Quelle: Blätter 1962 Sonderheft 1


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       TEIL VII: WAS KOSTET DIE RÜSTUNG?
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       Prognosen aus neun Jahren
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       Als Fachleute  im Dezember  1954 die Rüstungskosten für die näch-
       sten Jahre  auf rund  81 Milliarden Mark schätzten, sprach man in
       Bonn noch  von phantastischen  Zahlen.  Bundeswirtschaftsminister
       Erhard versicherte, man werde keinesfalls über einen Jahresbetrag
       von 9  Mrd. DM  hinausgehen. -  Haushalt für  das Bundesverteidi-
       gungsministerium im  laufenden  Rechnungsjahr  laut  Kabinettsbe-
       schluß vom 24. Januar 1962: 16,5 Mrd. DM.
       
       87 15 Mrd. DM jährlich - Bonn spricht von "Phantasiezahlen"
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       Jährlich über  15 Milliarden  DM wird der deutsche Verteidigungs-
       beitrag nach  alliierten Berechnungen  in den  ersten drei Jahren
       kosten. Das sind rund 7 Milliarden DM mehr, als im Bundeshaushalt
       1955/56 vorgesehen  sind. Nach  diesen drei  Jahren  des  Aufbaus
       bleibt ein Finanzbedarf von jährlich 11,7 Milliarden DM.
       Die Welt v. 15.XII.1954
                                    *
       Die Aufrüstung  der Bundesrepublik wird rund 81 Milliarden DM ko-
       sten. So  lautet eine  Schätzung amerikanischer Sachverständiger,
       die gestern in Bonn schnell die Runde machte und viel Wirbel ver-
       ursachte: die  Bundesregierung sah  sich sofort  zu einem Dementi
       veranlaßt... Ein  Sprecher der  Bundesregierung erklärte,  daß es
       sich bei  den Schätzungen der amerikanischen Sachverständigen of-
       fenkundig um  "Phantasiezahlen" handelt.  Er verwies auf die aus-
       drückliche Feststellung des Bundesfinanzministeriums in der Haus-
       haltsdebatte des  Bundestages, daß  über 9  Milliarden auf keinen
       Fall hinausgegangen werden könne...
       Die Schätzung  der amerikanischen  Fachleute lautet  im einzelnen
       folgendermaßen: rund 27,79 Milliarden DM wird die Erstausstattung
       des neuen deutschen Heeres kosten. Davon wird man rund 10,14 Mil-
       liarden DM  für schwere  Waffen und Ausrüstung der 12 Divisionen,
       zehn  Milliarden   DM  für   die   Restausstattung   des   Heeres
       (Artillerie, Flak, Nachrichtengeräte etc.), sieben Milliarden für
       leichte Waffen und Einzelausrüstung und rund 650 Millionen DM für
       Uniformen ausgeben müssen.
       Etwa fünf  Milliarden DM  soll nach den Schätzungen der Fachleute
       an Hand amerikanischer Preise die Erstausstattung der Luftstreit-
       kräfte kosten.  Rund vier  Milliarden DM  kostet die  Marine. 350
       Millionen DM  müssen für Uniformen für diese beiden Waffengattun-
       gen ausgegeben  werden. Neun  Milliarden müssen  für militärische
       Bauten, zehn  Milliarden für  den militärischen und zivilen Luft-
       schutz und  drei Milliarden  für Verpflegungs- und Munitionslager
       für 90  Tage auf  den Tisch gelegt werden. Dies ergibt eine Summe
       von 59,14 Milliarden DM für die Erstausstattung.
       Dazu kommen nach den Schätzungen der Fachleute die Unterhaltungs-
       kosten der Truppen für die ersten drei Jahre (Verpflegung, Unter-
       kunft, Besoldung, Reparaturen etc.) in Höhe von 14 Milliarden DM.
       Dazu kommen noch 8,2 Milliarden DM, die in diesen drei Jahren für
       Ersatz von  abgenutztem Material  ausgegeben werden  dürften. Die
       Gesamtsumme ist gleich 22,2 Milliarden DM.
       Erstausstattung und  Unterhalt zusammen  kosten jedoch in den er-
       sten drei Jahren der geplanten Aufrüstung 81,34 Milliarden DM.
       Nürnberger Nachrichten v. 15.XII.1954
       
