Quelle: Blätter 1961 Heft 11 (November)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUS DER REDE PRÄSIDENT KENNEDYS VOR DEN VEREINTEN NATIONEN
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       AM 25. SEPTEMBER 1961
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       "Wir treten  hier in  einer Stunde  der Trauer,  aber auch großer
       Aufgaben zusammen.  Dag Hammarskjöld  ist tot. Aber die Vereinten
       Nationen bestehen  weiter. Sein tragisches Geschick geht uns sehr
       ans Herz.  Aber die Aufgaben, um derentwillen er starb, stehen an
       der Spitze  unserer Tagesordnung.  Ein großer Diener des Friedens
       ist von  uns gegangen. Aber die Suche nach dem Frieden liegt noch
       vor uns.
       Das Problem  ist nicht der Tod eines Mannes - das Problem ist das
       Fortbestehen dieser  Organisation. Sie wird entweder weiter wach-
       sen, um  den Aufgaben unseres Zeitalters gerecht zu werden - oder
       sie wird  mit dem  Wind verweht  werden, ohne jeden Einfluß, ohne
       Kraft, ohne  Achtung. Wenn  wir es zulassen, daß sie dahinstirbt,
       daß ihre  Kraft geschwächt  wird, daß ihre Machtbefugnisse beein-
       trächtigt werden, dann würden wir unsere Zukunft verraten.
       Denn im Ausbau dieser Organisation liegt die einzige echte Alter-
       native zum  Krieg -  und der Krieg besitzt als sinnvolle Alterna-
       tive keine  Anziehungskraft mehr.  Der bedingungslose  Krieg kann
       nicht mehr  zum bedingungslosen Sieg führen. Er kann nicht länger
       zur Beilegung von Streitigkeiten dienen. Er kann nicht länger die
       Großmächte allein  angehen. Denn  eine nukleare  Katastrophe, die
       vom Winde,  vom Wasser und der Furcht weitergetragen wird, könnte
       sehr wohl  die Großen und Kleinen, die Reichen und die Armen, die
       Bundesgenossen und  die Bündnisfreien gleichermaßen verschlingen.
       Die Menschheit  muß dem  Krieg ein  Ende machen  - sonst wird der
       Krieg der Menschheit ein Ende bereiten.
       Deshalb laßt uns hier beschließen, daß Dag Hammarskjöld nicht um-
       sonst gelebt  haben -  und gestorben  sein - soll. Laßt uns einen
       Waffenstillstand gegen  den Terror ausrufen. Laßt uns die Segnun-
       gen des  Friedens ins  Auge fassen. Und laßt uns, während wir das
       internationale Potential der Friedenserhaltung aufbauen, mit ver-
       einten Kräften das nationale Kriegspotential abbauen...
       Heute muß  jeder Bewohner  unseres Planeten  auf den  Tag  gefaßt
       sein, da  dieser nicht mehr bewohnbar ist. Jeder Mann, jede Frau,
       jedes Kind lebt unter einem nuklearen Damoklesschwert, das an dem
       dünnsten aller  Fäden hängt, der jeden Augenblick durch einen Zu-
       fall, eine  Fehlkalkulation oder Wahnsinnstat zerschnitten werden
       kann. Die  Waffen des  Krieges müssen beseitigt werden, bevor sie
       uns beseitigen.
       Die Menschen  diskutieren nicht  mehr darüber,  ob Rüstungen  ein
       Symptom oder  die Ursache der Spannungen sind. Die bloße Existenz
       der modernen  Waffen -  die zehnmillionenfach gewaltiger sind als
       alles, was  die Welt bisher gesehen hat, und dabei binnen weniger
       Minuten jedes  beliebige Ziel  auf Erden  erreichen  -  ist  eine
       Quelle des  Schreckens, der  Zwietracht und  des Mißtrauens.  Die
       Menschen sind nicht länger der Ansicht, daß man mit der Abrüstung
       bis zur  Beilegung aller  Streitigkeiten warten  solle - denn die
       Abrüstung muß  ein Bestandteil jeder dauerhaften Friedensregelung
       sein. Und  die Menschen  können nicht länger behaupten, daß Abrü-
       stungsbemühungen ein  Zeichen der  Schwäche seien  - weil die Si-
       cherheit einer Nation, die erst einmal in die Spirale des Wettrü-
       stens geraten  ist,  unbeschadet  des  Anwachsens  ihrer  Rüstung
       durchaus zu  schrumpfen  vermag.  Seit  fünfzehn  Jahren  bereits
       strebt diese  Organisation die  Beschränkung und  Beseitigung der
       Rüstungen an. Heute ist dieses Ziel nicht länger mehr ein Traum -
       es geht praktisch um Leben und Tod. Die mit der Abrüstung verbun-
       denen Risiken verblassen vor den Risiken eines unbeschränkten Rü-
       stungswettlaufs...
