1958 ZUM STUDIUM DER METHODEN,
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       VERSTÖSSE GEGEN EIN EVENTUELLES ABKOMMEN ÜBER EINSTELLUNG
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       DER KERNVERSUCHE ZU ENTDECKEN
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       Einleitung
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       A. Gemäß der Übereinkunft, die auf Grund eines Briefwechsels zwi-
       schen dem Vorsitzenden des Ministerrats der Union der Sozialisti-
       schen Sowjetrepubliken,  N.S. Chruschtschow,  und dem Präsidenten
       der Vereinigten  Staaten von  Amerika, Dwight D. Eisenhower, über
       die Einberufung  einer Sachverständigenkonferenz  zum Studium der
       Möglichkeit einer  Entdeckung von Verstößen gegen ein eventuelles
       Abkommen über  die Einstellung  von Kernversuchen  erzielt worden
       war, begann  am 1. Juli 1958 in Genf, im Palast der Nationen, die
       Konferenz der  Sachverständigen der  westlichen Länder einerseits
       und der  Sachverständigendelegationen  der  Sowjetunion  und  der
       Volksrepublik Rumänien andererseits.
       B. Der Konferenz wohnte als persönlicher Vertreter des Generalse-
       kretärs der Organisation der Vereinten Nationen Herr T.G. Narayan
       bei. Die  Organisation der Vereinten Nationen sicherte der Konfe-
       renz die  nötigen Arbeitsbedingungen  und stellte ihr die Dienste
       ihres Sekretariats  zur Verfügung. Die Sachverständigen sagen dem
       Generalsekretär und  seinem persönlichen  Vertreter für ihre lie-
       benswürdigen Dienste  Dank, desgleichen dem Personal des Sekreta-
       riats, das  die Konferenz betreut hat, für die von ihm geleistete
       Arbeit.
       C. Die am  4. Juli  beschlossene  Tagesordnung  umfaßte  folgende
       Hauptfragen:
       1. Meinungsaustausch über  die verschiedenen Methoden zur Entdec-
       kung von  Atomexplosionen und  über andere  allgemeine Fragen der
       Konferenzarbeit.
       2. Bestimmung der Nomenklatur der Hauptarten systematischer Beob-
       achtungen von Erscheinungen, die Anzeichen einer Explosion sind.
       3. Ein System  der Kontrolle über Einhaltung eines Abkommens über
       Einstellung der Kernversuche.
       4. Abfassung eines Berichts der Sachverständigen an die Regierun-
       gen der  auf der Konferenz vertretenen Länder nebst Gutachten und
       Vorschlägen betreffs  eines Kontrollsystems über Einhaltung eines
       Abkommens über Einstellung der Kernversuche.
       D. Die Konferenz  führte 30 offizielle Sitzungen durch und schloß
       ihre Arbeit  am 21.  August 1958 ab. Im Einklang mit der vorange-
       gangenen Übereinkunft  führte die  Konferenz ihre Sitzungen unter
       Ausschluß der Öffentlichkeit durch.
       E. Die Konferenz  erörterte die  Begleiterscheinungen von Atomex-
       plosionen, die  unter verschiedenen Bedingungen durchgeführt wer-
       den.
       F. Einige dieser  Erscheinungen, nämlich  die akustischen  Wellen
       bei Explosionen  in der  Luft  und  im  Wasser,  die  seismischen
       Schwingungen bei Explosionen auf der Erde, unter der Erde und un-
       ter dem  Wasser, die  Radioimpulse bei  Explosionen in  der Atmo-
       sphäre, das  Licht und  die Gammastrahlung,  wenn sie  sich  über
       große Entfernungen  hin ausbreiten,  dienen als Anzeichen von Ex-
       plosionen und ermöglichen es, Ort und Zeit dieser Explosionen ab-
       zuschätzen.
       G. Die sich  bei Kernexplosionen  in der Atmosphäre bildenden ra-
       dioaktiven Produkte  verlagern sich in der Atmosphäre und breiten
       sich über  große Entfernungen  aus. Wurde  die  Kernexplosion  im
       Ozean oder in der Erdkruste vorgenommen, so werden die radioakti-
       ven Produkte lange Zeit hindurch unweit der Explosionsstelle kon-
       zentriert bleiben.
       H. Die Empfindlichkeit  der modernen  physikalischen,  chemischen
       und geographischen  Messungsmethoden ermöglicht es, Kernexplosio-
       nen anhand  der obenerwähnten Anzeichen auf bedeutende Entfernun-
       gen hin zu entdecken, wie weiter unten gezeigt werden wird.
