Quelle: Blätter 1959 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       EINE BEMERKUNG ZUR FERNGELENKTEN MONDRAKETE
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       "Das exakte Eintreffen der zweiten Weltraumrakete der Sowjetunion
       am kosmischen Ziel ist nicht allein wegen des gewählten Zeitpunk-
       tes, unmittelbar  vor der Abreise Chrustschows nach den USA, son-
       dern wegen  folgender in  den Nachrichten nur am Rande vermerkten
       technischen Tatsache ein politisches Ereignis ersten Ranges:
       Die dritte  Raketenstufe kann mit Hilfe von Ultrakurzwellen fern-
       gelenkt werden  bzw. mit  Hilfe elektronischer Mittel automatisch
       auf das Ziel zugesteuert werden.
       Die jetzt  bewiesene Möglichkeit der nachträglichen Bahnkorrektur
       auf Grund  einer Vermessung der Anfangsbahn und Schnellauswertung
       der so  erhaltenen Daten  durch elektronische Rechenmaschinen be-
       deutet auch,  daß mit  interkontinentalen Raketen  jedes Ziel auf
       unserer Erde genau getroffen werden kann. Das gelungene Mondrake-
       ten-Experiment ist  daher  zugleich  ein  grandioser  Erfolg  der
       Astronautik und  eine Demonstration  wahrer Stärke. Obwohl in den
       Nachrichten aus der SU kein einziger Hinweis auf die eminente mi-
       litärische Bedeutung  dieses Experimentes sich findet, scheint es
       notwendig, hierzu  ein offenes  Wort zu sprechen. Dieses Ereignis
       bedeutet das  endgültige Scheitern der gegen die Sowjetunion seit
       Ende des  zweiten Weltkrieges mit riesigem Aufwand betriebene Po-
       litik der  Einkreisung. Dieses  das Atomremis stabilisierende Er-
       eignis und  das in ihm zum Ausdruck kommende technische Potential
       führt gleichzeitig die Bonner "Politik der Stärke" ad absurdum.
       Mögen Schlußfolgerungen  solcher Art  endlich, wenn  auch nur aus
       dieser realistischen  Einsicht,  eine  neue  Weichenstellung  der
       westdeutschen Politik  herbeiführen in  eine  Richtung    o h n e
       atomare Aufrüstung,  welche die  beiden Teile Deutschlands wieder
       enger zusammenführt  und den wahren Interessen der deutschen Men-
       schen dient."
       Prof Dr. h.c. Manfred von Ardenne
       

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