Quelle: Blätter 1961 Heft 02 (Februar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       121 AMERIKANISCHE WASSERSTOFF-RAKETEN SIND EINSATZBEREIT
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       Das gut  unterrichtete amerikanische  Nachrichtenmagazin "US News
       and World  Report" ist in einer Übersicht über die amerikanischen
       Raketenbestände zu  dem Schluß  gekommen, daß  es den Vereinigten
       Staaten im  letzten Jahr praktisch gelungen sei, die Atomraketen-
       lücke gegenüber  der Sowjetunion  zu schließen.  Ein sowjetischer
       Atomangriff könnte  heute bereits  mit einem vernichtenden Gegen-
       schlag von  121 mit  Wasserstoffsprengkörpern bestückten  Raketen
       vergolten werden.
       Im einzelnen  zählt die  Zeitschrift als  einsatzbereit  auf:  32
       "Polaris"-Raketen an Bord der Atom-Unterseeboote "George Washing-
       ton" und "Patrick Henry", neun interkontinentale "Atlas"-Raketen,
       von denen  drei in  Vandenberg (Kalifornien)  und sechs  auf  dem
       Luftstützpunkt Warren (Wyoming) abschußbereit auf den Rampen lie-
       gen. Dazu  kommen 60  in Großbritannien stationierte Mittelstrec-
       kenraketen vom  Typ  "Thor"  und  20  Fernlenkgeschosse  vom  Typ
       "Snark", die auf der Insel Presque im Bundesstaat Maine auf Ziele
       in der Sowjetunion gerichtet sind.
       Darüber hinaus  werden gegenwärtig  in der  Türkei und in Italien
       insgesamt 45  Fernraketen vom  Typ "Jupiter" installiert. Bis zum
       Sommer dieses  Jahres werden noch in den Vereinigten Staaten neun
       "Titan"-Raketen in  ihre Feuerstellungen  gebracht. Bis  zum Ende
       des Jahres  sollen ferner  vier weitere  Atomunterseeboote und 45
       "Atlas"-Raketen einsatzbereit  sein, so daß innerhalb weniger Mo-
       nate fast  300 amerikanische  Atomraketen für  einen Vergeltungs-
       schlag bereitstehen.
       Auf der  Insel Ascension  im Südatlantik  wollen die  Vereinigten
       Staaten in Kürze eine neue Radarstation zur Beobachtung von Rake-
       tenversuchen in  Betrieb nehmen, wie die amerikanische Armee mit-
       teilt. Die  neue Station,  die alle  bisherigen Radarstationen an
       Reichweite und  Genauigkeit übertreffen  soll, wird  den Flug der
       von Kap  Canaveral gestarteten Raketen auf der Versuchsstrecke im
       Südatlantik beobachten.
       Wie jetzt  im einzelnen  bekannt wird, sieht die am Montag vorge-
       legte Haushaltsbotschaft Präsident Eisenhowers für die amerikani-
       sche Atomenergiekommission 1961/62 Ausgaben in Höhe von 2,68 Mil-
       liarden Dollar  vor, das  sind 20  Millionen mehr als im Vorjahr.
       Der Botschaft  ist zu  entnehmen, daß  sich die  Ausgaben für die
       Atomwaffenproduktion und  einige  andere  Atom-Programme  erhöhen
       werden. Diese  erhöhten Ausgaben werden jedoch durch Einsparungen
       bei der  Herstellung von Urankonzentraten weitgehend wieder wett-
       gemacht. Bis  zum Ende des Haushaltsjahres 1962 soll die Zahl der
       privaten Atomkraftwerke von drei auf zehn und die der staatlichen
       Versuchsatomkraftwerke von fünf auf zehn erhöht werden.
       FAZ v. 18.1.61
       
       NOCH IMMER TÖDLICHE STRAHLUNGEN
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       24 Stunden nach der Explosion eines amerikanischen Versuchs-Atom-
       reaktors in  Idaho Falls  haben tödliche  radioaktive Strahlungen
       noch immer  nicht die  Bergung der  beiden noch  an der Unglücks-
       stelle liegenden  Toten gestattet.  In schwere  Schutzanzüge  ge-
       hüllte Fachleute  konzentrieren ihre  Suche gegenwärtig  auf  die
       Strahlungsquelle, die  beseitigt werden muß, ehe die Aufräumungs-
       arbeiten beginnen  können. Trotz der schweren Schutzanzüge können
       sich die  Männer wegen  der starken  Strahlungen kaum  länger als
       eine Minute  im Innern  der Gebäuderuinen  aufhalten. Von Zeit zu
       Zeit fliegt  ein Flugzeug  in 150  Metern Höhe über die Unglücks-
       stelle und  prüft die Stärke und Ausdehnung des Strahlungsfeldes.
       Bisher wehte  ein steifer Südwestwind, der die gefährliche Strah-
       lung von  bewohnten Gegenden forttrug. Dem Unglück sind insgesamt
       drei Soldaten der Armee zum Opfer gefallen.
       FAZ v. 6.1.61
       
       DIE OPFER DER BOMBE VON HIROSHIMA
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       Vom Spital in Hiroshima, das über 90 Prozent der Opfer des ersten
       Atombombenabwurfs behandelt,  verlautete am  Dienstag, daß in den
       ersten elf  Monaten dieses  Jahres 74 Personen den Folgen der er-
       sten Atomexplosion  erlegen sind,  das heißt 11 mehr als im glei-
       chen Zeitraum  des Vorjahrs. Vier weitere Personen sind bisher im
       Dezember verschieden.  Insgesamt wurden  in diesem Spital vom Ja-
       nuar bis  November 18 378  Personen wegen atomischer Erkrankungen
       gepflegt.
       Reuter v. 27.12.60
       
       GESPRÄCH ÜBER ATOMVERSUCHSSTOP
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       Die ersten Anzeichen dafür, daß es bald zur Wiederaufnahme ernst-
       hafter Abrüstungsverhandlungen  kommen  dürfte,  haben  hier  (in
       Washington. D.  Red.) großes  Aufsehen erregt.  Kennedy ließ ver-
       traulich in  Moskau nachforschen, ob Chrustschow bereit ist, Ver-
       handlungen über  einen Atomversuchstop wieder aufzunehmen. Kenne-
       dys inoffizieller  Botschafter war Professor Walt Whitman Rostow,
       Professor für Wirtschaftsgeschichte am Massachusetts Institute of
       Technology und  einer der Berater Kennedys in Fragen der Außenpo-
       litik. Die Konferenz über den Atomversuchstop in Genf soll im Fe-
       bruar wieder  aufgenommen werden.  Es heißt,  daß  Kennedy  einen
       letzten Versuch machen will, zu einem Abkommen zu gelangen.
       Professor Rostow  gehörte zu einer Gruppe von amerikanischen Wis-
       senschaftlern, die  zur jährlichen  Pugwash-Konferenz nach Moskau
       reiste. Er  hatte Unterredungen  mit den  führenden  sowjetischen
       Atomwissenschaftlern Igor Tamm und Peter Kapitzka. Einer der ame-
       rikanischen Konferenzteilnehmer  deutete an,  daß man  den Russen
       gesagt habe,  wenn sie  zwanzig örtlichen Inspektionen zustimmten
       und die  Verhandlungen über  einen Atomversuchstop wieder aufnäh-
       men, würde  ein Zusammentreffen  zwischen Chrustschow und Kennedy
       möglich sein.  Die Wissenschaftler  berichteten, daß Tamm und Ka-
       pitzka augenscheinlich  von Chrustschow  ermächtigt waren, zu er-
       klären, den  Sowjets läge jetzt dringend daran, ein Abkommen über
       das Verbot  der Atomversuche  zu erzielen.  Sie drückten ihre Be-
       sorgnis darüber  aus, daß  weitere Verzögerungen  anderen Ländern
       die Möglichkeit  geben könnten,  Atomwaffen herzustellen.  Gegen-
       stand ihrer  Hauptbesorgnis ist  China. Es  scheint hingegen, daß
       sie über  die Absichten  Israels, einen Atomreaktor mit französi-
       scher Hilfe zu bauen, nichts wußten.
       Daily Mail (London)
       
       EATON BEREITET WEST-OST-ABRÜSTUNGS-GESPRÄCH VOR
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       Cyrus S.  Eaton sagte gestern, er plane, eine Konferenz von Wirt-
       schaftsführern und  Industriellen aus  kommunistischen und nicht-
       kommunistischen Ländern  zusammenzurufen, zur  Ausarbeitung eines
       Vertrages über  Abrüstung, der den Regierungen der Welt vorgelegt
       werden soll.
       Der Industrielle  aus Cleveland  (USA), ein  Bewunderer des Mini-
       sterpräsidenten  Chrustschow,  sagte,  die  nicht-kommunistischen
       Teilnehmer würden führende Kapitalisten aus den Vereinigten Staa-
       ten, Großbritannien,  Frankreich, Indien, Japan und Lateinamerika
       sein. Er erwartet, daß maßgebliche Persönlichkeiten aus der Indu-
       strie der Sowjetunion, des kommunistischen China und anderer kom-
       munistischer Nationen teilnehmen würden.
       Mr. Eaton  sagte, Zeit  und Ort des Treffens würden erst nach Ab-
       schluß der  Sitzungen bekanntgegeben,  um einen  möglichst freien
       Meinungsaustausch ohne Druck von außen möglich zu machen. Er deu-
       tete an, daß er die Zusammenkunft gern an einem Ort der USA sehen
       würde, nannte  aber als  Alternative London, für den Fall, daß es
       wegen der  Einreise von Personen aus dem kommunistischen China in
       die USA Schwierigkeiten geben werde.
       New York Times v. 7.1.61
       
       SCHWEITZER ARBEITET AN FRIEDENSMANIFEST
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       Dr. Albert  Schweitzer arbeitet  nach Angaben aus seiner Umgebung
       an einem  Friedensmanifest. Es soll, so berichten seine Mitarbei-
       ter im Urwaldkrankenhaus Lambarene, die Krönung seines umfangrei-
       chen literarischen und philosophischen Werkes werden.
       Der Mittag v. 21.1.61
       
       LONDON FÜR NEUTRALES LAOS
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       Gestern erklärte  der britische  Außenminister auf einem Essen in
       Paris, London hoffe, in Laos könne eine Regierung mit breiter Ba-
       sis, "which is genuinly non-aligned", errichtet werden, das heißt
       eine     "e c h t    n e u t r a l i s t i s c h e"    R e g i e-
       r u n g.   Das Foreign  Office ist... der Auffassung, daß von den
       Vereinigten Staaten  nicht General Nosavan, sondern der neutrali-
       stische Ministerpräsident  Prinz Souvanna  Phouma, der  nach Kam-
       bodscha geflüchtet  ist, hätte  unterstützt  werden  sollen.  Man
       glaubt in Whitehall, ein neutralistisches Regime in Laos wäre für
       den Westen  weniger gefährlich gewesen als der Kampf zwischen ei-
       nem "russischen" und einem "amerikanischen" Lager.
       Neue Zürcher Zeitung v. 19.XII.60
       
