Quelle: Blätter 1961 Heft 06 (Juni)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DIE RÜSTUNGSAUSGABEN AMERIKAS
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       Der Senat  hat am  Montag eine Vorlage für den Ankauf neuer Flug-
       zeuge, Schiffe  und Raketen  für die Streitkräfte in der Höhe von
       12,5 Milliarden Dollar verabschiedet. Die Vorlage geht nun an das
       Repräsentantenhaus.  Die  Militärkommission  des  Repräsentanten-
       hauses hat für dieselben Ankäufe eine Gesamtsumme von 12,368 Mil-
       liarden Dollar empfohlen, während die Regierung nur 11,975 Milli-
       arden Dollar beantragt hatte.
       Die vom  Senat verabschiedete Vorlage hält sich weitgehend an die
       Empfehlungen Präsident  Kennedys, doch  enthält sie  einen Posten
       von 525  Millionen Dollar für den Ankauf neuer Langstreckenbomber
       für die  strategische Luftwaffe. Weder Kennedy noch sein Amtsvor-
       gänger Eisenhower  hatten eine Verstärkung der strategischen Bom-
       berflotte beantragt.
       Neue Zürcher Zeitung v. 17.5.61
       
       KENNEDY UNTER STARKEM DRUCK
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       Der Präsident  steht unter starkem Druck, das Rüstungsprogramm zu
       beschleunigen und der militärischen Abwehr von sowjetischen Über-
       griffen wieder den Vorrang einzuräumen. Innenpolitische Rücksich-
       ten bestimmen  einige der  älteren  demokratischen  Führer,  sich
       nicht ein  zweites Mal  dem Vorwurf  auszusetzen, sie  hätten den
       Kommunisten nachgegeben.  Die Gewerkschaften verlangen Arbeitsbe-
       schaffung, die  Atomkommission will  die  Tests  fortsetzen,  das
       Wehrministerium sucht sein Budget zu erhöhen.
       Deutsche Zeitung v. 27./28.5.61
       
       PLÄNE FÜR SABOTAGETRUPPEN
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       Nach einer  Meldung des  "Wall Street Journal" erwägen politische
       Kreise Washingtons ernsthaft, Guerillatruppen auszubilden, die in
       kommunistischen Ländern  Sabotage- und  Diversionsakte  ausführen
       sollen. Hinter  der Aktion soll der Chef der Forschungs- und Ent-
       wicklungsabteilung der amerikanischen Armee, Generalleutnant Tru-
       deau,  stehen.   Nach  diesen  Überlegungen  sollen  insbesondere
       Flüchtlinge aus  Ostblockstaaten von  amerikanischen Militärs  in
       Guerillataktik ausgebildet und mit Waffen, Geld und Propagandama-
       terial ausgestattet werden.
       FAZ v. 26.5.61
       
       "TAKTISCHE ATOMWAFFEN AUCH FÜR BEGRENZTE KRIEGE"
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       Der stellvertretende  amerikanische Verteidigungsminister  Gilpa-
       trick hat am Freitag der Annahme widersprochen, daß die Vereinig-
       ten Staaten  Atomwaffen nur  in einem großen Krieg einsetzen wür-
       den. Gilpatrick,  der in  Philadelphia sprach,  betonte, daß  die
       Stärkung  der   konventionellen  Schlagkraft  der  amerikanischen
       Streitkräfte keine Kürzung ihrer atomaren Schlagkraft bedeute.
       Die atomare  Ausrüstung der für einen begrenzten Krieg einsatzbe-
       reiten amerikanischen  Truppen sei  für die  allgemeine Strategie
       von hoher  Bedeutung. Der  Einsatz von  taktischen Atomwaffen  in
       solchen begrenzten  Auseinandersetzungen dürfe nicht ausgeschlos-
       sen werden.
       Die Welt v. 20.5.61
       
       PRAWDA: BEGRENZTE KRIEGE GIBT ES NICHT
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       Angesichts so  vielen entzündbaren Brennstoffs in der politischen
       Atmosphäre der  Welt gibt es keine Garantie, daß selbst ein klei-
       ner Krieg  in Europa  sich nicht  zu einem  allgemeinen nuklearen
       Konflikt ausweiten könnte.
       Die amerikanischen  Strategen vertreten  seit einigen  Jahren die
       Doktrin der  sogenannten begrenzten  Kriege. Sie  hatten nur  ein
       Ziel bei  der Veröffentlichung dieser ihrer Erfindung - sie beab-
       sichtigten, die  Menschen an  den Gedanken  der  Unvermeidbarkeit
       solcher Kriege  zu gewöhnen, die, wie sie behaupteten, nicht not-
       wendigerweise den Einsatz von Atomwaffen bedeuten.
       Die Regierung  Kennedy hat  den bösen  Pfad ihrer  Vorgänger  be-
       schritten, der  zu einem weiteren Prestigeverlust der Vereinigten
       Staaten führt.
       Prawda, Anfang Mai 1961.
       
       SOWJETGENERAL: ATOMKRIEG WÄRE DIE
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       GRÖSSTE KATASTROPHE DER MENSCHHEIT
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       Die technische  Revolution hat  auf militärischem  Gebiet  Waffen
       entwickelt, deren Zerstörungskraft alles bisher Bekannte tausend-
       fach übersteigt.  In einem Krieg der Zukunft - sofern man den Im-
       perialisten seine  Entfaltung gestattet  - würde die Raketenkern-
       waffe als  grundsätzliches Mittel  der Massenvernichtung dominie-
       ren. Die  thermonukleare Waffe  hat die  Möglichkeit  geschaffen,
       Räume gewaltigen  Ausmaßes völlig  zu  zerstören,  ganze  Staaten
       buchstäblich von der Erdkarte wegzufegen. Geht man davon aus, daß
       die Fläche,  die ein Kernwaffenträger (Bombe oder Rakete) von 10-
       20 Megatonnen zerstören kann, 700 Quadratkilometer beträgt, wären
       zur Ausradierung  eines Staates  von  der  Größe  der  USA  (ohne
       Alaska) zirka 8500 derartige Sprengköpfe erforderlich, doch würde
       für die  Schläge gegen  die entscheidenden  strategischen,  wirt-
       schaftlichen und politischen Zentren eine kleinere Menge atomarer
       Vernichtungsmittel ausreichen.  Daneben  könnte  die  radioaktive
       Verseuchung schon  mit einigen  hundert, in gewissen Fallen schon
       mit einigen  Dutzend Bomben  erwirkt werden.  Es ist  somit  ganz
       klar, daß  im Ernstfall für die Vernichtung von Staaten mit klei-
       nerem Territorium und größerer Bevölkerungsdichte der Einsatz we-
       niger Dutzend Kernbomben durchaus genügt. Lidell Hart, der engli-
       sche Militärtheoretiker,  vertritt die Ansicht, daß 5-10 H-Bomben
       ausreichen würden, um alle Hauptindustriezentren Englands zu ver-
       nichten. Zur  Zerstörung aller lebenden und unbelebten Stoffe auf
       dem Territorium  Europas einschließlich  der Berge,  Wälder  usw.
       würden 15 000 Tonnen des erwähnten Kalibers genügen, für die Zer-
       störung der Territorien der Länder der NATO, einschließlich aller
       amerikanischen Basen,  kaum mehr  als 500  thermonukleare Bomben,
       für die  radioaktive  Verseuchung  der  europäischen  Territorien
       würde sich die genannte Bombenanzahl von 15 000 um einige tausend
       Einheiten reduzieren. An Zerstörungskraft übertreffen die thermo-
       nuklearen Waffen  in Form  von Sprengköpfen weitreichender balli-
       stischer Raketen  oder als  Flugzeugbomben jene der atomaren Bom-
       ben, deren  Wirkung aber  ebenfalls  ganz  beträchtlich  ist.  So
       konnte die auf Hiroshima abgeworfene A-Bombe (20 Kilotonnen), die
       zur Kategorie der sogenannten "taktischen" Atomwaffen zählt, eine
       Fläche von  30 km²  zerstören. Eine  Bombe maximalen Kalibers mit
       einer Sprengkraft  von 500  Kilotonnen kann  eine Fläche von etwa
       650 km² zerstören mit Menschenverlusten in Stadtgebieten bis zu 1
       Million Toten,  in Industriegebieten  bis zu  50 000 Toten und in
       ländlichen Gegenden bis zu 5000 Toten.
       Heute ist  die ballistische  Rakete  grundsätzlicher  Träger  des
       thermonuklearen Sprengkörpers  an den  Explosionspunkt  geworden.
       Eine Möglichkeit, den mit einer Raketenkernwaffe geführten Schlag
       zu parieren,  gibt es  nicht. Die  von der  USA-Presse lancierten
       Möglichkeiten der Vernichtung von Raketen durch Raketen sind vor-
       erst reine Spekulationen.
       Der Krieg  der Zukunft  würde sich  in seinen Formen und Methoden
       von allen  vorhergegangenen Kriegen  gewaltig  unterscheiden,  in
       denen sich die Hauptschläge gegen die Streitkräfte abspielten. Im
       modernen Raketenkrieg  aber würden  sich die  entscheidenden Ver-
       nichtungsschläge auf  die wirtschaftlichen und politischen Brenn-
       punkte konzentrieren, während der Kampf der herkömmlichen Streit-
       kräfte in den Grenzgebieten der kriegführenden Länder nur die Be-
       deutung einer  Hilfsfunktion besitzen wird. Selbst bei einem Ver-
       zicht auf  den Einsatz  chemischer und  bakteriologischer  Waffen
       müßte der Raketenkernkampf zur Vernichtung ganzer Länder und Völ-
       ker führen,  zur  Verseuchung  gewaltiger  Räume  durch  tödliche
       Strahlenwirkung; die  Menschenverluste auf  den  Territorien  der
       möglichen Hauptkriegsschauplätze  mit einer  Bevölkerung von rund
       800 Millionen würden 500-600 Millionen Menschen betragen. Ein mit
       Hilfe der  Raketenkernwaffe geführter  Krieg würde zweifellos die
       ganze Erdkugel  erfassen, und  kein beteiligter  Staat würde  den
       Vernichtungsschlägen entgehen. Als erste und grundlegende Schluß-
       folgerung ergäbe  sich somit,  daß ein solcher Raketenkernwaffen-
       krieg eine ausschließlich zerstörerische Funktion besitzen würde,
       wobei sich die allgemeinen Verluste keineswegs nur auf solche be-
       schränken würden,  die dem Gegner durch unmittelbare Raketen- und
       Bombenschläge verursacht  werden. Die  zusätzliche und  besondere
       Gefahr der radioaktiven Niederschläge besteht darin, daß - ledig-
       lich von meteorologischen Verhältnissen beeinflußt - das Verbrei-
       tungsfeld im Grunde genommen unbeschränkt ist, so daß die Gesamt-
       bevölkerung unseres  Planeten mit  der tödlichen  Bedrohung durch
       diese Niederschläge  rechnen müßte  und nur  eine verbrannte  und
       verseuchte Wüste  übrig bliebe.  Schließlich würden  zusammen mit
       den Menschen auch die Haustiere umkommen, die Lebensmittelvorräte
       verseucht werden,  abgesehen von den genetischen Konsequenzen ei-
       nes Kernkriegs, mit denen sich gegenwärtig die Erbforscher befas-
       sen. Auch müßte damit gerechnet werden, daß durch die Entwicklung
       der Raketentechnik  die Wirksamkeit  des Einsatzes chemischer und
       bakteriologischer Waffen beträchtlich gesteigert werden kann.
       Die tödliche Gefahr eines globalen Kernkriegs ist offensichtlich,
       und es  ist daher  verbrecherisch und antihumanitär, die Gefahren
       nicht zu sehen.
       Die Weltbevölkerung  würde sich  um die  Hälfte verringern, wobei
       gerade der kulturtragende und arbeitsfähigste Teil der Menschheit
       und damit  die materiell-technische Basis der Menschheit der Ver-
       nichtung anheimfiele:  Fabriken, Betriebe,  Feld- und  Gartenkul-
       turen, Transportmittel,  Wohn- und Krankenhäuser usw. würden zer-
       stört, die  menschliche Gesellschaft  zurückgeworfen. Aus  diesen
       Gründen stellen  sich die  westlichen Militätheoretiker  mehr und
       mehr auf die Propagierung des "begrenzten und lokalen Kriegs" um,
       eine ungefährlichere  Form eines  neuen Angriffskrieges,  auf den
       sich die  Imperialisten  vorbereiten.  Mit  der  Option  auf  den
       "lokalen und  begrenzten Krieg"  wollen sie eine Waffe zur Unter-
       drückung des nationalen Befreiungskampfes der Völker der kolonia-
       len und  unabhängigen Länder  in der  Hand behalten... Aber unter
       den Bedingungen  der Gegenwart könnten solche "begrenzten" Kriege
       nur das  Präludium zu  einem globalen  Raketenkrieg sein, bei dem
       selbst ein überraschter Verteidiger einem stärkeren Gegner außer-
       ordentlich schwere Verluste beibringen würde.
       General N.  Talenski in  "Meshdunarodnaja shisn"  (Moskau), nach:
       Die Tat (Zürich) v. 11.5.61
       
