Quelle: Blätter 1960 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       WEITERE DOKUMENTE ZUM "FALL DEMOKRATIE"
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       Im nachfolgenden  setzen wir  unsere Dokumentation über die Reso-
       nanz der öffentlichkeit zur Entfernung von Frau Prof. Dr. Riemeck
       aus dem Prüfungsamt durch den nordrhein-westfälischen Kultusmini-
       ster fort. D. Red.
       
       187 Professoren und Dozenten schlossen sich der Protesterklärung
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       namhafter Persönlichkeiten an die deutsche Öffentlichkeit an
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       Der Kultusminister von Nordrhein-Westfalen hat Frau Professor Dr.
       Renate Riemeck kurzfristig, wenige Stunden vor den Prüfungen, aus
       ihrem Prüfungsamt  entfernt. Dieses  Vorgehen des  Ministers  ist
       ganz klar  aus politischen  Motiven, nicht aus sachlichen Gründen
       erfolgt. Der  Vorgang ist charakteristisch für die fatale politi-
       sche Entwicklung,  die seit längerem in der Bundesrepublik einge-
       treten ist.  Die Unterzeichner  geben im Bewußtsein ihrer staats-
       bürgerlichen Verantwortung hierzu folgende Erklärung ab:
       Als das  totalitäre System  des  Nationalsozialismus  im  zweiten
       Weltkrieg zerbrach,  schien der Weg für eine freiheitliche, demo-
       kratische Neugestaltung  in Deutschland  offen.  Grundgesetz  und
       Länderverfassungen der  Bundesrepublik haben eine solche staatli-
       che Ordnung  der Freiheit  statuiert. Im  Gegensatz hierzu suchen
       staatliche Machtfaktoren  in zunehmendem Maße politisch nichtkon-
       formistische  Haltungen  und  Äußerungen  von  Staatsbürgern  mit
       nichtverfassungsmäßigen, scheinlegalen  Mitteln auszuschalten und
       beteiligte  Persönlichkeiten  einzuschüchtern  und  mattzusetzen.
       Diese Methode  verstößt in flagranter Weise gegen die freiheitli-
       che demokratische  Grundordnung, die  die ehernen Grundrechte der
       freien Meinungsbildung  und Meinungsäußerung und der Freiheit von
       Forschung und  Lehre garantiert. Gänzlich unhaltbar sind die Ver-
       suche, durch Verwaltungsanordnungen oder durch Disziplinarverfah-
       ren im  Widerspruch zu den Vorschriften des Grundgesetzes und der
       Länderverfassungen für  Staatsbürger im öffentlichen Dienst einen
       Verfassungsstatus minderen  Rechts einzuführen  oder das akademi-
       sche Leben politisch gleichzuschalten.
       Aus ihrem  Gewissen heraus erheben die Unterzeichner ihre Stimme.
       Sie warnen, auf dem eingeschlagenen verhängnisvollen Wege fortzu-
       schreiten. Die  Lehren der  kaum hinter uns liegenden furchtbaren
       Vergangenheit können  und dürfen  nicht vergessen werden. Die ge-
       wissenhafte Beachtung  der Normen einer freiheitlichen demokrati-
       schen Grundordnung  und die  unverbrüchliche Treue  zu ihr bilden
       die unerläßliche  Voraussetzung dafür,  daß der Sinneswandel, die
       Metanoia der Deutschen, glaubwürdig in Erscheinung tritt, daß die
       nationalsozialistische  Vergangenheit  überwunden  und  bewältigt
       wird und nicht in neuen Formen wiederersteht, und daß nicht durch
       die innenpolitische Entwicklung im Ausland erneut Mißtrauen, Arg-
       wohn und  Feindseligkeit erweckt  werden. Der Kampf ums Recht er-
       fordert, daß jeder das Unrecht, das einem anderen, gleichviel von
       wem, zugefügt wird, als ein ihm selbst widerfahrenes Unrecht emp-
       findet und sich mit dem Angegriffenen, Verfolgten oder Geschädig-
       ten in der Verteidigung solidarisch fühlt.
       In diesem  Sinne appellieren  die Unterzeichner  an die  in ihrer
       zweifelsohne großen  Mehrheit freiheitlich  gesinnte deutsche Öf-
       fentlichkeit. Es  muß den  Anfängen gewehrt  werden. Noch  ist es
       Zeit.
       
       Die Unterzeichner:
       Staatsminister i.R.  Wilhelm Bökenkrüger; Kultusminister a.D. Dr.
       h.c. Adolf Grimme; Prof. Dr. Wolfgang Hartke; Prof. Dr. Frank Lö-
       bell; Prof.  Dr. Hans  Rheinfelder; Oberbürgermeister i.R. Robert
       Scholl; Prof.  Dr. Levin L. Schücking; Prof. Dr. Alexander Schenk
       Graf v. Stauffenberg; Prof. Dr. Aloys Wenzl
       
       Den Erstunterzeichnern  haben sich  bisher angeschlossen die Pro-
       fessoren und Dozenten:
       Prof. Dr.  Wolfgang Abendroth;  Prof. Dr.  Otto Antrick;  Gerhard
       Banner, Lehrbeauftragter;  Dr. Jörg  Barner, Privatdozent;  Prof.
       Dr. Georg  Bauer; Prof.  Dr. Leopold  Bauer; Dr. Walter Beringer,
       Wiss. Ass.;  Charlotte Birnbaum; Prof. Walter Birnbaum; Friedrich
       Blume, Päd.  Ass.; Prof.  Dr. H.O.  Cremer; Dr.  Franz  Damhorst;
       Prof. Dr.  D. Friedrich  Delekat; Prof.  Dr. D.  von Deuffer; Dr.
       med. habil.  E. Döhne;  Dr. Hans Elsässer, Dozent; Prof. Dr. med.
       Alfred Enders;
       Prof. Dr.  Kurt Apel;  Dr. Christos Axelos; Dr. Bernhard Böschen-
       stein; Prof.  Dr. Walther  Braune; Dr.  Margherita von  Brentano;
       Prof. Dr. Jacob Breuer; Peter Brückner, Dozent; Prof. Dr. Hellmut
       Brunner; Prof.  Dr. Gerd  Burkhardt; Dr. Josefine Burghardt; Her-
       mann Duderstadt,  Päd. Ass.;  Prof. Dr.  Heinrich Düker; Dr. Carl
       Durand, Oberstudiendirektor; Dr. Lieselotte Engl; Bernhard Epple,
       Studienrat u.  Lehrbeauftr.; Prof.  Dr.  Ludwig  Fabricius;  Kurt
       Felgner, Dozent;  Heinz Fiebiger,  Dipl.-Volksw.; Prof.  Dr.  Dr.
       Osip K. Flechtheim; Prof. Dr. Ing. Kurt Gaede; Dr. Walter Gaumer,
       Dozent; Prof.  Hermann Geibel; Dr. K. Görlich; Paul Goosmann, Do-
       zent; Prof.  Dr. Adolf  Grabowsky; Prof. Dr. Rudolf Grahmann; Dr.
       Werner Habicht,  Dozent; Dr.  Ulrich Hegel, Wiss. Ass.; Prof. Dr.
       Roland Hampe; Prof. Dr. Hapke; Dr. Walter Hartmann, Dozent; Prof.
       Gustav Hassenpflug;  Prof. Dr. Gustav Heckmann; Dr. Herbert Heck-
       mann; Prof.  Helmut Heinemann;  Dr. Klaus  Heinrich, Wiss.  Ass.;
       Prof. Dr.  H.M. Heinrichs;  Prof. Dr.  Edwin Henning;  Prof.  Dr.
       Grete Henry;  Prof. Dr.  Alfred Herrmann;  Dr. D.  Janz; Prof  D.
       Ernst Käsemann;  Dietrich Keller, Vikar u. Hochschulass.; Wilhelm
       Keller, Dozent;  Dr. Wolfgang  Klafki,  Dozent;  Prof.  Dr.  Hans
       Klumb; Prof.  Dr. Walter  Koch; Prof.  Kurt Lehmann;  Dr.  theol.
       Heinz Liebing, Dozent; Prof. Dr. W. Madelung; Dr. W. Martienssen,
       Dozent; Prof.  Dr. Alfred  von Martin; Dr. Margareta Martiny; Dr.
       Dr. Walter  Matthias; Prof.  Dr. H.  Maus; Prof.  Dr. Dr.  Meier;
       Prof. Paul  Merkel; Elena  Natcorich, Dozentin;  Prof. Dr.  Felix
       Oberborbeck; Dr.  Pritz Paepcke;  Prof. Dr. Werner Philipp; Prof.
       Dr. jur.  Dr. h.c.  Fritz Pringsheim; Dr. Gottfried Rahn, Dozent;
       Prof. Dr.  Johann Albrecht  v. Rantzau;  Prof. Dr. Marcel Reding;
       Prof. Dr.  Reigrotzki; Dr.  Edgar Reimers; Prof. Dr. Ing. Hermann
       Flehne; Dr.  Egon Franz,  Stud.-Pfarrer; Prof.  Dr. E. Frommherz;
       Dipl. Ing.  Heinz Gretz,  Wiss. Ass.; Dr. Emil Grosse-Brauckmann,
       Dozent; Dr.  Otto Grube, Dozent; Dr. Richard Grün; Prof. Dr. Hans
       Grupe; Dr.  F. Gulden;  Prof. D.  Dr. Johannes  Hessen; D.  Hans-
       Friedrich  Heß,  Oberkirchenrat;  Dr.  Ing.  Rudolf  Hillebrecht,
       Stadtbaum.; Prof.  Dr. Otto  Hintner; Dr. Peter Hirschfeld; Prof.
       Dr. Uvo  Hölscher; Prof.  Dr. Georg Hoeltze; Dr. Herbert Hohenem-
       ser, Berufsmäß.  Stadtrat, Kulturreferent; Wilhelm Horn, Oberleh-
       rer; Prof.  Dr. Jürgen  Hövermann; Prof.  Wilhelm Hübotter; Prof.
       Dr. med.  K. Hummel; Prof. D. Renatus Hupfeld; Prof. Dr. Hans-Ro-
       bert Jauss;  Ernst Kohlhopp,  Dipl.-Phys., Wiss.  Ass.; Prof  Dr.
       Erich Köhler;  Prof. Dr.  Siegfried Knoke;  Prof. Dr. Hans Krahe;
       Prof Dr. Gustav Krauss; Dr. Erich Künzel, Dozent; Prof. Dr. Fritz
       Lockemann; Dr. Gerd Lotzmann, Dipl. Sprecherz.; Prof. Dr. Herbert
       Meschkowski; Prof.  Dr. Ings  W. Mialki;  Prof. Dr.  Georg Misch;
       Prof. Dr.  Alexander Mitscherlich;  Prof. Dr. Klaus Mörike; Franz
       Moser, Hauptlehrer; Dr. Siegfried Müller; Hermann Munk, Musikleh-
       rer; Prof.  Dr. Hans  Neumann; Dr. Karl August Ott, Dozent; Prof.
       Dr. Erich Przywara; Prof. Dr. Paul Pulewka; Dr. Adolf Rieth, Lan-
       deskonserv.; Dr.  Heinrich Ringleb; Dr. theol. Günther Roth; Ger-
       hard Ruhbach,  Wiss. Ass.; Dr. phil. Herbert Ruppert, Dozent; Dr.
       Reinhold Sachs  Dr. J.W.  Samel, Dozent;  Prof. Karl  Seidelmann;
       Prof. Dr.  Werner Schaaffs;  Prof. Dr.  med. Hans Schaefer; Prof.
       Dr. H.  Schäfer; Prof.  Dr. Helmuth  Scheibler; Dr. Erwin Schenk;
       Dieter Schiller,  Päd. Ass.; Siegfried Schlange, Päd. Ass.; Prof.
       Dr. jur.  Kurt Staff,  O.-Landesgerichtspräsident; Prof.  D.  Dr.
       h.c. Ethelbert Stauffer; Georg Stern, Musiklehrer; Prof. Dr. med.
       E. Thiermann;  Dr. Christof  Thoenes; Prof. Dr. Carl Hermann Ule;
       Hermann Veesenmayer,  Lehrbeauftragter; Roswitha Venus, Musikleh-
       rerin; Dr. Heinz Walz; Dr. H.H. Wängler, Dozent
       Prof. D.  Otto Weber; Prof. Dr. Olaf Weidemann; Prof. Dr. Wilhelm
       Weihschedel; Prof.  Dr. Hermann Weinert; Heiner Weitbrecht, Pfar-
       rer; Dr.  Herbert Werner,  Pfarrer; Prof. Dr. Walter Wessel; Ruth
       Zechlin,  Dozentin;   Prof.  Dr.   Hans  Zeidler;  Dr.  Friedrich
       Seyfarth, Oberschulrat  a.D.; Prof.  D. Dr. R. Siebeck; Dr. Erika
       Simon, Dozentin; Prof. Dr. Dr. h.c. Josef Schmid; Dr. W. Schulte;
       Prof. Dr.  Joh. Schultze;  Dr. Ruth-Eva  Schulz; Prof. Dr. Walter
       Schulz; Prof.  Dr. Ing.  Winfried Otto  Schumann; Prof.  Dr. Otto
       Graf zu  Stolberg; Prof. D. H. Strathmann; Liese-Lotte Streckert,
       Dozentin; Dr.  Friedrich Trost, Dozent; Prof. Dr. Hans Vogts; Dr.
       Franz Vonessen,  Dozent; Prof.  Dr. H.  Weyland; Prof.  Dr. Erich
       Wiese; Dr.  Manfred Windfuhr;  Prof. Dr.  Hans Wittig;  Prof.  D.
       Ernst Wolf;  Prof. Dr. Karl A. Wolf; Prof. Dr. Hans Wolter; Prof.
       Hinrich Wulff; Prof D. Georg Wünsch; Dr. Hermann Zeltner, Dozent;
       Dr. Franz Ziegler.
       (Die Liste ist noch nicht abgeschlossen.)
       