       POSITIVER NEUTRALISMUS
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       Heute sollte  es offensichtlich  sein, daß neutralistische Regie-
       rungen, wie diejenigen in Afghanistan, Nepal, Indien und Burma an
       den Grenzen  Chinas die chinesischen Befürchtungen wegen des ame-
       rikanischen 'Imperialismus'  beschwichtigen und  innerhalb dieser
       Länder selbst  die politischen  Spannungen vermieden. Ihr Neutra-
       lismus führt  keineswegs dazu, daß sie in den chinesischen Macht-
       bereich einbezogen  oder der  chinesischen politischen Infiltrie-
       rung preisgegeben  werden.  Eine  neutralistische  Regierung  ist
       überdies nicht  weniger besorgt darum, ihre nationalen Interessen
       zu verteidigen,  wenn, wie im Falle von Indien, ein Konflikt ent-
       stehen sollte.
       Times v. 23.XII.60
       
       DIE VERANTWORTUNG DER USA FÜR DEN BÜRGERKRIEG IN LAOS
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       Wenn der  außenpolitische Kurs  der Regierung  von Prinz Souvanna
       Phouma auch  immer einen  Neutralismus a  la Kambodscha  bedeutet
       hätte, so wäre dem Lande zumindest ein Bürgerkrieg oder eine kom-
       munistische Machtergreifung erspart geblieben. Für diesen Bürger-
       krieg tragen die Amerikaner weitgehend die Verantwortung, denn er
       wäre ausgeblieben, wenn General Phoumi nicht militärische und mo-
       ralische Hilfe von den USA und dem benachbarten Thailand erhalten
       hätte.
       Süddeutsche Zeitung v. 30.XII.60
       
       DIE FOLGEN DES ÜBERHITZTEN ANTIKOMMUNISMUS
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       Korrespondenten, die soeben aus Ostasien zurückgekommen sind, sa-
       gen übereinstimmend,  die sich  ständig zuspitzende  Lage in Laos
       sei nur  darauf zurückzuführen,  daß die  Amerikaner sich mit der
       neutralistischen Regierung  Souvanna Phouma nicht hätten abfinden
       wollen und  ihr ständiges Drängen auf das Herausstellen pro-west-
       licher Vertreter  schließlich die  anti-westlichen Kräfte so sehr
       mobilisiert hat,  daß augenblicklich  die prokommunistischen Ver-
       treter über die Neutralisten die Oberhand gewonnen haben.
       Die Zeit v. 30.XII.60
       
       FATALES "ALLES ODER NICHTS"
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       Es ist  offensichtlich, daß  die Regierung  Souvanna Phouma durch
       eine amerikanisch  unterstützte Rebellion gestürzt worden ist. Es
       ist also nicht verwunderlich, wenn die kommunistischen Mächte aus
       den Ereignissen den Schluß ziehen, es sei den Amerikanern nun mit
       gleicher Münze  heimzuzahlen. Das  scheinen sie  auch zu tun: die
       Berichte über  die sowjetrussische Luftversorgung der Truppen des
       Hauptmanns Kong  Le sind  ohne Zweifel  zutreffend. Der entschei-
       dende Punkt  ist aber wohl der, daß die Sowjetunion und Nordviet-
       nam die  Verwirklichung der  Genfer Laos-Weisungen  von 1954 for-
       dern, während  die USA sich nie dazu bequemen wollten, diese Wei-
       sungen zu  sanktionieren.  D i e  V e r e i n i g t e n  S t a a-
       t e n   w o l l e n   k e i n   n e u t r a l e s   L a o s.  Sie
       ziehen es  vor, ein  weiteres Land  aufzuspalten, wenn  es  ihnen
       dabei bloß gelingt, die eine Hälfte unter ihrem Einfluß zu behal-
       ten. Diese  Haltung widerspricht  klarerweise den  Interessen des
       laotischen Staatswesens und Volkes. Darum lautet auch auf längere
       Sicht die Prognose für die Amerikaner schlecht, wenn sie ihre ge-
       genwärtige Politik  auch unter  der Regierung  Kennedy fortsetzen
       sollten - was aber keineswegs feststeht.
       Die Tat (Zürich) v. 3.I.61
       
       NEUTRALISIERUNG - SINNVOLLER KOMPROMISS
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       Mehrere Initiativen  sowohl der Regierung der Vereinigten Staaten
       als auch  der Sowjetunion  haben in  den  letzten  vierundzwanzig
       Stunden erheblich  zu einer  Entschärfung der Lage in Laos beige-
       tragen und  die Hoffnungen auf eine Kompromißlösung der Krise auf
       der Basis  einer echten Neutralisierung des Landes gestärkt... In
       Washington heißt  es daß  die Neutralisierung  des Landes und die
       Bildung einer  Koalitionsregierung von  Boun Oum zusammen mit den
       neutralistischen Kräften  zwar für den Westen unbefriedigend sei,
       aber die  Alternative, nämlich eine bewaffnete Auseinandersetzung
       nach koreanischem Muster, noch viel unbefriedigender wäre.
       Stuttgarter Zeitung v. 13.I.61
       
       DAS LAOS-DEBAKEL
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       Die Lage  in Laos  hat nun  den Punkt  erreicht, an  dem sie sich
       nicht weiter  versteifen darf. Auf Wegen, über die das amerikani-
       sche Volk  niemals ausreichend  unterrichtet worden ist, hat sich
       seine Regierung tief in die inneren Angelegenheiten von Laos ver-
       strickt. Der Beweis dafür, daß diese Einmischung weiter ging, als
       klug gewesen wäre, liegt in der heftigen Kritik, der Amerikas Po-
       litik in  Laos heute  durch Großbritannien, Frankreich und Indien
       ausgesetzt ist.  Diese drei  Länder haben bessere Erfahrungen und
       größeres Interesse  in Südostasien  als die  USA. Wir sollten sie
       anhören. Wir  sollten sie  schon lange  zuvor angehört haben. Wir
       sollten jetzt  mit ihnen  zusammenarbeiten, um die internationale
       Krise abzuwenden, die über uns lastet.
       Walter Lippmann (vgl. Westfälische Rundschau v. 14./15.1.61)
       
       FRANKREICH FÜR NEUTRALES LAOS
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       Die ganze  Linie der  französischen Politik  geht darauf aus, die
       Neutralität von Laos wiederherzustellen; denn es sei viel klüger,
       diesen Staat  als neutrales Niemandsland zu erhalten, als die Ge-
       fahr heraufzubeschwören,  daß es, wie Korea oder Indochina, teil-
       weise oder ganz kommunistisch werde.
       FAZ v. 21.I.61
       
       KENNEDY'S EINSICHT
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       In einer kurzen Stellungnahme zum Laos-Problem meinte Kennedy (in
       seiner ersten  Pressekonferenz D.  Red.) die  Vereinigten Staaten
       seien nicht  an einer Vorherrschaft in diesem hinterindischen Kö-
       nigreich interessiert,  sondern wünschten  es als ein friedliches
       und blockfreies  Land zu sehen. Die Welt werde schon in Kürze er-
       fahren, ob  die internationale Laos-Kommission reaktiviert werden
       könne.
       Die Tat v. 27.I.61
       
       KOREANISCHE MÖGLICHKEITEN
       =========================
       
       Die Möglichkeit, daß ein sowjetisch-chinesischer Vorstoß in Rich-
       tung auf  eine Korealösung  nach dem Vorbild Österreichs - garan-
       tierte Neutralität bei Abzug aller fremden Truppen - Erfolg haben
       könnte, ist 1961 längst nicht mehr so utopisch wie 1960. Dies al-
       les auf dem Hintergrund einer innenpolitischen Bühne in Südkorea,
       wo sich  die Opposition gegen die schwache Regierung Chanh Miyuns
       steigert.
       Westfälische Rundschau v. 13.I.61
       
       KONTAKTE IN KOREA
       =================
       
       In der  Republik Südkorea  sind Bestrebungen im Gange, kulturelle
       und andere  unpolitische Beziehungen zu Nordkorea aufzunehmen, um
       den Weg  zu einer  späteren Vereinigung  beider Teile  des Landes
       vorzubereiten. Diese Bewegung wird von vielen politischen Gruppen
       und einigen Zeitungen unterstützt. Die Regierung des Ministerprä-
       sidenten John  Tschang hatte sich bisher gegen diese Bestrebungen
       gewandt und  sie als  kommunistische Propaganda bezeichnet. Jetzt
       hat sie  sich jedoch auf Drängen der Öffentlichkeit zu begrenzten
       Kontakten bereit  erklärt, so  zum Austausch von Stromlieferungen
       aus dem  Norden gegen  Lebensmittel aus  dem Süden.  Auch ein be-
       grenzter kultureller  Austausch und die Aufnahme des Postverkehrs
       wird befürwortet.
       FAZ v. 26.I.61
       
       NEUTRALISIERUNG DEUTSCHLANDS IM GESPRÄCH
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       Der Labour-Abgeordnete  Emrys Hughes  hat am Donnerstag im Unter-
       haus für eine Neutralisierung Deutschlands plädiert mit dem Argu-
       ment, da  sich die Neutralität Österreichs segensreich ausgewirkt
       habe, könne  auch eine ähnliche Wirkung im deutschen Falle erwar-
       tet werden. Macmillan lehnte die Idee nicht nur ab, weil zwischen
       der österreichischen  und der deutschen Situation kein sinnvoller
       Vergleich möglich  sei, sondern vor allem, weil eine Neutralisie-
       rung Deutschlands ein gefährliches Vakuum schüfe.
       Der Marschall  der Royal Air Force, Sir John Slessor, hat, aller-
       dings ohne  das österreichische  Beispiel heranzuziehen, in einem
       Artikel in  einer neu  konservativen Zeitschrift  jetzt ebenfalls
       erneut die  militärische Neutralisierung Deutschlands vorgeschla-
       gen im  Sinne des  sogenannten Gaitskell-Planes,  der von dem La-
       bour-Abgeordneten Healey entwickelt worden ist.
       FAZ v. 27.I.61
       
       ANREGUNG FÜR KENNEDY
       ====================
       
       Nach einem Bericht der "Chicago-Sun-Times" soll der amerikanische
       Universitätsprofessor Walt  Rostow dem künftigen Präsidenten Ken-
       nedy die  Überlegung empfohlen  haben, die  Oder-Neiße-Linie  als
       endgültige polnische  Westgrenze anzuerkennen, wenn dafür von der
       Sowjetunion ein  freier Zugang  nach Westberlin  garantiert wird.
       Professor Rostow  gehört zum  Kreis der  außenpolitischen Berater
       Kennedys.
       Der Mittag v. 7.1.61
       
       WIEDER PRODUKTIONSRÜCKGANG IN DEN USA
       =====================================
       
       Die US-Industrieproduktion  ist im Dezember um 2% auf 103 (1957 =
       100) zurückgegangen.  Schwächeanzeichen waren  in der  Stahl- und
       Automobilindustrie festzustellen.  Der Index  des Federal Reserve
       Board erreichte damit den niedrigsten Stand seit über einem Jahr;
       im Januar  lag er  bei 111,  im Juli  1960 bei 110. Zwar habe die
       Stahlerzeugung in den ersten Januarwochen wieder zugenommen, doch
       sei die  Automobilerzeugung weiter  gedrosselt worden,  weil  die
       Händler auf  so vielen  unverkauften Kraftwagen  sitzen wie  noch
       nie. Die  Lage am  Baumarkt habe sich wenig verändert. Verbreitet
       sei es  zu Arbeitseinschränkungen  und zu Arbeitslosigkeit gekom-
       men. Die Einzelhandelsumsätze hätten etwas nachgelassen.
       Süddeutsche Zeitung v. 18.1.61
       
