Quelle: Blätter 1958 Heft 11 (November)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       "NEW THINKING" ÜBER DIE WIEDERVEREINIGUNG
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       Unter dieser  Überschrift berichtete die Londoner Times am 7. No-
       vember über Ausführungen, die Prof. W. Hagemann von der Universi-
       tät Münster auf einer in Bonn am 5. November im Königshof von den
       Blättern für  Deutsche und  Internationale Politik veranstalteten
       Pressekonferenz machte.
       
       Die öffentliche Meinung in Westdeutschland ist heute noch geteil-
       ter Meinung  in ihrer  Einschätzung zu  Professor Walter Hagemann
       von der  Universität Münster,  der seit  mehr als einem Jahr sehr
       vernehmlich den  russischen Ratschlag befürwortet, die Wiederver-
       einigung mit dem ostdeutschen Regime zu besprechen.
       Seine Ausstoßung  aus der  Christlich-Demokratischen Union  wurde
       gestern bestätigt,  und heute  hielt er  eine Pressekonferenz ab,
       bei welcher  er darlegte, daß er, wie auch die Ergebnisse der öf-
       fentlichen Meinungsforschung es bezeugen, für ein Viertel der Be-
       völkerung und für viele Christlich-Soziale Demokraten spreche. Er
       sagte, daß  man nur noch in Washington an die alte Forderung nach
       sofortigen, freien,  ganz Deutschland  umfassenden Wahlen glaube,
       daß aber  die westdeutsche Regierung zuviel Furcht habe, dies zu-
       zugeben.
       Er wiederholte  seine Behauptung, die kürzlich in den Bonner Tau-
       benschlägen so  viel Aufsehen  erregt hatte, daß ein Minister der
       westdeutschen Bundesregierung zu geheimen Besprechungen nach Ost-
       Berlin über den Plan einer Konföderation zwischen den beiden Tei-
       len Deutschlands  gegangen ist. Er sagte, er kenne den Namen die-
       ses Ministers nicht, aber Dr. Adenauer kenne ihn.
       Er war  sicher, Rußland  sowohl als  Ostdeutschland wünschen  die
       Wiedervereinigung, aber  es müßte  sich ein  Vorgang ergeben, bei
       dem die  freien Wahlen am Ende davon stattfinden würden. Die ost-
       deutsche Regierung  bestünde nicht auf diplomatische Anerkennung,
       denn, wenn  der Vorgang  einmal begonnen  hätte, würde  es  nicht
       lange dauern,  bis beide  Regierungen in Ost- und Westdeutschland
       aufgehört hätten zu bestehen. Die Argumente des Professors, abge-
       strichen einige  wortreiche Auswüchse, die den Sympathien für ihn
       nur abträglich  sein könnten, enthalten vieles, was auf derselben
       Linie liegt,  die im privaten Denken in Bonn erwogen wird. Er hat
       recht, wenn er sagt, daß niemand mehr an die Möglichkeit soforti-
       ger, freier, gesamtdeutscher Wahlen glaubt, und Herr von Brentano
       hat sich  kürzlich in  Berlin ganz ähnlich geäußert. Er hat eben-
       falls recht,  wenn er  sagt, daß die Menschen in zunehmendem Maße
       mehr und  mehr ungeduldig  werden angesichts der Fiktion, daß die
       ostdeutsche Regierung  nicht existent  sei. Selbst jene Menschen,
       die überzeugt sind, daß das russische Beharren auf innerdeutschen
       Verhandlungen ein  Bluff sei,  neigen dazu,  daß  wenig  verloren
       wäre, eine  Probe aufs Exempel zu machen. Prof. Hagemann mag sich
       als ein  Prophet erweisen, aber wie die meisten Propheten wird er
       einige Zeit warten müssen, bevor er gerechtfertigt ist.
       
       UNGEIST GESTERN ... UND MORGEN?
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       Aus der  Rede von  Professor Helmut  Gollwitzer für die Opfer des
       Nationalsozialismus im  Berliner Schiller-Theater  am 9. November
       1958.
       