       So ist  bekannt, daß  Explosionen von  großer Stärke, die auf der
       Erdoberfläche und im unteren Teil der Atmosphäre vorgenommen wur-
       den, an  von der Explosionsstelle denkbar weit entlegenen Punkten
       des Erdballs  mühelos entdeckt werden können. Andererseits können
       Explosionen von  geringer Stärke  (von  einigen  Kilotonnen)  mit
       großer Sicherheit beim heutigen Stand der Beobachtungstechnik nur
       entdeckt werden,  wenn ein  speziell geschaffenes  Kontrollsystem
       vorhanden ist,  wie dies  im Abschnitt  IV dieses Berichts vorge-
       schlagen wird
       1. Eine besondere  Schwierigkeit bei  Entdeckung und Identifizie-
       rung kleiner  Explosionen besteht  darin, daß viele Naturerschei-
       nungen (Erdbeben, Gewitter u.a.) Signale hervorrufen, die den von
       Explosionen bewirkten ähnlich sind, oder daß sie durch ihre Anwe-
       senheit die Entdeckung der gesuchten Signale behindern.
       J. Eine sorgfältige  Analyse der  Registrierungsmaterialien unter
       Berücksichtigung der  an mehreren  Punkten gewonnenen Daten trägt
       dazu bei, die Signale der Naturerscheinungen von den Signalen von
       Explosionen zu unterscheiden. Vorgänge, die unidentifiziert blei-
       ben und  bei denen  der Verdacht einer Kernexplosion möglich ist,
       könnten mittels  einer Inspektion  an Ort und Stelle erkannt wer-
       den.
       K. Die Sachverständigenkonferenz  hat die Methoden zur Entdeckung
       von Kernexplosionen  anhand der von den Explosionen hervorgerufe-
       nen akustischen, hydroakustischen und seismischen Schwingungen in
       der Luft,  im Wasser und in der Erdrinde geprüft, desgleichen die
       Entdeckung von  Explosionen mit  Hilfe der von ihnen verbreiteten
       elektromagnetischen Schwingungen und der von den Explosionen her-
       vorgerufenen radioaktiven Produkte.
       L. Die Konferenz  hat die Möglichkeiten und Begrenzungen, die ei-
       ner jeden  dieser Methoden  innewohnen,  untersucht  und  festge-
       stellt, daß  eine gemeinsame Anwendung der verschiedenen Methoden
       die Entdeckung  und Identifizierung von Kernexplosionen bedeutend
       erleichtert.
       M. Nach Erörterung  der einzelnen  Methoden prüfte  die Konferenz
       die Frage der technischen Ausrüstung des Kontrollsystems, die nö-
       tig wäre,  um Kernexplosionen zu entdecken und zu identifizieren,
       und ging sodann zur Frage des Kontrollsystems als Ganzes über.
       N. Auf Grund  der Behandlung dieser Fragen gelangte die Konferenz
       zu dem Schluß, daß es  t e c h n i s c h  d u r c h f ü h r b a r
       ist, ein  arbeitsfähiges und effektives Kontrollsystem mit den im
       Abschnitt IV  des vorliegenden  Berichts erwähnten  Möglichkeiten
       und Begrenzungen zwecks Entdeckung von Verstößen gegen ein Abkom-
       men über  allgemeine Einstellung der Kernwaffenversuche ins Leben
       zu rufen.
       O. Im vorliegenden Bericht sind Angaben gemacht über verschiedene
       Methoden zur  Entdeckung und Identifizierung von Kernexplosionen,
       über die  technische Ausrüstung  des Kontrollsystems und über das
       Kontrollsystem als  Ganzes. Die  einzelnen Dokumente, die die von
       der Konferenz angenommenen Schlußfolgerungen zu jeder der genann-
       ten Fragen enthalten, sind dem vorliegenden Bericht beigegeben.
