Quelle: Blätter 1961 Heft 06 (Juni)


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       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       DAS BEISPIEL LAOS
       =================
       Eine Dokumentation
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       ...
       Das Drama  von Laos zerfiel in zwei Akte: Die Zerstörung der Gen-
       fer Neutralitätspolitik  durch die  Vereinigten Staaten  und  die
       Niederlage von  Washingtons Politik des militanten Anti-Kommunis-
       mus.
       Times v. 29.3.1961
       ...
       ...
       A.v.B.
       ...
       Prinz Sihanouk's Neutralisierungs-Vorschlag
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       ...
       Der Staatschef von Kambodscha, Prinz Norodom Sihanouk, gab am 18.
       November 1960  in Paris eine Grundsatzerklärung über seine außen-
       politischen Ziele  ab, in der es nach AFP hieß: "Ich habe bereits
       in den  Vereinigten Nationen  meinen Plan zur Neutralisierung von
       Laos und  Kambodscha dargelegt. In dieser besonders empfindlichen
       Zone Asiens  sollte eine Gruppe von Pufferstaaten geschaffen wer-
       den, die  einen direkten  Kontakt zwischen den Mächten des Ostens
       und Westens  verhindern kann. Die von Kambodscha befolgte Neutra-
       litätspolitik ist  imstande, Laos  aus der gefährlichen Lage her-
       auszubringen, in  der es sich gegenwärtig befindet. Diese Neutra-
       litätspolitik, die  von den Großmächten garantiert werden sollte,
       würde es ermöglichen, die internen Rivalitäten zu beschwichtigen,
       welche die  Laoter entzweien  und die  gegenwärtig von  außen her
       eifrig genährt werden."
       ...
       Neutralismus für den Westen günstiger
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       ...
       Das Foreign Office ist... der Auffassung, daß von den Vereinigten
       Staaten nicht  General Nosavan, sondern der neutralistische Mini-
       sterpräsident Prinz Souvanna Phouma, der nach Kambodscha geflüch-
       tet ist,  hätte unterstützt  werden sollen.  Man glaubt in White-
       hall, ein neutralistisches Regime in Laos wäre für den Westen we-
       niger gefährlich  gewesen als  der Kampf  zwischen einem  "russi-
       schen" und einem "amerikanischen" Lager.
       Neue Zürcher Zeitung v. 12.12.60
       ...
       Die amerikanisch-thailändische Intervention in Laos
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       ...
       Die Agentur  Tass verbreitet  eine vom  "Radio der loyalistischen
       Streitkräfte" in  Hanoi ausgestrahlte  Erklärung  des  Hauptmanns
       Kong Le, in der es heißt: "Nach fünf Tagen heroischen Ringens ge-
       gen die  von den  Vereinigten Staaten,  Thailand und der verräte-
       rischen Clique Phoumi Nosavans und Boun Oums durchgeführte Aggre-
       sion haben  die Regierungsstreitkräfte des Pathet Lao und die be-
       waffnete Jugend den Befehl erhalten, ihre Stellungen in Vientiane
       aufzugeben und den Kampf weiterzuführen."
       Die sowjetische  Nachrichtenagentur Tass  berichtete unter Bezug-
       nahme auf  die nordvietnamische Nachrichtenagentur, im Namen "der
       legitimen Regierung  des Prinzen Souvanna Phouma" habe Informati-
       onsminister Pholsena  "die Aggression  gegen Laos und die Verlet-
       zung der  laotischen Souveränität  durch amerikanische Imperiali-
       sten und  thailändische Reaktionäre  scharf verurteilt."  Der An-
       griff gegen  Vientiane sei von amerikanischen Offizieren geleitet
       worden. Unter den Truppen Phoumi Nosavans befänden sich Offiziere
       und Soldaten  aus Thailand,  den Philippinen, Südvietnam und For-
       mosa. Die Vereinigten Staaten hätten den Rebellen Sturmwagen, Ka-
       nonenboote, Flugzeuge, Geschütze und Mörser geliefert. Die Rebel-
       len hätten die Botschaften der Vereinigten Staaten, Thailands und
       Südvietnams als  Stützpunkte gegen die Regierungstruppen benützt.
       Zum Schluß  forderte Pholsena alle Länder, die an der Genfer Kon-
       ferenz von 1954 teilgenommen hatten, sowie alle afrikanischen und
       asiatischen Länder  und alle friedliebenden Regierungen auf, "die
       Aggression gegen Laos zu verurteilen und den Kampf des laotischen
       Volkes zu unterstützen."
       Die Tat (Zürich) v. 20.12.60
       ...
       Sinnvoller Neutralismus
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       ...
       Heute sollte  es offensichtlich  sein, daß neutralistische Regie-
       rungen, wie diejenigen in Afghanistan, Nepal, Indien und Burma an
       den Grenzen Chinas, die chinesischen Befürchtungen wegen des ame-
       rikanischen "Imperialismus"  beschwichtigen und  innerhalb dieser
       Länder selbst  die politischen Spannungen vermindern. Ihr Neutra-
       lismus führt  keineswegs dazu, daß sie in den chinesischen Macht-
       bereich einbezogen  oder der  chinesischen politischen Infiltrie-
       rung preisgegeben  werden.  Eine  neutralistische  Regierung  ist
       überdies nicht  weniger besorgt darum, ihre nationalen Interessen
       zu verteidigen,  wenn, wie im Falle von Indien, ein Konflikt ent-
       stehen sollte.
       Times v. 24.12.60
       ...
       Souvanna Phouma - die Schlüsselfigur
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       ...