       Die Herrschaft  von Ungeist und Mord kam nicht von ungefähr. Ihre
       Wurzeln reichen  auch in das hinein, was die Pfarrer, die von ihr
       getroffen wurden,  früher gepredigt  oder nicht gepredigt hatten,
       was die  Schriftsteller, deren  Bücher dann  verbrannt wurden, in
       manchen dieser  Bücher geschrieben  hatten, auch  in das, was auf
       unseren Bühnen  gespielt worden  war, und auch in die Art, wie an
       unseren Universitäten  Wissenschaft getrieben  und gelehrt worden
       war. "Da ist keiner, der unschuldig wäre, auch nicht einer", wird
       man auch hier mit dem Apostel Paulus sagen müssen.
       Die rätselhafte  Sorglosigkeit, mit der heute viele der Anhäufung
       von Atombombenvorräten,  nun auch  in unserem  gespaltenen Lande,
       zusehen, als  bestände Sicherheit, daß sich dies nie über unseren
       Köpfen entladen  wird, ist  ja nur  ein Symptom  der  allgemeinen
       Sorglosigkeit; alle  die Unterlassungen in der Gestaltung unseres
       sozialen und  individuellen Lebens,  in der Reform von Schule und
       Universität und Parteileben, deren wir uns heute schuldig machen,
       würden sich  nie rächen,  alle die  verwüstenden Anleitungen  zur
       Verachtung des  Lebens und  des Mitmenschen, die in Filmen wie in
       wissenschaftlichen Theorien  verbreitet werden, würden garantiert
       nie ernst  genommen und  nie  praktiziert  werden.  Sie  sind  so
       furchtbar praktiziert  worden, daß  es uns  schlechthin  verboten
       ist, weiter mit ihnen zu spielen.
       Nietzsche hat  einmal notiert:  "Das allgemeinste Zeichen unserer
       Zeit: der Mensch hat in seinen eigenen Augen unglaublich an Würde
       eingebüßt." Würde des Menschen - das ist nicht gespreizte Selbst-
       verherrlichung, sondern  das Gegenteil davon. Das ist, christlich
       gesprochen, die  Demut des Menschen unter Gott, die Ehrfurcht vor
       jedem Geschöpf,  die Anerkennung  des Rechtes  des  anderen,  der
       ebenso Kind  Gottes ist wie ich und darum mein Bruder. Es ist der
       ewige Sinn jedes Menschenlebens.
       Judenverfolgung, Vernichtung  der Geisteskranken  und die Art der
       Kriegführung mit  Massenvernichtungsmitteln,  auf  die  man  sich
       heute rüstet,  sind der  hervorstechendste Ausdruck der Menschen-
       verachtung in  unserer Zeit. Es ist nichts vergangen von dem, was
       geschehen ist.
       Die Vergebung,  unter der wir heute leben und uns der Erde freuen
       dürfen, auch  Theaterspielen und  nun auch  als  Überlebende  mit
       Trauer der toten Opfer der bösen Zeit gedenken dürfen, verpflich-
       tet uns,  auf dem Posten zu sein und das Unsere an unserer Stelle
       zu tun,  damit den früheren Opfern nicht neue hinzugefügt werden,
       damit Menschen mit Menschen in Freiheit und Achtung leben können.
       
       TUNIS WARNT DEN WESTEN
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       Staatspräsident Bourguiba  sagte am  12.11.58 in  einer Rundfunk-
       rede:
       "Ganz Afrika  steht auf dem Spiel, wenn der westliche Imperialis-
       mus andauert.  Das kann  eine Frage für den ganzen Westen werden.
       Es wird  immer schwerer  für die,  die mit  dem Westen gehen wol-
       len... Die Völker Nordafrikas beobachten vor allem, was sich auch
       weiterhin in  Algerien abspielt...  Die Politik  des  tunesischen
       Staates gegenüber  dem Westen hat sich geändert. Die Lage hat uns
       gezwungen, Kontakt  mit  der  Tschechoslowskei,  Jugoslawien  und
       Finnland aufzunehmen,  damit wir die Waffen kaufen können die wir
       dringend brauchen.  Der Westen  sollte unsere Situation verstehen
       und seine Haltung ändern, bevor es zu spät ist."
       
       ERGEBNISSE DER JÜNGSTEN RUSSLANDFAHRT WALTER LIPPMANS
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       Entscheidung fällt  in Asien - Chruschtschows Auffassung vom Sta-
       tus quo - Besorgnisse um einen atomaren Amoklauf der NATO
       
       In den  letzten beiden  Oktober-Wochen waren  Walter Lippman  und
       seine Frau  in der  Sowjetunion, und zwar die meiste Zeit in Mos-
       kau. Der  bekannte amerikanische  Journalist  führte  dabei  eine
       große Anzahl  von Gesprächen  mit führenden  Politikern  der  So-
       wjetunion und  insbesondere auch mit Chruschtschow. Einzelne Aus-
       schnitte aus  den Ergebnissen  dieser Gespräche  dürften auch auf
       weitere Sicht  von Bedeutung  sein. (Die  Berichte werden zitiert
       nach ihrer Wiedergabe in der Zeitung "Die Welt", Hamburg, vom 12.
       bis 15. November d.J.)
       
