Quelle: Blätter 1961 Heft 12 (Dezember)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DEUTSCHE AUFRÜSTUNG UND AMERIKANISCHE DEVISEN-BILANZ
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       Was die Materialbeschaffung betrifft, über die Strauß zur Zeit in
       Washington verhandelt,  so sollen  in diesem und im nächsten Jahr
       insgesamt nicht  weniger als  5,6 Milliarden DM für Rüstungskäufe
       in Amerika  angelegt werden.  Ein nicht  geringer Teil davon wird
       für Raketenwaffen  der taktischen  Gattungen aufgewendet, für die
       "Sergeant" und  die "Pershing", die an die Stelle der "Mace" tre-
       ten soll, und für andere, ferner für den "Starfighter" F-104, mit
       dem ein Teil der deutschen Luftwaffe ausgerüstet wird. Im Hinter-
       grund ist dabei bereits die Frage gestellt, ob nicht ein Teil der
       fliegenden Verbände bis zum Ende dieses Jahrzehnts durch Raketen-
       waffen abgelöst  werden müssen,  ob also eine längerfristige Pla-
       nung von  Flugzeugproduktion und  -beschaffung  noch  einen  Sinn
       habe...
       Die Rüstungskäufe  in den Vereinigten Staaten sind für Bonn nicht
       zuletzt ein  Mittel, die prekäre Devisenbilanz des Hauptverbünde-
       ten im Gleichgewicht zu halten. Das Volumen dieser Käufe, verbun-
       den mit  gewissen Einsparungen  und deutschen  Leistungen für die
       Benützung amerikanischer militärischer Einrichtungen, hat es bis-
       her gestattet,  das Dollarproblem, das für Washington aus dem Un-
       terhalt einer  Armee in der Bundesrepublik entsteht, einigermaßen
       zu bewältigen.  Wie die Bilanz aber aussehen wird, wenn noch mehr
       amerikanische Divisionen  in Westdeutschland  stationiert werden,
       ist im  einzelnen noch  nicht vorauszusehen.  Vermehrte  deutsche
       Leistungen könnten  in diesem Falle unumgänglich werden, doch hat
       man hier noch keine Vorstellung von ihrem Umfang, noch davon, wie
       sie finanzpolitisch zu verkraften wären.
       Neue Zürcher Zeitung v. 29.XI.61
       
       BEVÖLKERUNGSSCHUTZ KOSTET 100 MILLIARDEN
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       Die Gesamtkosten für den Aufbau einer umfassenden und tatsächlich
       brauchbaren "inneren Sicherheit" in der Bundesrepublik werden von
       Regierungs- und  Koalitionsexperten auf rund 100 Millarden DM ge-
       schätzt. Dabei  braucht man  die Hälfte dieses Gesamtbetrages für
       den Ausbau  von technisch einwandfreien Bevölkerungsschutzanlagen
       zur Sicherung des Überlebens von 70 bis 95 v.H. der Bundesbürger.
       Die andere Hälfte benötigt man für die bombensichere Lagerung von
       Versorgungsvorräten für 40 bis 50 Millionen Menschen.
       Die Riesensumme  von rd. 100 Millarden DM zwingt nach den Überle-
       gungen der  Regierungs- und  Koalitionsexperten zu  raschen  Ent-
       scheidungen über  die Aufbringung  der Gelder,  wobei  diese  Be-
       schlüsse vor  allem von  der ungeklärten  Frage diktiert  werden,
       wieviel Zeit  die Bundesrepublik  zum Aufbau des bisher praktisch
       auf der  Strecke gebliebenen Bevölkerungsschutzes habe. Im Augen-
       blick liegen  solche Fristrechnungen für zehn und fünf Jahre vor,
       was einen jährlichen Haushaltsanteil von 10 Milliarden oder sogar
       20 Milliarden  DM erfordern  würde. Daneben müßte allerdings auch
       der Aufwand  für die  Bundeswehr bestehen  bleiben, der  für 1962
       schon auf  15 Milliarden DM angehoben worden ist und noch steigen
       wird.
       Diese Ausgaben für die äußere und innere Sicherheit, die für 1962
       theoretisch mindestens 25 und maximal 35 Milliarden DM ausmachen,
       können nach den Berechnungen der Regierungs- und Koalitionsexper-
       ten nur unter der Voraussetzung eines weiter ansteigenden Sozial-
       produkts verkraftet  werden. Außerdem  müßte im  privaten Bereich
       das Anwachsen  des Verbrauchs  "verlangsamt" werden.  Dafür müßte
       man die Kostenbeteiligung an Luftschutzbauten und die Vorratshal-
       tung der sog. "Überlebens-Prämie" zu den Ausgaben für die persön-
       liche Gesundheits- und Alterssicherung hinzurechnen.
       Westfälische Rundschau v. 28.XI.61
       