       Der laotische  Bürgerkrieg scheint  eine tragische Entwicklung zu
       nehmen. Prinz  Souvanna Phouma  und die meisten Mitglieder seiner
       neutralistischen Regierung  sind in  die neutralen  Staaten Burma
       und Kambodscha  geflüchtet. Mit  Prinz Souvanna  Phouma  ist  die
       e i n z i g e   Persönlichkeit gegangen,  die gegenwärtig  in der
       Lage gewesen  wäre, die  widerstreitenden Elemente der laotischen
       Innenpolitik unter  einen Hut  zu bringen  und damit  zu gleicher
       Zeit zu einem Kompromiß mit dem kommunistisch orientierten Pathet
       Lao unter  Führung seines  Stiefbruders Prinz  Souvannouphong und
       dem prowestlichen "Revolutionären Komitee" von General Phoumi No-
       savan zu kommen.
       Die Tat (Zürich), v. 29.12.60
       ...
       Invasion des Vietminh in Laos?
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       ...
       Einem Communique  der laotischen  Regierung ist zu entnehmen, daß
       fünf Bataillone des kommunistischen Vietminh in Laos eingedrungen
       sind.
       AFP, 30.12.60
       ...
       Hanoi dementiert
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       ...
       Die Regierung  des kommunistischen Nordvietnam hat am Freitag die
       Berichte dementiert,  wonach Nordvietnam  sich in  die Unruhen in
       Laos eingemischt  und Fallschirmjäger  in Nordlaos gelandet habe.
       Gleichzeitig beschuldigte Nordvietnam laut Radio Hanoi die Verei-
       nigten Staaten, derartige grundlose Anklagen aufzugreifen, um die
       Regierung Ho Chi Minhs in Mißkredit zu bringen. Washington versu-
       che damit nur, "seine eigene flagrante Aggression in Laos zu ver-
       bergen".
       UPI, 30.12.60
       ...
       Washington gegen Einberufung der Überwachungskommission
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       ...
       Wie von  offizieller Seite  am Freitag  in Washington verlautete,
       hat der  amtierende amerikanische  Staatssekretär Livingston Mer-
       chant in  einer Unterredung  mit dem indischen Botschafter Chagla
       den indischen  Vorschlag abgelehnt,  die  internationale  Überwa-
       chungskommission für  Laos erneut  einzuberufen. Die  Vereinigten
       Staaten haben  außerdem andere interessierte Regierungen von die-
       sem Entscheid in Kenntnis gesetzt. Die Überwachungskommission war
       nach der  Genfer Indochinakonferenz 1954 gebildet worden. Ihr ge-
       hörten Indien, Kanada und Polen an.
       UPI, 30.12.60
       ...
       Die amerikanische Einmischung
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       ...
       Die Lage  in Laos  hat nun  den Punkt  erreicht, an  dem sie sich
       nicht weiter  versteifen darf. Auf Wegen, über die das amerikani-
       sche Volk  niemals ausreichend  unterrichtet worden ist, hat sich
       seine Regierung tief in die inneren Angelegenheiten von Laos ver-
       strickt.
       Walter Lippmann in: New York Tribune (Europ. Ed.) v. 30.12.60
       ...
       Die USA für den Bürgerkrieg verantwortlich
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       ...
       Wenn der  außenpolitische Kurs  der Regierung  von Prinz Souvanna
       Phouma auch  immer einen  Neutralismus à  la Kambodscha  bedeutet
       hätte, so wäre dem Lande zumindest ein Bürgerkrieg oder eine kom-
       munistische Machtergreifung erspart geblieben. Für diesen Bürger-
       krieg tragen die Amerikaner weitgehend die Verantwortung, denn er
       wäre ausgeblieben, wenn General Phoumi nicht militärische und mo-
       ralische Hilfe von den USA und dem benachbarten Thailand erhalten
       hätte.
       Süddeutsche Zeitung v. 30.12.60
       ...
       Die Schuld der Amerikaner
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       ...
       Korrespondenten, die soeben aus Ostasien zurückgekommen sind, sa-
       gen übereinstimmend,  die sich  ständig zuspitzende  Lage in Laos
       sei nur  darauf zurückzuführen,  daß die  Amerikaner sich mit der
       neutralistischen Regierung  Souvanna Phouma nicht hätten abfinden
       wollen und  ihr ständiges Drängen auf das Herausstellen pro-west-
       licher Vertreter  schließlich die  anti-westlichen Kräfte so sehr
       mobilisiert hat,  daß augenblicklich  die prokommunistischen Ver-
       treter über die Neutralisten die Oberhand gewonnen haben.
       Die Zeit v. 30.12.60
       ...
       Großbritannien gegen die amerikanische Laos-Politik
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       ...
       Die britische  Regierung ist  der Auffassung, mit einer Regierung
       auf breiter Basis, die die verschiedenen politischen Elemente des
       Landes repräsentiert,  könne Laos  zwischen Ost  und West neutral
       bleiben. Das  ist ein  Differenzpunkt zwischen Großbritannien und
       den USA,  die das  gegenwärtige Regime  in Laos unterstützen, die
       ausgesprochen prowestliche Regierung des Ministerpräsidenten Boun
       Oum... Verschiedene  britische Zeitungen  haben erklärt,  daß die
       USA verantwortlich seien für die Auseinandersetzung in Laos, weil
       sie es  abgelehnt hätten,  eine stabile neutralistische Regierung
       zu unterstützen...  Zusammen mit  der Behauptung, Laos könne neu-
       tral bleiben,  sagen die  Briten, die  Laoten wünschten nicht, in
       den Kampf zwischen Ost und West verstrickt zu werden.
       New York Times (Intern. Ed.) v. 30.12.60
       ...
       Die fatalen Folgen der amerikanischen Laos-Politik
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       ...
       Die USA bestanden darauf, daß alle, die nicht für sie sind, gegen
       sie sind,  und dadurch  hat Washington  tatsächlich manche Kräfte
       gegen sich aufgebracht... Sie wurden in die Arme ihrer Gegner ge-
       trieben. Seit  Monaten schien dies unvermeidlich zu sein. Überra-
       schend ist nur, daß verschiedene kommunistische Regierungen nicht
       schon früher mit großer Schärfe reagierten.
       The Guardian v. 2.1.61
       ...