       Ich bin  mit der  Überzeugung nach  Hause gekommen, daß der Griff
       der Russen  und Chinesen  nach der Führung Asiens und Afrikas das
       wahre Problem  ist. Wenn  wir dieser  Herausforderung mit einigem
       Erfolg begegnen  wollen, dann  müssen wir meiner Meinung nach die
       Vorstellung aufgeben,  die russische  oder chinesische Revolution
       könnten rückgängig gemacht werden, oder man könne die Ausbreitung
       des Kommunismus  in den  umliegenden Ländern eindämmen, indem man
       den örtlichen  Militärbefehlshabern Waffen gibt und eigene Stütz-
       punkte errichtet.
       Was uns  not tut,  ist eine Überprüfung unserer eigenen Angewohn-
       heiten und Vorstellungen. Wir müssen es lernen, gerüstet zu blei-
       ben, ohne  uns in  einen Veitstanz  der Drohungen  und der Furcht
       hineinzusteigern. Das  ist für eine Demokratie nicht leicht, aber
       es ist  notwendig, und  wenn die  Führer der öffentlichen Meinung
       den Grund  für diese  Notwendigkeit einmal verstanden haben, läßt
       es sich auch erreichen.
       Wir müssen es auch lernen, Freunde zu erwerben, ohne von ihnen zu
       verlangen, unsere  militärischen Verbündeten  zu werden. Das läßt
       sich nur dann erreichen, wenn man sie darin ermutigt, den neutra-
       len Kurs weiterzuverfolgen, zu dem ihnen ihr Instinkt rät Die Po-
       litik der  Militärbündnisse zur  Eindämmung und zum Zurückdrängen
       der kommunistischen Revolution ist nicht nur außerstande, erfolg-
       reich zu  arbeiten. Ihre  Wirkung besteht auch darin, den Antago-
       nismus der  Volksmassen zu wecken und so die Expansion des Kommu-
       nismus zu fördern.
       Ich bin  zu der  Überzeugung gelangt, daß Amerika die Politik der
       Auslandshilfe überprüfen  und revidieren  muß. So,  wie die  Aus-
       landshilfe jetzt  praktiziert wird, darf man sie einfach ein Pro-
       gramm der  Subventionierung von  Regierungen nennen,  die vom An-
       schwellen des  Kommunismus in  ihrem eigenen  Volk bedroht  sind,
       Ohne sagen  zu wollen,  daß alle oder auch nur einige dieser Sub-
       ventionen gesperrt werden sollten, möchte ich doch behaupten, daß
       wir der  sowjetischen Herausforderung nicht begegnen können, wenn
       wir nicht endlich aufhören, die unterentwickelten Nationen ledig-
       lich als  militärische Bollwerke und Bastionen zu betrachten. Wir
       müssen uns  ein anderes,  ein neues  Ziel in der nicht gebundenen
       Welt setzen.
       Die Kommunisten  breiten sich  in Asien  aus, weil  sie einen Weg
       weisen -  offensichtlich den zur Zeit einzig gangbaren Weg -, auf
       dem ein rückständiges Volk schnell zu größerer Macht und zu einem
       besseren Lebensstandard  gelangen kann.  Nur  eine  Demonstration
       durch die  nichtkommunistischen Völker,  daß es einen anderen und
       humaneren Weg  gibt, die  jahrhundertealte Armut und Schwäche der
       asiatischen Völker  zu überwinden, kann diese Entwicklung aufhal-
       ten.
       Überdies besitzt  Indien die notwendige Struktur - einschließlich
       eines Beamtentums  mit guter  Tradition -, und das ist etwas, was
       es in gleichem Maße anderswo in Asien nicht gibt, ausgenommen nur
       Japan.
       Der zwingende  Grund aber,  den Beweis  in Indien  zu führen, ist
       meiner Überzeugung nach die Tatsache, daß das geistige Erbe, des-
       sen großer  Lehrer Gandhi  war, unter  allen Ideologien  der Welt
       diejenige ist, die sich von der des Leninismus am radikalsten un-
       terscheidet.
                                    *
       
