Quelle: Blätter 1962 Heft 01 (Januar)


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       CHRONIK DES JAHRES 1961
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       Januar
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       1.1. - K u b a.   Von einer  "bevorstehenden Invasion Kubas durch
       die USA"  spricht Ministerpräsident  Castro in einem Telegramm an
       den UN-Sicherheitsrat.  Zwei Tage  später geben  die  Vereinigten
       Staaten den  Abbruch der  diplomatischen Beziehungen  zu Kuba be-
       kannt, weigern sich aber, ihren dortigen Marinestützpunkt Guanta-
       namo zu räumen.
       
       2.1. - L a o s.   Prinz Sihanouk  von Kambodscha  lädt  die  vier
       Großmächte, die  VR-China und neun weitere Staaten zu einer Laos-
       Konferenz ein,  um den  Bürgerkrieg und  jede ausländische Einmi-
       schung zu beenden.
       
       3.-7.1. - A f r i k a.   In Casablanca bilden die Staats- und Re-
       gierungschefs Marokkos,  der VAR, Ghanas, Guineas, Malis, Libyens
       und das  algerische Exilkabinett  ein einheitliches militärisches
       Oberkommando. "Sobald  die Verhältnisse dies erlauben" - so heißt
       es in  der verabschiedeten  "Afrikanischen Charta"  soll eine ge-
       meinsame Konsultativversammlung einberufen werden.
       
       16.1. - A l g e r i e n.   Die Provisorische Regierung erklärt in
       Tunis ihre Bereitschaft, mit Paris "Verhandlungen über die Bedin-
       gungen für eine freie Konsultation des algerischen Volkes" aufzu-
       nehmen.
       
       20.1. - U S A.  John F. Kennedy tritt die Nachfolge Präsident Ei-
       senhowers an.  Zu seinen  wichtigsten Aufgaben zählt er, "zum er-
       stenmal ernsthafte  und präzise Vorschläge für die Inspektion und
       Kontrolle der  Rüstungen zu formulieren - und die absolute Macht,
       andere Nationen  zu vernichten unter die absolute Kontrolle ande-
       rer Nationen  zu bringen.  In einem  Telegrammwechsel mit Chrust-
       schow drücken  beide Politiker ihre Bereitschaft zu Verhandlungen
       über die  strittigen Weltprobleme  aus. -  Kennedy bezeichnet  in
       seiner ersten "Botschaft über die Lage der Nation" die amerikani-
       sche Wirtschaftslage  als äußerst beunruhigend und gibt neben ei-
       ner Erhöhung des Rüstungsbudgets die Beschleunigung des militäri-
       schen Raketenprogramms bekannt.
       
       22.1. - P o r t u g a l.   Unter Führung Hauptmann Galvaos setzen
       sich 40  Angehörige des Revolutionären Iberischen Befreiungskomi-
       tees im  Caribischen  Meer  in  den  Besitz  des  portugiesischen
       21 000-t-Passagierdampfers "Santa  Maria". Nach 10 Tagen übergibt
       Galvao das  Schiff brasilianischen Behörden. Mehrere Oppositions-
       politiker   fordern   aus   diesem   Anlaß   von   Salazar   eine
       "demokratische Regierungsform".
       
       23.1. - B e l g i e n.  Der seit dem 20. Dezember 1960 andauernde
       Streik gegen das von der Regierung beschlossene "Loi unique" (das
       Gesetz brachte  Steuererhöhungen von  8,6 Mrd.  b.  Fr.  und  die
       Schließung einiger Kohlengruben) geht zu Ende. Bei Zusammenstößen
       zwischen Streikenden und der Polizei hatte es fünf Tote und viele
       hundert Verletzte gegeben.
       
       Februar
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       12.2. - K o n g o.   Der vom Parlament gewählte Ministerpräsident
       Patrice Lumumba und zwei seiner Kabinettsmitglieder, die sich zu-
       letzt in  der Gefangenschaft  Katangas befanden, werden ermordet.
       Die asiatisch-afrikanische Staatengruppe und die Delegationen des
       Ostblocks in  den Vereinten Nationen rufen den Sicherheitsrat an.
       Die Sowjetunion  fordert die Einstellung der UNO-Aktion am Kongo,
       Guinea legt Hammarskjöld den Rücktritt nahe. Antoine Gizenga bil-
       det in  Stanleyville eine  neue Regierung,  die von  22 afrikani-
       schen, asiatischen  und sozialistischen  Staaten anerkannt  wird.
       Der Sicherheitsrat ordnet in einer von der VAR und Liberia einge-
       brachten Resolution an: "Rückzug und Abtransport allen belgischen
       und anderen ausländischen militärischen, paramilitärischen Perso-
       nals und aller politischen Berater und angeworbenen Söldner."
       
