Quelle: Blätter 1962 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       VON SYMPTOMATISCHEM WERT...
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       ...Wenn sie  ihr Schweigen brechen, so steht dahinter die schwere
       Sorge vor  einer politischen Haltung, die nur noch in "taktischen
       Konstellationen" zu  denken vermag  und sich  damit vor der Härte
       der wirklichen  Entscheidungen zu  drücken versucht. Niemand kann
       bestreiten, daß  in einer  solchen Mentalität der Politiker - die
       sich seit  der fortschreitenden  "Anpassung" der sozialdemokrati-
       schen Opposition  an den  Regierungskurs noch schärfer als vorher
       abzeichnet -  eine Gefahr  für Bonn  liegt, vielleicht  sogar die
       größte Gefahr, der sich die bundesrepublikanische Demokratie aus-
       gesetzt sieht.  Darum kommt dem Hervortreten dieser kleinen, aber
       durch das  Niveau ihrer Mitglieder bedeutsamen Gruppe ein sympto-
       matischer Wert  zu: Zum  erstenmal werden  in dem  Memorandum der
       Acht gewisse Gedanken, die schon von einer Reihe unabhängiger Pu-
       blizisten da  und dort  entwickelt worden sind, von namhaften Ge-
       lehrten aufgegriffen  und in  direktem Dialog  mit den Exponenten
       der maßgebenden politischen Kräfte zur Debatte gestellt...
       Die Tat v. 27.II.62
       
       DISKUSSION UM DIE NEUTRALITÄT ÖSTERREICHS
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       Der sozialistische  Vizekanzler Pittermann äußerte am Samstag die
       Ansicht, daß  Österreich seine  Neutralität nicht  nur im  Osten,
       sondern auch  im Westen verteidigen müsse. In einer Radiorede er-
       klärte Pittermann,  jene "falschen  Propheten" müßten entschieden
       abgelehnt werden, von denen Staatssekretär Rösch gesagt habe, daß
       sie zwar  die Neutralität  Österreichs im Osten bedingungslos be-
       jahten, aber  an der  westlichen Grenze dabei mit den Augen zwin-
       kerten, um  anzudeuten, daß es dort mit der Verteidigung der Neu-
       tralität mit  allen Mitteln nicht so ernst gemeint sei. Man müsse
       Staatssekretär Rösch  für diese  Klarstellung  dankbar  sein,  da
       nichts für  die politische  Stabilität  Österrreichs  schädlicher
       wäre, als wenn bei anderen Staaten die Ansicht entstünde, die Re-
       gierung messe  je nach  dem politischen System des Nachbarstaates
       die Neutralität mit zweierlei Maß.
       Pittermann bemühte  sich auch,  die kritischen  Stimmen zu seiner
       Reise nach  Polen und zu seiner Forderung nach vermehrtem Osthan-
       del zu  wiederlegen. Er  bemerkte, eine Konjunkturabschwächung in
       Westeuropa habe  die Wettbewerbsverhältnisse verschärft. Wenn die
       Absatzmärkte im  Osten auch  nur teilweise eingebüßt werden soll-
       ten, würden dies alle Österreicher zu spüren bekommen. Es sei da-
       her verständlich,  wenn man trachte, die bestehenden Kontakte mit
       den Abnehmern in den Oststaaten zu verbessern.
       Neue Zürcher Zeitung v. 12.II.62
       
       SCHWEDENS NEUTRALITÄTSPOLITIK
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       Der schwedische  Ministerpräsident Tage Erlander hielt am Montag-
       abend in Stockholm einen Vortrag über das Thema "Schweden und der
       europäische Gemeinsame  Markt". Er erklärte dabei: "Wenn wir auch
       eine  möglichst   enge  Zusammenarbeit   mit   der   Europäischen
       Wirtschaftsgemeinschaft wünschen,  so wollen wir doch nichts vor-
       kehren, was  das Vertrauen  in unsere  Neutralitätspolitik beein-
       trächtigen könnte.  Wir halten  an dieser Politik so entschlossen
       fest, daß  wir es  vorziehen würden,  neutral zu  bleiben, selbst
       dann, wenn wir Gefahr liefen, isoliert zu werden."
       Neue Zürcher Zeitung v. 8.II.62
       
