Quelle: Blätter 1960 Heft 10 (Oktober)


       zurück

       
       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT (GEGR. 1892)
       =========================================================
       ZUM GENERALSMEMORANDUM
       ======================
       
       Der Führungsstab  der Bundeswehr  hat am 13. Juli 1960 eine Denk-
       schrift veröffentlicht. Diese Denkschrift wurde von Bundesvertei-
       digungsminister Strauß  angeregt, sowie vom Führungsstab der Bun-
       deswehr formuliert und unterzeichnet. Sie ist "nicht nur ein Zei-
       chen hoffnungslos  antiquierten Denkens, sondern gleichzeitig der
       gefährliche Versuch, neue Machtpositionen zu gewinnen" (Professor
       D. Gollwitzer).  In der  Denkschrift wird die totale Militarisie-
       rung der Bundesrepublik verlangt und folgendes gefordert:
       1. Die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht;
       2. die Beibehaltung der Mitgliedschaft in der NATO;
       3. die atomare Bewaffnung der deutschen Bundeswehr.
       Es wurde  dargelegt, daß  nur unter  diesen Voraussetzungen  eine
       wirksame Verteidigung  des Westens im allgemeinen und der Bundes-
       republik im besonderen möglich sei. Nach der Erkenntnis namhafter
       Militärschriftsteller, wie  des Engländers Stephen King Hall, ist
       jedoch eine  militärische Verteidigung  im  Atomzeitalter  ausge-
       schlossen, was  insbesondere auch  für unser Frontland gilt. Mög-
       lich ist  allenfalls noch  eine atomare  Vergeltung im Augenblick
       des Unterganges.  Jeglicher Luftschutz ist bei einer Warnzeit von
       30 Sekunden  bis zu  4 Minuten - je nach Entfernung der westdeut-
       schen Städte von den östlichen Raketenbasen - völlig illusorisch.
       Angesichts der geopolitischen und militärtechnischen Lage unseres
       Landes fordern  wir eine  sofortige Aufgabe  des verhängnisvollen
       Schwertweges, der  schon zweimal  über unser  Volk namenloses Un-
       glück gebracht  hat. Als  älteste  deutsche  Friedensorganisation
       verlangen wir:
       1. Verzicht auf jede atomare Aufrüstung;
       2. Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht;
       3. Neutralisierung Gesamtdeutschlands  bei völliger  Entmilitari-
       sierung und  Aktivierung der geistigen, moralischen und materiel-
       len Kräfte  für die  Friedensaufgabe des  Ausgleichs zwischen Ost
       und West, die dem deutschen Volk als Volk der Mitte gestellt ist.
       Sollten die  Regierungen der  beiden Teile  Deutschlands  unseren
       Vorschlag annehmen,  so würden  sie ein  günstiges Klima  für die
       Wiedervereinigung unseres  Landes schaffen  und einen  wertvollen
       Beitrag für die Erhaltung des Weltfriedens leisten.
       

       zurück