Quelle: Blätter 1961 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG VON PROF. DR. ALEXANDER SCHENK GRAF V. STAUFFENBERG
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       Verschiedene Presseveröffentlichungen  veranlassen mich, folgende
       Erklärung abzugeben:
       Ich verwahre mich dagegen, daß private briefliche Äußerungen mei-
       nerseits ohne  mein Einverständnis  veröffentlicht werden und daß
       dabei Sätze  aus dem  Zusammenhang gerissen  und mit  Kommentaren
       vermengt werden,  um dadurch  zu erreichen,  die Folgerichtigkeit
       meiner politischen Haltung in Frage zu stellen.
       Seit Jahren  verfolge ich  mit großer  Sorge den außenpolitischen
       Kurs der Bundesregierung. Von Anfang an befürchtete ich, daß ihre
       atomare Aufrüstungspolitik  die uns  gestellte Aufgabe der Lösung
       der deutschen  Frage unmöglich machen oder mindestens ad calendas
       Graecas verschieben  würde. Daß  die Bundesregierung niemals auch
       nur den  Versuch unternommen hat, in Verhandlungen über eine Zone
       der Entspannung  in Mitteleuropa  nach den Vorschlägen westlicher
       Staatsmänner und  Politiker einzutreten,  habe ich  von jeher als
       folgenschweres Versäumnis angesehen. Meines Erachtens ist es auch
       heute noch nicht zu spät, den Versuch einer Politik der bewaffne-
       ten Neutralität  zu unternehmen,  der selbstverständlich  nur  im
       Einvernehmen mit unseren westlichen Verbündeten durchgeführt wer-
       den kann.
       Ich begrüße  daher die Gründung der Deutschen Friedens-Union, die
       nach ihrem Programm in der Richtung dieser politischen Konzeption
       die Initiative ergriffen hat.
       Meine ablehnende  Haltung bei  der Gründung  der DFU bezieht sich
       weder auf  die politische  Zielsetzung dieser Partei noch auf die
       Haltung ihrer  Gründer, deren  Integrität, soweit sie mir persön-
       lich bekannt sind, ich keinen Augenblick angezweifelt habe.
       
       München, den 18. Februar 1961
       gez.: Prof. Dr. Alexander Schenk Graf v. Stauffenberg
       

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