Quelle: Blätter 1961 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       PRESSEERKLÄRUNG DER DEUTSCHEN FRIEDENS-UNION
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       ZU DEN BEHAUPTUNGEN DES HARRY ROTH
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       Auf der  Zentralen Arbeitnehmerkonferenz  der SPD  in Hamburg hat
       der durch den stellvertretenden Parteivorsitzenden Herbert Wehner
       vorgestellte Doppelagent Harry Roth behauptet, die Deutsche Frie-
       dens-Union würde  im kommenden  Bundestagswahlkampf durch  Gelder
       der SED  finanziert werden.  Die DFU  weist diese Behauptung ent-
       schieden zurück,  sie hat  bereits Strafanzeige wegen Verleumdung
       gegen den Sprecher des SPD-Parteivorstandes gestellt, weil dieser
       die neue Partei als östlich gesteuert bezeichnet hatte.
       Der Bundesvorstand  der DFU  bedauert, daß  der  stellvertretende
       Vorsitzende der  SPD sich nunmehr eines Beauftragten des dem Bun-
       desinnenminister Schröder  unterstehenden  Verfassungsschutzamtes
       bedient hat,  um die  Gegner der  Rüstungspolitik diffamieren  zu
       lassen. Der  Vorgang erinnert  an den  Fall der  SPD-Abgeordneten
       Schroth und Scharley, die der Bundeskanzler im Wahlkampf als öst-
       lich finanziert bezeichnete, um der damaligen entspannungsfreund-
       lichen Politik der SPD zu schaden. Nach den Wahlen mußte er diese
       Behauptungen zurücknehmen.  Im Bundestag  für sein  Verhalten von
       der SPD  zur Rede  gestellt, erwiderte  der  Herr  Bundeskanzler:
       "Lernen Sie  von meinen Methoden." Es scheint, daß Herbert Wehner
       diesen Rat angenommen hat.
       Der Bundesvorstand  der DFU sieht in der Zusammenarbeit mit zwie-
       lichtigen Agenten  und in der Verwendung von Verleumdungsmethoden
       grundsätzlich ein  Symptom für  eine ausweglos gewordene Politik.
       Offenbar ist  die SPD  gezwungen, in demselben Maße, wie sie sich
       der Regierungspolitik  anpaßt, auch  deren Praktiken und Methoden
       zu übernehmen.
       Köln, 30. Januar 1961
       Das Vorstandsmitglied  der DFU und Mitglied der Hamburger Bürger-
       schaft, Albert Berg, hat am 31. Januar 1961 bei der Staatsanwalt-
       schaft Strafanzeige  wegen Verleumdung  gegen H.  Roth erstattet.
       (S. u.a. "Die Welt" vom 3. Februar 1961)
       

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