       SCHWEDEN KOMMT MIT 98 FIRMEN
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       Die Leipziger  Frühjahrsmesse wird  von  98  schwedischen  Firmen
       (1959 nur  39; 1960  schon 45)  beschickt werden,  deren Ausstel-
       lungsstände eine  Gesamtfläche von  2000 Quadratmetern einnehmen.
       Der Schwedische  Allgemeine Exportverein  wird  die  ursprünglich
       vorgesehene Errichtung  eines Informationsbüros auf der Messe je-
       doch nicht verwirklichen.
       Die Welt v. 22.II.62
       
       268 BRITISCHE FIRMEN STELLEN IN LEIPZIG AUS
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       An der  Leipziger Frühjahrsmesse werden sich 268 britische Firmen
       beteiligen,  teilte   die  von   sowjetzonaler  Seite  betriebene
       "Leipzig Fair  Agency" in London mit. Das sind 40 Firmen mehr als
       1961. Unter den Ausstellern sind Großbetriebe der Stahl-, Chemie-
       und elektrotechnischen  Industrie sowie  Textilbetriebe aus Nord-
       england und  Schottland. Die  Firmen haben  6000 qm Ausstellungs-
       fläche belegt.  Der größte  Stand ist  der der Stahlindustrie mit
       120 qm.
       Die Welt v. 21.II.62
       
       EIN NEUER DEUTSCHLAND-PLAN CHRUSTSCHOWS!
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       Es wird  hier (in  Wien. D.  Red.) berichtet, Mr. Chrustschow sei
       mit einem neuen Plan für Deutschland beschäftigt - einschließlich
       eines Landkorridors  von Westdeutschland  nach Berlin  -, der als
       Grundlage für  direkte Verhandlungen zwischen Moskau und Bonn an-
       geboten werden soll.
       Sowjetische Diplomaten hier sagten, der Plan sei durch den sowje-
       tischen Ministerpräsidenten  auf einer  Zusammenkunft im  letzten
       Monat an der polnisch-russischen Grenze mit dem ostdeutschen Kom-
       munistenführer, Herrn  Walter Ulbricht,  mit dem tschechoslowaki-
       schen Präsidenten Novotny und dem polnischen Führer, Mr. Gomulka,
       unterbreitet worden.
       Es heißt,  der Plan  verlange die  Anerkennung von zwei deutschen
       Staaten als  Grundlage für  Verhandlungen. Er bietet Westdeutsch-
       land auch  Konzessionen an, die ein geteiltes Deutschland erträg-
       licher machen würden. Die Hauptpunkte des Planes sollen sein:
       1. Ein Friedensvertrag  würde unterzeichnet  sowohl mit West- wie
       mit Ostdeutschland. Er würde beide Deutschlands von allen Kriegs-
       reparationen an  die  Sowjetunion  befreien.  Beide  Deutschlands
       sollten Mitglieder der Vereinten Nationen werden.
       2. Der Viermächte-Status  und  die  Viermächte-Kontrolle  Berlins
       würden aufgehoben.  Die Teilung  der Stadt würde anerkannt. West-
       berlin würde  ein legaler Teil Westdeutschlands werden mit Garan-
       tien für  den freien  Zugang, unterschrieben von den Westmächten,
       einschließlich territorialer Veränderungen zugunsten Westdeutsch-
       lands hinsichtlich eines Korridors.
       3. Die Mauer  in Berlin würde beseitigt und die Verbindungen zwi-
       schen Ost-  und Westdeutschland würden wiederhergestellt und ver-
       bessert.
       4. Eine Verbesserung  der Lebensbedingungen  der Ostdeutschen und
       die Ersetzung  des Ulbricht-Regimes  durch eine annehmbare Regie-
       rung.
       Observer v. 25.II.62
       Der Wiener  Korrespondent der  großen britischen  Sonntagszeitung
       berichtet weiter,  diese Berichte zirkulierten in Wien und würden
       von österreichischer  Seite sehr ernst genommen. Chrustschow wün-
       sche eine wirkliche Entspannung in Europa ohne Gefährdung der Si-
       cherheit der Sowjetunion. Als Nachfolger Ulbrichts sei der stell-
       vertretende Ministerpräsident  der DDR,  Willi Stoph, in Aussicht
       genommen. (D. Red.)
       
