Quelle: Blätter 1959 Heft 09 (September)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Johannes Fleischer
       
       DER DEUTSCHE EPISKOPAT UND DIE GEWISSENSFREIHEIT IM DRITTEN REICH
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       Der Beamteneid "ohne Vorbehalte und Einschränkungen"
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       Die bischöfliche Mitwirkung an einem
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       "Attentat auf unveräußerliche Rechte"
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       ...
       "Zu der  offensichtlich verstärkten Agitation gegen das Reichsge-
       setz zur  Verhütung erbkranken  Nachwuchses muß ich als berufener
       Vertreter der Reichsregierung feststellen, daß diese nicht geson-
       nen ist,  weiterhin eine  derartige Sabotage der Reichsgesetze zu
       dulden. Auch  nach dem  Konkordat ist die katholische Kirche ver-
       pflichtet, die  Gesetze auch für die Angehörigen der katholischen
       Kirche als bindend zu erachten."
       ...
       ...
       "Im Namen  der Gewissensfreiheit  dürfen wir  das Verständnis Ew.
       Exzellenz auch  dafür annehmen,  daß viele katholische Beamte und
       Ärzte in  die schwersten Gewissenskonflikte gestoßen werden, wenn
       sie das Sterilisierungsgesetz durchführen müssen... Wir geben die
       Hoffnung nicht  auf, daß auch in dieser Frage eine friedliche Lö-
       sung sich  finden lasse,  etwa dadurch,  daß  diese  Beamten  und
       Ärzte... in  jenen Fällen, in denen sie aus Gründen des Gewissens
       bei der  Durchführung des Sterilisierungsgesetzes nicht mitwirken
       können, eine  Vertretung erhalten,  ohne im übrigen ihre Stellung
       aufgeben zu  müssen. Wertet  man diese  Fragen... als eine Gewis-
       sensfrage einer staatstreuen Beamtenschaft, wird sich eine Lösung
       finden, ohne daß man viel in der Öffentlichkeit davon spricht."
       ...
       ...
       "Es ist  kaum möglich, schon jetzt über die Auswirkung des Geset-
       zes zur  Verhütung erbkranken  Nachwuchses zu  urteilen. Das kann
       erst geschehen, nachdem die praktischen Erfahrungen gesammelt und
       wissenschaftlich zugänglich gemacht werden. Jedenfalls soll nicht
       bestritten werden, daß der einzige Beweggrund, aus dem das Gesetz
       hervorgegangen ist, in dem verantwortungsvollen Gedanken wurzelt,
       das deutsche Volk von erblicher Belastung zu befreien. Daß dieses
       Ziel innerhalb  bestimmter Grenzen erreicht wird, darf auch ange-
       nommen werden."  (Erzbischof Dr. Conrad Gröber: "Handbuch der re-
       ligiösen   Gegenwartsfragen",   Herder-Verlag,   Freiburg   1937,
       "herausgegeben mit Empfehlung des deutschen Gesamtepiskopats").
       ...
       Der Fahneneid des "unbedingten Gehorsams"
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       ...
       "Unter 'Reich'  begreifen wir jenes geordnete Herrschaftsverhält-
       nis, in  dem der Wille des Führers nicht nur als die tatsächliche
       Macht, als die Ausübung der Gewalt verstanden wird, sondern viel-
       mehr zugleich  in der  edlen Form  des Gehorsams  und der Gefolg-
       schaft der Wille des Volkes ist.
       Wehrdienst leisten zu können und zu dürfen, sieht jeder wahrhafte
       Deutsche als  seine Ehre an, und wenn er ein Christ ist, bedeutet
       ihm das  Wehrdienstleisten-Müssen zugleich eine religiöse Bindung
       und Verpflichtung.
       Bei Gott schwören heißt, Ihn zum Bürgen der nun folgenden Aussage
       machen, heißt,  sich Seiner  Rache und  Vergeltung ausliefern, so
       man Ihn  etwa durch  die Aussage  in eine Lüge oder in einen Eid-
       bruch hineinbezieht.
       Der Führer  verkörpert die Einheit des Volkes und des Reiches. Er
       ist der oberste Träger der staatlichen Gewalt. Ihm als solchem zu
       gehorchen, ist der christliche Deutsche auch ohne Eid im Gewissen
       gebunden.
