Quelle: Blätter 1961 Heft 05 (Mai)


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       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Dr. Achim von Borries
       
       DIE KUBA-LEKTION
       ================
       Kennedy am Scheideweg
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       Die "Guatemala-Lösung"
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       Die Fehlkalkulation
       -------------------
       Das "Algerien" der USA
       ----------------------
       Die Angriffs-Absichten der USA
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       ...
       "Ungeachtet der  wiederholten Warnungen und Beschwerden der Revo-
       lutionären Regierung von Kuba hat die Regierung der USA - in fla-
       granter Verletzung  der Regeln des internationalen Rechts und der
       Prinzipien der  Vereinten Nationen  - ihre  Pläne betreffend eine
       Aggression und  Intervention in die inneren Angelegenheiten Kubas
       intensiviert, unter  Benutzung des Territoriums der USA und ande-
       rer Länder  der westlichen  Hemisphäre  als  Operationsbasis  von
       Kriegsverbrechern und  Konterrevolutionären, die in ihrem Dienste
       stehen."
       ...
       Warnung vor den Konsequenzen
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       ...
       Die gegenwärtige Politik der USA gegenüber Kuba ist Kalter Krieg;
       die Alternative,  die von  führenden Sprechern  der USA angeboten
       wird, ist:  Intensivierung des  Kalten Krieges (Nixons Guatemala-
       Vorschlag und  Kennedys Vorschlag  betreffend eine  Unterstützung
       der Emigranten und Konterrevolutionäre in Kuba) oder Krieg selbst
       - unmittelbare militärische Intervention der USA -, vorgeschlagen
       von so  namhaften Persönlichkeiten  wie Admiral  Radford, Senator
       Smathers und  Adolph A.  Berle jr. Ein Kalter Krieg aber kann die
       kubanische Revolution  nicht niederwerfen,  sogar wenn er auf der
       von Kennedy  und Nixon  vorgeschlagenen Linie  intensiviert wird.
       Kuba hat  von Guatemala  gelernt; eine mit modernen tschechischen
       Waffen bewaffnete  Miliz ist eine Million Mann stark und würde in
       der Lage  sein, jede Invasion von Exil-Kubanern oder Söldnern zu-
       rückzuschlagen, sogar  wenn diese  durch die USA aus der Luft un-
       terstützt würde.  Unter diesen  Umständen gibt es nur zwei reali-
       stische Möglichkeiten.  Entweder Anerkennung  der  Regierung  und
       Ausgleich mit  der Revolution  - oder Krieg, und damit die Gefahr
       eines dritten Weltkrieges.
       Studies on the Left, Nr. 3/1960 (USA)
       ...
       Washingtons Kalter Krieg gegen Kuba
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       ...
       Castros Revolutionsregierung  weiß, daß Washington Kuba einen un-
       versöhnlichen Wirtschaftskrieg  erklärt hat und daß sein Ziel die
       Überwältigung Fidel Castros um jeden Preis ist...
       Unser Kalter  Krieg gegen  Castro läßt uns den Kampf um alle neu-
       tralen und unabhängigen neuen Staaten in der Welt verlieren. Kuba
       mag tatsächlich  unsere letzte  Chance sein  zu beweisen, daß wir
       etwas Besseres  im Sinn haben als ein Ungarn, ein Zypern, ein Al-
       gerien; Kuba  könnte unsere letzte Chance sein, unser Gesicht und
       auch unser  Prestige gegenüber  der Bevölkerung von Lateinamerika
       zu retten.  Unseligerweise spricht  alles dafür, daß wir bestrebt
       sind, auf unserem gegenwärtigen törichten Weg fortzuschreiten.
       Wir werden  in Kuba  scheitern, sogar,  wenn wir  versuchen, eine
       konterrovolutionäre Regierung  zu errichten...  Wenn wir wirklich
       gegen die Diktatur sind, warum hacken wir ausschließlich auf Kuba
       herum? Was ist mit Trujillo? Was ist mit Franco? Warum hacken wir
       auf einer  Regierung herum,  die, zum  ersten Male in der Kubani-
       schen Geschichte, verspricht, eine anständige Lebensweise für ihr
       Volk möglich zu machen?
       The Nation v. 12.11.60 (USA)
       ...
       Die Verantwortung der USA
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       Es gab  und es  gibt große Hoffnung in Kuba - Hoffnung auf seiten
       der Millionen  kubanischer Bauern auf einen Übergang von der blo-
       ßen Existenz  zu wirklichem Leben. Zu einem großen Teile dank der
       Unfähigkeit der  amerikanischen Regierung  und des amerikanischen
       Volkes, diese  Hoffnung zu verstehen, ist sie nun vergiftet durch
       Haß, doch  nicht durch Verzweiflung. Fidel träumt noch immer sei-
       nen Traum,  und das  Volk fährt  fort, an  den Wert und die Macht
       dieses Traumes  zu glauben.  Für uns ist es nicht genug, zu spot-
       ten, zu analysieren, zu verzweifeln, oder große Geduld zu zeigen.
       Wenn die  USA wirklich um die Demokratie besorgt sind, dann soll-
       ten sie mit der revolutionären Regierung zusammenarbeiten, versu-
       chen, alle  demokratischen Tendenzen zu ermutigen, versuchen, De-
       mokratie im Rahmen der sozialen Revolution möglich zu machen. Die
       Kubaner glauben,  daß sie  etwas Neues, Bedeutendes, Menschliches
       und Wesentliches tun. Vielleicht werden sie scheitern. Vielleicht
       ist die  kubanische Revolution schon gescheitert. Wenn es so ist,
       dann gehören  wir zu  den Hauptschuldigen,  und wir alle sind die
       Verlierer.
       Dissent, Winter 1961 Heft 1, Jahrgang 8 (USA)
       ...
       Invasions-Vorbereitungen in Guatemala
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       Zur gleichen Zeit, da die amerikanische Flotte in den karibischen
       Gewässern Manöver  veranstaltet und die amerikanische Basis Guan-
       tanamo (auf  Kuba) von  Einheiten dieser am Manöver teilnehmenden
       Seestreitkräfte besucht  wird, wird  bekannt, daß die kubanischen
       Refugees offenbar  dabei sind,  einen baldigen Schlag vorzuberei-
       ten. Die  stärkste Gefahr scheint Castro dabei aber nicht von den
       auf dem  amerikanischen Festland  befindlichen Exilierten zu dro-
       hen, sondern von Guatemala her.
       Der Redakteur  für Flugwesen des "Los Angeles Mirror" ist den Ge-
       rüchten nachgegangen,  nach denen  ein für  rein guatemaltekische
       Zwecke überflüssiger  Flugplatz - das Flugfeld von Guatemala City
       genügt für  den üblichen Touristenverkehr - in dem Tropendickicht
       der Küsten-Dschungel des Pazifik bei Retalhuleu gebaut wird. Die-
       ser Flugplatz, der sich lediglich 815 Meilen von Havanna entfernt
       befindet (also von dort für einen Durchschnitts-Jet höchstens an-
       derthalb Stunden  entfernt), war bis zu der Entdeckung durch ame-
       rikanische Journalisten ein völliges Geheimnis. Wann immer jemand
       guatemaltekische Minister  fragte, etwa  den Außenminister  Jesus
       Unda Murillo,  so erhielt  er die Antwort: "Das ist alles kubani-
       sche Propaganda."  Nach dem  "Los Angeles  Mirror" interessierten
       sich dafür  auch die  Zeitschrift "The  Nation" und  das  Magazin
       "Time", und  am Dienstag  dieser Woche  veröffentlichte die  "New
       York Times"  einen großen Artikel ihres Berichterstatters Paul P.
       Kennedy unter  der Überschrift  "Die Vereinigten  Staaten  helfen
       beim Training  von Anti-Castro-Truppen  auf einer  geheimen  gua-
       temaltekischen Flugbasis."
       Schon in den letzten Tagen hatte die Regierung von Guatemala sich
       angesichts der  verstärkt an  sie gelangenden Anfragen nicht mehr
       einer bejahenden  Antwort entziehen können. Präsident Miguel Ydi-
       goras Fuentes  betonte, daß alle im Lande gemachten militärischen
       Anstrengungen  lediglich  Defensiv-Charakter  hätten,  zumal  man
       einen Angriff  von Kuba aus befürchte. Das Flugfeld selbst hat es
       schon mehrere  Jahre gegeben,  aber es  wurde jetzt, beginnend im
       Sommer vorigen Jahres, völlig neu ausgebaut, und zwar von der New
       Yorker Firma  Thompson-Cornwall, die  vierhundertfünfzig Arbeiter
       in Drei-Stunden-Schichten  zur Umgestaltung  des Flugplatzes  an-
       setzte. Die  Firma hat  bereits mehrere  Millionen-Geschäfte  mit
       Guatemala gemacht.  Nach Meldungen  des "Time"-Magazins  befinden
       sich dort  acht B-26-Bomber,  mehrere Transportflugzeuge und vier
       Curtiss-Kommandos, die  aus Überschußbeständen  von den  USA nach
       Guatemala geliefert  worden waren.  Schon vor  einiger Zeit hatte
       der Direktor  des Instituts für spanisch-amerikanische Studien an
       der Stanford-Universität,  Dr. Ronald  Hilton, nach  der Rückkehr
       von einer  Reise nach  Guatemala berichtet,  daß dieses  Land von
       Anti-Castro-Flüchtlingen wimmle,  die angeblich von dort aus eine
       Invasion der  Isle of  Pines, die  Kuba im Westen eng vorgelagert
       ist, beabsichtigen.  Ergänzend dazu  haben kubanische  Exilkreise
       mitgeteilt, daß sie hofften, in Guatemala eine Formosa-Typ-Regie-
       rung aufzubauen,  die dann  die Invasion Kubas unternehmen könne,
       wobei neben  dem Flugfeld  von Retalhuleu der Hafen Guatemalas an
       der Karibischen  Seeküste, Puerto  Barrios, Abfahrtsort  für  das
       Gros der Invasions-Streitkräfte sein solle.