       BERATER KENNEDYS WOLLEN IN BONN AUF
       ===================================
       "POLITIK LEICHTER INFLATION" DRÄNGEN
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       Die Wirtschaftsberater  Präsident Kennedys  erwägen ernsthaft, in
       der Bundesrepublik und vielleicht auch in einigen anderen Ländern
       eine milde  Inflation künstlich zu erzeugen, schreibt am Mittwoch
       die einflußreiche  amerikanische Wirtschaftszeitung  "Wall Street
       Journal".
       Grundgedanke hinter  dieser "revolutionären Strategie zur Vertei-
       digung des  Dollars" sei  die Überlegung,  daß eine  Erhöhung der
       Löhne und  Preise in  Ländern mit  einer  Politik  der  niedrigen
       Preise zu einer Abwertung der Währung dieser Länder im Verhältnis
       zu anderen  führen und  so den  Dollar in  seinem relativen  Wert
       stärken würde.
       "Eine fünfprozentige  Inflation in Westdeutschland würde für Ame-
       rika einen Gewinn von ungefähr einer Milliarde Dollar in der Zah-
       lungsbilanz bedeuten",  schreibt das  Blatt.  Höhere  Preise  und
       Löhne in  der Bundesrepublik  würden nicht nur bedeuten, daß mehr
       amerikanische  Importe  nach  Deutschland  hineingingen,  sondern
       auch, daß  die amerikanischen  Exporte auf  dritten Märkten - zum
       Beispiel in Europa und Südamerika - wettbewerbsfähiger würden.
       "Zu diesem  Programm gehören",  so heißt  es, "vorzeitige Zahlung
       der deutschen  Kriegsschulden, mehr  deutsche Waffenkäufe  in den
       USA, einschließlich  einer früheren  Bezahlung als  allgemein üb-
       lich, Milderung  der noch  bestehenden deutschen Handelsschranken
       für amerikanische Güter."
       Außerdem müßte die Bundesregierung einige amerikanische Hilfspro-
       gramme für  Entwicklungsländer übernehmen,  erhöhte  Beiträge  zu
       Nato-Objekten leisten,  Gebühren für die Benutzung amerikanischer
       Flug- und  Übungsplätze und anderer Militäreinrichtungen in West-
       deutschland und anderen Ländern Europas durch die Bundeswehr zah-
       len.
       Um die  Deutschen dazu  zu bringen, müßte man ihnen höflich, aber
       unmißverständlich klarmachen,  "daß, wenn  sie es  nicht tun, die
       Goldflucht Amerika  zwingen würde,  zunächst seine Importe einzu-
       schränken und dann vielleicht seine Auslandsinvestitionen".
       Wörtlich heißt  es: "Die engen Beziehungen zwischen den westdeut-
       schen Industriellen  und der  Regierung Adenauer könnten von Vor-
       teil sein in dem Bemühen, eine Lohnerhöhung in Deutschland durch-
       zusetzen. Ähnlich  böten auch  die engen  Bindungen der Regierung
       Kennedy zu  den amerikanischen  Gewerkschaften einen zusätzlichen
       Weg, um  die deutschen  Gewerkschaften zu  höheren Forderungen zu
       ermutigen."
       Die Zeitung zitiert einen nicht namentlich genannten Wirtschafts-
       berater Kennedys,  der gesagt haben soll: "Was wir brauchen, sind
       drei oder  vier gute  aggressive Gewerkschaftler  in Westdeutsch-
       land."
       Die amerikanischen  Gewerkschaften hätten ihre deutschen Kollegen
       in der  Vergangenheit schon  mit "technischen Ratschlägen" verse-
       hen, in  dem Bemühen, die deutschen Lohnkosten zu erhöhen und die
       amerikanischen Güter wettbewerbsfähiger zu machen.
       In Washington  rechne man  sich aus, daß alle diese Maßnahmen zu-
       sammengenommen auf der Plusseite der amerikanischen Handelsbilanz
       in diesem Jahr etwa eine Milliarde Dollar anhäufen würden.
       Die Welt v. 19.1.61
       
       RÜSTUNGS-LIEFERUNGEN ENTLASTEN ZAHLUNGSBILANZ DER NATO-PARTNER
       ==============================================================
       
       In die rüstungswirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der Nato-
       Staaten ist  jetzt auch Norwegen einbezogen worden. Aus Anlaß der
       Ministerratssitzung der Nato in Paris im vergangenen Dezember un-
       terzeichneten Bundesverteidigungsminister Strauß und der norwegi-
       sche Verteidigungsminister  Handal einen  entsprechenden Vertrag,
       nachdem vorher schon ähnliche Abmachungen mit Frankreich über ein
       senkrecht startendes Überschallflugzeug und ein Transportflugzeug
       sowie mit  Großbritannien für  Flugzeugtriebwerke,  elektronische
       Geräte und die Entwicklung eines gleichfalls senkrecht startenden
       Unterschall-Erdkampfflugzeuges  getroffen  wurden.  Mit  Belgien,
       Holland und Italien ist ein gemeinsames "Starfighter-Lizenz-Nach-
       bauprogramm", mit  Frankreich und Italien die Entwicklung des eu-
       ropäischen Panzers vereinbart worden.
       
       50 Mill. DM an Raufoss-Werke
       ----------------------------
       
       Die Zusammenarbeit zwischen Norwegen und der Bundesrepublik sieht
       vor allem die Beschaffung von Material und Versorgungsgütern vor.
       Da der westdeutsche Bedarf größer als der norwegische ist, wurde,
       wie dpa  in Bonn erfahren hat, für den gegenseitigen Warenverkehr
       ein finanzieller  Wertschlüssel von fünf zu drei vereinbart. Nor-
       wegen soll  vor allem Waren kaufen, die zur Modernisierung seiner
       Marine dienen.  Die Bundesrepublik will Munition, Waffen und Waf-
       fensysteme beziehen.  Außerdem wollen norwegische Werften für die
       Bundesmarine Schiffsreparaturen und Instandsetzungsarbeiten erle-
       digen.  Bei   den  gegenwärtigen   Bonner  Gesprächen  steht  ein
       50-Mill.-DM-Auftrag der Bundesregierung an die Raufoss-Munitions-
       werke für Artillerie-Munition zur Debatte. Die norwegische Regie-
       rung plant dagegen, 15 U-Boote in der Bundesrepublik zu kaufen.
       
       MAN mit Rolls Royce...
       ----------------------
       
       Die Bedeutung  Großbritanniens als Partner der Bundesrepublik für
       militärische Warenlieferungen  trat auch während des Besuches des
       britischen Luftfahrtministers  Thorneycroft in  Erscheinung.  Wie
       dpa weiter  berichtet, sind  für Käufe  von Luftwaffengeräten  in
       England vorerst  rd. 730  Mill. DM  vorgesehen. Für  die Entwick-
       lungsarbeiten innerhalb eines Abkommens zwischen der Maschinenfa-
       brik Augsburg-Nürnberg  AG und  den britischen Rolls-Royce-Werken
       hat die  Bundesregierung 98  Mill. DM bereitgestellt. Diese Summe
       ist für  die Entwicklung eines Triebwerks für ein geplantes senk-
       recht startendes Überschallflugzeug vorgesehen. Von diesem Betrag
       werden die Rolls-Royce-Werke 65 Mill. DM erhalten.
       
       ...und Klöckner mit Bristol
       ---------------------------
       
       Die britischen Bristol-Orpheus-Triebwerke für das Düsen-Erdkampf-
       flugzeug italienischer Herkunft, das in der Bundesrepublik in Li-
       zenz nachgebaut wird, sollen von den Klöckner-Humboldt-Deutz-Wer-
       ken in  Oberursel fabriziert  werden. Für  Lizenzgebühren und Er-
       satzteile erhält  die britische  Firma Bristol  Siddeley 15 Mill.
       DM. Anderes Luftwaffengerät wie Flugzeuge, Luftschrauben, Martin-
       Baker-Schleudersitze, Schlauchboote  und eine  Anzahl von Raketen
       stehen mit weiteren 95 Mill. DM zu Buch.
       Im Zusammenhang  mit der  Diskussion über eine deutsche Hilfe zur
       Erleichterung der  US-Zahlungsbilanz weisen Kreise in der Bundes-
       hauptstadt darauf  hin, daß  die Vereinigten  Staaten bisher  die
       größten Lieferanten für die Bundeswehr gewesen sind. In den letz-
       ten Jahren  haben sie  westdeutsche Aufträge  im Wert von rd. 5,5
       Mrd. DM  für Rüstungsgüter  erhalten. Davon sind annähernd 1 Mrd.
       DM unmittelbar  an die US-Industrie gegangen, die dafür vor allem
       elektronisches Gerät  geliefert hat.  4,5 Mrd. DM flossen der US-
       Wirtschaft innerhalb des Werterstattungsabkommens zu, bei dem die
       US-Regierung den  Kauf der  gewünschten Waffen  und Geräte  über-
       nimmt. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Bundesrepu-
       blik an  Besatzungs- und Stationierungskosten sowie anderen damit
       zusammenhängenden Zahlungen  bereits erhebliche  Beträge  an  die
       Stationierungsmächte überwiesen hat.
       Süddeutsche Zeitung v. 18.1.61
       
       DÄNISCHE REGIERUNG WEIST FORDERUNG DER MILITÄRS
       ===============================================
       NACH ATOMWAFFEN ZURÜCK
       ======================
       
       Es sei nicht Aufgabe der Militärs, darüber zu entscheiden, welche
       wirtschaftlichen, politischen  und  anderen  Rücksichten  in  der
       Frage der  atomaren Bewaffnung zu nehmen seien. Mit diesen Worten
       wandte sich  am Montag  der dänische Verteidigungsminister Hansen
       gegen den Vorrang militärischer Gesichtspunkte bei diesem schwer-
       wiegenden Problem  und sprach sich für den Primat der politischen
       Führung aus.
       Als unberechtigt  bezeichnete Hansen  die in  gewissen  dänischen
       Kreisen verbreitete  Befürchtung, durch  eine atomare  Bewaffnung
       der Nato könne Dänemark "durch die Hintertür" mit Atomwaffen aus-
       gestattet werden.  Ungeachtet der  Stellungnahme Dänemarks zu dem
       Gedanken einer  atomaren Bewaffnung  der Nato  könne vielmehr der
       Standpunkt aufrechterhalten  werden, der bisher von der dänischen
       Regierung vertreten  worden sei: daß Dänemark unter den gegenwär-
       tigen  Voraussetzungen  Atomsprengkörper  nicht  entgegenzunehmen
       wünsche.
       Hansen, der  sich am  Montag in der konservativen Zeitung "Dagens
       Nyheter" zu dieser Frage geäußert hatte, hält es für "natürlich",
       daß die dänischen Militärs den Einbau von Atomwaffen in die däni-
       sche Verteidigung für zweckmäßig halten. Die militärische Leitung
       müsse nach  Lage der  Dinge den  Wunsch haben,  über  die  besten
       durchschlagenden Mittel  zur Abwehr  eines Angriffes zu verfügen.
       Die Entscheidung  darüber müsse  jedoch der  Regierung überlassen
       bleiben.
       "Bezüglich der primären Aufgabe, und zwar, Krieg zu vermeiden und
       den Weg  zur Entspannung und Abrüstung offenzuhalten, ist es eine
       Selbstverständlichkeit, daß das Risiko, einen Angriff gegen unser
       Land zu  versuchen, zu groß sein muß. Aber es ist ebenso wichtig,
       daß kein  Schritt unternommen  wird, der den Bestrebungen um eine
       Entspannung  Steine  in  den  Weg  legen  könnte",  erklärte  der
       dänische Verteidigungsminister.
       Frankfurter Rundschau v. 24.1.61
       
