Quelle: Blätter 1961 Heft 12 (Dezember)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG WESTBERLINER ATOMWAFFENGEGNER
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       Die gegenwärtige  politische Lage  gibt uns  Bürgern West-Berlins
       Anlaß, folgende grundsätzliche Stellungnahme zu einzelnen, uns in
       West-Berlin besonders  berührenden Punkten abzugeben, zugleich in
       der Hoffnung,  daß viele  unserer Mitbürger unsere Meinung teilen
       und auch  den Mut  haben werden, sich uns mit Rat und Hilfe anzu-
       schließen.
       
       I.
       
       Das bedrohliche  Problem unserer  Tage ist  der verstärkt in Gang
       gekommene Rüstungswettlauf.  Wir sind  der Meinung,  daß es heute
       nicht mehr genügen kann, nur gegen Atomwaffenversuche und Atomrü-
       stung zu  protestieren, sondern  wir befürworten eine konsequente
       Friedenspolitik, welche Verhandlungen zum einzigen Mittel der Be-
       seitigung von Konfliktstoffen erklärt. Wir fordern die Großmächte
       auf, Verhandlungen  über die  allgemeine, totale  Abrüstung, über
       den  allgemeinen  Versuchsstop  und  die  friedliche  Lösung  der
       Deutschlandfrage nicht weiter zu verzögern.
       
       II.
       
       Ein weiteres  ernstes Problem  ist die Tatsache, daß der umstrit-
       tene heutige Status von West-Berlin Ausgangspunkt eines furchtba-
       ren Atomweltkrieges  werden kann.  Nach unserer  Auffassung  kann
       diese Krise  nur durch  Neutralisierung West-Berlins beendet wer-
       den. Dies würde gleichzeitig eine Entspannung der politischen Ge-
       gensätze in  Deutschland einleiten.  Die Stabilisierung des Frie-
       dens in Europa ist nur durch eine Anerkennung der heute bestehen-
       den Grenz-  und Souveränitätsverhältnisse  beider Teile  Deutsch-
       lands zu  gewährleisten. Dieser  Zustand ist am besten durch eine
       militär-politische Neutralisierung  beider deutscher  Staaten  zu
       erreichen.
       
       III.
       
       Aus diesem Grund begrüßen wir auf das wärmste den Belgrader Frie-
       densappell der  25 blockfreien  Staaten. Wir schließen uns seiner
       Forderung an die Großmächte an, einen dauerhaften Frieden und Si-
       cherheit für  alle Nationen zu erreichen. Drohende Konflikte müs-
       sen durch  direkte Verhandlungen auf nationaler und internationa-
       ler Ebene beseitigt werden.
       
       IV.
       
       Zur Überwindung  der gegenwärtigen  Weltkrise können  wir  Bürger
       West-Berlins mit  unserem Eintreten  für eine  Ausschaltung aller
       Konfliktstoffe durch Verhandlungen insofern wesentlich beitragen,
       als sich  am Beispiel  West-Berlins demonstrieren läßt, wie durch
       eine echte Neutralisierung der Friede gerettet werden kann.
       Neutralisierung heißt:  Verwirklichung eines Status West-Berlins,
       der die Beendigung des Kalten Krieges und der damit der Unsicher-
       heit unserer Stadt sowie die Aufnahme einer Funktion der Vermitt-
       lung, der  Begegnung und  der Verständigung beider Teile Deutsch-
       lands ermöglicht und die Wiedervereinigung vorbereitet.
       Geben wir  der Welt dieses Beispiel einer erfolgreichen Friedens-
       politik! Helfen  wir den Großmächten, aus ihrer gefährlichen Pre-
       stigeposition herauszukommen. Der Atomkrieg ist auf die Dauer nur
       durch eine  konsequente Neutralitätspolitik in den Konfliktgebie-
       ten der Welt zu vermeiden. Machen wir diese Erkenntnis zum Gesetz
       unseres politischen  Handelns, uns  selber zum  Vorteil  und  der
       Menschheit zum Segen!
       Berliner Arbeitsausschuß  "Gegen den Atomtod", Bezirksausschüsse:
       G. Schindler,  E. Lehmann-Eckert, H. Dehn, Dipl.-Ing. J. Schäfer,
       B. Thiel, Kl. Ehrler M.A., Dipl.-Kfm. S. Burmester.
       
       Der vorstehenden  Erklärung haben  bisher zugestimmt: Dr. med. A.
       Wolter, D.  Hermann, cand.  phys., H.  Budde, H.J. Krüger, Pastor
       Dzubba, Fr.  Noack, H. Wiessner, Pfarrer Merrem, W. Schloss, W.F.
       Thiel, Dr.  med. A.  Maikowski, E. Ladewig, Dipl.-Ing. M. Kiemle,
       L. Buck,  I. Fallenstein, H. Scharnberg, Fr. Werder, F. Bloch, M.
       Hübner, M.  Rennebarth, Fr.  Kurtz, Prof.  E. Engel, Architekt K.
       Borchardt, I.  Borchardt, Fr. Eulenstein, R. Christiansen, Dipl.-
       Chem. A.  Gude, G.  Braband, Dr. med. D. Klawonn, A. Klawonn, Dr.
       rer. pol. K. Swarzenski, A. Krznitz, Fr. Vogler, R.W. Schnell, U.
       Schnell, Ing.  F. Müller,  E. Stengel,  Dr. med.  H.G. Menzel, I.
       Menzel, Strinkau,  G. Fuchs, R.L. Achelis-Bezzel, H. Stenzel, Ar-
       chitekt F. Fassbender, Fr. Hubatsch, E. Schmiedecke, Schneeweiss,
       P. Blümel, I. Buchholz, Dr.-Ing. H. Wallbaum, A. Wallbaum, H. Na-
       gel, Dr. rer. pol. E. Respondeck, Dipl. Pol. W. Menge, Kaffka, H.
       Krüger, R.  Riemann, W.  Jaeschke, Ing. Kuttner, Pieper, Frenzke,
       Dr. jur.  R. Kohl,  H. Schulze,  R. Schuster, W. Marschalleck, F.
       von Lepel und andere.
       

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