       Es ist  nicht möglich, hinter die Kulissen aller dieser Meldungen
       zu sehen. Immerhin sind die Beziehungen zwischen bestimmten Stel-
       len in  Washington und  Guatemala seit  langem enge gewesen. Nir-
       gends wird es heute mehr geleugnet, daß der Sturz der linken gua-
       temaltekischen Regierung  Arbenz (1954)...  seinerzeit durch  den
       Oberst Armas  in  Zusammenarbeit  mit  der  Central  Intelligence
       Agency (amerikanischer  Geheimdienst) erfolgt  war. Auf Armas ist
       dann in  Guatemala Ydigoras  gefolgt. Guatemala  ist  heute  fast
       bankrott. Es  ist bisher  unbekannt, von  wem Thompson & Cornwall
       bezahlt worden sind.
       Im guatemaltekischen  Parlament ist es bereits im Oktober vorigen
       Jahres zu Anklagen von Opponenten des Präsidenten Ydigoras gekom-
       men, der  es dulde,  daß Hunderte  von Kubanern Kommando-Training
       erhielten, und  zwar sowohl  auf der Flugbasis wie auch auf einer
       riesigen Kaffee-Farn  der betreffenden Gegend. Wie "Time"-Magazin
       hinzufügt, gehört diese Farm einem engen Freund von Ydigoras. Die
       "New York  Times" erweitert die Nachricht, indem sie als Besitzer
       dieser Farm  "Helvetia", die dreitausend Morgen groß ist, Roberto
       Alejo Arzu  nennt, der  der Präsident  des "Nationalverbandes der
       Kaffeepflanzer" und  wahrscheinlich der  bedeutendste unabhängige
       Kaffeehändler des  Landes ist.  Ydigoras verbringt  oft sein  Wo-
       chenende auf dieser Farm.
       Wer alle  diese Truppen ausbildet, Kommandos wie Flieger, darüber
       liegen keine  endgültigen Mitteilungen vor. Castros Außenminister
       Roas behauptete,  daß es  "amerikanische Spezialisten"  seien. In
       der "New York Times" heißt es, daß das Guerilla-Training von Gua-
       temalteken durchgeführt werde, die in Amerika Unterricht genommen
       hätten und  so weiter. Alles ist sehr verschwommen. Aber es sieht
       so aus,  als ob sich tatsächlich ein für Castro sehr gefährlicher
       Ring um ihn schließe.
       Stuttgarter Zeitung v. 18.1.61. Bericht aus New York (Manfred Ge-
       orge)
       ...
       Washington zu voller Unterstützung bereit
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       ...
       Es wird  nun weithin  angenommen, daß  die Regierung  Kennedy die
       Entscheidung getroffen  hat, einer  gewaltsamen Aktion  der Anti-
       Castro-Organisation -  die Dr. José Miro Cardona als ihren Führer
       und als vorgesehenen Leiter einer neuen kubanischen Regierung be-
       zeichnet hat  - volle  Unterstützung zuteil werden zu lassen. Man
       folgert das  aus dem  publizierten Besuch  Dr. Miro  Cardonas  im
       State Departement in dieser Woche.
       Pressemeldungen, die durch diplomatische Kreise in Havanna bestä-
       tigt werden, deuten an, daß man für die allernächste Zeit mit ei-
       ner großen  Offensive der  Streitkräfte Dr. Miro Cardonas auf der
       Insel und  mit ihrer Unterstützung durch Guerillakämpfer rechnet,
       die in den USA und in Zentralamerika ausgebildet worden sind.
       New York Times v. 9.4.61. Bericht aus Rio de Janeiro.
       ...
       USA unterstürzten Umstürzler
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       ...
       Die Vereinigten  Staaten unterstützen stillschweigend, aber aktiv
       ein großangelegtes  Unternehmen von  Exil-Kubanern zum Sturze des
       Ministerpräsidenten Fidel  Castro. Eine Armee von 6000 Flüchtlin-
       gen... steht  bereit zu  einer Invasion.  Sie wird vorbereitet in
       zwei großen  Basen in  Guatemala und in Louisiana in der Nähe von
       New Orleans. Amerikanische Fachleute haben Infanterie- und Artil-
       lerie-Einheiten auf  den Basen in Guatemala ausgebildet. In Loui-
       siana wurden  Fallschirmjäger trainiert,  Marineeinheiten bewegen
       sich ungehindert  durch die amerikanische Küstenwache in Florida.
       Die Regierung  gab faktisch  dem Invesionsunternehmen ihren offi-
       ziellen Segen  in einer  amtlichen Erklärung, die jeder künftigen
       demokratischen Regierung in Kuba volle Unterstützung versprach.
       Daily Mail v. 10.4.61
       ...
       Bereit zum Angriff
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       ...
       In einer  grundsätzlichen strategischen Entscheidung sollen sich,
       wie heute  nacht berichtet  wird, die kubanischen Anti-Castro-Re-
       bellen in  den letzten Tagen darauf geeinigt haben, sich auf meh-
       rere Guerilla-Landungen  auf Kuba  zu konzentrieren,  statt  eine
       einzige großangelegte Invasion zu versuchen...
       Diese Enthüllung  kam gerade einen Tag nachdem der Chef der Anti-
       Castro-Kräfte in  den USA alle Kubaner zum gewaltsamen Sturze des
       Regimes Dr. Castros aufgerufen hatte.
       Der Aufruf war Teil einer vom Kubanischen nationalen Revolutions-
       Rat verfaßten  und in New York von seinem Präsidenten Dr. Cardona
       - dem ersten Premierminister Dr. Castros - herausgegebenen Erklä-
       rung.
       New York Times v. 10.4.61. Bericht aus Miami/Florida.
       ...
       Castro beschuldigt den amerikanischen Geheimdienst
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       ...
       An einer  Kundgebung des kubanischen Gewerkschaftsbundes erklärte
       Fidel Castro,  es werde  zu einer Invasion Kubas kommen, weil die
       militärischen Vorbereitungen  der kubanischen  Emigranten so weit
       vorangetrieben worden  seien, 'daß  den Konterrevolutionären  gar
       nichts anderes  übrig bleibt,  als nach Kuba zu kommen, auch wenn
       sie das ohne Begeisterung tun dürften'. Nicht umsonst habe man in
       Guatemala und  anderen Ländern 'Ausbildungszentren für Söldlinge'
       geschaffen. Der amerikanische Geheimdienst sei der Anstifter die-
       ser Invasionsvorbereitungen.  Die Konterrevolutionäre  seien aber
       naiv, weil sie in Kuba bewaffnete Arbeiter vorfinden würden.
       Neue Zürcher Zeitung v. 11.4.61
       ...
       Anti-Castro-Kubaner in Bewegung
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       ...
       Der Transport  von  Kubanern,  die  die  Anti-Castro-Revolutions-
       Gruppe unterstützen  von den  USA nach  geheimen Bestimmungsorten
       'irgendwo in Zentralamerika' hat zugenommen seit der Veröffentli-
       chung des  Appells des  Kubanischen Nationalen  Revolutions-Rates
       über das Wochenende. Heute verließ eine Anzahl junger Kubaner New
       York in  Richtung von  Ausbildungslagern offenbar  außerhalb  der
       Vereinigten Staaten;  und es  wird berichtet, daß zahlreiche wei-
       tere, einschließlich  einige Spezialisten,  wie  Piloten,  Radio-
       Fachleute und Saboteure, von ihren ursprünglichen Lagern in Miami
       aufgebrochen sind.
       Times v. 11.4.61 (Bericht aus New York)
       ...
       Die Angriffsvorbereitungen in den USA
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       ...
       Seit das  Staatsdepartement vor  einer Woche das von Prof. Arthur
       Schlesinger Jr. im Auftrag Kennedys verfaßte "Weißbuch" über Kuba
       veröffentlicht hat,  in welchem  Fidel Castro  zum Bruch  mit dem
       Kommunismus aufgerufen und einem befreiten Kuba die Unterstützung
       der Vereinigten  Staaten zugesichert  wurde, entfalten  die  ver-
       schiedenen kubanischen  Exilgruppen in  den  Vereinigten  Staaten
       eine sich  täglich steigernde  Aktivität. Unter  dem ersten Mini-
       sterpräsidenten Castros,  Dr. José  Miró Cardona,  der längst vom
       'Fidelismo' abgefallen  ist, bildete sich in New York ein Revolu-
       tionärer Rat,  und zwar,  wie es  bei dem politischen Temperament
       der kubanischen Politiker wohl unvermeidlich ist, nicht von inne-
       ren Spannungen frei ist, sich aber nun als eine Art provisorische
       Regierung konstituiert  hat. Sie ist von Washington zwar als sol-
       che nicht  formell anerkannt  worden, aber  Dr. Cardona wurde vor
       kurzem vom  Koordinator für  Lateinamerika im  Staatsdepardement,
       Adolf Berle,  und dem früheren Botschafter in Havana, Philip Bon-
       sal, empfangen.  Kurz danach  rief er die Kubaner auf, die Waffen
       gegen Castro zu ergreifen.
