Quelle: Blätter 1961 Heft 06 (Juni)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ZWEI ENTSCHLIESSUNGEN DES HESSISCHEN AUSSCHUSSES
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       DER LANDBEVÖLKERUNG GEGEN ATOMTOD
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       Die Kirche ist dem Frieden verpflichtet
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       Das Zerwürfnis zwischen West- und Ostdeutschland ist auch militä-
       risch vorhanden. Bundeswehr und Volksarmee bedrohen einander.
       Zur Überwindung  dieses bewaffneten Gegensatzes zwischen der Bun-
       desrepublik und  der DDR bedarf es der eindeutigen und nachdrück-
       lichen friedlichen  Initiative der  Kirchen in  Deutschland.  Der
       zweigeteilte deutsche Militarismus ist bis heute vor allem deswe-
       gen wirksam,  weil ihm  weder im  Westen noch  im Osten  die klar
       kirchliche Entscheidung  für den  Frieden und  also für die Abrü-
       stung begegnet.
       Anstatt jeder  deutschen Aufrüstung  entgegenzutreten, haben  die
       Kirchen mit der westdeutschen Wehrpflicht paktiert, indem sie die
       sog. Militärseelsorge einrichteten. Das militaristische Denken in
       der Kirche  verrät sich  auch durch das ausdrückliche Angebot der
       Evangelischen Kirche  in Deutschland,  den Streitkräften  der DDR
       ebenfalls diese Militärseelsorge zu stellen.
       Die Begünstigung  des Militärs,  der Ausbildung  zum Töten, durch
       die Kirchen,  ihr sog. Segnen der Waffen, ist das schädliche, der
       eigentlichen kirchlichen  Aufgabe entgegengesetzte Verhalten. Die
       Militärkirche sabotiert  den Frieden;  sie verachtet  Gott, ihren
       Herrn, und  die von ihm geschaffenen Menschen, indem sie die Ver-
       wendung der Waffen ihrer Vernichtung als gottgewollt hinstellt.
       Wir halten  die Kirche  für verderbt  und gefährlich, solange sie
       nicht die sog. Militärseelsorge aufkündigt.
       Die rechte  Kirche wird  heute gerade daran zu erkennen sein, daß
       sie auch den Soldaten den Frieden ihres Herrn predigt. Im Evange-
       lium des  Lukas steht geschrieben: "Es fragten ihn aber auch Sol-
       daten: Und  was sollen  wir tun?  Und er sprach zu ihnen: Begehet
       gegen niemand Gewalttat noch Erpressung und begnüget euch mit eu-
       rem Solde!"
       Erinnert euch, daß für den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima ein
       Militärpfarrer gebetet hat, und besteht darauf, daß sich die Kir-
       chen von solcher Versündigung trennen!
       
       Der Luftschutz ist eine deutsche Krankheit
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       In beiden  Teilen Deutschlands gibt es eifrige Bemühungen der Be-
       hörden um  den sog. Luftschutz. Diese aussichtslosen Bestrebungen
       und Anstrengungen  verraten, wie sehr die Deutschen noch an mili-
       taristischen und kriegspsychotischen Vorstellungen erkrankt sind.
       Nihilistisch und  pervers ist die Beteuerung der Luftschutzpropa-
       ganda, es  gelte auf  jeden Fall  wenigstens einer Minderzahl der
       Menschen ein  Überleben im  Kriegsfall zu sichern. Hoffnungs- und
       gewissenlos wird  so mit  der Vernichtung  der Mehrzahl gerechnet
       und auf die Katastrophe hingewirkt.
       Die Vorstellungen,  die mit  einem künftigen Krieg sich abfinden,
       sind verzweifelt und verbrecherisch. Die Vorbereitungen dazu sind
       wahnwitzig.
       Wir ermahnen  und bitten deshalb die Regierungen in der Bundesre-
       publik und  in der  DDR, dem  gemeingefährlichen Unfug  der Luft-
       schutzvorbereitungen Einhalt zu gebieten.
       Verantwortlich und  nötig ist  es, alle  Gedanken und alle Kräfte
       mutig auf das Wagnis des Friedens zu richten.
       Wer vom  Ernstfall, vom  Krieg, vom  Luftschutz spricht, frevelt,
       weil er  dem Untergang  dient, anstatt dem friedlichen Dasein der
       Menschen.
       Hessischer Ausschuß der Landbevölkerung gegen Atomtod.
       Gießen, den 6. Mai 1961.
       Verantwortlich für den Inhalt: Pfr. Grißhammer, Vorsitzender
       

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