       Wie hat sich Chruschtschows Vorstellung vom Status quo, die
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       für ihn so wichtig ist, in unseren Gesprächen dargestellt?
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       Der einfachere  Teil seiner Konzeption ist, daß keine Grenzverän-
       derungen durch  militärische Gewalt herbeigeführt werden sollten.
       Er erläuterte das, indem er sagte, in den Fällen Chinas und Viet-
       nams seien die Streitfragen zwischen den beiden Teilen des Landes
       interner und  "ziviler" Natur - und könnten deshalb nicht als in-
       ternationale Fragen  behandelt werden.  Im Falle der beiden Teile
       Deutschlands und der beiden Teile Koreas sollten Grenzveränderun-
       gen - vermutlich durch Vereinigung der beiden Teile - nur auf dem
       Wege "gegenseitiger Zustimmung" stattfinden.
       Für ihn ist die soziale und wirtschaftliche Revolution, die jetzt
       in Rußland,  China und anderswo in Asien und Afrika im Gange ist,
       der Status  quo, und er wünscht, daß wir sie als solchen anerken-
       nen. Für  ihn ist  jede Opposition  zu dieser Revolution ein Ver-
       such, den Status quo zu verändern. Während wir, der Westen, unter
       Status quo  die Situation  verstehen, wie  sie im  Augenblick be-
       steht, versteht  er darunter den im Gange befindlichen Prozeß re-
       volutionärer Veränderung.
       Es gibt einen weiteren sehr wichtigen Blickwinkel seiner Vorstel-
       lung des Status quo. Er hat mit dem militärischen Kräftegleichge-
       wicht zu tun.
       Nach dem  zu urteilen, was er gesagt hat und was ungesagt in sei-
       nen Worten  enthalten war, würde ich seine Ansicht von dem beste-
       henden militärischen  Kräftegleichgewicht wie  folgt beschreiben:
       Ich bin  ziemlich sicher, daß sie auf der Grundlage seiner Zuver-
       sicht beruht, daß die Sowjetunion die ferngelenkten Geschosse für
       mittlere und  kurze Reichweiten  so weit  gemeistert hat, daß sie
       mit ihnen  Deutschland und Westeuropa, die Türkei und Persien be-
       herrschend abdecken  kann. Ich  weiß natürlich nicht, ob sein zu-
       versichtliches Vertrauen zu diesen Ferngeschossen berechtigt ist.
       Aber es  besteht kein  Zweifel daran, daß er in seinem Denken von
       ihrer Existenz ausgeht, und daß sie jetzt, wie man sagt, zu einem
       beherrschend wichtigen  Instrument der  sowjetischen Außenpolitik
       geworden sind.
       Andererseits deutete  nichts in seinen Worten darauf hin, daß die
       UdSSR seiner  Meinung nach  die Geschosse  großer Reichweite  be-
       sitzt, die das bestehende militärische Gleichgewicht mit den Ver-
       einigten Staaten  gebrochen haben oder dabei sind, es zu brechen.
       Mit anderen  Worten: Seine Vorstellung von Rußlands militärischer
       Lage in  Beziehung auf die Vereinigten Staaten besteht darin, daß
       keins der beiden Länder das andere in einem direkten Konflikt be-
       siegen kann,  daß aber  die vorgeschobenen  amerikanischen Stütz-
       punkte, besonders  in Deutschland  und in  der Türkei,  wegen der
       Entwicklung der Rakete nicht mehr zu verteidigen sind.
       Was aber  veranlaßt ihn,  zu glauben, die Nato-Mächte könnten die
       Sowjetunion angreifen? Seine Antwort darauf lautet - wenn ich sie
       in meine eigenen Worte fassen darf -, daß die Vereinigten Staaten
       wahrscheinlich ihre Zuflucht zum heißen Krieg nehmen werden, wenn
       sie feststellen, daß sie den kalten Krieg verlieren.
       Gesagt hat  er das nicht, aber nach den interessanten Dingen, die
       er über die amerikanische Furcht vor dem Kommunismus und den ame-
       rikanischen Kommunistenhaß sagte, gewann ich den Eindruck, daß er
       das gemeint habe.
       Der Kommunismus,  sagte er,  ist in der Tat als Ideologie und als
       Doktrin eine  große Gefahr  für Sie, aber er ist keine Gefahr für
       Sie als eine militärische Politik der sowjetischen Regierung. Die
       Kommunisten wollen  nicht ihr  eigenes Blut  und das Blut anderer
       vergießen, um ihre Grenzen zu erweitern. Und jedes Land soll sich
       innerhalb seiner  eigenen Grenzen gegen den Kommunismus verteidi-
       gen, wenn es das für gut und richtig hält.
       
       PABLO CASALS: SCHLUSS MIT DEN KERNWAFFENVERSUCHEN!
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       Der berühmte  spanische Cellist Pablo Casals hat am "Tag der Ver-
       einten Nationen" bei einem Konzert im Gebäude der UN gespielt. Er
       gab dabei  eine Erklärung ab, warum er diese bis dahin immer wie-
       der abgeschlagene  Einladung angenommen habe. Casals, der vor dem
       faschistischen Franco-Regime emigrierte und in Frankreich im Exil
       lebt, hat  sich lange  Jahre geweigert,  vor den  "Großen  dieser
       Welt" zu  spielen, und trat nur auf Wohltätigkeitsveranstaltungen
       auf. Als er nun doch eine "offizielle Einladung" annahm, sagte er
       dazu, daß  er glücklich  sei, nun aus diesem Anlaß und bei dieser
       ihn ehrenden  Gelegenheit zu  allen Völkern  der Welt zu sprechen
       über eine Frage, die uns alle beschäftige. Casals sagte unter an-
       derem:
       "Wenn ich  in diesem  Augenblick meines  Lebens zu  euch gekommen
       bin, so ist es gewiß nicht, weil ich meine moralische Haltung und
       die Beschränkungen,  die ich  mir seit  langem als Mensch und als
       Künstler auferlegt  habe, im geringsten geändert hätte. Ich komme
       deswegen, weil  alle diese Überlegungen zweitrangig gegenüber ei-
       ner großen Gefahr geworden sind..."
       "Die Angst,  hervorgerufen in  der Welt durch die Fortsetzung der
       Kernwaffenexperimente, wächst  von Tag zu Tag. Alle Menschen wis-
       sen, welche  schrecklichen Erlebnisse und welche grausamen Folgen
       ein atomarer Krieg haben würde."
       "Er führte nicht nur zu unwiderruflichen materiellen Zerstörungen
       sondern auch  zum geistigen und moralischen Verfall des Menschen-
       geschlechtes. Mit  allen meinen Kräften wünsche ich, daß eine ge-
       waltige Bewegung des Protestes in allen Ländern entsteht - beson-
       ders unter  den Müttern - und daß sie diejenigen beeindruckt, die
       die Macht  besitzen, diese  Katastrophe zu verhindern. Alle Kern-
       waffenversuche müssen  aufhören! Von ganzem Herzen hoffe ich, daß
       die Verhandlungen  in einer  baldigen Zukunft  zu einem  Abschluß
       führen, welcher diesen Versuchsstop möglich macht..."
       