       Keine echten Beweise
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       ...
       Das britische  Außenministerium gab  am Sonntagabend bekannt, daß
       es bisher  nicht über "echte Beweise" eines Eingreifens nordviet-
       namesischer Truppen in den laotischen Bürgerkrieg verfüge... Auch
       von offizieller  französischer Seite wurde am Montag erklärt, man
       habe bisher keine Bestätigung dafür erhalten, daß nordvietnamesi-
       sche Truppen in den laotischen Bürgerkrieg eingegriffen hätten.
       Frankfurter Rundschau v. 3.1.61
       ...
       Fragwürdige "antikommunistische" Verbündete
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       ...
       Es ist  eine der  schlimmen Tatsachen der amerikanischen Diploma-
       tie, daß - genau wie in Kuba, Korea und der Dominikanischen Repu-
       blik -  die Amerikaner in Laos korrupte semi-faschistische Regie-
       rungen unterstützen, um die Kommunisten fernzuhalten.
       Daily Express v. 3.1.61
       ...
       Der amerikanische Anti-Neutralismus
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       ...
       Es ist  offensichtlich, daß  die Regierung  Souvanna Phouma durch
       eine amerikanisch  unterstützte Rebellion gestürzt worden ist. Es
       ist also nicht verwunderlich, wenn die kommunistischen Mächte aus
       den Ereignissen den Schluß ziehen, es sei den Amerikanern nun mit
       gleicher Münze  heimzuzahlen. Das  scheinen sie  auch zu tun: die
       Berichte über  die sowjetrussische Luftversorgung der Truppen des
       Hauptmanns Kong  Le sind  ohne Zweifel  zutreffend. Der entschei-
       dende Punkt  ist aber,  daß die  Sowjetunion und  Nordvietnam die
       Verwirklichung der  Genfer Laos-Weisungen  von 1954 fordern, wäh-
       rend die  USA sich  nie dazu bequemen wollten, diese Weisungen zu
       sanktionieren. Die  Vereinigten  Staaten  wollen  kein  neutrales
       Laos. Sie  ziehen es vor, ein weiteres Land aufzuspalten, wenn es
       ihnen dabei  bloß gelingt, die eine Hälfte unter ihrem Einfluß zu
       behalten. Diese  Haltung widerspricht  klarerweise den Interessen
       des lautischen Staatswesens und Volkes.
       Dr. Hans Fleig in: Die Tat (Zürich) v. 3.1.61
       ...
       The German to the front
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       ...
       Die "New York Times" berichtet am Montag, daß ein geheimnisvoller
       amerikanischer General,  ein ehemaliger Deutscher, der an der Mi-
       litärakademie in  West Point  den Spitznamen "der Preuße" erhielt
       und dessen Existenz von der Armee und dem Pentagon verneint wird,
       die laotischen Regierungstruppen in ihrem Kampf gegen die prokom-
       munistischen Streitkräfte des Pathet Lao schule.
       Jack Raymond,  einer der  Washingtoner Korrespondenten  der  "New
       York Times", meldete aus der amerikanischen Bundeshauptstadt, die
       Erfolge, welche  die laotische  Regierung bisher gegen den Pathet
       Lao errungen  habe, könnten  weitgehend der Ausbildung durch eine
       besondere amerikanische Einheit unter Leitung des erwähnten Gene-
       rals zugeschrieben werden. Der Korrespondent, der sich auf Infor-
       mationen von gut unterrichteter Seite in Washington stützt, weist
       darauf hin,  daß es  sich bei  dem mysteriösen  General um den 48
       Jahre alten  John Arnold  Heintges handle,  der als  Leiter einer
       Sondergruppe von  über hundert  Technikern  von  den  Vereinigten
       Staaten im  Rahmen der  Genfer Indochina-Abkommen  vom Jahre 1954
       nach Laos  beordert wurde, um die Laoten anzuleiten, wie sie ame-
       rikanische (militärische) Ausrüstungen zu unterhalten und zu ver-
       wenden hätten.
       Raymond berichtet,  daß Heintges  im  Jahre  1936  an  der  Mili-
       tärschule in  West Point die Abschlußprüfung bestand und zum Rang
       eines Brigadegenerals  emporstieg. Sein  Name war  im offiziellen
       Armeeregister bis  Ende 1958  aufgeführt. In  den Jahren 1959 und
       1960 war  Heintges darin nicht mehr vermerkt. Im Verteidigungsde-
       partement fand  sich niemand, der zugeben wollte, daß er Heintges
       kenne, wiewohl man wußte, daß er nach Laos beordert wurde.
       In der  Meldung heißt  es, Heintges  sei 1912  in Koblenz geboren
       worden. Im  vergangenen Krieg diente er mit der 3. amerikanischen
       Division in  Frankreich und Italien. Nach dem Weltkrieg diente er
       bei westdeutschen  Truppen als  militärischer Berater. Heute soll
       er sich in einem Armeelager bei Vientiane aufhalten.
       Reuter, 9.1.61
       ...
       Russischer Einmarsch in Laos?
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       ...
       Der laotische Informationsminister Norasingh erklärte am Dienstag
       an einer  Pressekonferenz, der Kommandant der Regierungsoperatio-
       nen in  der Provinz  Xieng Khouang, Oberst Khamkhone, habe mitge-
       teilt, daß russische Truppen in Laos einmarschiert seien und sich
       zusammen mit  nordvietnamesischen und laotischen Guerillas an den
       Kämpfen in dieser Provinz beteiligten.
       Reuter, 11.1.61
       ...
       Der große Bluff
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       ...
       Es gibt keine ausländische Invasion in Laos, dem kleinen Nachbarn
       Rot-Chinas. Es  gibt keine Bataillone kommunistischer Truppen aus
       Nord-Vietnam, Chinas  Satelliten-Staat, die  über Berg-Dschungel-
       Straßen einmarschieren,  um eine Situation zu schaffen, die einen
       neuen koreaähnlichen Krieg entfachen könnte.