       Die Anhänger  des Revolutionären  Rates im Innern Kubas, die seit
       Monaten in  der Guerillataktik und in der Durchführung systemati-
       scher Sabotage ausgebildet worden sind, können auf die Unterstüt-
       zung von  fünf-  bis  sechstausend  Mann  rechnen,  die  als  die
       'Militärmacht' des  Revolutionären Rates  zu betrachten  sind und
       nach gründlicher  Ausbildung in  Florida, wo sie auch ausgerüstet
       wurden, nun, wie es heißt, Stützpunkte in Guatemala und Louisiana
       bezogen haben,  von denen  aus sie zu gegebener Zeit die Invasion
       Kubas unternehmen  sollen... Ihre Führer machen aus ihren strate-
       gischen Plänen  kein Hehl.  Man liest  jeden Tag in der "New York
       Times", welche  Operationen sie  vorhaben, so zum Beispiel heute,
       daß sie  eine Reihe  von Landungen  auf Kuba planen, um möglichst
       viele Brückenköpfe  zu bilden, von denen aus die Verteidigung Ca-
       stros bedrängt  werden soll...  Nach einer heute veröffentlichten
       Meldung aus  Miami haben  35 kubanische Anti-Castro-Piloten diese
       Stadt verlassen, um sich in ein geheimes Ausbildungslager in Zen-
       tralamerika zu  begeben. Sie  werden von dort aus am "zweiten Be-
       freiungskrieg Kubas" teilnehmen, der nach der heutigen Intensität
       des Nervenkrieges zu schätzen möglicherweise bald beginnen wird.
       Die Anti-Castro-Kräfte  erfreuen sich  der "aktiven Toleranz" der
       Vereinigten Staaten  und sind  darauf aus, "Castros Verrat an der
       Revolution", von dem in dem amerikanischen Weißbuch die Rede ist,
       zu sühnen,  das heißt  dem kommunistischen  Einfluß auf  Kuba ein
       Ende zu setzen...
       Neue Zürcher Zeitung v. 12.4.61
       ...
       Kennedys Ansehen steht auf dem Spiel
       ------------------------------------
       ...
       Präsident Kennedy hat begonnen der Welt zu zeigen, daß die Ideale
       der amerikanischen  Revolution noch  lebendig und  nicht  weniger
       wichtig sind  als sie  es 1776 waren - und daß sie der Menschheit
       mehr Hoffnung  bieten als  die Ideale  des Kommunismus. Aber wenn
       die jüngsten  Berichte über  eine geplante Invasion Kubas, ausge-
       hend von  amerikanischem Boden  und durchgeführt mit stillschwei-
       gender Duldung  durch den  amerikanischen Geheimdienst,  sich be-
       wahrheiten, dann  wird vieles  von Präsident  Kennedys Arbeit um-
       sonst gewesen sein.
       Eine amerikanische  Intervention gegen Kuba würde so unrechtmäßig
       sein - moralisch und politisch - wie Großbritanniens Intervention
       gegen Ägypten 1956...
       Präsident Kennedy hat zweifellos nicht die Absicht, amerikanische
       Truppen gegen Dr. Castro einzusetzen. Aber wenn eine Invasion Ku-
       bas von  amerikanischem Boden ausgeht - oder sogar vom Boden Gua-
       temalas -  wird sie allgemein auf ein amerikanisches Komplott zu-
       rückgeführt werden.  Niemand wird  glauben, daß  eine Gruppe  von
       Exil-Kubanern in  der Lage  wäre, eine Streitmacht von genügendem
       Umfang und  mit genügender  Ausrüstung aufzustellen  ohne daß sie
       die Unterstützung der amerikanischen Regierung hätte. In der Tat,
       letzte Berichte melden, daß die Anti-Castro-Kubaner sogar ein La-
       ger irgendwo  in Lonistana  haben. Dr.  Cardona, der  Führer  der
       Anti-Castro-Kubaner, hat  abgestritten, daß der amerikanische Ge-
       heimdienst in seine Pläne verstrickt ist. Das mag wahr sein; aber
       Berichte aus autoritativen amerikanischen Quellen besagen, daß es
       nicht wahr ist.
       Manchester Guardian Weekly v. 13.4.61
       ...
       Botschaft Castros an Präsident Quadros
       --------------------------------------
       ...
       Der Direktor  der kubanischen  Zeitung 'Revolucion', Carlos Mesa,
       der am Montagabend in Brasilia eingetroffen ist, wurde sofort von
       Präsident Quadros empfangen, nachdem er dem Protokollchef erklärt
       hatte, er habe eine 'sehr wichtige Botschaft Fidel Castros an den
       brasilianischen Präsidenten'. Über die Besprechungen zwischen den
       beiden Männern,  die länger  als vierzig  Minuten dauerte,  wurde
       strengstes Stillschweigen gewahrt. Aus der Umgebung des brasilia-
       nischen Staatschefs  verlautet, Quadros,  der den ganzen Tag 'gut
       gelaunt gewesen'  sei, habe sich nach der Abreise des Zeitungsdi-
       rektors 'besorgt und nervös' gezeigt.
       Neue Zürcher Zeitung v. 13.4.61
       ...
       Brasilien gegen Aggression
       --------------------------
       ...
       Der brasilianische Präsident Quadros hat eine Botschaft des kuba-
       nischen Präsidenten  Dorticós beantwortet,  die ihm am Montag von
       einem Sondergesandten  der Regierung Castro übergeben worden war.
       Quadros führt  darin unter  anderm aus: "Brasilien wird nicht zu-
       lassen, daß  Kuba einer  Aggression zum  Opfer fällt. Es wird die
       geheiligten Rechte  des kubanischen  Volkes auf  Selbstbestimmung
       mit allen Mitteln verteidigen."
       Neue Zürcher Zeitung v. 13.4.61
       ...
       Das Spanien dieser Generation!
       ------------------------------
       ...
       In Guatemala  bilden amerikanische  Offiziere eine große Zahl von
       Anti-Castro-Rebellen für  einen Angriff  auf Kuba aus. In Florida
       und Louisiana werden weitere Tausende mit vollem Wissen und wahr-
       scheinlich mit Unterstützung der amerikanischen Regierung mobili-
       siert und  bewaffnet. Eine  kubanische Gegenregierung - mit einem
       Programm auf  der Grundlage  der Rückgabe enteigneten kubanischen
       Eigentums an seine früheren Besitzer (darunter viele große ameri-
       kanische Gesellschaften)  - ist auf amerikanischem Boden gebildet
       worden, wo  sie täglich Bulletins mit Ankündigungen ihrer Invasi-
       onspläne herausgibt. Mittel des amerikanischen Geheimdienstes, so
       wird glaubwürdig  berichtet, fließen der Vorbereitung eines orga-
       nisierten Versuchs,  die Regierung eines Nachbarlandes mit Gewalt
       zu stürzen, zu.
       Ich gestehe,  erstaunt zu  sein, daß  es so wenige Proteste gibt,
       nicht einmal in der liberalen Presse, gegen diese schwerwiegenden
       Verletzungen des Prinzips der Nichteinmischung... Wir alle setzen
       große Hoffnungen  auf die  Kennedy-Regierung. Aber wie können wir
       das, was  er über die Notwendigkeit eines neuen besseren Stils in
       der Diplomatie  des Kalten Krieges sagt, in Übereinstimmung brin-
       gen mit  diesen unverhohlenen  Vorbereitungen für eine bewaffnete
       Aggression auf  ein Nachbarland?  Es ist  jetzt der Augenblick zu
       protestieren, bevor  die Invasion  und (oder) der Bürgerkrieg be-
       gonnen haben.  Anderenfalls könnte Kuba leicht das Spanien dieser
       Generation werden.
       New Statesman (London) v. 14.4.61 (Leserbrief von Kenneth Tynan)
       ...
       Kennedys "Nein - aber..."
       -------------------------
       ...
       Präsident Kennedy  erklärte auf  seiner heutigen Pressekonferenz,
       daß er  sich unter  allen Umständen  einer bewaffneten amerikani-
       schen Intervention  in Kuba  widersetzen werde. Er werde auch nie
       eine "Invasion"  Kubas von  den Vereinigten Staaten aus dulden...
       Seine gestrige Äußerung in einem Fernsehinterview, daß die Verei-
       nigten Staaten  in der kubanischen Frage nun schnell handeln müß-
       ten, weil  es sonst  zu spät sein könnte, wollte Kennedy als Hin-
       weis auf  sein allgemeines  Lateinamerikaprogramm verstanden wis-
       sen. Kennedy  verhehlte aber in keiner Weise seine Sympathien für
       die Bemühungen  der kubanischen Emigranten auf amerikanischem Bo-
       den, die  den Sturz  Castros durch die Entsendung von Infiltrati-
       onskommandos und Sabotagegruppen herbeiführen wollen.
       Neue Zürcher Zeitung v. 14.4.61
       ...
       Stillschweigende US-Unterstützung
       ---------------------------------
       ...
       Der Ausbruch eines offenen Bürgerkrieges in Kuba und die Invasion
       durch militärisch ausgebildete Castro-Gegner wird in informierten
       Kreisen der  amerikanischen Hauptstadt  für die nahe Zukunft vor-
       ausgesagt. Anti-Castro-Kubaner  sind auf  Besitzungen in  Florida
       und in  größerem Maßstab  in der Abgeschlossenheit einer Gebirgs-
       ranch in Guatemala für einen Guerillakrieg ausgebildet worden...