       Leserbrief von Prof. Dr. Hapke, Pädagogische Hochschule Lüneburg,
       -----------------------------------------------------------------
       in "Die Zeit", Nr. 34:
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       Die Äußerungen  von Professor  Dr. Eschenburg  zum "Fall Riemeck"
       sind um  ein behutsam abwägendes Urteil bemüht, doch bedürfen sie
       wohl noch einer kritischen Ergänzung. - Die plötzliche Abberufung
       von Frau  Riemeck aus  der Prüfungskommission  darf nicht nur als
       Verwaltungsmaßnahme in  ihrer formalrechtlichen  Unanfechtbarkeit
       gesehen werden.  Bei dem  inhaltlich gedrängt  vollen Studienplan
       einer Pädagogischen  Akademie werden nur wenige Studenten an frei
       angebotenen Vorlesungen  solcher Dozenten  teilnehmen, bei  denen
       sie nicht auch geprüft werden. Schon deshalb bedeutet die Abberu-
       fung in ihrer Folge einen schweren Eingriff in die Lehrtätigkeit.
       Übrigens pflegen  an einer  Pädagogischen Akademie alle festange-
       stellten Dozenten prüfungsberechtigt zu sein. Der Entzug der Prü-
       fungserlaubnis für einen einzelnen kommt somit einer Diffamierung
       nahe.
       Wo ist  ferner die Grenze der politischen Meinungs- und Lehrfrei-
       heit eines Historikers? Seine Äußerungen stehen solange unter der
       Freiheitsgarantie des  Grundgesetzes, als nicht nachgewiesen ist,
       daß sie  die "Treue  zur Verfassung"  verletzen. Die  Beurteilung
       dessen ist,  soweit Beamtenrecht in Frage steht, Sache eines Dis-
       ziplinargerichts, sonst  eines ordentlichen  Gerichts. In  keinem
       Fall kann  ein Länderbeamtenrecht die im Grundgesetz garantierten
       Rechte einengen.  Es ist  abwegig, wenn  ein Minister  glaubt, er
       dürfe mit  Hilfe von Verwaltungsmaßnahmen "über die richtige Wer-
       tung" außenpolitischer Vorgänge durch seine Beamten "wachen". Das
       Vorgehen des  Ministers macht  peinlich den  Eindruck  versuchter
       Einschüchterung.
       Frau Riemecks  politische Auffassungen  mögen von  besorgten Men-
       schen als  Hinneigung zu  östlichem Gedankengut empfunden werden.
       Das macht sie bei uns schon verdächtig. Ich glaube aber, man miß-
       versteht sie damit (eher mag man ihr zu große Arglosigkeit gegen-
       über der  totalitären Gefahr  vorhalten). Der  Artikel über  "Die
       Lage nach  dem Pariser Gipfeltreffen" ("Stimme der Gemeinde", Nr.
       13/1960) will  am Beispiel  des U-2-Zwischentalls die Aufmerksam-
       keit auf  vermutete inneramerikanische (nämlich militärische) Wi-
       derstände gegen  eine mögliche  Entspannungspolitik lenken.  Dies
       und nicht  eine Rechtfertigung Chrustschows habe ich als den Kern
       der Ausführungen  empfunden. Zugegeben:  Die Betrachtung ist ein-
       seitig. Aber  gerade hier  beleuchtet der "Fall Riemeck" ein ern-
       stes, zunehmend  beunruhigendes öffentliches  Problem: Einseitige
       Stellungnahmen solcher Art sind doch nur die Kehrseite einer nach
       der anderen  Richtung einseitigen  Beeinflussung der öffentlichen
       Meinung im  Sinne des Kalten Krieges durch eine allzusehr gleich-
       gestimmte Tagespresse!
       Die beanstandeten  Publikationsorgane, "Stimme  der Gemeinde" und
       "Blätter für deutsche und internationale Politik", gehören zu den
       Außenseitern. Unter  ihren Herausgebern  und Mitarbeitern  finden
       sich unbeliebte  und "verdächtige"  Quergänger aus Gewissensgrün-
       den, wie der Pastor Mochalski, Martin Niemöller, Walter Hagemann.
       Aber die  Billigkeit erfordert  doch, zu sagen, daß zur Herausge-
       berschaft der "Stimme..." auch so völlig zweifelsfreie und bisher
       noch  unangefochtene   Männer  gehören   wie  Oskar   Hammelsbeck
       (Professor an  der Pädagogischen  Akademie Wuppertal)  und  Ernst
       Wolf. Und wenn schon die bloße Mitarbeit an den "Blättern..." als
       verdächtig gelten  soll: auch  Stefan Andres, Gertrud von LeFort,
       Albrecht Goes,  Friedrich Heer  und der  jüngst verstorbene  Hans
       Iwand haben  dort geschrieben.  Wer charakterisiert nun wen? Darf
       ein Beamter,  ein Hochschullehrer,  nur in Organen schreiben, die
       seiner Regierung genehm sind?
       Das Kriterium  darf doch  wohl nur  die  Verfassungstreue  dessen
       sein, was  er selber schreibt. Über die kann nicht der Dienstvor-
       gesetzte entscheiden,  nicht der Minister einer Regierungspartei,
       sondern nur das Gericht.
       
