Quelle: Blätter 1960 Heft 03 (März)


       zurück

       
       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       BERICHT ÜBER FDP-GESPRÄCH MIT SMIRNOW
       =====================================
       ENTSPRICHT NICHT DEN TATSACHEN
       ==============================
       
       Zu Meldungen  der New York Times vom Montag und Dienstag über ein
       Gespräch zwischen Vertretern der Freien Demokratischen Partei und
       der sowjetischen  Botschaft in Bonn erklärten die Teilnehmer die-
       ser Unterredung, die FDP-Bundesvorstandsmitglieder Dr. Mende, Dr.
       Becker, Dr. Dehler und Dr. Schneider zum Wochenbeginn in Bonn:
       "Am 24. Februar 1960 waren der Bundesvorsitzende der Freien Demo-
       kratischen Partei,  Dr. Erich  Mende, und die Bundesvorstandsmit-
       glieder Dr. Becker, Dr. Dehler und Dr. Schneider Gäste des sowje-
       tischen Botschafters  und weiterer Herren der Botschaft der UdSSR
       in Bonn.  Bei dieser  Zusammenkunft ist über die deutsch-sowjeti-
       schen Beziehungen  und über  die Berlin- und Deutschlandfrage ge-
       sprochen worden.  Über dieses Gespräch unterrichtete der FDP Bun-
       desvorsitzende Dr. Mende am 3. März Bundeskanzler Adenauer, am 4.
       März den SPD-Vorsitzenden Ollenhauer und am 6. März den Regieren-
       den Bürgermeister von Berlin, Brandt.
       Die Freien  Demokraten führten  mit den Vertretern der Sowjetbot-
       schaft ein   h a r t e s   G e s p r ä c h,   d e s s e n  E i n-
       z e l h e i t e n   i n   d e m   B e r i c h t    d e r    N e w
       Y o r k  T i m e s  j e d o c h  n i c h t  r i c h t i g  w i e-
       d e r g e g e b e n   w e r d e n.  Insbesondere hat der sowjeti-
       sche Botschafter  die Forderung  nach "Verstaatlichung  der Groß-
       betriebe, Brechung  der Macht  des Monopolkapitals,  um dann  zur
       Herrschaft der  arbeitenden  Klasse  weiterzuschreiten",    w i e
       d i e   Z e i t u n g    b e r i c h t e t e,    w e d e r    i n
       d i e s e r  n o c h  i n  a n d e r e r  F o r m  e r h o b e n.
       In gleicher  Weise unzutreffend ist auch die Meldung der New York
       Times, wonach angeblich FDP-Gesprächsteilnehmer an den Sowjetbot-
       schafter die  Frage gestellt  haben sollen,  ob  die  Sowjetunion
       "einem wiedervereinigten  Deutschland zustimmen  würde,  das  die
       Oder-Neisse-Grenze anerkennt,  auf Atomwaffen  verzichte und zwi-
       schen der  Nato und der kommunistischen Warschauer Pakt-Organisa-
       tion neutral sein werde". Eine derartige Frage ist von keinem der
       Gesprächsteilnehmer gestellt  worden und  konnte darum auch nicht
       von dem sowjetischen Botschafter beantwortet werden. Damit werden
       auch alle  an dieses  Gespräch geknüpften Kombinationen hinsicht-
       lich der  künftigen Haltung der Freien Demokraten in der Deutsch-
       landfrage gegenstandslos."
       Freie Demokratische Korrespondenz vom 16. März 1960
       
       INFORMIERTE ADENAUER DIE NEW YORK TIMES?
       ========================================
       
       SPD-Kreise wollen  von den  Freien Demokraten erfahren haben, daß
       sich die Gesprächsrunde schon in "aufgelockerter Stimmung" befun-
       den habe,  als von  deutscher Seite  die zitierte  Frage gestellt
       worden sei. Smirnow habe über das ganze Gesicht lachend erwidert,
       l i e b e r  s e i  i h m  n a t ü r l i c h,  w e n n  d a b e i
       n o c h    e i n    s o z i a l i s t i s c h e s    G e s a m t-
       d e u t s c h l a n d  h e r a u s k o m m e.
       D i e   F r e i e n   D e m o k r a t e n    g l a u b e n    i m
       ü b r i g e n,   d a ß   d e r   B u n d e s k a n z l e r  d i e
       "N e w  Y o r k  T i m e s"  i n f o r m i e r t  h a t.
       Kölner Staatsanzeiger vom 15. März 1960
       
       DIE ABRÜSTUNGSPLÄNE VON WEST UND OST
       ====================================
       
       D e r  W e s t e n  s c h l ä g t  v o r:
       Stufe I
       Gründung einer Abrüstungsbehörde "International Disarmament Orga-
       nisation" (IDO), die die Angaben über die Abrüstungen der einzel-
       nen Staaten sammelt. Festsetzung maximaler Truppenstärken für die
       Vereinigten Staaten  und die  Sowjetunion auf höchstens 2 500 000
       Mann. Übergabe der ersten Waffen an die Abrüstungsbehörde. Unter-
       richtung der Behörde über den Start von Raumfahrzeugen, die mili-
       tärischen Zwecken  dienen können. Vereinbarungen über weitere Ab-
       rüstungsmaßnahmen der zweiten und dritten Phase.
       Gleichzeitig sollen  während der  ersten Stufe gemeinsame Studien
       die Ausführung des Abkommens in folgenden Punkten sicherstellen:
       a) Verbot, Massenzerstörungswaffen  auf eine  Bahn außerhalb  der
       Erde zu bringen.
       b) Notifizierung des  Starts von Raketen und Anmeldung des Starts
       und der Herstellung von Raketen.
       c) Einstellung der  Produktion von Kernspaltstoffen für militäri-
       sche Zwecke.
       d) Kontrolle der  bereits für andere Zwecke als Waffen produzier-
       ten Kernspaltstoffe.
       e) Schutzmaßnahmen gegenüber Überraschungsangriffen durch Inspek-
       tion des  Luftraums, Erdbeoabachtungen  und Kontrollposten in den
       Mitgliedstaaten.
       Stufe II
       Hier sieht  der westliche Plan schon praktische Abrüstungsmaßnah-
       men vor, und zwar:
       a) Verbot des  Starts von Satelliten, die Massenzerstörungsmittel
       tragen. Raketen können gestartet werden, wenn sie den von der Ab-
       rüstungsorganisation zugelassenen Normen entsprechen und ihre Ab-
       schußbasis zuvor kontrolliert wurde.
       b) Einstellung der  Produktion spaltbaren Materials für militäri-
       sche Zwecke.  Bereits hergestelltes  spaltbares Material  soll zu
       anderen Zwecken  als für  die Waffenfabrikation verwendet werden,
       sobald die  Kontrolle über  die Einstellung  der  Produktion  des
       spaltbaren Materials in Kraft getreten ist.
       c) Inkraftsetzung  der   Schutzmaßnahmen  gegen  Überraschungsan-
       griffe.
       d) Festsetzung der  Höchstgrenze der  Truppenstärken für  die So-
       wjetunion und die Vereinigten Staaten auf je 2 100 000 Mann.
       e) Einberufung einer Abrüstungskonferenz mit anderen Staaten, die
       über bedeutende  militärische Mittel  verfügen. Für die Konferenz
       wird ein Datum festgesetzt, das der Notwendigkeit Rechnung trägt,
       auch andere  Staaten an  den Verhandlungen  zu beteiligen,  dabei
       wird vor  allem an  das kommunistische China gedacht. Seine Teil-
       nahme an der Konferenz soll jedoch keine Anerkennung bedeuten.
       Stufe III
       a) Abbau der  Truppenbestände und der nationalen Ausrüstungen bis
       auf ein  Niveau, das  den Bedürfnissen der inneren Sicherheit und
       den sich  aus der  Charta der  Vereinten Nationen ergebenden Ver-
       pflichtungen entspricht.
       b) Verbot der  Herstellung von atomaren, chemischen und bakterio-
       logischen Waffen.
       c) Maßnahmen zur friedlichen Nutzung des Weltraums.
       d) Endgültiges Verbot militärischer Raketen.
       e) Kontrolle jeder Art von Rüstung sowie der Militärbudgets durch
       die internationale Abrüstungsbehörde.
       Der westliche  Plan sieht schließlich die Möglichkeit zur Bildung
       einer internationalen  Streitmacht unter  Kontrolle der Vereinten
       Nationen vor.
       
       D e r  O s t e n  s c h l ä g t  v o r:
       Stufe I
       Herabsetzung der  Streitkräfte der  Sowjetunion, der  Vereinigten
       Staaten und  der Volksrepublik  China auf  1 700 000 Mann und der
       Streitkräfte Großbritanniens  und Frankreichs  auf 650 000  Mann.
       Die Rüstung  und die  technischen Kriegsmittel,  über welche  die
       Streitkräfte verfügen,  sind so weit zu reduzieren, daß die rest-
       lichen Rüstungsbestände  dem festgesetzten Stand der Streitkräfte
       entsprechen.
       Stufe II
       Abschaffung der  restlichen Streitkräfte  aller Staaten. Beseiti-
       gung sämtlicher  Militärstützpunkte auf  fremden Territorien. Die
       Truppen und  das technische Personal werden in die eigenen natio-
       nalen Gebiete abgezogen und aufgelöst.
       Stufe III
       Vernichtung der Kern- und Raketenwaffen jeder Art, Verbot der Er-
       zeugung, des Besitzes und der Bevorratung von chemischen und bak-
       teriologischen Kriegsmitteln.  Alle vorhandenen Waffen dieser Art
       müssen vernichtet  werden. Verbot wissenschaftlicher Untersuchung
       für Kriegszwecke, Entwicklung von Waffen und Gerät, Auflösung al-
       ler Kriegsministerien,  Generalstäbe, militärischen Institutionen
       und Organisationen,  Einstellung aller  Einberufungen zu  Übungen
       und militärischer Ausbildung, Verbot des Militärdienstes in allen
       Formen.
       Stufe IV
       Für die  Kontrolle über die Durchführung der Maßnahmen zur allge-
       meinen und  vollen Abrüstung wird ein internationales Kontrollor-
       gan geschaffen. Das Ausmaß der Kontrolle und Inspektion wird ent-
       sprechend den  Stufen der  etappenmäßig sich ergebenden Abrüstung
       der Staaten vorgenommen.
       Nach Abschluß  der allgemeinen  und vollen  Abrüstung, welche die
       Abschaffung der Streitkräfte jeder Art, die Beseitigung aller Ar-
       ten von  Waffen, darunter  der Massenvernichtungswaffen, umfassen
       muß, wird  das internationale Kontrollorgan freien Zutritt zu al-
       len Kontrollobjekten haben.
       Teilmaßnahmen
       Falls ein  Abkommen auf  dieser Grundlage nicht zu erreichen ist,
       hat sich  die Sowjetunion zu Verhandlungen über folgende Teilmaß-
       nahmen bereit erklärt:
       1. Schaffung einer  Kontroll- und  Inspektionszone und Einschrän-
       kung der  ausländischen Truppen  auf den  Territorien der  Länder
       Westeuropas.
       2. Schaffung einer atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa.
       3. Abzug sämtlicher  ausländischer Truppen  aus den  europäischen
       Staaten und Auflösung der Militärstützpunkte auf fremden Territo-
       rien
       4. Abschluß eines  Nichtangriffspaktes zwischen den Mitgliedstaa-
       ten der Nato und den Staaten des Warschauer Vertrages.
       5. Ein Abkommen zur Verhütung eines Überraschungsangriffs.
       Welt vom 15. März 1960
       