       
       Gutachten über ein Kontrollsystem zur Entdeckung eines Verstoßes
       ----------------------------------------------------------------
       gegen ein eventuelles Abkommen über Einstellung der Kernversuche
       ----------------------------------------------------------------
       
       Die Sachverständigenkonferenz ist nach Erörterung eines Kontroll-
       systems zur Entdeckung von Verstößen gegen ein eventuelles Abkom-
       men über  Einstellung der  Kernversuche zu  folgendem Schluß  ge-
       langt:
       Die gegenwärtig  zur Verfügung  stehenden Methoden zur Entdeckung
       von Kernexplosionen  - die  Methode der Probenentnahme von radio-
       aktiven Produkten,  die Methoden  der Registrierung  von  seismi-
       schen, akustischen  und hydroakustischen  Wellen und  die Methode
       des Radiosignals zusammen mit dem Einsatz einer Inspektion an der
       Stelle, wo unerkannte Erscheinungen auftraten, bei denen der Ver-
       dacht von Kernexplosionen besteht - ermöglichen es, Kernexplosio-
       nen zu entdecken und zu identifizieren, darunter auch Explosionen
       von geringer  Stärke (1-5 Kilotonnen) Die Konferenz gelangte des-
       halb zu dem Schluß, daß es  t e c h n i s c h  d u r c h f ü h r-
       b a r   sei, ein arbeitsfähiges und effektives Kontrollsystem mit
       den unten  genannten Möglichkeiten  und Begrenzungen für die Ent-
       deckung von  Verstößen gegen  ein Abkommen  über allgemeine  Ein-
       stellung der Kernwaffenversuche ins Leben zu rufen.
       Die Sachverständigenkonferenz ist zu folgendem Gutachten betreffs
       eines solchen Systems gelangt:
       1. Das Kontrollsystem  soll von einem internationalen Kontrollor-
       gan geleitet werden. Dies Kontrollorgan muß für eine koordinierte
       Tätigkeit des Kontrollsystems Sorge tragen, das folgenden techni-
       schen Anforderungen  sowie den  damit verknüpften  Funktionen  zu
       entsprechen hätte:
       a) Ausarbeitung, Erprobung und Übernahme einer Meßapparatur sowie
       von Ausrüstungen  für das Kontrollpostennetz; Bestimmung der Kri-
       terien für die Wahl des Stationierungsorts der Kontrollposten;
       b) Durchführung an  den Kontrollpostenstationen  und auf Flugzeu-
       gen, die  in den  Punkten 3 und 5 des vorliegenden Gutachtens er-
       wähnten ständigen und effektiven Beobachtungen von Erscheinungen,
       die es ermöglichen, Kernexplosionen mittels der von der Konferenz
       empfohlenen Methoden zu entdecken;
       c) zuverlässige Verbindung mit Hilfe der vorhandenen Mittel dort,
       wo sie für diesen Zweck taugen, zwischen dem internationalen Kon-
       trollorgan einerseits  und den  Kontrollposten und -stützpunkten,
       von denen aus regelmäßige Flüge unternommen werden, andererseits;
       die Verbindung  und die  Beförderung müssen eine rasche Übermitt-
       lung der  Beobachtungsresultate, der  Daten (einschließlich  Pro-
       ben), Berichte sowie der nötigen Versorgung gewährleisten;
       d) Transportmittel für  das Personal  der Kontrollposten entspre-
       chend seinen  Obliegenheiten und,  soweit dies  erforderlich ist,
       für die Mitarbeiter des internationalen Kontrollorgans;
       e) rechtzeitige Analyse  und Bearbeitung  der von den Kontrollpo-
       sten angestellten  Beobachtungen, um die Erscheinungen, bei denen
       der Verdacht einer Kernexplosion aufkommen könnte, rasch zu iden-
       tifizieren und  um darüber  in einer  Weise Mitteilung zu machen,
       die die Regierungen für angebracht halten;
       f) rechtzeitige Inspizierung  der unerkannten  Erscheinungen, bei
       denen der  Verdacht von  Kernexplosionen  aufkommen  kann,  gemäß
       Punkt 6 des vorliegenden Abkommens;
       g) Komplettierung des Kontrollsystems (des Netzes der Kontrollpo-
       sten auf  dem Festland, auf Schiffen und auf Flugzeugen sowie der
       Mitarbeiter des  internationalen Kontrollorgans)  durch  qualifi-
       ziertes Personal mit dem entsprechenden Fachwissen;
       h) Beistandsleistung bei  Verwirklichung  des  wissenschaftlichen
       Forschungsprogramms zwecks  Steigerung des wissenschaftlichen Ni-
       veaus des Systems.