       Leserbrief von Prof. Dr. Michael Seidlmayer in der "Süddeutschen
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       Zeitung" vom 3./4. September 1960:
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       Einstmals hatten  die Völker Europas in ihrem Kampf um eine demo-
       kratische Ordnung  innerhalb der konstitutionellen Monarchie) als
       eine der  fundamentalsten Grundlagen  der Menschen-  und  Bürger-
       rechte (gegenüber  der Willkür  der alten  "Kabinettjustiz")  das
       Prinzip der  "Rechtsstaatlichkeit" durchgesetzt, daß also niemand
       ohne die Verurteilung durch in ordentliches Gericht auf Grund der
       erwiesenen Übertretung eines Gesetzes mit einer Strafmaßnahme be-
       legt werden dürfe. Das ist allerdings schon lange her - so lange,
       daß ein  Minister unserer heutigen Demokratie dieses Fundamental-
       recht des Staatsbürgers - samt dem freilich noch keine eineinhalb
       Jahrzehnte alten  Grundgesetz der  Bundesrepublik -  bereits  als
       "veraltet" zu betrachten scheint.
       Der Kultusminister  von Nordrhein-Westfalen  hat bekanntlich  die
       Dozentin an  der Pädagogischen  Akademie Wuppertal Frau Prof. Dr.
       R. Riemeck  wegen ihrer  politischen Tätigkeit in einer Weise ge-
       maßregelt, daß  dies im  Effekt einer  einschneidenden Lahmlegung
       ihres ganzen  Lehramtes gleichkommt.  Er hat  gar nicht  erst den
       Versuch gemacht,  nach dem Beispiel etwa unseres bayerischen Kul-
       tusministers, Prof.  Maunz, durch  ein Disziplinar- (oder gar ein
       höheres) Gericht  feststellen zu lassen, daß deren politische Tä-
       tigkeit gegen das Grundgesetz oder die Beamtenpflichten verstoße,
       ja, er hat ihr vor der Presse ausdrücklich bestätigen müssen, daß
       sie bei  der Ausübung ihres Lehramtes keinerlei politische Beein-
       flussung der Studenten versucht habe.
       Seine Begründung  für sein  Vorgehen ist vielmehr wahrhaft bemer-
       kenswert: "Der  Staat - hier also der Herr Kultusminister in Per-
       son -  kann niemals darauf verzichten, über die richtige (!) Wer-
       tung außenpolitischer  oder sonstiger (!) Belange durch seine Be-
       amten zu  wachen"; oder: es spiele "zunächst einmal" keine Rolle,
       ob die  Äußerungen eines  Beamten der  Wahrheit entsprechen  oder
       nicht (!)  - entscheidend sei nur der Eindruck in der Öffentlich-
       keit, und wenn sie auch nur bei einer "kleinen Gruppe" Anstoß er-
       regen würden, so genüge das schon, um das Beamtenrecht zu verlet-
       zen, und  ähnliches mehr und schließlich: er habe mit seiner Maß-
       nahme Frau  Riemeck nur  "aus dem Schußfeld öffentlicher Angriffe
       herausnehmen" wollen  (dem Minister  scheint  es  auch  nicht  an
       "Humor" - wenn man das noch so nennen will - zu mangeln!).
       Nun, uns  älteren Hochschullehrern  - und wohl auch jenen aus dem
       Osten geflüchteten Studenten, die sich, gleich den anderen, unbe-
       denklich hinter  ihre Professorin  gestellt haben - kommen solche
       Töne merkwürdig  vertraut vor!  In ihnen  kommt ja  doch nur  der
       grundsätzliche Wille  zu einer  völligen  Rechtsunsicherheit  und
       "Ermessens"-Willkür zum  Ausdruck, und diese sind bekanntlich das
       probateste Mittel,  um diejenigen  "im Zaum zu halten", das heißt
       "vorsorglich" einzuschüchtern,  die nach ihrem staatsbürgerlichen
       Gewissen -  und vielleicht  billigt man  das uns Professoren doch
       wenigstens nicht  in geringerem Maße zu als zum Beispiel den Ver-
       fassern jener  berüchtigten  "schwarzen  Liste"  des  sogenannten
       "Rotbuches"!? - sich verpflichtet halten könnten, gegen die poli-
       tischen Wege,  die die Bundesregierung seit Jahren verfolgt, ihre
       warnende Stimme zu erheben. Gleichviel aber, woher der Herr Mini-
       ster seine seltsamen Auffassungen und Marimen bezogen haben mag -
       aus  den   Prinzipien  der   "Demokratie",  der  "Freiheit",  des
       "Rechtsstaates" stammen sie ganz gewiß nicht!
       Das Landesbeamtengesetz  von Nordrhein-Westfalen  von 1955 unter-
       sagt den  Beamten "alle Bestrebungen, die gegen die freiheitlich-
       demokratische Grundordnung  gerichtet sind;" einstweilen - bis zu
       einer etwaigen  gegenteiligen Entscheidung durch ein ordentliches
       Gericht - steht nur das eine fest, daß nicht die Professorin Rie-
       meck, sondern daß der Herr Kultusminister Schütz gegen eben diese
       "freiheitlich-demokratische Grundordnung"  schwer  verstoßen  hat
       (und dies  wäre immerhin  ein Fall, dessen sich ein parlamentari-
       scher Untersuchungsausschuß sehr wohl annehmen könnte!). Eine be-
       sondere Anerkennung  aber und  einen besonderen Dank hat sich die
       Studentenschaft von  Wuppertal verdient:  Sie hat  begriffen  und
       dies durch  die Tat  bewiesen, daß  es wirklich  "die Freiheit zu
       retten gilt" - nach beiden Seiten hin!
       
       Brief von Prof. Dr. Michael Seidlmayer an Kultusminister Schütz:
       ----------------------------------------------------------------
       
       Dr. Michael Seidlmayer,              z. Zeit - bis 30.8.60 -
       o. Prof. der Geschichte              Zuoz/Oberengadin (Schweiz),
       an der Universität Würzburg,         Haus Schucan,
       Würzburg, Keesburgstr. 19 b          am 2. August 1960
       
       An den
       Herrn Staatsminister für Unterricht und Kultus
       in Nordrhein-Westfalen,
       Düsseldorf,
       Staatsministerium für Unterricht und Kultus
       Betreff: Frau Prof. Dr. Renate Riemeck
       
       Hochverehrter Herr Staatsminister,
       Gestatten Sie,  daß ich  mich in  gleicher Weise  wie eine Anzahl
       meiner Marburger  Kollegen an  Sie wende,  um Sie sehr zu bitten,
       Ihre gegen  Frau Prof. Riemeck gefällte Entscheidung nochmals ei-
       ner ernstlichen Überprüfung zu unterziehen. Es handelt sich dabei
       nicht darum,  für oder gegen deren in Frage stehenden politischen
       Äußerungen -  die mir im einzelnen gar nicht bekannt sind - Stel-
       lung zu nehmen, sondern so wie die anderen Herren Kollegen leitet
       mich die  tiefe Besorgnis um die ernste Gefährdung sowohl unserer
       akademischen Lehrfreiheit wie auch insbesondere des uns Professo-
       ren nicht  weniger wie auch allen anderen Staatsbürgern durch das
       Grundgesetz garantierten  Rechtes  der  freien  politischen  Mei-
       nungsäußerung -  eines Rechtes,  das für  viele von  uns zugleich
       eine bindende  Gewissensverpflichtung  beinhaltet.  Dieses  Recht
       kann doch nur an der gerichtlichen oder mindestens disziplinarge-
       richtlichen Feststellung eines gesetzwidrigen Verstoßes gegen die
       Verfassung und  die demokratische Ordnung oder gegen unsere Beam-
       tenverpflichtungen seine  Grenze finden.  Wenn uns aber unvermit-
       telt und  durch eine  reine Verwaltungsmaßnahme  eine Maßregelung
       wie die von Ihnen gegen Frau Prof. Riemeck ausgesprochene treffen
       kann, so sieht sich damit der Stand der Professoren - so wie kein
       anderer Stand  oder Beruf  - einer unerträglichen Rechtsunsicher-
       heit und  Disqualifizierung ausgeliefert. Das aber kann, hochver-
       ehrter Herr  Staatsminister, unmöglich  Ihre Absicht und Willens-
       meinung sein. Ein solcher Zustand müßte zugleich auch unser Anse-
       hen bei  den Studenten gefährlich untergraben und deren Vertrauen
       in die  rechtsstaatliche Ordnung der Demokratie erschüttern; dies
       im gegenwärtigen  Fall um  so mehr,  als sich die Studenten durch
       das erzwungene  Ausscheiden ihres  Lehrers aus der Prüfung unmit-
       telbar vor  den Examina  vor eine  ganz unerwartete Situation ge-
       stellt sehen  und sich  damit (wie  ich nicht  näher zu erläutern
       brauche) in  ihren eigenen legitimen Interessen entgegen Treu und
       Glauben sehr erheblich geschädigt fühlen können.
       Der Herr  Bundespräsident hat erst vor kurzem mit Nachdruck fest-
       gestellt, daß  die staatsbürgerlichen  Aufgaben  der  Professoren
       nicht weniger  gewichtig seien  als die Aufgaben ihrer fachlichen
       Lehrtätigkeit; es kann unmöglich die Meinung des Herrn Bundesprä-
       sidenten gewesen sein, daß die Erfüllung dieser Aufgaben nach be-
       stem Wissen  und Gewissen - wie man das doch auch uns Professoren
       zubilligen muß - im demokratischen Rechtsstaat ständig im Zeichen
       einer lähmenden  Rechtsunsicherheit geschehen  solle - dies würde
       ja zugleich  wieder ihre  Unterbindung und  Negation bedeuten. In
       diesem Sinn  darf ich  meine dringliche Bitte um die Revision der
       gegen die  Kollegin Frau  Dr. Riemeck verhängten und nach unserer
       festen Überzeugung  gegen die  uns feierlich  garantierten Rechte
       mindestens moralisch schwer verstoßenden Maßregelung wiederholen.
       Ich zeichne,  hochverehrter Herr Staatsminister, in aller vorzüg-
       lichen Hochachtung als
                                      Ihr sehr ergebener
                                 gez. Prof. Dr. M. Seidlmayer.
       
