Quelle: Blätter 1961 Heft 02 (Februar)


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       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
       unter www.blaetter.de.
       
       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Hans von Uslar
       
       ÜBER DIE WERBUNG VON GLAUBENSREKRUTEN FÜR DEN KALTEN KRIEG
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       L'empire c'est la paix; l'empire c'est l'épée
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       ...
       Ein Quodlibet  aus dem  Quodlibet: "Die  Zeiten, da  man von  der
       freiheitlichen Marktwirtschaft  eine Verelendung der Massen, eine
       Zusammenballung der wirtschaftlichen Macht in einigen Großbetrie-
       ben, einen  Untergang des  Mittelstandes und  e i n  V e r s i n-
       k e n   i m   M a t e r i a l i s m u s  befürchtete, gehen ihrem
       Ende entgegen.  Während im Osten der Mittelstand vernichtet wird,
       weil  er   nicht  in   das  gesellschaftspolitische  Konzept  des
       Kommunismus paßt,  wächst in  den Vereinigten  Staaten trotz oder
       wegen  des   industriellen  Konzentrationsprozesses   ein   neuer
       Mittelstand  heran,   der  Träger  des  Privateigentums  und  der
       Freiheit ist.  Man denke nur an die Autoreparaturwerkstätten, die
       Zulieferunternehmungen und  die vielen neuen Handels- und Dienst-
       leistungsbetriebe. Die  mehr und mehr in Anwendung kommende Auto-
       mation befreit den Menschen in zunehmendem Maße von dem monotonen
       Rhythmus des  Fließbandes und   m a c h t   i h n  f r e i  f ü r
       d i e   i n t e l l i g e n t e r e   u n d  i n d i v i d u e l-
       l e r e   T ä t i g k e i t   der Maschinenüberwachung und  d e r
       R e p a r a t u r.   ...   S o    g e s e h e n    h a t    d e r
       K o m m u n i s m u s   i n   d e r  w e s t l i c h e n  W e l t
       w e n i g   C h a n c e n. Die  westliche Welt kann sich auf ihre
       bisherigen  Erfolge   in  der  Steigerung  des  Massenwohlstandes
       berufen und  braucht nicht,  wie der  Osten, auf  die Zukunft  zu
       vertrösten."
       ...
       ...
       Nicht Glockengeläute, nicht Pfaffengebete,
       Nicht hochwohlweise Staatsdekrete,
       Auch nicht Kanonen, viel Hundertpfünder,
       Sie helfen euch heute, liebe Kinder!
       Heut helfen auch nicht die Wortgespinste
       Der abgelebten Redekünste,
       Man fängt nicht Ratten mit Syllogismen,
       Sie springen über die feinsten Sophismen.
       Auch nicht Kanonen, sie helfen euch heute...
       ...
       ...
       "...Sie erhoffen  sich von  der Armee eine innere Straffung, eine
       Art Abstützung  Ihres angeknaxten  Ideals von  der Freiheit?  ...
       Hm... das  scheint mir eine durchaus richtige Instinkthandlung zu
       sein... Nur  meine ich,  daß die  Armee in ihrem augenblicklichen
       Zustand noch  nicht voll  dazu geeignet ist, eine solche Stützung
       herzugeben. Schon  deswegen, weil im Volke noch immer die Meinung
       verbreitet ist,  Soldatsein habe  mit Freiheit nichts zu tun, ja,
       bedeute sogar  so etwas  wie Opferung von Freiheit. Das hängt na-
       türlich mit  dem falschen  Freiheitsbegriff zusammen...  Für mich
       gibt es kein schöneres Bild, als einen Freien gehorchen zu sehen.
       Ich glaube,  es wird  von uns verlangt, daß wir diese Fragen ohne
       Furcht selbst  immer wieder  durchdenken und  das Produkt unseres
       Denkens in  Erziehung umsetzen.  Mit anderen Worten: Der Offizier
       ist kein unpolitischer Funktionär einer technischen Waffenausbil-
       dung, sondern  ein von  Grund auf  politischer Mensch...  E i n e
       D e m o k r a t i e  ü b e r z e u g t  n i c h t  oder nicht nur
       durch ihre Ideale... sondern sie muß auch des staatlichen Zwanges
       fähig sein. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus, bedenken Sie das
       Wort Staats g e w a l t.  G e w a l t!...  Sie sind ein gefährli-
       cher Idealist...  in dem  Sinne, daß Sie davon ausgehen, daß tau-
       sende anständiger  Menschen so  denken wie Sie und dabei die ganz
       verständliche menschliche Unzulänglichkeit nicht berücksichtigen,
       die des   p s y c h o l o g i s c h e n   Z w a n g e s   bedarf,
       u m  a u f  d e n  W e g  g e b r a c h t  z u  w e r d e n,  den
       die Mehrheit  des Volkes  auf demokratische  Weise gewählt hat...
       Demokratie ist eine Sache der gewachsenen Elite, und die Methode,
       wie Sie  sich in  den Seelen  der Ihnen anvertrauten Soldaten un-
       sterblich machen,  ist die  der Elite.  Nur gehört zur Elite auch
       der Mut  zur Realität, der Mut zur Machtausübung... Eine Elite...
       die sich  ihres selbstverständlichen  Machtanspruchs begibt,  ist
       eine dekadente Clique von Drohnen."
       ...
       

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