Quelle: Blätter 1958 Heft 12 (Dezember)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ALTERNATIVEN IN DEN USA ZUR AUSSENPOLITIK
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       VON STAATSSEKRETÄR DULLES
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       Nach dem  überwältigenden Sieg  der Demokratischen Partei bei den
       diesjährigen Kongreßwahlen vom 4. November schrieb der amerikani-
       sche Kolumnist William S. White:
       "Die Kontrolle  der Weltangelegenheiten  im  strategischen  Sinne
       wird weitgehend und rasch vom Präsidenten und Staatssekretär John
       Forster Dulles aus folgenden Gründen auf den Kongreß übergehen:
       1. Die Eisenhower-Regierung  liegt in den letzten Zügen. Die bis-
       her nie  sehr stark  ausgespielte Fähigkeit  des Präsidenten, den
       Senat zu beeinflussen, wird von jetzt ab noch geringer sein.
       2. Die meisten  engen Kontakte  Dulles' mit  dem Senat sind durch
       die Umstände  verloren gegangen,  wie z.B.  den Entschluß  seines
       engsten Freundes im Kongreß, Senator H. Alexander Smith (Republi-
       kaner aus  New Jersey)  nicht zur  Wiederwahl zu kandidieren. Der
       Mann, der  nun als  Hauptsprecher der  Republikanischen Partei in
       außenpolitischen Fragen  Nachfolger Smith's  wird, Senator Bourke
       B. Hickenlooper  (Republikaner aus  Iowa) ist  nicht als "Dulles-
       Mann" bekannt.
       3. Unabhängig von  dem Ausgang  der Kongreßwahlen hätte der Senat
       auf jeden  Fall seinen  Anspruch auf die Außenpolitik wieder gel-
       tend gemacht.
       Es kann  daher mit Sicherheit vorausgesagt werden, daß mit Anfang
       Januar 1959  unsere Außenpolitik  mehr auf  dem Kapitol-Hügel ge-
       macht werden  wird, als  es zu  irgend einer Zeit vor dem zweiten
       Weltkrieg der  Fall war.  Staatssekretär  Dulles  verkörpert  die
       schwindende Macht der Regierung. Die aufsteigenden Kräfte für die
       Außenpolitik werden sich aus den Senatoren Johnson und J. William
       Fulbright (Demokrat  aus Arkansas)  und Mike  Mansfield (Demokrat
       aus Montana) zusammensetzen."
       (Während Senator Lyndon B. Johnson - der demokratische Fraktions-
       vorsitzende des Senats - bisher auf außenpolitischem Gebiet wenig
       hervorgetreten ist, hätte White ebenso gut den demokratischen Se-
       nator Hubert  H. Humphrey  (Minnesota) mit nennen können, der als
       Mitglied des  Auswärtigen Senatsausschusses  und Vorsitzender des
       Unterausschusses für  Abrüstungsfragen maßgeblichen  Einfluß  auf
       die amerikanische Außenpolitik ausübt.) D. Red.
       

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