       PLÄNE FÜR EINE GIPFELKONFERENZ DER NEUTRALISTEN
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       Wie von  zuständiger Seite  verlautete, haben  der Präsident  der
       Vereinigten Arabischen  Republik, Gamal Abdel Nasser, und der ju-
       goslawische Präsident  Marschall Tito  beschlossen, vor der näch-
       sten   Generalversammlung    der   Vereinigten    Nationen   eine
       "Gipfelkonferenz" der  neutralistischen Länder  einzuberufen. Die
       beiden Staatschefs  wollten dabei den Kreis der afrikanisch-asia-
       tischen Länder, die an der Konferenz von Bandung beteiligt waren,
       erweitern und  hätten daher zahlreiche weitere Länder aus anderen
       Erdteilen, die keinem Militärbündnis angehörten, zu der Konferenz
       eingeladen. Die  eingeladenen Länder  wurden nicht  genannt, doch
       soll sich  auch Kuba  darunter befinden.  Mehr als zwanzig Regie-
       rungschefs, darunter  auch der  indische  Premierminister  Nehru,
       hätten die  Idee einer  solchen  Gipfelkonferenz  bereits  unter-
       stützt.
       Neue Zürcher Zeitung v. 7.5.61
       
       KONFERENZ ÜBER DIE GEFAHREN VON ATOMWAFFEN IN OSLO
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       Kurz vor  Beginn der  NATO-Ministerkonferenz  in  Oslo  wurde  am
       Dienstag  in   den  Lokalen   des  dortigen  Nobelinstituts  eine
       "Konferenz gegen die Verbreitung von Atomwaffen" eröffnet. An der
       Tagung beteiligen  sich 665  Teilnehmer aus  15 Ländern, darunter
       vier Vertreter der Sowjetunion. Die Tagung ist vom amerikanischen
       Nobelpreisträger für Chemie, Prof. Linus Pauling, und dessen Gat-
       tin arrangiert  worden, und  sie dauert  bis zum  Sonntag, worauf
       dann am Montag die NATO-Konferenz beginnt.
       Neue Zürcher Zeitung v. 4.5.61
       
       NATO-PLANSPIEL SOLL FEHLERQUELLEN AUFDECKEN
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       Unter  strengsten  Geheimhaltungsvorschriften  lassen  die  NATO-
       Mächte vom  23. bis 26. Mai im Pariser NATO-Hauptquartier im Bei-
       sein höchster militärischer Führer, wie des Vorsitzenden des Ver-
       einigten US-Stabschefs  General Lemnitzer, "Befehl und Kontrolle"
       über die  Nuklearwaffen  im  Falle  eines  sowjetischen  Angriffs
       durchexerzieren und testen.
       Anlaß zu  diesem geheimen  Stabsmanöver ist  die vor allem in den
       USA wachsende  Besorgnis, daß  die politische  Kontrolle der  Nu-
       klear-Waffen  nicht  absolut  zuverlässig  und  ausreichend  sein
       könnte, was vor allem im Falle eines Fehlalarms oder anderer Feh-
       lerquellen zu nicht mehr übersehbaren Konsequenzen führen müßte.
       Hamburger Echo v. 24.5.61
       
       FÜR SPANIENS AUFNAHME IN DIE NATO
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       Bei der  Verteidigung sollte  uns jeder Bundesgenosse recht sein,
       auch wenn  er nicht  alle Grundsätze  des deutschen Grundgesetzes
       befolge, erklärte  der CDU-Abgeordnete  Dr. Jaeger, Vizepräsident
       des Bundestages,  vor der  Deutschen Atlantischen Gesellschaft in
       Kiel. Das betont antikommunistische Spanien bedrohe "nicht unsere
       Freiheit".
       Dr. Jaeger  wiederholte seine Forderung nach Aufnahme Franco-Spa-
       niens in  die NATO,  "weil dort unsere Basen unangefochten sind".
       Wenn man  im übrigen  nur rein  demokratische Länder  in die NATO
       aufnehmen wollte, dann hätte auch Portugal kein NATO-Staat werden
       können. Neben Spanien sollte, so betonte Dr. Jaeger in seiner Wo-
       chenend-Rede, auch  Zypern in die NATO aufgenommen werden, um als
       Rückhalt für die Türkei dienen zu können.
       Zur Frage  der atomaren Rüstung behauptete Dr. Jaeger interessan-
       terweise, daß  die NATO künftig nicht nur mit taktischen, sondern
       auch mit strategischen Nuklearwaffen ausgerüstet werden würde.
       Der größte  Teil der Zuhörer Dr. Jaegers setzte sich aus Offizie-
       ren der Bundeswehr zusammen.
       Oberfränkische Volkszeitung v. 18.5.61
       
       BUNDESREGIERUNG GIBT SPANIEN 200 MILLIONEN MARK
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       Die Bundesregierung will Spanien langfristige Entwicklungskredite
       in Höhe  von etwa 200 Millionen DM einräumen, die in erster Linie
       für bedeutende Bewässerungsvorhaben im trockenen Süden des Landes
       verwandt werden  sollen. Diese deutsche Finanzhilfe ist das wich-
       tigste Ergebnis  der viertägigen  Besprechungen, die  Bundeswirt-
       schaftsminister Erhard in Madrid geführt hat. Die Voraussetzungen
       für die  Gewährung der Entwicklungskredite und für die Erleichte-
       rung privater deutscher Kapitalinvestitionen sind in dem Abkommen
       über wirtschaftliche  Zusammenarbeit zwischen  der Bundesrepublik
       und Spanien  festgelegt, das Erhard während seines Staatsbesuches
       in Madrid unterzeichnet hat.
       Deutsche Zeitung v. 12.5.61
       
       MEHR WERBUNG FÜR DIE NATO
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       Nach amerikanischem  Vorbild sollen  auch in  der  Bundesrepublik
       "Bürgerkomitees" gegründet  werden, die  bei der  Bevölkerung  um
       Verständnis für  die Ziele  der NATO werben sollen, wie Bundesau-
       ßenminister von Brentano am Wochenende nach einem Zusammentreffen
       mit dem ehemaligen amerikanischen Außenminister Herter erklärte.
       Herter und  sein Unterstaatssekretär  Clayton, die  zur Zeit  als
       Vorstandsmitglieder der  "U.S. Citizens  Commission on NATO" meh-
       rere europäische  Länder bereisen, flogen anschließend von Frank-
       furt nach  Rom. Das  amerikanische Komitee  zur Stärkung der NATO
       wurde im  September 1960 gegründet. Ihm gehören Politiker und an-
       dere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an.
       Die Welt v. 15.5.61.
       
       "PERSHING"-RAKETEN FÜR DIE DEUTSCHE BUNDESWEHR
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       Wie am  Mittwoch in Bonn bekannt wurde, hat sich der Staatssekre-
       tär des  Bundesverteidigungsministeriums, Volkmar  Hopf,  in  der
       vergangenen Woche in den Vereinigten Staaten aufgehalten, um sich
       über die  neue "Pershing"-Rakete  zu informieren, die die Bundes-
       wehr anstelle des technisch überholten "Mace"-Fernlenkflugkörpers
       kaufen will.  Wie aus  militärischen Kreisen  verlautet, ist  der
       deutsche Auftrag  für die  "Pershing"-Rakete "so gut wie perfekt"
       und wird  in Kürze endgültig erteilt werden. Er wird einen Betrag
       von 480  Millionen D-Mark ausmachen, den gleichen Betrag, den die
       Bundesrepublik  für   den  stornierten   "Mace"-Auftrag  ausgeben
       wollte.
       Die Bundeswehr  soll, wie  verlautet, zwei  Bataillone mit  "Per-
       shing"-Ausrüstung erhalten,  die unmittelbar der NATO unterstellt
       werden sollen. Die ersten dieser neuen Raketen sollen im Frühjahr
       kommenden Jahres  ausgeliefert werden.  Die "Pershing"-Rakete hat
       eine Reichweite von rund 1000 Kilometern.
       UPI v. 3.5.61
       
       ATOM-MANÖVER IM WESTERWALD
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       Im Westerwald  sind 2200 deutsche und amerikanische Artilleristen
       "im gemeinsamen Abwehrkampf gegen vorrückende Feindverbände". Das
       Manöver wird  auch mit  Raketen vom Typ "Honest John" und mit dem
       schweren US-Geschütz, der "Atom-Anni", durchgeführt.
       Neue Ruhr-Zeitung v. 16. 5.61.
       
       POSTGEWERKSCHAFT GEGEN ATOMARE BEWAFFNUNG
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       Gegen die  atomare Aufrüstung  in Ost und West haben sich die 124
       Delegierten der  Jugendkonferenz der  Deutschen  Postgewerkschaft
       gewandt. Sie  setzten sich auf einer Zusammenkunft in Berlin. für
       eine Tagung  aller Atomwaffengegner  an einem  zentralen Ort  der
       Bundesrepublik ein.  Die Delegierten  erinnerten den Vorstand des
       Deutschen Gewerkschaftsbundes  daran, daß  ein entsprechender Be-
       schluß schon  auf einer  Konferenz der Gewerkschaftsjugend gefaßt
       worden sei. Dieser Beschluß müsse bald verwirklicht werden.
       Die Welt v. 15.5.61.
       
       SPEIDEL BETONT BEDEUTUNG DER "SCHILDSTREITKRÄFTE"
       =================================================
       
       Auf die  wachsende Bedeutung  der "Schildstreitkräfte"  wies  der
       Oberkommandierende der NATO-Landstreitkräfte in Mitteleuropa, Ge-
       neral Speidel, in der Heidelberger Universität hin.
       Die Schildstreitkräfte  seien heute  nicht  mehr  "nachgeordnet",
       sagte Speidel,  wenn auch die strategischen "Schwertstreitkräfte"
       noch immer  die Hauptrolle  bei der Bekämpfung des Gegners spiel-
       ten. Die  "Schildstreitkräfte" hätten zusammen mit der taktischen
       Luftwaffe die operative Freiheit für die Verteidiger zu gewinnen,
       dem Gegner  das Gesetz des Handelns aufzuzwingen, ihn zu schlagen
       und der politischen Führung den für ihre Entscheidungen notwendi-
       gen Zeitgewinn zu erkämpfen.
       Speidel wies darauf hin, daß der Westen vor einem atomaren Gegen-
       schlag nicht zurückschrecken dürfe. Mit dem Gleichgewicht der nu-
       klearen Rüstung  in Ost  und West  wachse aber  die Bedeutung der
       konventionellen Streitkräfte.
       Die Welt v. 15.5.61.
       
