Quelle: Blätter 1959 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ...IM ÜBRIGEN HABE ICH DEN EINDRUCK
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       "Der Osten  beginnt in  diesen Jahren höhere Wachstumsraten, d.h.
       Produktionszunahmen, aufzuweisen  als der Westen. Gewiß ist es an
       sich gut,  das nach  Möglichkeit wieder auszugleichen, d.h. dafür
       zu sorgen,  daß der  Westen auch  hinsichtlich der Wachstumsraten
       mit dem  Osten Schritt zu halten versucht... Strebt man aber hohe
       Wachstumsraten um  den Preis des Verlustes der monetären Stabili-
       tät, d.h. der Währungssicherheit an, dann beginnt die Sache unge-
       mütlich zu  werden... In diese Gefahr muß der Westen unweigerlich
       geraten, wenn  er um  jeden Preis mit dem Osten Schritt zu halten
       versucht, denn bei einer höher entwickelten Wirtschaft fallen die
       Wachstumsraten schwerer  und sie kosten auch mehr als in einer im
       Aufstieg befindlichen  Wirtschaft... Um der Wachstumsraten willen
       dürfen wir  auch allgemein im wirtschaftlichen Vorgehen nicht von
       unseren freiheitlichen Methoden ablassen, selbst dann nicht, wenn
       der Osten  vielleicht oder  sogar wirklich effizientere Methoden,
       d.h. erfolgreichere  Verfahrensweisen  entwickelt...  Im  übrigen
       habe ich  den Eindruck, daß der westliche Mensch anfängt, Sicher-
       heit und bequemes Leben mehr zu schätzen als die Freiheit."
       Der Präsident der Bundesbank, Blessing, am 7. Mai 1959 in München
       

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