       STRAUSS KAUFTE IN OSLO RÜSTUNGSMATERIAL
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       Wie Strauß weiter bekanntgab, hat die Bundesrepublik von Norwegen
       auf Grund  des Abkommens  vom 30.  April 1960 Rüstungsmaterial im
       Werte von 128 Millionen Mark angekauft.
       Die Welt v. 20.XI.61
       
       STRAUSS KÜNDIGT VORLAGE FÜR LÄNGEREN WEHRDIENST AN
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       Bundesverteidigungsminister Strauß  wird in  Kürze dem  Bundestag
       Pläne für  die Ausdehnung  der allgemeinen  Wehrpflicht von zwölf
       auf achtzehn Monate vorlegen, wie er vor der Presse in der norwe-
       gischen Stadt  Bergen ankündigte.  Die umfassende  Spezialausbil-
       dung, die  heutzutage von den Soldaten verlangt werde, lasse eine
       Dienstzeit von  einem Jahr  als  unzureichend  erscheinen,  sagte
       Strauß.
       Der Verteidigungsminister  hält sich seit Dienstag zu einem fünf-
       tägigen Besuch in Norwegen auf.
       Die Welt v. 16.XI.61
       
       AUFTRÄGE DER BUNDESWEHR
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       Die Bundeswehr  hat in  den vergangenen sechs Jahren Aufträge von
       insgesamt 26,4 Mrd. DM erteilt. Nach Mitteilung des Bundesvertei-
       digungsministeriums gingen  allein Aufträge  für 12,6 Mrd. DM ins
       Ausland. Rund  55 Prozent des "harten Geräts" bezieht die Bundes-
       wehr aus fremden Ländern. Dazu werden Waffen, Munition, Flugzeuge
       oder Schiffe  gerechnet. Zur  Zeit laufen noch Lieferungsverträge
       von 93  Mill. D-Mark.  Über weitere  Lieferungen im  Werte von 80
       Mill. DM wird noch verhandelt.
       Deutsche Zeitung v. 21./22.XI.61
       
       KRAFTFAHRZEUGE WERDEN "GEMUSTERT"
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       Die Kreiswehrersatzämter beginnen in diesen Wochen Unterlagen für
       die Bereitstellung  von Kraftfahrzeugen  im Verteidigungsfall  zu
       sammeln. Wie  vom Bundesverteidigungsministerium in Bonn am Frei-
       tag mitgeteilt wurde, werden die notwendigen Auskünfte und Unter-
       lagen von  den zuständigen  Behörden und  Organisationen angefor-
       dert. Diese Maßnahme gründe sich auf die Bestimmungen des Bundes-
       leistungsgesetzes vom 27. September 1961.
       Die Welt v. 18.XI.61
       
       NEUE GESCHWADER FÜR DIE LUFTWAFFE
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       Neun Luftwaffengeschwader  und 12 Flugabwehrbataillone - vier von
       ihnen sind  mit den Boden-Luft-Raketen "Hawk" und "Nike" ausgerü-
       stet -  werden gegenwärtig  in der Bundeswehr neu aufgestellt. Es
       handelt  sich   dabei  um   ein  Jagdbombergeschwader,   das  mit
       "Starfighter" F  104 G ausgerüstet wird, zwei Transportgeschwader
       und drei Aufklärungsgeschwader.
       Kölnische Rundschau v. 8.XI.61
       
       PROTESTE GEGEN STRAUSS
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       Mit einem Bundeswehrflugzeug ist Verteidigungsminister Strauß ge-
       stern zu einem viertägigen Besuch nach Norwegen abgereist. Strauß
       folgt mit  dem Besuch  einer Einladung des norwegischen Verteidi-
       gungsministers. Bereits am Montag war es in Oslo zu Demonstratio-
       nen gegen  den Besuch von Strauß gekommen. Gestern demonstrierten
       mehrere Gewerkschaftsgruppen, die erklärten, der Besuch in Norwe-
       gen sei unerwünscht. Die Hafenarbeiter von Oslo legten für 15 Mi-
       nuten ihre Arbeit nieder.
       Der Mittag v. 15.XI.61
       