       17.2. - D e u t s c h l a n d f r a g e.     Botschafter  Smirnow
       überreicht in  Bonn ein Memorandum. Der Kreml nennt darin den Ab-
       schluß des deutschen Friedensvertrages "zur Zeit das Hauptelement
       der sowjetisch-westdeutschen  Beziehungen", da  "alle Fristen ab-
       gelaufen" seien.
       
       23.2. - F e r n s e h s t r e i t.    Als  verfassungswidrig  be-
       zeichnet   das    Bundesverfassungsgericht   die   Gründung   der
       "Deutschland-Fernsehen GmbH", für die die Bundesregierung bereits
       mehr als 100 Mill. DM aus Haushaltsmitteln zur Verfügung gestellt
       hatte.
       
       März
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       2.3. - F r a n k r e i c h.   Die Pariser Appellationskammer ver-
       urteilt 19  Angeklagte im  "Barrikadenprozeß" wegen  Teilnahme an
       dem von  Rechtsextremisten im  Jahre 1960 angezettelten Putsch in
       Algerien.
       
       3.3. - K e r n w a f f e n.   General Heusinger  fordert in einem
       Interview von der NATO, taktische Atomwaffen "so nahe wie möglich
       an der Frontlinie" zu stationieren.
       
       6.3. - D - M a r k.  Regierung und Bundesbank werten die Deutsche
       Mark um 4,75 v.H. auf.
       
       7.3. - K o n g o.  Ghanas Präsident Nkrumah regt an, das UNO-Kom-
       mando in  Leopoldville ausschließlich Vertretern Afrikas zu über-
       geben.
       
       8.-11.3. - R a p a c k i - P l a n.  Bei einem Besuch in Wien er-
       klärt der polnische Außenminister, sein Plan einer "entatomisier-
       ten" Zone in Mitteleuropa sei nach wie vor gültig.
       
       17.3. - A b r ü s t u n g.   In einem Kommunique aller Premiermi-
       nister des  Commonwealths heißt  es, die "nationalen Streitkräfte
       und Rüstungen müssen auf einen Stand reduziert werden, wie er für
       die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit" notwendig ist.
       
       21.3. - K e r n w a f f e n.   Die Genfer Konferenz über die Ein-
       stellung der  H-Bombenversuche  wird  wieder  eröffnet.  Die  So-
       wjetunion verlangt  - analog ihrer Vorschläge zur Umbesetzung des
       UNO-Sekretariats -  an die Spitze der Kontrollbehörde statt eines
       Administrators ein  Dreier-Direktorium zu  setzen. Der Westen be-
       harrt darauf,  unterirdische Versuche  unterhalb einer bestimmten
       Größenordnung vom Versuchsstop auszunehmen.
       
       April
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       2.4. - W e l t b e v ö l k e r u n g.  Ende 1961 werden drei Mil-
       liarden Menschen auf der Erde leben. Der statistische Bericht der
       UNO weist  den jährlichen Bevölkerungszuwachs mit 45-55 Millionen
       aus.
       
       4.4. - N A T O.   Der US-Botschafter in Madrid setzt sich für die
       Aufnahme Spaniens ein.
       
       6.4. - B u n d e s w e h r.   Zum Generalinspekteur  wird General
       Foertsch ernannt. Moskau weist in einer Note darauf hin, daß die-
       ser von einem sowjetischen Militärgericht zu 25 Jahren verurteilt
       und als  "Nichtamnestierter" der Bundesregierung übergeben worden
       sei.
       
       10.4. - K e r n w a f f e n.   Vor einer Reise in die USA fordert
       Adenauer eine  baldige Entscheidung  Kennedys über  den Plan, die
       NATO als  "vierte Atommacht"  auszurüsten. -  Wenige Tage  später
       propagiert Präsident  de Gaulle  eine  "eigene  Kernwaffenstreit-
       macht"..
       
       11.4. - E i c h m a n n.   In Jerusalem  beginnt das Gerichtsver-
       fahren gegen  den früheren  SS-Obersturmbannführer und Leiter des
       "Judenreferats" im Reichssicherheits-Hauptamt.
       