       WAS LEIPZIG INTERESSANT MACHT
       =============================
       
       Die Leipziger  Frühjahrsmesse hat ihre Anziehungskraft auf die am
       Osthandel interessierten westlichen Firmen verstärken können. Das
       zeigen nicht  nur die  diesjährigen Rekordzahlen  über Aussteller
       und Besucher  aus dem  Westen sowie über die Messeabschlüsse, bei
       denen man die Vorliebe aller Diktaturen für "gigantische" Erfolge
       - die  notfalls künstlich  aufgebessert werden  - berücksichtigen
       sollte. Diesen  Eindruck vermitteln  auch verschiedene  Gespräche
       und Beobachtungen  während der Messe. Auffallend war die stärkere
       Beteiligung von  Großfirmen aus  dem Bundesgebiet und dem westli-
       chen Ausland.  Angesichts dieser  Entwicklung stellt sich bereits
       die Frage, ob zum Beispiel die führenden Elektrokonzerne des Bun-
       desgebiets mit  ihren Informationsständen noch wirksam genug ver-
       treten sind.
       Der Vorschlag  des sowjetzonalen Handelsministers Rau, die Stahl-
       lieferungen im  Interzonenhandel bis  1965 zu  verdoppeln,  kommt
       also dem  Interesse der  westdeutschen Werke entgegen. Man sollte
       sich davor hüten, diesen Vorschlag lediglich dahingehend auszule-
       gen, daß Ostberlin ohne zusätzliche Stahllieferungen Westdeutsch-
       lands seinen Siebenjahrplan nicht durchführen könnte. Das Auftre-
       ten anderer  europäischer Stahlfirmen  in Leipzig  deutet bereits
       auf weitere  Bezugsmöglichkeiten hin.  Daher wäre es auch falsch,
       die von  Rau jetzt  bekanntgegebene Einleitung  von Verhandlungen
       über den Abschluß langjähriger Lieferverträge mit anderen Ländern
       nur als  Propagandatrick zu  bewerten. Das  Interesse der Sowjet-
       zone, auf Grund langfristiger Verträge rechtzeitig und mit großer
       Sicherheit die Stahlimporte einplanen zu können, ist groß. Da die
       Stahlwerke ihrerseits langfristige Dispositionen aus produktions-
       technischen Gründen  bevorzugen, hat  Ostberlin gute  Aussichten,
       sein Ziel  zu erreichen  - wenn nicht im Bundesgebiet, dann viel-
       leicht in England.
       Deutsche Zeitung vom 12. März 1960
       
       UMSATZREKORD BEI LEIPZIGER MESSE
       ================================
       
       Die Leipziger Messe ist nach Angaben des stellvertretenden Außen-
       handelsministers Enkelmann  (SED) gestern  mit einem Rekordumsatz
       von rd. 4,2 Mrd. DM-Ost zu Ende gegangen. Davon entfielen auf Um-
       sätze  mit   "sozialistischen  Staaten"  rd.  2,9  Mrd.  und  auf
       "kapitalistische Staaten" 1,3 Mrd.
       Düsseldorfer Nachrichten vom 8. März 1960
       
       GESAMTDEUTSCHE WIRTSCHAFTS-KOMMISSION GEPLANT?
       ==============================================
       
       Maßgebende Vertreter  der westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie
       hatten auf der Leipziger Messe eine eingehende Aussprache mit dem
       DDR-Handelsminister Heinrich Rau über eine größere Stahllieferung
       der Ruhr  in die  DDR. Bei dieser Besprechung ist, wie in Düssel-
       dorf jetzt  bestätigt wird,  die Bildung einer Expertenkommission
       angeregt worden. Beide Seiten, so wird von der Stahlindustrie er-
       klärt, sollten  möglichst unter  Beteiligung der behördlichen In-
       terzonenhandelsstellen der  Bundesrepublik und  der Sowjetzone in
       diesem Gremium vertreten sein.
       In den  Kreisen der  westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie wird
       dazu betont,  daß man auch einmal die Initiative ergreifen müsse,
       um die  ständigen Schwierigkeiten im Interzonenhandel zu beheben.
       Die westlichen  Konkurrenten  der  Bundesrepublik  bemühten  sich
       sehr, mit  Mitteldeutschland ins  Geschäft zu  kommen, das früher
       ein sehr  wichtiges Absatzgebiet  der Ruhrindustrie war. Anderer-
       seits müßten  auch den  Waren von drüben mehr Absatzmöglichkeiten
       in der Bundesrepublik eröffnet werden und Einschränkungen wegfal-
       len, die  nur dem  Schutz der hier inzwischen entstandenen Paral-
       lelindustrie dienen sollen.
       Frankfurter Rundschau vom 8. März 1960
       
       RAU: KOEXISTENZ IN DER WIRTSCHAFT
       =================================
       
       Auf einer  von 800 Journalisten besuchten internationalen Presse-
       konferenz, die  die Zonenregierung  am Dienstag im Leipziger Rat-
       haus veranstaltete,  erklärte der stellvertretende Ministerpräsi-
       dent und  Minister für  Außenhandel  und  innerdeutschen  Handel,
       Heinrich Rau,  daß es  möglich sei, eine Wiedervereinigung durch-
       zuführen und  dennoch die beiden Wirtschaftssysteme nebeneinander
       bestehen zu lassen.
       Pankow habe  keine Pläne, etwa die Konzerne oder das Privateigen-
       tum der Westdeutschen zu zerschlagen. Man habe aber konkrete Vor-
       stellungen von einer auf Kompromißbereitschaft aufgebauten Zusam-
       menarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet.
       Wie Rau  auf die  Frage unseres  Redaktionsmitgliedes  mitteilte,
       wird die bis zum Jahre 1965 vorgesehene Erhöhung des Außenhandels
       um 88  Prozent auch  dem Handel mit dem westlichen Ausland zugute
       kommen. Die Sowjetzone wird auch nach den jährlichen Steigerungen
       des Außenhandelsvolumens  um acht bis neun Prozent mit dem Westen
       25 Prozent  des gesamten  Außenhandels abwickeln. 75 Prozent soll
       auch künftig  der Anteil des Außenhandels mit den Ostblockstaaten
       betragen. Rau gab bekannt, daß seine Regierung bis zum Jahre 1965
       alle aufgenommenen  Kredite, wie  beispielsweise die  von der So-
       wjetunion, zurückzahlen wird. Es sei nicht geplant, anderen Staa-
       ten Kredite  zu geben, obwohl Exporte langfristig kreditiert wer-
       den sollen.
       Hannoversche Presse vom 2. März 1960
       
       "DIE HÄNDLER SIND DIE EINZIG VERNÜNFTIGEN"
       ==========================================
       
       Auf einem  Rundgang durch die Leipziger Messe besuchte SED-Sekre-
       tär Walter  Ulbricht am  Sonntag auch  die Ausstellungsstände der
       westdeutschen Firmen  Siemens, AEG,  Mannesmann und Krupp AG. Ul-
       bricht, braungebrannt  vom Winterurlaub,  erhob dabei  im  Krupp-
       Stand sein Glas "auf gute Zusammenarbeit" und fragte, wie es denn
       mit der Beteiligung Krupps am Bau von U-Booten stehe. Kruppdirek-
       tor Prof. Hundhausen wehrte ab: "Nein, nichts mit U-Booten!" Dar-
       auf Walter Ulbricht: "Das ist auch besser so. Lassen Sie die Fin-
       ger davon. Wer auf Rüstung geht, wird untergehen. Produzieren Sie
       für den  Frieden. Produzieren  Sie chemische Anlagen, um zum Bei-
       spiel die Kleidung der Frauen zu verschönern. Sie werden die Sym-
       pathien aller Frauen gewinnen."
       Im Stand  des Stahlkonzerns Mannesmann erklärte Ulbricht dann den
       anwesenden Direktoren  nach einem  Bericht des  SED-Zentralorgans
       "Neues Deutschland":  "Die Wirtschaftler müssen den Weg bereiten.
       Anders wird  die Sache nicht gehen." Direktor Dr. Manning antwor-
       tete ihm: "Wir sagen unter uns immer, die Händler sind die einzig
       Vernünftigen." Ulbricht  wiederum: "Den  Eindruck habe  ich auch.
       Die Leipziger  Messe trägt dazu bei, die Gipfelkonferenz gut vor-
       zubereiten." Direktor  Manning daraufhin wieder zu Ulbricht: "Als
       wir hierher  kamen, lasen  wir auf  einem Schild die Worte: 'Laßt
       Waren die  Grenzen überschreiten,  nicht Armeen.'  Damit sind wir
       voll und  ganz einverstanden. Man darf ja auch nicht immer anneh-
       men, daß das ganze Volk das denkt, was ihm gewisse Kreise der Re-
       gierung sagen. Da gibt es in Westdeutschland einige Differenzen."
       Frankfurter Rundschau vom 9. März 1960
       