       2. Das Netz  der Kontrollposten  wird durch  drei höchst wichtige
       Parameter charakterisiert:
       a) durch die  minimale Stärke der Kernexplosion oder der Naturer-
       eignisse, die äquivalente Signale aussenden;
       b) durch die Zahl der Kontrollposten;
       c) durch die  Wahrscheinlichkeit einer  wichtigen Identifizierung
       der Naturerscheinungen, insbesondere von Erdbeben.
       Zwischen diesen Parametern besteht folgende Abhängigkeit: mit zu-
       nehmender Stärke  der Explosion  oder der Zahl der Kontrollposten
       wächst die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung und Identifizierung,
       während die  Menge der  unerkannten Erscheinungen,  bei denen der
       Verdacht einer  Kernexplosion besteht,  sich verringert. Anderer-
       seits wäre  es für  die Identifizierung einer wachsenden Zahl von
       unerkannten Erscheinungen  bei einer  geringeren Anzahl  von Kon-
       trollposten nötig, die Zahl der Inspektionen an Ort und Stelle zu
       vermehren oder  in größerem Ausmaß die Daten auszuwerten, die aus
       Quellen stammen,  die dem  Kontrollorgan nicht  unterstellt sind,
       oder, falls nötig, das eine und das andere auszunutzen.
       Die Konferenz ist der Meinung, daß die Aufgabe der Entdeckung und
       Identifizierung unterirdischer  Explosionen zu  den schwierigsten
       gehört und in vielem die Charakteristika des Kontrollpostennetzes
       bestimmt.
       3. Das Kontrollpostennetz umfaßt 160 bis 170 Bodenkontrollstatio-
       nen (ausgerüstet  entsprechend Abschnitt III des vorliegenden Be-
       richts) und  ungefähr 10  Schiffe. Von diesen 160-170 Kontrollpo-
       sten würden  100-110 auf dem Festland gelegen sein, 20 auf großen
       Ozeaninseln und  40 auf kleinen Ozeaninseln, doch kann die genaue
       Zahl der  Kontrollposten in  den genannten Grenzen erst im Prozeß
       ihrer konkreten Verteilung auf dem Erdball bestimmt werden, unter
       Berücksichtigung der Geräusche an ihren Stationierungsstellen und
       anderer Umstände.
       Die Entfernung  zwischen  den  Kontrollposten  in  kontinentalen,
       aseismischen Räumen  würde ungefähr  1700 km betragen, in seismi-
       schen Räumen  ungefähr 1000 km. Die Entfernung der Kontrollposten
       in ozeanischen  Gebieten würde zwischen 2000 und mehr als 3500 km
       schwanken; die  Entfernung zwischen  den  Inselkontrollposten  in
       seismischen Räumen würde etwa 1000 km betragen. Das würde zu fol-
       gender ungefährer  Verteilung der  Kontrollposten auf dem Erdball
       führen (bei  einem Netz,  das 110 kontinentale Kontrollposten um-
       schlösse): Nordamerika 24, Europa 6, Asien 37, Australien 7, Süd-
       amerika 16, Afrika 16, Antarktis 4; hinzu kämen 60 Kontrollposten
       auf Inseln und rund 10 auf Schiffen.
       4. Zu den  Aufgaben des  Personals der  Kontrollposten gehört die
       Sicherstellung eines normalen Funktionierens der Apparaturen, die
       primäre Bearbeitung  der gewonnenen Materialien und deren Weiter-
       leitung an  das internationale  Kontrollorgan sowie an die Regie-
       rung des  Landes, auf  dessen Territorium sich der Kontrollposten
       befindet, und zwar auf die Art und Weise, die die Regierungen für
       angebracht halten.
       Zur Erfüllung  der genannten  Aufgaben werden  etwa 30  Fachleute
       verschiedener Qualifikation  und Fachrichtung  nötig sein,  sowie
       ein sich  aus einigen Personen zusammensetzendes Bedienungshilfs-
       personal für jeden Kontrollposten.
       5. In Ergänzung zu dem genannten Hauptnetz werden Luftproben ent-
       nommen werden  von Flugzeugen aus, die gewöhnlich die Trassen von
       Norden nach Süden über den Ozeanen an der Peripherie des Atlantik
       und des Pazifik befliegen sowie auch ozeanische Gebiete überflie-
       gen, die von den Bodenkontrollposten weit entfernt liegen.
       Ergibt sich  im Falle  der Entdeckung  einer unerkannten Erschei-
       nung, bei  der der Verdacht einer Kernexplosion besteht, die Not-
       wendigkeit, das  Vorhandensein einer  radioaktiven Wolke  zu kon-
       trollieren, so  werden spezielle Flüge organisiert, um sich gemäß
       Punkt 10  Abschnitt II  (b) Proben  radioaktiver Produkte zu ver-
       schaffen.