       88 Erhard: Weiterhin nur 9 Mrd.
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       "Das Unheil von 1936 wird sich nicht wiederholen", fuhr der Mini-
       ster fort.  "Wir werden  unsere Währung stabil halten, wir werden
       die Rüstung  genau so  nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten
       durchführen wie  unseren bisherigen  Wiederaufbau. Wir werden den
       Lebensstandard nicht antasten und wir werden vor allem auch trotz
       der Rüstung  die Konvertibilität  der DM  erreichen. Dabei bleibt
       es."
       Prof. Erhard bekräftigte noch einmal, daß die Bundesrepublik auch
       weiterhin nur  neun Mrd. DM jährlich für Verteidigungszwecke auf-
       bringen werde.  "Alle Vermutungen  über größere Summen sind reine
       Spekulationen, die von der NATO nicht geteilt werden."...
       Als mögliche Höhe des Verteidigungsbeitrags für den Fall, daß die
       internationale Lage in allen NATO-Staaten eine stärkere Rüstungs-
       anstrengung erforderlich  mache, nannte  der  Minister  elf  oder
       zwölf Mrd.  DM. Beträge dieser Größenordnung seien jedoch bei dem
       Umfang des deutschen Sozialprodukts vollkommen neutral und würden
       die Marktwirtschaft nicht "aus den Angeln heben".
       Bulletin... v. 12.I.1955
       
       89 Die "natürliche Tendenz der Entwicklung"
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       ...Es entspricht  jedoch der natürlichen Tendenz der Entwicklung,
       daß die  deutschen Verteidigungsausgaben mit dem fortschreitenden
       Aufbau der  Bundeswehr in  den kommenden Jahren erheblich anstei-
       gen. Fest  steht auch, daß dieses Ansteigen weitere deutsche Bei-
       träge zu  den Unterhaltskosten  der fremden  Streitkräfte in  der
       Bundesrepublik ausschließen  dürfte. Im Haushaltsjahr 1957/58 ist
       ein Gesamtbetrag  von 1,2  Mrd. DM mit den verbündeten Stationie-
       rungsmächten vereinbart worden.
       Bulletin... v. 16.X.1957
       
       90 Statistik
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       Das Generalsekretariat der Nordatlantikpakt-Organisation in Paris
       veröffentlichte anläßlich  einer Ministerratstagung am 14. Dezem-
       ber 1961  Angaben über den Rüstungsaufwand aller Mitgliedsstaaten
       für die  Jahre 1949 bis 1961. Die amtliche Kostenberechnung setzt
       für die  Bundesrepublik - wie einer Anmerkung der NATO-Veröffent-
       lichung zu entnehmen ist - erst 1953 ein.
       
       Die in  der nachstehenden Tabelle aufgeführten Zahlen beruhen auf
       der von  der NATO  angewandten Begriffsbestimmung  für  Verteidi-
       gungsausgaben und stellen die tatsächlichen oder die im Laufe des
       Kalenderjahres vorgesehenen  Zahlungen dar.  Im Vergleich  zu den
       Haushaltsangaben der  einzelnen Länder können hier erhebliche Ab-
       weichungen auftreten,  da die Länder bei der Berechnung der Haus-
       haltsposten einen  anderen Maßstab zugrunde legen als die NATO...
       In den  Angaben für  die europäischen Länder ist der Wert der von
       den Vereinigten  Staaten und  Kanada im  Rahmen des militärischen
       Hilfsprogramms gelieferten Ausrüstungen nicht enthalten.
       
       Bundesrepublik Deutschland:
       
       Jahr    Mill. DM       Jahr    Mill. DM
       
       1953     6 195         1958     6 853
       1954     6 287         1959    11 087
       1955     7 383         1960    12 115
       1956     7 211         1961    12 784
       1957     8 962
       
       Vor ihrem  Eintritt  in  die  Nordatlantikpakt-Organisation  (Mai
       1955) trug die Bundesrepublik durch die Zahlung von Besatzungsko-
       sten zum  Verteidigungshaushalt bestimmter  NATO-Länder  bei  und
       trug weitere,  laut NATO-Begriffsbestimmung als Verteidigungsaus-
       gaben bezeichnete  Kosten. Der  für das  Jahr 1953 angegebene Ge-
       samtbetrag stellt die hier im Haushaltsjahr 1953/54 (1. April bis
       31. März)  erfolgten Ausgaben  dar. Die  Angaben über die vor dem
       Haushaltsjahr 1953/54  liegenden Jahre  sind dem Sekretariat noch
       nicht mitgeteilt worden.
       NATO-Brief (Paris), Nr. 1 - Januar 1962
       
       91 Prognosen
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       Bundeskanzler Konrad  Adenauer hat dem Präsidenten des Bundesver-
       bandes der Deutschen Industrie, Fritz Berg, in einem privaten Ge-
       spräch prophezeit,  der Aufwand für Verteidigung und für Entwick-
       lungshilfe werde  im Jahre  1963 auf 24 Milliarden Mark anwachsen
       (1962: 18 Milliarden Mark).
       Der Spiegel v. 10.I.1962
       

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