       USA SETZEN NATO IN DER KUBA-FRAGE UNTER DRUCK
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       Die alte  Welt soll  ersucht werden,  sich in die Angelegenheiten
       der beiden Amerikas einzumischen und den Untergang des Castro-Re-
       gimes in Kuba herbeiführen zu helfen. In einer erstaunlichen Wie-
       derbelebung der  Prinzipien der Monroe-Doktrin üben die Vereinig-
       ten Staaten  Druck auf ihre Alliierten, insbesondere die Mitglie-
       der der  NATO aus, ihre Politik an der jüngsten Erklärung der Or-
       ganisation amerikanischer Staaten auszurichten...
       Die Alliierten  sollen ersucht  werden, einen  Wirtschaftsboykott
       auszuüben, sicherzustellen, daß keine unerlaubten Waffenlieferun-
       gen erfolgen,  und ganz allgemein das Leben für Dr. Castro unmög-
       lich zu  machen oder  dafür zu sorgen, daß er völlig von den Län-
       dern des kommunistischen Blocks abhängig wird.
       Es ist  eine komische  Besessenheit, und  der Hauptgrund, den man
       für diesen  letzten Schritt angibt, ist, daß Europa und Kanada zu
       der Einsicht  gezwungen werden müssen, daß Kuba für die Vereinig-
       ten Staaten  ein Ärgernis ist. Eine zweite Erklärung ist, daß man
       eine Spaltung  innerhalb der  atlantischen Allianz über Kuba ver-
       meiden müsse.
       Es ist unwahrscheinlich, daß der Vorschlag viel Begeisterung aus-
       löst in  Ländern wie  Holland, das  glaubt, von  den  Vereinigten
       Staaten in  der West-Neuguinea-Frage  weniger als  fair behandelt
       worden zu sein. Auch von den lateinamerikanischen Ländern wird er
       nicht begrüßt werden.
       Für politische Geschichtswissenschaftler ist der Vorschlag außer-
       gewöhnlich interessant.  Als die Monroe-Doktrin erstmalig verkün-
       det wurde,  waren ihre  Grund-Prinzipien, daß  Amerika und Europa
       zwei getrennte und unterschiedliche politische Sphären seien: Er-
       steres sollte  nicht als Gegenstand weiterer europäischer Koloni-
       sation angesehen  werden; und  die  europäischen  Mächte  sollten
       nicht intervenieren  in Zentral- und Südamerika, um die früher zu
       Spanien gehörenden Kolonien wiederherzustellen.
       Jahrelang ist  die Doktrin  liberal ausgelegt  worden, und es ist
       auch von  Interesse, daß  die erste  Erweiterung, bekannt als das
       'Nicht-Übertragungsprinzip' (non-transfer  principe) im Zusammen-
       hang mit  Kuba getroffen wurde. Hierin wurde festgelegt, daß ame-
       rikanisches Territorium nicht von einer Macht an die andere über-
       tragen werden kann.
       Eine andere  Erweiterung aus dem Jahre 1902 wurde bekannt als der
       Roosevelt-Zusatz, unter  dem die  Vereinigten Staaten sich selbst
       das Recht  gaben, sich  in die  Affairen  anderer  amerikanischer
       Staaten einzumischen.  Anlaß für  dieses imperialistische  Gesetz
       war die  anglo-deutsche Blockade  von Venezuela, das damals unter
       der Diktatur von Cipriano Castro stand.
       Eine letzte  Erweiterung wurde  in der  Resolution Senator  Cabot
       Lodge's von  1912 gesehen,  die eine  Einmischung der Vereinigten
       Staaten fordert, um eine ausländische Besetzung von Häfen und an-
       deren Plätzen  in der  amerikanischen Hemisphäre für militärische
       Zwecke zu verhindern.
       Die Doktrin war die zentrale Lehre amerikanischer Außenpolitik um
       die Zeit  des Ersten  Weltkrieges herum.  Aber in  der  Folgezeit
       wuchs die  Verstimmung in den Amerikas zusehends. Die Vereinigten
       Staaten erkannten  diese  Entwicklung  nicht  schnell  genug  und
       stimmten auf  der pan-amerikanischen  Konferenz in  Havanna gegen
       den Vorschlag,  die Einmischung  für illegal zu erklären. Dennoch
       war die  Anerkennung dieses  Prinzips nicht  zu umgehen,  und der
       Roosevelt-Zusatz wurde schließlich fallengelassen.
       Die Protokolle von Montevideo und Buenos Aires verpflichteten die
       Vereinigten Staaten,  sich direkter Intervention zu enthalten, um
       ein kommunistisches  oder prokommunistisches  Regime zu  stürzen,
       und die  Erklärung von  Bogatá  verbannte  internationale  Einmi-
       schung. Präsident  Kennedys Regierung  versprach, mit  dem Beginn
       des "Bündnisses  für den  Fortschritt" die letzten Ungleichheiten
       zu beseitigen.  Niemals waren interamerikanische Beziehungen bes-
       ser - vor der Invasion in Kuba...
       Es spielt keine Rolle, wie man die Konferenz-Arithmetik von Punta
       del Este  auslegt, Regierungen,  deren Völker eine klare Mehrheit
       auf dem  Kontinent bilden,  stimmten nicht für die Erklärung. Der
       jüngste Vorschlag,  Westeuropa zur  Einmischung zu  drängen, kann
       nur weitere Verstimmung bringen.
       Times v. 19.II.62 (Bericht aus Washington)
       