       VERWERFLICHES AUFTRETEN
       =======================
       
       Der Bundeskanzler und der Präsident des Bundesverbandes der Deut-
       schen Industrie, Berg, haben am 11. März 1960 das Auftreten west-
       deutscher Industrieller auf der Leipziger Messe besprochen. Beide
       waren sich darin einig, daß das Auftreten einiger weniger, aller-
       dings Vertreter  führender Firmen, für die Interessen der Bundes-
       republik und des deutschen Volkes sehr abträglich und verwerflich
       gewesen ist.  Verschärfend kommt hinzu, daß etwas Derartiges wäh-
       rend der Vorbereitung der Gipfelkonferenz, auf der die Frage Ber-
       lin zur Debatte steht, vor sich geht, d.h. also in einer Zeit, in
       der in  sorgfältiger Weise auf das geachtet wird, was in Deutsch-
       land geschieht.
       Präsident Berg,  der sehr  scharf das  Vorgehen verurteilte,  er-
       klärte, daß  er mit den in Frage kommenden Kreisen diese Frage in
       den ersten  Tagen dieser  Woche im  Interesse der deutschen Sache
       klären werde.
       Bulletin der Bundesregierung vom 15. März 1960
       
       STIMMEN ZUM HERTER-PLAN
       =======================
       
       Der Kurier,  Berlin, vom 25. Februar 1960: Der gestern bekanntge-
       wordene westliche  Plan für  die Gipfelkonferenz, unter Kontrolle
       in beiden  Teilen Deutschlands  eine Volksabstimmung über den so-
       wjetischen Plan  eines Friedensvertrages mit zwei deutschen Staa-
       ten und  einer Freien  Stadt Westberlin  durchzuführen, ist durch
       gezielte oder  fahrlässige Plaudereien  in Washington wahrschein-
       lich erledigt. Diese Befürchtung wird in Bonner Regierungskreisen
       geäußert. Man  spricht in  diesem Zusammenhang  bereits von einem
       totgeborenen Kind.  Es habe  sich gezeigt,  "daß Washington nicht
       der richtige Platz für wichtige Geheimverhandlungen ist".
       Frankfurter Allgemeine  vom 3.  März 1960:  Ungefährlich ist  das
       Spiel mit dem Plebiszit aber nicht... Wie wäre es z.B. mit dieser
       Frage: "Sind Sie der Meinung, daß die Wiedervereinigung das ober-
       ste politische  Ziel für  das deutsche  Volk sein  muß,  ja  oder
       nein?" Und  wenn das  auch westlichen  Verhandlungspartnern nicht
       gefällt, nun,  dann suchen  wir eben  einen anderen Verhandlungs-
       tisch... Solche Überlegungen müssen zu größter Vorsicht gegenüber
       dem Spiel mit Volksentscheidungen mahnen.
       Freie Presse,  Bielefeld, vom  25. Februar 1960: Der neue Herter-
       Plan kann  die Deutschland-Diskussion  nur auf  dem  toten  Punkt
       festnageln.
       Die Welt  vom 27.  Februar 1960: Nicht die geringste Aussicht auf
       Verwirklichung räumte  der sozialdemokratische  Pressedienst  dem
       Herter-Plan für eine Volksabstimmung über Gesamtdeutschland ein.
       Allgemeine Zeitung,  Mainz, vom 26. Februar 1960: Der Herter-Plan
       müßte jegliche Diskussion über die Wiedervereinigung von vornher-
       ein blockieren,  was sicherlich nicht im deutschen Interesse lie-
       gen würde.
       Sudetendeutsche Zeitung,  München, vom  5. März  1960: Die ausge-
       zeichnete Idee  des US-Außenministers Herter, Chrustschow auf der
       Gipfelkonferenz mit  dem Selbstbestimmungsrecht zu konfrontieren,
       hat in  der Bundesrepublik ein Echo gefunden, das geradezu depri-
       mierend wirkt.
       Westdeutsches Tageblatt, Dortmund, vom 25. Februar 1960: Zunächst
       einmal bekam  die bisherige These der Bundesregierung einen Stoß,
       die vier  Mächte könnten aus ihrer Verantwortung für die deutsche
       Einheit nicht entlassen werden...
       Südwest-Merkur, Stuttgart,  vom 4.  März 1960:  Die Anregung  des
       amerikanischen Außenministers, den Sowjets in Paris eine Volksab-
       stimmung in  ganz Deutschland als ersten Schritt zur Einheit vor-
       zuschlagen, mag sicher gut gemeint sein. An politischem Good-Will
       hat es  den Amerikanern,  auch  gerade  gegenüber  dem  deutschen
       Volke, ohnehin  selten gefehlt.  Wenn Herter  heute zu derartigen
       Vorschlägen in  der Deutschlandfrage Zuflucht sucht, so liegt das
       sicherlich nicht  an dem "bösen Willen" der amerikanischen Regie-
       rung, sondern  eher an der Tatsache, daß Bonns Bundesgenossen nur
       einen äußerst  eng begrenzten  Spielraum für  neue Anregungen zur
       Lösung dieses Problems haben.
       Aachener Volkszeitung  vom 26.  Februar 1960:  Welchem nützlichen
       Zweck sollte  mit der  Veröffentlichung im jetzigen Zeitpunkt ge-
       dient werden können?
       Süddeutsche Zeitung  vom 26.  Februar 1960: Seit über einem Jahr-
       zehnt kreist  nun die  Deutschland Frage  in einer hoffnungslosen
       Weise um den Begriff der freien Wahl oder Volksabstimmung - hoff-
       nungslos, weil  es selbst in Zeiten besserer politischer Konjunk-
       tur nie  gelang, diese Forderung mit einem realistischen regiona-
       len Entspannungsvorschlag zu kombinieren.
       Welt vom  1. März 1960: Der sowjetische Ministerpräsident Chrust-
       schow hat sich am Montag gegen den Plan des amerikanischen Außen-
       ministers Herter  gewandt, eine Volksabstimmung unter internatio-
       naler Kontrolle  abzuhalten. Chrustschow erklärte auf einer Pres-
       sekonferenz in der indonesischen Hauptstadt Djakarta, die Mitwir-
       kung irgend  eines Landes  an einer  solchen Abstimmung wäre eine
       Einmischung in die inneren Angelegenheiten des betreffenden Staa-
       tes. Es  sei Sache  der beiden  deutschen Regierungen,  über eine
       Volksabstimmung eine  Übereinkunft zu  erzielen. Wieder  kündigte
       der sowjetische Regierungschef den Abschluß eines separaten Frie-
       densvertrages mit  der Sowjetzone  an, falls auf der Gipfelkonfe-
       renz keine Einigung über Deutschland erzielt wird. Er sagte dazu:
       "In diesem Falle werden alle Konsequenzen des zweiten Weltkrieges
       für die Deutsche Demokratische Republik erlöschen, einschließlich
       der Frage Westberlins, das auf dem Territorium der DDR liegt."
       Frankfurter Rundschau  vom 2. März 1960: Die Bundesregierung wird
       nicht mit  der Regierung  in Ost-Berlin  über eine gesamtdeutsche
       Volksabstimmung verhandeln.  Mit diesem  Hinweis auf einen Grund-
       satz der  Bonner Politik nahmen Bonner Regierungskreise am Diens-
       tag zu der Erklärung des sowjetischen Ministerpräsidenten Chrust-
       schow Stellung, eine gesamtdeutsche Volksabstimmung sei eine rein
       innerdeutsche Angelegenheit,  über die  sich die Deutschen selber
       einigen müßten.
       
       NACH OBERLÄNDER JETZT SEEBOHM?
       ==============================
       
       "Der nächste  ist jetzt Seebohm. Das Material gegen ihn liegt be-
       reits druckfertig  vor." (Dr. Friedrich Kaul, sowjetzonaler Star-
       anwalt.)
       Der Spiegel vom 16. März 1960
       
       Das von  der Presse als überraschend kommentierte Rücktrittsange-
       bot des  Bundesverkehrsministers Seebohm  (DP) hat  mit der Frage
       der zulässigen  Länge von  Lastzügen praktisch  nichts zu tun. In
       Wirklichkeit ist Seebohm wegen der Entwicklung des Falls Oberlän-
       der beunruhigt. Die CDU-Führung scheint sich nun schlüssig gewor-
       den zu  sein, Oberländer  fallen zu lassen. Die gegenwärtige Dis-
       kussion dreht  sich nur  noch um den Zeitpunkt und um die Begrün-
       dung. Seebohm,  der von  Dr.  Adenauer  ebenfalls  gedeckt  wird,
       fürchtet nicht  zu Unrecht,  daß er  in Kürze unter ähnlichen Um-
       ständen zum  Rücktritt veranlaßt  werden könnte  wie sein Kollege
       Oberländer. Das  Prager Institut  für internationale  Politik und
       Ökonomie, das  dieser Tage  Informationen über die frühere Tätig-
       keit Seebohms veröffentlicht hat, kündigte weiteres Belastungsma-
       terial an.  Im Unterschied zu Oberländer wünscht Seebohm den Vor-
       wand für  seinen Rücktritt  selbst  zu  bestimmen.  Das  Kabinett
       Adenauer kann  ihm diesen Gefallen jedoch nicht tun, weil die ei-
       gentlichen Ursachen  seines Rücktritts  nicht lange  zu verbergen
       wären und  dann das Kabinett als ganzes genötigt wäre, den Offen-
       barungseid leisten zu müssen.
       bdd-Informationen vom 17. März 1960
       