       VOLKSBEFRAGUNG GEGEN ATOMRÜSTUNG IN HAMBURG
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       Der "Jugendausschuß gegen Atomtod", Hamburg-Eimsbüttel, führte am
       Sonntag, 9.11.,  eine private  Volksbefragung zur atomaren Aufrü-
       stung durch.  Durch Mitglieder  der im Jugendausschuß zusammenar-
       beitenden Jugendorganisationen  wurden 1530  Einwohner in 92 Häu-
       sern der  Lutterothstraße im  Hamburger Stadtteil  Eimsbüttel be-
       fragt. Bei der Abstimmung sprachen sich 96 Prozent dieser Hambur-
       ger Bürger gegen eine Ausrüstung der Bundeswehr mit atomaren Waf-
       fen aus. Die Befragung erfolgte durch Stimmzettel, auf denen drei
       Fragen vorgelegt  wurden und  die durch  Ankreuzen in einem Kreis
       mit "Ja"  oder "Nein" beantwortet werden konnten. Die Fragen hat-
       ten den  gleichen Text  wie die  bei der in Hamburg vorgesehenen,
       aber dann  durch das  Bundesverfassungsgericht für  "verfassungs-
       widrig" erklärten  Volksbefragung. Sie  lauteten -  und wir fügen
       immer gleich das Abstimmungsergebnis bei -:
       1. Sind Sie  für eine Ausrüstung der Bundeswehr mit atomaren Waf-
       fen?
       Nein:      1470 = 96,08 Prozent
       Ja:          38 =  2,48 Prozent
       Enthaltg.:   11 =  0,72 Prozent
       Ungültig:    11 =  0,72 Prozent
       2. Sind Sie  für eine  Lagerung von Atomwaffen im Gebiet der Bun-
       desrepublik?
       Nein:      1464 = 95,69 Prozent
       Ja:          24 =  1,57 Prozent
       Enthaltg.:   29 =  1,89 Prozent
       Ungültig:    13 =  0,85 Prozent
       3. Sind Sie  für die  Errichtung von Abschußbasen für Atomraketen
       im Gebiet der Bundesrepublik?
       Nein:      1462 = 95,56 Prozent
       Ja:          25 =  1,63 Prozent
       Enthaltg.:   33 =  2,16 Prozent
       Ungültig:    10 =  0,65 Prozent
       Die Aktion  wurde äußerst  gewissenhaft durchgeführt. Die Auszäh-
       lung der  Stimmen fand unter Anwesenheit von Pressevertretern und
       Beamten der  politischen Abteilung  der  Kriminalpolizei  Hamburg
       statt.
       
       NICHT NUR LOS ANGELES...
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       Radioaktivität über Amerika und Europa
       Was ist in Los Angeles geschehen? Länger als eine Woche hatte die
       Radiation, die  von der Wüste in Nevada ausging, wo Atombombente-
       ste abgehalten  wurden, sich  über Los  Angeles  gesteigert.  Das
       Klima enthält in normalen Zeiten etwa ein Prozent des Strahlungs-
       maximums, das  für die  menschliche Gesundheit als zuträglich er-
       achtet wird.
       Die Strahlung  stieg in einer Periode von zehn Tagen von zehn auf
       dreißig Prozent  dieses Maximums.  Dann plötzlich,  in einer  24-
       Stunden-Periode bis  zum Morgen  des 30.  Oktober, schoß sie nach
       Ansicht örtlicher  Behörden zwanzig  Prozent über  dieses Maximum
       hinaus, nach kühleren Berechnungen wurden jedoch "nur" 92 Prozent
       des erlaubten Maximums erreicht.
       Im Oktober  ist die  künstliche Radioaktivität  der Luft über der
       Bundesrepublik und  Berlin wieder  gestiegen. Die  Meßstellen be-
       richten übereinstimmend,  daß die Werte jedoch nicht über 20 Pro-
       zent der gesamten Radioaktivität der Luft betragen haben.
       Bedeutsamer als  die Aktivität  der Luft ist jedoch die Aktivität
       der Niederschläge  und des  Bodens. In Zisternen hat man in West-
       deutschland zum Teil schon Aktivitäten gemessen, die von den Wis-
       senschaftlern in ihrem letzten, dem Atomministerium übermittelten
       Bericht als sehr bedenklich bezeichnet worden sind.
       "Die Welt" am 5. November 1958
       