       "SOLLTE SICH DIE NATO MIT KUBA BEFASSEN?"
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       Kuba ist  an sich  keine Sache  der NATO. Abgesehen davon, daß es
       geographisch weit entfernt ist, bildet es keine direkte Bedrohung
       für das Bündnis. Die Aussendung einer besonderen Mission, um die-
       sen Gegenstand  in Paris  vorzutragen, ist deshalb schwerlich mit
       den Zwecken  in Übereinstimmung  zu bringen,  um derentwillen die
       NATO im  Augenblick existiert.  Natürlich ist viel darüber disku-
       tiert worden,  in welchem  Ausmaß man  eine gemeinsame Politik in
       Angelegenheiten in  anderen Teilen  der Welt  formulieren sollte,
       aber die  Erfahrung hat gezeigt, daß eine solche gemeinsame Poli-
       tik nicht so einfach geformt werden kann - daß, zum Beispiel, ein
       gemeinsames Interesse  an der Verteidigung Europas kein gemeinsa-
       mes Interesse  an der Verteidigung Goas beinhaltet. Die Vereinig-
       ten Staaten sind oft die ersten gewesen, die darauf hinwiesen...
       Die Überrumpelung  der zögernden  und instabilen lateinamerikani-
       schen Regierungen  auf der  Konferenz von Uruguay scheint sicher-
       lich bisher  mehr Schaden  als Nutzen  angerichtet zu haben. Eine
       Reduzierung des ohnehin kleinen Handels zwischen Kuba und einigen
       Mitgliedern der  NATO würde  dies nicht kompensieren, noch in ir-
       gendeiner Art größeren Einfluß auf die Lage haben.
       Times v. 19.II.62 (Leitartikel)
       