       Was hat  Minister Seebohm  am 4. März in Hamburg gesagt, am glei-
       chen Tage,  da vor  41 Jahren  54 demonstrierende Sudetendeutsche
       von tschechischem  Militär erschossen wurden? "Der 4. März 1919",
       so sagte  Seebohm (laut  Presseberichten) "war  der Beginn  einer
       Kette von  Ereignissen, die  zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges
       geführt haben..." Das Reden vor schwarzweißroten Fahnen, die ihn,
       den aktiven Bundesminister, nicht gestört, sondern erfreut haben,
       hat er inzwischen aufgeben müssen Immerhin ist noch nicht verges-
       sen, daß  ihm bei einer offiziellen Feier in Anwesenheit des Bun-
       despräsidenten und  skandinavischer Diplomaten vor einigen Jahren
       kein besserer  Trinkspruch einfiel  als das  von Hitler  gern ge-
       brauchte Wort: "Es lebe  d a s  ewige Deutschland!"
       Mit Leidenschaft  und Beharrlichkeit vertritt Seebohm - vor allem
       auf Veranstaltungen  der sudetendeutschen  Landsmannschaft - eine
       höchst eigentümliche  Auffassung über die Ursachen, die zum zwei-
       ten Weltkrieg  geführt haben.  Der gewaltsame Tod von 54 Sudeten-
       deutschen am  4. März  1919 "der Beginn einer Kette von Ereignis-
       sen, die  zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges geführt haben": so
       also Seebohm in Hamburg. Ein Jahr vorher hatte er bei einer Erin-
       nerungsfeier gleicher  Art in  Tübingen  (nach  dem  Bericht  des
       "Schwäbischen Tagblatts")  jene 54  Sudetendeutschen als "die er-
       sten Toten  des zweiten  Weltkrieges" bezeichnet...  Denn es  sei
       nicht zu  verwundern, ...daß die damals Unterdrückten eines Tages
       auch Gewalt anwandten".
       Die Zeit vom 18. März 1960
       
       SCHARFER ANGRIFF AUF GLOBKE
       ===========================
       
       Der UNO-Korrespondent  der schweizerischen  "Neuen  Zürcher  Zei-
       tung", Max  Beer, erklärte  am Sonntagabend, solange Hitlers frü-
       here Untergebene  Mitglieder der  Bundesregierung,  hohe  Beamte,
       Richter und  Lehrer seien, werde Hitler "lebendig" bleiben... Der
       schweizerische  Journalist   konzentrierte  seinen   Angriff  auf
       Staatssekretär Globke  als den  Verfasser eines Kommentars zu den
       "Nürnberger Gesetzen",  die den  Weg zur Juden-Vernichtung öffne-
       ten. Das  lange Vorwort,  das Globke zu diesem Kommentar schrieb,
       gehört nach  Ansicht Beers zu den "widerlichsten Veröffentlichun-
       gen des Dritten Reiches". Es stelle einen der gemeinsten Angriffe
       auf das jüdische Volk dar.
       Der Mittag vom 1. März 1960
       
       GLOBKE
       ======
       
       Niemandem wird man es verdenken können, wenn er Mitteilungen über
       eine  bevorstehende  Dokumenten-Veröffentlichung  skeptisch  auf-
       nimmt, die eine volle Rehabilitierung des Staatssekretärs im Bun-
       deskanzleramt, Dr.  Hans Globke,  bringen soll.  Angekündigt wird
       sie vom "amerikanischen Rat für Deutschland", einer weithin unbe-
       kannten Vereinigung. Die wichtigsten Gesichtspunkte dieser Apolo-
       gie finden sich in einer Leserzuschrift an die "New York Times".
       Sie reichen von der Behauptung, er sei niemals Mitglied der NSDAP
       gewesen, bis  zu der  andern, man  habe ihn seinerzeit als Wider-
       standskämpfer, vor allem im Auftrage der katholischen Kirche, für
       einen hohen  Posten in einer Nach-Hitlerregierung ausersehen. Das
       ist denn ja auch so gekommen. Sein berühmt-berüchtigter Kommentar
       zu den Nürnberger Rassegesetzen wird als der ehrliche Versuch be-
       zeichnet, diesen  Gesetzen soviel wie möglich von ihrer Bösartig-
       keit zu  nehmen. Namhafte  deutsche Persönlichkeiten wie Kardinal
       Preysing und Jakob Kaiser werden als Kronzeugen angeführt.
       Die Dokumente,  die man ankündigt, hätten längst vorgelegt werden
       sollen, wenn sie so überzeugend sind, denn Zweifel an der Sauber-
       keit der politischen Vergangenheit des Herrn Globke sind wirklich
       zahlreich und handfest genug geäußert worden. Es ist ein schlecht
       gewählter und  verdächtiger Zeitpunkt,  jetzt, im  Augenblick der
       schweren Angriffe  gegen die Durchsetzung der Bundesregierung und
       der hohen  Bürokratie mit  ehemals führenden Nationalsozialisten,
       damit herauszukommen.  Das sieht auffällig nach Ablenkungsmanöver
       und Alibisuche aus.
       Gewiß sind  schon früher private Äußerungen Unverdächtiger zugun-
       sten des  Verhaltens Globkes  in jener  Zeit laut geworden. Wahr-
       scheinlich hat  er wirklich  zu denen gehört, die auf zwei Schul-
       tern trugen.  Aus Hilfsbereitschaft  - aus Vorsicht, wer will das
       so ohne weiteres sagen?
       Erinnerlich ist, daß, als Globke vor drei Jahren den Kanzler nach
       den USA  begleiten wollte,  von drüben  deutlich abgewinkt wurde.
       Weshalb tat  man das,  wenn gegen  ihn so  gar nichts einzuwenden
       war, im Gegenteil, viel für ihn zu sprechen schien?
       Man wird also die Dokumente selbst und wahrscheinlich auch manche
       anderen Äußerungen  von berufener  Seite abwarten müssen, ehe man
       sich ein abschließendes Urteil bilden kann.
       Hannoversche Presse vom 1. März 1960
       
       MISSTRAUEN GEGEN BONN - KAUM VERWUNDERLICH!
       ===========================================
       
       Die Reaktion  der Adenauer-Regierung  auf die antisemitischen Ak-
       tionen hat  in der  Welt ein recht zwiespältiges Echo hervorgeru-
       fen. Es  war gar  zu einfach, als Urheber der antisemitischen Ak-
       tionen Moskau  zu bezeichnen,  und es war allzu billig, durch das
       Verbot einer rechtsradikalen Splitterpartei zu versuchen, die We-
       ste wieder  weiß zu machen. Demgegenüber ist Bonn damit belastet,
       daß als höchster Beamter und rechte Hand Adenauers immer noch je-
       ner Herr  Dr. Globke atmet, der im Dritten Reich die juristischen
       Kommentare für  die Judengesetze verfaßte. Er ist jener Mann, der
       den Naziverbrechen die Rechtsgrundlage lieferte. Immer noch atmet
       auch Herr  Oberländer in der Adenauer-Regierung als Minister. Ein
       alter Nazi,  der zahlreiche  Schriften für  den deutschen  Erobe-
       rungskrieg im  Osten verfaßte und der als Offizier mit der ersten
       deutschen Einheit  in Lemberg  "wirkte" -  zu einer Zeit, als man
       dort die  Juden "liquidierte".  Seit einiger Zeit reicht in West-
       deutschland ein  Student Strafklagen  gegen  hohe  Gerichtsbeamte
       ein, die  in den  Sondergerichten Hitlers  tätig waren.  Er wirft
       diesen Leuten vor, sie hätten unzählige Gefangene zum Tode verur-
       teilt und dem Henker überliefert, ohne ein ordentliches Verfahren
       durchzuführen. In  Bonn redet  man sich damit heraus, dieser Stu-
       dent beziehe  sein Material  aus der  Ostzone. Unbestritten  aber
       ist, daß  zahlreiche Gerichtsbeamte  im heutigen  Deutschland als
       Vorsitzende von  Hitlers Sondergerichten tätig waren und Tausende
       von Menschen  praktisch ermordeten.  Diese Nazi-Blutrichter haben
       in der  deutschen Bundesrepublik  noch Karriere  gemacht. Und  da
       wundert man  sich in  Bonn, daß im westlichen Lager Mißtrauen be-
       steht?
       Luzerner Neueste Nachrichten vom 12. März 1960
       
       740 000 DM FÜR WEHRWERBUNG
       ==========================
       
       Wie aus  sozialdemokratischer Quelle bekannt wurde, hat ein Beam-
       ter des  Bundespresseamtes vor dem Verteidigungsausschuß erklärt,
       daß die  "Arbeitsgemeinschaft Demokratischer  Kreise" allein  aus
       dem Wehrpropagandafonds  des Presseamtes einen Betrag von 740 000
       DM erhalten  hat. Die  Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise,
       die die  Bundesregierung publizistisch  unterstützt, ist  bereits
       seit Jahren ein politisches Streitobjekt. Es ist in Bonn kein Ge-
       heimnis, daß  ihre Tätigkeit auch von der Führung der Regierungs-
       parteien als ziemlich unwirksam mit Mißvergnügen beobachtet wird.
       Deutsche Zeitung vom 26. Februar 1960
       
       FRANK ALLAUN, MP: KEINE ATOMWAFFEN FÜR WESTDEUTSCHLAND
       ======================================================
       
       "Der größte  Wahnsinn besteht  darin, die ehemaligen Nazigenerale
       mit Atomwaffen  auszustatten. Westdeutschland wird jetzt mit kom-
       pletten Raketenbasen  ausgestattet, die  Fernlenkwaffen  wie  die
       'Mace' einschließen.  Die 'Mace' kann eine A-Bombe weit über 1200
       km ostwärts nach Rußland befördern - oder westwärts nach Großbri-
       tannien. Die  deutschen Streitkräfte  werden im  Gebrauch  dieser
       Waffen ausgebildet. Ich weiß nicht, ob das die Russen erschreckt.
       Aber, mein  Gott, es  erschreckt mich.  Das  deutsche  Volk  will
       ebenso den  Frieden wie  wir. Nach seinen furchtbaren Erfahrungen
       im letzten  Krieg waren ihm Militarismus und Hitlerismus schreck-
       lich geworden.
       