       In den fünf Tagen, seitdem der Regierungssender in Laos anfing zu
       schreien, daß  fünf rote  Bataillone -  später wurde die Zahl auf
       sieben erhöht - die Grenze von Nord-Vietnam überschritten hätten,
       gab es nicht eine einzige Schlacht und nur ein paar Unfälle.
       Ich weiß  es aus den zuverlässigsten Quellen, die in Laos erhält-
       lich sind,  einem Land der Lügen und Übertreibung, daß es keiner-
       lei Beweise für irgendwelche größeren nordvietnamesischen Einhei-
       ten gibt, die auf laotischem Boden operieren.
       Was in diesen Minuten in Laos passiert, ist eine verstärkte Fort-
       setzung eines  alten Kampfes.  Einheimische Guerilla-Truppen, die
       für den  Kommunismus sind,  bekämpfen die  Rechts-Regierung,  die
       sich selbst prowestlich nennt.
       Rußland leistet den Guerillas Hilfe. Der Grund dafür ist, so sagt
       Moskau, daß sie auf der Seite der "legitimen" Regierung sind, die
       von den Kräften des rechten Flügels gestürzt worden ist.
       Natürlich hat  die russische  Unterstützung den  Guerilla-Truppen
       einen mächtigen Auftrieb gegeben.
       Aber nach  Meinung aller  westlichen Botschafter  in Laos scheint
       die sowjetische  Unterstützung nicht  einmal ein  Vorspiel  einer
       groß angelegten Invasion zu sein.
       Wir befinden  uns nicht  am Abgrund eines zweiten Korea. Laos hat
       die Dinge  gefährlich hochgespielt  und die Situation so ziemlich
       an den Punkt der Explosion gebracht.
       Aber gerade  das paßt  der Rechts-Regierung. Der Premierminister,
       Prinz Boun  Oum, weiß,  daß sein  System unpopulär ist. Er hofft,
       dadurch Unterstützung  zu gewinnen,  daß er  Laos als Opfer einer
       Aggression von außen hinstellt.
       Die Regierung  des Prinzen  denkt sich, daß, je stärker die Span-
       nungen, sie um so mehr amerikanische Hilfe hereinziehen kann.
       Für die ersten ein oder zwei Tage hielt die Regierung die Welt in
       Atem. Beginnend  mit dem "Invasions"-Schrei des Radios am letzten
       Freitagmittag hat  sie eine Flut von alarmierenden Berichten los-
       gelassen.
       Die amerikanische  Botschaft in  der Hauptstadt Vientiane ordnete
       an, daß  alle nicht unabkömmlichen Angestellten abreisen sollten.
       Die Regierungsämter wurden von indischen und siamesischen Staats-
       angehörigen belagert, die in aller Eile Ausreise-Visa haben woll-
       ten, und  die das  nächste Flugzeug  oder die  nächste  Flußphäre
       schnappten, um rauszukommen.
       Aber jetzt läuft die Aufregung aus wie Bier aus einem geborstenen
       Faß und ein klareres Bild der Wahrheit tritt zutage.
       Rote Kader aus Nord-Vietnam scheinen die Vorhut eines Ablenkungs-
       angriffes der laotischen Kommunisten über die Grenze gebildet und
       sich dann zurückgezogen zu haben.
       Das ist die Art von Manöver, wie sie sie schon seit Jahren ausge-
       führt haben.
       Diesmal sind  sowjetische  Iljuschin-Transport-Flugzeuge  darüber
       geflogen. Augenscheinlich haben sie rebellierende Fallschirmjäger
       der laotischen  Armee abgesetzt, die jetzt auf der Seite der lao-
       tischen Kommunisten stehen.
       Die von  Hauptmann Kong Le angeführten Fallschirmjäger vertrieben
       laotische Regierungstruppen  von einem  wichtigen  Flugplatz  mit
       Mörser- und Artilleriefeuer.
       Diese Niederlage ließ die laotische Regierung ihr Gesicht verlie-
       ren. Die Niederlage konnte am besten erklärt werden mit Geschich-
       ten von einem Angriff von starken Truppen von außerhalb.
       So dachte  sich die Regierung auf dem Wege der Erklärung die Gei-
       ster-Geschichte von  den sieben  roten Bataillonen  aus, die  von
       Nord-Vietnam einmarschiert  seien. Die  Invasionsangst war ausge-
       brochen.
       Frische Alarmmeldungen  folgten schnell. Dem Informationsminister
       von Laos,  Bouavan Norasing, wurde erzählt, daß der Radio-Kontakt
       mit einem Außenposten der Regierung in der Phong Saly Provinz un-
       terbrochen sei. Er erzählte der üblichen Vormittags-Presse-Konfe-
       renz, daß  die Provinz  selbst gefallen sei. Ein Reporter fragte:
       "An wen gefallen?" Der Minister drückte mit seinem Finger auf den
       Tisch, starrte an die Decke und antwortete: "An chinesisch-kommu-
       nistische und nordvietnamesische Truppen."
       So hatten wir jetzt auch Rot-China drin.
       Was aber wirklich passierte in Phong Saly, war, das wurde mir von
       westlichen Militär-Attachés  versichert, daß  eine Garnison über-
       gelaufen ist,  was Garnisonen bekanntermaßen vorher schon in Laos
       getan haben.
       So wurde  der Welt  fälschlicherweise ein beunruhigendes Bild von
       3000 patriotischen  Regierungssoldaten gegeben, die bis zur letz-
       ten Kugel kämpften und schwere Verluste von übermächtigen Kräften
       erlitten haben,  während sie in Wirklichkeit zur Gegenseite über-
       gelaufen sind, ohne auch nur einen Schuß zu feuern.
       Oberst Khammouane  Boupha, der  dortige militärische  Kommandeur,
       ist bekannt als wankelmütig, bereit sich auf die jeweils stärkere
       Seite zu schlagen. Wir könnten so jederzeit von einem ruhmreichen
       Sieg der  Regierungsseite hören  - das  heißt mit anderen Worten,
       daß der Oberst seine Meinung wiederum geändert hat.