       RIESENAUSGABEN FÜR "ZIVILE NOTSTANDSPLANUNG"
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       Für die  zivile Notstandsplanung werden in diesem Jahr 695,9 Mil-
       lionen oder  115 Millionen Mark mehr im Bundeshaushalt bereitste-
       hen als  1961. In dem Einzelplan, der die Ausgaben für Notstands-
       maßnahmen des Innen-, Wirtschafts-, Ernährungs-, Verkehrs-, Post-
       und Wohnungsbauministeriums  zusammenfaßt, sind  erstmals auch  3
       Millionen Mark  zur Errichtung  von öffentlichen Luftschutzbauten
       vorgesehen, die in Friedenszeiten als unterirdische Verkehrsanla-
       gen und Tiefgaragen dienen.
       Für die  Instandsetzung  noch  bestehender  Luftschutzbunker  und
       -stollen sowie  die Errichtung neuer Luftschutzbauten sind wieder
       35 Millionen  Mark veranschlagt. Den größten Posten nehmen in dem
       Einzelhaushalt die  bereitgestellten Gelder  für die  Anschaffung
       von Luftschutzgerät ein. Insgesamt 89,9 Millionen Mark sind ange-
       setzt für  die Ausrüstung  des Brandschutz-, Bergungs-, Sanitäts-
       und ABC-Dienstes.
       Auch die  Errichtung von  Ausweich- und  Hilfskrankenhäusern soll
       beschleunigt werden. Gegenüber einer Million Mark im Vorjahr sind
       jetzt 20  Millionen Mark  für diesen  Zweck eingesetzt. Erstmalig
       sind in  dem Einzelplan  7 Millionen  Mark für die Ausbildung des
       Luftschutz-Hilfsdienstes  vorgesehen.  Schwesternhelferinnen  für
       Hilfskrankenhäuser sollen  in diesem  Jahr ebenfalls  erstmals im
       Rahmen der  zivilen Notstandsplanung  ausgebildet werden, wofür 4
       Millionen Mark bereitstehen.
       Weiter geht aus dem Einzelplan hervor, daß in diesem Jahr für die
       Versorgung der Bevölkerung im Verteidigungsfall ein Lebensmittel-
       Notstandspaket eingeführt werden soll. Für diesen Zweck sowie die
       Aufklärung der  Bevölkerung über eine freiwillige Lebensmittelbe-
       vorratung sind  1,6 Millionen  Mark veranschlagt.  28,5 Millionen
       Mark sollen  für den  Schutz betriebsnotwendiger Anlagen der Bun-
       desbahn, der  Straßenverwaltung, der Schiffahrtswege und des Wet-
       terdienstes verwendet werden.
       Süddeutsche Zeitung v. 6.II.62
       
       DIE BUNDESWEHR MACHT REKLAME
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       Mit Filmen, Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, mit Plakaten
       und Prospekten,  mit Tonbildreihen, Ausstellungen und Truppenver-
       anstaltungen will  die Bundeswehr  für Nachwuchs  in ihren Reihen
       auch im Jahre 1962 werben.
       Der Haushaltstitel  302 im Wehretat nennt dafür wieder, wie schon
       im vergangenen Jahr, die Summe von genau neun Millionen Mark.
       Ein Drittel  dieser Summe, rund drei Millionen DM, sollen für die
       Streuung von  Anzeigen und Beilagen in bundesdeutschen Publikati-
       onsorganen verwendet werden. Anzeigen und Beilagen sind meist mit
       einem Coupon versehen, auf dem Interessenten nur Namen und einige
       persönliche Daten  auszufüllen brauchen, um damit beim Bundesver-
       teidigungsministertum Auskunft  über eine  mögliche Laufbahn  bei
       einer der deutschen Waffengattungen zu bekommen. Für die Beratung
       und Auswertung  dieser  Einzelanfragen  -  im  Wehretat  mit  dem
       Schlagwort "Coupon-Aktion" ausgewiesen - sind zusätzliche 130 000
       DM bereitgestellt.
       Für Werbeveranstaltungen  durch die  Truppe sollen 1962 genau 1,3
       Millionen Mark  ausgegeben werden.  "Tage der  offenen Tür" haben
       unzweifelhaft in den letzten Jahren viel zur Popularität der Bun-
       deswehr, besonders bei der Jugend, beigetragen.
       Für Druck  und Aushang  von Plakaten,  die den Nachwuchs zum Ein-
       tritt in die Bundeswehr bewegen sollen, sind 600 000 DM bereitge-
       stellt. Genau  eine Million  Mark sollen  für die Herstellung und
       den Druck von Werbedrucksachen aufgewandt werden. Für die graphi-
       sche  und   textliche  Gestaltung  der  Werbemittel  fordert  der
       Wehretat weitere 130 000 DM.
       Offenbar angespornt  durch die guten Erfolge bei vorjährigen Ver-
       anstaltungen, will  das  Bundesverteidigungsministerium  auch  in
       diesem Jahre  wieder eine  große Summe für Ausstellungen über die
       Bundeswehr verwenden:  1,41 Millionen  Mark sollen hierfür einge-
       setzt werden. Für Werbefilme und Tonbildreihen einschließlich der
       Kosten für  die Einschaltung  in Lichtspielhäusern sind 1,29 Mil-
       lionen DM vorgesehen.
       Nürnberger Nachrichten v. 10./11.II.62
       