       12.4. - W e l t r a u m f l u g.   Dem sowjetischen  Fliegermajor
       Juri Gagarin  gelingt als erstem Menschen der Flug durch den Kos-
       mos um die Erde an Bord des Raumschiffes "Wostok".
       - R ü s t u n g e n.   Amerikanische Experten schätzen die tägli-
       chen Rüstungsausgaben  der Welt  auf 1,4 Milliarden Mark. Fünfzig
       Millionen Menschen seien ausschließlich dafür tätig.
       
       13.4. - O b e r l ä n d e r - V e r f a h r e n.    "Unbegründet"
       nennt das  Landgericht Bonn die gegen den früheren Bundesvertrie-
       benen-Minister erhobenen Anschuldigungen und stellt das Verfahren
       ein.
       - S ü d a f r i k a.   Gegen die  Stimme Portugals verurteilt die
       UN-Vollversammlung die Rassenpolitik der Südafrikanischen Union.
       
       20.4. - K u b a.   Nach dreitägigen Kämpfen schlägt die Armee Fi-
       del Castros  eine Intervention  zurück, die am 17.4. mit dem Bom-
       bardement der Inselrepublik durch Flugzeuge "unbekannter Nationa-
       lität" begonnen  hatte. Die Regierungstruppen erbeuteten zahlrei-
       che amerikanische Waffen und Ausrüstungen, darunter schwere Sher-
       mon-Panzer und  Flugzeuge. -  Zwei Wochen  später erklärt  Castro
       Kuba zum  "ersten sozialistischen  Land des amerikanischen Konti-
       nents".
       - I n t e r z o n e n v e r k e h r.   Ost-Berlin verzichtet  auf
       die seit  dem 24.4.58  erhobenen Wasserstraßengebühren  für west-
       deutsche Binnenschiffer.
       
       22.-25.4. - A l g e r i e n.    Ein  unter  der  Führung  General
       Challe stehender  Putschversuch gegen de Gaulle mißlingt nach we-
       nigen Tagen.  In Frankreich  rüsten alle Gewerkschaften zum Gene-
       ralstreik gegen den drohenden Staatsstreich.
       
       24.-27.4. - C D U - P a r t e i t a g.   Minister Brentano wendet
       sich gegen eine "Bestandsaufnahme" in der Außenpolitik. Sein Kol-
       lege Schröder fordert die baldige Notstandsgesetzgebung.
       
       27.4. - S i e r r a  L e o n e.   Auf dem  Gebiet der  britischen
       Besitzungen (28 000  qm -  2,4 Mill.  Einw.) entsteht  ein  neuer
       Staat.
       
       28.4.- S P D - P r o g r a m m.  "Kanzlerkandidat" Brandt kündigt
       für den Fall des SPD Wahlsieges "Treue zum atlantischen Verteidi-
       gungsbündnis" an.  Eine von  ihm geführte  Regierung  sei  bereit
       "sich stärker als bisher an der konventionellen Rüstung zu betei-
       ligen".
       
       Mai
       ---
       
       3.5. - L a o s.   Die Bürgerkriegsparteien vereinbaren einen Waf-
       fenstillstand um  Gespräche über eine Koalitionsregierung und die
       Neutralität des  Landes aufzunehmen. Die Internationale Laos-Kon-
       ferenz beginnt am 16. Mai in Genf.
       
       5.5. - W e l t r a u m.   Der amerikanische Astronaut Shepard un-
       ternimmt einen  fünfzehn Minuten dauernden Höhenflug in den Welt-
       raum und erreicht 185 km.
       
       15.5. - K e r n w a f f e n v e r s u c h e.    Botschafter  Tsa-
       rapkin deutet sowjetische Atomversuche an, falls Frankreich seine
       Tests in der Sahara fortsetzen sollte.
       
       16.5. - S ü d k o r e a.  Ein "Revolutions-Komitee", bestehen aus
       14 Militärs, übernimmt die Macht und löst alle Parteien auf.
       
       25.-29.5. - A f r i k a.  Vertreter aus 38 Ländern des Kontinents
       gründen in  Cassablanca den  Allafrikanischen  Gewerkschaftsbund,
       dessen Hauptaufgabe  der "Kampf  gegen den Kolonialismus in jeder
       Form" sein soll.
       