       RÜSTUNGS-AUFTRÄGE FÜR ATHEN
       ===========================
       
       Bundesverteidigungsminister Strauß  erklärte in  einem  Interview
       mit den  griechischen Zeitungen  Athens Daily Post und Makedonia,
       die Bundeswehr  werde in  Zukunft mehr Aufträge für Ausrüstung an
       die griechische  Industrie vergeben als bisher. Auf die Frage, ob
       die Bundesregierung  an der Ausbildung deutscher Streitkräfte auf
       griechischem Boden interessiert sei, antwortete der Minister, die
       Bundeswehr könne  den von  der Nato  geforderten Ausbildungsstand
       nur erreichen,  wenn ihr entsprechende Übungsplätze zur Verfügung
       ständen; diese  seien auf  deutschem Boden  nur teilweise  zu be-
       schaffen. Zwischen  der Bundesrepublik  und Griechenland  sei ein
       freundschaftlicher Besuchsaustausch von Flotten- und Flugzeugein-
       heiten zu erwarten.
       Deutsche Zeitung vom 9. März 1960
       
       STRAUSS VERGIBT MILLIARDEN FÜR FLUGZEUGBAU
       ==========================================
       
       Die seit  langem geplante gemeinschaftliche Produktion des ameri-
       kanischen Düsenjagdbombers  "Starfighter" in  der Bundesrepublik,
       den Niederlanden und Belgien steht bevor... Das Abkommen, das auf
       Initiative von  Bundesverteidigungsminister Strauß  zustande kam,
       erstreckt sich  auf die  Produktion und den Kauf von Ersatzteilen
       und Bodengeräten... Die Bundesrepublik wird einen Teil ihres Pro-
       duktionsprogramms, das  einen Milliardenwert  umfaßt, in  Belgien
       und in  den Niederlanden  ausführen lassen. Wie verlautet, sollen
       allein für  die belgische  Industrie deutsche Flugzeugaufträge im
       Wert von  rund 1,5  Milliarden Mark vergeben werden. Außer den 96
       "Starfightern", die  die Bundesrepublik  direkt aus  den USA  be-
       zieht, sieht das Nachbauprogramm 570 Maschinen dieses Typs vor...
       Westfälische Rundschau vom 7. März 1960
       
       WESTEN KANN RÜSTUNG KAUM NOCH BEZAHLEN
       ======================================
       
       Der Westen  habe sich mit der Atombewaffnung in eine Rüstung ein-
       gelassen, die von den Völkern des Westens nicht mehr bezahlt wer-
       den könne, stellte der französische Militärexperte Oberstleutnant
       Mischke vor Offizieren der Bundeswehr fest...
       Westfälische Rundschau vom 10. März 1960
       
       DAS FAZIT DER WIDERSPRÜCHE
       ==========================
       
       ...Bundesverteidigungsminister Strauß  sagte, seine  Streitkräfte
       brauchten feste  Plätze außerhalb des westdeutschen Territoriums;
       andernfalls müsse  das atlantische Oberkommando seine Anforderun-
       gen an die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr reduzieren. Denn einen
       Einbeinigen könne man nicht auf einen Marathonlauf schicken.
       Das heißt  man offen  geredet. Die Übereinstimmung zwischen Herrn
       Strauß, Herrn Schlamm und Herrn Norstad reicht offenbar doch wei-
       ter, als  jeder von  den dreien  bisher  zuzugeben  für  nützlich
       hielt. Mit  welcher Entrüstung  hat Bonn  noch vor einigen Wochen
       die Anschuldigungen  aus Ostberlin zurückgewiesen, in der Bundes-
       republik werde  ein Blitzkrieg  gegen die  DDR vorbereitet.  Nun:
       Herr Strauß  nennt es  einen Marathonlauf... Auch die Begründung,
       Westdeutschland sei  als Übungsplatz  zu klein, wird sofort zwei-
       felhaft: man braucht nur einen Blick auf die Karte von Westeuropa
       zu werfen.  Was sollen  andere Nato-Verbündete  sagen? Nicht  der
       Platz ist  zu klein:  die Pläne des Herrn Strauß sind zu groß! Es
       mag im übrigen sein, daß im Falle eines sowjetischen Angriffs auf
       Westeuropa, selbst  wenn er  ohne Atomwaffen  geführt würde,  die
       westliche Verteidigung  frühestens in Mittelfrankreich zum Stehen
       käme: Diese  Ausnahme, mit der das Bundesverteidigungsministerium
       seine  spanischen   Absichten  begründet,   widerlegt  aber  doch
       zugleich alles,  womit die westdeutsche Rüstung  z u m  Z w e c k
       d e r   V e r t e i d i g u n g   populär gemacht  werden sollte.
       ... Die selbstherrliche Auslassung von Herrn Strauß: ob er in Sa-
       chen Spanien  richtig oder  falsch gehandelt  habe, das werde die
       Geschichte zeigen.  - So sprechen Männer, die glauben, Geschichte
       zu machen.  Wir kennen  das. Sie berufen sich auf ihr Urteil, bis
       es gegen  sie fällt.  Dann allerdings  "hat die  Geschichte ihren
       Sinn verloren".  Zum letztenmal  widerfuhr uns  das vor  fünfzehn
       Jahren. Wenn  wir in  der Zwischenzeit gelernt hätten, daß wir es
       sind, die  die Geschichte  machen (auch  noch, indem  wir untätig
       bleiben und  sie von  anderen machen  lassen), dann  könnte  Herr
       Strauß nicht  jene abstrakte  Instanz anrufen, sondern wüßte, vor
       wem er sich zu verantworten hat: vor uns...
       Deutsche Woche Nr. 10
       
       DAS GROSSE WELTPROBLEM...
       =========================
       
       Franco hatte  Hitler um seine Hilfe gegen die spanische Regierung
       ersucht, die damals an der Macht war. Göring benutzte diese Gele-
       genheit, um  seine neue  Luftwaffe zu  erproben...  Das  war  ein
       ideales Ausbildungsterrain...  Und nun  sind wird wieder da ange-
       langt: Die  neue Luftwaffe  (die Adenauers,  nicht die  Görings),
       braucht genügend  Raum für  ihre Flüge, denn im Jahre 1962 werden
       etwa 1000  Jagdbomber des  modernsten Typs  das Eiserne Kreuz auf
       ihren Flügeln  tragen, und  sie werden in der Lage sein, Nuklear-
       bomben zu  transportieren...  W e r  k a n n  d a r a n  z w e i-
       f e l n,   d a ß   i n   f ü n f   J a h r e n   d a s  g r o ß e
       W e l t p r o b l e m   n i c h t   m e h r    d e    G a u l l e
       o d e r  C h r u s t s c h o w...,  s o n d e r n  D e u t s c h-
       l a n d,   D e u t s c h l a n d  ü b e r  a l l e s  h e i ß e n
       w i r d?
       Daily Mirror vom 26. Februar 1960
       
       WARUM WIR NICHT ABRÜSTEN KÖNNEN
       ===============================
       
       Wenn man,  wie es  Chrustschow vor  den Vereinten  Nationen  vor-
       schlug, die Waffen ganz abschafft, wird niemand 20 000 völlig un-
       bewaffnete, aber  wohlorganisierte Blauhemden von der sowjetzona-
       len FDJ  daran hindern  können, auf  Befehl Moskaus  oder Pankows
       über die  Zonengrenze zu  marschieren und Lüneburg zu "befreien".
       Mit diesem  Beispiel erläuterte  der frühere Gewerkschaftsfunkti-
       ondr Gerhard  Haas aus  Berlin vom Büro "Bonner Berichte" bei der
       Gesamtdeutschen Arbeitswoche die Meinung, daß der Weltkommunismus
       die Auseinandersetzung mit dem Westen auch dann sucht, wenn nicht
       geschossen wird.
       Landeszeitung Lüneburg vom 7. März 1960
       
       F.J. STRAUSS: OPFER BRINGEN...
       ==============================
       
       "Die Lösung all' dieser Aufgaben fordert von uns zweifellos große
       Opfer. Wir  müssen uns darüber im klaren sein, daß wir nicht jede
       Mark, die wir verdienen, auch verbrauchen dürfen, sondern manches
       vom Ertrag  unserer Arbeit  abzweigen müssen, wenn wir in Zukunft
       bestehen wollen.  Wir müssen  bereit sein, diesen Beitrag zu lei-
       sten, damit  in den kommenden Jahren die Staatsmänner des Westens
       am Verhandlungstisch  nicht unter den Druck militärischer und po-
       litischer Drohungen  geraten können.  Unsere Bereitschaft,  diese
       Lasten auf  uns zu nehmen, wird der Schlüssel sein, ob unsere be-
       rechtigten politischen und nationalen Ziele vertreten werden kön-
       nen, oder ob wir andernfalls, vom Tisch der Entscheidungen wegge-
       schoben, zum willenlosen Objekt gestempelt, in die Mühlsteine der
       Geschichte geraten."
       Der Schlesier vom 2. März 1960
       
       WOHIN STEUERN WIR?
       ==================
       
       In wenigen  Jahren wird  die Bundeswehr  fast so  stark  wie  die
       Streitkräfte Großbritanniens  sein. Sie wird sich dann auf starke
       Luft- und Seestreitkräfte stützen. Jetzt spricht man sogar davon,
       der Bundesrepublik  Atomwaffen zu geben. Bis 1965 könnte die Bun-
       desrepublik stärker  als jedes andere Nato-Land werden, ausgenom-
       men die Vereinigten Staaten.
       Mit Recht  fragen sich viele Deutsche heute: "Wohin steuern wir?"
       Der 84jährige  Bundeskanzler Dr.  Adenauer jedoch  sagt es  ihnen
       leider nicht.  Der "Alte" schmiedet stattdessen an der Verwirkli-
       chung seines  Traumes weiter.  Dieser Traum  ist eine Bundesrepu-
       blik, die machtvoll genug ist, den westlichen Verbündeten zu zei-
       gen, daß  sich Adenauer  sehr wohl entschließen könnte, selbst zu
       handeln, wenn  der Westen keine feste Haltung in der Berlin-Frage
       und zur  Wiedervereinigung der  Bundesrepublik und der Sowjetzone
       zeigen sollte.
       Daily Herald vom 16. März 1960
       
       ATOMRAKETEN IN DER BUNDESREPUBLIK
       =================================
       
       Die  Möglichkeit  des  Ost-Einsatzes  von  "Polaris"-Atom-Mittel-
       streckenraketen von  westdeutschem Boden  aus hat  der US-Marine-
       Stabschef, Admiral  Arleigh  Burke,  dem  amerikanischen  Kongreß
       angekündigt. Die  "Polaris", die je Stück etwa anderthalb Millio-
       nen  Dollar  oder  rund  6,3  Millionen  DM  kostet,  wird  durch
       Festtriebstoff bewegt  ... Admiral  Burke betonte  noch, daß  die
       Möglichkeit des  Einsatzes der "Polaris" außer von Eisenbahnwagen
       auch von  Spezialkraftwagen, von "unschuldig aussehenden" Fracht-
       dampfern oder von Kreuzern aus gegeben sei...
       Westfälische Rundschau vom 2. März 1960
       