       Gewerkschaftliche Monatshefte (September-Ausgabe 1960):
       -------------------------------------------------------
       
       Vom demokratischen Geist oder Ungeist, so wie ihn Martini prokla-
       miert, ist  jene Entscheidung  beseelt, durch die der Kultusmini-
       ster von Nordrhein-Westfalen, Schütz, die Professorin an der Päd-
       agogischen Akademie  in Wuppertal,  Frau Dr.  Renate Riemeck, aus
       dem Prüfungsausschuß  ausgeschlossen hat,  weil sie  zwei Artikel
       veröffentlichte, die  nicht der  bei uns  herrschenden Auffassung
       über Chrustschows Schuld am Scheitern der Pariser Gipfelkonferenz
       entsprachen. Wir  teilen die  politischen Ansichten der Frau Rie-
       meck nicht,  glauben vielmehr, daß sie in Überbetonung ihres Non-
       konformismus zu  Theorien kommt,  die nicht nur falsch sind, son-
       dern auch  vom Osten propagandistisch ausgenutzt werden. Aber sie
       hat bis jetzt nichts anderes getan, als von ihren staatsbürgerli-
       chen Rechten,  vor allem von ihrem Recht freier Meinungsäußerung,
       legalen Gebrauch  zu machen.  Strafbare  oder  verfassungswidrige
       Handlungen -  wie letztere  nach der Urteilsbegründung des Bonner
       Landgerichts offensichtlich  auf das  Konto des Herrn Schlamm ge-
       schrieben werden  dürfen -  liegen bei Frau Riemeck nicht vor. Es
       erscheint uns  deshalb unerträglich und rechtsstaatsunwürdig, sie
       wegen ihrer von der allgemeinen abweichenden Ansicht zu diszipli-
       nieren.
       Der eigentliche  Skandal aber  ereignete sich hinterher. Über 300
       Studenten der Akademie, unter ihnen auch solche, die aus der Ost-
       zone geflohen  waren, hatten  einen Sitzstreik  veranstaltet  und
       verlangt, daß die Vorwürfe gegen die geschätzte Lehrerin in einem
       Disziplinar- oder  einem ordentlichen  Gerichtsverfahren  geklärt
       würden. Eine  Anzahl Professoren und Persönlichkeiten des öffent-
       lichen Lebens  hatten gegen die Beschränkung der Meinungsfreiheit
       protestiert; auch  der bekannte  Tübinger Professor  Dr.  Theodor
       Eschenburg hatte - mit Einschränkungen - Bedenken angemeldet. Ih-
       nen allen  widmete die  mit Steuergeldern  subventionierte Kölner
       Pressekorrespondenz Wehrpolitische Informationen in einem Artikel
       "KP in  neuem Gewande?" den unglaublichen Satz: "Das empörte Echo
       auf die Maßregelung der Renate Riemeck zeigt immerhin, daß es mit
       der berühmten Immunität gegen prokommunistische Thesen in unserem
       Lande so  weit nicht her ist, wie man gemeinhin annimmt." Man muß
       also nicht  einmal mehr eine von der herrschenden abweichende po-
       litische Meinung  äußern, nein,  es genügt schon, das Recht eines
       "Abweichlers" auf  freie Meinungsäußerung  zu verteidigen, um aus
       einer amtlich inspirierten Ecke schon als Kommunist verteufelt zu
       werden. Man  muß sich  allen Ernstes fragen, wer den Bundesbürger
       nicht nur  vor Verleumdungen, sondern auch vor Meinungsterror und
       indirekten Nötigungen  schützt, die  darauf hinauslaufen, ihn von
       der Ausübung  fundamentaler Grundrechte  wie der Meinungsfreiheit
       abzuschrecken.
       
       Unter dem Titel "Minister soll 'fünf nachweislich falsche
       ---------------------------------------------------------
       Behauptungen' zurücknehmen" schreibt die "Freie Presse",
       --------------------------------------------------------
       Bielefeld, vom 23. August 1960:
       -------------------------------
       
       Frau Professor Renate Riemeck, Dozentin an der Pädagogischen Aka-
       demie in  Wuppertal und im vergangenen Monat durch Kultusminister
       Schütz ihres Amtes als Mitglied der Prüfungskommission der Akade-
       mie enthoben,  hat sich  jetzt gegen sie erhobene Beschuldigungen
       zur Wehr  gesetzt. Sie  hat den  Kultusminister aufgefordert, bis
       zum 25.  August fünf  nachweislich falsche Behauptungen zurückzu-
       nehmen, andernfalls  will sie  eine Unterlassungsklage  gegen den
       Kultusminister anstrengen.  Wie der Anwalt der Dozentin, der Düs-
       seldorfer Rechtsanwalt und SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Neuberger,
       am Montag  auf Anfrage  mitteilte, handelt  es sich  um folgende,
       nicht zutreffende Behauptungen, die Kultusminister Schütz vor der
       Öffentlichkeit aufgestellt hat:
       Nicht alle  Professoren der  Pädagogischen Akademie Wuppertal ge-
       hörten dem  Prüfungsausschuß an.  - Der Minister hatte daraus ge-
       schlossen, daß  die Abberufung  von Frau Prof. Riemeck keine Dis-
       kriminierung sei.
       Frau Prof.  Riemeck sei  durch ihre Ostkontakte wiederholt um Zu-
       rückhaltung gebeten  worden. -  Nicht einmal,  so habe Frau Prof.
       Riemeck erklärt, sei sie darum ersucht worden.
       Bereits unter der Regierung Steinhoff habe ein Disziplinarverfah-
       ren gegen Frau Riemeck geschwebt.
       Frau Prof.  Riemeck habe  sich in  der Ostzone  kritisch über die
       Verhältnisse in  der Bundesrepublik geäußert. - Auch diese beiden
       Behauptungen bezeichnete Frau Riemeck als falsch.
       Es könne  keinem Flüchtling  aus der Sowjetzone zugemutet werden,
       sich von Frau Riemeck prüfen zu lassen. - Hierzu teilte Frau Rie-
       meck ihrem  Anwalt mit,  daß sich bis zum Zeitpunkt ihrer Abberu-
       fung bereits  11 von  insgesamt 15  in Frage kommenden Prüflingen
       aus der Ostzone bei ihr zur Prüfung angemeldet hätten.
       Damit sind die wesentlichsten Punkte angesprochen, mit denen Kul-
       tusminister Schütz  die Entlassung der Dozentin aus der Prüfungs-
       kommission begründet  hatte. Die  politischen  Veröffentlichungen
       von Frau  Riemeck in  Zeitschriften der  Bundesrepublik, in denen
       sie sich  allerdings sehr  kritisch zur Gesamtpolitik des Westens
       geäußert hatte,  bezeichnete RA  Dr. Neuberger als das gute Recht
       eines jeden Staatsbürgers. "Schließlich haben wir eine nonkonfor-
       mistische und keine konformistische Verfassung", erklärte der An-
       walt. -  Kultusminister Schütz befindet sich bis zum 1. September
       in Urlaub.
       
