Quelle: Blätter 1960 Heft 02 (Februar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       WORTLAUT EINES BRIEFES UND AUSZÜGE AUS EINER DENKSCHRIFT DES
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       PROF. DR. DR. THEODOR OBERLÄNDER AN DEN FÜRSTEN ZU WALDBURG-ZEIL
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       Prof. Dr. Dr. Theodor Oberländer           Augsburg, 16.8.48
                                                  Hans Adlhochstraße 8 a
                                                  Tel. 3 62 69
       Sehr verehrter Fürst Waldburg,
       anliegend übersende  ich Ihnen den versprochenen Beitrag, von dem
       ich hoffe,  daß er  in bescheidenem  Maße dazu  beiträgt, die Er-
       kenntnis dieses  Problems zu vertiefen. Ich wäre Euer Durchlaucht
       für gelegentliche  Benachrichtigung dankbar, ob sich in der Sache
       irgend etwas erreichen ließ.
       Mit der Bitte um ergebene Empfehlungen an die Fürstin bin ich
                                      Euer Durchlaucht dankbar ergebener
                                         gez.: Theodor Oberländer
       
       Seiner Durchlaucht
       Dem
       Fürsten zu  W a l d b u r g - Zeil
       Schloß  Z e i l / Württemberg
       
       Über die psychologische Kriegsführung
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       Auch die  Kriegsführung unterliegt dem Gesetz des Minimum. Der im
       Minimum befindliche  Faktor entscheidet  über die Höhe des Erfol-
       ges.
       Während des  zweiten Weltkrieges  war  im  Kampf  gegen  die  So-
       wjetunion die politische Kriegsführung im Minimum.
       Im Kampfe  gegen eine  Idee siegt nicht die bessere Technik, wenn
       sie nicht gleichzeitig mit einer besseren Idee verbunden ist.
       Soll der  Bolschewismus überwunden  werden, so  benötigen die  zu
       seiner Bekämpfung verbundenen Kräfte
       1. ein Programm  der politischen  Kriegsführung bis  zum Ausbruch
       des Waffenkrieges;
       2. ein Programm zur Unterstützung des Waffenkrieges;
       ...
       Die Überwindung des Bolschewismus verlangt:
       1. Religiöse Bindung in irgendeiner Form;
       2. Re-Individualisierung;
       3. Re-Privatisierung.
       ...
       Es gibt  einen verhältnismäßig kleinen Kreis von Wissenschaftlern
       und Soldaten,  die auch  im Kriege gegen das Fehlen einer politi-
       schen Kriegsführung  gegen den Osten gekämpft haben. Diese stehen
       in enger  Verbindung mit  den unzersetzten  Teilen der Emigration
       aus der  Sowjetunion, die  durch die  beiderseitige Kenntnis  der
       östlichen und westlichen Demokratie für die politische Kriegsfüh-
       rung von besonderer Bedeutung sind.
       Sollte es gelingen, diesen Kreis, der klein aber wertvoll ist, um
       dessen Ausschaltung  oder Vernichtung  die Bolschewiken  sich be-
       reits heute  bemühen, rechtzeitig   v o r  einer sich anbahnenden
       machtpolitischen Entscheidung  zu sammeln und in Geborgenheit ar-
       beiten zu  lassen, so  hätten diejenigen,  die das verantwortlich
       veranlassen, die  Chance, daß in ihrem Machtbereich ein Friedens-
       programm für die Ostvölker entstände...
       

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