       NORWEGISCHE REGIERUNGSPARTEI: KEINE ATOMWAFFEN
       ==============================================
       
       Die norwegische  Arbeiterpartei hat  am Dienstag  erneut erklärt,
       daß sie  die Stationierung von Atomwaffen auf norwegischem Gebiet
       in Friedenszeiten  ablehnt. In dem vom Zentralausschuß der Partei
       veröffentlichten Programm  für die  Jahre 1962-1965  wird  ausge-
       führt, daß  die Arbeiterpartei an der Ablehnung der Stationierung
       von Atomwaffen  festhält, solange  nicht ein grundlegender Wandel
       der internationalen  Lage es notwendig mache, die Frage erneut zu
       prüfen.
       Die Tat, Zürich, v. 24.1.61
       
       ADENAUER-GEBURTSTAG: KANZLER, MARSCHMUSIK UND MUSTERSCHÜLER
       ===========================================================
       
       Der Musikzug  hob zu  Ehren des  Geburtstagskindes ein frisch für
       die   Luftwaffe   komponiertes   Stück   aus   der   Taufe,   den
       "Starfightermarsch" von  Gerhard Winkler, dem Komponisten der Ca-
       prifischer. Es  war nicht  zu erkennen,  ob Konrad  Adenauer, ein
       Liebhaber alter  Märsche, an  diesem Furioso aus Blech besonderen
       Gefallen fand...
       Soweit man  im Surren  der Kameras, im Stimmengeschwirr der viel-
       köpfigen Familie  Adenauers einige  Wortfetzen aus  dem Munde des
       Jubilars und  seiner Gratulanten  verstehen konnte, zahlte Konrad
       Adenauer nur  einem einzigen  mit gleich wertvoller Münze zurück:
       dem Bundesverteidigungsminister  Strauß. Er zeichnete ihn mit der
       Bemerkung aus,  daß sein  "großes und  grundlegendes Werk für die
       Geltung Deutschlands  und für  die Verteidigung  der Freiheit von
       der Geschichtsschreibung  mit an  erster Stelle gewürdigt werden"
       dürfte. Strauß hörte sich dieses Lob mit dem Gesicht eines Prima-
       ners an,  dessen erstklassige  Zensuren vor  versammelter  Klasse
       verlesen werden.  Er blickte  dem Bundeskanzler fest in die Augen
       und gestattete  sich erst  ein befreiendes  Lächeln,  als  dieser
       geendet hatte.
       Er hatte dem Bundeskanzler vorher aus ganzem Herzen für alles ge-
       dankt, was  er für  die Bundeswehr  getan habe,  und die Hoffnung
       ausgesprochen, daß  Adenauer auch  in Zukunft  "mit ungebrochener
       Kraft seinen  großen und schweren Pflichten nachgehen" könne. Mit
       einem Seitenhieb  auf seinen  Kollegen  Brentano  stellte  Strauß
       fest, daß sich "nicht mal das Auswärtige Amt" einer solchen Hilfe
       und Unterstützung des Bundeskanzlers erfreut habe wie das Vertei-
       digungsministerium. Neben  einer Plattensammlung  mit 85 Märschen
       hatte sich das Verteidigungsministerium ein besonders originelles
       Geschenk für  den Bundeskanzler ausgedacht: ein Album, das in Fo-
       tos und  Zeichnungen die  Beziehungen des Zivilisten Adenauer zum
       Militär zeigte.  Das erste  Bild war  eine Zeichnung der Schlacht
       von Königgrätz,  bei der  Adenauers Vater  auf preußischer  Seite
       mitkämpfte und schwer verwundet wurde. "Meine Vorfahren haben da-
       mals noch  auf der  anderen Seite gekämpft", kommentierte Strauß.
       "Wir haben  damals verloren,  aber ich  habe meine  Ernennung zum
       Verteidigungsminister immer als eine Art Wiedergutmachung angese-
       hen."
       Die Umrahmung des Kanzlergeburtstags erreichte am Donnerstagabend
       mit einem  großen Zapfenstreich bei Fackelbeleuchtung vor dem von
       Scheinwerfern des  Fernsehens angestrahlten Palais Schaumburg ih-
       ren Höhepunkt.  Als das  Kommando "Helm ab zum Gebet" ertönte und
       dann der  Choral "Ich  bete an  die Macht der Liebe", fühlte sich
       der Betrachter  wie in  einer Zeitmaschine um 60 Jahre zurückver-
       setzt. Erst  als der  Bundeskanzler vom  Fenster aus "Danke sehr,
       meine Herren" rief, verflog der Zauber. Die Gegenwart, der 5. Ja-
       nuar 1961,  an dem  die bürgerliche  Familie Adenauer und mit ihr
       das deutsche  Volk den  85. Geburtstag  des Patriarchen feierten,
       trat wieder  in ihre Rechte. Gleich darauf erscholl aus dem Laut-
       sprecher: "Der  Wagen für Präsident Berg bitte vorfahren." Kölner
       Stadtanzeiger v. 7./8.1.61
       
       ERHARD - UND WAS DANN?
       ======================
       
       Viele Politiker,  die es wissen müssen, sind der Überzeugung, die
       inzwischen auch der Öffentlichkeit bekannt wurde: daß nämlich Er-
       hard nur  als "Übergangskanzler"  gedacht sei,  dem zu  gegebener
       Zeit eine  "stärkere Persönlichkeit" folgen werde. Bei dieser An-
       kündigung nun hat man allen Grund, sehr hellhörig zu werden.
       Sollte tatsächlich  nur eine  Zwischenlösung Erhard  beabsichtigt
       sein, dann  hätte die  Kanzlerpartei für  die Nachfolge nicht den
       ihrer Überzeugung  nach besten  Mann ausersehen,  sondern sie be-
       diente sich  zum Zwecke der Wahl nur seines glänzenden demoskopi-
       schen Prozentsatzes,  einer Methode  also, die  freilich insofern
       kaum noch  überraschend ist,  als wir bereits daran gewöhnt sind,
       daß Parteien  selbst ihre  Programme und  Prinzipien über Bord zu
       werfen und  den üppigsten  Personenkult zu  treiben bereit  sind,
       wenn sie glauben, dem Wähler so besser zu gefallen.
       Der genauere Befund dieser Kronprinzenfrage ergibt dann noch, daß
       auch bereits  der "stärkere"  Mann genannt  worden ist, an dessen
       schließliche Kanzlerschaft anscheinend viele Politiker denken. Es
       ist Franz Joseph Strauß. Man wird sich also mit ihm, der zweifel-
       los zu  den bedeutendsten Intelligenzen der deutschen Politik ge-
       hört, in nächster Zeit sehr eingehend zu beschäftigen haben.
       Wilhelm Backhaus im Hamburger Abendblatt v. 21./22.1.61
       
       STRAUSS IN AMERIKANISCHER SICHT
       ===============================
       
       Vor fünf  Jahren erst  stellte die  neue deutsche Bundeswehr ihre
       ersten Rekruten  ein. Heute  hat die Bundeswehr etwa 280 000 Mann
       und mit dem Ende des nächsten Jahres wird sie die Plan-Stärke von
       340 000 Mann  erreicht haben.  Elf der vorgesehenen zwölf Heeres-
       Divisionen sind  bereits aufgestellt,  und die  zwölfte  wird  im
       nächsten Monat  folgen. Sieben Divisionen unterstehen bereits der
       Nato, der Rest wird es im nächsten Jahre tun.
       Die große Frage des Pariser Nato-Treffens - nukleare Waffen - ist
       auch ganz unmittelbar eine deutsche Frage.
       Eigenartig genug,  der Mann, der die deutsche Sache in Paris ver-
       treten wird in dieser Woche, wird der Mann sein, der Deutschlands
       neue Armee  geschaffen  hat,  Verteidigungsminister  Franz  Josef
       Strauß.
       45 Jahre  alt ist Franz Josef Strauß, ein muskulöser, krakeeleri-
       scher Bulle  von einem Bayern, der die unbeständige Vitalität des
       neuen Deutschland symbolisiert. Ungehobelt, rücksichtslos und ei-
       fervoll geht  er über  Hindernisse auf seinem Weg, wie ein Tiger-
       Tank durch  einen pommerschen  Kiefernforst walzt! Er ist jugend-
       lich, energisch,  gerissen,  unberechenbar,  ätzend  realistisch.
       Strauß ist  der Nato ergeben. Er ist aber auch stolz auf Deutsch-
       lands neue  Stärke. Er fordert, daß Deutschland das Vertrauen er-
       hält, das  Ergebenheit und  Stärke verdienen...  Jüngstes und zä-
       hestes Mitglied  des Kabinetts Adenauer, ist Strauß ein Mann, von
       dem die  meisten Deutschen  erwarten, daß  er eines  Tages  gewiß
       Deutschland beherrschen  wird. Er  sieht so  deutsch aus  wie ein
       Maßkrug... In  den vier  Jahren im  Verteidigungsministerium  hat
       Franz Josef  Strauß die  am  schnellsten  wachsende  militärische
       Macht in Europa aufgebaut...
       Was immer  der Nato-Rat entscheiden mag, Strauß läßt die deutsche
       Armee bereits für den nuklearen Krieg trainieren, unter Benutzung
       von Waffen  mit Attrappen  als Gefechtsköpfe.  Die deutsche Armee
       hat vier Bataillone mit Honest-John-Raketen, die, mit Atomspreng-
       köpfen, 20  Meilen weit feuern können. Gegen Ende nächsten Jahres
       (1961 !)  wird sie drei weitere haben, die mit der neuen amerika-
       nischen Sergeant  ausgerüstet sind, einer Rakete mit einer Reich-
       weite von 100 Meilen...
       Mehr als  irgendein Mann verkörpert Strauß sowohl die Stärke, die
       Deutschland der  freien Welt  zur Verfügung stellen kann, wie das
       Unbehagen, das diese Stärke durch ihre außerordentliche Eindrück-
       lichkeit immer noch hervorruft.
       Time v. 19.12.60
       