       RUGE: SPERRUNG DER MEERENGEN EIN DRINGENDES ERFORDERNIS
       =======================================================
       
       Der Inspektor  der deutschen  Bundesmarine, Vizeadmiral Ruge, hat
       die Sperrung der dänischen und türkischen Meerengen im Fall einer
       kriegerischen Auseinandersetzung  als dringend  erforderlich  be-
       zeichnet, um  die sowjetische  Flotte an  einem Ausbruch  in  das
       freie Weltmeer zu hindern.
       Über den  Aufgabenbereich der Bundesmarine sagte Ruge, sie sei in
       erster Linie  dazu ausersehen, die dänischen Meerengen zu vertei-
       digen. Ihre Aufgabe könne sie nur im Zusammenwirken mit der Luft-
       waffe lösen.  Ruge kündigte  an, daß die Marine im kommenden Jahr
       ihr großes Schulschiff "Deutschland" in Dienst stellen werde. Das
       Segelschulschiff "Gorch  Fock" sei  bereits seit einiger Zeit als
       Ausbildungsfahrzeug im Dienst.
       Basler Nachrichten v. 10.5.61
       
       RAKETEN-ZERSTÖRER FÜR BUNDESMARINE
       ==================================
       
       Die Bundesrepublik hat die Erlaubnis erhalten, acht große Zerstö-
       rer bis zu 6000 Tonnen, Marinehilfsschiffe bis zu 6000 Tonnen und
       moderne Seeminen  mit Annäherungszündern  zu bauen.  Der Rat  der
       Westeuropäischen Union  hat, wie gestern in London bekanntgegeben
       wurde, die Protokolle des WEU-Vertrags über die Rüstungsbeschrän-
       kungen für die Bundesrepublik entsprechend abgeändert.
       Über eine  Änderung der Bestimmungen, in denen sich die Bundesre-
       publik zu  einer freiwilligen Begrenzung ihrer Marinerüstung ver-
       pflichtete, war  seit rund zwei Jahren verhandelt worden. Von un-
       terrichteter Seite in London wurde jedoch dazu erklärt, Bonn habe
       erst vor  wenigen Wochen  präzise seine  Bedürfnisse  mitgeteilt.
       Bisher war  der Bundesrepublik nur der Bau von Kriegsschiffen bis
       zu einer Größe von 3000 Tonnen erlaubt...
       Die neuen  Zerstörer bis zu 6000 Tonnen Größe sind groß genug, um
       darauf eine  Raketenbewaffnung mit der dafür erforderlichen elek-
       tronischen Ausrüstung  unterzubringen. Dafür  waren Zerstörer mit
       der bisherigen  Tonnagehöchstgrenze von  3000  Tonnen  nicht  ge-
       eignet. Jeder  Raketenzerstörer kostet nach Besprechungen von Ex-
       perten etwa 200 Millionen Mark.
       Der Mittag v. 25.5.61
       
       "STARFIGHTER-MARSCH" AUF SCHALLPLATTEN
       ======================================
       
       Mit vorerst  zweitausend Schallplatten  des neuen Starfightermar-
       sches wirbt  die Luftwaffe  der Bundeswehr  jetzt um Popularität.
       Wie zu  erfahren war, werden die Platten von Bundesverteidigungs-
       minister Strauß  und Generalleutnant Kammhuber an in- und auslän-
       dische Freunde  der Bundeswehr  verschenkt. Das  dröhnende Musik-
       stück war  zuerst am Geburtstag des Bundeskanzlers im Januar die-
       ses Jahres  beim Geburtstagsständchen gespielt worden. Damals war
       vorgeschlagen worden, den Schluß des Marsches mit einem Original-
       Düsengeräusch zu  verstärken. Diesem Vorschlag ist nicht entspro-
       chen worden,  weil man  dies den  Ohren der Zuhörer nicht zumuten
       wolle.
       FAZ v. 5.5.61
       
       PANKOWS STREBEN NACH AUSLÄNDISCHEN KONTAKTEN
       ============================================
       
       Die unverminderten  Anstrengungen der  DDR, ihre  internationalen
       Kontakte zu erweitern, bei denen neben der ausgedehnten Tätigkeit
       des staatlich  gelenkten Gewerkschaftsbundes  der Sowjetzone  die
       handelspolitische Aktivität  des  SED-Regimes  eine  große  Rolle
       spielt, haben im Verlaufe einer einzigen Woche zu bemerkenswerten
       Ergebnissen geführt.
       In Finnland  gelang es  dem rührigen  Leiter  der  dortigen  DDR-
       Vertretung, Prof.  Agricola, die  Gründung eines  "Handelsvereins
       DDR-Finnland" zustande  zu  bringen.  Das  erklärte  Ziel  dieses
       Vereins ist es, durch persönliche Kontakte mit Wirtschaftlern und
       Geschäftsleuten  die   "freundschaftlichen  Beziehungen  zwischen
       Finnland und  der DDR"  zu vertiefen. Finnland, das weder mit der
       Bundesrepublik  noch   mit  der   DDR  diplomatische  Beziehungen
       unterhält, aber  mit beiden  Staaten  Handelsmissionen  mit  Kon-
       sulatscharakter ausgetauscht  hat, erweist  sich damit erneut als
       günstiges Feld  für die Infiltrationstätigkeit der DDR in Skandi-
       navien...
       In Asien hat eine Regierungsdelegation der DDR Ceylon besucht und
       eine Handelsvereinbarung  abgeschlossen, die gleichzeitig die Er-
       richtung eines  Generalkonsulats der DDR in Colombo vorsieht. Auf
       dem Rückweg nach Ostberlin führte die gleiche Delegation Verhand-
       lungen mit  dem Industrie- und Handelsministerium Indiens. Im Na-
       hen Osten  hält sich  eine Abordnung des DDR-Ministeriums für Au-
       ßenhandel auf,  die das Handels- und Zahlungsabkommen mit Libanon
       erneuern und  erweitern soll. Aus Libyen ist eine Parlamentsdele-
       gation in  Ostberlin eingetroffen, die vom Präsidenten der Volks-
       kammer, Dieckmann, empfangen wurde.
       In Westafrika schließlich bemüht sich die DDR, über den Kreis von
       Ghana, Mali  und Guinea  hinaus neue Stützpunkte zu gewinnen. Als
       Gäste des  kommunistischen FDGB  befinden sich  der Vizepräsident
       des Gewerkschaftskongresses  von Nigeria  (Nigerian  Trade  Union
       Congress), Ibrahim  Nock, und ein weiteres Mitglied des Exekutiv-
       komitees der NTUC in Ostberlin.
       Der Generalsekretär  der Arabischen  Liga, Hassouna,  der sich zu
       einem vierzehntägigen  Informationsbesuch in  der  Bundesrepublik
       aufhält und  von Bundespräsident Lübke empfangen wurde, hat, nach
       einer Mitteilung aus Pankow, zugesagt, auch die DDR zu besuchen.
       Neue Zürcher Zeitung v. 9.5.61
       
       DER "GUARDIAN" SCHLÄGT KOMPROMISS MIT MOSKAU UND DER DDR VOR
       ============================================================
       
       Der Hauptantrieb für Chrustschows Außenpolitik ist seine Befürch-
       tung, daß  die deutschen  Generale Atomwaffen  bekommen  könnten.
       Sein Hauptziel  ist eine Regelung des Berlin-Problems und die di-
       plomatische Anerkennung  Pankows, ehe  dies geschieht. Der Westen
       sollte versuchen, ihm in diesen Punkten entgegenzukommen, wenn er
       das  tun  kann,  ohne  daß  seine  eigenen  wichtigen  Interessen
       geopfert werden.  Das ist  vielleicht möglich. Chrustschow möchte
       vor allem,  daß die  Sowjetzone als Staat anerkannt wird. Der We-
       sten möchte in erster Linie, daß die Freiheit West-Berlins garan-
       tiert ist. Warum bietet er nicht die Anerkennung Pankows an unter
       der Voraussetzung,  daß die Sowjetzonenregierung die Freiheit des
       Zuganges nach  West-Berlin garantiert und sich verpflichtet, eine
       Straßen- und  Eisenbahnverbindung offenzuhalten,  für  die  keine
       Pässe gefordert  werden sollen?  Diese Eisenbahn- und Straßenver-
       bindung brauchte  nicht unbedingt  zu allen Zeiten eine bestimmte
       Straße und  eine bestimmte  Eisenbahn  zu  sein.  Ein  derartiger
       Schritt bietet  eine Lösung, die beide Seiten zufriedenstellt und
       keine Opferung wichtiger Interessen fordert.
       The Guardian v. 18.5.61
       
       CYRANKIEWICZ KRITISIERT BONN
       ============================
       
       Der wiedergewählte polnische Ministerpräsident, Cyrankiewicz, hat
       am Donnerstag  in seiner Regierungserklärung vor dem Parlament in
       Warschau die  Bundesregierung scharf angegriffen. Im außenpoliti-
       schen Teil  seiner Rede  sprach Cyrankiewicz  der Bundesregierung
       den guten Willen ab, mit Polen zu einer Normalisierung der Bezie-
       hungen zu kommen.
       Trotz der Verbrechen, die von deutscher Seite während des Krieges
       in Polen begangen wurden, trete die polnische Regierung seit Jah-
       ren für  normale Beziehungen  mit der  Bundesrepublik ein.  Diese
       könnten jedoch  nur dann hergestellt werden, wenn die Bundesrepu-
       blik auf  "ihre territorialen  Forderungen und ihre revisionisti-
       sche Propaganda" verzichte. Solange dies nicht der Fall sei, habe
       auch ein  Botschafteraustausch keinen Sinn. "Der Bonner Botschaf-
       ter würde sich sonst in Warschau nicht wohl fühlen, und wir legen
       Wert darauf, daß sich alle Botschafter bei uns wohl fühlen."
       Die Jugend  der Bundesrepublik werde mit revisionistischer Propa-
       ganda gefüttert.  Im Unterrichtsfach  Ostkunde erfahre sie vieles
       darüber, welch bedeutenden kulturellen Beitrag Deutschland in der
       Vergangenheit im  Osten geleistet  habe. Sie höre aber nichts von
       den Konzentrationslagern, Gaskammern und Massenerschießungen wäh-
       rend des  zweiten Weltkrieges.  "Wir dürfen  uns darum auch nicht
       wundern, daß  man den  Kindern nichts  über die Vergangenheit Dr.
       Globkes erzählt."
       Den Vorschlag  eines deutsch-polnischen  Nichtangriffspaktes  be-
       zeichnete Cyrankiewicz  als unrealistisch, wenn dieser Pakt nicht
       auch andere  sozialistische Staaten,  beispielsweise die  Sowjet-
       zone, einschließe. Cyrankiewicz forderte den Abschluß eines Frie-
       densvertrages mit  "beiden deutschen  Staaten" und  drohte wieder
       an, daß andernfalls ein separater Friedensvertrag mit der Sowjet-
       zone geschlossen werde.
       Die Welt v. 19.5.61
       
