Quelle: Blätter 1959 Heft 07 (Juli)


       zurück

       
       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       EIN APPELL NACH STRASSBURG
       ==========================
       
       Dr. med. Siegmund Schmidt              Vörden, den 6. Juli 1959
       prakt. Arzt                            Bez. Osnabrück
       
       An den Europäischen Gerichtshof
       für Menschenrechte
       Straßburg
       
       Betr.: Antrag  auf Verbot  von Atomwaffenbombenversuchen,  da die
       radioaktive Verseuchung  das Leben  jedes  Einzelnen  schwerstens
       schädigt.
       
       Sehr verehrter Herr Präsident!
       Da die  Bundesregierung nach  Artikel 46  die Tätigkeit Ihres Ge-
       richtshofes für Menschenrechte anerkannt hat und von mir gemachte
       ähnliche Versuche  in der Bundesrepublik ergebnislos waren, (z.B.
       erklärte der Bundesgerichtshof sich für meine Fragen der radioak-
       tiven Verseuchung  der Menschen  durch die Atombombenversuche für
       nicht zuständig, und die Bundesregierung erklärte, daß sie in der
       Frage der  Bedrohung der menschlichen Gesundheit nichts unterneh-
       men könne, da sie nicht Mitglied der UNO sei), stelle ich hiermit
       den Antrag,  daß der  Europäische Gerichtshof  für Menschenrechte
       sofort, für immer und auch in allen Höhen, die Atombombenversuche
       wegen der Verletzung des Völkerrechts und der Menschenrechte über
       die UNO - Den Haag - Rotes Kreuz - Genfer Konvention - als verbo-
       ten und gegen die Menschenrechte verstoßend erklärt werden.
       Nach § 2 Ihrer Konvention hat jeder einzelne Mensch ein Recht auf
       den Schutz  des Lebens,  und das  Leben wird  daher von Ihnen ge-
       schützt. Ich selbst fühle mein Leben bedroht!
       Da ich,  nachdem ich  in Genf  die Delegationen der Außenminister
       besucht und  meine Sorgen  betreffs der großen Gefährdung unseres
       Lebens durch die radioaktive Verseuchung vorgetragen habe, jedoch
       einsehen mußte,  daß man  nur wenig  für die menschlichen Belange
       übrig hat (jeder mißtraut dem anderen und vergißt das höhere Ziel
       - die Rettung des Lebens!) muß jetzt an den Schutz des Lebens der
       Menschen gedacht werden. Ich trug die Sorgen über die radioaktive
       Verseuchung der  Nordsee durch  den hineingeworfenen  Atommüll  -
       über die  radioaktive Verseuchung  der Welt, über die radioaktive
       Verseuchung Europas  durch Atombombenversuche  in der  Sahara und
       die Gefahr  der Verseuchung Ägyptens, des Iraks usw. vor. Als Be-
       weis führte  ich die  persönlichen Aussprachen  und Schreiben von
       Prof. Pauling, Nobelpreisträger, USA, an.
       Nach seinen  wissenschaftlichen Forschungen  und Berechnungen ist
       bis jetzt  durch die  durchgeführten Atombombenversuche  ca.  150
       Millionen Tonnen  Atommüll erzeugt  worden, der einer Explosions-
       energie von  50mal aller  Sprengstoffe, die  während des  zweiten
       Weltkrieges verwendet  wurden, entspricht. Allein das radioaktive
       Spaltprodukt Cäsium  137 hat  nach seiner  Berechnung  bis  jetzt
       140 000 Kinder  schwerstens geschädigt,  so daß  sie ihr Leben im
       Irrenhaus beenden müssen!
       Dazu kommt  die Wirkung  des radioaktiven  Kohlenstoffes C 14 aus
       den Atombombenversuchen  in  der  ganzen  Welt,  wodurch  weitere
       1 250 000 Kinder auf der ganzen Welt zum Siechtum verurteilt wur-
       den. Eine Million Menschen werden zusätzlich durch diese Versuche
       noch an Krebs sterben.
       Dazu kommt  noch die Wirkung des Strontium 90, das ja bekanntlich
       vor den  Versuchen noch  nicht in  den Knochen  vorhanden war und
       Knochenkrebs und  Leukämie erzeugt.  Durch S.  90 werden außerdem
       140 000 Menschen an Leukämie sterben! Bis jetzt müssen also durch
       die bisherigen Atombombenversuche etwa 2 530 000 Menschen sterben
       oder werden so geschädigt, daß sie frühzeitig sterben müssen.
       Da in der Bundesrepublik auch die radioaktive Verseuchung des Re-
       genwassers (Beweis  Verseuchung des  Regenwassers auf  der  Insel
       Saltholm -  Regenwassertrinken wurde durch die dänische Regierung
       verboten) ansteigt  (sie ist  60mal höher,  als  die  Festsetzung
       durch Euratom  zuließ) und  bei den  Kontrollen  feuerbestatteter
       Kinder sich der Beweis der Strontiumanreicherung in Knochen ergab
       (und auch  die UNO-Expertenkonferenz  die obigen Zahlen von Prof.
       Pauling bestätigte),  bitte ich  um dringende Befürwortung meines
       Antrages.
       Die Ehrfurcht  vor dem Leben muß jetzt höher stehen als alles an-
       dere, ehe es zu spät ist! Es besteht höchste Gefahr für das Leben
       der Menschheit!
       Die Atombombenversuche  in größeren  Höhen sind  nach Aussage von
       Prof. Pauling  gefährlicher als  die bisherigen,  da der Atommüll
       über weit  größere Gebiete  der Erde verbreitet wird! Dadurch ist
       das Leben  aller Menschen bedroht! Das Leben jedes einzelnen Bür-
       gers und  Menschen auf der Erde ist schwerstens gefährdet, und es
       ist daher Pflicht für Sie, verehrter Herr Präsident, daß Sie hier
       eingreifen. Alle  Völker der  Erde müssen  jetzt handeln. Es wird
       sich zeigen,  wer es  ehrlich mit  der  Gesundheit  der  Menschen
       meint. Das Kuratorium Osnabrück, der Heimkehrerverband, die euro-
       päische Vereinigung  der Naturärzte, die 50-Millionenbewegung der
       World Cultural  Council usw. unterstützen meinen heutigen Schritt
       der Anrufung  Ihres Gerichtes,  damit die  Welt endlich  von  der
       Atompest genesen kann.
       Denken wir ständig an die Opfer von Hiroshima!
       
       Mit den ergebensten Grüßen
       Ihr gez. Dr. Schmidt
       

       zurück