Quelle: Blätter 1962 Heft 04 (April)


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       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Dr. Rudolf Hilf
       
       ABRÜSTUNG - ENTSPANNUNG - FRIEDEN
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       ...
       "Im Atomzeitalter  muß jede  Politik auf Frieden aus sein. Unsere
       Diplomatie und  unsere Wehrpolitik  nicht weniger  als unsere Be-
       mühungen um  Rüstungskontrollen." Henry  A. Kissinger in "The Ne-
       cessity for Choice".
       ...
       ...
       "Ein mit  Hilfe dieser Waffe (Atomrakete - Verf.) geführter Krieg
       wird unzweifelhaft  die gesamte Erdkugel erfassen. Nicht ein ein-
       ziger an  diesem Krieg beteiligter Staat wird seinen zermalmenden
       Vernichtungsschlägen entgehen...  Die Gefahr eines Raketenkrieges
       nicht zu  sehen, ist schädlich, sie zu sehen, aber zu unterschät-
       zen, ist jedoch verbrecherisch... Nach übereinstimmender Bestäti-
       gung vieler ausländischer Autoren haben die angesammelten Vorräte
       an Kernwaffen  einen solchen  'Sättigungsgrad' erreicht, daß eine
       gleichzeitige Ausschaltung aller mit Sicherheit vermutbaren stra-
       tegischen Ziele  durchaus im Bereich der Möglichkeit liegt... Der
       Raketenkrieg ist  nicht nur außerordentlich gefährlich für denje-
       nigen, gegen  den ein  Überraschungsangriff geführt wird, sondern
       auch selbstmörderisch  für den  Aggressor selbst.   U n s e r e r
       A n s i c h t  n a c h  i s t  d e r  K r i e g  a l s  W a f f e
       d e r   P o l i t i k  i n  w e h r t e c h n i s c h e r  H i n-
       s i c h t  ü b e r h o l t."
       ...
       ...
       "By 1965  missiles and  satellites will  have skrunk the world to
       such small  size that  the earth it self will be a tactical thea-
       tre. We will struly live a hair triggered existence in a 'balance
       of terror'.  Everyone will  be faced with the threat of immediate
       death and  destruction, if  means of  guaranteeing peace  are not
       found...   T h e   v e r y   n a t u r e   o f    s t r a t e g y
       w i l l   c h a n g e,   l e a v i n g   t h e   r e a l m    o f
       p h y s i c a l  c o m b a t..."
       ...
       ...
       "Seit langem  ist man  sich darüber einig, daß man das Ausbreiten
       eines Waldbrandes  oder die  Gefahren einer  Explosion am  besten
       durch die  Schaffung eines großen Zwischenraumes, einer Schneise,
       vermindert. Es  dürfte klug  sein, diese Erkenntnisse auch unver-
       züglich auf  die internationale  Sphäre zu  übertragen. Die  Zeit
       drängt im Atomzeitalter."
       ...
       ...
       "Welche rein  praktischen Bedenken bestehen gegen das Projekt ei-
       ner atomfreien  Zone? Sind  sie so  stark, daß sie vom westlichen
       Standpunkt aus  die Vorzüge überwiegen? Die Ablehnung wurde mili-
       tärischerseits überwiegend  damit begründet,  daß eine  atomfreie
       Zone den frühen Einsatz von atomarer Artillerie und anderen Atom-
       waffen geringerer  Reichweite unmöglich  macht, so daß die vorge-
       schobenen alliierten  Verbände  auf  derartige  Unterstützung  im
       Falle einer  russischen Invasion verzichten müßten. Jetzt, wo die
       Russen aber ähnliche Atomwaffen haben, ist es höchst zweifelhaft,
       ob die  westliche Seite  daraus profitiert, wenn sie als erste zu
       diesen Waffen  greift. Bei genauer Abwägung dürfte sich sogar für
       sie eher  ein Vorteil aus einer atomfreien Zone errechnen lassen.