       BONN HAT KEINE ZEIT MEHR ZU VERLIEREN
       =====================================
       
       Bonner Fachleute  für Ostfragen  sind der  Meinung, auf Grund des
       erneuten Drängens  Washingtons werde  die  Bundesregierung  jetzt
       keine Zeit  mehr verlieren  dürfen, eigene  Pläne für eine Lösung
       des Oder-Neiße-Problems  zu entwickeln,  die über  die bisherigen
       Vorstellungen, der  gesamte Ostkomplex  werde im  Friedensvertrag
       geregelt, hinausgehen  und eine  internationale Diskussionsgrund-
       lage bilden. Es wäre für die Bundesrepublik verhängnisvoll, sagen
       sie, wenn die USA bei den beginnenden Ost-West-Verhandlungen man-
       gels Anregungen  aus Bonn  den Sowjets  mit eigenen Plänen gegen-
       übertreten müßten.
       Westfälische Rundschau v. 26.5.61
       
       WIEDER "VOLK OHNE RAUM"
       =======================
       
       Bei der  Delegiertenkonferenz des  "Bundes der  Vertriebenen"  am
       11.5. in  Würzburg sagte der bayerische Arbeitsminister Stain, es
       fehle Deutschland  an Grund  und Boden. "Wir dürfen nicht verges-
       sen, daß Deutschland wieder mehr Lebensraum finden kann bei Nach-
       barn, die diesen Raum nicht brauchen und ihn mit Sklavenarbeitern
       für ihre  Kolchosen  besetzt  halten."  BdV-Vizepräsident  Jaksch
       (SPD) wandte  sich gegen  die Kritiker der Heimatvertriebenen und
       sagte, von  einem "großdeutschen Gedanken" könne heute keine Rede
       mehr sein,  aber der  Gedanke an  die 17 Millionen Deutschen, die
       "als Kriegsgefangene  des Kalten Krieges unter Bewachung deutsch-
       sprechender Russen  hinter Stacheldraht  leben", müsse  alle "mit
       heiliger Unruhe erfüllen".
       Stuttgarter Zeitung v. 12.5.61
       
       "FESTREDNER" KLEIST ENTGLEISTE
       ==============================
       
       Rechtfertigungsversuche für  Hitlers Angriffskrieg  und kritische
       Bemerkungen über  Kennedys "rosarote  und himbeerfarbene" Berater
       beinhaltete die "Festansprache", die der ehemalige Ministerialdi-
       rigent im  Ribbentrop-Außenministerium, Dr. Peter Kleist, vor der
       98. Tagung  des Weinheimer  Seniorenconvents und  des  Weinheimer
       Verbandes alter  Korpsstudenten in Weinheim gehalten hat. Kleist,
       der vor  2000 Band  und Mütze  tragenden Korpsstudenten  sprechen
       konnte, ist  als Starautor des neonazistischen Schütz-Verlages in
       Göttingen bekanntgeworden.
       "Festredner" Dr.  Kleist hatte  nach den am Dienstag in Bonn vor-
       liegenden Berichten  vor der Korpsstudententagung, die bereits am
       Wochenende stattfand,  u.a. erklärt, daß Hitler den zweiten Welt-
       krieg nur  deshalb angefangen  habe, um  ein "schweres Unrecht zu
       beseitigen". Dr. Kleist hatte in seinem Referat "Deutschland, Eu-
       ropa und  der Ost-West-Konflikt"  außerdem erklärt, daß Präsident
       Kennedy ebenso  wie früher  Präsident Roosevelt  "von einer Mann-
       schaft rosaroter  und himbeerfarbener  Intelligenz umgeben"  sei,
       die dem kalten Krieg ausweiche und ihn deshalb verlieren werde.
       Wie aus  Weinheim bekannt  wurde, haben  sich offizielle Sprecher
       des Weinheimer  Seniorenconvents nach der "Festrede" von bestimm-
       ten Teilen der Ausführungen von Dr. Kleist distanziert.
       Hamburger Echo v. 17.5.61
       
       GRÜBER HINTERLIESS GROSSEN EINDRUCK
       ===================================
       
       "In Dantes  Inferno konnten  die Menschen noch klagen und weinen,
       aber durch  die Nazis  sind Millionen  Menschen  umgekommen,  die
       nicht einmal  mehr klagen  konnten", sagte der Propst von Berlin,
       Heinrich Grüber,  gestern im  Prozeß gegen Adolf Eichmann. Grüber
       wurde von  der Anklage  als Zeuge  gehört und  anschließend - zum
       Teil ziemlich  hart -  von Eichmanns Verteidiger Robert Servatius
       ins Kreuzverhör genommen.
       Trotz mehrfacher  Ermahnung des  Vorsitzenden  an  das  Publikum,
       Kundgebungen zu  unterlassen, erhielt  Propst Grüber  Beifall von
       den Zuhörern,  wie zum  Beispiel, als  er von  Servatius  gefragt
       wurde, wieso  er, obwohl  unter Bewachung  durch die Gestapo noch
       Auslandsreisen habe  unternehmen können  und  darauf  antwortete,
       "weil ich  einen gültigen Reisepaß hatte, in dem kein 'J' gestem-
       pelt war."  Eisiges Schweigen  herrschte im Saal, als Grüber über
       seine eigene  Haft im  Konzentrationslager erzählte. "Die größten
       Brutalitäten sind  niemals offenkundig  geworden, dafür  gibt  es
       keine Zeugen  oder Akten. Sie vollzogen sich in Bunkern, und die,
       die lebend begraben wurden, können nicht mehr sprechen."
       Einmal habe  der Kommandierende  General von Stettin seinen Adju-
       tanten zu  ihm, Grüber, geschickt, damit er als Kirchenmann gegen
       die Judendeportationen etwas unternehme. "Ich ließ ihm antworten,
       wenn ich  Kommandierender General von Stettin wäre, gäbe es keine
       Transporte."
       Über seinen  persönlichen Eindruck  von Eichmann  befragt,  sagte
       Propst Grüber  aus: "Ich gewann den Eindruck, daß er ein Eisblock
       war. Andere  bekamen den  gleichen Eindruck.  Er war  ein  Lands-
       knecht, kein Soldat. Ein Landsknecht." Wenn er in Uniform gewesen
       sei seien sein Gewissen und seine Gefühle dahingegangen. "Das ist
       der Unterschied zwischen ihm und einem Soldaten."
       Propst Grüber  hinterließ im Gerichtssaal einen nachhaltigen Ein-
       druck. Der  würdevolle, weißhaarige  Geistliche bat  Eichmann mit
       den Worten  um Nachsicht:  "Ich hoffe,  daß der  Angeklagte nicht
       schlecht von  mir denkt.  Ich kam  nicht mit Haß in meinem Herzen
       oder mit Rachegefühlen hierher"...
       Der Propst  erbat sich  ein Schlußwort. Er zitierte in Erinnerung
       an den  Tag, an dem er in Dachau für tot gehalten wurde und unter
       Leichen lag,  das Bibelwort:  "Gott hat  mich wachsen  lassen  im
       Lande meines  Elends." Er hoffe, daß auch die Juden, die durch so
       viel Leid gegangen seien, einmal ähnlich bekennen würden.
       Der Mittag v. 17.5.61
       
       PROPST GRÜBER ALS ZEUGE IM EICHMANN-PROZESS
       ===========================================
       
       Eindringlich schilderte der Zeuge die an den Juden in Sachsenhau-
       sen und  in Dachau, wohin er später übergeführt wurde, begangenen
       Grausamkeiten, für  deren schrecklichste es weder Zeugen noch Do-
       kumente gebe.  In den  Konzentrationslagern erfuhr  Propst Grüber
       auch von  der Vergasung Invalider und angeblich Invalider, darun-
       ter Nichtjuden  in deutschen  Heilanstalten. Die  Vernichtung der
       Juden in Auschwitz wurde ihm bekannt, als die Häftlinge von Sach-
       senhausen ganze  Wagenladungen von Kleidern sortieren mußten, die
       von dort  zurückkamen. Grüber  wurde beinahe selber das Opfer der
       tödlichen medizinischen  Menschenversuche, als  ihn der Lagerarzt
       von Dachau,  Dr. Rascher, eines Tages, nachdem er ihn mit dem üb-
       lichen Gruß  "Schwein" begrüßt hatte, als "nicht mehr lagerfähig"
       erklärte. Obwohl  ein gebrochener  Mann, setzte der Zeuge, als er
       dank der  Intervention vor allem seiner Gattin im Juni 1943 frei-
       gelassen wurde, seine Hilfstätigkeit für die Juden, die nun ille-
       gal erfolgen mußte, fort...
       Fragen des  Verteidigers wie  auch der Richter veranlaßten Propst
       Grüber zu Bemerkungen mehr allgemeiner Natur. Er läßt anfängliche
       Begeisterung für  den Nationalsozialismus  als Entschuldigung für
       die späteren  Verbrechen nicht  gelten. Die  "Bekennende  Kirche"
       schloß sich  gegen die  "Deutschen Christen"  zusammen, die unter
       den Einfluß  der Nationalsozialisten geraten waren,  u n d  v o n
       e i n e r     ö f f e n t l i c h e n     I n t e r v e n t i o n
       d e s   d a m a l i g e n   P a p s t e s,  P i u s'  X I.,  g e-
       g e n   d i e   J u d e n v e r f o l g u n g e n  w e i ß  d e r
       Z e u g e   n i c h t s.  Dagegen wisse er, daß der Papst alle im
       Bereich seiner  Möglichkeiten liegende  Hilfe gewährt  habe.  Die
       größte Bereitschaft  zur Hilfe  für die  Juden fand Grüber in der
       A r b e i t e r s c h a f t,  die die Hemmungen nicht kannte, die
       er sehr oft bei Akademikern angetroffen habe.
       Auf die  Frage nach  der Bereitwilligkeit der Schweiz, Juden ein-
       wandern zu lassen, bemerkte der Zeuge, diese Bereitwilligkeit sei
       in allen  Ländern sehr gering gewesen, auch in der Schweiz, wo er
       und seine  Freunde immer  wieder hätten intervenieren müssen. Bei
       den in  Berlin akkredierten  Botschaftern und Gesandten seien sie
       auf sehr  wenig Verständnis  gestoßen. Zusammen  mit katholischen
       Freunden hielt  Grüber den  Kontakt mit Lösener vom Innenministe-
       rium aufrecht,  da dieser  ein einsatzbereiter  Mann gewesen sei.
       Grüber erwähnte  auch katholische  Bischöfe in  Deutschland,  die
       sich für  die  Juden  eingesetzt  hätten.  Das  allgemeine,  aber
       anonyme Schuldbekenntnis,  dem man heute in Deutschland begegnet,
       erscheint Grüber  ungenügend. Jeder  Politiker, der dem Ermächti-
       gungsgesetz zugestimmt  hat, jeder  Theologe, der die Dämonie des
       Regimes nicht erkannte, müsse konkret seine Schuld anerkennen.
       In einem persönlichen Wort schloß Propst Grüber seine Aussage mit
       dem Wunsch  dieser Prozeß möge nicht nur dazu beitragen, das Ver-
       hältnis zwischen  Israel und  Deutschland zu klären, sondern auch
       der ganzen  Menschheit helfen. Liebe die hier gegeben und Schuld,
       die dort vergeben wird, mögen sich vor Gottes Thron finden.
       Neue Zürcher Zeitung v. 18.5.61.
       