       Das Programm für eine allgemeine und vollständige Abrüstung unter
       wirksamer und  internationaler Kontrolle, das dieser Vollversamm-
       lung unterbreitet werden wird, schlägt eine Brücke über die Kluft
       zwischen jenen,  die auf  einem schrittweisen  Vorgehen bestehen,
       und jenen,  die lediglich von einer endgültigen und totalen Abrü-
       stung reden.  Es würde  die Maschinerie  zur Wahrung des Friedens
       schaffen, in  dem Maße, wie es die Kriegsmaschinerie zerstört. Es
       würde durch  ausgewogene und abgesicherte Phasen Fortschritte er-
       möglichen, so  daß kein  Staat einen  militärischen Vorteil  über
       einen anderen  erhält. Es  würde die  letzte Verantwortung Mr die
       Verifizierung und Kontrolle denen übertragen, denen sie zusteht -
       nicht den  Großmächten allein, nicht dem Gegner oder sich selbst,
       sondern einer  internationalen Organisation im Rahmen der Verein-
       ten Nationen.
       Es würde  jene unumgängliche  Bedingung der Abrüstung - wirkliche
       Inspektion, in Stufen, proportional der Stufe der Abrüstung - ga-
       rantieren und  in Anwendung  bringen. Es  würde sowohl Einsatzsy-
       steme als  auch Waffen erfassen. Es würde schließlich sowohl ihre
       Produktion als  auch ihre Erprobung, ihren Transport als auch ih-
       ren Besitz  unterbinden. Es  würde unter den Augen einer interna-
       tionalen Abrüstungsorganisation  eine ständige  Verminderung  nu-
       klearer und  konventioneller Macht  zustande bringen, bis es alle
       Armeen und  alle Waffen  außer denen,  die für die innere Ordnung
       und für eine Friedensarmee der Vereinten Nationen notwendig sind,
       abgeschafft hat. Und es läßt diesen Prozeß, heute, dann, wenn die
       Gespräche beginnen, anlaufen.
       Kurz gesagt, die allgemeine und vollständige Abrüstung darf nicht
       länger ein  Schlagwort bleiben, das gebraucht wird, um den ersten
       Schritten Widerstand  zu leisten.  Es ist  nicht länger  ein Ziel
       ohne Mittel und Wege, es zu erreichen, ohne Mittel und Wege, sei-
       nen Fortschritt zu verwirklichen, ohne Mittel und Wege, den Frie-
       den zu erhalten. Es ist jetzt ein realistischer Plan und zugleich
       eine Bewährungsprobe - eine Bewährungsprobe für jene, die nur den
       Willen haben zu reden, und eine Bewährungsprobe für jene, die be-
       reit sind, zu handeln.
       Ein solcher  Plan würde  uns keine  Welt bescheren, die frei wäre
       von Auseinandersetzungen  und Habgier; er bescherte uns aber eine
       Welt, die  frei wäre von den Schrecken und der Massenvernichtung.
       Er würde nicht das Zeitalter des Superstaates einleiten; er würde
       aber eine  Ära einleiten,  in der kein Staat einen anderen auslö-
       schen oder von einem anderen ausgelöscht werden könnte.
       Im Jahre 1945 schlug unser Land den Baruch-Plan für eine Interna-
       tionalisierung der  Erkenntnisse der  Atomforschung vor, noch ehe
       andere Nationen die Atombombe besaßen oder ihre Truppen demobili-
       siert hatten.  Wir schlugen gemeinsam mit unseren Verbündeten den
       Abrüstungsplan von  1951 vor,  noch während wir in Korea im Krieg
       standen. Und  wir machen unsere Vorschläge heute, während wir un-
       sere Verteidigung wegen Berlin ausbauen, nicht weil wir unbestän-
       dig, unaufrichtig  oder eingeschüchtert  sind, sondern  weil  wir
       wissen, daß  die Rechte  freier Menschen  sich behaupten  werden;
       weil wir, während wir gegen unseren Willen zur Aufrüstung gezwun-
       gen sind, mit Vertrauen über Berlin hinaus unseren Blick auf jene
       Art einer  abgerüsteten Welt richten, der wir alle den Vorzug ge-
       ben.