       STRAUSS WEIST AUF DAS GEWICHT DER BUNDESWEHR HIN...
       ===================================================
       
       Bundesverteidigungsminister Strauß  schreibt in einem Vorwort zum
       Jahresbericht seines  Ministeriums für 1960: "Vor fünf Jahren un-
       terstützte die  Nato die  ersten  Schritte  der  neuen  deutschen
       Streitkräfte. Heute  hat die Bundeswehr einen wesentlichen Anteil
       an dem  politischen Gewicht  und der militärischen Stärke der at-
       lantischen Gemeinschaft  in Europa." In den vergangenen fünf Jah-
       ren sind  nach diesem  Bericht folgende  Verbände aufgestellt und
       der Nato  eingegliedert worden: 4 Panzergrenadier-, 2 Panzerdivi-
       sionen, 1  Gebirgsdivision, 1  Luftlandedivision und  Heeresflie-
       gereinheiten. Von  der Luftwaffe 4 Jabogeschwader, 1 Jagdgeschwa-
       der, 1  Lufttransportgeschwader und vier Großradarstellungen. Von
       der Marine: 1 Zerstörergeschwader, 3 Schnellbootgeschwader, 4 Mi-
       nensuchgeschwader, 1  Landungsgeschwader und Marinefliegereinhei-
       ten.
       Das Verteidigungsministerium  weist darauf hin, daß sich der Raum
       der Bundesrepublik  als zu  eng und wehrgeographisch als zu expo-
       niert erwiesen habe, um alle logistischen Aufgaben im eigenen Be-
       reich zu  erfüllen und den Bedarf an Übungsplätzen decken zu kön-
       nen. Da sich in der dichtbesiedelten Bundesrepublik Luft-, Boden-
       und Schießübungen  und Bombenabwurfübungen verbieten würden, hät-
       ten sich  Italien und  die Türkei  schon vor längerer Zeit ebenso
       wie die  Niederlande bereit  erklärt, geeignete Plätze zur Verfü-
       gung zu  stellen. Nunmehr habe das Heer auch durch das großzügige
       Angebot  Frankreichs  die  Möglichkeit  erhalten,  Verbands-  und
       Schießübungen auf ostfranzösischen Übungsplätzen durchzuführen.
       In den  integrierten Stäben  arbeiteten heute 1200 Offiziere, Un-
       teroffiziere und  Mannschaften der  Bundeswehr. In  Nato-Truppen-
       und -Stabsübungen seien gemeinsame Führungsgrundsätze erprobt und
       aufeinander abgestimmt  worden. Die Fortschritte auf dem Wege der
       gemeinschaftlichen Produktion von Rüstungsgütern werden besonders
       hervorgehoben. Dies  gelte insbesondere  für das Starfighter-Pro-
       gramm, an dem sich die Niederlande, Belgien, Italien und die Bun-
       desrepublik sowie  die USA  und Kanada mit Zulieferungen beteili-
       gen. Das  gleiche gelte  auch für  das Hawk-Programm (Flugabwehr-
       rakete), das  von Frankreich,  den Niederlanden, Belgien, Italien
       und der  Bundesrepublik durchgeführt  werde. Diese Gemeinschafts-
       programme führten am sichersten zur angestrebten Standardisierung
       von Großgerät.
       Seit Bestehen  der Schule für innere Führung hätten 133 Lehrgänge
       mit 5481  Teilnehmern stattgefunden.  Unter den Teilnehmern seien
       auch 50  alliierte Offiziere gewesen. Im Jahre 1960 habe die Bun-
       deswehr einen  Zuwachs von  24 Bataillonen  und 34  selbständigen
       Kompanien gehabt.  Dazu gehörten  auch die mit der Mehrzweckwaffe
       "Honest John" ausgerüsteten Verbände...
       Die Bundesmarine  verfüge zur  Sicherung der  Seewege in der Ost-
       und Nordsee über insgesamt 150 Kriegsschiffe und 31 Hilfsschiffe.
       Bisher seien  29 territoriale Verteidigungsstäbe aufgestellt wor-
       den.  Den   Wehrbereichskommandos  unterständen  gegenwärtig  143
       Standortkommandanturen,  neun  Flugplatzkommandanturen,  27  Ver-
       kehrs- und  Transportkommandanturen und  21 Fernmeldekommandantu-
       ren...
       Die Bundeswehr  verfüge nunmehr  über 368  Truppenunterkünfte. 67
       Kasernen befänden sich gegenwärtig noch im Bau und 42 in der Pla-
       nung. Im Jahre 1960 seien für Angehörige der Bundeswehr 1000 neue
       Wohnungen gebaut worden. Damit erhöhe sich der Bestand an Wohnun-
       gen bis  Ende 1960  auf 46  000. Im kommenden Jahr sollen weitere
       10 000 Wohnungen gebaut werden.
       Im ausgehenden  Jahr habe  das Beschaffungsamt  in Koblenz 20 234
       Aufträge in einem Gesamtwert von 4,3 Milliarden Mark erteilt. Da-
       von seien  79 Prozent  auf das  Inland entfallen.  Das Gesamtauf-
       tragsvolumen der  zentralen Beschaffung betrage seit Bestehen der
       Bundeswehr 16,1  Milliarden Mark. Davon seien 35 Prozent ans Aus-
       land gegangen.
       FAZ vom 16.12.60
       
       ...UND WEICHT VOM MANUSKRIPT AB
       ===============================
       
       Die Rede des Bundesverteidigungsministers wurde von den etwa ein-
       tausend im  großen Ballsaal des Astor-Hotels in New York anwesen-
       den Vertretern  des New  Yorker Wirtschafts- und Finanzlebens mit
       großem Beifall  aufgenommen. Besonderen  Beifall fand Strauß, als
       er sich gegen den Irrglauben wandte, man könne zu einer dauerhaf-
       ten Verständigung  mit dem  Kommunismus kommen.  Er wich mehrfach
       von seinem  schriftlich vorliegenden Text ab, um schärfer und ag-
       gressiver vor  Chrustschows Koexistenzpolitik  zu warnen. So for-
       derte er ein "gemeinsames atlantisches Gewissen" und ein weltwei-
       tes strategisches Gleichgewicht, das über das bloße Gleichgewicht
       für Europa hinausgehen müsse.
       Stuttgarter Zeitung v. 18.1.61
       
       EHER BEDENKLICH...
       ==================
       
       Was man über die programmatische Konzeption des in Entstehung be-
       griffenen Gebildes  (die Vereinigung  von DP und BHE. D. Red.) in
       letzter Zeit hören konnte, tönt in der Tendenz teilweise eher be-
       denklich. Es wird dort nämlich die Forderung aufgestellt, daß der
       Bundesrepublik kraft  ihres wachsenden  militärischen  Potentials
       mehr Einfluß  auf die  politischen Entscheidungen der Nato einge-
       räumt werde,  und zwar  in dem  Sinne, daß dem Anspruch der Deut-
       schen auf Wiedervereinigung mehr Geltung verschafft werden soll.
       NZZ v. 18.1.61
       
       700 STARFIGHTER FÜR LUFTWAFFE
       =============================
       
       Die Bundesrepublik wird 604 Flugzeuge aus dem gemeinsamen europä-
       ischen Lizenznachbau des amerikanischen Überschall-Düsenflugzeugs
       Lockheed Starfighter  F-104-G erhalten.  Dies wurde  am Montag in
       Bonn aus Nato-Kreisen erstmalig bekannt. Zusammen mit den bereits
       vom Bundesverteidigungsministerium  in den  USA gekauften  96 Ma-
       schinen wird  die Bundeswehr  dann über 700 Flugzeuge dieses ein-
       sitzigen Jagd-, Jagdbomber und Aufklärungstyps verfügen. Außerdem
       werden 30  doppelsitzige Schulflugzeuge  der F-104-F  in den  USA
       gekauft. Ein Teil der Maschinen wurde bereits geliefert.
       Die europäischen  Partner der Abkommen vom März und Dezember 1960
       haben unter  Berücksichtigung ihrer  Produktionskapazität bereits
       festgelegt, welche Starfighter-Flugzeugteile sie jeweils in ihrem
       Bereich herstellen  werden. In  der Bundesrepublik  sind die  Ar-
       beitsgruppe Süd mit den Flugzeugbaufirmen Messerschmitt, Dornier,
       Heinkel und  Siebel sowie  die Arbeitsgruppe  Nord mit der Weser-
       flugzeugbau und der Hamburger Flugzeugbau beteiligt. Weitere Her-
       steller sind  Focke Aviolanda  in den Niederlanden, die belgische
       Sabcafairy und Fiat-Turin in Italien. Die amerikanischen General-
       Electric-Triebwerke bauen die Firmen FN in Belgien und BMW in der
       Bundesrepublik in Lizenz.
       Nach Abschluß des auf vier Jahre berechneten europäischen Gemein-
       schaftsbauprogramms mit  849 und der USA-Hilfe mit 100 Flugzeugen
       sowie mit  Einschluß der  deutschen Käufe  in den  USA werden die
       vier europäischen  Nato-Partner Bundesrepublik, Niederlande, Bel-
       gien und Italien zusammen mit 1045 Starfightern ausgerüstet sein.
       Jedes Flugzeug kostet etwa fünf Millionen DM.
       Kölnische Rundschau v. 24.1.61
       
       BUNDESWEHR-ÜBUNGSPLÄTZE IN ENGLAND - UNPOPULÄR!
       ===============================================
       
       Die Deutsche Bundesrepublik hat nach Informationen von unterrich-
       teter Seite  in London vor kurzem dem ständigen Nato-Rat in Paris
       eine detaillierte  Liste mit  ihren Wünschen  für Nachschubdepots
       und militärische  Übungsplätze in  Großbritannien überreicht. Der
       Generalinspekteur der deutschen Bundeswehr, General Adolf Heusin-
       ger, der  sich zur Zeit auf Einladung der britischen Regierung zu
       einem offiziellen Besuch in London aufhält, erörterte am Donners-
       tag diese  Frage in  einem Gespräch mit dem Verteidigungsminister
       Watkinson...
       Wie in  London am Donnerstag verlautete, wird die Bundeswehr vor-
       aussichtlich Nachschubdepots,  Hafeneinrichtungen  zur  Benützung
       durch die  Bundesmarine und die Benützung britischer Übungsplätze
       für Panzereinheiten  erhalten. Beide  Regierungen  planen  offen-
       sichtlich jedoch,  im Hinblick  auf die  kritische Haltung  eines
       Teils der  öffentlichen Meinung  in Großbritannien nur vorsichtig
       und Schritt für Schritt vorzugehen.
       Neue Zürcher Zeitung v. 21.1.61
       
       MARINE ERPROBT BRITISCHE RAKETEN
       ================================
       
       Die deutsch-britische  Zusammenarbeit in Rüstungsfragen soll ver-
       stärkt werden. Darauf einigten sich gestern in Bonn der britische
       Luftfahrtminister Thorneycroft  und der Staatssekretär im Vertei-
       digungsministerium, Hopf.  Außerdem wurde  eine beschleunigte ge-
       meinsame Entwicklung  eines senkrecht  startenden Kampfflugzeuges
       beschlossen.
       Ausgangspunkt der Entwicklung dieses Flugzeuges ist der britische
       Senkrecht-Starter "Hawker 1127". Diese Maschine soll eine Höchst-
       geschwindigkeit von 1000 km/st erreichen und die in der Luftwaffe
       zur Zeit geflogene Fiat G 91 ersetzen. Sie soll zur Unterstützung
       der Heeresverbände  eingesetzt werden.  Gleichzeitig  läuft  eine
       deutsch-französische Zusammenarbeit mit dem Ziel, einen senkrecht
       startenden Düsenjäger  mit Überschallgeschwindigkeit  zu  entwic-
       keln.
       In den  Besprechungen in Bonn, die Staatssekretär Hopf in Vertre-
       tung des  erkrankten Verteidigungsministers Strauß führte, und an
       denen auch die Generale Heusinger und Kammhuber teilnahmen, wurde
       außerdem beschlossen,  daß die Bundesrepublik einige Proberaketen
       vom Typ "Seacat" in England ankauft. Diese Rakete soll auf Schif-
       fen der  Bundesmarine montiert  werden. Sie  ist zur  Abwehr  von
       Tieffliegern bestimmt.  In den  Gesprächen in Bonn wurde auch die
       Zusammenarbeit auf  dem Gebiete  des Triebwerkbaues  beschlossen.
       Darüber hinaus will die Bundesrepublik für die westdeutsche Luft-
       waffe Schleudersitze  für Düsenjäger  sowie Kanonen  und Munition
       erwerben. Die  bereits vergebenen  oder  geplanten  Aufträge  für
       Luftrüstungszwecke von  deutscher Seite  haben einen Wert von 256
       Millionen Mark. Das gesamte Rüstungsauftragskonto der Bundesrepu-
       blik gegenüber Großbritannien beläuft sich bisher auf 735 Millio-
       nen Mark.
       Der Mittag v. 12.1.61
       