       ISRAEL VERABSCHIEDET PROPST GRÜBER MIT HOCHACHTUNG
       ==================================================
       
       Welches Maß achtungsvoller Sympathien Propst Grüber als erster im
       Prozeß gegen  Adolf Eichmann  aufgetretener nichtjüdischer  deut-
       scher Zeuge  mit  seinen  vielstündigen  Aussagen  gewonnen  hat,
       zeigte sich  eindrucksvoll, als  Grüber das  Land wieder  mit dem
       Flugzeug verließ.  Neben vielen alten und neuen Freunden wurde er
       auch von  einer Delegation  des Landesverbandes  der KZ-Häftlinge
       und von Regierungsvertretern herzlich verabschiedet. Ein Heim für
       Waisenkinder wird  nach seinem  Namen genannt  werden. Zahlreiche
       Einladungen erreichten  ihn. "Eine  Welle von  Liebe strömte  mir
       überall entgegen", sagte Grüber mit Berechtigung.
       Schon im Gerichtssaal hatte dieser starke Allgemeineindruck - wie
       berichtet -  zu spontanen  Beifallskundgebungen geführt,  die der
       Vorsitzende mehr  der Form halber rügte. Dr. Landau war sogar von
       der sonst unverbrüchlichen Übung abgegangen, sich nur der hebräi-
       schen Sprache  zu bedienen,  und hatte  Propst Grüber auf deutsch
       gedankt.
       So war  es auch weit mehr als eine Geste konventioneller Höflich-
       keit, daß  er am Vernehmungstag als Tischgast des früheren Außen-
       ministers und  Ministerpräsidenten Mosche  Sareth geladen  wurde,
       der in  Israel vielfach  als Verkörperer höchster Werte öffentli-
       cher Moral  angesehen wird.  Auch ein Zusammentreffen Grübers mit
       Professor Martin Buber wurde im gleichen Sinn vielfach beachtet.
       Frankfurter Rundschau v. 20./21.5.61
       
       ISRAELISCHE PRESSESTIMMEN ZU GRÜBER
       ===================================
       
       Mehrere Blätter,  darunter die Abendzeitung "Maariv" in Tel Aviv,
       wurden durch  den Zeugen  an das biblische Bild vom "Gerechten in
       Sodom" erinnert.  "Dieser Mann",  schrieb  der  nationalreligiöse
       "Hatsofeh", "kam  wegen seiner Hilfe für die Juden und seines of-
       fenen Kampfes  für sie  ins Konzentrationslager und stand vor den
       Toren des  Todes." -  "Ein Mann,  der in  Gottes Ebenbilde lebt",
       schrieb der  unabhängige "Haaretz"  über Grüber, der "durch seine
       Aufrichtigkeit, seine  Humanität und  seinen Mut" das Gericht er-
       griffen habe. "Es bestand kein Gegensatz", fügte das Blatt hinzu,
       "zwischen seiner  energischen Anklage und der Unterstreichung des
       Nichthassens, das  er in seinem Herzen allen gegenüber empfindet,
       sogar Eichmann gegenüber. Das Nichthassen entspricht seiner Welt-
       anschauung als  Mensch und als Seelsorger... Alle im Saal spürten
       seine Ehrlichkeit  und waren  zutiefst ergriffen, zu erleben, daß
       es noch  einen solchen  Menschen in  unserer Generation gibt, der
       das Erlebnis der Nazikatastrophe und die dämonische Ermordung von
       Millionen tief  im Gedächtnis hat." Der Kommentator des "Haaretz"
       fügte hinzu,  daß Dr.  Grübers Zeugenaussage ein "Denkmal in Wor-
       ten" gemeißelt  habe, das  für immer  im Bewußtsein des jüdischen
       Volkes bleiben  werde und  vielleicht sogar in der Erinnerung der
       Menschheit.
       Im sozialistischen  "Davar", dem amtlichen Organ des israelischen
       Gewerkschaftsbundes "Histadrut",  schrieb Dr.  Mosche Tavor, vor-
       mals Pressechef  an der  Israelmission in  Köln:  "Zwei  Deutsche
       standen sich gestern gegenüber: Adolf Eichmann, der Vertreter des
       nazistischen Mörderregimes,  und Propst Dr. Grüber, der Vertreter
       jenes anderen  Deutschland, das  sehr lange  Zeit nicht  sichtbar
       war, da  es 'untergrund'  hatte gehen müssen, als es verfolgt und
       zum Schweigen  gezwungen wurde.  Im Jahre  1945 kam es wieder zum
       Vorschein und  versucht seit  damals, den  Namen der ganzen deut-
       schen Nation  zu reinigen,  und wenn  die Welt einmal bereit sein
       wird, Deutschland zu verzeihen, so wird das nur wegen jener klei-
       nen Gruppe  geschehen, die  wahren Großmut  der Seele  zeigte und
       nicht zu irgendwelchen Gewissenskompromissen bereit war..."
       Stuttgarter Zeitung v. 18.5.61
       
       PROPST GRÜBER HINTERLÄSST EINEN TIEFEN EINDRUCK
       ===============================================
       
       Dem Propst  sind bereits am Mittwoch zahlreiche spontane, zustim-
       mende Schreiben aus der israelischen Bevölkerung zugegangen; ohne
       Übertreibung läßt  sich feststellen,  daß seine  Aussage wie auch
       die von ihm zur Schuldfrage vor dem Gericht vorgetragenen Ansich-
       ten, gleich  wie man zu ihnen steht, dem deutschen Volk in Israel
       einen großen  moralischen Dienst erwiesen haben, jedenfalls einen
       weitaus größeren als manches platonische Reuebekenntnis, das seit
       1945 ausgesprochen wurde.
       FAZ v. 18.5.61
       
       
       DER NAME GLOBKE FIEL IM EICHMANN-PROZESS
       ========================================
       
       Im Jerusalemer  Prozeß gegen  Adolf Eichmann  ist  der  Name  des
       Staatssekretärs im  Bonner Bundeskanzleramt, Hans Globke, gestern
       zum erstenmal  erwähnt worden.  Eichmann selbst wurde im weiteren
       Verlauf der  Verhandlung als  der  "allmächtige  Funktionär"  be-
       schrieben, der  alle Entscheidungen  in Judenfragen getroffen und
       die Auswanderung  von Juden aus Europa blockiert habe, um sie dem
       nazistischen Vernichtungsprogramm zuzuführen.
       In einem  von der  Anklage gestern  vorgelegten Dokument wird der
       jetzige Staatssekretär  im Bundeskanzleramt, Globke, als Teilneh-
       mer an einer Sitzung erwähnt, auf der sich Beamte und Funktionäre
       des Dritten  Reiches am 15. Januar 1941 mit der Beschlagnahme jü-
       dischen Besitzes beschäftigen. In der Sitzung, an der Adolf Eich-
       mann nicht teilgenommen hatte, soll einem Entwurf zugestimmt wor-
       den sein, wonach der Besitz von Juden, die die deutsche Staatsan-
       gehörigkeit verloren hatten, eingezogen werden sollte.
       Unter den  von der  Anklage vorgelegten  Dokumenten befindet sich
       das Protokoll  jener Sitzung, an der Globke als Vertreter des da-
       maligen  Reichsinnenministeriums   an  der  Sitzung  teilgenommen
       hatte.
       Hans Globke befindet sich seit zwei Wochen in einem Krankheitsur-
       laub im  Ausland. In  seiner Abwesenheit  wurde gestern  abend im
       Bundeskanzleramt jeder Kommentar zu dem im Eichmann-Prozeß vorge-
       legten Dokument verweigert.
       Der Mittag v. 13./14.5.61
       
       PROPST GRÜBER ZUM FALL GLOBKE
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       Skepsis über  die Rolle, die der Staatssekretär im Bundeskanzler-
       amt, Dr.  Globke, angeblich während des Dritten Reiches im Wider-
       stand gegen  die Judenpolitik  Hitlers geleistet  haben will, äu-
       ßerte am  Donnerstagabend Propst Heinrich Grüber in einem Presse-
       gespräch, das  in dem  nach ihm benannten jüdischen Altersheim in
       Berlin-Zehlendorf  geführt   wurde.  Grüber  bezeichnete  es  als
       "ausgemachten Quatsch",  daß Globke  nach der  Darstellung  einer
       Zeitung sofort  ans Telefon geeilt sei, um den damaligen Berliner
       Kardinal Graf  Preysing von juden- und kirchenfeindlichen Maßnah-
       men des  Reichsinnenministeriums sofort zu informieren. In dieser
       Form sei das seiner eigenen Erfahrung nach nicht möglich gewesen.
       Grüber bestätigte  nochmals nachdrücklich, daß er und seine poli-
       tischen Freunde  keinen Kontakt  zu Globke  hatten und daß er nie
       etwas über dessen Rolle als Widerstandskämpfer gehört habe... Gr-
       über bedauerte,  daß die  Bundesregierung nichts  getan habe,  um
       sich aktiv  in die  Fahndung nach  Eichmann einzuschalten und daß
       nicht Männer,  wie beispielsweise Globke, die die Rolle Eichmanns
       genau kannten, die Initiative ergriffen hätten...
       Wie Grüber mitteilte erhält er seit seiner Rückkehr aus Jerusalem
       tagtäglich Schmähbriefe,  die ihm vorwerfen, "das eigene Nest be-
       schmutzt zu  haben". Zustimmende  Briefe zu  seiner Haltung kämen
       vor allem von Jugendlichen.
       Frankfurter Rundschau v. 27.5.61
       
       FRÜHERER SS-GENERAL DURCH EICHMANN-PROZESS BELASTET
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       Die Überprüfung  der Versorgungsansprüche  des früheren  Generals
       der Waffen-SS und der Polizei, Winkelmann, hat das schleswig-hol-
       steinische Finanzministerium eingeleitet.
       Winkelmann, der  in Bordesholm  bei  Kiel  Gemeindevertreter  der
       Christlichen Demokraten  ist und  nach dem  Gesetz zu Artikel 131
       des Grundgesetzes  das Ruhegehalt  eines Polizeiobersten bezieht,
       ist durch  Aussagen im Eichmann-Prozeß in Israel belastet worden.
       Er soll  auf Grund  eines Rechtshilfeersuchens  der  israelischen
       Staatsanwaltschaft vom  Amtsrichter in  Bordesholm als Zeuge ver-
       nommen werden.
       Wie ein Sprecher des Finanzministeriums mitteilte, ist Winkelmann
       bei der Entnazifizierung zunächst in die Kategorie III, später in
       IV eingestuft  worden. Nach  dem  Entnazifizierungsbescheid  soll
       sich Winkelmann an den Untaten der SS nicht beteiligt haben.
       Die Welt v. 19.5.61
       