       Ich schlage  deshalb auf  der Grundlage dieses Plans vor, daß die
       Abrüstungsverhandlungen unverzüglich  wieder aufgenommen und ohne
       Unterbrechung fortgeführt  werden, bis  ein umfassendes  Programm
       für eine  allgemeine und vollständige Abrüstung nicht nur verein-
       bart, sondern tatsächlich verwirklicht ist.
       Am besten  beginnt man  logischerweise mit einem Vertrag, der die
       Beendigung der Kernwaffenversuche jeglicher Art, in jeglicher Um-
       gebung durch  praktisch durchführbare  Kontrollen  gewährleistet.
       Die Vereinigten  Staaten und  Großbritannien haben  einen solchen
       Vertrag vorgeschlagen,  der sowohl angemessen, wirksam und unter-
       schriftsfertig ist. Wir sind bereit, diesen Vertrag noch heute zu
       unterzeichnen.
       Wir haben  auch ein  beiderseitiges Verbot  ohne Inspektionen und
       Kontrollen für  Versuche in  der Atmosphäre vorgeschlagen, um das
       Menschengeschlecht vor  dem Gifthauch  der radioaktiven Ausschüt-
       tungen zu schützen. Wir bedauern, daß dieses Angebot nicht akzep-
       tiert worden ist...
       Doch um  die Weiterverbreitung dieser schrecklichen Waffen aufzu-
       halten, um  die Verseuchung  der Luft  aufzuhalten, um  den immer
       schneller werdenden  Atomwaffen-Wettlauf  aufzuhalten,  sind  wir
       weiterhin bereit,  neue Wege  des Übereinkommens ausfindig zu ma-
       chen. Unser neues Abrüstungsprogramm enthält dementsprechend fol-
       gende Vorschläge:  1. Unterzeichnung  des Vertrages über ein Ver-
       suchsverbot durch alle Nationen. Dies kann sofort geschehen. Ver-
       handlungen über  ein Versuchsverbot müssen nicht und sollten auch
       nicht eine allgemeine Abrüstung abwarten.
       2. Einstellung der Produktion spaltbarer Materialien für die Waf-
       fenherstellung und  Verhinderung einer  Übergabe solcher Materia-
       lien an jede Nation, die jetzt über keine Kernwaffen verfügt.
       3. Verbot der  Übertragung einer  Kontrolle  über  Kernwaffen  an
       Staaten, die keine besitzen.
       4. Verhinderung, daß  Kernwaffen neue  Schlachtfelder im Weltraum
       schaffen.
       5. Allmähliche Vernichtung  vorhandener Kernwaffen und Verwendung
       ihres Materials  für friedliche  Zwecke. Und schließlich: Beendi-
       gung der unumschränkten Erprobung und Herstellung von Einsatzmit-
       teln für  strategische Kernwaffen  und ebenfalls allmähliche Ver-
       nichtung dieser Einsatzmittel.
       Waffen zu  zerstören, ist  aber nicht  genug. Wir müssen schöpfe-
       risch sein  auch im  Zerstören: weltweites  Recht und  weltweiten
       Rechtsvollzug schaffen,  während wir  den  weltweiten  Krieg  und
       weltweite Waffen  ächten. In  der Welt, die wir erstreben, werden
       UNO-Eingreifverbände, wie  sie bisher  in Hast  aufgestellt,  nur
       schleppend versorgt  und unzureichend  finanziert wurden, niemals
       ausreichen.
       Deshalb empfehlen  die Vereinigten  Staaten, daß  sämtliche  Mit-
       gliedstaaten besondere Verbände ihrer Streitkräfte aussuchen, die
       für die  Vereinten Nationen auf Abruf bereitgehalten werden, eine
       besondere Ausbildung  erhalten und  schnell verfügbar sein sollen
       und für  die im  voraus die notwendigen Vorkehrungen für ihre Fi-
       nanzierung und ihre Versorgung getroffen werden...