       US-SENATOR MANSFIELD (DEMOKRAT) FÜR INERDEUTSCHE GESPRÄCHE
       ==========================================================
       
       Die Demokratische  Partei der USA würde im Falle einer neuen Ber-
       lin-Krise hinter  der Regierung  Eisenhower stehen. Das eingefro-
       rene Deutschlandproblem  könnte  durch  Kontakte  von  Mensch  zu
       Mensch aufgetaut  werden, z.B.  durch Gespräche  zwischen Gewerk-
       schaftsvertretern und Angehörigen anderer Organisationen. Die USA
       könnten möglicherweise  auch die vom polnischen Außenminister Ra-
       packi vorgeschlagene  Neutralisierung Mitteleuropas  in  Erwägung
       ziehen.
       (Aus einer Rede in New York am 15. November 1958)
       
       TRÄGER DES GEISTIGEN LEBENS VON ASIEN UND AFRIKA FANDEN SICH AUF
       ================================================================
       DEM ASIATISCH-AFRIKANISCHEN SCHRIFTSTELLER-KONGRESS IN TASCHKENT
       ================================================================
       VOM 7. BIS 13. OKTOBER
       ======================
       
       Der Kongreß  fand  unter  Beteiligung  von  Wissenschaftlern  und
       Schriftstellern aus  40 Ländern Asiens und Afrikas und Gästen aus
       12 Ländern Europas und Amerikas statt. In der feierlichen Schluß-
       sitzung wurde einstimmig ein Appell an die geistigen Menschen der
       ganzen Welt beschlossen:
       
       "Wir kämpfen  gemeinsam mit unseren Völkern in aller Entschieden-
       heit gegen  den Kolonialismus und die Atomkriegsgefahr, für Frie-
       den, Einheit und Freundschaft. Wir wollen unsere kulturellen Ver-
       bindungen mit  allen Ländern  der Welt,  auch mit den Staaten des
       Westens festigen. Wir lehnen die Scheidung der Kulturen in höhere
       und niedere, in östliche und westliche ab.
       Wir versammelten  uns in Taschkent, beseelt von der Zuversicht in
       die Zukunft unserer Völker und unserer Literaturen. Uns einte die
       Überzeugung, daß die Literatur unlöslich mit den Geschicken unse-
       rer Völker  verbunden ist,  daß die Beseitigung des Kolonialismus
       und des  Rassenwahns Voraussetzung  für die  volle Entfaltung des
       literarischen Schaffens ist. Wir sind die Träger des wiederaufle-
       benden Geistes  der 1 1/2  Milliarden Menschen, die die Erben der
       ältesten Zivilisationen und Kulturen sind.
       Die Entwicklung  dieser großen Zivilisationen wurde durch die er-
       barmungslose Ausbeutung,  durch Sklaverei und Kolonialismus abge-
       brochen. Nichts  vermochte aber  die Wissenschaft  und Kultur der
       Völker Asiens und Afrikas auszumerzen. Die schönsten Gedichte und
       Lieder unserer  Zeit sind durchdrungen vom Kampfgeist dieser Völ-
       ker und  deren Entschlossenheit,  sich der Fremdherrschaft zu wi-
       dersetzen."
       Der Kongreß  setzte ein  ständiges Büro der Schriftsteller Asiens
       und Afrikas ein, durch das ein nächstes Meeting für 1960 in Kairo
       vorbereitet werden soll.
       
       ERKLÄRUNG VON PROF. MIKADO UTOYAMA ZUR "OSNABRÜCKER KRANKHEIT"
       ==============================================================
       
       Der in  Japan sehr bekannte und geschätzte 66jährige Atomforscher
       und Physiker stellt fest:
       Die rätselhaften  Röteln, auch Osnabrücker Krankheit genannt, für
       die Europäer  eine neuartige Krankheit, sind den japanischen Wis-
       senschaftlern seit  langem bekannt, sie traten zuerst unmittelbar
       nach dem  Abwurf der  beiden amerikanischen Atombomben auf Hiros-
       hima und Nagasaki 1945 in ganz Japan auf. Wer nicht zu den bedau-
       ernswerten Todesopfern  der Atombombe  gehörte,  erkrankte  wenig
       später für  vierzehn Tage bis drei Wochen an den gleichen Pusteln
       und Röteln,  die jetzt, von Juckreiz begleitet, in Europa ein me-
       dizinisches Rätsel  aufzugeben scheinen.  Ich wies  damals  nach-
       drücklich auf  die atomaren Ursachen dieser nur scheinbar harmlo-
       sen Krankheit  hin. Die  japanischen Gesundheitsbehörden stellten
       die Untersuchungen  jedoch ein,  als die Epidemie bald wieder ab-
       klang. Mit  dem Spezialisten  für Strahlungskrankheiten, Dr. Umi-
       noto, bin  ich mir jedoch darin einig, daß diese Seuche unter Um-
       ständen ein  Vorbote gefährlicherer  Krankheitserscheinungen sein
       könnte.
       
