Quelle: Blätter 1962 Heft 02 (Februar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       FÜR EINEN BUND ATOMWAFFENFREIER LÄNDER
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       Die "Schweizerische Bewegung gegen die atomare Aufrüstung" hat am
       12. Januar  an den  Bundesrat eine  Eingabe gerichtet, in der sie
       daran erinnert,  daß der Außenminister Schwedens im November 1961
       an alle  Länder, die  keine Atomwaffen besitzen, appelliert habe,
       sich zu  einem Bund  atomwaffenfreier Länder  zusammenzuschließen
       und freiwillig und verbindlich für alle Zukunft auf Atomwaffen zu
       verzichten. "Ein solcher Zusammenschluß, der auch von Österreich,
       Ceylon, Tunesien  und anderen Ländern befürwortet wird, vermöchte
       sich zwischen  die beiden  großen militärischen Blöcke zu stellen
       und zu verhüten, daß deren atomare Potentiale aufeinanderprallen.
       Vornehmliche Aufgabe dieses Bundes atomwaffenfreier Nationen wäre
       es, das  Gewissen und  die öffentliche  Meinung der  ganzen  Welt
       wachzurütteln und  durch geeignete  Vorschläge die Menschheit aus
       der Sackgasse  herauszuführen, in  die sie  durch die Atomwaffen-
       Strategie der Großmächte geraten ist."
       Die Eingabe  appelliert an  den Bundesrat,  "auf den  Appell  des
       schwedischen Außenministers  positiv zu  antworten und  dem  Bund
       atomwaffenfreier Nationen beizutreten".
       Die Tat (Zürich) v. 16.I.62
       
       EIN GENERALSTABSOFFIZIER FÜR ADENAUER
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       Zum erstenmal  wird in dem nur von zivilen Ministerialbeamten be-
       setzten Bundeskanzleramt  in Bonn  ein hoher Generalstabsoffizier
       tätig sein. Wie gestern von amtlicher Seite der Bundeswehr mitge-
       teilt wurde,  soll der bisherige Chef des Stabes im Wehrbereich I
       in Kiel,  Oberst i.G.  Hans-Adolf von Blumröder, Ende Januar nach
       Bonn versetzt werden und bald darauf sein neues Amt antreten. Der
       bisherige Sachbearbeiter  für Verteidigungsfragen  im Bundeskanz-
       leramt war stets ein Ministerialrat.
       Wie man  hört, soll  die neue  militärische Planstelle im Bundes-
       kanzleramt als  "Generalstelle" eingeplant werden, so daß Blumrö-
       der mit einer Beförderung rechnen könne. Blumröder gilt als Fach-
       mann für  die Abstimmung militärischer und ziviler Verteidigungs-
       aufgaben.
       Der Mittag v. 25.I.62
       
       RÜSTUNGSKÄUFE VERMUTET
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       Die Minderung  der Devisenbestände  im Bundesbankausweis  um  470
       Mill. DM wird von Geldfachleuten mit umfangreichen Rüstungskäufen
       des Bundes  im Ausland  in Verbindung gebracht. Diese Meinung ge-
       winnt an  Gewicht, wenn man erfährt, daß die erneuten Exporte von
       zum Jahresende  repatriierten Geldmarktanlagen bereits um die Mo-
       natsmitte im wesentlichen abgeschlossen waren.
       Deutsche Zeitung v. 31.I.62
       
       BIOLOGISCH-CHEMISCHE KRIEGFÜHRUNG WIRD VORBEREITET
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       Der Leiter  des Forschungs- und Entwicklungsprogrammes der ameri-
       kanischen Armee,  Generalleutnant Trudeau, hat vor dem Senat eine
       67prozentige Erweiterung des Programmes zur biologischen und che-
       mischen Kriegsführung angekündigt. Für dieses streng geheimgehal-
       tene Gebiet sehe die Armee im kommenden Rechnungsjahr Ausgaben in
       Höhe von 85,1 Millionen Dollar (über 340 Millionen DM) vor.
       Deutsche Zeitung v. 31.I.62
       
       KRIEGSDIENSTVERWEIGERER APPELLIEREN AN OSTBERLIN
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       Die Internationale  der Kriegsdienstgegner  hat die Regierung der
       Sowjetzone aufgefordert,  im Hinblick auf die Einführung der all-
       gemeinen  Wehrpflicht   das  Recht  auf  Kriegsdienstverweigerung
       ebenso wie die Bundesrepublik anzuerkennen.
       In einer  Erklärung der IDK-Zentrale in München heißt es, die an-
       erkennenden Worte der Zonenbehörden für die westdeutschen Pazifi-
       sten würden  an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn in der Zone nicht
       das gleiche  Kriegsdienstverweigerungsrecht eingeführt  werde wie
       in der Bundesrepublik.
       Die Welt v. 31.I.62
       
       POLNISCHE INTELLEKTUELLE FORDERN GRÖSSERE FREIHEIT DES WORTES
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       Größere Freiheit  des Wortes im Ostblock wurde auf einer von über
       300 Angehörigen  der Intelligenz  besuchten Diskussionsveranstal-
       tung in Warschau gefordert. Der Präsident der polnischen Akademie
       der Wissenschaften, Professor Kotarbinski, verteidigte grundsätz-
       lich den  Sozialismus als  Gesellschaftsordnung. Er erklärte, ein
       "tragischer Konflikt" bestehe zwischen den Konstrukteuren der So-
       zialordnung und den Angehörigen der Intelligenz. Kotarbinski for-
       derte eine  Intensivierung  des  "Tauwetters",  damit  eine  Mei-
       nungsäußerung über öffentliche Angelegenheiten möglich werde. Nur
       auf diese  Weise könne  auch die  Intelligenz des Westens für den
       Sozialismus gewonnen werden.
       Süddeutsche Zeitung v. 20./21.I.62
       
       BRITISCHES AUTOMOBILWERK LIEFERT LASTWAGEN NACH PEKING
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       Die britischen  Rootes-Werke gaben  am Dienstag  den Abschluß von
       Aufträgen im  Werte von  nahezu 400 000 Pfund (etwa 4,5 Millionen
       DM) für  Lieferungen hinter  den Eisernen Vorhang bekannt. Peking
       hat 100  Drei-Tonnen-Lastwagen und  30 Fünf-Tonnen-Lastwagen  mit
       Benzinmotoren bestellt.
       Stuttgarter Zeitung v. 10.I.62
       
       USA WOLLEN BRITISCHE LIEFERUNG VON FLUGZEUGEN AN CHINA BLOCKIEREN
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       Die britische Regierung hat ihren Botschafter in Washington ange-
       wiesen, beim US-Außenministerium wegen dessen Versuchs vorstellig
       zu werden, die Lieferung von sechs britischen Viscount-Flugzeugen
       im Wert von 10,6 Millionen Dollar an China zu blockieren. Wie der
       Sprecher des  Londoner Außenamtes  am Dienstag mitteilte, ist die
       britische Regierung  auf diesen  Versuch erst  durch einen  Brief
       aufmerksam geworden,  den der  stellvertretende amerikanische Au-
       ßenminister Dutton  an den  New Yorker  Senator Keating gerichtet
       hat. In  diesem Brief  teilt Dutton  mit, die  Regierung habe die
       amerikanische Gesellschaft, deren Tochterfirma in England die Na-
       vigationsausrüstung für die Viscounts herstellt, vor einer Liefe-
       rung für die für China bestimmten Maschinen gewarnt.
       Frankfurter Rundschau v. 17.I.62
       

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