       Ich würde  sagen, daß  es unter den westlichen Diplomaten in Laos
       weniger nervöses Nägel-Kauen gibt als in Washington oder in Bang-
       kok, Hauptquartier-Städten  der  Südwest-Asien-Pakt-Organisation,
       die sich vorgenommen hat, diesen Teil der Welt vor einer kommuni-
       stischen Aggression zu schützen.
       Der Grund für diese Ruhe ist, daß die Diplomaten ein besseres un-
       mittelbares Bild von dem bekommen, was wirklich geschieht.
       Die Leute,  die das  ungenaueste Bild  bekommen, sind diejenigen,
       die die Meldungen lesen, die von der laotischen Regierung weiter-
       gegeben werden.
       Um einen  Bericht überhaupt aus Laos herauszukriegen, muß man zu-
       erst einen  Zensor erwischen.  Es gibt drei Zensoren - alle Mini-
       ster -  und diese  streichen im  Turnus das aus dem Bericht eines
       Reporters, was  nicht mit  der Regierungsversion  der  Ereignisse
       übereinzustimmen scheint.  Die Zensoren  sind selten in ihren Bü-
       ros. Man  kann sie  auf einer Cocktail-Party finden, oder auf dem
       Tennisplatz, im  Bett oder im Bad. Das ist die Art und Weise, wie
       sie ihren Krieg führen.
       Deshalb bin  ich nach Bangkok geflogen, um diesen Bericht zu sen-
       den.
       Daily Express, Mitte Januar 61
       ...
       Die pro-westliche Regierung gibt zu: Schwindelmanöver!
       ------------------------------------------------------
       ...
       Die Regierung  von Laos  gestand heute, daß sie blinden Alarm ge-
       schlagen hat, als sie behauptete, kommunistische Truppen seien in
       das Land  eingedrungen. Die  pro-westliche Regierung  des Prinzen
       Boun Oum sagte, daß ihre Hilfsgesuche an internationale Organisa-
       tionen nur der inneren Propaganda hatten dienen sollen.
       New York Times (Intern. Ed.) v. 27.1.61
       ...
       Frankreich für neutrales Laos
       -----------------------------
       ...
       Die ganze  Linie der  französischen Politik  geht darauf aus, die
       Neutralität von Laos wiederherzustellen; denn es sei viel klüger,
       diesen Staat  als neutrales Niemandsland zu erhalten, als die Ge-
       fahr heraufzubeschwören,  daß es, wie Korea oder Indochina, teil-
       weise oder ganz kommunistisch werde.
       FAZ v. 21.1.61
       ...
       Senator Mansfield für neue Laos-Politik
       ---------------------------------------
       ...
       Der demokratische  Fraktionsführer im amerikanischen Senat, Mans-
       field, hat am Sonntagabend vorgeschlagen, Laos zu neutralisieren.
       Diese Neutralität sollte von Indien, Pakistan und Afghanistan ga-
       rantiert werden.  Mansfield sagte  in einem Fernsehinterview, die
       Zeit für  eine neue  Politik in Laos sei gekommen. Die USA hätten
       in den  letzten sechseinhalb  Jahren "zuviel Zeit und Energie" in
       Laos verschwendet,  ohne Erfolge  ihrer Politik aufweisen zu kön-
       nen.
       DPA, 6.2.61
       ...
       Späte Einsicht!
       ---------------
       ...
       Eine Neutralisierung  von Laos wird von der Regierung Kennedy als
       bester Ausweg  aus einer  Lage angesehen,  die hier  für noch be-
       drohlicher gehalten wird, als es der koreanische Krieg war.
       Die Welt v. 13.3.61, Bericht aus Washington
       ...
       Vorposten der "Freien Welt"?
       ----------------------------
       ...
       Ein ziemlich  großes Gebäude  mit geschlossenen  Fenstern und mit
       Militärpolizisten in  den Eingängen  macht darauf aufmerksam, daß
       sich seit der Zeit des milden Prinzen Souvanna Phouma manches ge-
       ändert hat. Es ist die von General Phoumi eingeführte "Gestapo".
       FAZ v. 25.3.61, Bericht aus Vientiane
       ...
       Die sowjetische Auffassung
       --------------------------
       ...
       Wenn die  Vereinigten Staaten von Amerika die Existenz eines neu-
       tralen und  unabhängigen Laos  wünschen, so  ist es klar, daß sie
       nichts tun  dürfen, was  den  Kriegskonflikt  in  Laos  ausdehnen
       könnte. Thailand  darf nicht  als Durchgangsetappe für die Unter-
       stützung der Putschisten dienen, und die amerikanischen militäri-
       schen Berater  sollen aus  Laos  zurückgezogen  werden.  Die  So-
       wjetunion schlägt schon seit langem und nachdrücklich die Maßnah-
       men für  die friedliche Lösung der Situation in Laos auf dem Wege
       von Verhandlungen  vor. Die  Sowjetregierung tritt, wie auch eine
       Reihe von  anderen Regierungen,  dafür ein,  daß man unverzüglich
       eine internationale  Konferenz für die Lösung des laotischen Pro-
       blems einberuft.  Es ist  zweckmäßig, eine  solche  Konferenz  im
       Kreise der  Teilnehmerstaaten der Genfer Konferenz von 1954, dar-
       unter auch  der Vereinigten  Staaten, sowie  auch einiger anderer
       interessierter Länder  abzuhalten. Eine  solche Konferenz  könnte
       die notwendigen Direktiven zuhanden der Internationalen Kontroll-
       kommission für Laos ausarbeiten, die auf der Genfer Konferenz von
       1954 gebildet  wurde und die, mit neuen Vollmachten ausgestattet,
       einen wertvollen Beitrag zur Lösung der Laosfrage leisten könnte.