       31.5. - D o m i n i k a n i s c h e  R e p u b l i k.     General
       Trujillo, Diktator,  Staatspräsident und Führer der einzigen Par-
       tei des Landes fällt einem Attentat zum Opfer.
       
       Juni
       ----
       
       3.-4.6. - G i p f e l g e s p r ä c h e.   Zum erstenmal  treffen
       Präsident Kennedy  und Premier  Chrustschow zusammen. Thema ihres
       Wiener Gesprächs  sind  die  Krisenherde  Laos  und  Deutschland.
       Chrustschow schlägt  die sofortige  Einberufung  einer  Konferenz
       über den deutschen Friedensvertrag vor. Beide Staatsmänner verab-
       reden weitere Kontakte "auf allen Ebenen".
       
       14.6. - R i c h t e r g e s e t z.   Der Bundestag  verabschiedet
       ein Gesetz  dessen §  111 a belasteten  Juristen der  NS-Zeit die
       Möglichkeit bietet,  sich "auf  eigenen Antrag  in den  Ruhestand
       versetzen" zu lassen.
       
       24.-25.6. - S ü d t i r o l.    Sprengstoffanschläge  bilden  den
       Hintergrund erfolgloser  Verhandlungen, in  denen Österreich grö-
       ßere Autonomie für die deutschsprachige Bevölkerung der italieni-
       schen Provinz  Bozen fordert. Zeitungen berichten, daß die Spuren
       der Terroristen bis nach Süddeutschland führen.
       
       28.6. - D e u t s c h l a n d f r a g e.      Präsident   Kennedy
       spricht von  "unerledigten Fragen"  in bezug auf Deutschland, die
       "geregelt werden  müssen", wendet  sich aber  gleichzeitig  gegen
       Friedensverträge mit  beiden deutschen  Staaten. - Am 21.6. hatte
       Chrustschow angekündigt,  einen Vertrag  bis "Ende dieses Jahres"
       zu unterzeichnen.
       
       Juli
       ----
       
       8.7. - S o w j e t u n i o n.   Unter Hinweis auf die internatio-
       nalen Spannungen  und "bedeutende Zunahmen der Ausgaben für mili-
       tärische Zwecke"  in den  NATO-Ländern ordnet der Kreml den Stopp
       der Truppen-Reduzierungen  und eine  Erhöhung des Rüstungsbudgets
       um 3,1 Mrd. Rubel an.
       - D e u t s c h l a n d f r a g e.   Erst Wiedervereinigung  dann
       Friedensvertrag lautet  die These  einer Note der Bundesregierung
       an das sowjetische Außenministerium.
       
       17.7. - B i z e r t a.   Wegen der  Weigerung Frankreichs, seinen
       Militärstützpunkt auf  tunesischem Boden  zu räumen,  kommt es zu
       Kampfhandlungen, als  Präsident Bourguiba  eine Blockade Bizertas
       anordnet. Der UN-Sicherheitsrat anerkennt die Rechte Tunesiens.
       
       27.7. - K e r n w a f f e n.   Washington und  Paris  beschließen
       den Austausch vertraulicher Informationen über die Ausbildung ih-
       rer Streitkräfte  an Kernwaffen  und die Entwicklung von Kernwaf-
       fenträgern.
       
       28.7. - A l g e r i e n.   Nach sechs  Sitzungen vertagt sich die
       französisch-algerische Konferenz in Lugrin (Schweiz). Paris lehnt
       die Souveränität Algeriens über die Sahara weiterhin ab.
       
       August
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       1.8. - K o n g o.   Cyrille Adoula  bildet in  Leopoldville  eine
       "Regierung der  Nationalen Union",  der sich  auch der Nachfolger
       Lumumba's  und   Regierungschef  in  Stanleyville,  Gizenga,  an-
       schließt. Zu  einer Einigung  mit Präsident  Tschombé von Katanga
       kommt es  nicht. -  Die UN-Streitkräfte erhalten den Auftrag, die
       Autorität der neuen Zentralregierung im ganzen Lande zu sichern.
       
       6.-7.8. - W e l t r a u m.   Das kosmische Schiff "Wostok II" um-
       kreist mit Major Titow an Bord siebzehnmal die Erde.
       