       SALAZAR BEFÜRWORTET ENGERES ZUSAMMENGEHEN
       =========================================
       MIT SÜDAFRIKA UND RHODESIEN
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       "Die Verteidigung  gegen den  Terrorismus würde  ein wesentlicher
       Dienst sein, den Portugal und die Südafrikanische Union der Sache
       des Friedens in Afrika und dem Fortschritt und Wohlergehen seiner
       Völker leisten  könnten", erklärte der portugiesische Regierungs-
       chef dem  Leitartikler H.  Rowland Hill  von den  "Cape Times" in
       Kapstadt.
       Als wesentlichsten  Eindruck, den Hill in seinem Gespräch gewann,
       hält er  fest, daß  der portugiesische  Staatsmann felsenfest vom
       schließlichen Erfolg seiner "Politik des friedlichen Fortschritts
       für alle"  sowohl in  Portugal als  auch in  dessen überseeischen
       Provinzen überzeugt  ist. Als Salazar dies erklärte, lag ein gan-
       zer Stoß  von Depeschen über Gewalttätigkeiten in Angola auf sei-
       nem Pult.
       Auf die  Frage, ob  keine Änderung in der Verwaltung Angolas oder
       Mozambiques geplant  sei, erwiderte  Portugals Ministerpräsident,
       daß solche  mit Sicherheit  zu erwarten  seien. Schon  allein die
       kulturellen und  wirtschaftlichen Fortschritte  in diesen  beiden
       Provinzen  erforderten   offenen  Sinn  und  Anpassungsfähigkeit.
       "Unser herzlichster  Wunsch", bemerkte er, "geht dahin, durch die
       jetzt stattfindende  ökonomische Entwicklung  - und  die  weitere
       Verbreitung portugiesischen  Geistesgutes -  jene Schicht zu ver-
       größern, die dazu herangezogen werden soll, die verschiedenen öf-
       fentlichen und privaten Aufgaben zu übernehmen und zu lösen."
       Was jedoch  den Prozentsatz  der afrikanischen Völker angeht, die
       geeignet sind,  große Gebiete selbst zu verwalten, so weichen die
       Ansichten der  Portugiesen sehr  stark von  jenen ab,  welche die
       belgische Regierung hatte oder die das Vereinigte Königreich noch
       heute vertritt.
       In  der   Beurteilung  der  administratorischen  Fähigkeiten  der
       schwarzen Afrikaner  stimmen die  Portugiesen dagegen  mit  jenen
       Südafrikanern überein,  die über eine lange Erfahrung in der Ver-
       waltung der Eingeborenen verfügen.
       Im diametralen Gegensatz zu den Verhältnissen in der Südafrikani-
       schen Union  werde ein  Schwarzer oder Mischling, der portugiesi-
       sches Denken  und portugiesische  Lebensart vollkommen übernommen
       hat, als gesellschaftlich und politisch gleichberechtigt betrach-
       tet. Daß  diese Assimilierten  in der Oberschicht verhältnismäßig
       selten sind,  ist nach  portugiesischer Ansicht  nicht der Fehler
       des Systems.  Die Ursache  liege in  der Unfähigkeit  der  großen
       Masse der Schwarzen, sich über ihr gemeinsames Niveau selbstsüch-
       tiger Mittelmäßigkeit  und  primitiver  Prahlsucht  emporzuarbei-
       ten...
       Salazar tadelte  ausdrücklich den "Geist der Kapitulation und der
       Schwäche", die  Chimären der  Ästheten und Träumer, die es vorzö-
       gen, im Lehnstuhl über die Gleichheit aller Menschen zu theoreti-
       sieren, statt  die harten  Aufgaben des  Regierens zu übernehmen,
       die täglich die Ungleichheit der Menschen enthüllten.
       Auf die Frage, ob Südafrika ihm helfen könne, antwortete Salazar:
       "Die Verteidigung  gegen den  Terrorismus würde  ein wesentlicher
       Dienst sein, den Portugal und Südafrika der Sache des Friedens in
       Afrika und  dem Fortschritt und dem Wohlergehen der afrikanischen
       Völker erweisen könnten."
       Basler Nachrichten v. 25.5.61
       
       WEISSE PEITSCHTEN NEGERFREUNDE AUS
       ==================================
       
       Drei Weiße  sind in  Sylacauga (Alabama) von anderen Weißen über-
       fallen und ausgepeitscht worden, weil sie mit Farbigen befreundet
       waren. Zwei  von ihnen wurden aus ihrem Haus gezerrt, in eine ab-
       gelegene Gegend  gebracht, ausgezogen,  und von sechs Männern ge-
       schlagen.
       Die Opfer  erklärten, daß  ihnen die  Männer gesagt  hätten,  die
       Schläge seien  die Strafe für ihre Freundschaft mit Farbigen und,
       daß sie einem Farbigen erlaubt hätten, ihr Kind zu schlagen. Ähn-
       lich ist  es einem  dritten Mann ergangen, der von drei Weißen in
       seiner Wohnung geschlagen wurde, weil er ein farbiges Mädchen als
       Wärterin für seine beiden Kinder angestellt hatte.
       Neue Ruhr-Zeitung v. 16.5.61.
       
       DIE AKTIVITÄT DE KU KLUX KLAN IN ALABAMA
       ========================================
       
       Justizminister Robert  Kennedy sah sich gezwungen, aus dem Norden
       Hunderte von  "United States  Marshalls", das  heißt  Bundesvoll-
       streckungsbeamten, nach  Montgomery, der  Hauptstadt Alabamas, zu
       entsenden, um  den unglaublichen Gewalttätigkeiten, die sich dort
       abspielten und weiter abzuspielen drohen, ein Ende zu setzen. Der
       Gouverneur Alabamas,  der bekannte Segregationist John Patterson,
       der sich  schon zur Zeit des Beginns der gewaltlosen Protestbewe-
       gung der Neger unter Führung Pfarrer Martin Luther Kings im Auto-
       busboykott von  Montgomery  unrühmlich  auszeichnete,  drohte  am
       Pfingstsonntag dem  Abgesandten Justizminister  Robert  Kennedys,
       dem Assistant  Attorney  General  des  Bundes,  Byron  White  aus
       Washington, mit  der Verhaftung der rund vierhundert "Marshalls",
       die, mit  gelben Armbinden  versehen, zur  Ordnung sehen  sollen,
       welche die  Behörden Alabamas  nicht aufrecht erhalten können und
       wollen. Es  droht sich  ein ernster  Konflikt zwischen Washington
       und Montgomery daraus zu entwickeln.
       Die Spannung geht auf den Plan des "Congress of Racial Equality",
       einer aus Weißen und Negern gebildeten Organisation, zurück. Nach
       diesem Plan  sollen die  Segregationspraktiken der Südstaaten vor
       allem im  zwischenstaatlichen Autobusverkehr und auf den Autobus-
       stationen im  Süden "getestet"  werden. Vor einer Woche reiste zu
       diesem Zweck  eine Gruppe von Studenten beider Rassen, sogenannte
       "Freedom Riders",  im Auftrag dieser Organisation nach dem Süden.
       Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, bis sie nach Alabama kamen.
       Dort hatte der Ku Klux Klan eine "Verteidigungsoperation" organi-
       siert, die  in der Ortschaft Anniston zur Stillegung des Autobus-
       ses, dessen Passagiere die Studenten waren, führte - es wurde ein
       Pneu durchschnitten  - und  es notwendig  machte, daß  eine große
       Zahl der  Studenten sich,  nachdem sie  auf überaus  brutale  Art
       durch die  handfesten Männer  des Ku  Klux Klan verprügelt worden
       waren, in Spitalpflege begeben mußten. Einige Tage darauf wieder-
       holten sich  diese Vorgänge  in Birmingham,  der  Stahlstadt  des
       Südens, ohne daß die Polizei auch nur einen Wank getan hätte. Sie
       erschien erst  auf der Szene, nachdem die Helden des Ku Klux Klan
       sich verzogen  und die  blutig geschlagenen Studenten sich selbst
       überlassen hatten.  Am Pfingstsamstag trug sich in Montgomery der
       Vorgang zum drittenmal, und zwar in besonders brutaler Weise, zu.
       Präsident Kennedy und sein Bruder, der Justizminister, entschlos-
       sen sich  darauf, zu handeln und eine milde Form der Bundesinter-
       vention durch  Entsendung von  "United States Marshalls" anzuord-
       nen. Ein  staatliches Gericht  Alabamas  erließ  eine  sogenannte
       "Injunction", das  heißt ein  Verbot gegen  die "Freedom Riders",
       während ein  Bundesdistriktsgericht in  Alabama gleichzeitig jede
       Gewalttätigkeit gegen  sie untersagte.  Auf Grund ungezählter Ur-
       teile des  Obersten Bundesgerichts über die Verfassungswidrigkeit
       der Rassensegregation  im zwischenstaatlichen  Verkehr - und auch
       der Segregation  auf den Busstationen, Bahnhöfen und Flugplätzen,
       die dieser  Verkehr "anläuft",  besteht kein Zweifel darüber, daß
       Alabama, dessen  Behörden mit  dem Ku Klux Klan im Bunde sind, in
       diesem Konflikt den kürzeren ziehen wird. Wie die Dinge aber lie-
       gen, kann es zu drastischen Bundesmaßnahmen kommen, bis sich Ala-
       bama fügt. Es wäre auch von einem rein politischen Standpunkt aus
       für Kennedy  ruinös, wenn  er die  brutale Unterdrückung der seit
       einigen  Jahren  stark  angewachsenen  Bewegung  der  gewaltlosen
       Durchsetzung der  Negerrechte in  den sogenannten "Sit in"-Demon-
       strationen von Negern und Weißen in den Restaurants der Warenhäu-
       ser und  nun neuerdings  in Busstationen  und Bahnhöfen  tatenlos
       hinnehmen würde.  Die Neger  haben sich  in ihrem  Kampf  um  die
       rechtliche Gleichstellung  jahrzehntelang auf  reine Rechtsmittel
       verlassen deren  praktische Wirkung  jedoch beschränkt blieb. Nun
       gehen sie  einen Schritt  weiter und  versuchen es mit dem Mittel
       der gewaltlosen  Demonstration. Der Busboykott in Montgomery bil-
       dete vor Jahren dazu den Auftakt.
       Neue Zürcher Zeitung v. 23.5.61
       
       AUSRUFUNG DES KRIEGSRECHTES IN MONTGOMERY
       =========================================
       
       In Montgomery brachen neue Unruhen aus. Die Polizei ging mit Trä-
       nengasbomben gegen eine entfesselte Menge Weißer vor, die in eine
       Baptistenkirche der  Neger einzudringen  versuchte, in  der  Rev.
       Martin Luther  King, einer  der schwarzen Führer der Bewegung für
       die Rassenintegration,  eine Ansprache  hielt. Es  ist vorderhand
       nicht bekannt,  ob die  Polizisten von Montgomery oder Angehörige
       der Bundespolizei  waren, welche von den Tränengasbomben Gebrauch
       machten. Der erste Ansturm der Weißen konnte abgeschlagen werden.
       Vor der  Kirche wurde ein parkiertes Auto von den Weißen in Brand
       gesteckt.
       Der Gouverneur  des Staates  Alabama, John  Patterson, hat  ange-
       sichts der neuen Zusammenstöße zwischen Weißen und Schwarzen über
       das Gebiet der Stadt Montgomery das Kriegsrecht verhängt.
       Neue Zürcher Zeitung v. 23.5.61
       
       10 000 PERSONEN IN SÜDAFRIKA VERHAFTET
       ======================================
       
       Nach neuen Massenverhaftungen unter der farbigen Bevölkerung Süd-
       afrikas hat sich die Zahl der in der letzten Zeit von der Polizei
       festgenommenen Personen auf schätzungsweise 10 000 erhöht.
       Kölner Stadt-Anzeiger v. 25.5.61
       
       SÜDVIETNAM - "BOLLWERK DER FREIHEIT"?
       =====================================
       
       Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Lyndon B. Johnson, der
       am Donnerstag  in Saigon  eingetroffen ist,  hielt am Freitag vor
       der südvietnamischen  Nationalversammlung eine  Rede, in  der  er
       Südvietnam vermehrte  amerikanische Hilfe  versprach.  Er  führte
       aus, diese Unterstützung erstrecke sich auf:
       1. Ausbildung und  Bewaffnung der zivilen Garde (bewaffnete Poli-
       zei, welche die Armee unterstützt und gegenwärtig 50 000 Mann um-
       faßt);   2.    Vervollkommnung    der    Selbstverteidigungskorps
       (bewaffnete Zivilisten, welche Verteidigungseinheiten in den Dör-
       fern bilden); Vermehrung der regulären Streitkräfte (heutiger Be-
       stand: 150 000  Mann) um  eine beträchtliche  Zahl; 4. Hebung des
       Erziehungswesen, Förderung  der Landwirtschaft,  Ansiedlung neuer
       Industrien und langfristiges Entwicklungsprogramm.
       Vizepräsident Johnson  erklärte weiter:  "Wir haben  Vertrauen  -
       wachsendes Vertrauen - in Vietnam und in die Stärke, die Sie hier
       aufbauen können.  Wir werden  Ihnen beistehen, weil wir von einem
       tiefen Gefühl  der Verantwortung  für die  Sache des Weltfriedens
       durchdrungen sind.  Ich sehe  voraus, daß  ein starkes,  stabiles
       Vietnam eines  Tages eines  der prosperierenden  und vielverspre-
       chenden Bollwerke  der Freiheit in einem befriedeten Asien bilden
       wird."
       Neue Zürcher Zeitung v. 13.5.61
       