       Natürlich wäre  all dies ohne die stillschweigende, aber durchaus
       positive Unterstützung  der US-Regierung  unmöglich.  Tatsächlich
       hat der höchste mit Lateinamerika befaßte US-Beamte, Adolf Berle,
       zusammen mit  dem früheren US-Botschafter in Havana, Bonsels, vor
       einigen Tagen  den Revolutionsführer  Cardona empfangen,  was als
       Geste der  Zustimmung und darüber hinaus der Bereitschaft zu deu-
       ten ist,  eine Anti-Castro-Regierung anzuerkennen, sobald sie auf
       kubanischem Boden  proklamiert werden kann. Das würde den Weg of-
       fener Unterstützung mit Waffen und Flugzeugen und zu anderen Lie-
       ferungen eröffnen.  Die Entsendung  von  US-Truppen  ist  dagegen
       nicht geplant.
       Kölnische Rundschau v. 14.4.61
       ...
       Castro klagt die USA an
       -----------------------
       ...
       Anläßlich der  Beisetzung der  Opfer der Luftangriffe vom 15.4.61
       sagte Ministerpräsident Castro u.a.:
       "Die Angriffe  gegen die kubanischen Flugplätze hatten ausgespro-
       chen militärischen  Charakter. Nie ist ein Land von den Vereinig-
       ten Staaten  so fortgesetzt  belästigt worden  wie Kuba.  In  den
       letzten Monaten  mußte Kuba mitten im 20. Jahrhundert, wie im 17.
       Jahrhundert, unter  der Drohung  von Piratenüberfällen leben. Die
       Angriffe vom Samstag erfolgten wie die Überfälle der nazistischen
       und faschistischen  Regierungen des  zweiten Weltkrieges  auf die
       europäischen Länder, ohne Kriegserklärung.
       Das Luftbombardement  vom Samstag  ist mit  den Angriffen Hitlers
       auf Polen,  Belgien und  die Tschechoslowakei und der Japaner auf
       Pearl Harbour zu vergleichen. Der Unterschied zwischen Pearl Har-
       bour und dem Angriff vom Samstag besteht darin, daß es sich nicht
       um einen  Kampf zwischen  zwei Imperialisten  handelt, sondern um
       einen solchen  zwischen einer imperialistischen Regierung und ei-
       ner Regierung, die der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen
       ein Ende machen will. Der Angriff vom Samstag war tausendmal fei-
       ger als  der japanische  Angriff auf Pearl Harbour; Japan hat we-
       nigstens vor der Geschichte die Verantwortung für seine Tat über-
       nommen, während  Präsident Kennedy den Stein geworfen, aber seine
       Hand versteckt hat...
       Jedermann weiß,  daß diese  Angriffe mit der Hilfe der Lakaienre-
       gierungen Mittelamerikas  und insbesondere Guatemalas vorbereitet
       wurden.
       Ich werde  von Präsident  Kennedy verlangen,  daß er die Piloten,
       die in  Florida gelandet sind, den Vereinigten Nationen vorführt.
       Wenn Kennedy das nicht kann, so habe ich das Recht, den Präsiden-
       ten der Vereinigten Staaten einen Lügner zu nennen.
       Die kubanische  Revolution ist  sozialistisch. Sie  können es uns
       nicht verzeihen,  daß wir  vor der  Nase der  Vereinigten Staaten
       eine sozialistische Revolution gemacht haben. Aber diese soziali-
       stische Revolution werden wir mit den Waffen verteidigen. Der An-
       griff der Söldner steht unmittelbar bevor und alle Bataillone der
       kubanischen Miliz haben ihre Stellungen bezogen."
       Nach AFP v. 16.4.61
       ...
       Offene Ermutigung der Rebellen
       ------------------------------
       ...
       Adlai Stevenson,  der amerikanische  Chefdelegierte bei  der UNO,
       mag die Wahrheit gesagt haben, wenn er abstritt, daß die Angriffe
       (die Luftangriffe  vom 15. April) von den USA organisiert und fi-
       nanziert waren  - aber  es ist anzunehmen, daß es doch so war. Es
       weiß niemand  und wird  wahrscheinlich niemals jemand wissen. Was
       jeder jedoch  weiß, ist, daß die Vereinigten Staaten jene kubani-
       schen Flüchtlinge  offen ermutigt  haben, die  Castro mit  Gewalt
       stürzen wollen,  und daß die Regierung der USA, wenn die Anti-Ca-
       stro-Kubaner eine  bewaffnete Intervention  in Kuba beginnen, zu-
       mindest teilweise  daran Schuld  ist. .. Es ist genau das gleiche
       Manöver,  das   Hitler  in   Österreich   und   Stalin   in   der
       Tschechoslowskei angewandt hat.
       Manchester Guardin v. 17.4.61
       ...
       Haus- und Grundbesitzer in Wartestellung...
       -------------------------------------------
       ...
       Nicht ohne Bitterkeit hat man in Havanna die Nachricht vernommen,
       daß sich  in Miami  ein Interessenverband  kubanischer Haus-  und
       Grundbesitzer gebildet habe. Tarara, die Luxussiedlung vor Havan-
       nas Toren,  liegt heute wie ein mondänes Pompeji da; doch die we-
       nigen Zurückgebliebenen oder die ausländischen Diplomaten, die in
       die verlassenen  Häuser eingezogen  sind, erhalten noch immer An-
       rufe der geflüchteten Besitzer aus Florida, in denen nach dem Zu-
       stand des  Rasens, des  swimming pools, des Cadillac gefragt wird
       und auch  danach, wie  lange sich die Regierung noch halten werde
       und wann wohl mit der Rückkehr zu rechnen sei...
       Die Zeit  für Aktionen  drängt. Die  kubanischen Exilpiloten sind
       Castro nur solange überlegen, bis dessen Piloten, die gegenwärtig
       in der  Tschechoslowakei ausgebildet  werden, nach Kuba zurückge-
       kehrt sind.  Auch ist nicht mit Sicherheit zu sagen, wieviel rus-
       sische Jagdflugzeuge  Castro zur Verfügung hat oder noch bekommen
       wird. Und  aus einem  zweiten Grund drängt der Revolutionsrat auf
       Eile. Erst wenn ein Landekopf geschaffen ist, der den Exilpoliti-
       kern das  Betreten kubanischen Bodens und die Ausrufung einer Ge-
       genregierung ermöglicht,  kann auf  diplomatische Anerkennung der
       einen oder  anderen Regierung und damit auf materielle Unterstüt-
       zung gerechnet  werden. Die  Anti-Castro-Kräfte im Ausland können
       erst nach  der Etablierung  einer Gegenregierung  im Lande selbst
       von stillschweigend  wohlwollender Duldung zu offener und legaler
       Unterstützung übergehen.
       Frankfurter Allgemeine v. 17.4.61
       ...
       Offene Unterstützung
       --------------------
       ...
       Es ist  auch kein  Geheimnis, daß die amerikanische Regierung den
       Exil-Kubanern viele  Monate lang schon mit Waffen, Ausbildung und
       Einrichtungen auf  amerikanischem Boden und in Guatemala geholfen
       hat. Das  ist allzu  gut publiziert worden, um heute ignoriert zu
       werden. Gleichzeitig  ist letzte Woche von Präsident Kennedy klar
       gemacht worden,  und wurde wiederholt durch Mr. Rusk gestern, daß
       keine amerikanischen  Truppen an  einer Invasion  teilnehmen oder
       teilnehmen werden.  Wir haben den Exil-Kubanern geholfen und vor-
       aussichtlich werden  wir ihnen  weiter halfen, wenn es nötig ist,
       aber dies  ist ein Konflikt, der von Kubanern auf kubanischem Bo-
       den ausgefochten werden muß.
       New York Times (International Edition) v. 18.4.61
       ...
       Ermunterung aus Washington
       --------------------------
       ...
       Präsident Kennedy  konnte über  die Pläne  der  Emigrantengruppen
       nicht im  Unklaren sein,  nachdem er vor seiner Amtsübernahme er-
       klärt hatte, die amerikanische Regierung sollte sie unterstützen.
       Die Opposition  konnte ihre  Aktionen beginnen,  nachdem sie  von
       Washington amtlich dazu ermuntert wurde.
       Le Monde v. 19.4.61
       ...
       Besorgnis in London
       -------------------
       ...
       Zwischen London  und Washington  sollen seit dem Beginn der soge-
       nannten Invasion  von Kuba zahlreiche Botschaften hin und her ge-
       gangen sein.  Präsident Kennedys  Haltung -  Nichtintervention in
       Kuba unter  beinahe offenkundiger  Gewährung von Hilfe an die In-
       surgenten - soll einer Londoner Abendzeitung nach Macmillan stark
       beunruhigen. Es  werde danach schwieriger und schwieriger werden,
       die Sowjets  davon abzuhalten, weitere Lieferungen an die Pathet-
       Lao zu  schicken, wenn Kennedy in Kuba ähnliches tut. Die Warnung
       Chrustschows an  Kennedy, die  einer eigentlichen Drohung gleich-
       kommt, hat offensichtlich in London viel Eindruck gemacht.
       Basler Nachrichten v. 19.4.61
       ...
       Brasilien ist beunruhigt
       ------------------------
       ...
       Die Landung  der Anti-Castro-Rebellen hat in Brasilien starke Un-
       ruhe ausgelöst.  Nach den  bisherigen hiesigen Informationen han-
       delt es sich nur in zweiter Linie um eine von den Kubanern ausge-
       hende, in  erster Linie aber von den USA organisierte Aktion. Die
       Landungen haben  das schlummernde  antiamerikanische Ressentiment
       erweckt. Politische  Kreise in  Brasilien fürchten ein Aufflammen
       dieses Ressentiments in ganz Lateinamerika.