       6. Entdecken die  Kontrollposten eine Erscheinung, die vom inter-
       nationalen Kontrollorgan  nicht erkannt  werden kann  und bei der
       der Verdacht  einer Kernexplosion  aufkommen könnte,  so kann das
       internationale Kontrollorgan  dorthin, wo diese Erscheinung beob-
       achtet wurde, eine Inspektionsgruppe entsenden, um festzustellen,
       ob eine  Kernexplosion stattgefunden hat oder nicht. Diese Gruppe
       wird mit Ausrüstungen und einer Apparatur ausgestattet, die ihrer
       Aufgabe in jedem einzelnen Fall entspricht. Die Inspektionsgruppe
       läßt einen  Bericht über  die von  ihr durchgeführte Untersuchung
       dem internationalen  Kontrollorgan und  der Regierung des Landes,
       auf dessen Territorium die Untersuchung stattgefunden hat, in ei-
       ner Art  und Weise zugehen, die die Regierungen für geeignet hal-
       ten.
       7. Das Netz der Kontrollposten, deren Verteilung dargelegt wurde,
       würde zusammen  mit der  geschilderten Ausnutzung von Flugzeugen,
       unter Berücksichtigung  des in  den Punkten  8 und 9 Dargelegten,
       folgende Effektivität aufweisen:
       a) eine begründete Wahrscheinlichkeit, Kernexplosionen bis zu ei-
       ner Stärke von etwa einer Kilotonne zu entdecken und zu identifi-
       zieren die  auf der  Erdoberfläche und in einer Höhe bis zu 10 km
       vor sich  gingen, und  eine begründete Wahrscheinlichkeit, Explo-
       sionen zu  entdecken, doch  nicht in allen Fällen zu identifizie-
       ren, die in Höhen von 10 bis 50 Kilometern stattfanden. In diesen
       Fällen würden die unabhängigen Methoden zur Anwendung kommen, die
       im Abschnitt II a, II b und II d dargelegt wurden;
       b) begründete  Wahrscheinlichkeit,   Kernexplosionen  von   einer
       Stärke von  einer Kilotonne  zu entdecken, die in großer Tiefe im
       offenen Ozean  stattfinden. In diesem Falle würden die in dem Ab-
       schnitt II a  und II c  dargelegten unabhängigen hydroakustischen
       und seismischen  Methoden zur  Anwendung kommen. Die Identifizie-
       rung von  unterseeischen Explosionen kann in verhältnismäßig sel-
       tenen Fällen durch Naturereignisse erschwert werden, die ähnliche
       hydroakustische und seismische Signale senden;
       c) begründete Wahrscheinlichkeit,  seismische Signale  von tiefen
       unterirdischen Kernexplosionen auf dem Kontinent, die einer Kilo-
       tonne und  mehr äquivalent sind, zu registrieren. In diesem Falle
       käme die  im Abschnitt II c dargelegte seismische Methode zur An-
       wendung. Das  Problem der  Identifizierung tiefer  unterirdischer
       Explosionen wird in Punkt 8 behandelt.
       8. Bei Beobachtung von Signalen eventueller unterirdischer Explo-
       sionen würden die Kontrollposten zugleich auch eine beträchtliche
       Menge ähnlicher  Signale, die von natürlichen Erdbeben herrühren,
       registrieren. Obwohl beim gegenwärtigen Stand des Wissens und der
       Technik das  Netz der  Kontrollposten die  Signale von unterirdi-
       schen Explosionen von den Signalen gewisser Erdbeben nicht unter-
       scheiden könnte,  wäre es doch imstande, als Erscheinungen natür-
       licher Ursache  ungefähr 90 Prozent der kontinentalen Erdbeben zu
       identifizieren, deren  Signale fünf  Kilotonnen äquivalent  sind,
       sowie einen  geringen Prozentsatz kontinentaler Erdbeben, die ei-
       ner Kilotonne äquivalent wären 1).