       Unter dem Titel "McCarthy bei uns" schreibt das "Hamburger Echo"
       ----------------------------------------------------------------
       vom 16. August 1960:
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       McCarthy ist  tot - in den USA; es lebe McCarthy - in der Bundes-
       republik!
       Da  hat  im  Juli  der  Kultusminister  von  Nordrhein-Westfalen,
       Schütz, die  Professorin an der Pädagogischen Akademie in Wupper-
       tal, Renate Riemeck, aus dem Prüfungsausschuß der Akademie ausge-
       schlossen. Letzter  Anlaß: Frau  Riemeck hatte in der kirchlichen
       Zeitschrift "Stimme  der Gemeinde" zum Scheitern der Pariser Gip-
       felkonferenz eine andere Version von der Rolle Chrustschows gege-
       ben, als  sie im  Westen gängig ist. Bei dieser Gelegenheit wurde
       Frau Riemeck  auch vorgeworfen,  sie unterhalte  Ostkontakte; sie
       bestanden in  einem Vortrag  an der  Universität Leipzig über den
       Dreißigjährigen Krieg  und in der Teilnahme an der Jubiläumsfeier
       der Universität Jena.
       Frau Riemeck  ist nach  dem Urteil  aller, die  sie kennen, keine
       Kommunistin. Sie  ist vielmehr eine Persönlichkeit, die stolz ist
       auf die  Unabhängigkeit ihres Denkens, und die aus reiner Gegner-
       schaft  gegen   den  heute   weit  verbreiteten  Denkkonformismus
       manchmal zu  schockierenden Thesen  kommt, die auch uns nicht ge-
       fallen, die jedoch vom Osten mit Behagen aufgegriffen werden.
       Aber es  geht hier  gar nicht so sehr um Frau Riemeck als um das,
       was darauf  folgte. Die  Maßregelung der  Professorin hat  in der
       bundesdeutschen Öffentlichkeit  Kritik  und  Widerspruch  erregt.
       Über 300 Studenten der Akademie, unter ihnen auch solche, die aus
       der Ostzone  geflohen waren,  veranstalteten einen Sitzstreik und
       verlangten, daß die Vorwürfe gegen die geschätzte Lehrerin in ei-
       nem Disziplinar- oder ordentlichen Gerichtsverfahren geklärt wür-
       den. Eine  Anzahl Professoren  und Persönlichkeiten des öffentli-
       chen Lebens  protestierten gegen  die Beschränkung  der Meinungs-
       freiheit.
       Und hier beginnt der eigentliche Skandal. Die Kölner Pressekorre-
       spondenz "Wehrpolitische Information" erlaubt sich in einem Arti-
       kel "KP  in neuem Gewande?" den abschließenden Satz: "Das empörte
       Echo auf  die Maßregelung  der Renate Riemeck zeigt immerhin, daß
       es mit  der berühmten Immunität gegen prokommunistische Thesen in
       unserem Lande soweit nicht her ist, wie man gemeinhin annimmt."
       Die dem  Bundeswehrministerium sehr  nahe stehenden "Wehrinforma-
       toren"  erlauben   sich  also,  den  hessischen  Kirchenpräsident
       Niemöller, den  Kultusminister a.D.  und früheren Generaldirektor
       des NWDR,  Adolf Grimme, den bekannten Tübinger Professor Theodor
       Eschenburg, der  ebenfalls -  wenn  auch  mit  Einschränkungen  -
       Bedenken angemeldet  hatte, und soundso viele andere Bundesbürger
       als kommunistitsch  verseucht zu verdächtigen. Man muß also nicht
       einmal mehr  eine von  der  herrschenden  abweichende  politische
       Meinung äußern,  nein, es genügt schon, das Recht eines "Abweich-
       lers" auf  freie Meinungsäußerung  zu  verteidigen,  um  aus  der
       bundeswehr-inspirierten Ecke  schon als  Kommunist verschrien  zu
       werden. Der  schöne Satz  "Ich billige  Ihre Meinung  mitnichten,
       aber ich werde mich dafür in Stücke hauen lassen, daß Sie sie äu-
       ßern dürfen",  scheint heute schon wieder in die Rumpelkammer der
       vielgeschmähten Aufklärung verbannt zu sein.
       Angesichts solcher  Unverschämtheiten muß  man allen Ernstes fra-
       gen, wer  den anständigen  Staatsbürger nicht nur vor Verleumdun-
       gen, sondern  auch vor  Meinungsterror und  indirekten Nötigungen
       schützt, die  darauf ausgehen, ihn von der Ausübung fundamentaler
       Grundrechte wie der Meinungsfreiheit abzuschrecken.
       
       VI. Weltkongreß in Tokio gegen Kernwaffen, für Abrüstung
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       an Prof. Dr. Renate Riemeck und Minister Schütz:
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       An Professor Renate Riemeck, Am Wasserturm 41, Wuppertal-E.
       UNTERSTÜTZEN IHRE  MUTIGE HALTUNG  STOP IHRE  ZIELE  SIND  UNSERE
       ZIELE STOP  SIE LEGEN ZEUGNIS AB VOM FRIEDLICHEN DEUTSCHLAND STOP
       PROTESTIERTEN BEI MINISTER SCHÜTZ
                                                VI WELTKONGRESS TOKIO
       
       An Exzellenz Minister Schütz, Düsseldorf
       WIR VERURTEILEN IHRE UNDEMOKRATISCHEN MASSNAHMEN GEGEN PROF. RIE-
       MECK STOP GESINNUNGSTERROR UNTERSTREICHT NUR GEFAHR DES DEUTSCHEN
       MILITARISMUS STOP WIR SIND MIT PROF. RIEMECK SOLIDARISCH
               VI WELTKONGRESS GEGEN KERNWAFFEN, FÜR ABRÜSTUNG, TOKIO
       
       "Frankfurter Allgemeine" vom 9. September 1960:
       -----------------------------------------------
       
       Die Wuppertaler  Dozentin Professor  Renate Riemeck  hat das Land
       Nordrhein-Westfalen wegen ihres Ausschlusses aus der Prüfungskom-
       mission der  Pädagogischen Akademie Wuppertal verklagt. Frau Rie-
       meck war  Mitte Juli  von Kultusminister Schütz aus dem Prüfungs-
       ausschuß wegen  ihrer Kritik  am Kurs  der Bundesrepublik  ausge-
       schlossen worden.
       
       Brief des DGB-Kreisfrauenausschusses Moers/Niederrhein
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       an Frau Professor Dr. Renate Riemeck:
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       An
       Frau Professor
       Dr. Renate Riemeck
       Wuppertal-Barmen
       Am Wasserturm 41
       
       Sehr geehrte Frau Riemeck!
       Wir Frauen  des Kreisfrauenausschusses  Moers haben mit Befremden
       davon Kenntnis genommen, daß Ihr mutiges Eintreten gegen die ato-
       mare Bewaffnung  der Bundesrepublik  Deutschland seitens der Lan-
       desregierung mit Ihrer Maßregelung beantwortet wurde.
       Diese Maßnahme  wirft ein  bezeichnendes Licht  auf die Anwendung
       der im  Grundgesetz  garantierten    F r e i h e i t e n    u n d
       P f l i c h t e n.  Mit unserem Schreiben wollen wir kundtun, daß
       wir mit  Ihnen einig  sind in  der Auffassung:  Deutschland  darf
       keine Atommacht werden!
       Ihnen sind sicher die zahlreichen Beschlüsse und Proteste der Ge-
       werkschaftskolleginnen und  -Kollegen  bekannt,  die  sich  gegen
       diese Aufrüstungspläne  wenden. Wir  sind trotz Maßregelungen der
       Meinung, daß  die Proteste  gegen diese  verhängnisvolle  Politik
       fortgeführt und verstärkt werden müssen.
       Wir Frauen  und Mütter  haben alle  selbst Not und Leid erfahren,
       die der  Krieg über  die Menschheit  gebracht hat. Unter uns sind
       Kriegerwitwen, die  ihre Söhne unter größten Entbehrungen ernährt
       und erzogen  haben, nicht,  um sie den Vätern nach ins Massengrab
       zu schicken.
       Wir wünschen  Ihnen, sehr verehrte Frau Riemeck, Mut und Kraft zu
       Ihrem Kampf gegen die Maßregelung und versichern Sie unserer Sym-
       pathie.
                                            gez. Anni Kaufmann
       
       Auszüge aus einem Offenen Brief von Professor Karl Saller,
       ----------------------------------------------------------
       München, an Kultusminister Schütz:
       ----------------------------------
       