       STRAUSS - "ATOMKRIEGSPOLITIKER"
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       Die liberale  norwegische Zeitung  "Dagbladet" hat  am Donnerstag
       scharfe Kritik  an dem westdeutschen Verteidigungsminister Strauß
       geübt. Strauß werde in der Geschichte als der Mann bekanntwerden,
       "der die  NATO zerbrochen  hat", schreibt  das  Blatt.  Es  müsse
       "kristallklar" bleiben,  daß "verschiedene  Mitgliedstaaten"  der
       NATO "sogar  noch vor  Ablauf der  Kündigungsfrist" der Verteidi-
       gungsorganisation Lebewohl  sagen würden, falls sich der amerika-
       nische Präsident  "den Forderungen  der Neodeutschen  nach  ihrer
       vollen Ermächtigung, 'den Atomknopf zu drücken', beugt". Die Zei-
       tung betont:  "Wir wünschen  Herrn Strauß  nicht in  der Nähe des
       'Atomknopfes'." Strauß sei "Atomkriegspolitiker" vom Format eines
       "Bulldozers". Darin bestehe seine "Hauptcharakteristik".
       Nach: Basler Nachrichten v. 25.XI.61
       
       STAATSPRÄSIDENT KEKKONEN KRITISIERT
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       DIE AUFRÜSTUNG DER BUNDESREPUBLIK
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       Der finnische  Staatspräsident Dr.  Urho Kekkonen hat am Sonntag-
       abend, zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Nordamerika, zu der von
       der Weltöffentlichkeit  mit Besorgnis aufgenommenen Sowjetnote an
       die finnische Regierung Stellung genommen. In einer Rundfunk- und
       Fernsehrede an  das Volk  erklärte er,  der militärische Teil der
       Sowjetnote gebe  zu ernster  Besorgnis Anlaß  und müsse  als  ein
       Ausdruck der bestehenden ernsten politischen Spannungen in Europa
       gesehen werden.  Niemand könne  glauben, daß  die  Bundesrepublik
       Deutschland oder  die mit ihr verbündeten Staaten einen militäri-
       schen Angriff auf die Sowjetunion über finnisches Gebiet planten.
       Kekkonen sagte  aber gleichzeitig,  er wisse, daß die Sowjetunion
       über die  schnelle Aufrüstung  der Bundesrepublik besorgt sei. Er
       selbst habe niemals seine Unruhe darüber westeuropäischen Staats-
       männern verheimlicht, auch wenn er genau wisse, daß der Atlantik-
       pakt ein  Verteidigungsbündnis sei.  Wenn es  aber zu einem Krieg
       kommen sollte,  so sei Finnlands Territorium geographisch gesehen
       immer in Gefahr, verletzt zu werden.
       Stuttgarter Zeitung v. 7.XI.61
       
       BELGRAD UND DER FALL VRACARIC
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       Vor dem  Konsulat der Bundesrepublik in Belgrad demonstrierten am
       Montag Arbeiter  und Studenten  mit Plakaten  mit der Aufschrift:
       "Nieder mit  dem deutschen  Nazismus" ,  "Gebt uns  Laza Vracaric
       wieder" und "Nieder mit dem Faschismus".
       Stuttgarter Zeitung v. 7.XI.61
       
       EMPÖRUNG ÜBER DEN FALL VRACARIC
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       Wie unser  Korrespondent in  Kopenhagen berichtet,  hat die Fest-
       nahme Vracarics in Dänemark und Norwegen nicht nur in den Kreisen
       der Widerstandsbewegung,  sondern in  der  ganzen  Öffentlichkeit
       größte Empörung hervorgerufen. Es wird festgestellt, daß der hier
       entwickelte Diensteifer  in deutlichem Kontrast steht zu der Pas-
       sivität mancher  deutschen Behörden bei der Rechtsverfolgung kri-
       mineller Handlungen  von Angehörigen  der Gestapo und des Sicher-
       heitsdienstes. Eine  Gruppe von ehemaligen dänischen Konzentrati-
       onslagergefangenen und Widerstandskämpfern hat am Montagvormittag
       auf der Botschaft der Bundesrepublik ein Protestschreiben mit dem
       Ersuchen um  Weiterleitung nach  Bonn überreicht.  Darin heißt es
       unter anderem, die Bundesregierung möge die augenblickliche Frei-
       lassung des Verhafteten anordnen und dafür Sorge tragen, daß sich
       ähnliche Vorgänge  in Zukunft  nicht wiederholen  könnten.  Unter
       breiten Schlagzeilen berichtete die dänische Morgenpresse am Mon-
       tag über  die Verhaftung Vracarics. "Deutsche wenden Nazifahndung
       an", "Unglaubliche  Verhaftung", "Deutsche  Anklage nach  20 Jah-
       ren",  "Wir   sind  alle  betroffen"  lauten  die  Überschriften.
       "Berlingske Tidende"  schreibt: "...die Widerstandskämpfer vieler
       Länder werden in eine Gefahrenzone kommen, wenn sie die Bundesre-
       publik besuchen  - auch dänische Freiheitskämpfer." Der Amsterda-
       mer "Telegraf"  sah in  der Verhaftung  einen Beweis,  daß es  in
       Deutschland immer noch "restaurative Kräfte" gebe.
       In Oslo  wies die Zeitung "Dagbladet" darauf hin, daß auch Norwe-
       ger in  Deutschland verhaftet werden könnten. Der norwegische Ju-
       stizminister Hauge  erklärte laut "Dagbladet", es wäre ein schwe-
       rer Rückschlag für die deutsch-norwegischen Beziehungen, wenn et-
       was derartiges einem Norweger passieren sollte.
       Stuttgarter Zeitung v. 7.XI.61
       