       Auf Grund der vorhandenen Daten wurde geschätzt, daß die Zahl der
       Erdbeben, die man wegen der von ihnen ausgehenden seismischen Si-
       gnale von  tiefen unterirdischen Kernexplosionen mit einer Stärke
       von ca.  fünf Kilotonnen nicht unterscheiden könnte, in kontinen-
       talen Räumen  20 bis 100 im Jahr ausmachen könnte Unerkannte Vor-
       gänge, bei denen der Verdacht von Kernexplosionen aufkommen kann,
       würden einer  Inspektion unterworfen  werden, wie dies in Punkt 6
       aufgezeigt ist.
       Die Fähigkeit  des Kontrollsystems, unterirdische Kernexplosionen
       mit einer  Stärke von  ein bis fünf Kilotonnen zu identifizieren,
       hängt ab von:
       a) einem kleinen Teil von Erdbeben, die nur auf Grund der von den
       Kontrollposten gewonnenen Daten identifiziert werden können;
       b) einem Teil der Erdbeben, die mit Hilfe zusätzlicher Daten, ge-
       wonnen von  bestehenden seismischen Stationen, identifiziert wer-
       den können;
       c) einem Teil der immer noch unerkannt gebliebenen Erscheinungen,
       die als  Kernexplosionen verdächtigt  werden könnten und in bezug
       auf die  das internationale  Kontrollorgan eine  Inspektion gemäß
       Punkt 6 durchführen würde.
       Obwohl das Kontrollsystem auf große Schwierigkeiten stoßen würde,
       um eine  positive Identifizierung  einer  sorgfältig  verborgenen
       tiefen unterirdischen Kernexplosion zu erzielen, gäbe es doch im-
       mer die  Möglichkeit, einen  solchen Verstoß  mit Hilfe einer In-
       spektion zu entdecken.
       Eine Inspektion  an Ort  und Stelle, die vom internationalen Kon-
       trollorgan gemäß Punkt 6 durchgeführt würde, könnte mit begründe-
       ter Wahrscheinlichkeit  unterseeische Kernexplosionen  mit  einer
       Stärke von einer Kilotonne und mehr identifizieren.
       9. Die Konferenz  stellt fest,  daß in  einigen besonderen Fällen
       die Möglichkeit,  Kernexplosionen zu  entdecken, sich  verringern
       würde, beispielsweise bei der Durchführung von Explosionen in je-
       nen Räumen  des Ozeans, wo die Zahl der Kontrollposten gering ist
       und ungünstige  meteorologische Verhältnisse herrschen; bei nicht
       tiefen unterirdischen  Explosionen; bei  der Durchführung von Ex-
       plosionen auf  Inseln in seismischen Gebieten; und in einigen an-
       deren Fällen, wo die Explosion sorgfältig verborgen gehalten wer-
       den würde.  In einigen  Fällen würde es unmöglich sein, genau den
       Raum zu  bestimmen, wo  die entdeckte Kernexplosion stattgefunden
       hat. Die Konferenz ist jedoch der Ansicht, daß der Übertreter des
       Abkommens, was für Vorsichtsmaßnahmen er auch treffen würde, den-
       noch vor  einer Entlarvung  nicht sicher wäre, zumal wenn man die
       Durchführung einer Inspektion am Orte der vermuteten Explosion in
       Betracht zieht.
       10. Das obenerwähnte  System umfaßt  nicht konkrete  Methoden zur
       Entdeckung und  Identifizierung von Kernexplosionen in großen Hö-
       hen (über  30-50 km). Die  Konferenz hat  ihre  Schlußfolgerungen
       über die  Methoden zur Entdeckung von Kernexplosionen, die in Hö-
       hen über  30-50 km erfolgen, formuliert und diese Methoden im Ab-
       schnitt II E charakterisiert.
       II. Die Sachverständigenkonferenz  empfiehlt den Regierungen, das
       oben geschilderte Kontrollsystem zu prüfen.
       
       _____
       1) Die Konferenz stellt fest, daß es, um den Prozentsatz der Erd-
       beben mit  einer Stärke unter fünf Kilotonnen, die sich identifi-
       zieren ließen, zu erhöhen, zweckmäßig wäre, zusätzlich zu den Da-
       ten der  Kontrollposten auch  zuverlässige Daten  der bestehenden
       Erdbebenstationen heranzuziehen.  Die Ergebnisse  der von  diesen
       seismischen Stationen  zu diesem Zweck angestellten Beobachtungen
       sollen dem  internationalen Kontrollorgan  zugeleitet werden. Die
       Ausrüstung der  für  diesen  Zweck  geeigneten  Erdbebenstationen
       könnte durch die besten modernen Apparaturen verbessert werden.
       

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