Quelle: Blätter 1960 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUS DER WEIHNACHTSBOTSCHAFT DES PAPSTES
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       Die von der KNA verbreitete Übersetzung ist nicht genau genug.
       Es fällt  auf, daß  der Papst  den Katholiken  die Aktion für den
       Frieden zur  Pflicht macht. Wenigstens in einem Teil der katholi-
       schen Presse  der Bundesrepublik  wurde dieser wichtigste Gedanke
       der Weihnachtsbotschaft verschwiegen.
       Eine Nachprüfung  des Augustinus-Zitats ergibt, daß der Papst be-
       merkenswerterweise von  dem langen  Satz das weggelassen hat, was
       das Kriegführen anerkennt, und nur den Teil bringt, durch den die
       gewaltlose Friedenspolitik bejaht wird. Franz Rauhut
       
       "Die letzten  Ereignisse haben  eine Atmosphäre  sogenannter Ent-
       spannung geschaffen, die in vielen Seelen die Hoffnungen hat wie-
       der aufleben  lassen, nachdem  man im  Zustand eines verfälschten
       Friedens, in einer höchst unbeständigen Lage gelebt hat, die mehr
       als einmal vom Zusammenbruch bedroht war.
       Dies alles  zeigt, wie  die Sehnsucht nach Frieden im Geist aller
       verwurzelt ist.
       Damit dieses allgemeine Verlangen unverzüglich in Erfüllung gehen
       möge, betet  die Kirche  mit Vertrauen  zu Ihm, der die Geschicke
       der Völker lenkt und die Herzen der Regierenden zum Guten hinwen-
       den kann. Nicht als Tochter der Welt, aber in der Welt lebend und
       wirkend, so  wie sie  seit der  Frühzeit des Christentums - gemäß
       den Worten  des hl.  Paulus an  Timotheus  -  zum  Himmel  sandte
       "Gebete und  Flehen und  Danksagungen für  alle Menschen: für die
       Könige und für alle Machthaber, damit wir ein ruhiges und stilles
       Leben in  aller Frömmigkeit  und Würde führen können" (1. Tim. 2,
       1-2), ebenso  begleitet sie auch heute mit ihrem Gebet alles, was
       in den internationalen Beziehungen zum ruhigen Verlauf der Begeg-
       nungen, zur friedlichen Regelung der Streitpunkte, zur Annäherung
       der Völker und zur Zusammenarbeit zwischen ihnen beiträgt.
       Außer dem  Gebet stellt  die Kirche ihre mütterlichen Dienste zur
       Verfügung,  verweist  auf  die  unvergleichlichen  Schätze  ihrer
       Lehre, spornt  ihre Kinder  zu tätiger  Mitarbeit für den Frieden
       an, indem  sie an  die Mahnung des hl. Augustus erinnert: "Es ist
       ein größerer  Ruhm, die Kriege mit dem Wort zu töten als Menschen
       mit dem  Schwert; und  der wahre  Ruhm ist,  den Frieden  mit dem
       Frieden zu erlangen" (S. Aug Epist. CCXXIX, 2, PL XXXIII 1020).
       Dies ist die eigentliche Aufgabe und Pflicht der Kirche, sich für
       den Frieden  einzusetzen, und sie ist sich bewußt, nichts von al-
       lem unterlassen  zu haben, was ihr zu tun möglich war, um ihn für
       die Völker und die Einzelmenschen zu sichern. Die Kirche betrach-
       tet mit  Wohlwollen jede  ernste Initiative,  die dazu  beitragen
       kann, der  Menschheit neue  Trauer, neue  Blutbäder, neue unbere-
       chenbare Zerstörungen zu ersparen.
       Mit solchen  Wünschen, mit  solchen Gebeten sind wir nun alle wie
       Maria und Joseph, wie die von den Hügeln um Betlehem herabgestie-
       genen schlichten  Hirten, wie  die Weisen  aus dem Morgenland vor
       die Scheune des zur Welt gekommenen Erlösers gelangt.
       O Jesus,  wie zärtlich ist das Kommen unserer Seelen vor die Ein-
       fachheit der Krippe; wie süß und fromm sind unsere Herzen erregt;
       wie lebhaft wünschen wir alle miteinander bei dem großen Werk des
       universalen Friedens  vor Dir, dem göttlichen Urheber und Fürsten
       des Friedens, mitzuarbeiten!
       In Bethlehem  müssen alle ihren Platz finden. In erster Reihe die
       Katholiken. Die  Kirche will  sie besonders  heute im Einsatz für
       die Bemühung  darum sehen,  daß ihre Friedensbotschaft angenommen
       wird, die  eine Aufforderung  zu einer völligen Orientierung nach
       den Vorschriften  des göttlichen Gesetzes ist, das die entschlos-
       sene Hingabe  aller bis  zur Aufopferung verlangt. Zur Vertiefung
       in die  Lehre muß  sich die  Tat gesellen. In keiner Weise können
       die Katholiken  sich auf  die bloße  Stellung von Beobachtern be-
       schränken, sondern sie müssen sich als mit einem Auftrag des Him-
       mels Ausgestattete fühlen.
       Die Anstrengung ist zweifellos langdauernd und ermüdend."
       

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