Quelle: Blätter 1961 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG VON PROF. DR. RENATE RIEMECK
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       ZUR AUFGABE IHRES LEHRAMTES
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       Frau Prof.  Riemeck hat  mit Schreiben  vom 11. Dezember 1960 den
       Kultusminister von  Nordrhein-Westfalen um  Entlassung nach  § 44
       LBG ersucht. In der Begründung für diesen Schritt heißt es:
       "Der Kultusminister  des Landes  Nordrhein-Westfalen hat  mir aus
       politischen Gründen  die Prüfungsbefugnis  entzogen und  mich da-
       durch in  unerträglicher Weise  auch in  der  Wahrnehmung  meines
       Lehrauftrags behindert. Ich habe mich dem damit verbundenen poli-
       tischen Druck, unter den man mich - und leider auch meine Studen-
       ten -  gestellt hat, nicht gebeugt. Das geschah aus Liebe zu mei-
       nem Beruf  und in dem Bewußtsein der Verantwortung gegenüber mei-
       nen Schülern.  Die Auseinandersetzung um das Vorgehen des Kultus-
       ministers und  insbesondere sein eigenes Verhalten in der Öffent-
       lichkeit in  dieser Frage  haben mich jedoch in aller Schärfe er-
       kennen lassen,  daß es  nicht genügt, Grundlagen und Lebensformen
       der Demokratie  zu lehren,  sondern daß es heute zur Verteidigung
       der im  Grundgesetz verbürgten  Rechte und Freiheiten des Staats-
       bürgers eines größeren Einsatzes bedarf. Diese Erkenntnis ist mir
       durch die  jüngsten innenpolitischen Ereignisse zur Gewißheit ge-
       worden. Ich  habe zwar schon seit Jahren mit wachsender Sorge und
       Unruhe die  politische Entwicklung  der Bundesrepublik unter Füh-
       rung der CDU beobachtet. Aber ich hatte doch noch immer die Hoff-
       nung, daß die SPD entschlossen und imstande sein werde, von unse-
       rem Volk  die lebensgefährliche  Politik der  atomaren Aufrüstung
       abzuwenden. Diese  Hoffnung ist  durch die  Entscheidung des SPD-
       Parteitages in  Hannover zerstört  worden. Angesichts dieser Lage
       habe ich den Entschluß gefaßt, meine ganze Kraft für eine Politik
       der Entspannung  und der Verständigung einzusetzen, die notwendig
       ist, soll  Deutschland vor  der Gefahr eines Krieges bewahrt wer-
       den. Mein  Gewissen gebietet es mir, ohne Rücksicht auf persönli-
       che Sicherungen der Sache des Friedens zu dienen.
       Ich weiß,  welche Folgen  die von mir geforderte Entlassung haben
       wird. Ich habe auch die Möglichkeit einer Berufung an die Pädago-
       gische Hochschule  Bremen, die mir nach meiner Abberufung aus der
       Wuppertaler Prüfungskommission geboten wurde, nicht ergriffen."
       
       Weitere Unterzeichner der Protesterklärung
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       zugunsten von Frau Prof. Dr. Riemeck
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       Der Protesterklärung  gegen die Entfernung von Frau Prof. Dr. Re-
       nate Riemeck  aus ihrem  Prüfungsamt - vgl. die Dokumentation der
       letzten Nummern  der "Blätter" - haben sich inzwischen noch ange-
       schlossen u.a.:
       Pfarrer Dr. theol. Hans-Werner Bartsch
       Prof. Dr. Gert von Eynern
       Stadtrat Prof.  Dr. Theo  Gläss, Ministerialdirigent  im  Nieder-
       sächs. Kultusministerium
       Prof. Dr. K. Gerhardt
       Prof. Katharina Petersen, Ministerialrätin i.R.
       Oberstudiendirektorin i.R. Dorothea Schöndörrffer
       Prof. Dr. Eberhard Schomburg
       Prof. Dr. Wolfgang Schweitzer
       Prof. D. Heinrich Vogel.
       

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