       APPELL AN KENNEDY
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       Prominente Wissenschaftler, Geistliche, Schriftsteller und Künst-
       ler aus  acht Nationen haben an Präsident Kennedy appelliert, die
       amerikanischen Kernwaffenversuche in der Atmosphäre nicht wieder-
       aufzunehmen. Gleichzeitig  wurden alle  Atommächte in  dem Appell
       aufgefordert, grundsätzlich  auf alle neuen Kernwaffenversuche zu
       verzichten. Zu den Unterzeichnern gehören der deutsche Physik-No-
       belpreisträger Max  Born, Lord  Boyd-Orr, Dr.  Albert Schweitzer,
       Lord Bertrand  Russell, François  Mauriac, Martin Buber und Pablo
       Casals.
       FAZ v. 16.XI.61
       
       GENERALSTAATSANWALT DR. FRITZ BAUER:
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       RECHT ZUM WIDERSTAND GEGEN ATOMRÜSTUNG
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       Der hessische  Generalstaatsanwalt Fritz  Bauer erinnerte gestern
       bei der  Landestagung 1961  der Evangelischen Kirchlichen Bruder-
       schaft Hessen  und Nassau  in Frankfurt an die Pflicht jedes Bun-
       desbürgers, gegen  ungesetzliche Anordnungen  und Befehle  Wider-
       stand zu leisten. Bauer erklärte, es gebe auch in Westdeutschland
       Tendenzen, den  Widerstandswillen zu schwächen, die Opposition zu
       diffamieren und  die freie  Meinungsäußerung einzuschränken.  Der
       Staatsbürger habe  das Recht, die Mitarbeit an der Atomrüstung zu
       verweigern und  Befehle zur Anwendung von Atomwaffen nicht auszu-
       führen.
       Westdeutsches Tageblatt v. 6.XI.61
       
       "ATOMVERSUCHE VÖLKERRECHTSWIDRIG"
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       Atombombenversuche, bei  denen Menschen fremder Völker unfreiwil-
       lig zu  Objekten von  Experimenten gemacht  würden, seien völker-
       rechtswidrig, sagte  Professor Gerd  Burkhardt vom  Institut  für
       theoretische Physik der Technischen Hochschule Hannover auf einer
       Protestversammlung Hannoverscher  Atomwaffengegner. Der  Physiker
       Lothar Schulze  vom strahlenbiologischen Institut der TH Hannover
       warnte im  Namen des  "Ostermarsches der Atomwaffengegner", deren
       Zentralkomitee er  angehört, vor  der Resignation. Jeder einzelne
       müsse versuchen,  dazu beizutragen, daß die atomare Bedrohung be-
       seitigt wird.  Die atomwaffenfreie Zone müsse wieder ins Gespräch
       kommen.
       Süddeutsche Zeitung v. 6.XI.61
       
       UN: KERNWAFFEN SOLLEN GEÄCHTET WERDEN
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       Der Politische  Hauptausschuß der  UN-Vollversammlung hat  haupt-
       sächlich mit  den Stimmen  der afrikanischen, asiatischen und der
       Ostblockstaaten eine  Resolution angenommen, in der die Anwendung
       von Kernwaffen  im Kriegsfall  als eine  Verletzung der UN-Charta
       und als  Verbrechen gegen die Menschheit bezeichnet wird. Die Re-
       solution fordert  den UN-Generalsekretär auf, die Einberufung ei-
       ner internationalen  Konferenz zu  erwägen, um  die Anwendung von
       Kernwaffen ächten  zu lassen.  Sechzig Nationen  stimmten für die
       Resolution, darunter  der Ostblock; 16 wandten sich dagegen, dar-
       unter die  Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich. 25
       Staaten enthielten sich der Stimme.
       FAZ v. 16.XI.61
       
