Quelle: Blätter 1959 Heft 10 (Oktober)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       BRIEF EINES ARZTES AN DAS KREISWEHRERSATZAMT
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       Dr. med. H.-J. Tepe                         den 3. Oktober 1959
       (24a) Hamburg-Bramfeld                      Dr. Tp/Gae
       Hohnerkamp 89
       
       Einschreiben
       
       An das
       Kreiswehrersatzamt
       Hamburg Nord
       (24a) Hamburg 22
       Humboldtstr. 49/55
       
       Meine vor einigen Tagen erfolgte Registrierung im Zuge der Erfas-
       sung des  Jahrganges 1922  für die  Bundeswehr durch  das Ortsamt
       Bramfeld nehme  ich zum  Anlaß, Ihnen  zu erklären,  daß ich  den
       Dienst in  jeglichen  militärischen  Formationen  aus  religiösen
       Gründen verweigere.
       Nachdem die Regierungen der Völker innerhalb eines Menschenalters
       zweimal zu  dem sinnlosen  Mittel "Krieg" Millionen friedlich ge-
       sonnener Menschen  verführt oder gezwungen haben und für alle di-
       rekt und  indirekt Beteiligten  unendliches Leid  und  namenloses
       Elend entstanden  ist, sollten alle dem christlichen Glauben ver-
       pflichteten Menschen endlich einsehen, daß Rüsten und Kriegführen
       - ob  mit oder  ohne Atomwaffen - wider die Gebote Gottes und die
       Lehre Jesu Christi war und ist.
       Allen Kriegen  mit ihrem Blutvergießen, angefangen von den Kreuz-
       zügen  über  die  Schlachten  "Allerchristlichster  Könige",  den
       30jährigen Krieg, der Segnung der für Japan bestimmten Atombomben
       durch kirchliche  Würdenträger bis  zu den  jüngsten "bewaffneten
       Konflikten" in den verschiedensten Teilen der Welt liegt ein ver-
       hängnisvolles Mißverständnis  bzw. ein bewußter, mehr oder minder
       sophistisch verbrämter  Verstoß  gegen  die  Lehre  der  Heiligen
       Schrift zugrunde,  zu der  zumindest wir Abendländer uns doch of-
       fenbar so eindeutig bekennen.
       Meine Auffassung  ist: Es  gibt kein Töten, keine Kriege, die wir
       vor Gott  als Menschen  zu verantworten  in der  Lage wären.  Die
       These vom  Zweck, der  die Mittel heiligt, ist eine blasphemische
       Erfindung. Sie  ist keineswegs  in Einklang  zu bringen  mit  der
       Lehre des Neuen Testaments, z. B. Matth. V, 21, 22, 39, 43/44.
       Wie ein  Hehler sich  beim Diebstahl  mitschuldig macht, so jeder
       Mensch am  Verstoß gegen das 5. Gebot, der in Institutionen tätig
       wird, die  der Vorbereitung  eines Krieges oder der Erhaltung der
       Kampfkraft militärischer  Verbände dienen.  Auch ein  Arzt  macht
       sich also  insofern mitschuldig, als er die ihm anvertrauten Sol-
       daten betreut,  pflegt und heilt, um sie baldmöglichst instandzu-
       setzen, andere Menschen zu töten.
       Nachdem ich  als junger Mensch mit Millionen anderer Menschen al-
       ler am  Krieg beteiligten Nationen gegen die Gebote der christli-
       chen Religion  verstoßen habe, bin ich nicht gewillt, dieses noch
       einmal in meinem Leben zu tun, gleich, wer mir dies befiehlt.
       
       gez. Dr. Tepe
       (Facharzt für Radiologie)
       

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