       DEMONSTRATION GEGEN BOTSCHAFTER VON ETZDORF
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       Gegen den deutschen Botschafter in Großbritannien, Hasso von Etz-
       dorf, kam  es vor dem Universitätsgebäude in Oxford zu Demonstra-
       tionen, an denen sich Atombombengegner, Kommunisten und Studenten
       des Ruskin  College beteiligten.  Die Demonstranten empfingen den
       Botschafter bei dessen Eintreffen zu einem Vortrag in der Univer-
       sität mit  Schildern, auf  denen es  hieß:  "Go  home,  Ex-Nazi",
       "keine Atomwaffen  für Westdeutschland"  und  "Nazi-Führer  wußte
       nichts von Nazi-Verbrechen?"
       Die Welt v. 22.II.62
                                    *
       Anmerkung der Redaktion:
       Die britische Wochenzeitung "Tribune" druckte am 16. Februar 1962
       eine zuerst  im "Jewish Observer and Middle East Review" erschie-
       nene Liste derjenigen Botschafter der Bundesrepublik ab, die frü-
       her der  NSDAP, der  SA und  SS angehört  haben. Aus dieser Liste
       geht hervor,  daß nicht  weniger als  38 (!)  heutige Botschafter
       Mitglieder der  NSDAP gewesen sind! Fast alle standen im diploma-
       tischen Dienst des Dritten Reiches.
       
       HERR OBERLÄNDER KANN NICHT SCHWEIGEN
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       Die kompromißlose  Führung eines  "revolutionären  Krieges"  ohne
       menschenvernichtende Mittel  gegen die  sowjetische Diktatur for-
       derte der  Bundesvertriebenenminister a.D., Prof. Dr. Oberländer,
       soeben im  "Stahlhelm", dem  offiziellen Organ  des "Stahlhelm  -
       Bund der  Frontsoldaten". Der  Westen müßte den Zielen der östli-
       chen Diktatur eine offensive Revolution entgegenstellen, weil man
       eine Revolution  nur durch eine Revolution bekämpfen könne. Prof.
       Oberländer, der  erst am  21. Februar in einem persönlichen Hand-
       schreiben des Bundeskanzlers zu seiner "vollständigen rechtlichen
       Rehabilitierung" beglückwünscht wurde und seine "Politische Reha-
       bilitierung" vor allem bei seiner Tätigkeit im Rahmen der CDU/CSU
       angekündigt erhielt,  vertrat im  "Stahlhelm", der seinen Beitrag
       in  Großaufmachung   publizierte,   die   Ansicht,   daß   dieser
       "revolutionäre Krieg"  keine Kompromisse  kenne, daß Konzessionen
       den Gegner bei seinen Vorhaben unterstützten und daß es keine Ko-
       existenz zwischen der freien und der unfreien Welt gebe.
       Hamburger Echo v. 24.II.62
       