       Doch die  Geheimnisse des Weltraums dürfen unseren Blick oder un-
       sere Energie nicht von der rauhen Wirklichkeit ablenken, der sich
       unsere Mitmenschen  gegenübersehen. Politische  Souveränität  ist
       nur ein  Hohn ohne  die Mittel,  mit Armut,  Analphabetentum  und
       Krankheit fertig zu werden. Selbstbestimmung ist nur eine Phrase,
       wenn die Zukunft keine Hoffnung bereithält.
       Und dies  ist der  Grund, weshalb  meine Nation - die ihr Kapital
       und ihre Technik bereitwillig mit anderen geteilt hat, um sie bei
       ihrer Selbsthilfe  zu unterstützen - vorschlägt, diese Dekade der
       sechziger Jahre  offiziell als  UNO-Dekade der Entwicklung zu be-
       zeichnen. Im  Rahmen dieser  Resolution können  die gegenwärtigen
       Anstrengungen, welche  die Vereinten  Nationen zur  Förderung des
       wirtschaftlichen Wachstums unternehmen, erweitert und koordiniert
       werden. Regionale  Studien- und  Ausbildungsstätten können  jetzt
       die  Talente  vieler  zusammenfassen.  Neue  Forschungsprogramme,
       technische Entwicklungshilfe und Leitprojekte können den Reichtum
       minderentwickelter Länder  und ungenutzter  Wasserreservoire  er-
       schließen. Und  Entwicklung kann  ein Unternehmen der Zusammenar-
       beit, nicht  des Konkurrenzkampfes  werden, um  alle Nationen, so
       verschiedenartig sie nach System oder Glauben auch sein mögen, in
       die Lage  zu versetzen,  de facto wie de jure zu freien und glei-
       chen Nationen zu werden.
       Mein Land tritt für eine Welt freier und gleichberechtigter Staa-
       ten ein.  Wir stimmen  mit jenen überein, die erklären, der Kolo-
       nialismus sei  ein Schlüsselproblem  in dieser  Versammlung.  Wir
       wollen aber  die Tatsachen in ihrer Gesamtheit hier auch in ihrer
       Gesamtheit zur Sprache bringen.
       Da ist einmal die Tatsache, daß eine weltweite Unabhängigkeitser-
       klärung seit  Beendigung des zweiten Weltkriegs nahezu einer Mil-
       liarde Menschen auf einem Gebiet von rund 23 Millionen Quadratki-
       lometern in  42 freien  und unabhängigen  Ländern zur Eigenstaat-
       lichkeit verholfen hat. Noch nicht einmal zwei Prozent der Bevöl-
       kerung der Erde leben heute in abhängigen Gebieten.
       Ich übersehe  die verbleibenden Probleme des traditionellen Kolo-
       nialismus keineswegs,  vor die sich diese Körperschaft auch heute
       noch gestellt sieht. Diese Probleme werden mit Geduld, gutem Wil-
       len und Entschlossenheit gelöst werden. Innerhalb der Grenzen un-
       serer Verantwortlichkeit  für diese  Dinge beabsichtigt mein Land
       Mitbeteiligter und  nicht nur  Beobachter des friedlichen und ra-
       schen Übergangs  von Völkern vom Kolonialstatus zur Partnerschaft
       Gleichberechtigter zu sein. Diese unaufhörliche Welle der Selbst-
       bestimmung, die  so mächtig  anschwillt, hat unsere Sympathie und
       unsere Unterstützung.  Aber Kolonialismus  in  seiner  krassesten
       Form ist  nicht nur die Ausbeutung von jungen Völkern durch alte,
       von Menschen  mit dunkler  Haut durch Weiße oder die Unterjochung
       der Armen durch die Reichen. Mein Land war einst Kolonie, und wir
       wissen, was  Kolonialismus bedeutet:  die Ausbeutung  und  Unter-
       jochung der Schwachen durch die Starken, der Vielen durch Wenige,
       der Regierten, die ohne ihre Zustimmung regiert werden - unabhän-
       gig vom Kontinent, der Klasse und der Hautfarbe...
       Die Westmächte  haben in  aller Ruhe  beschlossen, mit allen Mit-
       teln, die  ihnen etwa  aufgezwungen werden,  ihre Verpflichtungen
       und ihren  Zugang zu  den freien  Bürgern Westberlins  sowie  die
       Selbstbestimmung dieser  Bürger zu  verteidigen. Diese Generation
       hat aus bitterer Erfahrung gelernt, daß sowohl das Drohen mit der
       Gewalt als  auch das  Weichen vor  der Gewalt  nur zu einem Krieg
       führen können.  Festigkeit und  Vernunft können jedoch zu der Art
       von friedlicher Lösung führen, an die mein Land glaubt.