       13.8. - B e r l i n.  Mit Unterstützung der Warschauer-Pakt-Staa-
       ten sperrt die DDR-Regierung "bis zum Abschluß eines Friedensver-
       trages und  der Umwandlung Westberlins in eine freie entmilitari-
       sierte Stadt"  die Berliner  Sektorengrenze bis  auf wenige Über-
       gänge, die nur mit Genehmigung überschritten werden können. - Der
       Senat läßt  zwei Passierscheinstellen des (Ost-) Deutschen Reise-
       büros auf Westberliner S-Bahnhöfen schließen und führt Kontrollen
       für alle  aus Ostberlin  kommenden Personen  ein. - Auf westliche
       Proteste antwortet  Moskau, die  DDR sei als souveräner Staat für
       ihre Grenzen allein zuständig.
       
       17.8. - L a t e i n a m e r i k a.   Mit  Ausnahme  Kubas  unter-
       zeichnen alle  Länder Süd-  und Mittelamerikas  die  "Charta  von
       Punta del  Este", die  nach Initiative  Präsident  Kennedys  eine
       "Allianz der  USA mit  den lateinamerikanischen  Staaten" für die
       nächsten 10 Jahre sichern soll.
       
       19.8. - V a t i k a n.   Papst Johannes XXIII. veröffentlicht die
       Enzyklika "Mater et Magistra".
       
       25.8. - B r a s i l i e n.   Präsident Quadros  begründet  seinen
       Rücktritt nach  achtmonatiger Amtszeit  mit der Erklärung, er sei
       "von der Reaktion besiegt" worden.
       
       30.8. - K e r n w a f f e n.  Moskau kündigt neue Experimente mit
       atomaren Waffen  an und beschuldigt den Westen, die französischen
       Tests gemeinsam ausgewertet zu haben. In Sibirien explodiert u.a.
       eine 50-Mega-Tonnen-Bombe.  - Ein von Kennedy und MacMillan ange-
       botener Vertrag  bezieht sich wiederum nur auf Explosionen in der
       Atmosphäre. Am  13.9. beginnen die USA mit einer Serie unterirdi-
       scher Versuche.
       
       September
       ---------
       
       1.-6.9. - B e l g r a d e r  K o n f e r e n z.   25 Staats- oder
       Regierungschefs    und     drei    Beobachter-Delegationen    aus
       "bündnisfreien" Ländern  diskutieren die weltpolitische Lage. Sie
       fordern Kennedy und Chrustschow angesichts der verschärften Span-
       nungen auf,  direkte Kontakte zu suchen. - Zahlreiche Redner emp-
       fehlen, bei  der Lösung  der Deutschland-Frage  von der "de facto
       Anerkennung zweier deutscher Staaten" auszugehen.
       
       12.9. - B u n d e s w e h r.  Das Kabinett beschließt die Verlän-
       gerung des  Wehrdienstes für  6000 freiwillige  und 30 000  wehr-
       pflichtige Soldaten.
       
       17.9. - B u n d e s t a g s w a h l e n.   In  den  4.  deutschen
       Bundestag ziehen  wegen der  fünf Prozent-Sperrklausel  nur  drei
       Parteien (CDU,  SPD und  FDP) ein. Die CDU verliert ihre absolute
       Mehrheit, bleibt  aber stärkste Fraktion. Noch einen Tag nach der
       Wahl läßt die FDP verlauten, sie werde an keiner "Koalition unter
       Adenauer" teilnehmen.
       
       18.9. - U N O.   Generalsekretär  Hammarskjöld  kommt  bei  einem
       Flugzeugabsturz im  Kongo ums  Leben. Beobachter  vermuten  einen
       Luftüberfall der Streitkräfte Katangas.
       
       20.9. - A b r ü s t u n g.  Nach ihren in New York und Moskau ge-
       führten Gesprächen  übermitteln die  Delegierten der  USA und der
       UdSSR, McCloy  und Sorin  der UN-Vollversammlung  eine gemeinsame
       Grundsatzerklärung zur  "allgemeinen und vollständigen Abrüstung"
       sowie getrennte "Stufenpläne".
       
       28.9. - S y r i e n.   In der  nördlichen Region  der VAR putscht
       die Armee  und veranlaßt Präsident Nasser seine Truppen zurückzu-
       ziehen. Die  "Republik Syrien" konstituiert sich wieder als selb-
       ständiger Staat.
       
       Oktober
       -------
       
       8.10. - L a o s.   Die drei Prinzen einigen sich auf das Programm
       für eine "neutralistische Koalitions-Regierung".
       