       Prawda v. 27.3.61
       ...
       Moskau nicht aufgelegt zu militärischen Abenteuern
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       ...
       Begreiflicherweise vermeidet  man hier, den Eindruck entstehen zu
       lassen, die  Sowjetunion können  mehr tun,  als durch  allgemeine
       Friedensappelle auf  die Vorgänge  in Laos  einzuwirken.  Dennoch
       läßt die  Stellungnahme der  "Prawda" keinen Zweifel darüber, daß
       man in Moskau zu militärischen Abenteuern nicht aufgelegt ist.
       FAZ v. 28.3.61, Bericht aus Moskau
       ...
       Gespräch mit Souvanna Phouma
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       ...
       Noch heute  ist er der Ansicht, daß nur der geringste Prozentsatz
       der zwei  Millionen Laoten  wirklich etwas mit dem Kommunismus zu
       tun haben  möchte. Er  bestätigt, was er auch früher immer gesagt
       hat: Selbst  unter den  Linksradikalen innerhalb  der  Pathet-Lao
       wird sich  nur eine  verschwindende Minorität  echter Kommunisten
       finden.
       "Sie sind sich nur in einem Punkt restlos einig", setzt der Prinz
       gleich hinzu,  "und das ist die entschiedene Ablehnung der ameri-
       kanischen Politik in Laos." Für Souvanna Phouma sind die Amerika-
       ner das  rote Tuch  geworden. Immer  wieder kommt er im Laufe des
       langen Gesprächs  auf diese  Frage zu  sprechen, und  dann ist es
       stets so,  daß der  sonst so  ruhige, liebenswürdige Prinz erregt
       wird. "Ich  glaube den Amerikanern nicht mehr", sagt er und beugt
       sich in  dem roten Armsessel vor, um eine auf dem niedrigen Tisch
       stehende chinesische  Lackdose in  beide Hände  zu nehmen. "Jetzt
       warte ich  ab, was  sie vorschlagen werden. Mein Vertrauen in die
       USA ist mehr als einmal enttäuscht worden. Am meisten durch ihren
       Botschafter Browne in Vientiane. Er hat mir immer wieder erklärt,
       daß sich  die USA  nicht in unsere inneren Angelegenheiten einmi-
       schen werden.  Was ist  daraus geworden?  Während Browne mir sein
       Wort dafür  gab, holten  seine als  Zivilisten getarnten  PEO-In-
       strukteure heimlich  die Savannaketh-Rebellen  des General Phoumi
       Nosavan in die Hauptstadt."
       "Ich habe  heute auch kein Vertrauen mehr zur Kennedy-Regierung",
       fügt Prinz  Souvanna Phouma schließlich noch hinzu. "Es gab zwei-
       mal im Dezember letzten Jahres eine Annäherung, es ist dabei aber
       geblieben. Präsident  Kennedy hat  mir bis  heute nicht  auf  den
       Brief geantwortet,  den ich  im Januar an ihn schrieb, um mit ihm
       ins Gespräch zu kommen"...
       Souvanna Phouma  fordert auch  heute, daß die PEO (Program Evolu-
       tion Organization),  wie ihre  Tarnbezeichnung lautet, welche die
       Ausbildung und  Bewaffnung der  pro-westlichen laotischen  Armee-
       teile unter  sich hat,  sofort und  restlos das Land verläßt. Wir
       sprechen den  Prinzen auf die Tatsache an, daß die kommunistische
       Vietminh von  Hanoi aus ebenfalls die Streitkräfte der Pathet Lao
       unterstützen. "Das  wird sofort aufhören", erwiderte dieser, "ich
       habe die  mir treuen Truppen in den Provinzen Phongsaly und Xieng
       Kuangh besucht.  Kong Le  und auch die Pathet Lao hören auf mich.
       Sie werden  tun, was  ich von  ihnen verlange.  Noch besitze  ich
       volle Autorität  über sie.  Sie werden  meinen Vorschlag  für die
       restlose Neutralisierung  annehmen. Sie  ist jedoch nur zu errei-
       chen, wenn alle drei Gruppen in Laos, die Pathet Lao, die Neutra-
       listen und  die prowestlichen  zusammen eine gemeinsame Regierung
       bilden." Dieser Punkt im Programm Souvanna Phoumas war bisher der
       Stein des Anstoßes für die Amerikaner. Sie haben sich stets hart-
       näckig gegen  eine Einbeziehung  des Pathet  Lao  geweigert.  Sie
       glaubten, damit  das Land  für den Westen erhalten zu können. Sie
       haben genau das Gegenteil dadurch erreicht.
       Die Tat (Zürich) v. 30.3.61
       ...
       Souvanna Phouma in London
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       ...
       Der frühere (neutralistische) Ministerpräsident von Laos Souvanna
       Phouma hat  am Freitag seine Besprechungen mit britischen Politi-
       kern über  die Laos-Krise fortgesetzt. Er begrüßte auf einer Pre-
       sekonferenz die  "Änderung der amerikanischen Politik", die jetzt
       eine Neutralisierung  von Laos  bejahe. Die  Unterstützung seiner
       Gegner durch  die Amerikaner  habe ihn im November vorigen Jahres
       gezwungen, die  Sowjetunion um  Waffenhilfe zu  bitten.  Auf  die
       Frage, ob  er die  Russen jetzt  um eine Einstellung dieser Hilfe
       ersuchen würde, um den Bürgerkrieg zu beenden, antwortete Phouma:
       "Das werde ich sofort tun, wenn die andere Seite keine Waffen und
       Finanzhilfe mehr von den Amerikanern erhält."
       Die Welt v. 1.4.61, Bericht aus London
       ...
       Der Besuch Souvanna Phoumas in Peking
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       ...