       "REHABILITATION EINES FRÜHEREN NAZI"
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       Es ist  niemals bestritten  worden, daß  er (Oberländer) ein Nazi
       von 1933  an und ein prominentes Mitglied der SA war. In den ver-
       gangenen Jahren  hat er hervorragende Beiträge zur Arbeit der Mo-
       ralischen Aufrüstung geleistet... Dr. Adenauers Förderung der Re-
       habilitierung von  Prof. Oberländer  ist jedoch ziemlich bezeich-
       nend für eine grundsätzliche Ignoranz in Kreisen der Bundesregie-
       rung für  die psychologischen Auswirkungen jeglicher Assoziierung
       mit prominenten Ex-Nazis in Deutschland und besonders im Ausland.
       The Times v. 26.II.62
       
       SCHÜLER ÜBEN BRANDBEKÄMPFUNG
       ============================
       
       "Zum Angriff  fertig!" ertönt  das Kommando  auf dem Schulhof der
       Goethe-Schule im Teilabschnitt Boele der Ortsstelle Hagen.
       Die Junioren der Kraftspritzenstaffel führen dort an ihrem freien
       Samstagnachmittag Löschübungen  mit ihrer  TS 2 durch. Die Stadt-
       verwaltung Hagen  hat ihnen  hierzu großzügigerweise den Schulhof
       zur Verfügung gestellt.
       In den  Klassenräumen hält  die Ortsstelle regelmäßig ihre Grund-
       lehrgänge für den Stadtteil Boele ab.
       Es macht  den Jungen  sichtlich Spaß, im BLSV mitzuwirken, beson-
       ders wenn  es darum geht, ihre Kenntnisse in der Praxis zu bewei-
       sen.
       Und diese  praktischen, wirklichkeitsnahen  Übungen werden,  dank
       der guten  Zusammenarbeit, von der Stadtverwaltung Hagen gern er-
       möglicht und gefördert.
       Mitteilungen des  Bundesluftschutzverbandes, Helferbrief 2/62, S.
       6
       
       SS-FÜHRER IN DER BERLINER POLIZEI?
       ==================================
       
       Von der  Kopenhagener Zeitung "Information" erhobene Vorwürfe ge-
       gen den  Innendienstleiter der  Polizeistation Berlin-Charlotten-
       burg, Wilhelm  Graurock, haben  in Dänemark  erhebliches Aufsehen
       erregt. Graurock  soll identisch sein mit dem SS-Hauptsturmführer
       gleichen Namens,  der im  Jahr 1943  nach Kopenhagen gekommen war
       und aktiv  an Repressalien gegen die dänische Bevölkerung teilge-
       nommen hatte...
       Frankfurter Rundschau v. 28.II.62
       
       "WO BLEIBEN DIE SPENDENGELDER?"
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       Anläßlich der  Grubenkatastrophe in  Völklingen hatten  der Reck-
       linghäuser ADAC  und der Ländliche Reit- und Fahrverein gemeinsam
       550 Mark  gesammelt und beschlossen, dafür einen Konfirmanden und
       ein Kommunionkind  betroffener Familien  einzukleiden. Am Sonntag
       fuhr eine  Delegation der  Vereine nach  Völklingen, um  zwei  am
       schwersten betroffenen Witwen die Geldspenden zu überbringen.
       Über ihre  Eindrücke berichtete  die Delegation gestern auf einer
       Pressekonferenz. Sie  teilte mit,  daß den Familien der 311 Toten
       aus dem  Spendenaufkommen, das bereits am 9. Februar mit mehr als
       3,5 Millionen  Mark angegeben wurde, bisher nur je 1000 Mark aus-
       gezahlt worden  seien. Das  seien noch  nicht einmal zehn Prozent
       der Spendensumme,  die die  Bürger der Bundesrepublik aufgebracht
       hätten. Die Recklinghäuser Delegation richtete an die verantwort-
       lichen Stellen  und an  die Öffentlichkeit die Frage: "Wo bleiben
       die Spendengelder?"  Jeder Spender  habe ein Recht zu wissen, was
       mit den zweckgebundenen Geldern geschehen sei!
       Westdeutsches Tageblatt v. 27.II.62
       

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