       Der brasilianische  Präsident Quadros hat offiziell seine Beunru-
       higung ausgedrückt. Er hat jede auswärtige Einmischung in die ku-
       banische Souveränität mißbilligt.
       Während einer  Demonstration von 2000 Menschen vor dem amerikani-
       schen Konsulat in Recife, der größten Stadt Nordbrasiliens, wurde
       Präsident Kennedy als "Imperialist" beschimpft. In Rio de Janeiro
       organisierten Studenten  eine große  Protestdemonstration vor der
       amerikanischen Botschaft.
       Zu einer Hilfsaktion für Castro hat der Führer der linksradikalen
       Bauernbewegung in Brasilien, Juliao, aufgerufen. Angeblich sollen
       schon Tausende von Freiwilligen dem Aufruf gefolgt sein.
       Die Welt v. 19.4.61
       ...
       Die Verstrickung der USA
       ------------------------
       ...
       Aus dem Morast der Konfusion, die die Invasion Kubas und ihre in-
       ternationalen Auswirkungen  umgibt, ragen drei Felsen mit einiger
       Sicherheit heraus. Der erste ist, daß die Vereinigten Staaten, ob
       schuldig an  der Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines
       anderen Landes  oder nicht,  es sich  selbst gestattet haben, als
       schuldig angesehen zu werden. Die gegenwärtige Regierung hat kein
       Geheimnis aus  ihrem Abscheu gegenüber Dr. Castro, ihrer Hoffnung
       auf seinen  Sturz und ihrer Bereitschaft gemacht, diejenigen, die
       darauf bedacht  waren, ihn  zu stürzen, zu unterstützen, notfalls
       mit Waffengewalt.  Niemand weiß,  in welchem Maße die Vereinigten
       Staaten hinter  der gegenwärtigen  Invasion stecken.  Aber es er-
       scheint absolut  klar, daß einigen Anti-Castro-Truppen (wenn auch
       nicht notwendigerweise  jenen, die jetzt in die Kämpfe verwickelt
       sind) Kanonen  und Übungsmöglichkeiten  auf amerikanischem  Boden
       gegeben wurden,  und daß  die Central Intelligence Agency in ihre
       Aktivität tief verstrickt ist.
       Die Durchschnittsantwort des Amerikaners auf solche Vorwürfe ist,
       daß Dr. Castro ein kommunistisches Werkzeug geworden sei, und daß
       unter seiner  Herrschaft Kuba  ein Brückenkopf einer "der westli-
       chen Hemisphäre fremden" Ideologie geworden sei. Dazu müssen zwei
       Dinge gesagt  werden. Erstens,  daß  die  Veröffentlichungen  des
       State Department  über Kuba, obgleich in einer fließenden und me-
       lodiösen Prosa  geschrieben, die  Skeptiker nicht allzusehr über-
       zeugen. Die Behauptung, daß Dr. Castro ein kommunistischer Stroh-
       mann geworden  sei, beruht vor allem auf der Aussage von Exiliku-
       banern - deren beste Methode, in den USA Unterstützung zu finden,
       es ist,  zu behaupten, daß das Regime, das sie schlecht behandelt
       habe, kommunistisch sei. Der zweite Einwand ist, daß selbst, wenn
       Castro ein  kommunistischer Strohmann  geworden wäre,  dies  noch
       keine Rechtfertigung  für den  Versuch ist, ihn mit Gewalt zu be-
       seitigen. Das  Gerede von  einer Ideologie  "fremd der westlichen
       Hemisphäre" wird  kein Eis  in Asien oder Afrika und selbst nicht
       in Europa brechen. Niemand außerhalb der USA sieht in der Monroe-
       Doktrin etwas  Sakrosanktes, so  wenig wie die meisten Amerikaner
       etwas von  Großbritanniens Ansprüchen  auf einen  Sonderstatus im
       Mittleren Osten für sakrosankt hielten.
       Das zweite,  was ziemlich gewiß ist, folgt aus dem ersten. Es ist
       das, daß die Invasion Kubas, zu Recht oder Unrecht, dem guten Na-
       men der  USA großen Schaden zugefügt hat; und daß, nachdem Präsi-
       dent Kennedy  es dummerweise erlaubt hat, schuldig zu erscheinen,
       er nun  in entgegengesetzter Richtung wirken sollte, um zu bewei-
       sen, daß  er es nicht ist. Er kann noch immer den Schaden an sei-
       ner eigenen  Reputation und  den an der seiner Nation reparieren,
       wenn er den Vereinten Nationen die volle Möglichkeit einer Unter-
       suchung auf  amerikanischem Boden zur Prüfung von Dr. Castros Be-
       schuldigungen bietet,  die gegenwärtige  Invasion sei von den USA
       gestützt worden.  Wenn er  ein solches  Angebot nicht macht, dann
       wird die  Welt daraus unweigerlich schließen, daß er etwas scham-
       voll zu  verbergen hat.  Es ist aber möglich, daß innenpolitische
       Rücksichten ein  derartiges Angebot  unmöglich machen.  In diesem
       Falle sollte  die britische Regierung nicht zögern, ihm eine sol-
       che Untersuchung aufzudrängen, und den UN Möglichkeiten für Beob-
       achter auf  ihren eigenen  Nachbar-Territorien anbieten. Zur Zeit
       der Suez-Krise  haben die Vereinigten Staaten richtigerweise ihre
       Verpflichtung, Weltfrieden  und internationale  Gesetzlichkeit zu
       erhalten, über  die unmittelbaren Interessen ihrer Alliierten ge-
       stellt. Wenn  Großbritannien heute so handelt wie die USA damals,
       dann wird  es den  wirklichen Interessen der Allianz einen großen
       Dienst tun.
       Schließlich ist  drittens gewiß, daß ein Bürgerkrieg in Kuba sich
       leicht ausdehnen  könnte, mit  Mr. Chrustschows  Worten "in  eine
       Feuersbrunst, mit  der man  sich unmöglich messen könnte". Natür-
       lich stimmt  es, daß  Mr. Chrustschow  in der öffentlichen Erklä-
       rung, er  beabsichtige Dr.  Castro Hilfe zu schicken, eine allge-
       meine Feuersbrunst  noch wahrscheinlicher  gemacht hat. Aber wenn
       Dr. Castro  um Hilfe bittet, dann kann er diese der allgemein als
       rechtmäßig anerkannten  Regierung Kubas  kaum abschlagen. Die So-
       wjetregierung muß sich über die damit verbundenen Risiken im kla-
       ren sein;  aber Mr.  Chrustschow hat erst vor so kurzer Zeit ver-
       sprochen, die  kubanische Revolution vor amerikanischer Interven-
       tion zu  schützen, daß  er kaum  einen Rückzieher  machen könnte,
       ohne in  schwerwiegender Weise das Gesicht zu verlieren. Dies ist
       der gefährlichste  Aspekt der  Lage. Ein Bürgerkrieg in Kuba, mit
       zwei rivalisierenden  Armeen, jede  gestützt von einer der beiden
       Großmächte, könnte  für die  60er Jahre werden, was der spanische
       Bürgerkrieg für die 30er Jahre war. Das muß unter allen Umständen
       verhindert werden.  Kuba muß irgendwie gegen Intervention von au-
       ßen abgeriegelt werden, wenn möglich durch ein Nichteinmischungs-
       Komitee der  Vereinten Nationen.  Dahin  sollten  die  Bemühungen
       Großbritanniens gehen.
       Manchester Guardin Weekly v. 20.4.61
       ...
       Nehru zur Invasion Kubas
       ------------------------
       ...
       Der indische Premierminister Nehru äußerte sich am Donnerstag vor
       dem Oberhaus  zur Invasion  Kubas und bemerkte, er zweifle daran,
       daß sie ohne die Ermunterung und die Hilfe "öffentlicher und pri-
       vater" Behörden  in den  Vereinigten Staaten  hätte  durchgeführt
       werden können. Man stehe vor einem "Fall von Einmischung". Er be-
       grüße die  Erklärung Präsident  Kennedys, wonach  die Vereinigten
       Staaten auf  Kuba keine  bewaffnete  Intervention  planten;  doch
       finde er  es "etwas  schwierig", einen Unterschied zwischen einer
       solchen Einmischung und der Lieferung von Waffen an die Exilkuba-
       ner zu  machen, die gleichzeitig ermuntert worden seien, Kuba an-
       zugreifen.
       Nehru fuhr  fort, das Kubaproblem habe durch die neue Entwicklung
       weltweite Bedeutung  erlangt. Die  Entwicklung auf  Kuba habe die
       Lage in  Laos weiter  erschwert, und  zwar zu einem Zeitpunkt, da
       eine Lösung  der laotischen  Krise in Sicht gewesen sei. Kuba sei
       ein gefährlicher  Präzedenzfall geworden, der den internationalen
       Beziehungen großen  Schaden zugefügt habe. Die Lage sei besonders
       ernst geworden,  als die  beiden Großmächte  Erklärungen abgaben,
       die Drohungen  enthielten. Es sei unvermeidlich geworden, daß das
       Prestige dieser Mächte auf dem Spiel stehe.
       Neue Zürcher Zeitung v. 22.4.61
       ...
       Das amerikanische Fiasko
       ------------------------
       ...
       Kuba hat  man weithin  mit Suez  verglichen. Dieser Vergleich mag
       einige von  Mr. Kennedys Beratern nicht erschrecken, die Suez da-
       mals und  seither unterstützt haben; er würde sicherlich vom Prä-
       sidenten selbst  zurückgewiesen werden.  Er  ist  überzeugt  (wie
       beinahe alle  Amerikaner), daß Castro jetzt die Puppe einer skru-
       pellosen kommunistischen  Minderheit ist,  die fest  gewillt ist,
       Kuba im  Herzen der amerikanischen Hemisphäre zu einem russischen
       Satelliten zu machen. Auch er glaubt, daß die Rebellen, die gegen
       Castro gekämpft  haben, durch  und durch Demokraten sind, die die
       Unterstützung der Vereinigten Staaten verdienen.
