Quelle: Blätter 1959 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       PRAKTISCHE KOEXISTENZ
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       Michail Suslow,  der zweite  Mann der  KPdSU, erklärte bei seinem
       Verlassen Englands  am 24. März: "Wir hoffen, daß unser Besuch in
       Großbritannien dazu  beitragen wird, daß die Gletscher des Kalten
       Krieges zum Schmelzen gebracht und die Kriegswolken für immer vom
       internationalen Horizont verschwinden werden. Die Sowjetunion ist
       der Ansicht,  daß die  friedliche Koexistenz zwischen Staaten mit
       verschiedenen sozialen Systemen möglich, ja unerläßlich ist."
       Vorher hatte  Suslow erklärt,  daß in  sieben Punkten "gemeinsame
       Ansichten" zwischen  den britischen Labour-Politikern und den An-
       gehörigen seiner  Delegation erzielt  worden seien. Er nannte da-
       bei:
       1. Die Anerkennung  der Bedeutung des Grundsatzes der friedlichen
       Koexistenz,
       2. die Ablehnung  der Politik  des Verhandelns vom Standpunkt der
       Stärke aus,
       3. die Annahme  des Grundsatzes  der Gleichberechtigung  bei  der
       Beilegung internationaler Probleme,
       4. die Notwendigkeit  einer  Gipfel-Konferenz  im  Interesse  des
       Friedens,
       5. die Anerkennung der Gefahr eines Wiederauflebens des deutschen
       Militarismus und  der Ausrüstung  der deutschen  Streitkräfte mit
       Kernwaffen,
       6. die Notwendigkeit einer allgemeinen Verbesserung der britisch-
       sowjetischen Beziehungen,
       7. die Notwendigkeit  der sofortigen  Einstellung der Atomwaffen-
       versuche zur Vorbereitung eines Verbots der Atomwaffen.
       Auf Einladung  von Michail Suslow werden Gaitskell, Bevan, Harold
       Wilson und  Barbara Castle im Sommer 1959, noch vor den allgemei-
       nen Wahlen  in Großbritannien,  eine Reise in die Sowjetunion an-
       treten.
       

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