Quelle: Blätter 1959 Heft 10 (Oktober)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       PROTESTMARSCH IN DIE SAHARA
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       "The Direct  Action Committee  against Nuclear  War", London N 4,
       England, 344  Seven Sisters  Rd., bittet  uns um Veröffentlichung
       folgenden Appells:
       Immer mehr  Menschen auf der Welt sind nicht länger gewillt, bei-
       seitezustehen und  zuzuschauen, während sich ihre Regierungen für
       den nuklearen Krieg vorbereiten.
       Sehr große  Unruhe erregte  der französische Plan, einen Atombom-
       bentest in der Sahara durchzuführen. Bisher kam der stärkste Pro-
       test von den Menschen Nigerias und Ghanas. Denn der in der Sahara
       vorherrschende Wind,  der zwei  Monate lang ständig innerhalb der
       trockenen Jahreszeit  weht, kann  radioaktive  Sandteilchen  über
       ihre Länder  tragen. Marocco  und der  französische Sudan gehören
       ebenfalls zu den Ländern, die gegen die Tests sind.
       Das britische  Direct Action  Committee against  Nuclear War  hat
       vor, einen   d r a m a t i s c h e n   P r o t e s t  durchzufüh-
       ren, indem  es eine  internationale Gruppe  in das Testgebiet der
       Sahara sendet.  Diese Gruppe,  die das Risiko eingeht, verhaftet,
       verletzt oder  getötet zu  werden, hofft auf diese Weise die Welt
       an die  ungeheure Gefahr  und den Wahnsinn der  n u k l e a r e n
       W a f f e n t e s t s   zu erinnern. Zugleich wendet sie sich da-
       gegen, daß  sich diese  Art der Aufrüstung noch auf andere Länder
       ausbreitet. Das  Ziel der  Gruppe ist es, die wirkliche Bedeutung
       dieser Tests  zu demonstrieren  und gleichzeitig die Einbildungs-
       kraft und  das Gewissen  der Menschen überall auf der Welt aufzu-
       rühren, um  etwas gegen die Atom- und Wasserstoffbomben zu unter-
       nehmen, ehe es zu spät ist.
       Das Direct  Action Committee  - eine  Organisation, die zu keiner
       politischen Partei  gehört -  wurde von einer Gruppe Menschen ge-
       gründet, die Harold Steele unterstützten, den Engländer, der vor-
       hatte, aus  Protest gegen  die Tests  in das britische Testgebiet
       bei den  Weihnachtsinseln (1957) zu fahren. Die Ziele des Commit-
       tees sind  eine einseitige  nukleare Abrüstung  durch jede Macht,
       die jetzt  schon nukleare  Waffen besitzt, und es widersetzt sich
       der Durchführung nuklearer Waffentests durch jedes Land. Es orga-
       nisierte den  Aldermaston-Marsch von London aus und den gewaltlo-
       sen Widerstand  bei der Raketenbase von Swaffham. Die drei engli-
       schen  Teilnehmer   der  Sahara-Protestgruppe,  Reverend  Michael
       Scott, Michael Randle und Francis Hoyland, nahmen alle an der Ak-
       tion in  Swaffham teil.  Michael Randle ist einer von der Gruppe,
       die freiwillig in das Testgebiet bei den Weihnachtsinseln wollte.
       D i e   P r o t e s t g r u p p e   v e r s a m m e l t   s i c h
       i n   G h a n a.   S i e   w i r d   v o r h e r   i h r e   A n-
       s i c h t   d e r   f r a n z ö s i s c  h e n  R e g i e r u n g
       m i t t e i l e n  u n d  m i t  d e m  A u t o  v o n  G h a n a
       i n  d a s  G e b i e t  v o n  R e g g a n  i n  d e r  S a h a-
       r a  f a h r e n,  w o  d i e  e r s t e  f r a n z ö s i s c h e
       A t o m b o m b e   b i n n e n    k u r z e m    g e t e s t e t
       w i r d.   Wenn es  ihnen gelingt, ihren Bestimmungsort zu errei-
       chen, dann  wollen sie  versuchen, das  auf dem Platz befindliche
       wissenschaftliche und militärische Personal zu überreden, von dem
       Test Abstand  zu nehmen.  Wenn sie  nicht so weit kommen, bleiben
       sie in  dem Gebiet,  selbst wenn  der Test durchgeführt wird. Wir
       appellieren an  alle die, die mit unserem Projekt sympathisieren,
       finanziell zu  den riesigen  Kosten beizutragen, die dadurch ent-
       stehen.
       
       Hochachtungsvoll
       gez. Lord Boyd Orr
       der Earl von Russel
       Dr. Donald Soper
       Dr. Alex Comfort
       April Carter
       Pat Arrowsmith
       

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