       SCHÜLER FUHREN ZU HEERES-SKIMEISTERSCHAFTEN
       ===========================================
       
       Soll und  darf die  Schulverwaltung dulden, daß 14- bis 18jährige
       Schüler zu  Ausflügen "abkommandiert" werden, die der Werbung für
       die Bundeswehr  dienen? Diese Frage bewegt in Bayern zur Zeit die
       Gemüter von Politikern und Erziehern..
       Den Anlaß  gab das  "Unternehmen Mittenwald". In zwei Sonderzügen
       waren einige  hundert Gymnasiasten,  Volks-, Berufs-  und Mittel-
       schüler aus  München und  Umgebung während der Unterrichtszeit zu
       den Heeres-Skimeisterschaften  nach Mittenwald  gefahren  worden.
       Fahrt und  Verpflegung bezahlte  das  Bundesverteidigungsministe-
       rium.
       Bayerns Kultusminister,  Prof. Dr.  Maunz,  hatte  zwei  Tage  zu
       "schulfreien Wandertagen"  erklärt. Während  den meisten Schülern
       die Abwechslung  willkommen war,  erinnern sich  viele Eltern mit
       Mißvergnügen daran, daß das Kultusministerium ähnlichen Wünschen,
       etwa den  23. Dezember schulfrei zu geben, stets energisch wider-
       sprach.
       Kölner Stadtanzeiger vom 25. Februar 1960
       
       1500 DM FÜR OBERZAHLMEISTERUNIFORM
       ==================================
       
       Die Lastenausgleichsbehörden  haben für  die in  den Kriegswirren
       verlorengegangene Uniform  eines  Oberzahlmeisters  1500  DM  als
       Schadenersatz anerkannt,  für die Uniform eines Oberleutnants und
       eines Oberstarztes gar mehr als 1600 DM.
       Einigkeit, Organ der Gewerkschaft NGG, vom 15. März 1960
       
       RADIOAKTIVITÄT STIEG
       ====================
       
       Regen mit  einer 28fachen  Radioaktivität gegenüber der Norm fiel
       in Westjapan.  Wie das japanische Wetteramt bekanntgab, haben die
       Messungen 1200  bis 2800  Meßeinheiten an Radioaktivität ergeben,
       während die  Norm vor dem französischen Atomversuch in der Sahara
       ungefähr 100 Einheiten betragen habe.
       Die Welt vom 3. März 1960
       
       KIND OHNE GEHIRN
       ================
       
       In Nagasaki  ist ein Kind ohne Gehirn geboren worden. Die Eltern,
       ein 30jähriger Büroangestellter und seine 28 Jahre alte Frau, wa-
       ren bei der Explosion der Atombombe in Nagasaki 1945 radioaktiven
       Strahlungen ausgesetzt gewesen.
       Westfälische Rundschau vom 15. März 1960
       
       "SAGE MIR, MIT WEM DUR UMGEHST..."
       ==================================
       
       Jedes Kind  weiß, daß  Spanien kein  demokratisch regierter Staat
       ist, daß dort Oppositionelle aller Schattierungen, einschließlich
       Linkskatholiken, nur ihrer Überzeugung wegen an den Galgen kommen
       oder ins Zuchthaus geworfen werden. Abgesehen davon ist es in der
       ganzen Welt  noch in guter Erinnerung, daß einst Hitler durch die
       Entsendung der berüchtigten "Legion Condor" dem gleichen Diktator
       Franco zum  Siege über  die republikanischen Truppen verhalf, von
       dem Strauß  heute Stützpunkte  erbittet. Der  Einsatz der "Legion
       Condor" in  Spanien war  für Hitler  die Generalprobe zum zweiten
       Weltkrieg. All  diese peinlichen  Reminiszenzen sind  nun  wieder
       wach geworden  - zum  Schaden der Bundesrepublik und jener Ziele,
       welche die Regierung in Bonn als die ihren deklariert hat. Strauß
       hat offenbar  vergessen, daß  der Satz  "Sage mir, mit wem du um-
       gehst, und ich sage dir, wer du bist" auch in der Politik gilt.
       Oberfränkische Volkszeitung vom 25. Februar 1960
       
       ZUR PERSONALPOLITIK OBERLÄNDERS
       ===============================
       
       Während nach  dem neuesten Stand der Dinge wieder fraglich gewor-
       den ist,  ob die  Bonner Staatsanwaltschaft  beantragen wird, die
       Immunität Oberländers  aufzuheben, gerät  in zunehmendem Maße die
       Personalpolitik des  Ministers in  das Licht  der kritischen  Be-
       leuchtung. Die sich auf dieses Thema beziehenden Vorwürfe konzen-
       trieren sich darauf, daß Oberländer Vertraute aus der Nazizeit in
       hohe Stellungen seines Ministeriums eingeschleust hat.
       Das Organ  des DGB,  "Welt der  Arbeit", stellte  dieser Tage die
       folgende Liste auf:
       Werner Ventzki,  seit 1931 Mitglied der NSDAP, Personalamtsleiter
       der Kreisleitung  Stettin, ab  8. Mai  1941 Oberbürgermeister von
       Lodz, mit  dem Goldenen Parteiabzeichen ausgezeichnet, Reichsred-
       ner.
       Ventzki leitet heute als Oberregierungsrat die Berliner Abteilung
       des Bundesministeriums für Vertriebene.
       Eine bezeichnende  Passage über  diesen Mann findet sich übrigens
       in Gerald  Reitlingers Buch  "Die Endlösung". Es heißt: "Im glei-
       chen Monat  beschwerte sich Oberbürgermeister Ventzki, daß nur 80
       von Hundert  der Ausgaben  für das  Ghetto (von Lodz), das damals
       140 000 Bewohner hatte, durch Arbeit abgezahlt würden. Wie war es
       um diese  allgemeine Arbeitsverpflichtung bestellt? In Lodz star-
       ben 8  vH der  Juden an Hunger in einem Jahr, und doch deckte die
       Arbeit nur 80 vH der Ghetto-Kosten."
       Dr. Goldschmidt,  stellvertretender Volksgruppenführer in Ungarn,
       leitete dort  die Gleichschaltung  der  Kulturorganisationen  und
       Zeitungen. Heute  ist Dr.  Goldschmidt Leiter  der Abteilung Aus-
       landsvertriebene in Oberländers Ministerium.
       Dr. Wolfrum, SS-Sturmführer, jetzt Leiter der Abteilung Wohnungs-
       bau im Bundesvertriebenenministertum.
       Dr. Schlicker,  ehemaliger SA-Führer  und während der NS-Zeit Re-
       dakteur der "Dresdner Neuesten Nachrichten", jetzt Pressereferent
       im Ministerium.
       Dr. Krischker,  Bürgermeister in der NS-Zeit, Mitglied der NSDAP,
       jetzt Personalreferent in Oberlfinders Ministerium.
       Dr. Essen,  im Dritten  Reich im Reichsinnenministerium tätig und
       Mitarbeiter der NS-Ostpolitik, von Oberländer zum Leiter der Sta-
       tistischen Abteilung seines Ministeriums ernannt.
       Diese Liste erübrigt jeden Kommentar. Sie ist eine beredte Ergän-
       zung des  Falles OberIänder,  der wie eine schleichende Krankheit
       am Ansehen  der Bundesrepublik und an der Glaubwürdigkeit unserer
       demokratischen Ordnung zehrt.
       Telegraf vom 5. März 1960
       
       IN BAGDAD GIBT ES ZWEI DEUTSCHLAND
       ==================================
       
       "Wünschen Sie  die ost- oder westdeutsche Botschaft?", fragt mich
       das Fräulein  von der Vermittlung im Hotel in Bagdad. "Es gibt in
       Bagdad nur  eine deutsche Botschaft", antwortete ich und bin neu-
       gierig, was  sie jetzt  sagen  wird.  "Aber  es  gibt  doch  zwei
       Deutschland", erwiderte  sie etwas ratlos. Offenbar wird die Han-
       delsvertretung der  Zone, die  in der  Irakischen Republik um ein
       Mehrfaches stärker  besetzt ist als die Botschaft der Bundesrepu-
       blik, hier  einfach auch Botschaft genannt. Es wäre wohl auch et-
       was viel  verlangt, wenn  man vom  Hotelpersonal und  Taxifahrern
       eine genaue Kenntnis der Unterschiede zwischen diplomatischen und
       Handelsvertretungen erwarten  würde. Für  sie gibt  es in  Bagdad
       zwei Deutschland,  und schon der erste Gang durch die Stadt Harun
       Al Raschids zeigt, daß hier beide anwesend sind.
       Saarbrücker Allgemeine Zeitung vom 24. Februar 1960
       
       "VOR DEM SIEG VERHANDELT MAN NICHT"
       ===================================
       
       Nicht erst seit der Weimarer Republik ist die deutsche Geschichte
       reich an  Beispielen für solche Staatsmänner, die politische Ent-
       wicklungen bewußt  bis zum  Äußersten trieben, um dann - im Höhe-
       punkt der Krise - eine bemerkenswerte Entschlußunfähigkeit an den
       Tag zu  legen. Der bekannte Göttinger Theologe Professor Wolfgang
       Trillhaas erinnerte  dazu in Tutzing an jene Friedensangebote der
       späteren Sieger,  die im  ersten Weltkrieg von der deutschen Füh-
       rung verworfen  wurden. "Vor dem Sieg verhandelt man nicht", lau-
       tete die  Durchhaltoparole, mit  der man  diejenigen in  Acht und
       Bann tat,  die solche  Angebote ernsthaft  zu diskutieren wagten.
       Diese Geisteshaltung  setzte sich fort in der erwähnten Diskrimi-
       nierung der  Weimarer Republik  und mündete  schließlich  in  die
       grausige "Endsieg"-Tragödie  des Dritten  Reiches. Das "Wollt ihr
       den totalen  Krieg" eines  Goebbels war  die klassische Absage an
       jeden Versuch, um des Gemeinwohles willen nach einem Kompromiß in
       letzter Stunde  zu suchen. "Wie zur Bestätigung dieser ganzen hi-
       storischen Linie haben wir nach dem zweiten Weltkrieg noch keinen
       Friedensvertrag", erklärte  Trillhaus. "Ebenso  ungelöst ist  die
       Ostfrage. Wehe  dem, der  an dieses  Problem rührt. Er setzt sich
       den schlimmsten Verdächtigungen aus."
       Stuttgarter Nachrichten vom 2. März 1960
       