       Es ist  daher ein  Teil von  Präsident Kennedys  Idealismus,  wie
       seine Reden  zeigen, daß er sich selbst als Führer der Freiheits-
       kräfte überall  in der Welt betrachtet. Für ihn sind die Amerika-
       ner noch die Vorkämpfer der Freiheit, die es "den Kommunisten er-
       laubt haben,  uns von  unserem rechtmäßigen  Platz an  der Spitze
       dieser weltweiten Revolution zu verdrängen."
       Die Schwierigkeit  mit diesem Bild ist, daß es außerhalb der Ver-
       einigten Staaten kaum von jemandem anerkannt werden kann. Für die
       Völker Asiens,  Afrikas und Lateinamerikas sind die USA keine re-
       volutionäre Macht,  sondern - obgleich die Amerikaner das niemals
       glauben können  - die größte und mächtigste Vervollständigung des
       westlichen Imperialismus. Für sie ist Castro kein kommunistischer
       Diktator, sondern der heldenhafte Führer eines unterdrückten Vol-
       kes oder (schlimmstenfalls) ein ziemlich bedrängter Mann, der we-
       gen der  amerikanischen Feindseligkeit  gezwungen ist,  sich  auf
       russische Hilfe  zu verlassen. In ihren Augen mag Kuba ein russi-
       scher Alliierter sein, aber es ist sicherlich kein russischer Sa-
       tellit oder eine militärische Gefahr für die Vereinigten Staaten.
       Die lateinamerikanischen  Völker im  besonderen müssen  die ganze
       Angelegenheit als eine typische Einmischung der USA in ihre inne-
       ren Angelegenheiten  ansehen. Präsident  Kennedy begann in bewun-
       dernswerter Weise  mit seiner  Politik der wirtschaftlichen Hilfe
       an Lateinamerika,  aber wenn er ernsthaft glaubt, daß er schon in
       ein paar  Wochen die traurigen Erinnerungen eines halben Jahrhun-
       derts zerstreut  habe, dann muß er schlecht beraten gewesen sein.
       Er hat  sich selbst  einfach nicht genügend Zeit gelassen, um die
       Unterstützung und  das Verständnis der Lateinamerikaner zu gewin-
       nen, deren erwachendes Vertrauen nun durch diesen neuerlichen Be-
       weis des "Yanqui-Imperialismus" erschüttert worden ist.
       Aber selbst  wenn Präsident Kennedys Lagebeurteilung richtig wäre
       oder als richtig angesehen würde, es wäre noch immer zweifelhaft,
       ob seine Taktik richtig war. Zugegeben, es ist für den Westen ein
       außerordentlich schwieriges Problem, den kommunistischen Methoden
       der Infiltration  und indirekten  Aggression ohne Krieg zu begeg-
       nen. Man  mag argumentieren,  und vielleicht argumentieren einige
       von Präsident Kennedys Beratern so, daß die USA völlig berechtigt
       sind, Moskaus  offizielle Interpretation  der friedlichen  Koexi-
       stenz zu  übernehmen und auf dieselbe Art auszuspielen. Wenn Ruß-
       land "Befreiungskriege"  unterstützen kann,  warum dann nicht die
       USA? Wenn Rußland die Kommunisten in Laos durch die Vietminh ver-
       sorgen kann,  warum sollten dann die USA nicht die Demokraten Ku-
       bas durch Guatemala unterstützen lassen?
       Doch diese gefährlichen Taktiken ignorieren die langfristigen di-
       plomatischen Interessen  des Westens,  den internationalen Aufbau
       von Gesetz  und Ordnung.  Das Ziel sollte nicht sein, Mr. Chrust-
       schows Spiel zu spielen, sondern ihn zu zwingen, die neuen Regeln
       anzuerkennen. Wie  kann der  Westen je die Welt mit einem Protest
       gegen russische  Militärhilfe für  die Kommunisten  in Laos, oder
       vielleicht demnächst  in Iran, überzeugen, wenn die USA offen die
       Invasoren von  Kuba ausrüsten? Es ist auch geographisch kurzsich-
       tig, weil  Amerika ein  Inselkontinent mit  sehr wenigen Kubas in
       der Nähe  ist, während  Rußland und  China beide  eine Menge  von
       Nachbarn haben, die einer Infiltration dieser Art nur allzu offen
       stehen.
       Laos, der  Kongo und  auch Kuba  lassen erkennen, was durch seine
       letzte herausfordernde  Rede unterstrichen  wird -  daß Präsident
       Kennedy noch  eine ganze  Menge lernen  muß über die Grenzen, die
       amerikanischer Macht  in der  Welt von  heute gesetzt  sind. Jene
       Kraft ist  noch ungeheuer  groß, wenn sie durch die Vereinten Na-
       tionen mit  der Unterstützung  der Neutralen  ausgeübt wird; aber
       sie kann  nicht gebracht werden, um anderen Nationen einen ameri-
       kanischen Antikommunismus aufzudrücken.
       Mr. Allen  Dulles' Central Intelligence Agency ist nicht und kann
       auch nicht  ein Rivale der Komintern sein. Wenn Präsident Kennedy
       die Unterstützung  der neutralen  Nationen von  Asien, Afrika und
       Lateinamerika gewinnen  will, dann  muß er  diesen erst beweisen,
       daß die USA ihren Wunsch, ihre eigenen Angelegenheiten auf eigene
       Weise zu  behandeln, aufrichtiger  anerkennt  als  dies  die  So-
       wjetunion tut.
       Observer v. 23.4.61
       ...
       Die Kuba-Hysterie in Washington
       -------------------------------
       ...
       Was das ein Durcheinander am Wochenende! Präsident Kennedy suchte
       gestern General  Eisenhower zu  einer Schau  nationaler Einigkeit
       nach der  Kuba-Affäre auf.  Mr. Chrustschow schickte eine weitere
       Warnung; der  Nationale Sicherheitsrat  hat getagt; und Vorberei-
       tung für  einen drei-dimensionalen  Krieg gegen  den  Kommunismus
       werden getroffen. Die "Washington Post" sagt eine Zeit der Gewalt
       voraus. Dr.  Castro, der  kubanische Premierminister, ist als die
       ernsthafteste Bedrohung  der Sicherheit  der Vereinigten  Staaten
       seit dem sowjetisch-deutschen Pakt bezeichnet worden...
       Das Weiße Haus sandte einige hundert Telegramme heraus und Briefe
       von patriotischen Bürgern gingen ein, die sich freiwillig zur Ma-
       rine meldeten  für den  Fall, daß  diese gegen  die "Dagos"  los-
       schlage. Es  herrschte dort  eine Atmosphäre der Spannung und der
       Zweckveranstaltungen. Man  muß sich  ständig daran  erinnern, daß
       nicht etwa  die Truppen  der USA  eine Niederlage  erlitten haben
       oder die  Nation bedroht ist, sondern daß lediglich die Regierung
       bei der  nicht allzu  diskreten Unterstützung  eines  erfolglosen
       Versuches erwischt  wurde, die  Regierung eines  Nachbarlandes zu
       stürzen...
       Es gab  auch warnende Worte gegen überstürzte Aktionen. Eine Mei-
       nungsumfrage unter  den Mitgliedern  der  amerikanischen  Gesell-
       schaft der  Zeitungsredakteure zeigte,  daß diese  einflußreichen
       Männer jetzt  mit zwei  zu eins  gegen eine  Intervention in Kuba
       sind. Aber  es ist klar, daß Präsident Kennedy sich den Sturz Dr.
       Castro's ebenso  vorgenommen hat, wie damals Sir Anthony Eden die
       Entmachtung Oberst Nasser's.
       Dieser Vorsatz  scheint die  Unterstützung des Landes gewonnen zu
       haben, was  seinem liberalen  Gesetzgebungsprogramm  auffälliger-
       weise nicht  gelang. Einige  hundert unerschrockene  Leute demon-
       strierten gestern  vor dem Weißen Haus gegen eine Einmischung auf
       Kuba, doch  darf der  Präsident jetzt  das Gefühl haben, daß sich
       das Land  hinter ihm  vereinigt hat.  Dies ist das Geringste, was
       die "Fummelei" der Central Intelligence Agency erreicht hat.
       Die C.I.A.  soll gar  nicht dementsprechend  belohnt werden. Ihre
       Dummheiten werden  jetzt bekanntgegeben und ihre Agenten erwiesen
       sich als  nicht so  allwissend wie Fernsehprogramme, die ihre Tä-
       tigkeit dramatisieren,  glauben machen möchten. Neben ihrer trau-
       rigen Fehleinschätzung der Lage in Kuba scheinen sie sich gespal-
       ten und die aufrührerische Bewegung durch Bevorzugung der konser-
       vativen Elemente geschwächt zu haben.
       Die Agency  soll überprüft  und zweifellos  reorganisiert werden,
       aber nicht  mit der  Absicht,  ihre  Dolch-unter-dem-Mantel-Leute
       auszuscheiden. Stattdessen  wurde General Maxwell Taylor vom Lin-
       coln-Institut für bildende Künste, dessen Präsident er ist, beur-
       laubt, um  die para-militärische,  Guerilla- und sonstige un-kon-
       ventionelle Kriegsführung zu überprüfen...