       Radio Peking  gab am Dienstag bekannt, daß nach den Besprechungen
       zwischen Prinz  Souvanna Phouma und Tschou En-lai ein gemeinsames
       laotisch-chinesisches Communiqué  unterzeichnet  worden  ist.  Im
       Communiqué wird  betont, daß  die Beziehungen zwischen den beiden
       Ländern ab  1960, als  Souvanna Phouma  Ministerpräsident  wurde,
       fühlbar besser  geworden seien. "Die laotische und die volkchine-
       sische Regierung erachten den Hinweis als notwendig, daß die Ver-
       einigten Staaten  in einem  Moment, da sie sich einverstanden er-
       klärten, das  laotische Problem  auf friedliche Art zu lösen, den
       Charakter ihrer militärischen Intervention verstärkt haben, indem
       sie die  Einsetzung einer  militärischen Hilfsgruppe beschlossen,
       um in direkter Weise am laotischen Bürgerkrieg teilnehmen zu kön-
       nen." Volkschina  und Laos  sprechen sich für die Einberufung der
       Konferenz der  14 Staaten aus, wie sie von Prinz Norodom Sihanouk
       von Kambodscha  vorgeschlagen wurde. Auch seien die beiden Länder
       entschlossen, normale diplomatische Beziehungen aufzunehmen, Bot-
       schafter auszutauschen  und ihre wirtschaftlichen und kulturellen
       Beziehungen zu  festigen. Radio Peking präzisierte noch, daß auch
       Präsident Mao Tse-tung den Prinzen empfangen habe und daß die Be-
       sprechungen sehr herzlich gewesen seien.
       AFP, 25.4.61, Bericht aus Peking
       ...
       Der Westen muß seine Versäumnisse teuer bezahlen
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       ...
       Prinz Norodom Sihanouk (der Ministerpräsident von Kambodscha) er-
       klärte auf der Durchreise nach Genf, der Kompromiß, den jedermann
       als Ergebnis  der Genfer Laos-Konferenz wünsche, werde ohne Zwei-
       fel zum  Nachteil der Westmächte ausfallen, die es nicht verstan-
       den hätten,  die ihnen  gebotene Gelegenheit zu ergreifen und mit
       den östlichen Mächten zu einem "Unentschieden" zu gelangen.
       Weiter führte  Prinz Sihanouk  aus: "Ich habe am 1. Januar dieses
       Jahres die  Initiative zu  einer Konferenz von 14 Ländern ergrif-
       fen. Mein  Vorschlag wurde  aber von den Vereinigten Staaten erst
       im letzten Augenblick in Erwägung gezogen, als die prokommunisti-
       schen Kräfte  des Pathet Lao bereits den größeren Teil des Landes
       kontrollierten. Die  Konferenz über  Laos kann  das  gegenwärtige
       Kräfteverhältnis in Laos nicht unberücksichtigt lassen. Ich werde
       mein Möglichstes tun, um die verschiedenen Standpunkte auszuglei-
       chen, damit ein einiges, unabhängiges und souveränes Laos entste-
       hen kann, dessen Neutralität international garantiert wird. Meine
       Aufgabe als Vermittler wird aber schwierig und undankbar sein."
       AFP, 14.5.61, Bericht aus Neu-Delhi
       ...
       Die CIA und der Sturz Souvanna Phoumas
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       ...
       An der  Nachmittagssitzung der Laos-Friedenskonferenz ergriff als
       erster Quinin Pholsena, Delegierter des "neutralistischen" ehema-
       ligen Ministerpräsidenten Souvanna Phouma, das Wort. Er erklärte,
       die amerikanische  Abwehr (CIA)  "und das Pentagon" seien für den
       Sturz Souvanna Phoumas verantwortlich. Bevor sich die Vereinigten
       Staaten eingemischt  hätten, habe  er über  einen großen Teil des
       Landes Autorität ausgeübt.
       UPI. 17.5.61, Bericht aus Genf.
       ...
       Ein Neutralisierungsplan Norodom Sihanouks
       ------------------------------------------
       ...
       Die Konferenz  zur Regelung  der Frage  von Laos ist am Abend des
       16. Mai  um 18 Uhr im Palais des Nations eröffnet worden. Die De-
       legationschefs nahmen um den ein Hufeisen bildenden Tisch im frü-
       heren Saal  des Völkerbundsrats Platz. Nur die für Thailand, Süd-
       vietnam  und  die  königliche  laotische  Regierung  reservierten
       Plätze blieben leer.
       Prinz Norodom  Sihanouk, der  Staatschef von Kambodscha, war ein-
       geladen worden,  die Eröffnungsrede zu halten; er entledigte sich
       dieser Aufgabe,  indem er  ein eigentliches Programm für die Her-
       stellung der Neutralität und Unabhängigkeit von Laos entwickelte.
       Er erinnerte  daran, daß  er sich entschlossen habe, nach Genf zu
       kommen, weil  sowohl der  König von Laos wie die Prinzen Souvanna
       Phouma und  Souphanouvong ihn  ausdrücklich ersucht hätten, seine
       Friedensmission zugunsten ihres Landes fortzusetzen. Damit gewann
       sein Aufruf an die Führer von Laos, sich zu einem "Gipfeltreffen"
       zusammenzufinden, um im Interesse ihres Landes eine provisorische
       nationale Koalitionsregierung  zu bilden,  die für das ganze Land
       sprechen könne, einen gewissen Nachdruck.
       Das Programm  Sihanouks sieht  vor, daß  Laos  nach  dem  Vorbild
       Österreichs zu  neutralisieren sei.  Diese Neutralität wäre durch
       die an  dem Abkommen  teilnehmenden Staaten solidarisch zu garan-
       tieren, und sie würden sich verpflichten, auf jede Einmischung in
       die inneren Angelegenheiten des Landes zu verzichten. Der Staats-
       chef von Kambodscha schlug in aller Form die Einschließung seines
       eigenen Landes  in dieses  Neutralisierungs-  und  Garantiesystem
       vor. Die  Einbeziehung von  Burma, Thailand  oder Südvietnam, von
       der gelegentlich  die Rede war, lehnte er dagegen ab Dem Gedanken
       einer Teilung von Laos trat er mit Nachdruck entgegen.
