Quelle: Blätter 1959 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUS EINER REDE GOMULKAS
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       Auf dem  III. Parteikongreß der KPP führte Gomulka, der Erste Se-
       kretär der  Vereinigten Polnischen  Arbeiterpartei, im Warschauer
       Kulturpalast folgendes aus: "Konrad Adenauer, der große Politiker
       der Bundesrepublik  Deutschland, will die verlorenen Gebiete öst-
       lich der  Oder-Neisse-Linie, wie  er sagt, 'auf friedlichem Wege'
       wiedergewinnen. Wie  mag er  sich das  vorstellen? Er  hält Polen
       wohl für  einen Bären,  von dem man das Fell bei lebendigem Leibe
       ohne Messer abziehen kann. Solche Märchen hat sich sogar Andersen
       nicht ausgedacht,  solche Wunder  kennt nicht einmal die katholi-
       sche Kirche..." (Langanhaltender Beifall, nicht aufhörenwollendes
       Gelächter.) "Es  ist  höchste  Zeit,  einen  Friedensvertrag  mit
       Deutschland abzuschließen. Wir Polen werden einen Friedensvertrag
       mit jedem  deutschen Staat abschließen, der das will. Die Konzep-
       tion Adenauers,  ein Vereinigtes Deutschland über freie Wahlen zu
       erreichen, kann  nicht angenommen  werden. Es  handelt sich nicht
       nur um  das Recht  des deutschen Volkes, einen Staat zu haben. Es
       geht auch  um das Recht der Völker Europas, weiter in Frieden le-
       ben zu  können. In der aktuellen internationalen Lage, in der die
       Politik des  Kalten Krieges  die Oberhand hat, darf das Recht des
       deutschen Volkes nicht in einem Sinne ausgenutzt werden, der sich
       gegen den Frieden der europäischen Völker, ja der Völker der gan-
       zen Erde  richtet. Freie  Wahlen würden  die deutsche Bevölkerung
       vor die Frage stellen: Bist Du für die Deutsche Demokratische Re-
       publik, die  die Grenzen  anerkennt, oder für die Bundesrepublik,
       die die  Grenzen Polens  nicht anerkannt,  sondern Ansprüche  auf
       verlorene Gebiete  stellt? Kein  Volk aber nimmt leichten Herzens
       einen Gebietsverlust  hin, auch  wenn er,  geschichtlich gesehen,
       noch so berechtigt war und bleibt."
       

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