       Mr. Pierre Salinger, der Pressesekretär des Weißen Hauses, sagte,
       General Taylor habe absolute Vollmacht, alle Institutionen zu un-
       tersuchen, die sich mit un-konventionellen und Guerilla-Aktivitä-
       ten befassen.  Der Präsident  sei der  Auffassung, eine derartige
       Überprüfung sei  zum jetzigen  Zeitpunkt notwendig, sagte Mr. Sa-
       linger, und  erinnerte an Kennedy's Rede vom vergangenen Donners-
       tag vor  der Amerikanischen Gesellschaft der Chefredakteure. Prä-
       sident Kennedy  sagte in  dieser Rede,  man habe sich zu sehr nur
       mit den  tradionellen militärischen  Notwendigkeiten beschäftigt.
       Er beabsichtige,  die Truppen aller Waffengattungen zu überprüfen
       und umzuorganisieren  und "unsere Anstrengungen zu verstärken für
       einen Kampf,  der in  vieler Hinsicht schwieriger ist als Krieg".
       Auf seiner  Presse-Konferenz am Freitag sagte er, daß neue Mittel
       und Wege gefunden werden müßten, um der kommunistischen Infiltra-
       tion und Subversion zu begegnen.
       Bei der Armee bestünden schon Pläne für die Gründung einer Schule
       in der  Panama-Kanal-Zone, wo  Latein-Amerikaner in Guerilla- und
       Anti-Guerilla-Taktik, in Spionage und Gegenspionage sowie in psy-
       chologischer Kriegsführung geschult werden sollen. Besondere Ope-
       rationseinheiten sind  in Okinawa  und  West-Deutschland  statio-
       niert. Andere werden noch ausgebildet.
       Wenn der  nukleare und der konventionelle Krieg zwei verschiedene
       Dimensionen des Krieges sind, dann ist eine dritte Dimension, der
       un-konventionelle Krieg, jetzt geschaffen worden. Die Intelligenz
       der neuen  Männer im  Weißen Haus ist nicht nur dem Sturz Dr. Ca-
       stro's mit  'fairen' schlechten  Mitteln gewidmet,  sondern  auch
       künftigen Gefechten  mit dem  Pathet Lao, mit den nordvietnamesi-
       schen Kadern  in Laos  und Süd-Vietnam und wahrscheinlich überall
       da, wo  man entscheidet, daß Subversion und Guerilla-Kriegführung
       nutzbringend gegen den Kommunismus eingesetzt werden können.
       Es gab keine Konsultationen mit den Alliierten; tatsächlich haben
       Berichte des  britischen Geheimdienstes  darauf hingewiesen,  daß
       die Landungen  in Kuba keineswegs zu einer Revolte führen würden.
       Sie wurden  ungelesen von Präsident Kennedy verworfen. Zum gegen-
       wärtigen Zeitpunkt ist Präsident Kennedy weder bereit, Vorschläge
       anzuhören, die  die Vereinigten Staaten in anderen Gebieten einen
       Gegenputsch machen  sowjetischen Premierministers  wurde  in  der
       letzten Nacht  vom State  Departement als polemisch und eine Ver-
       zerrung der Grundkonzepte der Menschenrechte verworfen.
       Dieser Brief  war bemerkenswert  frei von  Drohungen, obwohl  Mr.
       Chrustschows  Vorlesung   über  internationale  Ethik  verbittern
       mußte. Indem  er die bewaffnete Intervention in Kuba für verwerf-
       lich erklärt,  sagte er,  daß die Sowjetunion keine Basen in Kuba
       gesucht habe,  und wies  darauf hin, wie sehr die Sowjetunion von
       amerikanischen Stützpunkten eingeschlossen sei. Wenn die USA sich
       zu einer Aktion gegen Kuba berechtigt glaubten, dann müsse Präsi-
       dent Kennedy  zugeben, daß andere Länder auch so handeln könnten,
       im Hinblick auf Staaten, auf deren Territorium Vorbereitungen ge-
       troffen würden, die die Sicherheit der Sowjetunion bedrohten.
       Times v. 24.4.61
       ...
       "Diese Handlung können wir nicht verzeihen!"
       --------------------------------------------
       ...
       Vor einigen Monaten wurde Premierminister Fidel Castro lächerlich
       gemacht, weil  er mit  Nachdruck behauptete, Kuba werde von einer
       militärischen Invasion  unmittelbar bedroht.  In dieser Woche kam
       es zu  dieser Invasion. Die Insel, mit ihren sechseinhalb Millio-
       en Einwohnern, wurde zum Schauplatz eines blutigen Kampfes.
       Offiziell bestreiten  unsere Regierungssprecher  jede Beteiligung
       an der  Invasion. Keine  amerikanischen Truppen seien in sie ver-
       wickelt noch  seien die  Eindringlinge direkt  von amerikanischem
       Boden gestartet,  sagen sie.  Inoffiziell ist weitherum berichtet
       worden, die Invasionstruppen seien in den USA und anderswo beher-
       bergt, ermutigt, trainiert, finanziert und bewaffnet worden. Wenn
       dem nicht so ist, dann ist unsere verantwortliche Presse eine Ma-
       schinerie von Falschmeldungen.
       Amerikaner haben zu Recht die Sowjetunion wegen ihrer aggressiven
       Einmischung in die Angelegenheiten Ungarns verurteilt. Wie können
       wir die  gegen ihre  eigenen Gesetze  und Vertragsverpflichtungen
       verstoßende Teilnahme  der Vereinigten  Staaten an der vorsätzli-
       chen Subversion gegen die kubanische Regierung verzeihen?
       Die Vereinigten  Staaten haben  die Castro-Regierung beschuldigt,
       sie habe  Kuba zu  einem Vorposten des Kommunismus in der karibi-
       schen See  gemacht. Aber  wer kann heute sagen, in welchem Ausmaß
       Handlungen der  wirtschaftlichen Feindseligkeit  und der  politi-
       schen Vergeltung  die Castro-Regierung  veranlaßt haben,  sich an
       die Kommunisten um Hilfe zu wenden?
       Was auch immer man jetzt über Fidel Castro und sein Regime denken
       mag, teilen  Sie nicht  mit uns  das tiefe  Gefühl der Scham über
       eine solche  Politik, wie sie unsere Regierung ausgeführt hat und
       noch ausführt?
       Wir können sie nicht verzeihen.
       Sie hat  bereits zum  Tod von Kubanern auf beiden Seiten geführt.
       Sie kostet uns viel Prestige in der ganzen Welt. Sie erzeugt Bit-
       terkeit in  den lateinamerikanischen  Ländern, die  uns auf Jahre
       hinaus belasten  wird. Sie könnte zu einem grausamen und verzwei-
       felten Bürgerkrieg  führen, der  sogar der  Anfang eines  dritten
       Weltkrieges sein könnte.
       Wir fordern  unsere Regierung  zu einer  unverzüglichen Umkehrung
       ihrer Politik  auf. Wir ersuchen sie damit, eine Politik aufzuge-
       ben, die noch unpolitisch und unmoralisch wäre, auch wenn ihr der
       Schein der  Legalität gegeben  werden könnte. Wir bitten, daß die
       Beamten unserer Regierung energisch unsere eigenen Gesetze durch-
       setzen, die  zu erhalten  sie geschworen haben, gegen die organi-
       sierte Subversion,  und daß sie die heilenden Kräfte der Vermitt-
       lung und der Versöhnung erwecken und ihnen folgen.
       Wenn die  Menschen überleben  und glücklich sein sollen, dann muß
       der tödliche  Kreislauf von  Gewalt und Gegengewalt irgendwie ge-
       stoppt werden. Diesen Kreis zu durchbrechen gibt es keinen besse-
       ren Platz,  keine günstigere  Gelegenheit als  hier und  jetzt in
       Kuba.
       Wir rufen Sie auf, dieses Ersuchen zu unterstützen.
       The Fellowship of Reconciliation (Versöhnungs-Bund)
       Diesem Aufruf, der am 25. April in der "New York Times" erschien,
       haben sich  zahlreiche bekannte  Persönlichkeiten des  amerikani-
       schen öffentlichen Lebens angeschlossen, unter anderem:
       Erich Fromm, C. Wright Mills, I.F. Stone, Norman Thomas.
       ...
       Kennedys nächster Schritt schicksalhaft
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       ...
       Zum ersten  Male in seinem Leben hat John F. Kennedy eine öffent-
       liche Niederlage  hinnehmen müssen. Er hat sich in seinen 43 Jah-
       ren Krankheit  und sogar  Tod gegenüber  gesehen, eine Niederlage
       aber ist  für ihn etwas Neues. Und Kuba war eine plumpe und demü-
       tigende Niederlage, was die Sache nur schlimmer macht.
       Wie er  darauf reagiert,  mag sehr  wohl entscheidender sein, als
       wie er  in sie  hineingeraten ist.  Denn das  wird ein kritischer
       Test des Charakters und der Perspektive des neuen Präsidenten und
       der glänzenden  jungen Männer  sein, die er zum Gipfel amerikani-
       scher politischer Macht gebracht hat.
       Die Versuchung  zurückzuschlagen und mit Kuba "ins Reine" zu kom-
       men, ist  sehr groß. Die natürliche Reaktion eines Politikers auf
       eine dramatische  Niederlage ist  der Versuch, sobald wie möglich
       wieder einen dramatischen Sieg zu erringen. Der Präsident hat die
       Macht dazu.  Kein Zweifel, das stolze Bewußtsein des Landes würde
       bei einer Landung der "Marines" (Marine-Infanterie) auf Kuba hin-
       ter ihm  stehen. Es  kann auch  keinen Zweifel darüber geben, daß
       der frühere  Präsident Eisenhower,  der die  Qual, unter verzwei-
       felt-verwegenen Maßnahmen  zu  wählen,  kennt,  ihn  unterstützen
       würde.