       DIE PROBLEMATIK DER MISSION JOHNSON'S
       =====================================
       
       Die Regierung Kennedy ist bestrebt, ihren asiatischen Verbündeten
       klarzumachen, daß  es in der Auseinandersetzung mit dem Kommunis-
       mus nicht  nur darauf  ankomme, in der militärischen Verteidigung
       stark zu  sein, sondern gleichzeitig die Stärke parlamentarischer
       Demokratie zu  beweisen. Daß  dies sowohl in Korea wie in Formosa
       oder Südvietnam  im wesentlichen  ein frommer  Wunsch bleibt, so-
       lange dort  ultrakonservative Gruppen ein eisernes Regime führen,
       weiß man  nur zu gut. Hier liegt auch, wie in Washington durchaus
       zugegeben wird,  die Grenze der Mission von Vizepräsident Johnson
       in Asien,  die sich in Formosa am deutlichsten zeigte, wo Johnson
       zur  Enttäuschung   selbst  konservativer  amerikanischer  Kreise
       nichts über  die Notwendigkeit  einer Stärkung  echter Demokratie
       unter Tschiang Kai-schek sagte.
       FAZ v. 19.5.61
       
       POLIZEISTAAT UND VETTERNWIRTSCHAFT IN SÜDVIETNAM
       ================================================
       
       Nach Ansicht  eines verantwortlichen  Regierungsbeamten steht die
       südvietnamesische Regierungsstruktur  vor dem Zusammenbruch, weil
       Präsident Ngo  Diem, der  bei der  Wahl am  9. April offiziell 90
       v.H. der  Stimmen erhielt, völlig autoritär regiert und sich aus-
       schließlich auf  eine kleine Gruppe enger Verwandter und Unterge-
       bener verläßt.  In den Provinzen werden - wie Reporter bestätigen
       - die  erfahrenen Zivilgouverneure durch junge Armeeoffiziere er-
       setzt, die  sich lediglich  durch ihre Treue gegenüber dem Präsi-
       denten und ihre Mitgliedschaft in der Lao Nhan Vi, einer vom Bru-
       der des  Präsidenten  geführten  politischen  Geheimorganisation,
       auszeichnen. In der Zentralregierung können die Kabinettsminister
       noch nicht einmal ihre Bürochefs ernennen. Alle Staatsbeamten und
       Armeeoffiziere leben  in dem  Gefühl,  überwacht  zu  werden.  Es
       scheint keine logische Erklärung für die zahlreichen Neuernennun-
       gen zu  geben; ältere Beamte dienen häufig unter sehr viel jünge-
       ren Vorgesetzten.
       Christian Science Monitor, Ende Mai 1961
       
       DIE HINTERGRÜNDE DES PUTSCHES IN SÜDKOREA
       =========================================
       
       Wieder einmal wird - zu Recht oder Unrecht - der Central Intelli-
       gence Agency  die Schuld  gegeben, die  verantwortlichen  Stellen
       nicht rechtzeitig gewarnt zu haben, und einige Kritiker gehen so-
       gar so  weit, ähnliche Verdächtigungen auszusprechen, wie wir sie
       nach dem  algerischen Generalputsch  in Frankreich  gehört haben,
       nämlich daß  die koreanischen  Rechtsputschisten glauben konnten,
       gewisse Hilfe von den amerikanischen Agenten zu erhalten.
       Die amerikanische  Regierung  hat  diese  Verdächtigungen  sofort
       durch die Unterstützung der rechtmäßigen Regierung des Premiermi-
       nisters John  Tschang und  entschiedene Ablehnung der Putschisten
       entkräftet, aber  die Tatsache  bleibt, daß  Gewehre von Truppen,
       die von  Amerikanern trainiert,  ausgerüstet und  beraten  worden
       sind, in der falschen Richtung losgegangen sind. Jede Einheit der
       südkoreanischen Armee  bis herunter zur Divisionsstärke hat einen
       amerikanischen Berater zur Seite. Außerdem stehen zwei amerikani-
       sche Divisionen  im Lande,  deren Hauptaufgabe es ist, einen Teil
       der empfindlichen  Demarkationslinie mit  Nordkorea zu  bewachen,
       während der  größte Teil  dieser Linie von der koreanischen Armee
       besetzt ist.
       Washington fürchtet, daß durch die letzten Ereignisse der von den
       Vereinten Nationen abgeschlossene Waffenstillstand gefährdet wer-
       den könne, da Unruhen in Südkorea leicht Gegenbewegungen in Nord-
       korea auslösen können...
       Die jetzigen Militärputschisten erklärten zwar, daß es ihr einzi-
       ges Ziel  sei, die  weiter bestehende Korruption auszufegen, aber
       weit größere  Probleme von internationaler Tragweite scheinen dem
       Putsch zugrunde zu liegen.
       In Südkorea  gewann im  letzten Jahre eine Bewegung immer mehr an
       Boden, die  eine Aussöhnung  mit Nordkorea  mit  dem  Ziel  einer
       schließlichen Wiedervereinigung der beiden Hälften suchte.
       Besonders unter den radikalen Studenten, die zum Sturze Dr. Rhees
       beigetragen hatten, fand diese Bewegung starkes Echo.
       Während seines Aufenthaltes zur UNO-Generalversammlung im vergan-
       genen Herbst  erklärte Premierminister Chrustschow in einer Pres-
       sekonferenz, er  würde die Wiedervereinigung eines völlig neutra-
       lisierten Koreas  begrüßen, und schlug eine Lösung nach österrei-
       chischem Muster  vor. Er  sagte damals,  daß mit  dem Sturze  Dr.
       Rhees die notwendigen Vorbedingungen für eine solche Regelung ge-
       schaffen seien. Die koreanischen Militärs scheinen nun gefürchtet
       zu haben, daß sich der Fall Laos in Korea wiederholen könnte, und
       haben losgeschlagen,  ehe die  Laoskonferenz in  Genf richtig  in
       Fluß kommen  konnte. Daher  glaubten sie auch, schnell amerikani-
       sche Unterstützung  finden zu können, und betonten bereits in ih-
       ren ersten Kundgebungen, daß ihre Aktion proamerikanisch sei. Sie
       schienen jedoch  nicht erkannt zu haben, daß die Kennedyregierung
       absolut nicht  in neue militärische Abenteuer in Asien verstrickt
       zu werden  wünscht; sie  hat daher  nicht allein  in Söul  und in
       Washington den  Rechtsputsch verurteilt, sondern auch der besorg-
       ten japanischen  Regierung sofort  die Versicherung  gegeben, daß
       keine amerikanischen militärischen Kräfte in der Krise verwickelt
       seien. Denn  Japan fürchtet, daß es sofort in die neue Koreakrise
       hereingezogen werden würde, falls die Amerikaner, wie während des
       Koreakrieges, ihre Basen in Japan für den Nachschub in Korea ein-
       setzen sollten...
       Die bisherige  auf das Parlament gestützte Regierung des Premier-
       ministers Tschang  galt in Washington keinesfalls als prokommuni-
       stisch, wenn  sich auch  eine neutralistische  Stimmung in weiten
       Bevölkerungskreisen fühlbar machte.
       Korea liegt  als neuer  Schatten über  Washington, und die Haupt-
       sorge ist  hier vor  allem, daß  die koreanischen Truppen entlang
       der Demarkationslinie  in Schach  gehalten und  so internationale
       Zwischenfälle vermieden werden können.
       Die Tat (Zürich) v. 19.5.61
       
       VERHAFTUNG VOON LINKSPOLITIKERN
       ===============================
       
       Die Behörden der Militärjunta haben sechs Journalisten des sozia-
       listischen Organs  "Min Jok Ji Bo" verhaftet, darunter den Direk-
       tor und  den Chefredakteur. Es handelte sich hierbei um die erste
       Maßnahme des Revolutionären Komitees gegen Elemente, die verdäch-
       tigt werden,  kommunistenfreundlich eingestellt  zu sein und Kon-
       takte zwischen Süd- und Nordkorea zu begünstigen.
       Die Tat (Zürich) v. 19.5.61
       
       DIE RECHTS-DIKTATUR IN SÜDKOREA
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       Intellektuelle und  sozialistisch denkende Arbeiter und Studenten
       befürchten Verfolgungen;  viele von  ihnen flohen  aus der Haupt-
       stadt. Kommunisten und Leute, die mit dem Norden liebäugeln, sind
       von der Verhaftung bedroht. Die Junta hat bereits einige Redakto-
       ren sogenannter  kommunistischer Blätter aufgegriffen und ins Ge-
       fängnis geworfen.
       Neue Zürcher Zeitung v. 20.5.61
       
       GENERAL CHANG: KEINE KONTAKTE
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       Generalleutnant Chang  Do Yung erklärte an einer Pressekonferenz,
       die 32  Mitglieder des  Revolutionsrates würden  für  unbestimmte
       Zeit die Regierungsvollmacht übernehmen, obschon noch gewisse zi-
       vile Behörden  ihre Funktionen  weiterhin ausüben  werden. Jedoch
       wolle man die Zeitspanne der militärischen Herrschaft auf ein Mi-
       nimum beschränken...
       Im weiteren  seien bereits  Schritte unternommen  worden, die vom
       Revolutionsrat angestrebte  Politik des  Antikommunismus zu  ver-
       wirklichen, erklärte  Chang weiter. Bereits seien 930 Kommunisten
       oder vermutliche  Kommunisten verhaftet worden. Über jeden dieser
       Verhafteten würden  Nachforschungen angestellt, die zu einer Ent-
       lassung oder  einer schweren  Bestrafung führen würden. In diesem
       Zusammenhang warnte Chang auch die Studenten und andere Elemente,
       welche Kontakte  mit den nordkoreanischen Kommunisten befürwortet
       hatten.
       Über seine  Regierungspolitik betreffend einen Zusammenschluß der
       beiden Teile Koreas erwähnte Chang, daß Südkorea alle Anstrengun-
       gen unternehmen  werde, um Nordkorea in jeder Beziehung überlegen
       zu sein.  Dies sei  eine der wichtigsten Bestrebungen der Revolu-
       tion, doch seien Verhandlungen über einen Zusammenschluß, wie sie
       in den  letzten Monaten wiederholt gefordert wurden, nicht zu er-
       warten. "Wir wollen uns den Kommunisten nicht beugen."
       Neue Zürcher Zeitung v. 20.5.61
       