       AFRIKA SOLL ATOMFREIE ZONE WERDEN
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       Mit 58 zu null Stimmen bei 41 Stimmenthaltungen hat der erste po-
       litische Ausschuß  der Vollversammlung  der UNO  eine  Resolution
       afrikanischer Mitgliedstaaten  angenommen, in der die Anerkennung
       Afrikas als kernwaffenfreie Zone gefordert wird.
       Der politische  Hauptausschuß billigte  ferner mit  60  gegen  16
       Stimmen bei 25 Stimmenthaltungen einen Entwurf, in dem die Anwen-
       dung von  Kernwaffen zu einer unmittelbaren Verletzung der Charta
       der Vereinten Nationen erklärt wird.
       Die Welt v. 15.XI.61
       
       UN: AFRIKA SOLL ATOMWAFFENFREI SEIN
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       Die UN-Vollversammlung  hat gestern alle Mitgliedstaaten aufgeru-
       fen, "den afrikanischen Kontinent als kernwaffenfreie Zone zu re-
       spektieren". Die  Vorlage wurde  mit 55 Stimmen ohne Gegenstimmen
       bei 44 Stimmenthaltungen angenommen. Die drei Westmächte enthiel-
       ten sich der Stimme. Der Ostblock, die skandinavischen Länder so-
       wie Österreich  und Jugoslawien  billigten die  Entschließung. In
       weiteren Zusatzanträgen  verurteilte  die  Vollversammlung  jeden
       Einsatz von  Atomwaffen als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit"
       und direkte Verletzung der UN-Charta.
       Kölner Stadtanzeiger v. 25./26.XI.61
       
       DEBRÉ BETONT WUNSCH NACH ATOMWAFFEN
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       Den Wunsch Frankreichs nach Atomwaffen, die das Land "groß, unab-
       hängig und  stolz" machen  würden, hat Premierminister Debré wäh-
       rend einer  Rede in  der Bretagne bekräftigt. "Gegenwärtig ist es
       unmöglich, Macht  ohne eine  wirkliche atomare Schlagkraft zu er-
       reichen. Daher  liegt die  Zukunft der Armee in der gegenseitigen
       Abhängigkeit zwischen den früheren Armeekorps und der Atommacht."
       Die Welt v. 7.XI.61
       
       NOËL-BAKER HÄLT ABRÜSTUNG FÜR MÖGLICH
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       Der britische  Friedensnobelpreisträger von 1959, Philip Noël-Ba-
       ker, sagte  am Mittwochabend in der Heidelberger Universität, die
       international kontrollierte  Abrüstung sei  keine Utopie, sondern
       die einzig realistische Politik. Alle westlichen Länder seien der
       gleichen Meinung.  Dagegen sei es eine Utopie zu glauben, daß Si-
       cherheit mit  Rüstung gewonnen  werden könne.  Kennedy  sei  kein
       Biertischstratege, wie  sein Appell an die UN-Vollversammlung be-
       weise, entweder  gemeinsam unseren  Planeten zu  retten, oder ge-
       meinsam in den Flammen zugrunde zu gehen. Noël-Baker begrüßte die
       Vereinbarung zwischen  dem amerikanischen  Abrüstungsbeauftragten
       Mac Cloy und dem Sowjetbotschafter Sorin über die Grundsätze, un-
       ter denen  die nächsten  Abrüstungsverhandlungen  folgen  sollen.
       Noël-Baker polemisierte  gegen die  "kindliche Torheit",  mit der
       Bombe in  Frieden leben  zu wollen,  oder die Abrüstung als tech-
       nisch undurchführbar hinzustellen. Im Gegenteil seien die techni-
       schen Schwierigkeiten einer Abrüstung viel geringer als die einer
       Verteidigung einer Nation.
       Stuttgarter Zeitung v. 10.XI.61
       
       RUSSELL EMPFIEHLT NEUTRALITÄT
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       Der 89jährige  britische Philosoph  Bertrand Russell beschuldigte
       auf einer  Kundgebung der von ihm geführten Atombombengegnerbewe-
       gung West  und Ost  der "Unaufrichtigkeit" bei den Abrüstungsvor-
       schlägen. Er  warf den Amerikanern und Deutschen vor, die Kriegs-
       gefahr zu  vergrößern. Gewisse  amerikanische Kreise träten immer
       mehr für  einen Atomkrieg ein. Die Kriegsgefahr komme jedoch auch
       von anderen  Ländern. Adenauer und zahlreiche seiner Anhänger be-
       fürworteten eine Politik, die nicht ohne einen Weltkrieg verwirk-
       licht werden könne. Russell meinte, Großbritannien sollte neutral
       werden und aus der NATO austreten.
       Süddeutsche Zeitung v. 6.XI.61
       
