Quelle: Blätter 1960 Heft 09 (September)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Rudolf Pikola
       
       IST GOTT AUS DER KIRCHE AUSGETRETEN?
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       ...
       Am 25. August fand in Hannover ein interessanter politischer Pro-
       zeß statt:  Bundesverteidigungsminister Strauß hatte auf Beleidi-
       gung geklagt,  weil er sich durch einen satirischen Artikel ange-
       griffen fühlte,  den Rudolf  Pikola in der pazifistischen Zeitung
       "Das andere Deutschland" unter dem Titel "Ein sicher nicht unmög-
       liches Gespräch"  veröffentlicht und  in dem  er die  jahrhunder-
       tealte Zusammenarbeit zwischen offizieller Kirche und staatlichem
       Militarismus gegeißelt hatte. Dieser Artikel hatte bereits im vo-
       rigen Jahr  eine  große  Kampagne  gegen  Pikola  ausgelöst,  die
       schließlich dazu  geführt hatte, daß er bei den Kommunalwahlen im
       März mit  absoluter Mehrheit  zum  Bürgermeister  der  Kreisstadt
       Miesbach in  Oberbayern gewählt  wurde. Der  siebzigjährige  Zei-
       tungsverleger Fritz  Küster, der  "Das andere  Deutschland"  seit
       1925 führt,  war ebenfalls mitangeklagt. Er war wegen seiner Hal-
       tung 5 1/2  Jahre in Hitlers Konzentrationslagern gesessen. Beide
       Angeklagte wurden in Hannover freigesprochen.
       Wir haben unseren langjährigen Mitarbeiter Rudolf Pikola gebeten,
       uns die wichtigsten Gesichtspunkte seiner Verteidigung, in der er
       seine Ansicht  historisch begründete,  in einem zusammenfassenden
       Artikel darzulegen. D. Red.
       ...
       ...
                    "Da hilft kein Zorn, da hilft kein Spott
                    da hilft kein Fluchen und kein Beten,
                    die Nachricht stimmt, der liebe Gott
                    ist aus der Kirche ausgetreten."
       ...
       ...
                     "Du reicher Gott in Gnaden,
                     schau her vom Himmelszelt!
                     Du hast uns selbst geladen
                     in dieses Waffenfeld.
                     Laß' uns vor dir bestehen
                     und gib uns heute Sieg;
                     die Christenbanner wehen,
                     dein ist, o Herr, der Krieg!"
       ...
       ...
                  Wir wünschen uns Gott in unsere Armee,
                  damit unsere jungen Soldaten,
                  die das geliebte Frankreich verteidigen,
                  Helden im Kampf sein mögen!
       
                  Um gegen die Ungläubigen zu kämpfen,
                  die es gewagt haben, sich zu erheben,
                  setzen unsere Soldaten ihr Leben ein -
                  das Kreuz wird sie zu beschützen wissen!
       
                  Zu deinen Füßen, o Jungfrau Maria, bitten wir dich,
                  auf den Knien liegend, daß der Boden Algeriens
                  französisch bleibt wie wir!
                  Algerien hat sein Schicksal Jesu geweiht!
       
                  Wahnsinnige, die den Glauben verweigern,
                  möchten Frankreich und seine Söhne davonjagen!
                  Fall ihnen in den Arm! Gib den Sieg
                  den mit dem Kruzifix bewaffneten Soldaten!
       (Französisches Kirchenlied,  das innerhalb der Armee bei Feldgot-
       tesdiensten und  in den  Kirchen Algeriens gesungen wird. Aus der
       Zeitschrift SOPO Nr. 11/12, 1959.)
       ...
       ...
       "Ist dem  deutschen Soldaten solche Treue seinem Führer und ober-
       sten Befehlshaber zu geloben schon leicht gemacht, weil er in ihm
       das Vorbild  wahrhaft soldatischen  Wesens und Treue erkennt, ...
       dann wird  der christliche  Soldat erst  recht sein  Gelöbnis  in
       Ernst und  Freudigkeit des Herzens sprechen können, weil ihn sein
       Glaube lehrt,  in der  Person des  Herrschers über  die rein men-
       schlichen Fähigkeiten und Leistungen hinaus die ihm von Gott ver-
       liehene Herrlichkeit  und Ehre  zu erkennen und anzuerkennen. Für
       den Christen,  der in  seinen Glauben hineingenommen hat, daß die
       Staatsgewalt ihren  Auftrag von  Gott empfing,  ist ein Schwanken
       auch in  solch  entscheidender  Stunde  nicht  möglich,  für  den
       christlichen Soldaten, der sich durch einen heiligen Eid vor Gott
       zur Treue  verpflichtet hat,  erst recht  nicht.   E r    w i r d
       d e n   K r i e g   v o n   d e r  s i t t l i c h e n  S e i t e
       s e h e n  als ein Ringen zwischen Recht und Unrecht und für sich
       selbst als eine Probe der Bewährung seines Mannestums."
       ...
       ...
       "Die letzte  Verantwortung für jeden Schuß, den ich als Soldat im
       Kriege abgebe, trägt der Inhaber der Staatsgewalt, der den Befehl
       zur Kriegführung  gegeben hat... Es versteht sich von selbst, daß
       ich   g e r a d e   a l s   C h r i s t    d i e    P f l i c h t
       h a b e,   unter Beachtung der möglichst humanen und ritterlichen
       Formen der  Kriegführung   e i n   m ö g l i c h s t    g u t e r
       S o l d a t   z u  s e i n,  der die ihm gestellten militärischen
       Aufgaben mit peinlicher Sorgfalt und mit Aufopferung aller seiner
       Kräfte zu erfüllen trachtet."
       ...
       

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