       POLNISCHER KATHOLIK ANTWORTET ADENAUER
       ======================================
       
       Der polnische  Staatsrat Zawiejski, Mitglied der Fraktion der ka-
       tholischen Znak im Parlament, Freund des Kardinals Wyszynski - so
       bemerkte die  "Frankfurter Allgemeine"  in einem Bericht -, griff
       Adenauers Bekenntnis  zu einem Rettungsauftrag des deutschen Vol-
       kes auf, das er vor dem Papst in Rom abgelegt hatte. Dr. Adenauer
       sagte: "Ich  glaube, daß  Gott dem deutschen Volk in den jetzigen
       stürmischen Zeitläufen  eine besondere Aufgabe gegeben hat, Hüter
       zu sein  für den  Westen gegen  jene mächtigen Einflüsse, die vom
       Osten her auf uns einwirken."
       Der polnische  katholische Abgeordnete  antwortete dem  deutschen
       katholischen  Regierungsoberhaupt   darauf:  "Gegenüber   unserer
       höchsten religiösen Autorität wurden Worte gesprochen, welche die
       Gefühle der Gläubigen in aller Welt erregen müssen. Wir haben er-
       fahren, daß  Gott dem  deutschen Volke  eine besondere Mission im
       Kampf zwischen  Osten und  Westen anvertraut habe. Zum ersten ist
       das ein  eitler Gebrauch  des Namens  Gottes, zum  zweiten ist es
       eine falsche Anmaßung im Namen eines Volkes. Gläubige wissen, daß
       Gott jedem  Menschen und  jedem Volke  einen Auftrag gegeben hat,
       der im Gebot der Liebe besteht. Daraus ist eine konkrete, prakti-
       sche Mission abzuleiten: Das Gute, das Anständige, Würdevolle und
       Gerechte. Das  allein ist  unsere Aufgabe, und zwar nicht nur für
       die eigene Nation, sondern gegenüber allen Menschen. Der Sinn des
       Wortes Mission  im Munde von Kanzler Adenauer aber ist eindeutig:
       Die Bundesregierung stellt sich gegen die Politik der Entspannung
       und ist für eine Verschärfung der internationalen Lage."
       Westdeutsches Tageblatt vom 27. Februar 1960
       
       ÜBERSIEDLER IN DIE DDR
       ======================
       
       Man hat  bisher den  ostdeutschen Meldungen über einen steigenden
       Auswandererstrom aus  der Bundesrepublik  nach der DDR nicht son-
       derlich viel  Glauben geschenkt.  Nun hat  sich der Bonner Korre-
       spondent der "New York Harald Tribune", Gaston Coblentz, die Mühe
       gemacht, der  Sache auf den Grund zu gehen. Er hat die DDR-Behör-
       den um die Erlaubnis gefragt, eines der ostdeutschen Auffanglager
       an der  Zonengrenze besichtigen  zu dürfen. Und siehe da: sie be-
       willigten es  ihm. Coblentz erhielt die Erlaubnis, das Auffangla-
       ger Blankenfelde bei Ostberlin zu besuchen, das etwa 300 Personen
       fassen kann.  Durch dieses  Zentrum allein  sind in den ersten 60
       Tagen dieses  Jahres gegen  1000 Menschen  gegangen, die  aus der
       Bundesrepublik nach  der DDR übersiedelten. Insgesamt sollen rund
       7500  Bundesdeutsche   dieses  Jahr   schon  hinübergezogen  sein
       (verglichen mit  20 000 DDR-Bewohnern,  die sich  in  umgekehrter
       Richtung absetzten). Die Hälfte dieser Auswanderer sind Deutsche,
       die sich  noch nie  in der DDR aufhielten. Die andere Hälfte sind
       sogenannte "Rückwanderer": Menschen, die irgendeinmal in die Bun-
       desrepublik flüchteten,  dort die  Verhältnisse nicht  so fanden,
       wie sie  sich das  vorgestellt hatten, und dann wieder in die DDR
       zurückkehrten. Rund  die Hälfte  der Neuankömmlinge  auf ostdeut-
       schem Boden sind Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren.
       Das Ergebnis  der Coblentz'schen Nachforschungen ist hochinteres-
       sant. Es  zeigt, daß  die Gegenströmung von West nach Ost bereits
       kräftig in  Gang gekommen  ist. Darin  spiegelt sich  ein äußerst
       komplexer Sachverhalt:  allmähliche Steigerung  des Lebensniveaus
       in der  DDR, mangelnde  Hilfsbereitschaft in  der Bundesrepublik,
       politische Gleichgültigkeit.  Man wird dem Phänomen der deutschen
       Wanderströme in Zukunft große Aufmerksamkeit widmen müssen.
       Die Tat, Zürich, vom 6. März 1960
       
       PROFESSOREN NACH LEIPZIG
       ========================
       
       Der Rektor der Heidelberger Universität, Professor Hahn, wird zu-
       sammen mit zehn Professoren aus verschiedenen Fachgebieten am 28.
       März auf Einladung des Rektors der Universität Leipzig, Professor
       Mayer, zu  einem viertägigen  Besuch nach  Leipzig reisen. Es ist
       der erste  offizielle Besuch des Rektors einer westdeutschen Uni-
       versität in  der Sowjetzone.  Die Heidelberger Professoren sollen
       jeweils eine  Vorlesung aus  ihrem Fachgebiet  vor der  Leipziger
       Studentenschaft halten.
       Deutsche Zeitung vom 16. März 1960
       
       REYNAUD GLAUBT NICHT AN WIEDERVEREINIGUNG
       =========================================
       
       Der ehemalige  französische Ministerpräsident Paul Reynaud beant-
       wortete am  Donnerstag die Frage, ob er an eine Wiedervereinigung
       Deutschlands glaube, mit einem klaren "Nein".
       In einem  Interview mit der Zeitung "Combat" erinnerte Reynaud an
       sein Gespräch,  das er  vor einigen Wochen mit Chrustschow hatte.
       Chrustschow habe  ihm wörtlich erklärt: "Ich werde niemals erlau-
       ben, daß man mir gegenüber von der Wiedervereinigung Deutschlands
       spricht. Diese  Frage interessiert  nur die beiden Teile Deutsch-
       lands."
       Auf die Frage des Vertreters von "Combat", ob dies alles sei, was
       er (Reynaud) zu diesem Thema zu sagen habe, entgegnete der ehema-
       lige französische  Ministerpräsident: "Nein, denn Chrustschow hat
       noch hinzugefügt:  '...und im  übrigen macht  euch dieser Zustand
       Vergnügen'".
       Die Welt vom 25. Februar 1960
       
       ACHENBACH: VERHANDELN
       =====================
       
       Leidenschaftlich setzte  sich Achenbach  für den  Plan der Freien
       Demokraten ein,  Delegationen der  Bundesrepublik  und  der  Zone
       sollten Verhandlungen  im Auftrage der vier Mächte über den Modus
       freier Wahlen  in ganz  Deutschland führen. "Das illegale SED-Re-
       gime erkennen wir auch nicht an, das hat damit nichts zu tun."
       Müller-Hermann: "Die  Opposition ist eben leichtfertig in der Be-
       urteilung der Sowjets."
       Achenbach protestierte: "Wir halten den Kreml für genauso gefähr-
       lich wie Sie. Nur überlegen wir, wie wir mit ihm sprechen können,
       wie wir  ihm unseren  Standpunkt klarmachen können. - Schließlich
       hat die  Bundesregierung ja den Plan der FDP für Auftragsverhand-
       lungen akzeptiert."
       Müller-Hermann: "Da bin ich aber erstaunt."
       Achenbach: "Na,  da erkundigen  Sie sich  doch mal. Denken Sie an
       den Herter-Plan."
       Großen Beifall  erntete Achenbach  für seine  ironische Feststel-
       lung: "Sie  wollen doch,  wenn Sie meinen, die Sowjets müßten die
       Zonenregierung fallen  lassen, als erste Bedingung aller Verhand-
       lungen, daß  sich die  Russen selbst  ohrfeigen. Das tun sie aber
       nicht."
       Müller-Hermann schien nicht darauf eingehen zu wollen, was Achen-
       bach immer wieder hervorhob: Die FDP wolle Auftragsverhandlungen,
       nicht das,  was man  disqualifizierend als  "Gespräch mit Pankow"
       bezeichne. So  mußte der  CDU-Mann hinnehmen, daß die Zuhörer an-
       haltend zischten,  als er seine These wiederholte: "Verhandlungen
       mit Pankow sind ein Schritt zur Kapitulation!"
       Die Welt vom 23. Februar 1960
       
       ANTI-ATOM-DEMONSTRATION
       =======================
       
       Über zweihundert  Anhänger der  "Internationale der Kriegsdienst-
       gegner" haben  am Samstag  mit einem Schweigemarsch durch Bad Go-
       desberg gegen  die Atombombenversuche  in aller Welt protestiert.
       ... Die Demonstranten trugen schwarze Fahnen, Fackeln und Spruch-
       bänder in  englischer, französischer,  russischer  und  deutscher
       Sprache, auf  denen zu lesen stand: "Hört auf Albert Schweitzer",
       "Du sollst  nicht töten", "Blutkrebs", "Atomraketen - der Weg ins
       eigene Grab",  "Rien ne  va plus".  Als eine Abordnung der Demon-
       stranten, mit  dem als  "Atomarzt" bekannten  Dr. Sigmund Schmidt
       aus Voerden an der Spitze, ein Protestschreiben bei dem französi-
       schen Botschafter Seydoux abgeben wollten, wurde sie trotz hefti-
       ger Proteste von den Pförtnern der Botschaft nicht vorgelassen.
       Deutsche Zeitung vom 7. März 1960
       