       Der frühere Vizepräsident Richard M. Nixon soll öffentlich gesagt
       haben, er  würde dem  zustimmen, selbst  wenn es  bedeuten würde,
       amerikanische Streitkräfte an die Küsten Kubas zu bringen. Einige
       der nächsten Berater des Präsidenten, die tief verwickelt sind in
       die Niederlage, sind eifrig darauf bedacht, die Verluste der ver-
       gangenen Tage wettzumachen.
       Dies ist,  nichtsdestoweniger, kein  Augenblick für  vorschnelles
       Handeln, sondern  für sorgfältigere  Überlegungen und  Planungen,
       als sie  auf die ursprüngliche Entscheidung verwandt worden sind,
       den kubanischen Flüchtlingen zu erlauben, das Prestige der Verei-
       nigten Staaten zu gefährden.
       Kuba ist  im Augenblick keine Gefahr für die Vereinigten Staaten.
       Selbst wenn  es die 150 kommunistischen MIG-Jagdflugzeuge und die
       kubanischen Piloten,  die jetzt in der Tschechoslowakei ausgebil-
       det werden,  bekommt -  die Furcht  davor spielte  eine  wichtige
       Rolle bei der Entscheidung, das Abenteuer dieser Woche beginnen -
       so ist  das keine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der Re-
       publik...
       Schließlich stellt  allein das  Vorhandensein einer militärischen
       Macht in  einem schwachen Land nicht notwendigerweise eine Bedro-
       hung für  ein starkes  Land dar.  Die Türkei zum Beispiel hat von
       den USA bei weitem stärkere militärische Machtmittel erhalten als
       Castro sich  jemals erträumte,  von den Russen zu erhalten. Diese
       amerikanische Militärhilfe, die sogar Raketenwaffen mit nuklearen
       Sprengköpfen einschließt,  befindet sich schon seit langem in der
       Türkei; wenn  die Russen  dadurch auch beunruhigt worden sind, so
       fühlten sie  sich doch  nicht genötigt, ihre Macht zu einer Inva-
       sion der Türkei einzusetzen.
       Alles hängt  davon ab,  wie Präsident Kennedy die Dinge sieht. Er
       kann sie  unter persönlichen  und politischen Gesichtspunkten be-
       trachten und sich darauf konzentrieren, die Fehlschläge der letz-
       ten Wochen  durch Landung  von zwei oder drei Divisionen auf Kuba
       wettzumachen. Mit anderen Worten: er kann die unmittelbare Situa-
       tion allen  anderen weltweiten sozialen und wirtschaftlichen Pro-
       grammen voranstellen,  die in den Vordergrund zu rücken er gerade
       so eifrig bemüht war.
       Auf der  anderen Seite  kann er  die Weltlage  unter weiteren Ge-
       sichtspunkten betrachten,  die Weltlage,  die jetzt durch die Er-
       eignisse in  Laos und  die plötzliche Rebellion der französischen
       Armee in Algerien so sehr verdüstert ist.
       Er kann  versuchen, den  sozialen und  wirtschaftlichen Problemen
       auf Kuba  mit militärischen  Mitteln zu  begegnen und  damit  das
       ganze inter-amerikanische  System  der  Vereinten  Nationen  aufs
       Spiel setzen.
       Aber es  hängt schließlich alles an seiner persönlichen Entschei-
       dung.
       Er hat die Macht, unter historischen und weltweiten Gesichtspunk-
       ten zu  handeln oder  unter Gesichtspunkten der unmittelbaren be-
       grenzten Probleme  der kubanischen  Krise.  Beide  Entscheidungen
       sind voller Risiken...
       Kurz gesagt, Mr. Kennedy steht jetzt nicht nur Castro und Chrust-
       schow gegenüber,  sondern im Angesicht der Entwicklung und Bedeu-
       tung der  amerikanischen Geschichte;  wie er  in dieser Lage han-
       delt, wird  viel über  die Art  von Führerschaft aussagen, die er
       für die Vereinigten Staaten und die freie Welt im Sinne hat.
       James Reston in der "New York Times" v. 25.4.61
       ...
       Bauern im Schachspiel...
       ------------------------
       ...
       Der Führer der kubanischen Flüchtlinge, José Miro Cardona, erfuhr
       von den  Landungen erst  durch den Rundfunk, und während die Zei-
       tungen über  seine Rolle  als geistiger Leiter des Aufstandes be-
       richteten, ja  in seinem Namen Aufrufe, die er nie gesehen hatte,
       in die Welt aussandten, befanden Cordona und seine näheren Mitar-
       beiter sich in einem Zimmer in Miami (Florida) unter strenger Be-
       wachung durch Beamte des Geheimdienstes. Erst auf ihre Beschwerde
       hin wurden sie nach Washington bestellt.
       Was Kennedy  dort mit ihnen besprach, war nicht etwa ein Plan der
       künftigen Beziehungen zwischen Amerika und Kuba und auch kein Ak-
       tionsprogramm der  Aufständischen, sondern  eine protokollarische
       Entschuldigung für  das Verhalten  der amerikanischen Polizei und
       der höchsten Ratgeber Kennedys in lateinamerikanischen Angelegen-
       heiten.  Die   Freiheitskämpfer,  die   der  Öffentlichkeit   als
       leuchtende Vorbilder republikanischen Geistes hingestellt wurden,
       und mit  deren heiliger  Sache Stevenson sich im Namen des ameri-
       kanischen Volkes  identifizierte, wurden in Washington als Bauern
       im Schachspiel behandelt.
       Deutsche Zeitung v. 27.4.61
       ...
       Washington diskutiert totales Embargo gegen Kuba
       ------------------------------------------------
       ...
       Der Pressesekretär  des Weißen Hauses, Pierre Salinger, gab heute
       bekannt, daß  Präsident Kennedy  die Verhängung eines totalen Em-
       bargos gegen  Kuba erwäge.  Er bespreche  die Nützlichkeit  eines
       solchen Schrittes  schon seit  einiger Zeit  mit seinen Beratern,
       doch sei ein Beschluß noch nicht gefaßt worden.
       Ein wirtschaftliches  Embargo gegen  Kuba würde  allerdings nicht
       mehr viel  an der gegenwärtigen Sachlage ändern. Bereits im letz-
       ten Herbst sind alle amerikanischen Exporte nach Kuba eingestellt
       worden.
       Die Tat v. 27.4.61
       ...
       Kubas Präsident wünscht Verhandlungen mit Washington
       ----------------------------------------------------
       ...
       Wie Radio  Havanna mitteilte, hat Staatspräsident Dorticos in ei-
       ner Erklärung  die Bereitschaft  Kubas zum Ausdruck gebracht, zur
       Überwindung der  Spannungen zwischen  Kuba  und  den  Vereinigten
       Staaten Verhandlungen  irgendwelcher Art  aufzunehmen. Der Präsi-
       dent betonte  jedoch, daß das kubanische Volk im Falle eines ame-
       rikanischen Angriffes  bereit sei, "bis zum letzten Blutstropfen"
       zu kämpfen. Dorticos überreichte die Erklärung den in Havanna ak-
       kreditierten Diplomaten und ersuchte sie, den Inhalt ihren Regie-
       rungen zur Kenntnis zu bringen.
       Basler Nachrichten v. 28.4.61
       ...
       USA-Absage an Kuba
       ------------------
       ...
       Da USA-Außenministerium hat am Freitag zu dem Verhandlungsangebot
       des kubanischen  Staatspräsidenten Dorticos  erklärt, Kommunismus
       in der westlichen Hemisphäre sei kein Verhandlungsthema. Dorticos
       hatte vor  Diplomaten in  Havanna auf die kubanische Bereitschaft
       hingewiesen, mit den USA auf diplomatischem Wege über eine fried-
       liche Lösung  der Differenzen  zu verhandeln.  Vielleicht sei  es
       möglich, dann  auch die  gegenseitigen diplomatischen Beziehungen
       wieder aufzunehmen.  Gleichzeitig beschuldigte  der Präsident je-
       doch -  wie übrigens  am selben Tage auch Moskau - die USA, einen
       neuen direkten  Angriff auf  Kuba zu  planen. Diese Anschuldigung
       wies der  Sprecher des  State Department als "billige Propaganda"
       zurück. Die  im Karibischen  Meer operierenden  USA-Kriegsschiffe
       seien an Routinemanövern beteiligt.
       Rheinische Post v. 29.4.61
       ...
       Die Amerikaner auf Kuba
       -----------------------
       ...
       Am Sonntag wurde in Washington offiziell bekanntgegeben, die ame-
       rikanische Regierung habe allen Amerikanern auf Kuba geraten, die
       Insel zu verlassen. Ein Sprecher des Staatsdepartements teilte in
       diesem Zusammenhang mit, die schweizerische Botschaft in Havanna,
       die seit  dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den
       Vereinigten Staaten  und der Regierung Fidel Castros die amerika-
       nischen Interessen in Kuba vertritt, habe an alle in Kuba wohnen-
       den amerikanischen Staatsangehörigen einen persönlichen Brief ge-
       sandt, in  welchem ihnen  nahegelegt werde, sie sollten die Insel
       verlassen, und ihnen die zu diesem Zwecke nötigen Erleichterungen
       zugesichert werden.
       Neue Zürcher Zeitung v. 2.5.61
       ...
       

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