       WER ÜBERLEBT, MUSS SPÄTER VERHUNGERN
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       Ein Atomkrieg  zwischen den  USA und  der Sowjetunion würde - wie
       der Wissenschaftler Dr. Bently Glass von der John-Hopkins-Univer-
       sität in Baltimore errechnete - für 80 Prozent der amerikanischen
       und für 70 Prozent der sowjetischen Bevölkerung den Tod bedeuten.
       Glass glaubt außerdem, daß die Überlebenden verhungern müßten, da
       landwirtschaftliche Produkte auf Jahre hinaus für die menschliche
       Ernährung nicht mehr brauchbar seien.
       Abendpost v. 20.XI.61
       
       BELGISCHER SENATSPRÄSIDENT: ODER-NEISSE-LINIE ENDGÜLTIG
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       Der Präsident  des belgischen Senats, Paul Struye, bezeichnete am
       Montagabend in  Brüssel die Oder-Neiße-Linie als "endgültig". Man
       müsse entschlossen  "gewisse Realitäten" in Kauf nehmen. Dazu ge-
       höre auch  die De-facto-Anerkennung  Ostdeutschlands. Wichtig sei
       nur die  Freiheit der Berliner. Struye sprach auf einer Vortrags-
       veranstaltung zusammen mit dem ehemaligen französischen Minister-
       präsidenten Faure. An der Veranstaltung nahmen auch Prinz Albert,
       der Bruder  König Baudouins,  sowie zahlreiche Angehörige des Di-
       plomatischen Korps teil.
       Frankfurter Rundschau v. 15.XI.61
       
       EDGAR FAURE FÜR DEUTSCHLAND-VERHANDLUNGEN
       =========================================
       
       Der frühere  französische Ministerpräsident  Edgar Faure erklärte
       anläßlich eines Vortrags in Brüssel, daß man Verhandlungen eröff-
       nen müsse.  Warum, fragte er, sollte man nicht mit den Leuten der
       Deutschen Demokratischen  Republik sprechen?  Der ehemalige Mini-
       sterpräsident glaubt  auch, daß  der Vorschlag,  den UN-Sitz nach
       Berlin zu  verlegen, vielleicht  eine Lösung  darstelle. Auf  die
       Wiedervereinigung Deutschlands eingehend, erklärte er, es sei of-
       fenkundig, daß  die Russen  ihr nicht  zustimmen werden, wenn sie
       gewiß seien, das ganze Deutschland in dem ihnen entgegengesetzten
       Lager wiederzufinden. Das Problem, schloß er, kann nur durch Ver-
       handlungen in  weitgestecktem Rahmen  gelöst werden.  "Berlin ist
       kein Problem, das man isolieren könne."
       Le Monde v. 15.XI.61
       
       BAUERN KENNEN KAUM URLAUB
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       Rund 88 Prozent aller Bauern und rund 95 Prozent aller Bäuerinnen
       in der  Bundesrepublik haben  in ihrem  Leben noch nie Urlaub ge-
       macht, teilte  der niedersächsische  Landvolkverband gestern mit.
       Eine Untersuchung  der bäuerlichen  Bevölkerung in mehreren Land-
       kreisen durch  100 Ärzte habe ergeben, daß von den Männern nur 36
       Prozent und  von den  Frauen nur  32 Prozent  einwandfrei  gesund
       seien.
       Solinger Tageblatt v. 24.XI.61
       