       NICHT NUR DIE KOMMUNISTEN...
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       Die neue  südkoreanische Regierung  erließ am Freitag ein Dekret,
       das sehr  schwere Strafen  für die  Anhänger des Kommunismus vor-
       sieht. Das  vom Chef  des  revolutionären  Militärrates,  General
       Chang Do  Yung, unterzeichnete  Dekret bezeichnet den Kommunismus
       als die  "potentielle Bedrohung  der Staatssicherheit" und verur-
       teilt als "feindliche Gruppen des Staates" nicht nur die Kommuni-
       stische Partei,  die in Südkorea seit jeher verboten ist, sondern
       auch alle  anderen politischen  Parteien, die ein dem Kommunismus
       ähnliches Programm  aufweisen. Allgemein wird angenommen, daß da-
       mit die in Südkorea zugelassenen sozialistischen Parteien gemeint
       sind. Den Kommunismus und ihren Agenten wurde bis Montag Zeit ge-
       geben, sich der Regierung freiwillig zu stellen.
       Neue Zürcher Zeitung v. 23.5.61
       
       AUFLÖSUNG ALLER POLITISCHEN PARTEIEN
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       Die Militärjunta  in Söul gab am Montag die Auflösung aller poli-
       tischen Parteien  in Südkorea bekannt. Weiter wurde die Auflösung
       aller Sozialorganisationen verfügt, worunter voraussichtlich auch
       die Gewerkschaften  fallen. In  dem Dekret  heißt es,  die Auflö-
       sungsverfügung trete am 23. Mai in Kraft.
       Neue Zürcher Zeitung v. 23.5.61
       
       "SONSTIGE MISSETÄTER"...
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       Am Samstagmorgen  gab General  Chang Do Yung, der Chef der südko-
       reanischen Militärregierung, bekannt, seit dem vergangenen Diens-
       tag seien ungefähr 3500 Personen, worunter 930 kommunistenfreund-
       liche Abgeordnete,  verhaftet worden. Ferner seien im Verlauf von
       Razzien, die  in den  wichtigsten Städten des Landes durchgeführt
       wurden, 2259 sonstige Missetäter festgenommen worden.
       Neue Zürcher Zeitung v. 23.5.61
       
       GENERAL CHANG - DER KOREANISCHE "KREUZRITTER"
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       Zur Sprunghaftigkeit  des militärischen  Diktators  gesellt  sich
       eine gute Dosis von Nationalismus sowie von religiösem Eifer, er-
       fährt man  doch,  daß  er  als  praktizierender  Katholik  engste
       freundschaftliche Beziehungen  zu einem  amerikanischen  Priester
       der Mary  Knoll-Gemeinde unterhält und sich von diesem Frater in-
       timus auch politisch beraten läßt. Der ganzen militärischen Revo-
       lution haftet  damit etwas vom Charakter eines Kreuzzuges an, ein
       Wort, das Chang selber brauchte. Die Kommunisten sind als Häreti-
       ker zu  behandeln, die  scharfen Maßnahmen  gewinnen den Anstrich
       inquisitorischen Vorgehens.  Washington hat  es  vorläufig  abge-
       lehnt, eine ofiizielle Einladung des Weißen Hauses an den General
       ergehen zu lassen. Dies stellt keinen gewollten Affront dar, son-
       dern erklärt sich aus dem Besuchsprogramm Präsident Kennedys.
       Neue Zürcher Zeitung v. 27.5.61
       
       UNIVERSITÄTSAUSTAUSCH HAMBURG-ROSTOCK
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       Ein umfangreiches  Austauschprogramm zwischen  der Hamburger  und
       der Rostocker Universität wird noch im Sommersemester 1961 anlau-
       fen. Mit diesem Verhandlungsergebnis sind drei Vertreter der Ham-
       burger Studentenschaft in diesen Tagen aus Rostock zurückgekehrt.
       Der Rektor  der Universität Rostock, der Agronom Prof. Dr. Rudolf
       Schick, hatte  die Studenten eingeladen, die Beziehungen der bei-
       den Universitäten,  die schon  seit langem in einem patenschafts-
       ähnlichen Verhältnis  verbunden sind, im persönlichen Gespräch zu
       klären.
       Mit dieser  ersten offiziellen  Einladung eines ostdeutschen Rek-
       tors an westdeutsche Studenten haben die Ost-West-Beziehungen auf
       Universitätsebene ein  neues Stadium erreicht. Die Gespräche zwi-
       schen den  Hamburger Studenten  und den  Vertretern der Rostocker
       Universität sind  nach dem  Bericht der Teilnehmer in größter Of-
       fenheit und in freundschaftlicher Atmosphäre geführt worden.
       * Ab sofort wird ein ausgedehnter Briefwechsel zwischen einzelnen
       Studenten der  beiden Universitäten  gestartet, der den geistigen
       Austausch fördern  und spätere  persönliche Begegnungen einleiten
       soll.
       * Noch in  diesem Sommersemester wollen sich die Sportgruppen der
       beiden Universitäten zu einem größeren Wettkampf treffen.
       * Ab sofort werden die Studentenzeitungen der Hamburger Universi-
       tät auch  in Rostock und umgekehrt die Rostocker Studentenzeitun-
       gen auch in Hamburg verkauft.
       * Im Herbst  soll ein Austausch der beiden Studentenbühnen statt-
       finden.
       * Die Studentenchöre sollen im Februar des nächsten Jahres ausge-
       tauscht werden.
       In technischen  Einzelheiten ungeklärt  blieb noch  die Frage des
       Studentenaustausches. Bereits  im Juli  1960 hatte  die Hamburger
       Studentenschaft aus ihrem eigenen Verwahrkonto zwei Stipendien in
       der Höhe  von 250  DM für  Rostocker Studenten  zur Verfügung ge-
       stellt. Ein ähnliches Angebot war kurze Zeit darauf auch von sei-
       ten der  Rostocker Universität  erfolgt. Die Schwierigkeiten, die
       sich -  zum Beispiel - aus den verschiedenen Ausbildungswegen er-
       geben, konnten jedoch bis jetzt noch nicht überwunden werden. Die
       Verhandlungen laufen aber weiter.
       Die Anregung,  auch die Dozenten zu gegenseitigen Gastvorlesungen
       einzuladen, wird  in den nächsten Tagen vor dem Senat der Hambur-
       ger Universität erörtert werden.
       Der Rektor  der Universität Hamburg, Professor Thielicke, der den
       Besuch der  Studenten in Rostock ausdrücklich gebilligt hat, will
       jetzt versuchen,  einen Weg  für mögliche  Kontakte zwischen  den
       Rektoren zu finden.
       Hamburger Echo v. 17.5.61.
       
       KEINE AUFTRÄGE FÜR DIE DEUTSCHEN WERFTEN
       ========================================
       
       Seit der  Aufwertung der D-Mark hat die gesamte deutsche Werftin-
       dustrie nur  einen einzigen Auftrag aus dem Ausland erhalten. Sie
       hat in den ersten vierzehn Tagen nach der Umstellung nachweislich
       Aufträge im  Werte von  277 Millionen  D-Mark verloren. Falls die
       Bundesregierung nicht  schnellstens Maßnahmen  zur Wiederherstel-
       lung der  internationalen Wettbewerbsfähigkeit  verfügt, sind die
       Arbeitsplätze von  100 000 Beschäftigten  ernsthaft bedroht.  Das
       teilte Direktor Schecker vom Verband Deutscher Schiffswerften ge-
       stern in Hamburg mit.
       Hamburger Echo v. 13./14.5.61
       
       KANADAS GETREIDEÜBERSCHÜSSE FÜR CHINA
       =====================================
       
       Nach seiner  Rückkehr aus  Hongkong hat  der kanadische Landwirt-
       schaftsminister Hamilton vor dem Unterhaus in Ottawa den Abschluß
       eines neuen Getreidelieferungsabkommens mit China bekanntgegeben.
       Das neue  Abkommen sieht  noch größere  Mengen vor  als das erste
       große kanadisch-chinesische  Abkommen vom  Januar dieses  Jahres.
       Während der  erste Kaufvertrag  die Lieferung  von 750 000 Tonnen
       Weizen, 360 000  Tonnen Gerste  und 32 500  Tonnen Mehl mit einem
       Gesamtwert von  66 Millionen  Dollar vorgesehen hatte, sind jetzt
       Vereinbarungen über  Lieferungen von 5,1 Millionen Tonnen Weizen,
       1,3 Millionen  Tonnen Gerste und von einer nicht bekanntgegebenen
       Menge Mehl  getroffen worden. Für den Gegenwert von 362 Millionen
       Dollar und von weiteren 66 Millionen Dollar aus dem ersten Abkom-
       men wird  Kanada der  Volksrepublik China Sonderkredite mit einer
       Laufzeit von  zweieinhalb  Jahren  einräumen.  Ein  Globalvertrag
       wurde von  beiden Ländern bereits unterzeichnet. Einzelkontrakte,
       die zu  25 Prozent  bar und zu 75 Prozent innerhalb von 270 Tagen
       in Pfund  Sterling zu  bezahlen sind,  sollen noch  abgeschlossen
       werden. Auf  Grund des neuen Abkommens ist Kanada der größte Wei-
       zenlieferant Chinas geworden.
       FAZ v. 4.5.61
       
       KAVIAR NACH "EXODUS"
       ====================
       
       Der amerikanische  Film "Exodus",  der außerhalb  des Wettbewerbs
       die Filmfestspiele in Cannes eröffnete, ist von der französischen
       Kritik unterschiedlich  aufgenommen worden.  Zwar habe  der  Film
       zahlreiche bewegende  Szenen, im  ganzen sei  er aber zu lang und
       verworren, wurde  eingewandt. Das  Werk Otto Premingers schildert
       nach dem  Roman von Leon Uris in drei Stunden und zwanzig Minuten
       den Kampf um die Unabhängigkeit Israels.
       Für viele  der 350 geladenen Gäste war die Darstellung der Leiden
       des jüdischen  Volkes nur  der Auftakt zu einem prächtigen Essen,
       zu dem  40 Kilo Kaviar und eine Zigeunerkapelle mit einem Sonder-
       flugzeug herbeigeholt worden waren.
       Ein Teil  des illustren Publikums - darunter Curd Jürgens mit Ti-
       rolerhütchen und  die Schwester  Präsident Kennedys  -  flog  an-
       schließend wieder  nach Paris  zurück, während  der  französische
       Film "Himmel  und Schlamm"  ("Le Ciel  et la Boue") gestern abend
       den Reigen  der 29  Spielfilme eröffnete,  die sich um die Preise
       bewerben.
       Der Mittag v. 5.5.61
       
       DIE "ALS-OB-DEMOKRATIE"
       =======================
       
       Die Wählerschaft  muß zum mindesten die Illusion erhalten, daß um
       ihre Stimmen  gekämpft und daß an ihr politisches Temperament ap-
       pelliert werde.
       Friedrich Sieburg in der FAZ v. 20.5.61
       
       EHEMALIGER SAARMINISTER GEHT ZUR DFU
       ====================================
       
       Der frühere  Arbeitsminister in der Hoffmann-Regierung und ehema-
       lige Vorsitzende der aufgelösten Sozialdemokratischen Partei Saar
       (SPD), Richard  Kirn, hat  sich für  die  Deutsche  Friedensunion
       (DFU) erklärt.  Kirn, der  sich seit  1955 nach der Ablehnung des
       von ihm  befürworteten europäischen  Saarstatuts nicht mehr poli-
       tisch betätigt  hatte und auch bei dem Zusammenschluß seiner Par-
       tei mit  der SPD  nicht mitwirkte,  meinte in einer Rede, die auf
       einer DFU-Kundgebung  in Saarbrücken  verlesen wurde, die Saarbe-
       völkerung habe  einen Besitzstandsverlust größten Ausmaßes erlit-
       ten. "Die  Enttäuschten und Irregeführten müssen wieder Vertrauen
       zur Demokratie  finden. Hierzu  scheint mir die Deutsche Frieden-
       sunion geradezu prädestiniert zu sein."
       Deutsche Zeitung v. 30.5.61
       

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