       BALD HEULEN WIEDER SIRENEN
       ==========================
       
       Ein zweimal  unterbrochener Heulton der Luftschutzsirenen von ei-
       ner Minute  Dauer bedeutet  künftig Abc-Alarm,  das heißt: Gefahr
       radioaktiver, biologischer oder chemischer Kampfstoffe. Ein Heul-
       ton von  einer Minute Dauer warnt die Bevölkerung vor einem Luft-
       angriff. Ein  Dauerton von  einer Minute  beendet die Gefahr nach
       einem Luft- oder einem Abc-Alarm.
       Diese Bestimmungen  sind in  einer  "Allgemeinen  Verwaltungsvor-
       schrift für den örtlichen Alarmdienst" enthalten, die die Bundes-
       regierung am Wochenende im Bundesanzeiger veröffentlicht hat. Die
       vom Bundesinnenministerium  ausgearbeitete  Verwaltungsvorschrift
       regelt Aufgaben und Aufbau des Alarmdienstes und verpflichtet die
       Städte und Gemeinden zur Beschaffung von Luftschutzsirenen.
       Bei der  Neuanschaffung von  Sirenen, für die der Bund die Kosten
       übernimmt, ist  die "Einheitssirene  57"  vorgeschrieben.  Soweit
       alte Sirenen vorhanden sind, können sie, wenn sie den Anforderun-
       gen entsprechen, ebenfalls verwendet werden.
       Die Verwaltungsvorschrift  regelt auch  die Benutzung der Sirenen
       im Frieden.  Dann bedeutet ein dreimaliger Dauerton von zwölf Se-
       kunden Feueralarm, drei Dauertöne von zwölf Sekunden und ein Dau-
       erton von  einer Minute  Katastrophenalarm, und  ein Dauerton von
       zwölf Sekunden  Zeit- und  Pausensignal. Alle Vierteljahre sollen
       die Sirenen  nach vorheriger  Ankündigung auch  im Frieden probe-
       weise die Heultöne für Luftalarm und Abc-Alarm aussenden.
       Der Mittag v. 23.1.61
       
       LUFTSCHUTZPLÄNE FÜR DIE INDUSTRIE
       =================================
       
       Das Schutzraum-Baugesetz  und das  Luftschutz-Selbsthilfe-Gesetz,
       die zur Zeit beim Bundesinnenministerium vorbereitet werden, sol-
       len dem  nächsten Bundestag  zur Beratung  vorgelegt werden.  Wie
       Oberregierungsrat Kirchner vom Bundesinnenministerium auf der Ta-
       gung "Industrieller Luftschutz" vor Wirtschaftlern erklärte, soll
       noch in  diesem Jahr vom Bundesinnenministerium eine Aufklärungs-
       broschüre über den Luftschutz veröffentlicht werden. Ministerial-
       rat Schattenberg  teilte mit, im Auftrag des Bundeswirtschaftsmi-
       nistertums seien  schon Gutachten  darüber ausgearbeitet  worden,
       welche Industrien  im Ernstfall  unter den  Begriff "lebens-  und
       verteidigungswichtig" fallen sollten.
       Die Bereitschaft  der Industrie  zur freiwilligen  Mitarbeit beim
       Luftschutz habe  sich in  letzter Zeit erheblich verstärkt, sagte
       Schattenberg. Zur Zeit würden Besprechungen mit dem Bundesfinanz-
       ministerium geführt mit dem Ziel, durch vermehrte steuerliche Ab-
       schreibungsmöglichkeiten für  Luftschutzbauten  den  Unternehmern
       eine Starthilfe für derartige Vorhaben zu geben.
       Süddeutsche Zeitung v. 14./15.1.61
       
       AUFRÜSTUNG DES TELEPHONNETZES
       =============================
       
       Der Fernmeldespezialist  der Bundeswehr,  Oberst Hermann  Logsch,
       hat in  der neuesten  Ausgabe der  Militärzeitschrift "Wehrkunde"
       den Ausbau  und die Umstellung des Fernmeldenetzes der Bundespost
       für den Verteidigungsfall gefordert. Das Telephonnetz der Bundes-
       post sei  bisher nach  kommerziellen Gesichtspunkten und Anforde-
       rungen entwickelt worden; es komme nun auf den Schutz des Bundes-
       postleitungsnetzes gegen  Kriegseinwirkungen und Sabotage an. Die
       Leitungsführung müsse bevorzugte Zielräume wie Großstädte und In-
       dustriezentren vermeiden.  Die Masse  der Verbindungen des beste-
       henden Fernmeldenetzes der Post verlaufe gegenwärtig in Nord-Süd-
       Richtung. Deshalb  müsse das  Netz in  der Ost-West-Richtung ver-
       stärkt werden,  um militärischen  Forderungen gerechter zu werden
       und als  "Gesamtnetz" besser ausgewogen zu sein. Ein kleiner Kern
       des Postnetzes  müsse so  gestaltet werden,  daß  es  auch  gegen
       Sprengkörper gesichert sei.
       Süddeutsche Zeitung v. 14./15.1.61
       
       255 MILTÄRSEELSORGER
       ====================
       
       Den Soldaten der Bundeswehr stehen gegenwärtig 255 Geistliche als
       Seelsorger zur  Verfügung. Unter  der Weisung  des  Evangelischen
       Kirchenamtes für  die Bundeswehr  und des Katholischen Militärbi-
       schofsamtes sorgen  145 hauptamtliche  Militärgeistliche für  die
       Soldaten. Daneben  sind 110  Pfarrer nebenamtlich in der Militär-
       seelsorge tätig.
       Die Welt v. 9.1.61
       
       EVANGELISCHER BORDPFARRER FÜR DIE MARINE
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       Der 34 Jahre alte Pfarrer Horst Krebs aus Mainz wird voraussicht-
       lich noch  in dieser  Woche als  erster evangelischer Bordpfarrer
       sein Amt  beim Kommando der Schnellboote in Flensburg übernehmen.
       Krebs war  im zweiten Weltkrieg Oberfähnrich zur See und hat sich
       für den Militär-Seelsorgedienst bei der Marine gemeldet.
       FAZ v. 18.1.61
       
       MEHRAUSGABEN: ÜBER 7 MILLIARDEN DM
       ==================================
       
       Der Bundeshaushalt  droht im Wahljahr aus allen Fugen zu geraten.
       Die durch ein stattliches Bukett von Wahlgeschenken enorm vergrö-
       ßerten Ausgaben nähern sich bereits der 50-Milliarden-Summe, ohne
       daß dafür  auf der  Einnahmeseite eine  sichere Deckung vorhanden
       wäre. Das  Mißverhältnis zwischen Soll und Haben dürfte aber noch
       größer werden,  nachdem Interessenvertreter  weitere  Forderungen
       angesichts der Wahl in ultimativer Form erhoben haben.
       Der 1944  hingerichtete preußische Finanzminister Johannes Popitz
       hat den  Etatplan "das  wirtschaftliche Schicksalsbuch eines Vol-
       kes" genannt.  Tatsächlich beeinflussen  heute  die  öffentlichen
       Haushaltungen außerordentlich stark die Verteilung und Verwendung
       des Volkseinkommens, indem sie Steuern, Gebühren und Abgaben ein-
       nehmen und  andererseits Renten sowie andere soziale Hilfsmaßnah-
       men zahlen  und außerdem Investitionen für verschiedene öffentli-
       che Belange  tätigen. Der Fiskus schleust somit ständig Kaufkraft
       durch seine  Kassen. Damit aber wird dem Staat die Pflicht aufer-
       legt, sein Finanzgebaren mit der Wirtschafts- und Währungspolitik
       abzustimmen. Beim  aufgeblähten Bundesetat 1961 ist dies offenbar
       nicht geschehen: Er kurbelt durch überhöhte Ausgaben die Hochkon-
       junktur weiter an und bewirkt damit eine noch rapidere Entwertung
       der D-Mark.
       Der Ausgabenrausch  vor der Bundestagswahl 1961, der ohne sonder-
       liche Rücksicht  auf die  Situation der  Einnahmen ausbrach,  hat
       aber noch tiefer gehende Folgen. Das Nachgeben gegenüber den ver-
       schiedensten finanziellen  Forderungen lastet schwer als Hypothek
       auf der Zukunft. Staatsanleihen müssen verzinst und zurückbezahlt
       werden. Erhöhte Leistungen können kaum rückgängig gemacht werden.
       Die Anzeichen,  die für  Steuererhöhungen nach der Wahl sprechen,
       haben daher  einen sehr  realen Hintergrund. Damit aber würde ein
       noch größerer  Teil des Volkseinkommens vom Staat bewirtschaftet,
       der jetzt  bereits fast  die Hälfte des Sozialproduktes umschich-
       tet. Das bedeutet, daß sich in der Bundesrepublik der Staatskapi-
       talismus "durch die Hintertür" einschleicht.
       Nürnberger Nachrichten v. 17.1.61
       
       DER KRAWALL VON MARBURG
       =======================
       
       Herr Dieckmann gilt bei denen, die ihn kennen, als ein kultivier-
       ter Mann  mit vielseitigen  Interessen, der auch bei Erörterungen
       philosophischer Probleme  seinen Mann  zu stehen vermag. Bei Aus-
       einandersetzungen hat er mehrfach bewiesen, daß er Takt zu wahren
       versteht und  sich hütet, provozierend-aggressiv zu sein. In kei-
       ner Hinsicht  gilt er als der Typ des klobigen Funktionärs... Wir
       wissen alle, daß Einzelgänger sich drüben nicht zur Geltung brin-
       gen können.  Aber ist  es denn besonders rühmenswert, daß sie of-
       fenbar auch bei uns nicht die geringste Chance haben dürfen? Wenn
       wir es  so weit  treiben, was bedeutet dann noch das ganze Gerede
       und Gerühme  von Freiheit? Es müßte sehr schlecht um diese unsere
       Freiheit bestellt  sein, wenn sie mit der Verpflichtung verbunden
       würde, uns  die Ohren  zu verstopfen,  wenn einmal  ein einzelner
       Mann mit einigem Gewicht von jenseits der Elbe sich zu einer Aus-
       sprache stellt.  Es müßte auch schlecht um das Gefüge der Bundes-
       republik bestellt  sein, wenn  es durch  einen solchen einmaligen
       Akt in Unordnung geraten könnte.
       Man hätte Dieckmann in aller Ruhe anhören müssen. Selbstverständ-
       lich wären  seine Argumente  nicht die  Argumente der Bundesrepu-
       blik, sondern  die der DDR gewesen. Anders hätte es ja gar keinen
       Sinn gehabt, ihn sprechen zu lassen. Und wenn sich herausstellte,
       daß Herr  Dieckmann wirklich nichts anderes zu sagen gewußt hätte
       als einen Abklatsch der bisher zum Überfluß bereits bekannten Ar-
       gumentationen östlicher  Funktionäre, so  hätte man ihn bestimmt,
       aber höflich  in der  Diskussion in die Enge treiben können. Aber
       Demonstrationen, Sprechchöre,  Gejohle, Steinwürfe  sind, das muß
       doch wohl  jedermann zugeben, keine Elemente einer echten Diskus-
       sion.
       So stellt  sich die Frage: Mit welch anderen Mitteln als mit sol-
       cher der ununterbrochenen geistigen Auseinandersetzung wollen wir
       denn einmal das Brandenburger Tor öffnen?
       Nürnberger Nachrichten v. 17.1.61
       