       FÜNF TAGESORDNUNGS-PUNKTE FÜR DIE GENFER KONFERENZ
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       Die Sowjetunion veröffentlichte über Radio Moskau ihre Vorschläge
       zur Einstellung der Kernwaffenversuche:
       1. Die Regierungen  der drei  Großmächte verpflichten sich feier-
       lich, keine Versuche in irgendeiner Form zu unternehmen.
       2. Die Verhandlungspartner verpflichten sich, darauf hinzuwirken,
       daß alle  anderen Staaten  - wie  Frankreich und  die Chinesische
       Volksrepublik - sich an diese Abmachungen halten.
       3. Die Verhandlungspartner einigen sich über die Errichtung eines
       Kontrollapparates mit einem Netz von Überwachungsposten.
       4. Die Regierungen  der Großmächte  erklären sich  bereit,  diese
       Kontrollposten auf ihren Territorien zuzulassen.
       5. Das Abkommen wird zeitlich nicht befristet.
       Das amerikanische  Außenministerium wies  am 15.  November  diese
       Vorschläge mit  dem Bemerken  zurück, Moskau  wolle den USA "eine
       Katze im Sack verkaufen".
       
       FÖRDERLICHE HINWEISE IN DER "WELT" VON PAUL SETHE
       =================================================
       
       Einige Berichte aus Bonn besagen, der Kanzler habe seinem damali-
       gen Finanzminister  im Oktober  1956 warnend  vorausgesagt,  Herr
       Schäffer werde  eines Tages sehr unangenehme Folgen zu spüren ha-
       ben, wenn  er tatsächlich  nach Ostberlin  reise. In diesem Falle
       hat der  Bundeskanzler sich  als guter  Prophet  erwiesen.  Volle
       Schalen des  Zornes werden  über das  schuldige Haupt  von  Fritz
       Schäffer ausgegossen.  Schon ertönt  aus manchem  Munde das  Wort
       "Rücktritt".
       Wir dagegen weigern uns, zu glauben, daß hier die Stimme des Vol-
       kes zu  hören wäre.  Wenn wir die Wähler der politischen Parteien
       in der Bundesrepublik heute befragen könnten, so würde sich wahr-
       scheinlich ergeben,  daß der  größte  Teil  seiner  eigenen  Par-
       teifreunde mit  der Reise  von Schäffer  einverstanden wäre.  Und
       nicht minder gilt dies für die Anhänger der Freien Demokraten und
       der Sozialdemokraten...
       Er hat  nur getan,  was man draußen im Volke schon lange für not-
       wendig hält. Er hat sein Teil dazu beigetragen, die deutsche Wie-
       dervereinigungspolitik aus der Unfruchtbarkeit herauszuführen. Er
       hat mit "denen da drüben" über die Bedingungen der Wiedervereini-
       gung gesprochen. Er kann ein Bahnbrecher sein. Daß er damit rech-
       nen mußte,  Anstoß zu  erregen, wo man solche Gespräche für Hoch-
       verrat hält, erhöht nur sein Verdienst.
       Unsere Bewunderung  für diesen  Schritt  ist  nicht  blind.  Herr
       Schäffer hat  etwas getan,  was auch  uns verstimmt.  Daß er zwei
       Jahre lang,  bis zum  Herbst ds.  Js, geschwiegen hat, halten wir
       für vernünftig. Erstens wäre es sinnlos, sich ohne Not das Geheul
       der Meute zuzuziehen, die schnell bereit ist, Andersdenkenden das
       Brandmal der  Bolschewikenfreundschaft aufzudrücken.  Zum zweiten
       gehört es  zum Sinn  vorbereitender diplomatischer Gespräche, daß
       sie vertraulich  geführt werden.  Anstatt böse auf Herrn Schäffer
       zu sein,  sollte das  Auswärtige Amt sich darüber freuen, daß ihm
       ein wichtiger  und unverdächtiger Mann die Last eines solchen Ge-
       sprächs abgenommen hat. Soweit, so gut.
       Aber Herr  Schäffer hat  auch dann  noch geschwiegen,  als man in
       Ostberlin jene Gespräche erwähnte und als sein Kollege Ernst Lem-
       mer verdächtigt wurde, sich in die Höhle des Löwen begeben zu ha-
       ben.  Gewiß   enthält  ein  solcher  Verdacht  im  Grunde  nichts
       Schimpfliches, sondern  höchst Ehrenvolles.  Aber Schäffer  kennt
       das politische  Klima der  Bundesrepublik zu  genau, als  daß  er
       nicht wüßte,  wie leicht  ein Mann  um seinen  guten Ruf gebracht
       werden kann, wenn er etwas Vernünftiges tut...
       Einmal wird nun auf unwiderlegliche Weise deutlich, wie überdrüs-
       sig das  deutsche Volk  auch in  seinen führenden  Schichten  der
       Leere in  unserer Wiedervereinigungspolitik  geworden ist...  Zum
       anderen empfindet man Genugtuung darüber, daß hier ein Mann nicht
       nur eigene  Ideen geformt, sondern auch den Mut zum selbständigen
       Handeln gehabt  hat. Es  gibt viel  mehr Leute in der Bundesrepu-
       blik, die  eine Vorstellung  von der Notwendigkeit neuer Wege ha-
       ben, als  viele glauben.  Aber nicht jeder hat den Mut, auch nach
       seiner Überzeugung zu handeln...
       (Aus "Ein mutiger Mann" am 15. November 1958.)
       