       Neue Zürcher Zeitung v. 18.5.61, Bericht aus Genf
       ...
       Der sowjetische Entwurf für ein Abkommen über Laos
       --------------------------------------------------
       ...
       Erstes Kapitel
       Art. 1. Alle ausländischen  militärischen Einheiten  und das aus-
       ländische Militärpersonal werden innerhalb einer Frist von 30 Ta-
       gen nach  Inkrafttreten des  vorliegenden Abkommens  aus Laos zu-
       rückgezogen. Der  Begriff "ausländisches  Militärpersonal" umfaßt
       alle ausländischen  Militärmissionen, die  militärischen Berater,
       die Instruktoren,  die Beobachter  und alle  andern ausländischen
       Militärs mit  Einschluß jener,  die  im  Dienste  der  laotischen
       Streitkräfte stehen,  sowie alle ausländischen Zivilpersonen, die
       sich mit  der Lieferung, dem Unterhalt, der Lagerung und der Ver-
       wendung des Militärmaterials befassen.
       Art. 2. Der Rückzug der ausländischen militärischen Einheiten und
       des ausländischen  Militärpersonals aus  Laos erfolgt  über  jene
       Routen und  Orte, die  von den  Vertretern der  drei  politischen
       Richtungen (oder  der Regierung) von Laos gemeinsam bestimmt wer-
       den.
       Art. 3. Allen in  Art. 1  erwähnten  ausländischen  militärischen
       Einheiten und dem ausländischen Militärpersonal ist ein Einmarsch
       in Laos untersagt.
       Art. 4. Nach Inkrafttreten  des gegenwärtigen  Abkommens muß  die
       Einfuhr aller Arten von Rüstungen, Munition und militärischem Ma-
       terial in  Laos mit Ausnahme einer bestimmten Menge von Rüstungen
       konventioneller Art,  die zur  Verteidigung  von  Laos  notwendig
       sind, eingestellt werden.
       Art 5. Auf Verlangen  der laotischen  Behörden übt  die auf Grund
       der Genfer Abkommen von 1954 geschaffene, aus Vertretern Indiens,
       Kanadas und  Polens zusammengesetzte Internationale Überwachungs-
       und Kontrollkommission für Laos die Überwachung und die Kontrolle
       des Waffenstillstandes  in  Laos  aus.  Sie  übt  ihre  Tätigkeit
       strikte in  den Grenzen  des von  den drei laotischen politischen
       Richtungen geschlossenen  Waffenstillstandsabkommens und in enger
       Zusammenarbeit mit den laotischen Behörden aus.
       Art. 6. Die Internationale  Kommission wird  mit der  Überwachung
       und der  Kontrolle des Rückzugs der ausländischen Truppen und des
       ausländischen Militärpersonals,  wie er  in Art.  1 des Abkommens
       vorgesehen ist, betraut.
       Art. 7. Auf Weisung  der beiden  Co-Präsidenten der Genfer Konfe-
       renz untersucht  die Internationale  Kommission Fälle von Verlet-
       zungen der  Bestimmungen von  Art. 3  des gegenwärtigen Abkommens
       betreffend das  Verbot, irgendwelche  ausländischen militärischen
       Einheiten und  militärisches Personal  in Laos  einmarschieren zu
       lassen.
       
       Zweites Kapitel
       Art. 8. Die Internationale Kommission vollführt alle ihre Überwa-
       chungs- und  Kontrollarbeiten in Zusammenarbeit mit der Regierung
       von Laos,  die weitgehend  zu ihrer  Tätigkeit beitragen wird. Um
       ihre in Art. 6 vorgesehenen Funktionen zu erfüllen, wird die Kom-
       mission in Übereinstimmung mit der Regierung von Laos angemessene
       Gruppen bilden.
       Art. 9. Die Beschlüsse  der Internationalen  Kommission über alle
       Fragen bedürfen  einhelliger Annahme, ausgenommen die Beschlüsse,
       die ausschließlich  Verfahrensfragen betreffen, für deren Annahme
       die Mehrheit erforderlich ist.
       Art. 10. Die Internationale  Kommission übt  ihre Tätigkeit unter
       der allgemeinen  Leitung und der Überwachung der beiden Co-Präsi-
       denten der Genfer Konferenz von 1954 aus.
       Art. 11. Die Ausgaben  für den Unterhalt der Internationalen Kom-
       mission werden  unter alle  Staaten, die an der gegenwärtigen in-
       ternationalen Konferenz  teilnehmen, verteilt. Die Beitragsquoten
       der einzelnen  Teilnehmer werden  nach einer besonderen Vereinba-
       rung unter ihnen festgesetzt.
       Art. 12. Die Frage  der Dauer  der Tätigkeit  der Internationalen
       Kommission wird  von den  beiden Co-Präsidenten der Genfer Konfe-
       renz von  1954 und  der Regierung  von Laos  geregelt werden, die
       nach Ablauf  von drei  Jahren geeignete Konsultationen über diese
       Frage vornehmen  und alle  Partner des vorliegenden Abkommens von
       ihren Beschlüssen  in Kenntnis  setzen werden.  Die Regierung von
       Laos kann  nötigenfalls bei  den beiden Co-Präsidenten der Genfer
       Konferenz die Frage der Einstellung der Tätigkeit der Internatio-
       nalen Kommission vor Ablauf der vorerwähnten Frist aufwerfen.
       Art. 13. Das vorliegende Abkommen tritt mit der Unterzeichnung in
       Kraft. Es  wird in den Archiven der Regierungen der Union der So-
       zialistischen Sowjetrepubliken und Großbritanniens deponiert, die
       allen Teilnehmerstaaten an der internationalen Konferenz über die
       Regelung der  laotischen Frage,  dem Abkommen  entsprechend,  be-
       scheinigte Kopien zukommen lassen.
       ...
       

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