       FAST DIE HÄLFTE DER DEUTSCHEN BESITZT KEIN BUCH
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       Im Rahmen einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie Iserlohn
       hat der  Leiter des Instituts für Markt- und Werbeinformation der
       Werbeagentur Dr.  Hegemann über  seine Analysen zum Weihnachtsge-
       schäft 1961 gesprochen. Dabei erwähnte er, daß nach einer Analyse
       aus dem Jahre 1958 fast die Hälfte der westdeutschen Bevölkerung,
       nämlich 47%,  kein einziges Buch besitzt. Mindestens 20 Millionen
       Einwohner haben  keinen Klassiker, kein Kinderbuch, keinen Krimi-
       nalroman, kein Lexikon, keine Liebesgeschichte, keine Biographie,
       keine Reisebeschreibung, kein wissenschaftliches Werk, kein Koch-
       buch, sondern das pure Nichts! Nicht einmal ein Gesangbuch!
       34% der  Bevölkerung haben  noch nie in ihrem Leben ein Buch gek-
       auft. Das sind etwa 14 Millionen Einwohner. Sie haben, so muß man
       vermuten, kein  einziges Mal  im Leben auch nur zwei Mark für ein
       Buch aus  ihrem Portemonnaie  geholt. Waren 14 Millionen deutsche
       Bürger noch nie in ihrem Leben in einer Buchhandlung?
       Inzwischen liegt  eine neuere Untersuchung von Ende 1958 vor, die
       vom EMNID-Institut  im Auftrage  des Bertelsmann-Verlags durchge-
       führt wurde  und deren  Ergebnisse Dr.  Fröhner in Buchform unter
       dem Titel  "Das Buch  in der  Gegenwart" dargestellt hat. Befragt
       wurden 2000  Männer und  Frauen ab  16 Jahren. Sie repräsentieren
       eine Grundgesamtheit  von 40  Millionen erwachsener Bundesbürger.
       Von ihnen  besaßen 35%  kein einziges Buch, also rd. 14 Millionen
       Menschen. Von den durch EMNID ermittelten 65% Buchbesitzern besa-
       ßen 17% nicht mehr als 10 Bücher und nur 16% - also etwa 6,4 Mil-
       lionen -  stand jeweils  eine eigene  Bücherei von mindestens 100
       Büchern zur Verfügung.
       Kölner Stadtanzeiger v. 24.VIII.61.
       
       SENDER FREIES BERLIN SCHALTET BRECHT AB...
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       Der Sender  Freies Berlin  (SFB) wird die Übertragung von Bertolt
       Brechts Schauspiel  "Schweyk im zweiten Weltkrieg" im ersten Pro-
       gramm des  Deutschen Fernsehens  am Donnerstag,  9. November,  um
       20.20 Uhr,  nicht übernehmen  und während dieser Zeit ein eigenes
       Regionalprogramm ausstrahlen.  Der Süddeutsche Rundfunk habe zwar
       die  Sendung  dieser  Produktion  damit  begründet,  daß  es  ein
       "antidiktatorisches Stück"  sei, der SFB lehne es jedoch ab, nach
       dem 13. August das Werk eines "kommunistischen Autors" zu senden,
       heißt es in einer Stellungnahme des Senders.
       Stuttgarter Zeitung v. 4.XI.61
       
       WASHINGTON SPIELT BRECHT
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       Mit der  erfolgreichen Aufführung  von Bert Brechts "Kaukasischem
       Kreidekreis" wurde  ein neues Theater in Washington eröffnet. Un-
       ter  den   Premierengästen  dieser  ersten  Brecht-Aufführung  in
       Washington waren  Weltbankpräsident Black  und  US-Finanzminister
       Dillon.
       Frankfurter Rundschau v. 6.XI.61
       
       BEETHOVENS IX. SINFONIE IN PEKING ERSTAUFGEFÜHRT
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       Die Neunte Sinfonie von Beethoven wurde kürzlich zum erstenmal in
       Peking aufgeführt. Die Ausführenden waren Chinesen.
       Die Tat (Zürich) v. 25.XI.61
       
       DER HANDEL DER EWG MIT DEM OSTBLOCK
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       Nach einer Mitteilung des deutschen Industrieinstitutes vom Frei-
       tag hat  sich der Handel der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
       mit dem Ostblock in letzter Zeit erhöht. Mit einem Austauschvolu-
       men von  1,39 Mrd.  Dollar (Einfuhr  und Ausfuhr)  waren die  So-
       wjetunion und  ihre osteuropäischen  Satellitenstaaten in den er-
       sten acht Monaten 1961 am gesamten Außenhandel der EWG-Länder mit
       3,30% beteiligt. Im entsprechenden Zeitraum 1960 hatte ihr Anteil
       3,19% betragen.  Bei den  EWG-Ländern spielte das Ostgeschäft die
       größte Rolle  in Italien,  das 5,55%  seines Außenhandels mit dem
       Ostblock abwickelte.  Auch am Außenhandel Westdeutschland war der
       Sowjetblock mit  3,67%  überdurchschnittlich  beteiligt,  während
       sein Anteil  am Außenhandel  Frankreichs mit  2,79%, Belgiens und
       Luxemburgs mit  2,13% und  der Niederlande  mit 1,96%  unter  dem
       Durchschnitt sämtlicher EWG-Länder lag.
       Neue Zürcher Zeitung v. 22.XI.61
       