       'Jederman soll  den obrigkeitlichen  Gewalten untertan sein, denn
       es gibt  keine Gewalt, die nicht von Gott stammt: die vorhandenen
       sind von  ihm angeordnet.  Wer sich  daher der Gewalt widersetzt,
       widersetzt sich  der Anordnung Gottes.' So schreibt Paulus im Rö-
       merbrief, Kapitel 13. Dieses sein vorbehaltloses Ja zur Staatsge-
       walt hat  er an Christen geschrieben, die geneigt waren, in ihrem
       Staat den  Ausdruck einer  ihrem Glauben feindlichen Macht zu se-
       hen.
       Der Apostel  entzieht mit seiner Darlegung dem einzelnen Christen
       das Recht, seinen Gehorsam gegenüber der staatlichen Gewalt will-
       kürlich an  Bedingungen zu knüpfen. Dies sei hier nur um dessent-
       willen gesagt,  weil man  vom Christen, insonderheit dem katholi-
       schen, oft  fälschlicherweise glaubt, seine Staatstreue stehe auf
       wankendem Boden, er sei nur von Fall zu Fall zum Gehorsam bereit.
       Ist dem  deutschen Soldaten  solche Treue seinem Führer und ober-
       sten Befehlshaber zu geloben schon leicht gemacht, weil er in ihm
       das Vorbild  wahrhaft soldatischen Wesens und soldatischer Tugend
       erkennt, weil  er seine  Treue einem  Manne schenkt, der den Sinn
       seines Lebens  in der  Mehrung der  Größe und  Ehre seines Volkes
       sieht und  Tag für  Tag selbst  das Beispiel der Treue gibt, dann
       wird der christliche Soldat erst recht sein Gelöbnis in Ernst und
       Freudigkeit des  Herzens sprechen  können, weil  ihn sein  Glaube
       lehrt, in  der Person  des Herrschers  über die rein menschlichen
       Fähigkeiten und  Leistungen hinaus  die ihm  von Gott  verliehene
       Herrlichkeit und Ehre zu erkennen und anzuerkennen.
       So wird  auch in  der Gegenwart  der wahrhaft  christliche Soldat
       seine ehrfürchtige  und liebende  Hingabe an  den Führer im Gebet
       zum Ausdruck bringen.
       'Unbedingten Gehorsam  leisten': Der  christliche Soldat gehorcht
       nicht, um sich Unbequemlichkeiten zu ersparen, sondern weil er im
       Befehl jeder  führenden Stelle  in seinem  Truppenteil eine  Aus-
       strahlung jener  Gewalt sieht,  die er  in seinem  dem Führer des
       deutschen Volkes und obersten Befehlshaber der Wehrmacht geschwo-
       renen Fahneneid als eine von Gott verliehene anerkannt und bejaht
       hat.
       Das Christentum  bejaht die  sittliche Erlaubtheit  des gerechten
       Krieges. Ob  und inwieweit ein Krieg gerecht ist, kann dabei nie-
       mals dem Urteil des Einzelnen, etwa gar des Soldaten unterliegen,
       so daß er die Bereitschaft zum Einsatz seines Lebens davon abhän-
       gig machen  könnte. Solches  zu entscheiden  ist allein Sache der
       Führung, die  dafür auch  allein vor Gott und vor ihrem Volk ver-
       antwortlich ist.
       Für den  Christen, der  in seinen Glauben hineingenommen hat, daß
       die Staatsgewalt  ihren Auftrag von Gott empfing, ist ein Schwan-
       ken auch  in solch  entscheidender Stunde  nicht möglich, für den
       christlichen Soldaten, der sich durch einen heiligen Eid vor Gott
       zur Treue  verpflichtet hat, erst recht nicht. Er wird ihn (jeden
       Hitlerkrieg) von  der sittlichen  Seite sehen als ein Ringen zwi-
       schen Recht  und Unrecht  und für  sich selbst als eine Probe der
       Bewährung seines Mannestums.
       Was Frost und Leid! - Mich brennt ein Eid. - Der glüht wie Feuer-
       brände -  Durch Schwert  und Herz  und Hände.  -   E s    e n d e
       d r u m  w i e' s  e n d e  - Deutschland, ich bin bereit!"
       ...
       

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