       Sehr geehrter Herr Minister!
       Die Maßnahmen,  die Sie gegen Frau Prof. Riemeck ergriffen haben,
       haben in  weiten Professorenkreisen  Befremden und vielfach sogar
       Bestürzung hervorgerufen  und deshalb  auch mehrfach  öffentliche
       Einsprüche veranlaßt.  Die Auseinandersetzungen, die Sie mit die-
       sen Einsprüchen  hatten, brachten  eine Reihe  so grundsätzlicher
       Motivationen zutage,  daß die  Angelegenheit Riemeck nunmehr weit
       über das Lokale hinausgeht und an die Frage der Freiheit des Wis-
       senschaftlers überhaupt  rührt. Ich  kenne Frau Professor Riemeck
       persönlich wenig,  weiß mich  aber in  Grundauffassungen mit  ihr
       verbunden und  habe im Dritten Reich wie auch jetzt wieder ähnli-
       che Situationen  erlebt und  durchgestanden, wie  sie sich augen-
       blicklich für  Frau Riemeck  gestaltet haben.  Dazu kommt, daß es
       für  mich  ebenso  wie  jetzt  für  Frau  Riemeck  um  sogenannte
       "Ostkontakte" geht. Ich halte mich daher verpflichtet, auch Ihnen
       gegenüber zu  dem Fall Riemeck Stellung zu nehmen und diese Stel-
       lungnahme der Öffentlichkeit zu übergeben, nachdem sich diese mit
       der Angelegenheit nunmehr beschäftigt.
       Sie begründen,  sehr geehrter  Herr Minister, die Maßnahmen gegen
       Frau Riemeck in der Öffentlichkeit damit, "daß Frau Prof. Riemeck
       vor fortgesetzten  Angriffen aus der Öffentlichkeit, die sich ge-
       gen ihre  politische Meinung  richten, geschützt  werden  müsse".
       Eine solche  Begründung ist  in mehrfacher  Hinsicht doch äußerst
       bedenklich. Zunächst  hat schon  Frau Riemeck  offenbar um  einen
       solchen Schutz  durchaus nicht  gebeten. Des  weiteren hat inzwi-
       schen Ihr  Amtsvorgänger, Herr  Prof. Luchtenberg,  in der  Zeit-
       schrift "Konkret"  (2. Augustausgabe)  ausgeführt, daß vom Natio-
       nalsozialismus im Dritten Reich gegen ihn mit ähnlichen Maßnahmen
       vorgegangen wurde,  wie Sie  sie jetzt gegen Frau Riemeck handha-
       ben, um  ihn schließlich  vollends von der Universität zu entfer-
       nen. Mir  hat man  damals, auf  Grund eines  Sondergesetzes,  die
       Lehrbefugnis sofort  entzogen. Derartige  "Schutzmaßnahmen" haben
       darüber hinaus  mit dem  Begriff der  "Schutzhaft" endlich zu den
       Willkürmaßnahmen gegen die Juden geführt; ich erwähne das, um die
       Bedenklichkeit Ihres  Vorgehens im  Grundsätzlichen zu kennzeich-
       nen, die  ja auch  in dem Brief von Herrn Kultusminister a.D. Dr.
       h.c. Adolf  Grimme und Mitunterzeichner an Sie zu der Meinung ge-
       führt haben,  daß den  Anfängen gewehrt werden müsse. Über solche
       grundsätzliche Bedenken  hinaus muß jedoch auch zweifelhaft sein,
       ob Ihre  Maßnahmen in  Wirklichkeit dem  Zweck eines Schutzes von
       Frau Prof.  Riemeck überhaupt haben dienen können und welche Kon-
       sequenzen sie haben müßten, wenn das der Fall wäre.
       Zum Begriff  "Öffentlichkeit" in Ihrer Begründung hat die Ausein-
       andersetzung dagegen  gezeigt, daß  es nur  eine einzige Zeitung,
       die "Deutsche  Zeitung", war, die in diesem Fall durch eine Stel-
       lungnahme gegen  Frau Prof. Riemeck Ihre Maßnahmen veranlaßt hat.
       Aber selbst  wenn es  mehrere Zeitungen  gewesen wären, käme es -
       neben den  Grundsatzfragen -  im speziellen  Fall noch darauf an,
       wer hinter  solchen Presseangriffen  steht und  mit ihnen die Öf-
       fentlichkeit zu  beeinflussen bemüht  ist. Die "Deutsche Zeitung"
       ist ein  Organ der  Schwerindustrie, und  es ist  daher wohl ver-
       ständlich, daß sie mit den politischen Anschauungen von Frau Rie-
       meck nicht  übereinstimmt. Doch  kann das  kein Grund sein, durch
       Ihre Maßnahmen  die wirtschaftliche  Position von Frau Riemeck zu
       untergraben.
       Auch der  "Schutz", den Sie Frau Riemeck gewähren zu müssen glau-
       ben, ist  doch wohl mehr als kritisch. Wie soll es ein Schutz für
       Frau Riemeck sein, wenn Sie sie zwar noch lehren, aber nicht mehr
       prüfen lassen!  In den  Auseinandersetzungen um  Frau Riemeck ist
       von Ihrem  Ministerium ausdrücklich  gesagt worden, daß sie weder
       ihre Vorlesungen  noch ihre  Prüfungen zu  einer politischen Ein-
       flußnahme mißbraucht  hat. Dies  kennzeichnet eindeutig Ihre Maß-
       nahme gegen  Frau Riemeck als willkürlich; sie kann für Frau Rie-
       meck in  keiner Weise ein "Schutz" sein, sondern nur den Sinn ha-
       ben, ihre  wirtschaftliche Basis  zu schmälern  und sie damit aus
       dem Lehrbetrieb  zuletzt überhaupt auszuschalten. Es handelt sich
       damit um  einen Eingriff in die verfassungsmäßig auch jedem Beam-
       ten garantierte  Freiheit der  Information,  Meinungsbildung  und
       Meinungsäußerung, wie  sie in Artikel 3, Absatz 3 des Grundgeset-
       zes festgelegt  ist: "Niemand darf wegen seines Geschlechts, sei-
       ner Abstammung,  seiner Rasse,  seiner Sprache, seiner Heimat und
       Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen An-
       schauung benachteiligt oder bevorzugt werden."
       Sie haben  weiter gemeint,  sehr geehrter Herr Minister (nach dem
       Gedächtnisprotokoll vom  16.7.1960 der  Studenten, mit  denen Sie
       sprachen): "Da die Meinung von Frau Prof. Riemeck der Ansicht von
       99 Prozent des deutschen Volkes entgegenstehe, sah sich das Mini-
       sterium zum Schutz der Ordnung zu dieser Maßnahme gezwungen." Wie
       kommen Sie,  sehr geehrter  Herr Minister, zu dieser Prozentzahl,
       nachdem doch  eine Volksbefragung  über die atomare Bewaffnung in
       der Bundesrepublik,  gegen die sich die Hauptkritik von Frau Rie-
       meck richtet,  unterbunden wurde? Alle gegen diese atomare Aufrü-
       stung durchgeführten  Erhebungen  einschließlich  derjenigen  der
       Meinungsforschungsinstitute haben  doch  bisher  eine  eindeutige
       Mehrheit gegen diese atomare Aufrüstung ergeben.
       Gerade in  den letzten Tagen ist auch eine Notiz durch die Presse
       gegangen, wonach der Mitgliederstand Ihrer Partei, der CDU, sogar
       nur einen  Bruchteil von 1 Prozent des deutschen Volkes ausmacht;
       trotzdem werden  heute sämtliche Bundesminister von dieser Partei
       gestellt. All  das zeigt  doch eindeutig,  daß es zur Beurteilung
       der öffentlichen Meinung und der Haltung, welche der einzelne ge-
       gen sie  einnimmt, nicht auf 99 Prozent ankommt. Geradezu grotesk
       aber erscheint  mir Ihre  Auffassung: "Die Äußerungen eines Beam-
       ten, die schon bei einer kleinen Gruppe der Öffentlichkeit Anstoß
       erregen, genügen,  um das Beamtenrecht zu verletzen. Dabei spielt
       es zunächst  einmal keine  Rolle, ob  die Äußerungen der Wahrheit
       entsprechen oder  nicht. Entscheidend ist der Eindruck in der Öf-
       fentlichkeit." Ja, sehr geehrter Herr Minister, sind wir denn als
       Beamte geistige  Staatskastraten, die nicht mehr das Recht haben,
       durch die Vertretung dessen, was wir für die Wahrheit halten, in-