       PEINLICHE ERINNERUNGEN
       ======================
       
       Der Demonstrationszug mit einem mitgeführten Sarg, die verbrannte
       Fahne, das Geschrei und die Steine, die gegen die Fensterscheiben
       des Versammlungslokals  geworfen wurden, erinnern peinlich an po-
       litische Methoden der Vergangenheit. Die Veranstalter des Spekta-
       kels werden  einwenden, sie  hätten nur  einen würdigen Schweige-
       marsch gewollt.  Sie hätten  aber wissen müssen, wie leicht Heiß-
       sporne eine  solche Veranstaltung  mißbrauchen  können,  und  wie
       schwer -  besonders im  Dunkel der  Nacht - Leute zu zügeln sind,
       die Unruhe stiften wollen.
       Nur ein  großes Polizeiaufgebot  hat  wahrscheinlich  Schlimmeres
       verhüten können,  als ohnehin geschah. Peinlich bleibt vor allem,
       daß ein  halbes Hundert Pressevertreter aus aller Welt, angelockt
       durch eine zu erwartende Sensation, den Spektakel miterlebten.
       Westfälische Rundschau v. 16.I.61
       
       DIE BANGE FRAGE
       ===============
       
       Ein paar  hundert Raufbolde  haben die  Bundesrepublik schmählich
       blamiert, in  einem Anfall  von kollektiver  Raserei.  Die  bange
       Frage ist, ob es wirklich nur ein vorübergehender Anfall war.
       Süddeutsche Zeitung v. 16.I.61
       
       "DRESDEN WARTET AUF BRENTANO"
       =============================
       
       Der amtierende  Dresdener Bürgermeister Bohn hat Bundesaußenmini-
       ster von  Brentano aufgefordert,  die einstige sächsische Landes-
       hauptstadt zu besuchen. Nach einem Bericht des sowjetzonalen CDU-
       Organs "Die  Union" bezog  sich Bohn  dabei auf  die Äußerung  v.
       Brentano's während  der Genfer  Außenministerkonferenz, er  würde
       gern zu  der Bevölkerung von Dresden sprechen. "Die Stadt Dresden
       ist bereit  für einen Besuch des Bonner Außenministers", erklärte
       Bohn. "Die Union" ergänzte, in Dresden warteten auf den Bundesau-
       ßenminister keine  "schlagenden" Argumente  wie  in  Marburg  auf
       Volkskammerpräsident Dieckmann.
       Generalanzeiger, Bonn, vom 30.1.61
       
       GLOBKE ERNEUT UNTER SCHWEREM BESCHUSS
       =====================================
       
       Die Sowjetzonenregierung  hat einen neuen Vorstoß unternommen, um
       das seit  einiger Zeit in Frankfurt anhängige Verfahren gegen den
       Staatssekretär im  Bundeskanzleramt, Globke,  zu forcieren.  Zwei
       Ostberliner Staatsanwälte  überreichten in  Frankfurt dem  hessi-
       schen Generalstaatsanwalt  Bauer Fotokopien  von Dokumenten,  aus
       denen nach  ihren Angaben  die maßgebliche Beteiligung Globkes an
       der Ausrottung  der Juden  durch den  Nationalsozialismus hervor-
       geht. Generalstaatsauwalt  Bauer, der  den Empfang  der  Schrift-
       stücke schriftlich  bestätigte, vertrat  die Ansicht, daß die So-
       wjetzonenakten echt seien.
       In der  Umgebung Globkes wurde zu den überreichten Dokumenten ge-
       stern erklärt, ihre Echtheit sei möglich, jedoch seien "auf jeden
       Fall" die daraus gezogenen Folgerungen falsch.
       Die Fotokopien  mit dem  "Belastungsmaterial" gegen Globke wurden
       dem hessischen  Generalstaatsanwalt am Montag überreicht. Vor der
       Presse in  Frankfurt erläuterten  die beiden  Ostberliner Justiz-
       funktionäre, der  37jährige Staatsanwalt  Foth und  der 33jährige
       Staatsanwalt Ender,  den Inhalt der Schriftstücke, die nach ihren
       Angaben aus  dem "Zentralarchiv der DDR in Potsdam" stammen, über
       deren Herkunft  und plötzliches Auftauchen sie aber jede Auskunft
       ablehnten.
       Das Bauer  übergebene Material besteht unter anderem aus 33 Blatt
       aus der Personalakte Globkes des Reichsinnenministeriums, aus der
       hervorgehe, daß  Globke "in ganz hervorragender Weise" an dem Zu-
       standekommen der  Nürnberger Rassegesetze  beteiligt gewesen sei,
       zehn Blatt  aus dem "Kriegs-Geschäftsverteilungsplan" des Reichs-
       innenministeriums aus  dem Jahre  1943, der zeige, daß Globke als
       ein Vertreter  des ehemaligen Staatssekretärs Stuckart an der Ju-
       denausrottung verantwortlich  beteiligt gewesen  sei, und weitere
       Blätter, in denen die "unmenschlichen Auswirkungen" der angeblich
       von Globke angeordneten Maßnahmen aufgezeigt würden.
       Der Mittag v. 18.1.61
       
       INDISCHE AUFTRÄGE FÜR DIE DDR
       =============================
       
       Aufträge für die Lieferung von Maschinen im Wert von 13 Millionen
       Dollar wird  die deutsche Sowjetzone für die Errichtung eines Ei-
       senhüttenwerkes in  Indien erhalten.  Die Hüttenwerke  werden von
       der indischen Eisen- und Stahlgesellschaft Vidarbha im Bezirk von
       Chanda gebaut. Sowjetzonale Ingenieure und Techniker sollen indi-
       sches Fachpersonal  ausbilden. Ein weiterer indischer Auftrag für
       die Sowjetzone  betrifft die Lieferung von Maschinen für eine Be-
       triebsanlage zur Sauerstoffgewinnung in Bombay, deren Wert jedoch
       nicht genannt  wurde. Der Auftrag geht von der Bombay Oxygen Cor-
       poration aus.
       FAZ v. 30.12.60
       
       1000 WESTDEUTSCHE FIRMEN ZUR MESSE
       ==================================
       
       Rund 1000 westdeutsche Unternehmen werden bei der Leipziger Früh-
       jahrsmesse vom 5. bis 14. März ausstellen. Nach Ostberliner Anga-
       ben werden ihnen dabei 6000 qm mehr Ausstellungsfläche zur Verfü-
       gung stehen als bei der Frühjahrsmesse 1960.
       Einige kleinere  westdeutsche Firmen,  die bisher in Leipzig aus-
       stellten, werden  sich nach BDI-Angaben diesmal nicht mehr betei-
       ligen. Dafür  gebe es aber eine Anzahl westdeutscher Unternehmen,
       die zum ersten Male nach Leipzig gehen.
       Nürnberger Nachrichten v. 18.1.61
       
       PEKINGREISE DES BRASILIANISCHEN VIZEPRÄSIDENTEN
       ===============================================
       
       Der gewählte  brasilianische Vizepräsident,  Joao Goulart, gab am
       Donnerstag vor  der Presse  bekannt, er  habe eine  Einladung für
       einen Besuch in der Volksrepublik China im kommenden Mai angenom-
       men. Goulart,  der kürzlich  von einer Reise nach der Sowjetunion
       zurückkehrte, fügte  hinzu, er  trete für eine "friedliche Koexi-
       stenz in Handelsfragen" ein. Brasilien werde weiterhin Handelsbe-
       ziehungen zum kommunistischen Block unterhalten.
       Neue Zürcher Zeitung v. 22.1.61
       
       ZUSAMMENSCHLUSS IN WESTAFRIKA
       =============================
       
       In Westafrika  ist ein  neuer Staatenbund  gegründet worden.  Die
       Präsidenten Kwame Nkrumah von Ghana, Seku Ture von Guinea und Mo-
       dibo Kaita von Mali haben am Sonntag nach zweitägigen Verhandlun-
       gen in  der guinesischen  Hauptstadt Conakry  in einem Kommuniqué
       den Zusammenschluß ihrer Länder bekanntgegeben.
       Vorgesehen sind eine gemeinsame Außen- und Wirtschaftspolitik und
       in jedem  Jahr vier  Konferenzen der Präsidenten. Wie verlautete,
       soll auch eine gemeinsame Währung eingeführt werden.
       Die drei  Präsidenten wandten sich mit der Erklärung, kein regio-
       naler Zusammenschluß in Afrika solle auf die Sprache einer ehema-
       ligen Kolonialmacht begründet werden, deutlich gegen die Mitglie-
       der der französischen Gemeinschaft.
       Zur Lage im Kongo heißt es, Nkrumah habe die Absicht seiner neuen
       Unionspartner zur Kenntnis genommen, ihre UNO-Kontingente zurück-
       zuziehen. Nkrumah,  der am Samstag nach Ghana zurückkehrte und in
       einer Weihnachtsbotschaft  die "imperialistischen  und koloniali-
       stischen Machenschaften"  im Kongo, sowie die "Unwirksamkeit" der
       Vereinten Nationen  kritisierte, will  sich in  Kürze über  seine
       künftigen Pläne für das ghanesische UNO-Kontingent äußern.
       Die Tat v. 27.12.60
       
       DIE AFRIKANISCHE GIPFELKONFERENZ IN CASABLANCA
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       Die Staatschefs  der sechs  afrikanischen Staaten  und  Vertreter
       Ceylons und  der algerischen Nationalisten kündigten am 7. Januar
       die Gründung  eines gemeinsamen afrikanischen Hohen Kommandos der
       Stabschefs an.  Die abschließende  Resolution im  Anschluß an das
       viertägige Gipfeltreffen  besagt, daß das Hohe Kommando in regel-
       mäßigen Abständen  zusammentreffen soll,  um die "gemeinsame Ver-
       teidigung Afrikas gegen Angriffe sicherzustellen" und um zur Wah-
       rung der Sicherheit jedes einzelnen Staates beizutragen.
       Die Resolution,  in Form  einer afrikanischen Charta, kündigt au-
       ßerdem den  Plan an,  eine Afrikanische  Beratende Versammlung zu
       gründen, die regelmäßig Sitzungen abhalten wird, an denen Vertre-
       ter aller afrikanischen Staaten teilnehmen sollen.
       Die Konferenz  unterstützt den Anspruch Patrice Lumumbas als ein-
       ziger legaler Premierminister des Kongo und ruft zu afrikanischer
       Einheit auf.
       Die Charta sieht die Bildung von afrikanischen politischen, wirt-
       schaftlichen und  kulturellen Komitees  vor, um  die Politik  der
       afrikanischen Nationen auf diesem Gebiet zu koordinieren.
       Die Konferenz  rief ein  "Verbindungs-Büro" ins Leben, das binnen
       drei Monaten ein Treffen von Fachleuten veranstalten soll, um bei
       der Gründung  der neuen, von der Konferenz beschlossenen Institu-
       tionen zu helfen.
       Die Afrikanische  Charta betonte die Entschlossenheit der afrika-
       nischen Staaten,  die Gleichheit  in der Politik aufrechtzuerhal-
       ten, und  verkündete ihren  Entschluß, "die  noch  unter  fremder
       Herrschaft befindlichen  afrikanischen Gebiete  durch  Hilfe  und
       Beistand zu befreien".
       Sie plädierte für die Nichtanlehnung der afrikanischen Staaten an
       irgendeinen  Block,   rief  zum   Schutz  des   Kontinents  gegen
       "politischen und  wirtschaftlichen Druck" und gegen die Unterhal-
       tung ausländischer  Stützpunkte, "die eine Gefahr für die Befrei-
       ung Afrikas bedeuten", auf.
       Auf der Konferenz wurde beschlossen, daß in der Afrikanischen Be-
       ratenden Versammlung  jeder  afrikanische  Staat  vertreten  sein
       soll. Sie  soll ein ständiges Hauptquartier haben und regelmäßige
       Sitzungen abhalten.  Eine  der  wichtigsten  Aufgaben  des  Wirt-
       schaftsausschusses wird  es sein, Post- und Fernmeldeverbindungen
       zwischen den afrikanischen Hauptstädten zu schaffen.
       Das Afrikanische  Hohe Kommando  wird sich aus den Stabschefs zu-
       sammensetzen und  regelmäßig zusammentreten, um "die Verteidigung
       Afrikas gegen  Angriffe" sicherzustellen und die Sicherheit eines
       jeden Staates zu bewahren.
       