       Wir haben  uns nicht  auf eine  starre Formel festgelegt, und wir
       sehen auch  keine perfekte  Lösung. Wir  erkennen an, daß Truppen
       und Panzer  eine Zeitlang  ein Volk  gegen seinen  Willen geteilt
       halten können,  so unklug  eine solche  Politik uns  auch zu sein
       scheint. Aber  wir glauben, daß eine friedliche Vereinbarung mög-
       lich ist, die die Freiheit West-Berlins und die Anwesenheit sowie
       den Zugang  der Alliierten  schützt und gleichzeitig die histori-
       schen und  legitimen Interessen anderer an der Gewährleistung der
       Sicherheit in Europa anerkennt.
       Die Möglichkeiten  von Verhandlungen werden gegenwärtig sondiert.
       Es ist  noch zu früh, darüber zu berichten, welche Aussichten be-
       stehen. Was  uns anbetrifft, so wären wir froh, wenn wir zu gege-
       bener Zeit  berichten könnten,  daß eine  Lösung gefunden  worden
       ist. Denn  es besteht  keine Notwendigkeit für eine Berlin-Krise,
       die den Frieden bedroht, und wenn diejenigen, die diese Krise ge-
       schaffen haben,  Frieden wünschen,  dann werden in Berlin Frieden
       und Freiheit herrschen.
       Die Ereignisse und Entscheidungen der nächsten zehn Monate können
       sehr wohl  das Schicksal der Menschheit für die nächsten zehntau-
       send Jahre  bestimmen. Wir  werden uns ihnen nicht entziehen kön-
       nen. Es  wird keine  Revision für diese Entscheidungen geben. Und
       an uns  hier in  diesem Saal  wird man sich entweder erinnern als
       Teil jener  Generation, die  diesen Planeten  in einen  lodernden
       Scheiterhaufen verwandelte  oder der  Generation, die  ihrem Ver-
       sprechen gerecht wurde, die folgenden Generationen vor der Geißel
       des Krieges zu bewahren.
       In dem  Bestreben, jenes Versprechen zu erfüllen, gelobe ich alle
       Anstrengungen, deren  diese Nation  fähig ist.  Ich gelobe Ihnen,
       daß wir weder eine Aggression begehen, noch eine solche provozie-
       ren werden,  daß wir  weder zurückweichen  noch mit Gewalt drohen
       werden, daß wir niemals aus Furcht heraus verhandeln und uns nie-
       mals vor Verhandlungen fürchten werden...
       Ich kam aber heute hierher, um über diese Welt der Drohungen hin-
       aus nach  einer Welt  des Friedens  Ausschau zu halten. Bei jener
       Suche können  wir keinen  endgültigen Triumph  erwarten, denn  es
       werden sich  immer neue Probleme ergeben. Wir können nicht erwar-
       ten, daß  sich alle  Völker das  gleiche System zu eigen machen -
       denn Konformität ist der Kerkermeister der Freiheit und der Feind
       jeder Entwicklung.
       Doch wie  nahe wir  auch manchmal  diesem finsteren und tödlichen
       Abgrund zu  sein scheinen,  so darf doch kein friedens- und frei-
       heitsliebender Mensch  verzweifeln. Denn  er steht  nicht allein.
       Wenn wir nur alle durchhalten - wenn wir nur in jedem Land und in
       jedem Amt  über die eigenen Grenzen und Ambitionen hinaussehen -,
       dann wird  mit Sicherheit  auch jenes Zeitalter anbrechen, in dem
       die Starken  gerecht, die Schwachen sicher sind, und wo jedermann
       Frieden hält.
       Meine Damen  und Herren,  Mitglieder dieser Versammlung, die Ent-
       scheidung liegt  bei Ihnen.  Niemals hatten die Nationen der Welt
       so viel  zu verlieren  oder so  viel zu gewinnen. Entweder werden
       wir gemeinsam  unseren Planeten retten, oder wir werden gemeinsam
       in seinen Flammen umkommen. Wir können ihn retten, und wir müssen
       ihn retten,  und dann  werden wir  den ewigen Dank der Menschheit
       ernten und als Friedensstifter auch den ewigen Segen Gottes."
       Nach: Die Welt v. 27.IX.61
       

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