       nerhalb und  außerhalb unseres Dienstbereiches bei einer größeren
       oder kleineren  Gruppe der  Öffentlichkeit Anstoß zu erregen? Ich
       selbst repräsentiere  die 3. Generation einer Beamtenfamilie; ich
       müßte mich  meiner Herkunft  und vor mir selbst schämen, wenn das
       die Auffassung  gewesen wäre,  nach der  wir unseren Dienst getan
       haben. Man  wirft heute, meines Erachtens mit Recht, der Mehrzahl
       der deutschen Beamten vor, daß sie gegen die Maßnahmen des Natio-
       nalsozialismus nicht  in der  Weise Einspruch  erhoben haben, wie
       sie es  jetzt bei  Frau Riemeck beanstanden. Die Konsequenz Ihrer
       Haltung für  die Beamten  müßte die  sein, daß wir nichts anderes
       mehr sein würden als Roboter. Außerdem müßte sie sich auch wieder
       nicht nur  gegen oppositionelle  Auffassungen wie  diejenige  von
       Frau Riemeck und vieler anderer richten, sondern sie müßte um der
       Gerechtigkeit willen ebenso gegen die Mitläufer der gegenwärtigen
       Politik angewandt werden; ich nenne in dieser Beziehung nur Prof.
       Jordan und die Verantwortlichen für die neue Denkschrift der Bun-
       deswehr, in  der die  Aufrüstung mit  atomaren Waffen  propagiert
       wird. Die  ganze Geschichte  zeigt, daß  auch Politiker nicht un-
       fehlbar sind; Sie selbst, sehr geehrter Herr Minister, haben eine
       diesbezügliche Meinung  anklingen lassen.  Das bedeutet,  daß Sie
       auch nicht,  wie Sie meinen, zu einer "richtigen Wertung außenpo-
       litischer und  sonstiger Vorgänge  durch einen  Beamten"  berufen
       sein können;  über die  Richtigkeit solcher Wertungen entscheidet
       allein die Geschichte. Das gilt auch für die Richtigkeit oder Un-
       richtigkeit der  Meinungen von Beamten, die in der Freiheit unse-
       rer Verfassung  mit den Meinungen augenblicklich herrschender Po-
       litiker nicht übereinstimmen.
       Sie haben,  sehr geehrter  Herr Minister,  Frau Riemeck u.a. auch
       vorgeworfen, daß  sie sich  an der 400-Jahr-Feier der Universität
       Jena 1958  beteiligt habe.  Nun, an  dieser Feier  waren auch die
       Universitäten Schwedens,  Philadelphia (USA),  Melbourne (Austra-
       lien), Cambridge,  Oxford, Glasgow (sämtlich England), Dänemarks,
       Belgiens, Hollands,  Finnlands, Jugoslawiens,  Frankreichs, Kairo
       und  Alexandrien   (Vereinigte  Arabische  Republik),  neben  den
       Ländern des  Ostblocks beteiligt;  es ist  nichts darüber bekannt
       geworden, daß  die Bundesrepublik, die sich an dieser Feier nicht
       offiziell beteiligt  hat, gegen  diese Universitäten irgendwelche
       politische Maßnahmen eingeleitet hat, wie Sie gegen Frau Riemeck.
       Auch ich nahm, wie Frau Riemeck, persönlich an dieser Feier teil,
       nachdem ich  mich zuletzt  doch noch  entschlossen hatte,  hinzu-
       fahren, und  habe für  die westdeutschen  Kollegen, also auch für
       Frau Riemeck,  eine  Erklärung  abgegeben,  die  mit  den  Worten
       schloß:
       "Ich wünsche  Ihrer Universität und damit uns allen, daß sie auch
       im kommenden Jahrhundert Männer finden möge wie Schiller, Goethe,
       Hegel, Fichte,  Hufeland und  Häckel, die im besten Sinn das ver-
       treten, was  als wissenschaftliche  Freiheit, als  unbestechliche
       Wahrheit, als  unabhängige Leistung und in Verantwortung vor Volk
       und Menschlichkeit auch deutscher Geist sein soll. Möge das deut-
       sche Volk  aus einem  solchen Geist auch wieder zu seiner Einheit
       finden.
       Glauben Sie,  sehr geehrter Herr Minister, daß wir mit einer sol-
       chen Erklärung,  die überdies noch den stärksten Beifall der gan-
       zen Festversammlung  fand, nicht  dem Geist echten Wahrheitsstre-
       bens und der vorurteilsfreien Suche nach der Wahrheit gedient ha-
       ben, wie es von höchster Stelle unserer Bundesrepublik als unsere
       Aufgabe proklamiert  wurde? Sollten  wir uns  mit  einer  solchen
       Teilnahme und  Erklärung wirklich  maßregelungswürdig gemacht und
       nicht zu der von allen West- und Ostdeutschen gewünschten Wieder-
       vereinigung Deutschlands  geholfen haben, so darf ich bitten, ge-
       gen uns doch ein legales Hoch- oder Landesverratsverfahren einzu-
       leiten und  damit die Sache klarstellen zu lassen. Für meine Per-
       son kann  ich in  diesem Zusammenhang  nur bemerken,  daß bereits
       zwei gegen  mich eingeleitete  entsprechende Verfahren als gegen-
       standslos eingestellt wurden.
       Ich darf, sehr geehrter Herr Minister, diesen meinen Brief an Sie
       noch mit  Bemerkungen über  die Freiheit der Wissenschaft und der
       Wissenschaftler schließen,  über die in der Auseinandersetzung um
       den Fall  Riemeck so  viel geredet  wird. Sehen  wir doch klar in
       diesen Dingen  und kennzeichnen  wir sie  offen! Die Freiheit, um
       die es sich hier handelt, ist in erster Linie eine Geldfrage. Die
       Bundeswehr bei uns hat heute durch die Milliardenbeträge, die ihr
       die herrschende Partei zubilligt, die Freiheit sich zu entfalten.
       Die Wissenschaft dagegen führt in Unfreiheit ein derart kümmerli-
       ches Dasein,  daß die  westdeutsche Rektorenkonferenz  schon 1957
       formuliert hat,  "daß ohne  Verzug entscheidende  Schritte  getan
       werden müssen,  um die deutschen Universitäten und Hochschulen in
       Stand zu setzen, ihre Lehraufträge zu erfüllen, um den vollen An-
       schluß an  den internationalen  Stand der  Forschung zu erreichen
       und zu  behalten". Sie  hat im weiteren darauf verwiesen, daß die
       Hochschulen nicht  im  mindesten  auf  die  Aufgaben  vorbereitet
       seien, die  sie bei der Unterstützung von Entwicklungsländern er-
       warteten. Die  Bundesregierung mache  neuerdings Zusagen  für die
       Entsendung von  Wissenschaftlern und  wissenschaftlichem Personal
       in diese  Länder. Die  für derartige  Aufgaben vorgesehenen deut-
       schen Hochschulinstitute seien jedoch personell meist selbst noch
       "unterentwickelt". Es ist nicht bekannt geworden, daß im Sinn Ih-
       rer Haltung,  sehr geehrter Herr Minister, gegen diese Kritik der
       westdeutschen Rektoren  eingeschritten worden  wäre,  obwohl  sie
       nicht gleichzeitig  mit einer Kritik von Maßnahmen in Ostdeutsch-
       land verbunden  war; es ist aber seither auch nichts Entscheiden-
       des in der Richtung geschehen, die von den westdeutschen Rektoren
       bemängelt wurde.  Dagegen mußte  Ihr Eingreifen  gegen Frau Prof.
       Riemeck als  erster Versuch  gedeutet und es muß in diesem Zusam-
       menhang mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden, den Pro-
       fessoren die  finanzielle Basis  auch noch zu beschränken und wo-
       möglich zu  entziehen, durch die allein ihnen materiell die Frei-
       heit garantiert wird, von ihrem verfassungsmäßig sichergestellten
       Recht der  Meinungsäußerung Gebrauch  zu machen  auch dann,  wenn
       diese Meinung mit derjenigen der augenblicklich herrschenden Par-
       tei vielleicht nicht übereinstimmt.
       