       65 000 KLASSENZIMMER FEHLEN
       ===========================
       
       In der  Bundesrepublik fehlen  zum Beispiel  65 000 Klassenzimmer
       und 53 000  Lehrer. Das erklärte Professor Dr. Hans Wenke auf der
       dritten Arbeitstagung  der Friedrich  Naumann-Stiftung in  Schwä-
       bisch-Hall. Zwei  nüchterne, wenn auch erschreckend hohe Ziffern,
       die eines  deutlich machen, den Bildungsnotstand. 65 000 Klassen-
       zimmer, 53 000  Lehrer zu  wenig, das  heißt:  Schichtunterricht,
       überfüllte Klassen,  überforderte Lehrer,  kein 9. und 10. Schul-
       jahr. Das  heißt aber  auch: Unterricht in Kellerräumen, Waschkü-
       chen, Baracken,  oft luft- und lichtlosen Löchern. All das bedeu-
       tet es "nur" für die Gegenwart. Auf die Zukunft übertragen, besa-
       gen die  Zahlen: mangelhafte  Schulbildung. Und  dies bereits auf
       der Grundstufe,  auf der  dann Mittelstufen- und Hochschulbildung
       aufbauen sollen.
       Fränkische Presse vom 23. Januar 1960
       
       BONN WILL ALGERIER AN DIE KETTE LEGEN
       =====================================
       
       Das Auswärtige  Amt hat eine Intervention gegen das Asyl der FLN,
       der Bonner  Vertretung der algerischen Exilregierung, in den Räu-
       men der tunesischen Botschaft in Bad Godesberg bestätigt. Es ver-
       sichert jedoch, man wolle die FLN damit keineswegs in der Bundes-
       republik verbieten oder auflösen, sondern lediglich entpolitisie-
       ren. Die Organisation solle sich vielmehr gemäß den Verpflichtun-
       gen aus einem gewährten Asylrecht auf soziale und karitative Auf-
       gaben beschränken.  Jedenfalls könne die Bundesregierung eine po-
       litische Tätigkeit,  die sich  naturgemäß durchweg gegen eine mit
       der Bundesrepublik  verbündeten Macht  (Frankreich) richte, nicht
       weiter  billigen.   Ausdrücklich  bestritt   der  Sprecher,   daß
       Frankreich um  diese Intervention gebeten habe. Tunesien hat bis-
       her noch  nicht auf  diesen amtlichen Schritt der Bundesregierung
       reagiert. Parlamentarische  Kreise sehen  in der  Intervention in
       erster Linie  einen Versuch,  bei den algerischen Flüchtlingen im
       Bundesgebiet eine politische "Enthaltsamkeit" zu erzwingen.
       Kölner Stadtanzeiger vom 15. März 1960
       
       DEUTSCHER RASSISMUS
       ===================
       
       Warum nimmt  die Bundesregierung  nicht die gleiche Haltung gegen
       die Banden  der französischen "Roten Hand" und deren Aktivität in
       der Bundesrepublik  ein? Hier  und in  ganz Afrika  bewundern wir
       Deutschland wegen  seiner Vitalität und seiner schöpferischen En-
       ergie und  wünschen, daß  unsere  Beziehungen  mit  diesem  Lande
       freundschaftlich sind.
       Aber jetzt,  wo wir  sehen, daß  sich Deutschland in dieser Weise
       gegen uns  wendet, müssen  wir unsere  Haltung und unsere Gefühle
       ändern, weil  an diesem Fall erkennbar wird, daß Deutschland sich
       weiterhin zum Rassismus bekennt, von dem wir glaubten, er sei mit
       Hitler und den Nazis verschwunden.
       As Sabah, unabhängige tunesische Zeitung, vom 15. März 1960
       
       DIE MARK NOCH 80 PFENNIG WERT
       =============================
       
       Bundesfinanzminister Etzel  ist nach  seinen gestrigen Äußerungen
       vor der  Industrie- und  Handelskammer zu Düsseldorf auch künftig
       entschlossen, mit seiner Finanzpolitik "am Rande des Defizits" zu
       wandeln, wenngleich "über der Entwicklung der Bundesfinanzen dun-
       kle Wolken hängen". Er wollte nicht das häßliche Wort "Inflation"
       gebrauchen, gab  jedoch zu,  daß die Kaufkraft der Deutschen Mark
       seit 1950  um rund  ein Fünftel zurückgegangen ist. ... "Im Jahre
       1961 wird für die Verteidigung wahrscheinlich eine weitere Milli-
       arde Mark  hinzukommen. Und  was dann  kommt, ist eine unbekannte
       Größe."
       Der Mittag vom 11. März 1960
       
       BESSERE DDR-BEZIEHUNGEN ZU LONDON?
       ==================================
       
       Für bessere  Beziehungen zwischen  der Sowjetzone und Großbritan-
       nien sollen sich auch die konservativen britischen Unterhausabge-
       ordneten G.B.  Drayson und C.L. Clarke während ihres Besuches der
       Leipziger Messe  eingesetzt haben.  Präsident Dr. Johannes Dieck-
       mann und andere Mitglieder der Volkskammer diskutierten ebenfalls
       mit französischen  und britischen  Parlamentariern, die  sich  in
       Leipzig aufhalten.
       Westdeutsches Tageblatt vom 7. März 1960
       
       VORWAND
       =======
       
       Die Reise nach Tokio ist nur ein Vorwand, um in Washington vorzu-
       sprechen. Da  eine offizielle  Einladung nicht  erfolgte und auch
       nicht zu erwarten war, wählte Bonn die Stippvisite, die es beiden
       Seiten ermöglicht, unerfreulichen Kommentaren aus dem Wege zu ge-
       hen.
       Bremer Bürgerzeitung vom 5. März 1960
       
       DIE VERSORGUNG NACH DEM 131ER-GESETZ
       ====================================
       
       Nach den  Bestimmungen des  131er-Gesetzes werden zur Zeit in der
       Bundesrepublik 184 327  Personen versorgt.  Für  diese  steht  im
       Haushalt  des   Bundes  für   das  Jahr   1960  der   Betrag  von
       1 019 705 000 Mark bereit.
       Das ergibt  einen Durchschnittsbetrag von über 5500 Mark pro Per-
       son und Jahr.
       Die Witwe  eines im  KZ ermordeten  Widerstandskämpfers erhält in
       der Regel 2400 DM Rente im Jahr!
       Den Löwenanteil  aus der  für die Versorgung der 131er zur Verfü-
       gung gestellten Summe beanspruchen die im Nazireich führenden und
       somit verantwortlichen Militärs und Staatsbeamten.
       Es werden versorgt:
       Insgesamt 1551 ehemalige Generale und Generalswitwen, darunter
       75 Generalfeldmarschälle und Generalobersten sowie 63 Witwen,
       120 Generalleutnante und 104 Witwen,
       2711 Obersten bzw. deren Witwen.
       Ferner erhalten Bezüge nach dem 131er-Gesetz:
       67 ehemalige Ministerialdirigenten und Gesandte sowie 174 Witwen,
       777 Ministerialräte und 742 Witwen.
       Die höchste  Pension für  einen ehemaligen Staatssekretär beträgt
       2700 DM monatlich.
       1551 Generale  der Nazi-Wehrmacht  oder deren Witwen erhalten mo-
       natlich Pensionen  von 2000 Mark und mehr... Frau Freisler, Witwe
       des Präsidenten  des Volksgerichtshofes,  erhält eine  monatliche
       Pension von 1000 DM.
       Die Tat vom 27. Februar 1960
       
       BEZAHLUNG DER ANGEHÖRIGEN DER BUNDESWEHR
       ========================================
       
       Es erhalten:
       zwei Generale der Bundeswehr je 39 600 DM Grundgehalt,
       neun Generalleutnante je 31 380 DM Grundgehalt,
       37 Generalmajore je 28 000 DM,
       92 Brigadegenerale je 24 000 DM,
       625 Obersten mehr als 12 612 DM bis 20 820 DM,
       1776 Oberstleutnante 10 998 DM bis 16 200 DM.
       Die Tat vom 27. Februar 1960
       
       CDU: MIT BLUT UND EISEN
       =======================
       
       Wie sehr  die  kriegshetzerischen  Reden  des  Austro-Amerikaners
       Schlamm die  Köpfe verwirren,  bewies der  CDU-Vertreter in einer
       Versammlung Jugendlicher  in Roßbach, in der für die FDP die Bun-
       destagsabgeordnete Frau Friese-Korn und für die SPD Bundestagsab-
       geordneter Iwen  sprachen. CDU-Ortsvorsitzender  Schenk  erklärte
       den Jugendlichen:  "Wir von  der CDU  sind der Auffassung: Berlin
       kann nur mit Blut und Eisen zurückgeholt werden."
       Das freie Wort vom 20. Februar 1960
       
       DDR ANERKENNEN
       ==============
       
       Der Abgeordnete Shinwell sagte, England sollte die Sowjetzone an-
       erkennen: "Dr.  Adenauer würde wütend sein, die Amerikaner würden
       auch wütend sein, aber warum sollten wir nicht gelegentlich unse-
       ren eigenen Weg einschlagen? Außerdem sollten wir Westdeutschland
       sagen, daß  es zu  einer Verständigung  mit Ostdeutschland kommen
       muß."
       Deutsche Zeitung vom 17. Februar 1960
       
       STRAUSS BRINGT EIGENE ILLUSTRIERTE HERAUS
       =========================================
       
       612 000 DM Steuergelder allein im Jahre 1960 darf Bundesverteidi-
       gungsminister Strauß  für seine illustrierte Zeitschrift "Visier"
       ausgeben, die alle 14 Tage in einem Kölner Verlag erscheinen soll
       und von  der das Strauß-Ministerium 30 000 Exemplare kostenlos an
       die Soldaten  der Bundeswehr  verteilen will.  Die  Mehrheit  des
       Haushaltsausschusses des  Bundestages bewilligte diese 612 000 DM
       gegen den heftigsten Widerstand der SPD-Vertreter.
       Westfälische Rundschau vom 18. März 1960
       

       zurück