       10.10. - E W G.   In Paris werden die Verhandlungen über den Bei-
       tritt Großbritanniens aufgenommen. Andere Mitglieder der EFTA ha-
       ben ebenfalls Aufnahmeanträge gestellt.
       
       16.10. - R a p a c k i - P l a n.   US-Senator Humphrey befürwor-
       tet im  Warschauer Fernsehen  eine erneute Prüfung des Planes für
       eine "entatomisierte  Zone in  Mitteleuropa" durch die amerikani-
       sche Regierung.
       
       17.-31.10. - S o w j e t u n i o n.   Im Mittelpunkt des 22. Par-
       teitages der  KPdSU steht  das "Programm zum Aufbau des Kommunis-
       mus". Chrustschow kritisiert heftig die "dogmatische Haltung" der
       albanischen Kommunisten  und hält  eine groß angelegte Rede gegen
       den Personenkult,  dessen Wiedererstehen  ein neues Partei-Statut
       verhindern soll.
       
       30.10. - F i n n l a n d.   Gespräche über  "Maßnahmen gegen  die
       Drohung eines Angriffs von seiten Westdeutschlands und seiner Al-
       liierten" regt die Sowjetunion in Helsinki an und beruft sich da-
       bei auf  den finnisch-sowjetischen  Beistandspakt aus  dem  Jahre
       1948. Auch  Präsident Kekkonen  äußert Besorgnis über die "rasche
       Aufrüstung Westdeutschlands"  und die "militärischen Allianzen in
       Nordeuropa".
       
       31.10. - D e u t s c h l a n d f r a g e.  "Wir werden nicht dar-
       auf bestehen,  den (Friedens-)Vertrag  bis zum  31.12. zu  unter-
       zeichnen", wenn  sich der  Westen "bereit zeigt, das Deutschland-
       problem zu lösen", erklärt Chrustschow im Kreml.
       
       November
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       1.11. - A l g e r i e n.   15 000 Algerier  in Pariser Polizeige-
       fängnissen und  fünf seit 1956 in Frankreich inhaftierte Minister
       des Exilkabinetts  beginnen einen 20tägigen Hungerstreik, um ihre
       Freilassung und  Verhandlungen über  die algerische Selbstbestim-
       mung durchzusetzen.
       
       2.11. - F a l l  V r a c a r i c.  Mit vorgehaltener Pistole ver-
       haftet die  Münchener Polizei  den jugoslawischen  Fabrikdirektor
       und ehemaligen  Partisanen-Hauptmann Lacar Vrararic auf Grund ei-
       nes 1941 ausgeschriebenen Fahndungsersuchen der Gestapo.
       
       3.11. - U N O.   Bis Anfang 1963 wird der Burmese U Thant zum Ge-
       neralsekretär bestimmt.  In sein "Berater-Kollegium" beruft er je
       einen Amerikaner und Sowjetrussen.
       
       7.11. - K o a l i t i o n.   Trotz ihrer  gegenteiligen Versiche-
       rungen akzeptiert  die FDP  Dr. Adenauer als neuen Bundeskanzler.
       Nach wochenlangen  Verhandlungen kommt  ein umstrittener Koaliti-
       onsvertrag zwischen den beiden Regierungsparteien zustande.
       
       10.11. - B u n d e s w e h r. Weitere  Maßnahmen zur  Verstärkung
       der Rüstung  gibt das Bundesverteidigungsministerium bekannt. Ne-
       ben der Verlängerung der Dienstzeit auf 18 Monate ist eine Muste-
       rung von etwa 50 000 privaten Last-, Kombi- und Personen-Kraftwa-
       gen geplant.  Der Wehretat  wird gegenüber 1961 um 4,3 Milliarden
       DM auf 15,5 Milliarden DM heraufgesetzt.
       
       11.11. - D e u t s c h l a n d f r a g e.   Führende westeuropäi-
       sche Sozialisten  versuchen in  Brüssel ihre Meinungsverschieden-
       heiten beizulegen.  Die Labour-Party war für de-facto-Beziehungen
       zur DDR und die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie eingetreten, bei
       der SPD aber auf Ablehnung gestoßen.
       
       22.11. - N A T O.  Das Einheitskommando der westdeutschen und dä-
       nischen Streitkräfte im Ostseeraum nimmt seine Tätigkeit auf.
       