       Es ist  schwer für  einen Staat,  sich auf  neue Wege zu begeben,
       wenn die  alten Gleise solange begangen worden sind. Zwischen den
       Befürwortern des Neuen und den Anwälten des Alten kommt es in ei-
       ner Demokratie oft zu einem Versuch, sich auf einer mittleren Li-
       nie zu  finden. ...  Die deutsche  Antwortnote an die Sowjetunion
       stellt einen  solchen Versuch  dar. Ob er gelungen ist, läßt sich
       im Augenblick schwer sagen. Der erste Eindruck ist zwiespältig...
       Eugen Gerstenmaier, der zweite Mann der Bundesrepublik, hatte den
       Knoten des  endlosen Notenaustausches  über die Wiedervereinigung
       aufzulösen versucht,  indem er Verhandlungen über einen Friedens-
       vertrag vorschlug. Aus einer Einigung über den Vertrag hätte eine
       Einigung über  die deutsche  Einheit leicht erwachsen können. Das
       sahen viele Politiker aller Parteien in der Bundesrepublik.
       Andere aber  sahen es  nicht; am  wenigsten wollten  es die West-
       mächte sehen.  Sie hielten  an der Wiedervereinigung als dem wün-
       schenswerten Gegenstand  der Verhandlungen  fest. Aber so seltsam
       ist die  Lage Deutschlands  geworden, daß ein Vorschlag, über die
       Wiedervereinigung zu verhandeln, uns heute von dem Ziel entfernt,
       anstatt daß er uns ihm näher brächte. Die sowjetische Antwort auf
       einen solchen  Vorschlag würde  jedes Schulkind im voraus kennen:
       "Verhandelt mit  Ost-Berlin!" Da  wir das  nicht wollen,  käme es
       überhaupt nicht zu Verhandlungen. Die Note versucht beide Wünsche
       miteinander zu  vereinigen. Ob es gelungen ist, damit zu Verhand-
       lungen zu  kommen, wird  man erst sehen können, wenn die sowjeti-
       sche Antwort vorliegt...
       (Aus "Zwiespältig" am 18. November 1958.)
       
       WORTLAUT DES TELEGRAMMS VON PROF. DR. WALTER HAGEMANN
       =====================================================
       AN DEN BUNDESMINISTER DR. SCHÄFFER
       ==================================
       
       Eine Regierung  verfährt pflichtgemäß,  wenn sie Verhandlungsmög-
       lichkeiten erkundet  und nutzt.  Ihre Ostberliner Gespräche waren
       dabei sachlich  ebenso gerechtfertigt  wie andere prominente Kon-
       takte zwischen  Bonn und  Ostberlin. Ich  bedauere nur,  daß  die
       wertvolle Anregung  einer Konföderation  von der  Bundesregierung
       nicht weiter  verfolgt, ja schließlich sogar bekämpft worden ist.
       Um so  schärfer muß  ich die  Tatsache verurteilen, daß bis heute
       jeder Westdeutsche  in Bonn  mit Verfemung  rechnen mußte, der es
       wagte, aus Gewissensgründen und entsprechend der klaren Aufforde-
       rung des Grundgesetzes, gesamtdeutsche Kontakte aufzunehmen. Bie-
       ten Sie  Ihren ganzen Einfluß auf, Herr Dr. Schäffer, daß endlich
       das gesamtdeutsche  Gespräch in  Gang  kommt.  Glauben  Sie  mir:
       Chruschtschow und  Ulbricht wollten  mit ihren jüngsten Schritten
       dies Gespräch  nicht verhindern,  sondern beschleunigen. Die Zeit
       drängt, nutzen Sie die Gunst der Stunde.
       Münster, den 16. November 1958
       gez. HAGEMANN
       

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