Quelle: Blätter 1961 Heft 09 (September)


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       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
       unter www.blaetter.de.
       
       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Buchbesprechungen
       
       ZWEI POLITISCHE DEUTSCHLANDBÜCHER
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       ...
       Christian Geißler: Anfrage (Claassen Verlag, Hamburg)
       Heinz Abosch:  L'Allemagne sans  miracle -  d'Hitler à  Adenauer.
       (Les Temps  Modernes, Collection  dirigée par  Jean-Paul  Sartre,
       Verlag René Julliard, Paris.)
       ...
       ...
       "Wir sind auf der Suche nach Vätern, die die Wahrheit sagen, die,
       weil sie die Wahrheit schon einmal tausend Jahre verschwiegen ha-
       ben, die  Folgen dieses Schweigens jetzt endlich einsehen und be-
       reuen, nach  Vätern, die  uns ihre Reue mitteilen und die mit uns
       zusammen nachdenken über die Wege, die sie gegangen und die jetzt
       zu gehen sind. Niemand von uns erwartet, daß sie unschuldig sind.
       Niemand von  uns wird über ihre Schuld lachen, aber wir verlangen
       Auskunft über die Herkunft der Pläne, die man uns neuerdings wie-
       der anbieten  will; das  heißt, wir  verlangen Auskunft  über den
       Verbleib der Schuld, der Schuld des Verschweigens, der Schuld der
       bequemen Ratlosigkeit,  der Schuld  der Nachlässigkeit im Denken,
       der Schuld  der Unaufmerksamkeit aus Angst... Fünfzehn Jahre sind
       eine verdammt  lange Zeit.  Inzwischen sollte  es sich  gründlich
       herumgesprochen haben,  sollte öffentlich für Gelegenheit gesorgt
       worden sein,  daß es sich endlich herumsprechen kann: es ist also
       möglich gewesen, es ist Realität. Warum ist es möglich gewesen? -
       Es muß  schon eines Tages weitergefragt werden, zum Beispiel: wie
       konnte man  meinen, so etwas sei bei uns nicht möglich? Da liegen
       offensichtlich bereits gründliche Denkfehler. ..."
       ...
       ...
       "Indem sie die Sowjetunion mit wachsender Schärfe angriffen, lie-
       ßen die  Westmächte ihre  Kritik des  Nazismus in den Hintergrund
       treten. Mit einem Schlage fühlten sich seine Anhänger gerechtfer-
       tigt: Hatten  sie nicht  vor allen anderen die Schädlichkeit Mos-
       kaus erkannt?  Hatten sie  sie nicht  bis zum  letzten Opfer  be-
       kämpft? Hatten  die Naziführer  nicht die  Westmächte aufgerufen,
       ihren Irrtum einzusehen und sich im gemeinsamen Kampf zusammenzu-
       schließen? Gewiß,  es gab  Fehler, selbst  Verbrechen;  aber  wer
       hatte keine  begangen? Hatten sie nicht im Grunde recht behalten?
       Diese Gedanken  stiegen mit Macht an die Oberfläche. Ob die West-
       mächte es  wollten oder  nicht: Indem  sie der Sowjetunion entge-
       gentraten, rechtfertigten  sie zu einem guten Teil den Krieg, den
       Hitler im  Osten geführt  hatte. Alle  Deutschen (diejenigen, die
       diese Politik  billigten, wie  auch die  andern) verstanden es in
       dem gleichen Sinn."
       "Von der  Ablehnung der  Kollektivschuld gelangte man zur Kollek-
       tivunschuld, von  der  nur  einige  Verbrecher  oder  Wahnsinnige
       auszuschließen sind."
       "Ein breiter  Konformismus, der  auf wirklicher oder angenommener
       Befriedigung beruht,  verbindet die  gesamte Gesellschaft. Obwohl
       jeder genauso wie der andere handelt, glaubt er nach eigenem Gut-
       dünken zu  verfahren und erfreut sich seiner Freiheit. Es ist der
       Triumph der  bedingten Reflexe,  die so  geschickt  hervorgerufen
       werden, daß man ihre Mechanik nicht mehr entdeckt."
       "Die beiden  deutschen Staaten  sind durch  Haß und  Unwissenheit
       voneinander getrennt.  Nichts ist für einen Bundesbürger fremdar-
       tiger als  der Staat  nebenan. Und umgekehrt gilt das gleiche. Er
       wird sich  noch nicht einmal dafür interessieren, da er überzeugt
       ist, bereits  alles zu wissen: das heißt, mit dem übelsten Regime
       zu tun  zu haben,  das man jemals gesehen habe. Seine Meinung ist
       bereits gemacht,  er braucht sich nicht mehr mit Einzelheiten ab-
       zugeben. Im  übrigen informieren  ihn seine  Zeitungen reichlich.
       Und welche Informationen! Sähe man die DDR durch ein Zerrglas an,
       könnte das Bild nicht ungenauer sein." (Abosch)
       ...
       ...
       "Kriege 'kommen'  nicht über  Nacht ins Land wie Schnee und Früh-
       lingsrauschen, Kriege  werden gemacht  durch falsches  Denken, so
       wie Freiheit nicht das Feuer ist, sondern richtiges Denken"
       "Das Hurra von Millionen macht Generale."
       "Fast in  jedem Drecknest  gibt es heute schon wieder ein Denkmal
       Ewig deutscher  Osten, an Feiertagen magisch beleuchtet. In jedem
       Jahr mindestens dreimal irgendein Heimattreffen, Orgien triebhaf-
       ter Vergeßlichkeit,  nicht minder magisch! Aber hast du hier etwa
       bei uns  schon ein Denkmal gesehen zur Erinnerung an das Heer von
       verschleppten und vertriebenen Polen?"
       "Er hätte es doch nicht geglaubt am Ende".
       "Er soll denken, nicht glauben!"
       "Ich habe  ihm nicht  gesagt, daß  Tapferkeit für  sich noch kein
       Wert ist,  daß jeder echte Verbrecher tapfer ist, wenn es um sein
       Leben geht - er wird trotzdem verurteilt!"
       "1946 war  es für  den Herrn  Kandidaten gefährlich,    s e i n e
       Meinung zu  sagen -  wann war  es für  ihn also nicht gefährlich?
       Doch wohl  vor 45, muß man annehmen... Aber was für ein übler An-
       wurf ist das an den Wähler, ihm in Bausch und Bogen zu unterstel-
       len, was auf Ihren Herrn Kandidaten zutreffen mag: damals habe er
       seine Meinung  nicht sagen  können! Was  für Wähler reden Sie ei-
       gentlich an?"
       "Braucht man  sie wieder,  diese rüden  Büttenredner,  gegen  die
       W e l t g e f a h r   N r.  1?  Dann danke, Freiheit. Keinen ein-
       zigen Schuß  mit diesen  Herren in  gleicher Richtung,  auch dann
       nicht, wenn  es um   h ö c h s t e   G ü t e r   geht, Geliebte!"
       (Geißler)
       ...
       ...
       Hans v. Uslar
       ...
       

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