       29.11. - R e g i e r u n g s e r k l ä r u n g.   Gegen regionale
       Sicherheitsvereinbarungen wendet  sich die  Bundesregierung  auch
       dann, "wenn sie als Vorstufe eines Abkommens über eine allgemeine
       Abrüstung deklariert  werden". Vizekanzler  Erhard  sagt  weitere
       neue Rüstungslasten  voraus. -  Zwei Tage  vorher hatte  Minister
       Strauß erklärt,  Eigentum und  Verfügungsgewalt  über  Kernwaffen
       würden immer mehr zum bestimmenden Kriterium der Souveränität.
       
       Dezember
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       1.12. - C h i n a.   Zum erstenmal  seit 1949  debattiert die UN-
       Vollversammlung über  die Rechte der Volksrepublik China. Die An-
       träge zu Gunsten Pekings finden keine Zwei-Drittel-Mehrheit.
       
       4.12. - K e r n w a f f e n.   Zwei wichtige  Resolutionen  gegen
       die Ausbreitung  atomarer Waffen  verabschieden die Vereinten Na-
       tionen. Generalsekretär U Thant erhält den Auftrag, durch Umfrage
       festzustellen, welche  Regierungen bereit  sind, einem  "Club der
       atomwaffenfreien Länder" beizutreten. - Die afrikanischen UN-Mit-
       glieder  verlangen   die   Anerkennung   ihres   Kontinents   als
       "atomwaffenfreie Zone".
       
       5.12. - W e l t k i r c h e n r a t.   In Neu Delhi geht die seit
       dem 19.11. tagende Weltkirchenkonferenz zu Ende, deren Delegierte
       die Aufnahme  der russisch-orthodoxen Kirche beschlossen und eine
       Kommission mit  der Prüfung  verschiedener Abrüstungspläne beauf-
       tragten. Zu  den sechs neugewählten Präsidenten gehört Dr. Martin
       Niemöller.
       
       9.12. - T a n g a n y i k a.   Als 13.  Mitglied des Commonwealth
       erreicht die früher deutsche, dann britische Kolonie (939 061 qkm
       - 8,8 Mill. Einw.) ihre Unabhängigkeit.
       
       10.-11.12. - A l b a n i e n.  Moskau und Tirana berufen das Per-
       sonal ihrer  gegenseitigen Botschaften  ab. Die  Tschechoslowakei
       und andere  Ostblock-Staaten schränken  die diplomatischen Bezie-
       hungen ebenfalls ein.
       
       11.12. - E i c h m a n n.   Das Jerusalemer Schwurgericht spricht
       das Todesurteil.
       
       12.12. - H e u s i n g e r.   Unter Berufung  auf die Viermächte-
       Vereinbarungen "über  die Bestrafung  der Kriegsverbrecher"  ver-
       langt Moskau  die Auslieferung des bei der NATO in Washington tä-
       tigen Bundeswehrgeneral Heusinger, um diesen "für die von ihm be-
       gangenen Verbrechen" auf sowjetischen Territorium zu bestrafen.
       
       17.12. - G o a.   Indische Truppen besetzen fast kampflos die Ko-
       lonie Goa und die ebenfalls unter portugiesischer Herrschaft ste-
       henden Enklaven  Diu und  Daman (zusammen  4194 qkm  - 0,6  Mill.
       Einw.) auf dem Subkontinent.
       
       21.-22.12. - B e r m u d a - T r e f f e n.   MacMillan und  Ken-
       nedy bestätigen  den nach heftigen Diskussionen zustande gekomme-
       nen Beschluß  der westlichen  Außenminister, Konsultationen  über
       Berlin in  Moskau  wieder  aufzunehmen.  Weitere  Gesprächsthemen
       sind: Gemeinsame Nuklearversuche auf den britischen Weihnachtsin-
       seln, die Lage in Afrika und im Fernen Osten.
       
       30.12. - L i b a n o n.   Die "Großsyrische Partei", deren Führer
       zu den  Bewunderern und  Gästen Hitlers  und Mussolinis  gehörte,
       gilt als  Initiator eines Putsches gegen die Regierung, der schon
       nach knapp 24 Stunden scheitert.
       - E W G.   Trotz intensiver  Bemühungen gelingt es dem in Brüssel
       tagenden Ministerrat  nicht, den Übergang zur "zweiten Stufe" des
       Gemeinsamen Europäischen  Marktes zu vollziehen und die Differen-
       zen zwischen den Mitgliedstaaten beizulegen.
       

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