       OSTHANDEL NIMMT ZU
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       Die Einfuhren  der Bundesrepublik  aus Ländern  des Ostblocks er-
       reichten im dritten Quartal 1961 nach Angaben des Deutschen Indu-
       strieinstituts 520,5  Mill. D-Mark.  Sie übertrafen damit die Im-
       porte der  gleichen Vorjahreszeit  um 9,6  Prozent. Die Ausfuhren
       wurden um  8,9 Prozent auf 492,2 Mill. DM gesteigert. Die Einfuh-
       ren aus  der Sowjetunion  lagen mit  221 Mill. DM um 25,4 Prozent
       über dem  dritten Vierteljahr 1960, die Exporte dorthin waren mit
       163,4 Mill. DM um 19,4 Prozent größer.
       Deutsche Zeitung v. 27.XI.61
       
       DIE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN DER DDR MIT DEM WESTEN
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       Eine in  Bonn vorliegende Übersicht über die Wirtschaftsbeziehun-
       gen der  Sowjetzone zu  den westlichen Ländern zeigt, daß mit den
       meisten Staaten  Handelsvereinbarungen, Handelsabkommen oder Ban-
       kenabkommen bestehen.  Von den  Nato-Ländern haben nur die Verei-
       nigten Staaten  und Kanada keine festen Abkommen. Mit beiden Län-
       dern werden aber ebenfalls Geschäfte abgewickelt. Vorwiegend wer-
       den Stahl-  und Walzwerkerzeugnisse,  chemische Ausrüstungen  und
       Chemikalien an die Sowjetzone geliefert.
       Der Handel zwischen Frankreich und der Sowjetzone soll nach einem
       Bankenabkommen im  Jahre 1961  ein Gesamtvolumen von rund 80 Mil-
       lionen DM erreichen. Auf der französischen Lieferliste stehen un-
       ter anderem  Walzwerkerzeugnisse, elektrotechnische  Erzeugnisse,
       chemische Erzeugnisse und Maschinen. Großbritannien betreibt sei-
       nen Handel  mit der  Zone auf  Grund eines Abkommens zwischen der
       Kammer für  Außenhandel und der Federation of British Industries.
       In diesem  Jahr werden insgesamt etwa 165 Millionen DM umgesetzt.
       Die Zone importiert aus England Eisen- und Stahlerzeugnisse, che-
       mische Ausrüstungen,  Chemikalien, Farben und Lacke, Kautschuker-
       zeugnisse und  Rundfunk- und Fernsehausrüstungen. Ein Handelskam-
       merabkommen ist  auch die  Basis für  den Warenaustausch zwischen
       Italien und der Sowjetzone. Die für 1961 vereinbarten Warenlisten
       sehen ein  Gesamtvolumen von 116,8 Millionen DM vor. Italien lie-
       fert unter anderem metallurgische Erzeugnisse, Schmiedestücke und
       Furniere, Chemikalien,  Felle und Südfrüchte. Metallwaren, chemi-
       sche Produkte,  Textilien und Erzeugnisse der Landwirtschaft wer-
       den von den Niederlanden an die Zone geliefert. 1961 soll der Wa-
       renaustausch insgesamt  147,2 Millionen  DM ausmachen.  Auch hier
       ist ein Abkommen zwischen den Handelskammern die Grundlage.
       Norwegen tauscht  mit der Sowjetzone Waren im Werte von 68,9 Mil-
       lionen DM.  Die norwegische  Lieferliste enthält  Walzwerkerzeug-
       nisse, Chemikalien,  Holzveredelungsprodukte und Fischereierzeug-
       nisse. Ein  Warenaustausch im Werte von 102 Millionen DM ist zwi-
       schen der Kammer für Außenhandel und dem belgischen Office Econo-
       mique vereinbart  worden. Die  Zone erhält  von Belgien Stahl und
       Walzwerkerzeugnisse, Textilrohstoffe,  Erzeugnisse des Maschinen-
       baus und der Elektroindustrie und Chemikalien. Dänemark, Portugal
       und die  Türkei liefern  in erster Linie landwirtschaftliche Pro-
       dukte, Holz, Tabak und Fischereierzeugnisse. Im Wert ist die Ver-
       einbarung zwischen  der Türkei  und der  Sowjetzone für  das Jahr
       1961 am  höchsten. Der  zwischen den  Außenhandelskammern verein-
       barte Warenaustausch sieht einen Gesamtumsatz von 208,8 Millionen
       DM vor.  Portugal kommt auf insgesamt 32,8 Millionen DM, Dänemark
       auf 66,5 Millionen DM.
       FAZ v. 17.VIII.61.
       

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