Quelle: Blätter 1961 Heft 02 (Februar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       KOMMUNIQUÉ ÜBER DIE TAGUNG DES DFU-VORSTANDES
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       AM 14./15. JANUAR IN KÖLN
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       Der Bundesvorstand der Deutschen Friedens Union (DFU) trat am Wo-
       chenende in Köln zu seiner ersten Sitzung zusammen. Er wählte aus
       seiner Mitte  den Geschäftsführenden Vorstand und das dreiköpfige
       Direktorium. In  das Direktorium wurden gewählt: Prof. Dr. Renate
       Riemeck, Karl  Graf von  Westphalen und  Lorenz  Knorr.  Dem  Ge-
       schäftsführenden Vorstand gehören außer den drei Direktoriumsmit-
       gliedern an: Albert Berg (Hamburg), Staatssekretär a.D. Prof. Dr.
       Eduard Brenner,  Frau Dr.  Sophie Charlotte  Kirchhof (Duisburg),
       Betriebsratsvorsitzender Wilhelm  König (Kronberg/Taunus), Regie-
       rungsrat Dr.  Günter Raschen  (Braunschweig), Fabrikant  Dr.-Ing.
       J.F. Tönnies  (Freiburg) und  der katholische Schriftsteller Hans
       Wirtz (Freiburg).
       Der Bundesvorstand  beschäftigte sich auf seiner zweitägigen Sit-
       zung im  wesentlichen mit Fragen, die den raschen Aufbau der DFU-
       Landesverbände betreffen.
       In einem Referat erklärte Frau Prof. Riemeck, daß es nicht in der
       Absicht der  DFU läge,  den Wahlkampf  gegen die  SPD zu  führen.
       Wörtlich sagte sie: "Unser Kampf gilt der Aufrüstungspolitik, und
       wer die  betreibt, das wissen wir. Von dieser Stoßrichtung werden
       wir uns  von niemandem  abbringen lassen, auch nicht von den Ver-
       fechtern der Adenauer-Politik innerhalb der SPD-Führung.
       In der  Diskussion ergriffen neben Hans Wirtz, Mira von Kühlmann,
       Albert Berg,  Dr. Heydt und Prof. Dr. Karl Rode auch geladene Gä-
       ste das  Wort, die  anschließend in  den Unions-Rat der DFU - ein
       beratendes Gremium  - gewählt wurden, so u.a. Wilhelm Elfes, Wal-
       ter Diehl  und Dr.  Gieseking. Von  verschiedenen Sprechern wurde
       zum Ausdruck  gebracht, daß  wahltaktische Manöver,  die den Ein-
       druck außenpolitischer  Beweglichkeit erzeugen sollen, nicht hel-
       fen, wenn  gleichzeitig die Aufrüstung fortgesetzt wird. Nur eine
       aktive Abrüstungs-  und Neutralitätspolitik  kann  zu  wirklicher
       Entspannung führen.  Am Beispiel  des Interzonenhandels-Abkommens
       sei deutlich  geworden, daß eine sinnwidrige Verschärfung der Ge-
       gensätze nur  dazu führt,  die von  der Vernunft  her notwendigen
       Schritte am  Ende erzwungen zu vollziehen. "Wir aber wollen keine
       erzwungene, sondern eine vom eigenen Willen und den deutschen In-
       teressen bestimmte Entspannungspolitik."
       Ausführlich beschäftigte sich der Bundesvorstand mit dem von Bun-
       desinnenminister Schröder  vorgelegten Gesetz  über Ein- und Aus-
       reise, das  elementare Grundrechte  einschränkt und vor allem die
       beiden Teile  Deutschlands noch weiter auseinanderreißt. Der Vor-
       stand faßte  den einstimmigen  Beschluß, gegen dieses Gesetz Ver-
       fassungsbeschwerde  beim  Bundesverfassungsgericht  einzureichen,
       falls es rechtskräftig werden sollte.
       

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