       Kongo-Kommando
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       Die Staatschefs von Marokko, der Vereinigten Arabischen Republik,
       Ghana, Guinea  und Mali  brachten zum  Ausdruck, daß sie dem UNO-
       Kommando im  Kongo ihre  Truppen entziehen werden, wenn nicht die
       Vereinten Nationen  dort eine  legale, legitime Regierung wieder-
       herstellen werden.
       Die Entschließungen wurden innerhalb einer Reihe von Resolutionen
       von der  Konferenz kurz vor der formellen, öffentlichen Abschluß-
       feier im  Rathaus von Casablanca gemacht. Die Resolutionen wurden
       von Kronprinz Moulay Hassan von Marokko verlesen.
       Die Konferenz  verurteilte die  französischen und andere Atombom-
       benversuche in  Afrika als  "Provokation gegen  das  afrikanische
       Volk" sowie  das Einverständnis zwischen Frankreich und Israel in
       bezug auf Atombombenversuche.
       Sie besteht auf der gerechten Lösung der Palästinafrage gemäß den
       Beschlüssen der  Vereinten Nationen und der Bandung-Konferenz und
       auf der  Wiederherstellung der  Rechte der palästinensischen Ara-
       ber. Sie verurteilt Israel als ein Werkzeug des Imperialismus und
       des Neo-Kolonialismus im Nahen Osten, in Asien und Afrika.
       
       Apartheid
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       Die Gipfelkonferenz  mißbilligt  die  Apartheid-Politik  in  Süd-
       Afrika und  ruft die Vereinten Nationen auf, Maßnahmen gegen die-
       ses Verhalten einzuleiten.
       Die Konferenz billigt "die Handlungsweise Marokkos und Mauretani-
       ens  zur  Wiedererlangung  ihrer  legitimen  Rechte".  Sie  klagt
       Frankreich des Versuchs an, Mauretanien zur Einkreisung der afri-
       kanischen Nationen  zu benutzen. Marokko wünscht eine Vereinigung
       mit Mauretanien.
       Sie riefen  zu einem  sofortigen Rückzug aller belgischen Truppen
       aus Ruanda-Urundi und der Wiederherstellung "einer Atmosphäre des
       Friedens und der Sicherheit" auf. Das Gebiet ist unter belgischer
       Verwaltung unter Aufsicht der Vereinten Nationen.
       Die Konferenz  "betonte erneut  feierlich ihr  unerschütterliches
       Festhalten an  der Charta der Vereinten Nationen und an den Prin-
       zipien der  Bandung-Konferenz mit  dem Ziel,  die  Zusammenarbeit
       zwischen allen  Völkern der Welt zu fördern und den internationa-
       len Frieden zu festigen".
       Sie rief alle afrikanischen Staaten dazu auf, sich mit den Unter-
       zeichnern zu  vereinigen, um  ein einiges  Afrika aufzubauen, und
       tat den  Entschluß der  afrikanischen Staatschefs kund, "den Tri-
       umph der Freiheit in ganz Afrika auszubreiten".
       Cairo-Brief (Pressebüro der VAR in Bonn) vom 15.1.61
       
       AFRO-ASIATISCHE STAATEN VERURTEILEN
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       FRANZÖSISCHE ATOMBOMBENEXPLOSION
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       Einstimmig haben  die afro-asiatischen Staaten die dritte franzö-
       sische Atombombenexplosion  in der  Algerischen Wüste verurteilt,
       denn damit  habe Frankreich die Resolutionen der Vereinten Natio-
       nen und die öffentliche Weltmeinung herausgefordert.
       Versammlungen sind abgehalten und Erklärungen sind veröffentlicht
       worden, die  zu entschlossenen  Maßnahmen aufrufen, um Frankreich
       für seine flagrante Herausforderung zu bestrafen und es an weite-
       ren verbrecherischen Handlungen zu hindern.
       Der Sekretär  der Solidaritätskonferenz der afro-asiatischen Völ-
       ker, Youssef  el Sebai, erklärte, daß Frankreich durch die Explo-
       sion seiner  Atombombe versucht habe, das tapfere algerische Volk
       zu bedrohen,  um damit seinen Kampf gegen den französischen Kolo-
       nialismus zu  schwächen. Er  ermahnte die afro-asiatischen Regie-
       rungen im  Namen ihrer  Völker, unverzüglich Schritte zum Abbruch
       der diplomatischen Beziehungen zu Frankreich und zum Boykott sei-
       ner Waren zu unternehmen.
       Cairo-Brief v. 15.1.61
       
       NEHRU VERGLEICHT DIE KONGO-KRISE MIT DEM SPANISCHEN BÜRGERKRIEG
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       Der indische Ministerpräsident Nehru hat am Montag vor einer Ver-
       schärfung der  Kongo-Krise gewarnt  und erklärt, eine direkte Un-
       terstützung der  rivalisierenden Gruppen im Kongo durch die Groß-
       mächte könnte  zum Ausbruch eines Weltkrieges führen. Der Weg aus
       dem Dilemma  am Kongo führe nur über das kongolesische Parlament.
       Dieses müsse  auf jeden  Fall  zusammentreten.  Ministerpräsident
       Nehru sprach  seine Warnung  in der  außenpolitischen Debatte der
       Staatenkammer, des  Oberhauses des  indischen Parlaments, aus. Er
       verglich die  Lage im  Kongo mit dem spanischen Bürgerkrieg, weil
       dort ebenfalls ausländische Großmächte die gegnerischen Kräfte im
       Lande mit  Waffen und  anderen Mitteln  unterstützt hätten. Nehru
       forderte die rückhaltlose Unterstützung der Vereinten Nationen im
       Kongo, denn  wenn die  UN dort  versage, dann  versage sie in der
       ganzen Welt.
       Stuttgarter Zeitung v. 22.12.60
       
       CASTRO-FREUNDLICHE PRIESTER MÜSSEN SCHWEIGEN...
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       Das Regierungsblatt "El Mundo" berichtet, daß Pater German Lence,
       der dem Regime Castro günstig gesinnt ist und am Samstag im Fern-
       sehen sprechen  sollte, von seinen kirchlichen Vorgesetzten daran
       gehindert worden  sei. Die  Zeitung sieht  in diesem Verbot "eine
       neue Phase der tiefen Krise in den Beziehungen zwischen der kuba-
       nischen Regierung und den höchsten Würdenträgern der katholischen
       Kirche Kubas".
       Pater Lence,  einer der  glühendsten Verteidiger  der kubanischen
       Revolution, kritisierte  wiederholt und mit großer Heftigkeit die
       katholische Hierarchie, der er u.a. vorwarf, von den ersten Tagen
       des Christentums  an den Weg des Kommunismus nicht beschritten zu
       haben. "El  Mundo" erinnert in diesem Zusammenhang, daß vor einer
       Woche in  der Nähe  der Kapelle, wo Pater Lence die Messe gelesen
       habe, eine  Bombe explodiert sei. Die Zeitung erklärt, man wisse,
       daß konterrevolutionäre  Elemente Todesdrohungen  an die  Adresse
       des Paters  gerichtet hätten. Das Schweigen, das Pater Lence auf-
       erlegt worden  sei, werde Fidel Castro zweifellos mehr stören als
       der Offene  Brief, in  welchem die  Hierarchie kürzlich  ihre Be-
       fürchtungen angesichts  der "Entwicklung" des Kommunismus in Kuba
       zum Ausdruck gebracht habe.
       Neue Zürcher Zeitung v. 22.12.60
       
       ...UND WERDEN EXKOMMUNIZIERT
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       Ein Sprecher  der römisch-katholischen  Kirche teilte am Dienstag
       mit, daß  die kubanische  Hierarchie Pater  German Lence, der die
       für das  Castro-Regime eintretenden Geistlichen anführt, exkommu-
       niziert habe. Ein Grund für die Maßnahme wird nicht angegeben.
       Neue Zürcher Zeitung v. 22.12.60
       
       SCHLIESSUNGEN BEI CHRYSLER
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       Die Chrysler Automobilwerke (Detroit/USA) werden von ihren sieben
       Montagewerken in dieser Woche drei schließen; 7500 Arbeiter waren
       schon entlassen  worden. Die Ford-Werke haben in drei von 17 Mon-
       tagewerken die  Montage von  Personenwagen  eingestellt.  Dadurch
       wurden 5135 Beschäftigte arbeitslos.
       Die Welt v. 19.1.61
       
       WENN EINE EINE REISE TUT ODER: COURTOISIE À LA BASEL
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       Vor dem  Haupteingang des  Badischen Bahnhofs (in Basel. D. Red.)
       hielt der Jeep, dem ein mit drei schweinsledernen Koffern belade-
       ner Polizist  entstieg. Auch  trug dieser  drei Schirme  in Weiß,
       Cognac und Mauve. Stramm strebte er dem Eingang zu. - Ein zweiter
       Repräsentant der  Hermandad schälte  sich aus  dem Fahrzeug. Zwei
       Koffer bürdete  er sich  auf, einen  weißen in  Ziege  und  einen
       schwarzen in Boxcalf, dazu vier Hutschachteln, drei Tennisrackets
       und einen Golfsack. - Schon stieg der dritte Mann aus, bescheiden
       sich mit  dem Rest  begnügend: einem einzigen Koffer in Kroko und
       zwei Hunden, einem weiblichen Afghan und einem männlichen Pekine-
       sen.
       Als letzte stieg die Dame aus. Sie tat es allein, doch nicht ohne
       Würde. Beladen mit zwei Handtaschen (Eidechs und Axolotl) und ei-
       ner Sonnenbrille  nahm sie  die  Anstrengung  trotz  ihrem  engem
       Rocksaum auf  sich. Sie  hielt sich  gut. Standesgemäß wippte sie
       auf hohen  Stöckeln hinter den "Dienstmännern" her, blond, pudern
       und reserviert  die Umwelt  keines Blickes  würdigend. Von Zürich
       war sie auf der "Durchreise" nach Hause, nach Düsseldorf.
       Dort wird sie bleiben - müssen!
       Denn sie ist  k e i n e  Dame...
       T.C.N. in Basler Nachrichten v. 13.1.61
       

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