Quelle: Blätter 1962 Heft 04 (April)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Kurt R. Großmann, New York
       
       "ANTIDEUTSCHE WELLE" ODER ERNÜCHTERUNG IN USA?
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       ...
       "Eine bemerkenswerte  antideutsche Strömung hat es in den letzten
       Jahren nicht mehr gegeben, geschweige daß man heute von einer or-
       ganisierten antideutschen  Kampagne sprechen  dürfte. Selbst  der
       Eichmann-Prozeß hat  keine Verschärfung  antideutscher Stimmungen
       zur Folge gehabt."
       ...
       ...
       "Möglicherweise aber erscheint vielen Amerikanern der Gedanke gar
       nicht so abwegig wie dem deutschen Leser. Shirer selbst, der nach
       dem Erfolg  seines Buches über das Dritte Reich beim breiten ame-
       rikanischen Publikum  als Autorität für Deutschland gilt, verkün-
       det seit  Monaten in  der Öffentlichkeit,  daß die Deutschen nach
       wie vor unverbesserliche Nazis sind."
       ...
       ...
       "Man könnte  dieses ebenso  gehässige wie  bis zur Komik törichte
       Werk mit  Stillschweigen übergehen,  wäre es nicht im angesehenen
       New Yorker  Verlag Random  House erschienen und hätte es nicht in
       allen bedeutenden  Zeitungen des  Landes Aufmerksamkeit  -  wenn-
       gleich nicht durchwegs Zustimmung - gefunden..."
       ...
       ...
       "Zu dieser Stunde ist Willy Brandt sich längst darüber klargewor-
       den, daß  die Alarmmeldungen  über die  antideutsche Stimmung  in
       Amerika beträchtlich  übertrieben sind.  Gewiß, es gibt hier eine
       kleine, ungemein  agile Gruppe  von unversöhnlichen Deutschenhas-
       sern, deren  Tätigkeit gerade  in New York dazu angetan sein mag,
       auch Leute mit wachem Wirklichkeitssinn zu narren. Sie lassen zur
       Zeit alle  propagandistischen Minen sprengen, um glaubhaft zu ma-
       chen, daß sich in Deutschland seit 1945 im Grunde nichts geändert
       habe und  daß Eichmann  somit als  Stellvertreter für  das  ganze
       deutsche Volk vor Gericht stehe...
       Die Eindrücke  diese  Reisen  lassen  jedoch  erkennen,  daß  von
       Deutschfreundlichkeit als  einem verbreiteten Empfinden nicht die
       Rede sein  kann. Tatsache  ist, daß  der  Durchschnittsamerikaner
       alle Vorgänge in Deutschland mit zunehmendem kritischem Interesse
       verfolgt, daß  sich also  ein  Wandel  in  der  Betrachtungsweise
       vollzogen hat.  Es scheint, als bahne sich hier ein mehr versach-
       lichtes Verhältnis  an, zu dem es irgendwann einmal kommen mußte,
       nachdem sich  die Metamorphose  der Deutschen vom Inbegriff alles
       Hassenswerten zu  demokratischen Musterschülern  vollzogen hatte.
       Mit der bisherigen Liebetuerei ist es also wohl am Ende."
       ...
       ...
       "Shirer schrieb  die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Dritten
       Reiches. Er  schrieb sie  nach bestem  Wissen und  Gewissen, ein-
       schließlich jener Spur von subjektivem Empfinden, die den verant-
       wortungsbewußten Journalisten  und - seien wir ehrlich - auch Hi-
       storiker ehrt  und auszeichnet.  Daß seine Subjektivität uns weh-
       tut, können  wir getrost  auf das  Konto 'Deutschland' verbuchen,
       das auch  die mehr  oder weniger  zu Recht strapazierten Begriffe
       wie Nationalismus,  Militarismus, Preußentum, Kadavergehorsam und
       Traditionalismus... beinhaltet."
       ...
       

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