       Sie würde  nämlich einen  Gegner daran hindern, genau schießende,
       aber in  der Reichweite begrenzte Atomwaffen in Stellung zu brin-
       gen, um  die Abwehr  durch Überraschungseinsatz  außer Gefecht zu
       setzen. Damit  wäre das Risiko vermindert, daß durch einen Zufall
       oder durch einen falschen Alarm ein Atomkrieg ausbricht. Schließ-
       lich brauchte  man aber  auch nicht  mehr in  dem bisherigen  Maß
       Überraschungen oder  zu impulsive  Schießfreudigkeit eines örtli-
       chen Befehlshabers zu fürchten... Noch besser würde es sein, die-
       sen 'Zwischenraum' an 'begrenzter Rüstung' räumlich zu erweitern,
       so daß  eine größere  geographische Trennung  zwischen den beiden
       atombewaffneten Riesen, den USA und der Sowjetunion, entsteht. Je
       näher sie beieinander sind, um so größer ist das Risiko eines Zu-
       sammenstoßes, und zwar eines Zusammenstoßes, der unabsichtlich zu
       einer fatalen Explosion führen kann.
       Durch einen  sogenannten 'neutralen Gürtel' dürfte im Atomzeital-
       ter die  Sicherheit der ganzen Welt größer werden. Man könnte ihn
       besser einen 'internationalen Sicherheitsgürtel' nennen und müßte
       ihn definieren  als einen strategischen Zwischenraum zwischen den
       atomaren Großmächten, in dem sich auf Grund vertraglicher Verein-
       barungen Länder  befinden, deren Streitkräfte sowohl in der Größe
       als auch  in der Ausrüstung begrenzt sind und die in keinem Mili-
       tärbündnis mit einer Atommacht stehen.
       Es ist  gleichgültig, mit  welcher Seite  diese Länder am meisten
       sympathisieren. Das  größte Interesse aller dieser 'Gürtelländer'
       würde darin  bestehen, von  solchen militärischen Bindungen fern,
       um von  atomaren Verwüstungen  verschont zu  bleiben. Es  läge im
       gleichen Maße  auch im  Interesse der Großmächte, die Sonderstel-
       lung dieser Gürtelländer zu respektieren, da das die beste Garan-
       tie für ihre eigene Sicherheit wäre.
       Ein solcher Sicherheitsgurt könnte viel länger sein, als man sich
       bisher vorgestellt hat. Warum sollte man ihn auf Westdeutschland,
       Mitteldeutschland und  Polen beschränken?  Es dürfte  sehr  viele
       Länder geben,  die glücklich  wären, wenn  sie  sich  anschließen
       könnten, und eine solche Erweiterung wäre auch wertvoll. Man kann
       sich einen  transeurasischen  Sicherheitsgürtel  vorstellen,  der
       sich von  Spitzbergen bis  zum Himalaya  erstreckt und  die  vier
       skandinavischen Länder  Norwegen, Finnland,  Schweden,  Dänemark,
       die Länder Mitteleuropas wie Deutschland, Polen, die Tschechoslo-
       wakei, Österreich, Ungarn und die Schweiz genauso einschließt wie
       die Balkanstaaten  Jugoslawien, Rumänien, Albanien, Bulgarien und
       Griechenland, die  Türkei und  die Länder  des Nahen Ostens, Per-
       sien, Afghanistan,  Pakistan und  Indien. Der  Gürtel könnte auch
       weiter nach  Osten über Burma, Thailand, Indochina bis nach Japan
       und Korea  erweitert werden. Im Westen wäre denkbar, daß sich die
       drei Beneluxländer  und auch  noch andere  Staaten ihm  gerne an-
       schlössen. Ein  derart großer  Zwischenraum würde  viele Vorteile
       und kaum, wenn überhaupt, Nachteile bringen. Es wäre eine beruhi-
       gende Breite,  verglichen mit  dem  gegenwärtigen  'Feuervorhang'
       längs des  Eisernen Vorhangs, zwischen den feindlichen Riesen und
       deren von haardünnen Auslösern gehaltenen Waffen..."
       ...
       

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