       Unter dem Titel: "Fast ein neuer Fall Riemeck" schreibt
       -------------------------------------------------------
       der "Kölner Stadtanzeiger" vom 7. September 1960:
       -------------------------------------------------
       
       "Als Verletzung  seiner Treuepflicht als Angestellter des öffent-
       lichen Dienstes werde ich hinfort insbesondere ansehen
       jede Schmälerung  des Ansehens  der Bundeswehr  und des Soldaten-
       tums,
       jede Schwächung  des staatsbürgerlichen  Willens, im  Rahmen  des
       Grundgesetzes und  der Wehrgesetze für den Bestand des Staates im
       Verteidigungsfalle auch mit der Waffen einzutreten,
       jede öffentliche  Beeinflussung von  Wehrpflichtigen,  die  dahin
       geht, in Ausweitung des dem Art. 4 Abs. 3 des Grundgesetzes inne-
       wohnenden Schutzgedankens  eine allgemeine  Kriegsdienstverweige-
       rung zu erzielen."
       Unterzeichnet ist  der Erlaß vom 14. September 1959, aus dem die-
       ser  Auszug   stammt,  von   Nordrhein-Westfalens  Kultusminister
       Schütz. Objekt  des Erlasses  ist der frühere Dozent an der West-
       deutschen Musikakademie  Wilhelm Keller,  heute an  der Pädagogi-
       schen Hochschule in Lüneburg tätig, Schwerkriegsversehrter, über-
       zeugter Pazifist, verheiratet und Vater von drei Kindern.
       Der Pazifist  hatte den ministeriellen Unwillen erregt, des Mini-
       sters Erlaß  ausgelöst und darin die Androhung fristloser Entlas-
       sung, falls Keller seine Treuepflicht wieder verletze, "besonders
       unter den  vorstehend dargelegten Gesichtspunkten". Der Fall Rie-
       meck wiederum  hat Keller  veranlaßt, auch  seine Erlebnisse  mit
       Kultusminister Schütz,  der seinerzeit  der Wuppertaler  Dozentin
       die Prüfererlaubnis  entzogen hatte, der Öffentlichkeit mitzutei-
       len.
       Daß der  Fall Keller  kein anderer  Fall Riemeck wurde, verdanken
       Kultusminister, Öffentlichkeit  und Rechtsstaat wohl nur dem Ent-
       schluß des  Dozenten, aus  beruflichen Gründen seine Zelte an an-
       derem Ort  aufzuschlagen, bevor  Schütz seine Drohung wahrmachte.
       Die Verhandlungen  um die  neue Berufung und ein noch schwebendes
       Einbürgerungsverfahren - Keller ist von Geburt Österreicher - ha-
       ben den Dozenten, wie er sagt, bis heute schweigen lassen.
       Die Geschichte,  die bisher  in dem oben zitierten Erlaß gipfelt,
       begann am 9. Juli 1959 aktenkundig zu werden mit einer von Schütz
       veranlaßten Vernehmung  "zu Ihrem Verhalten in bestimmten politi-
       schen Fragen"  beim Regierungspräsidenten in Detmold. Bereits da-
       mals wurde  Keller eröffnet, daß der Kultusminister beabsichtige,
       ihn fristlos  zu entlassen, "weil er trotz mehrfacher Ermahnungen
       nicht die gebotene Zurückhaltung in seiner politischen Betätigung
       geübt habe".
       Mangelnde Zurückhaltung  erblickte das  Ministerium unter anderem
       in einem  Inserat aus dem Juni 1953, mit dem Keller Auskünfte und
       Beratung für  Kriegsdienstverweigerer anbot, in der Veranstaltung
       und Leitung entsprechender Versammlungen, in "abfälligen Äußerun-
       gen" über die "Politik und die Maßnahmen des Bundesgesetzgebers",
       in einem  Referat mit  dem Thema "Orden und Morden", in Formulie-
       rungen wie "Der Soldat ist juristisch gesprochen ein Totschläger.
       Er tötet Menschen vorsätzlich, ohne Mörder zu sein".
       Die Ministerialen  mußten sich daraufhin sagen lassen, daß selbst
       der Regierungspräsident keine "rechtliche Handhabe" gesehen habe,
       Keller seine  Tätigkeit für  die Internationale der Kriegsdienst-
       gegner zu  verbieten, da  in der  Demokratie die Meinungsfreiheit
       gewährleistet sei.
       Auch die  "abfälligen"  Äußerungen  bestreitet  Keller.  Und  für
       seine, wie  er zugibt, scharfe Kritik beruft er sich auf den Kom-
       mentator des  Disziplinarrechts von  Nordrhein-Westfalen, Schütz,
       der sagt  "Dem Beamten  ist es  nicht verwehrt, in seiner politi-
       schen Betätigung  außerhalb des  Amtes für Bestrebungen einzutre-
       ten, die - ohne die Schranke der allgemeinen Gesetze zu verlassen
       - sich  den jeweiligen  Maßnahmen der  Regierung entgegenstellen,
       sie als verfehlt zu bezeichnen und in der sachlichen Auseinander-
       setzung mit Schärfe zu bekämpfen."
       Zu dem  Thema "Orden und Morden" habe er als Pazifist verständli-
       cherweise seine besonderen Auffassungen, erklärt Keller. Doch das
       erwähnte Zitat "Der Soldat - ein Totschläger" entstamme einer öf-
       fentlichen Diskussion  mit Bundeswehroffizieren,  die  ihrerseits
       auf den Notwehrparapraphen des Strafgesetzbuches hingewiesen hat-
       ten. Er, Keller, habe bei dieser juristischen Erörterung der Auf-
       fassung mancher Pazifisten widersprochen, daß der Soldat nach den
       Begriffen des Strafgesetzbuches als Mörder zu gelten habe.
       Zusammenfassend bedeutete  Keller dem  Ministerium, daß  er  sich
       niemals politisch  betätigt und  bei seinem Eintreten für Kriegs-
       dienstverweigerer Grundgesetz  und Wehrpflichtgesetz  auf  seiner
       Seite habe.  Auch Direktion  und Senat  der Musikakademie Detmold
       traten in  einem Schreiben an den Kultusminister - das nie beant-
       wortet wurde  - für  ihren Kollegen ein, der sein Recht auf freie
       Meinungsäußerung nachweislich  weder in, noch außerhalb der Hoch-
       schule mißbräuchlich  zur Anwendung  gebracht hat". Und eine Leh-
       rervollversammlung billigte  das Schreiben  im Dezember 1959 ein-
       stimmig.
       Der Erlaß,  mit dem  Minister Schütz "antwortete", wurde eingangs
       zitiert. Keller  erwiderte darauf, daß der Pazifist "jede Art von
       Krieg, für  welche Zwecke  immer er geführt wird, für ein Unrecht
       hält". Dem  vom Minister  angeführten staatsbürgerlichen  Willen,
       für den  Staat notfalls auch mit der Waffe einzutreten, stehe der
       staatsbürgerliche Wille,  den Kriegsdienst  mit der Waffe aus Ge-
       wissensgründen zu verweigern, laut Grund- und Wehrgesetz und nach
       Auffassung namhafter  Kommentatoren (Bonner  Kommentar,  Scherer-
       Flor, Arndt) völlig gleichberechtigt gegenüber. Ein Appell an das
       Gewissen aller  Staatsbürger könne  daher rechtlich  nicht minder
       und nicht  höher bewertet werden als ein Appell an den Willen zur
       militärischen Verteidigung.
       Keller erkennt  also nicht  an, daß  er gegen seine Pflichten als
       Angestellter des  öffentlichen Dienstes  verstoßen hatte.  Ob  er
       noch glaubt, was er auf die ersten Vorwürfe des Ministers im Juli
       1959 geschrieben hatte? "Noch kann ich es aber nicht glauben, daß
       nach zwei  Weltkriegen einem  Schwerkriegsversehrten, der  nichts
       anderes verbrochen  hat, als  in seiner  Freizeit für den Frieden
       und gegen  den Krieg,  und zwar  auf dem Boden des Grundgesetzes,
       aktiv zu  wirken, der Arbeitsplatz genommen wird, auf dem er seit
       neun Jahren seine Pflicht erfüllt hat."
       Kultusminister Schütz  jedenfalls brauchte  Kellers Glauben  nach
       dessen freiwilligem  Weggehen nicht  mehr zu  zerstören, und auch
       seine etwaige  Unerschrockenheit vor dem Vorwurf des Antisemitis-
       mus brauchte  der Minister  nicht mehr zu beweisen. Kellers Vater
       nämlich war  Jude, und fast alle Verwandten des Dozenten väterli-
       cherseits wurden in Auschwitz vergast.
       Das Kultusministerium,  von uns befragt, erklärt dazu, Keller sei
       bereits 1953  "durch seine  politische Betätigung  im Rahmen  des
       Verbandes der  Kriegsdienstverweigerer" hervorgetreten.  Bei ver-
       schiedenen Veranstaltungen  habe er sich "abfällig über Maßnahmen
       des Bundesgesetzgebers"  geäußert und  unter anderem  ausgeführt,
       daß nicht  die Kriegsdienstgegner,  sondern die Regierung illegal
       sei. Das  Militär sei keine Lebensschule für junge Menschen, denn
       dort würde  man nicht  zur Humanität, sondern zum Töten, also zur
       Brutalität, zum  Verbrechen erzogen. Es gelte, die Propaganda für
       die Wiederaufrüstung  zu bekämpfen. Er forderte auf, es in dieser
       Frage nicht  allein bei  Worten zu belassen sondern in der Tat zu
       wirken.
       "Im Jahre  1957", erklärt  das Ministerium weiter, "referierte er
       auf einer  Versammlung über  das Thema  "Orden  und  Morden"  und
       führte dabei unter anderem aus, daß er dazu neige, diejenigen als
       Kriegsverbrecher anzusehen, die heute noch öffentlich einen Orden
       tragen, und  daß das  Ordensgesetz in  seinen Augen einen Verstoß
       gegen den Geist unserer Verfassung darstelle."
       Das Ministerium  betont dann  weiter, Keller  sei schon  im April
       1958 darauf  hingewiesen worden, daß seine politischen Äußerungen
       nicht im  Einklang mit  den Vorschriften des Rechts des öffentli-
       chen Dienstes  ständen, wonach  der Angehörige  des  öffentlichen
       Dienstes in  seiner politischen Betätigung zur Zurückhaltung ver-
       pflichtet sei.
       "Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt", heißt es, "daß das Kultusmi-
       nisterium im  Falle einer  Fortsetzung seiner politischen Betäti-
       gung in der bisherigen Form eine Beendigung des Dienstverhältnis-
       ses werde  in Erwägung  ziehen müssen. Da Keller seine politische
       Betätigung in  der Folgezeit  fortsetzte und  mit Angriffen gegen
       die Maßnahmen  des Bundesgesetzgebers  hervortrat,  mußte  er  im
       Jahre 1959  erneut, letztmalig  im Herbst  1959, auf  das Dienst-
       pflichtwidrige seiner  Handlungen und auf die Möglichkeiten einer
       Entlassung hingewiesen  werden. Inzwischen  ist Keller auf seinen
       Antrag mit  Wirkung vom 1. April dieses Jahres aus seinem Dienst-
       verhältnis im Land Nordrhein-Westfalen ausgeschieden."
       So weit  das Kultusministerium.  Es wiederholt damit die gleichen
       Vorwürfe, die  Keller schon  im Juli  1959 vorgehalten wurden. Er
       hat sich  Punkt für  Punkt mit  ihnen auseinandergesetzt, und wir
       haben einen  Teil davon  oben wiedergegeben. Ergänzt sei noch daß
       Keller bestreitet, der Regierung jemals vorgeworfen zu haben, sie
       sei illegal.  Vielmehr habe  er daran erinnert, daß laut Grundge-
       setz die  Kriegsdienstverweigerung legal  sei und daß eine Regie-
       rung, die das nicht respektiere, illegal handeln würde. Seine Äu-
       ßerungen über  "das Militär als Lebensschule" und über das Tragen
       von Orden  begründet Keller mit seinen Ansichten als Pazifist und
       mit persönlichen  Erlebnissen. Die erste Verwarnung im April 1958
       bestreitet Keller in dieser Form. Der letzte Absatz der Stellung-
       nahme des  Ministeriums ist  eine vornehmere  Umschreibung des am
       Anfang unseres Berichts zitierten Erlasses. Jeder weitere Kommen-
       tar erübrigt sich wohl.
       
       Leserbrief in den "Bremer Nachrichten" vom 3. September 1960:
       -------------------------------------------------------------
       
       Herr Anton Bachmann wirft Frau Professor Riemeck vor, daß sie be-
       strebt ist,  weitere Ostkontakte  zu pflegen  und weiter für Ver-
       ständigung und Frieden einzutreten (vergl. Forum vom 27. August).
       Vom demokratischen  Standpunkt aus wäre es durchaus verständlich,
       wenn Herr Bachmann sich sachlich mit der Auffassung von Frau Rie-
       meck auseinandergesetzt  hätte. Dazu  gehört logischerweise,  den
       Beweis zu  führen, wie  man sich  die Lösung  der deutschen Frage
       vorstellt. Die  Ansicht allein "es wird schon alles gutgehen" ist
       kein Argument  in einer atomar hochgerüsteten Welt, auch nicht in
       der Bundesrepublik, in der die Ausrüstung der Bundeswehr mit ato-
       maren Waffen beschlossen worden ist.
       Herr Bachmann  macht es  sich hier leicht. Er bezeichnet eben je-
       den, der  eine andere Meinung besitzt als die Bundesregierung und
       die Opposition,  als kommunistisch.  Es fehlte  nur noch,  daß in
       seinen Augen auch Albert Schweitzer Kommunist ist.
       Die freiheitliche  Ordnung, die  sich alle  Menschen ersehnen und
       erhoffen, ist ein Zustand, der nur auf dem Boden einer wahrhaften
       Demokratie gedeihen  kann, in  der die  Meinungsfreiheit oberster
       Grundsatz ist, in der man es nicht nötig hat, Notstands- und Not-
       dienstgesetze vorzubereiten,  sondern der  Wille des  Volkes ent-
       scheidend die Politik beeinflußt.
                                             Detlev Kroeger, Bremen
       

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